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Gehe ich richtig mit meinem depressiven Partner um?

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Sandra-k
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Dani82a

Dani82a
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Zitat von Maliena74:
Er oder Sie hat einfach kein interesse mehr.
Sonst könnte man die paar sekunden opfern.
Null intetresse
Auch mit Depressionen kann man zurückrufen oder schreiben.
Wenn auch nicht sofort aber zeitnah


Ich sehe das eher so:
wenn man bereits schlechte Erfahrungen hat, bzw Angst zu vertrauen und selbst depressiv ist; dann ist das nicht fair so etwas zu schreiben. Es ist doch die eigene Stimme die einem sagt, dass ein Mensch so und so ist. Das der Mensch sich aus dem und dem Grund nicht meldet / melden will.
Aber in den Kopf schauen, kann man seinem "Gegenüber" halt leider nicht.

Wenn ich selbst mal wieder in einer schwer depressiven Phase bin, dann brauche ich teilweise verdammt lange, bis ich die Kraft finde, um auf Mails oder Anrufe zu reagieren.

Es ist nicht ok zu schreiben, dass stark depressive Menschen keinen Bock auf Kontakt haben.
Wir sind oft schlichtweg nicht in der Verfassung uns um uns selbst zu kümmern.
Machen uns auch wirklich selbst fertig, wenn wir nicht so funktionieren, wie wir es gerne würden.

Viele von uns wünschen sich mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen.

Glaubt an uns, wenn wir es nicht mehr können.

Hoffe, mein Text kommt nicht falsch an.

Viele Grüße

27.03.2020 21:26 • x 11 #2188


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A


Hallo Sandra-k,

Gehe ich richtig mit meinem depressiven Partner um?

x 3#3


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Liebeskind
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Hallo Ihr Lieben,

ich lese hier seit Tagen mit großen Interesse still mit. Sowohl als Angehörige einer depressiven Partnerin, als auch als ehemals Betroffene.

Respekt für Euren Zusammenhalt hier und für Eure gegenseitige Unterstützung. Das finde ich wirklich großartig. Ebenso wertvoll sind auch die Einblicke und Ratschläge der Betroffenen, die sich ja auch immer wieder zu Wort melden.

Meine Geschichte ist im Gegensatz zu dem, was Ihr momentan durch macht, glaube ich, gar nicht soo dramatisch. Dennoch erkenne ich vele Verhaltensweisen wieder.

Meine Partnerin und ich sind seit 1,5 Jahren ein Paar. Nach etwa 6 bis 8 Monaten bemerkte ich erste Veränderungen und Stimmungsschwankungen. Es gab ein akutes, für sie sehr schlimmes familiäres Ereignis, das sie sehr belastet hat und auch immer noch belastet. Aufgrund dessen entwickelte sie eine depressive Episode, die bis heute (mal mehr mal weniger stark ausgeprägt) anhält. Darunter leidet natürlich auch unsere Beziehung. Wir leben in getrennten Wohnungen und sie braucht, wenn es ihr nicht gut geht, auch viel Abstand und Zeit für sich. Wir sprechen immer mal wieder darüber und ich komme inzwischen besser damit klar, als am Anfang, als ich mir das Verhalten überhaupt nicht erklären konnte. (Meine eigene Depression war diesbezüglich doch ganz anders). Was ich Euch aber mit auf den Weg geben möchte ist Folgendes: meine Partnerin hat mir mal erklärt, dass sie sich das selbst überhaupt nicht erklären kann, wo all ihre Gefühle für mich hin seien, sie aber nach wie vor den innigen Wunsch hat, mich wieder genauso lieben zu können wie vorher. Und um das zu können brauche sie diesen Freiraum. Sie wolle an den Punkt kommen, eine Sehnsucht zu spüren und das könne sie nur, wenn sie ungestört sei. So hatte ich das vorher gar nicht gesehen, aber es leuchtet mir ein und ich respektiere das. Sie hat sich auch bereits therapeutisch behandeln lassen, sodass wir uns momentan in einer Phase befinden, die ich schon als positiver bewerten würde, als noch vor einigen Monaten. Dennoch gibt es immer wieder Rückschläge, die mich dann sehr belasten. Der Weg nach oben ist einfach lang und steinig und er verläuft leider überhaupt nicht nur geradeaus. Dennoch gibt es diesen Weg nach oben auch bei Euren Partnerinnen und Partnern. Ihr wisst nur nicht, wie lang er ist und an welcher Stelle, Kurve, Gabelung etc. Eure Liebsten sich gerade befinden. Und ich glaube, das macht auch diese Ohnmacht aus, die man zwischendurch immer wieder fühlt. Aber das erklärt sicher auch, dass sich Hochs und Tiefs abwechseln und man nicht denken darf, dass es jetzt so bleibt, wie es ist. Weder im positiven noch im negativen Sinne. Aber irgendwann merkt man, dass die Hochs überwiegen und dann kommt der Punkt, an dem auch das letzte Tief überwunden ist.

