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Partner mit bipolarer Störung - wie richtig verhalten?

Lili_Vess

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Hallo liebe Community

Ich bin seit knapp 2 Jahren mit meinem Partner zusammen, der einerseits eine diagnostizierte bipolare Störung hat und andererseits an starkem Alk. leidet.
Als wir uns kennengelernt schien beides nicht wirklich offensichtlich zu sein, erst mit der Zeit kamen die Zeichen zum Vorschein. Da war es aber für mich schon zu spät, mich aus der Beziehung herausnehmen zu wollen, da ich schon zu viele Gefühle hatte.

Vor 1 Jahr hatte er eine starke depressive Phase, die durch finanzielle Probleme getriggert wurde bzw. dies war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Er hatte sich in seiner Wohnung eingesperrt und obwohl ich einen Schlüssel dazu hatte, hat er mich nicht reingelassen. Jedoch ging ich ab und zu vorbei, brachte ihm Essen und Trinken vorbei und stellte es ihm vor die Tür. Irgendwann habe ich es dann doch geschafft, zu ihm durchzudringen. Aber es brauchte eine sehr grosse Anstrengung meinerseits, er selber hat sich nicht mehr bei mir gemeldet. Seine Wohnung bestand praktisch nur noch aus leeren Bierdosen, das hat mich total erschreckt.
Wir haben das dann überstanden, er hat einen neuen Job gefunden und wir sind zusammengezogen. Seither ist alles besser gelaufen. Er trinkt zwar noch aber nicht mehr so viel, und auch die Stimmung ist nur kurzzeitig etwas im Sinkflug, aber eher im Rahmen einer normalen Stimmungsschwankung.
Dann war es für mich so weit, nach meinem Studium für 6 Monate Reisen zu gehen. Ich war schon von Anfang an sehr besorgt, was passiert, falls er wieder in eine Depression fällt. Doch erstaunlicherweise lief alles gut, eigentlich sogar schon super. Wir haben jeden Tag geschrieben und hörten uns am Wochenende jeweils 1 oder 2 Mal. Nach 4 Monaten auf diese Weise kam für ihn eine "schlechte finanzielle" Nachricht und er hat sich 1 Woche komplett zurückgezogen. Ich war in dieser Zeit (und bin noch immer) in Japan, knapp 9000km weit weg, und er hat weder meine Nachrichten gelesen noch sich selbst irgendwie gemeldet. Nach einer Woche kam er dann irgendwie doch wieder zu Sinnen, hatte sich entschuldigt und gesagt, er habe Fieber gehabt und sei daher die ganze Woche über mit Fieber im Bett gelegen und hatte nicht wirklich den Kopf frei zum Schreiben. Den Kommentar, dass er mir dann wenigstens schreiben könnte "hey, ich mag gerade wirklich nicht, ich melde mich wieder bei dir wenn es mir besser geht. Ich liebe dich", bekräftigte und meinte, er werde dies nächstes Mal tun.
Es verging aber nur eine Woche, bis er sich wieder nicht mehr meldete. Ich schrieb ihm zwar Nachrichten, aber er würde diese nicht anschauen oder öffnen. Darauf hin habe ich ihm eine Mail geschrieben, in der Hoffnung, dass er diese liest, da diese keine Lesebestätigung hat und somit der Druck von ihm etwas abfallen könnte. Ich habe ihm geschrieben, dass er mir wenigstens sagen soll, ob es meiner / unserer Katze gut geht und dass ich meine beste Freundin vorbeischicken werde, um nach dem Rechten zu sehen. Da es unsere gemeinsame Wohnung ist finde ich, habe ich das Recht, zu wissen, ob die Bude auseinanderfällt oder nicht. Daraufhin kam tatsächlich eine Reaktion, dass es ihm sehr leid tue, dass er sich einfach nur schäme so tief gefallen zu sein und dass er nur noch gesund werden will. Und dass er mich am nächsten Tag anrufen wolle. Er meinte auch, dass er mich noch liebe und als ich ihm geschrieben habe, dass ich ihn auch noch liebe, meinte er, habe er weinen müssen, da er nicht wusste, ob ich noch immer so denke oder nicht.
Am nächsten Tag kam aber nichts. Kein Telefonat, keine Nachricht, nichts.

Um das alles noch etwas verzwickter zu machen kommt hinzu, dass ich mich nun am Ende meiner Reise befinde und er in knapp 3 Wochen zu mir fliegen müsste. Er hat seinen Flug bereits bezahlt und die Hotels sind reserviert. Das eine, welches uns knapp 500.- kosten würde, kann ich noch kostenlos stornieren - bis in 2 Tagen. Also habe ich ihm geschrieben, auch wenn er mir sonst nicht schreiben will soll er mir doch bitte wenigstens sagen, ob er noch kommen mag oder nicht, ansonsten müsste ich die Reservierung stornieren. Aber auch hier wieder nichts, keine Reaktion bzw. er liest meine Nachrichten auch nicht. Ich habe es erneut über Mail versucht, doch diesmal scheiterte der Versuch.

