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Fehlende Anerkennung - oder erwarte ich zu viel?

Lilly-18

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Ich darf jetzt schon die ganze Woche wieder arbeiten und das ist gut so. Seit gestern Abend habe ich das Gefühl, wieder Land zu sehen. Hab erstmal 2 Tage ganz viel aufgearbeitet. Mein Chef ist noch zuhause, wir telephonieren 2 mal am Tag, das klappt ganz gut. Ihm geht es auch wieder besser.
Ich habe ihn am Montag gleich angesprochen ob er vor hat, mich in Kurzarbeit zu schicken. Nein, hat er nicht, es geht ihm gut und er wird auch nicht auf staatliche Hilfsgelder zurückgreifen, weil er das nicht braucht. Und er meinte, bevor er mir weniger bezahlt verzichtet er lieber selber erstmal auf einen Teil. Das fand ich sehr anständig.
Und es beruhigt mich sehr, denn ich leide ja sehr unter Existenzängsten, ob begründet oder nicht. Im Moment läuft es also erstmal weiter.
Ich habe mir inzwischen Stoffmasken besorgt, die ich gestern noch ausgekocht habe und heute ins Büro mitnehme. Mein Chef wollte heute mal ins Büro kommen, da muss er sich unbedingt schützen, und ich mich auch.
Ich bin zuversichtlich, das wir das überstehen.
Zuhause ist alle in Ordnung bei mir, mein Freund und meine Tochter sind gesund.

08.04.2020 08:02 • x 2 #91


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mrsrobot

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Klingt gut! Meiner sitzt im Büro mit drei Leuten und lügt seine Leute an. Kollegin ist in Kurzarbeit und er meint, es gäbe keine im Team. Dazu hält er sich nicht an Abstand und die anderen ausm Team auch nicht.

08.04.2020 19:08 • x 1 #92


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Das klingt weniger gut. Du solltest dich wehren, wenn dir jemand zu nahe kommt.
So eine Krise fördert leider Teile des Charakters zutage, die man unter normalen Umständen oft noch ganz gut verbergen kann. In deinem Fall ist das leider auch noch richtig gefährlich.

08.04.2020 21:53 • x 3 #93


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mrsrobot

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Ja, ich gehe auf Distanz und aufgrund der Situation versuche ich, wo möglich mich mit Worten und Taten zu distanzieren. Ich finde, das klappt ganz gut im Moment. Diese Woche habe ich meinem Chef sehr deutlich zu einem Sachverhalt etwas gesagt und er meckerte und meinte er hätte keine Zeit dafür, dann ging es aber doch. Wenn er nicht führt, ich spiele das zurück auch wenn ich innerlich "zittere". Aber gerade im Moment ist mir meine Gesundheit so wichtig.

09.04.2020 12:09 • x 1 #94


Lilly-18

Lilly-18

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Momentan besteht mein Leben nur aus arbeiten und lernen. Ich merke, dass mein Gehirn in Schwung gekommen ist und ich immer schneller immer mehr an Stoff aufnehme. Ich bin mit dem Pensum ganz gut in der Zeit und nachdem ja momentan sowieso nichts los ist, habe ich auch nicht das Gefühl, was zu versäumen. Im Gegenteil, ich tue was für mich und merke gleichzeitig, wie unwichtig manches ist, womit man sonst so seine Zeit totschlägt.
Auch gehen mir die meisten Menschen nicht ab. Ich glaube, ich werde nach der Prüfung und nach Corona meinen Terminkalender ordentlich ausdünnen.
In der Arbeit ist sehr viel los, mein Chef erwartet immer mehr von mir und heute hat er mir Vorträge gehalten, wie ich meine Arbeit besser organisieren kann. Das hat mich ziemlich gestresst, obwohl er sich bemüht, nicht vorwurfsvoll zu sein. Er meint es schon gut mit mir, das weiß und spüre ich, er möchte mich zu seiner perfekten Assistentin machen. Aber manchmal komme ich mir schon etwas blöd vor. Natürlich möchte ich es ihm recht machen, aber er redet oft mit mir wie mit einem Schulkind. Vieles, was ich sowieso schon mache, erklärt er mir lang und breit.
Heute hatte ich das Gefühl, es ihm gar nicht recht machen zu können.
Ich würde mir schon wünschen, dass er mich jetzt, wo er weiß dass ich sowieso keine Freizeit habe wegen der Lernerei, ein bisschen mehr unterstützen würde. Ich mache das alles wegen dem Job, ich strenge mich an und arbeite nebenbei noch richtig viel und mit Engagement. Manchmal wünsche ich mir einfach mal ein positives feedback. Aber - wie ja auch schon der Titel meines threads sagt - habe ich ja generell ein Problem mit fehlender Anerkennung. Ich wünsche mir so sehr, dass ich eine gute Prüfung hinlege. Ich tue wirklich alles dafür.