Bezüglich meiner eigenen Depression kan ich sagen, dass man sie komplett überwinden kann, auch wenn man sich noch so schlecht fühlt. Ich habe unfassbar gelitten und "grau" war schon das farbigste zwischen all dem "schwarz". Man selber kann in dem Moment nicht daran glauben, dass es besser wird, aber man kann es hoffen und den Menschen, vertrauen, die sagen, dass es geht.
Und ja, das braucht Zeit. Ich habe am Anfang etwa 4 bis 6 Wochen nicht arbeiten können. Mir war ALLES zu viel. Selbst Situationen in denen ich nur da gesessen habe und vor mich hin gestarrt habe, waren kaum erträglich. Der Unterschied zu Euren Partnern/Partnerinnen war aber der, dass meine Depression durch eine Trennung verursacht wurde. Deswegen kann ich nicht sagen, wie sich Depression und Beziehung anfühlt. Ich halte es aber für sehr realistisch, dass phasenweise wirklich gar nichts mehr geht und wirklich alle Gefühle komplett verschüttet sind. Teilweise lag ich auch nur im Bett und habe nicht geöffnet, wenn es geklingelt hat. Ich hatte das alles über Jahre gar nicht mehr so im Bewusstsein, weil ich - wie gesagt, diese schlimme Zeit komplett überwunden habe (mit Therapie und Medikation). Aber als es meiner Partnerin so schlecht ging, ist mir vieles davon wieder in den Sinn gekommen. Als Aussenstehende/r kann man sich einfach nicht in diese Krankheit hinein versetzen. Deswegen bleibt bei Eurem Kurs der Geduld, gebt Euren Liebsten den Freiraum, den sie brauchen und nutzt die Zeit etwas Schönes für Euch zu machen, auch wenn es noch so schwer ist.

05.12.2019 16:21 • x 11 #724


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Alle Antworten:


Y
Hallo Sandra-k,
letztlich wird dir nur dein Partner die Frage beantworten können, ob es ihm gut tut, Nachrichten von dir zu bekommen.
Nach meiner Erfahrung ist jede Depression anders und jeder geht anders mit seiner Krankheit um.
Mir selbst hätte es mit Sicherheit sehr geholfen. Zu wissen, da draussen ist noch jemand, der für mich da ist, das hätte mir Halt und Sicherheit gegeben. Auch hätte ich reagieren wollen, dass hätte mich im Positiven gezwungen, kurz die Nase aus meiner selbstgewählten Isolation zu stecken.
Du könntest doch deinen Partner bei der nächsten passenden Gelegenheit fragen, ob er das möchte oder ob ihn das unter Druck setzt. Grundsätzlich kann man versuchen abzuklären, wie und was man in einer schlechten Phase möchte und was nicht.
Aus heutiger Sicht wäre für mich einiges leichter gewesen, wenn ich gefragt worden wäre, oder wenn ich selbst den Mund aufgemacht hätte.
Hab Mut!

x 5 #2


S
Danke Ylvi13,
Danke für deine Rückmeldung aus deiner Sicht. Das hilft mir immer ein Stück weiter. An guten Tagen kommt auch immer mal was von ihm zurück und er sagt das er soo froh mit mir ist. Und an anderen Tagen heisst es lass mich und vergiss mich. Aber auch danach kommt immer mal wieder was. Ich hab die Hoffnung das es ihm tatsächlich halt und Zuversicht gibt, das ich auch weiterhin da bin. Und das schreibe ich dann auch immer wieder ich bin da für dich und auch die Frage was ihm gut tun würde. Aber so eine richtige Antwort darauf kann er mir nie geben. Ich werde am "Ball" bleiben und versuchen mich dabei nicht zu vergessen oder anzuzweifeln. Denn er kennt es auch nicht das jemand einfach nur für ihn da ist. Hat er selbst gesagt.

x 2 #3


Y
Das ist gut Sandra, bleib am Ball. Wenn ich noch einen Tip geben darf, du solltest versuchen ein Gespräch zu führen, um heraus zu finden, was ja und was nicht. Ich fürchte, von mir wär auch keine schriftliche Antwort gekommen. Ein Depressiver ist krank, aber er muss nicht in Watte gepackt werden.
Vielleicht schaust du dich mal nach einer Selbsthilfegruppe für Angehörige um, die kann sehr hilfreich sein, wenn das dein Ding ist.
LG

x 2 #4


S
Danke für die Tips, aber Gespräch lehnt er komplett ab. Er möchte mich nicht sehen, weil er sagt das er dann "weich" wird und er da im Moment alleine durch muss. Das macht es für mich manchmal schwierig, er weiß scheinbar das ich ihm helfen könnte, kann es aber nicht zulassen. Ich bleibe so dran wie es mir gut damit geht, bis ich was anderes von ihm höre oder lese. Danke dir

x 2 #5


ZeroOne
Hi @Sandra-k !