Ich weiss jetzt wirklich nicht mehr, wie reagieren. Ich weiss, es geht ihm schlecht. Aber ich kann nicht einfach alles komplett einstecken. Trotz allem finde ich nicht, dass eine Depression eine Verhaltens-Freikarte ist. In knapp 1 Woche habe ich Geburtstag, ich weiss nicht, was ich machen sollte, wenn er sich dann nicht meldet. Noch weniger weiss ich, was ich machen soll, wenn er mir nicht Mal sagt, dass er nicht kommt, sondern ich einfach am Flughafen auf ihn warte und niemand kommt. Ich weiss, dass er nichts mit Absicht macht, aber meine Gefühle sind echt und können sich nicht einfach in Luft auflösen.Ich stelle mir nur die Situation vor, dass ich dann alleine nach Hause fliege, er mich auch nicht abholen kommt da er dafür keine Kraft hat und ich zuhause nicht reinkomme, da er sich schämt - und ich schlussendlich die Polizei rufen muss, um in meine eigene Wohnung zu kommen. Auch wenn es nicht so dramatisch abläuft habe ich wirklich Angst zurückzukommen - ich befürchte, dass meine Wohnung nun voller Bierdosen ist und auch sonst relativ heruntergekommen ist.

Kann mir irgendjemand einen Tipp geben, wie ich reagieren soll? Meine Stimmung wechselt mittlerweilen schon fast stündlich von "ich bleibe bei ihm und wir stehen das zusammen durch" zu "ich kann das nicht", von "er kann nichts dafür, es ist eine Krankheit" zu "er sollte mir wenigstens sagen ob ich das Hotel annullieren soll (sind immerhin 500.- die wir beide nicht vorig haben), von Verständnis zu Wut und Ohnmachtsgefühl.

11.03.2020 06:11 • x 1 #1


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37Jahre

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Guten Morgen liebe Lili,
deine Geschichte grade berührt mich sehr und die innerliche Not in dir kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe keine Idee wie ich dir konkret helfen könnte ausser dir zu sagen das ich mit dir fühle.
Mir persönlich hat es immer weiter geholfen in Foren wie diesen zu lesen um mich zu sammeln,einen Einblick zu bekommen wie es anderen Angehörigen und Betroffenen ergeht.Das war Entlastung und hat mich eine Haltung finden lassen mit meiner Situation umzugehen.
Liebe Grüße

11.03.2020 06:41 • x 2 #2


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buddl1

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. die Angst, ihn nicht -Bestenfalls- ihm im eigenen Chaos vorzufinden,
wird wohl bei dem hier geschrieben, kaum einer dir nehmen können.
du warst arbeits-bedingt nicht erreichbar, dem er offensichtlich nicht gewachsen war.
die Frage ist,
kannst du weiterhin so stark sein, ihm wieder nicht nur aufzufangen, wieder aufzubauen,
sondern auch, ihm notwendig Hilfe zu geben, eine thera sich anzuschließen,
damit du -neben deiner Liebe- auch dein Arbeitsleben aufrecht und unbefangen halten kannst?
du kanntest seine alte Wohnung.
kannst du diese Liebe weiterhin geben?
buddl1,

11.03.2020 12:22 • #3


Eulenspiegel

Na ja , die Frage ist wie lange möchtest du noch so viel investieren , wo doch nichts zurück kommt und Sorry wenn du diese Beziehung trotzdem halten möchtest , warum gehst du dann für Monate ans Ende der Welt , wo du doch genau wusstest das es nicht gutgehen kann wenn er alleine ist , es ist halt so dein Freund ist hilflos Alk. und Depressiv das kann nur im Chaos enden

11.03.2020 16:51 • x 1 #4


Luzi1309

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Schwierige Situation, ich kenne leider beide Seiten. Depressionen und Alk. eine katastrophale Kombination. Ich bin selbst eine "depressive, seit 15 Jahren trockene Alk."
Durch Depressionen zum Alk. gegriffen, durch Alk. noch mehr Depressionen bekommen. Ich sehe bei dir leider nur die Möglichkeit, von deinem Partner energisch den Verzicht auf Alk. zu fordern, natürlich mithilfe von Profis, Therapie etc.
Weigert er sich, solltest du dich trennen, trotz aller Gefühle und Mitleid, sonst macht es dein Leben mit kaputt.
Ich wünsche Dir viel Kraft

11.03.2020 23:50 • x 3 #5


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Lilly-18

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Zitat von Eulenspiegel:
warum gehst du dann für Monate ans Ende der Welt , wo du doch genau wusstest das es nicht gutgehen kann wenn er alleine ist


Ich finde, jeder ist selbst für sein Leben verantwortlich. Den Schuh würde ich mir auf keinen Fall anziehen.
Lili, du bist wahrscheinlich noch jung, du solltest deine Träume verwirklichen. Ich würde an deiner Stelle abwägen, ob ich die Bürde auf mich nehmen würde, mich der Krankheit meines Partners unterzuordnen. Denn das müsstest du auf Dauer zwangsläufig.

Zitat von Lili_Vess:
Trotz allem finde ich nicht, dass eine Depression eine Verhaltens-Freikarte ist.


Dieser Meinung bin ich auch.
Bei allem Verständnis, aber denk auch an dich.

12.03.2020 14:30 • x 1 #6

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