Hallo zusammen,
vor ein paar Tagen habe ich diesen Thread hier entdeckt und mich die letzten Tage durch alle Seiten gelesen. Wahnsinn, und ich dachte lange Zeit, ich wäre die einzige, die "so was" mitmachen würde.
ich erzähle euch mal kurz meine Story (ok, kurz geht vermutlich nicht. )
mein Partner hat diagnostizierte Depression.
wir wohnen () zusammen seit 2 Jahren, und im Juni letzten Jahres gab es die Diagnose Depression/Burn-Out erstmalig gestellt vom Hausarzt. Vorher merkte man natürlich schon länger immer mehr Veränderungen im Verhalten. Wir hatten eine sehr schöne, liebevolle und respektvolle Beziehung und passen einfach wie "Ar. auf Eimer" zusammen, selbe Ansichten, selber Humor, viel Kuschelbedürfnis und Nähe usw. usw. Das wurde alles weniger, irgendwann ging er dann zum Arzt, aber mit der Aussage "sich einfach mal durchchecken zu lassen" (er ist 40, ich fast 30) und sagte danach auch, alles sei okay. Zwei Wochen später kam ich von der Arbeit, alle seine Sachen waren gepackt und er saß dort wie ein Häufchen Elend, sagte er bräuchte ein paar Tage Ruhe um sich zu sortieren, es soll keine Trennung sein, er wüsste auch nicht ob es richtig sei, blieb dann doch noch Stunden und ist irgendwann gefahren.
paar Tage später kam er wieder. hat dann einen Monat gebraucht um wieder "richtig" einzuziehen, alles wieder mitzubringen und auch die Nächte wieder zuhause zu bleiben (starke innere Unruhe, war viel unterwegs, Auto fahren hat ihn beruhigt.)
ihm wurden Antidepressivas verschrieben (leider durch Hausarzt) und wir haben ihm einen Therapieplatz gesucht (auf seinen Wunsch). Der Platz wurde gefunden (Verhaltenstherapie), seit September konnte er dort sporadisch hin, seit Dezember hat er einen festen wöchentlichen Platz.
mittlerweile hat er auch einen Psychiater für die Antidepressivas.
krankgeschrieben war er seit Juni. es ging aufwärts seit den Antidepressivas, im August kam noch eine Lungenentzündung hinzu, Wiedereingliederung ins Arbeitsleben ab September. dieser ist leider nach zwei Wochen Vollarbeit gescheitert.
Seitdem ging es abwärts. ich vermute, auch er wollte "zu schnell" wieder in die Normalität zurück und hat sich auch auf der Arbeit und im Privatleben übernommen. Anfang November erneut Arbeitsunfähigkeit bis heute laufend. seitdem sah er auch immer schlechter aus, erwähnte öfters das er nichts mehr fühlt und ihm alles total gleichgültig ist, auch seine Kids (er hat zwei aus voriger Beziehung). das er nichts auf die Reihe bekommt, mit keiner "Baustelle" vorwärts kommt, etc.
ich vermute, dass da auch diverse Umstellungsversuche bei den Antidepressivas mit reinspielen. er reagiert immer mit der ganzen Breitseite an Nebenwirkungen.
Ende November die nächste Lungenentzündung, aber nicht so schlimm wie die erste. durch die Antidepressivas durfte er keine Schmerzmittel nehmen.
In dieser Zeit fing es an, dass er es nur noch jede zweite Nacht ca. nach Hause "geschafft" hat. Er war tagsüber viel draußen im Wald etc. unterwegs, um Ruhe zu finden und zu sich selbst. Wenn er mir dann schrieb, er macht sich auf den Weg und dann kommt niemand, Nachrichten bleiben ungelesen und Anrufe unbeantwortet. kein schönes Gefühl. er meldete sich jedes mal am nächsten Morgen, er wüsste nicht was passiert sei, Erinnerung weg, er ist irgendwo im Wald aufgewacht.
zuletzt gesehen habe ich ihn am 8. Dezember. Er hat den Schlüssel zu einer kleinen Wohnung, die er mit einem Freund renoviert, dort "wohnt" er zurzeit. anfangs hieß es, es sei nur der Rückzugsort für den Winter. Durch die Lungenentzündung, die sich so lange zog und einer darauf folgenden Venenverengung/Thrombose, wollte er mir (vermutlich) nicht zur Last fallen und ist irgendwie, einfach dort geblieben. nicht die schönste Art für mich natürlich.
Er schrieb mir öfters, das er dann und dann nach Hause kommen will (mal von sich aus, mal auf Nachfrage meinerseits).
Am 6. Januar erhielt ich (von ihm aus, ohne Nachfrage, vorher paar Tage in Ruhe gelassen) die Nachricht, dass er auch die Thrombose und Fieber soweit überstanden habe und er sich für das durch ihn verursachte Ärger und Leid entschuldige.
kurz darauf ist er anscheinend in eine ziemlich tiefe depressive Phase gefallen. wobei ich denke, die Krankheitsgeschichte vorher hat sein übriges beigetragen.