Erstmal Willkommen im Forum!

Zitat von Sandra-k:
Hab halt nur keine Ahnung ob es gut ist ihm weiterhin zu schreiben, für mich fühlt es sich gut an.


Wenn es sich gut für dich anfühlt und du nicht die Gefahr läufst, dich selbst darin zu verlieren, dann bleib doch dabei. So, wie ich aus deinen Posts meine herauszulesen, sagt bzw. schreibt dein Partner dir schon klar, was für ihn geht und was nicht.

Ich teile die Meinung von @Ylvi13 :

Zitat von Ylvi13:
Du könntest doch deinen Partner bei der nächsten passenden Gelegenheit fragen, ob er das möchte oder ob ihn das unter Druck setzt. Grundsätzlich kann man versuchen abzuklären, wie und was man in einer schlechten Phase möchte und was nicht.


Wenn er nicht persönlich kann, oder möchte, geht´s ja auch telefonisch, oder schriftlich, falls du das möchtest.

Respekt für deine Einstellung:

Zitat von Sandra-k:
Ich werde am "Ball" bleiben und versuchen mich dabei nicht zu vergessen oder anzuzweifeln.


Ich drück dir die Daumen!

LG
ZeroOne

x 2 #6


S
Danke ZeroOne,
Ihr glaubt gar nicht wie gut mir dieser Austausch, sammeln von erfahrungen hier tut. Danke euch. Ich hab echt lange gebraucht um zu verstehen das ich nicht schuld an seiner Situtation bin, aber es ist angekommen.
Ich würde soviel für ein Gespräch, am liebsten persönlich tun, aber auch telefonisch. Aber er geht einfach nicht dran und wie gesagt sobald er zu Hause isoliert er sich komplett. Telefon, Handy,Klingel alles aus.
Bin am überlegen ob ich ihm einen Brief schreiben soll und noch etwas was er ganz gerne mag, ein Foto, welches ich ihm auch schon geschickt habe per Nachricht, einfach als ausgedrucktes Foto beilegen soll. Damit werde ich mich die nächsten Tage beschäftigen. Er ist so ein toller und eigentlich auch starker Mensch. Aber er sagt immer von sich selbst er muss nur funktionieren und bei mir kann er sein wie er ist und muss nichts tun. Irgendwann kommt er aus seinem Loch heraus und ich werde da sein. Ich glaub daran und versuche so gut es geht ihm zu zeigen das er nicht alleine ist.

#7


atheryse13
Hallo Sandra,
ich mache ähnliches durch. Erst dieses Forum hat mir geholfen, besser mit der Depression meines Partners umzugehen. Es ist sau schwer zu akzeptieren, dass Du im Grunde nur abwarten kannst, bis der Betroffene in der Lage ist, Dich an ihn heranzulassen. Bei mir ging eine solche Ablehnungsphase über zwei Monate. Da hab ich echt gezweifelt, ob überhaupt Liebe noch vorhanden war. Aber dann blickte es doch durch.

Ich versuche mir vorzustellen, daß die Person, die ich eigentliche liebe, versteckt ist. Dass diese Krankheit alles überschattet bis ein Knötchen sich löst. Aktuell bahnt sich bei uns wieder so eine Phase an. Ich werde mich um meine Sache kümmern und suche den Kontakt nur wenn absolut nötig. Ich erwarte keine "Liebesbeweise". Wenn ich über dieses Thema reden möchte, versuche ich eine Zeit abzupassen, wenn er nicht so tief in seinem Loch steckt.

Ich mache das auch genauso mit Präsenz zeigen. Ich hatte immer den Eindruck, daß, auch wenn er es nicht zugeben konnte oder zeigen konnte, es tat ihm gut zu wissen, daß er nicht völlends alleine war. Es sei es nur die Frage nach einer weiteren Tasse Kaffee gewesen. Gut, wir wohnen zusammen, da ist so etwas einfacher. Ich finde Deinen Morgengruß gut. So hat Dein Partner etwas schönes gleich zum Tagesbeginn. Ein Gegensatz zu dem Schwarzen, was er erlebt.