Kontakt per WhatsApp haben wir halbwegs regelmäßig. Ende Dezember/Anfang Januar kam es mehrmals vor, dass er über zwei Tage keine Nachrichten gelesen hat, da scheint sich mittlerweile wieder gefangen zu haben, hin und wieder mal einen Tag nicht. wobei er auch sonst oft nur 1-2x am Tag online zu sein scheint, früher war er fast daueronline und so gut wie immer erreichbar.
der Kontakt geht natürlich meistens von mir aus, wenn ich mich allerdings ein paar Tage nicht melde, kommt von ihm aus auch was.
mir ging es gerade am "Anfang" (Ende November/Dezember) sehr schlecht mit der ganzen Situation, wie sie sich entwickelt hat. als er noch zuhause war bin auch ich immer mehr zum nervlichen Wrack geworden, konnte kaum mehr klar denken, hab alles darauf fokussiert das ich ihn bei mir habe und wollte die ganze Situation unter Kontrolle behalten. Ging natürlich nach hinten los.
Das Gedankenkarussell kenn ich auch sehr gut. Ich bin ein sehr rational, logisch denkender Mensch, was mit Depressionen natürlich überhaupt nicht zusammenpasst. Ich habe meinem Kerl oft genug die Frage gestellt, sind wir noch in einer Beziehung, kommst du wieder zurück? Die Antwort war - überraschenderweise - jedes Mal eindeutig, ja.
Sicher kann ich mir deswegen natürlich nicht sein, aber ich habe aufgehört die Beziehung infrage zu stellen.
Einige Verhaltensweisen seinerseits erscheinen mir extrem unlogisch, auch das habe ich in dem Thread hier von einigen schon lesen können. Er hat öfters schon geschrieben er ruft mich an ("heute"/"morgen") und tut es einfach nicht. Er hat öfters gesagt er kommt nach Hause oder zuletzt, auf meine Nachfrage hin ob er meint das wir uns mal Treffen sollten, das wir das tun und er vorbeikommt, natürlich auch nicht geklappt. zuletzt telefoniert haben wir Ende Dezember, zugegebenermaßen sind wir beide keine großen Telefonierer, noch nie gewesen. aber seine Stimme hören würde gut tun.
manchmal liest er auch Nachrichten und beantwortet sie nicht, meistens jedoch schon. habe auch schon mal gefragt woran es liegt, das er manchmal nicht antwortet. er sagt, das es nicht böse gemeint ist und das er alle Nachrichten von jedem nur überfliegt und allen kaum antwortet. wenn dem so ist, ist das was wir manchmal führen ja fast schon eine ausgewachsene Konversation. aber wer weiß.
Die Frage, wie es ihm so ist, wird allerdings jedes Mal beantwortet. ich versuche jedoch, diese nur in einer laufenden Konversation zu stellen, so eine zustande kommt.
Diese Woche hat er mich das erste mal seit über 1,5 Monaten wieder mit "Schatz" angesprochen.
An manchen Tagen klappt eine vor sich hin plätschernde Kommunikation ganz gut, an anderen Tagen bleibt es bei einer Nachricht, an manchen Tagen geht gar nichts. ich schreibe aber auch nicht jeden Tag. gefühlt ist die Kommunikation zuletzt besser geworden, von "ein-Wort-Sätzen" sind wir schon beim ein oder anderen ganzen Satz angekommen, beizeiten auch mehr als einer.
Lange habe ich geglaubt, das ist alles persönlich gegen mich gerichtet und eine sehr komische Art, um mich loszuwerden. Bis ich von dem Trip runter war, hat es einige Zeit gebraucht aber das ist vorerst geschafft. macht vom logischen denken auch keinen Sinn, so würde der Kerl mich niemals behandeln.
ob alles so richtig ist für ihn was ich tue oder auch nicht, weiß ich nicht. vermutlich mache ich auch öfters (un)gewollt Druck. aber wer ist schon frei von Fehlern.
zum Glück habe ich tolle beste Freunde, die mich mit aus dem Mist gezogen haben und jetzt habe ich gelernt und lerne noch, das Leben weiterzuleben. nachdem ich im Dez. eine Woche Arbeitsunfähigkeit war, bin ich auch wieder arbeiten. manchmal ist es sehr anstrengend, meistens geht es. ich muss noch lernen, mich noch besser abzugrenzen und die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. aber im Vergleich zu Anfang Dezember geht es mir deutlich besser.
ich hoffe nur, das alles irgendwie wieder gut wird.
vielleicht gibt es ja noch den ein oder anderen Tipp, Hilfestellung, Denkanstoß für mich.
Respekt, wer bis hierhin gelesen hat - das ist ja doch was länger geworden.

vergessen hab ich bestimmt irgendwas.
viele liebe Grüße an euch
und auch meinen Respekt, was ihr/wir alle so mitmachen. Geduld war übrigens nie meine Stärke, ich glaube, die Meinung über mich muss ich revidieren