Ich drücke Dir die Daumen und wünsch' Dir viel Kraft.

x 6 #8


S
Hallo atheryse13,
Danke für deine Antwort. Ich finde dieses Forum sehr hilfreich. Hier bekomme ich antworten auf so viele offene Fragen und immer wieder die Bestätigung das ich tatsächlich nur abwarten kann.
Hab auch schon so viele Gedanken gehabt, ob es tatsächlich besser oder einfacher wäre wenn wir zusammen wohnen würden. Aber auch das würde wahrscheinlich nichts an seiner Situation ändern. Ich warte ab bis ein "Knötchen" sich löst und so lange bin ich einfach nur da.
Wie merkst du es das sich eine solche Phase wieder anbahnt ? Bei meinem Partner kam es mir vor, als sei es von jetzt auf gleich, ohne Vorwarnung gekommen. Drück dir die Daumen das du /ihr auch diese Zeit gut durchlebt.

x 1 #9


Y
Hallo,
wenn ich mich kurz einmischen darf . . . Glücklich
bei mir lösst sich das erste Knötchen und dann langsam eins nach dem anderen, es wird Schritt für Schritt besser, Tag für Tag. Ich denke, ich habe mir das gar nicht anmerken lassen, es ist so unwirklich, ich habe dem nicht getraut und mir nicht vertraut. Erst als ich gut durch war, konnte ich auf andere zugehen. Und umgekeht ist es genau so, ich rutsche nicht plötzlich weg, sondern Stück für Stück, ich merke wie es angekrochen kommt. Heute, ganz viele Erfahrungen später, bin ich in der Lage vorzuwarnen und auch deutlich zu machen, wenn ich anfange aufzutauchen.
Vielleicht ist das bei deinem Partner auch so und du empfindest das dann als plötzlich, verständlicher Weise.
LG

x 5 #10


S
Hallo Ylvi13,
Ich bin über jede Rückmeldung froh, es hilft mir immer ein Stück weiter zu verstehen. Finde es richtig gut wie du darüber schreiben kannst, so verständlich für mich als "Aussenstehende". Danke. Ich freue mich schon heute, mit meinem "besseren" Verständnis, darauf das er wieder aus seinem Loch kommt. Es kann nur besser werden.

x 2 #11


S
Hallo liebe Sandra.
Es tut mir für dich sehr leid, dass du gerade in einer so , für dich, stressigen Situation steckst.
Jeder Mensch ist anders und reagiert anders.
Du kennst deinen Freund am Besten!
Da ich ja leider auch von Depressionen "geplagt" bin, leider, sieht es bei mir ganz anders aus.

Sowie ICH bemerke, dass sich niemand mehr bei mir meldet, weiß ich persönlich, dass ich etwas falsch gemacht habe, etwas versäumt habe.
Dann melde ICH mich bei meiner Familie und meinen Freunden.
Du musst für dich/ euch herausbekommen, was in eurer Situation am besten ist.

Für MICH wäre unvollstellbar, irgendwann mal ganz alleine dazustehen. Deshalb bemühe ich mich, irgendwann mal, um weiterbestehende Kontakte.

Wie gesagt! Jeder Mensch ist anders.

Alles Gute für deine Zukunft.

Liebe Grüße, Sanni

x 5 #12


atheryse13
Ich habe durch viel Beobachtung gelernt, die Zeichen zu deuten. Es fängt meistens an, daß er anfängt sich zu distanzieren. Längere Schlafphasen tagsüber, durchwachte Nächte. Leider, leider, fängt bei den durchwachten Nächte immer das Trinken an, was wiederum alles noch verschlimmbessert. Gerade in so eine Phase stecken wir. würgen

Ich kann Dich nur ermuntern, bleib bei diesem Forum. Ohne das Forum und ohne meine Therapeutin konnte ich das alles nicht durchhalten.

x 7 #13


S
Hallo Sanni, danke auch für deine Rückmeldung aus Deiner Sichtweise. Jetzt wo du es schreibst, es gab zwischendurch mal einen Tag an dem ich mich nicht gemeldet hatte, daraufhin hat er mir Abends geschrieben. Mmmhhh, muss ich mal drüber nachdenken. Dieser Tag war bei mir so vollgepackt und ich hatte nie die richtigen Wort die ich ihm schreiben wollte. Auch dein geschriebenes werde ich mir durch den Kopf gehen lassen. Danke.

x 2 #14


A


Hallo Sandra-k,

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S
Hallo atheryse13,
Das mit dem Beobachten werde ich wohl in Zukunft, durch mein "mehr" Wissen besser können.
Dir wünsche ich ganz, ganz viel Kraft das du bzw. Ihr diese aktuelle "Phase" gut übersteht.

x 3 #15

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