19.05.2020 19:40 • x 2 #95


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Jedi

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Zitat von Lilly-18:
wie ja auch schon der Titel meines threads sagt - habe ich ja generell ein Problem mit fehlender Anerkennung.

Ein Problem, wenn einem die nötige Anerkennung fehlt, kann ich so nicht erkennen.
Anerkennung u. dies gilt nicht nur für unser Erwerbsleben ist sehr wichtig !
Durch die Anerkennung wird unsere Motivation gefördert u. wir erhalten Orientierung, so wie auch die nötige Rückmeldung,
ob das, was wir tun (bezogen auf unsere Arbeit) auch dem gewünschten Ergebnis entspricht.
In einem für uns menschlichen Miteinander hilft die Anerkennung auch als Orientierung u. wir können dadurch wissen,
ob wir noch geliebt werden u. ob unsere Liebe u. Zugewandtheit, eine gegenseitige zufriedene Beziehung gelebt wird.
Anerkennung ist für mich ein geben u. nehmen !
Auch wir selbst, können u. sollten nicht sparsam mit Anerkennung sein,
denn es trägt auch zu unserer seelischen Balance bei !
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"oder erwarte ich zu viel" ?
Ich denke dazu "Nein", da Anerkennung nicht zu einer Gutwillfährigkeit gehört, sondern ein wichtiges Instrument,
um ein optimistisches u. wertschärtzendes Miteinander möglich macht.

19.05.2020 20:20 • x 1 #96


Lilly-18

Lilly-18

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Mein Job stresst mich momentan. Eigentlich mag ich ihn gern, ich bin schon motiviert. Vor allem seit ich die Ausbildung nebenbei mache und mich immer besser auskenne, macht es mir immer mehr Spaß.
Leider sieht mein Chef das nicht. Er ist so wahnsinnig perfektionistisch. Ich glaube, er selber macht nie Fehler. Jedenfalls maßregelt er mich sehr oft. Er hält mir Vorträge, wie ich arbeiten soll, fragt ständig, ob ich das oder das schon gemacht habe, momentan ist er auch richtig schlecht drauf. Ich weiß nicht, ob das mit mir was zu tun hat. Glaube aber jetzt erstmal, dass nicht. Aber nachdem ja außer mir den ganzen Tag keiner da ist, kriege ich natürlich alles ab. Er ist nicht launisch oder so, aber irgendwie sehr kurz angebunden und irgendwie motzig.
Das kann ich mir natürlich nicht erlauben, ich bin immer gleich freundlich, sage immer "ja Chef, klar Chef, mach ich sofort Chef, nein, hab ich nicht vergessen Chef" .... ist ja alles ok. Aber es laugt mich irgendwie aus.
Ich habe langsam echt das Gefühl, dass ich zu doof für die heutige Arbeitswelt bin. Ja, manchmal kann ich mich schlecht konzentrieren, ich vergesse auch manchmal was. Und es passiert mir immer wieder, dass ich Zahlen falsch abschreibe, warum auch immer (trotz neuer Lesebrille im Büro). Nein ich bin absolut nicht perfekt. Und fände es schön, wenn das auch keiner verlangen würde.
Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, wenn meinen Job jemand anderer machen würde.. Könnte der das besser? Arbeiten alle anderen so viel schneller und genauer als ich? Ich weiß es nicht. Aber es treibt mich um. Ich bin nicht zufrieden mit meiner Leistung, weiß aber, dass ich mein Bestes gebe. Und trotzdem passieren mir immer wieder Dinge, für die ich mich dann schäme. Und die meinen Chef auch nerven.
Das macht mich sehr unglücklich. Ich verbringe immer noch fast meine komplette Freizeit mit lernen. Und habe Angst, dass ich in der Prüfung nicht so gut abschneide wie ich es mir wünsche. Ich möchte dass mein Chef stolz auf mich ist.
Ich möchte gar nicht daran denken wie enttäuscht er wäre, wenn ich durchfalle.

14.07.2020 19:01 • x 4 #97


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laluna74

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Liebe Lilly,

Zitat von Lilly-18:
Arbeiten alle anderen so viel schneller und genauer als ich?


ich sicher nicht. Ich bin nicht die Schnellste bei der Arbeit, versuche aber immer alles richtig zu machen, was mir leider aber auch nicht immer gelingt.

Ich finde schon, dass du viele Gedankengänge beschreibst, die mir auch nicht ganz unbekannt sind.

Das kann belastend sein und zu viel Kraft erfordern, eben immer perfekt zu sein, um auch jedem (hier dem Chef) zu genügen.

Ich glaube, dass man immer den Menschen begegnet, die man braucht, um etwas zu verändern, was eigentlich nicht stimmig ist. In dem Fall einem unbequemen Chef, wo man aber lernen kann für sich selbst einzustehen.

Ich weiß, dass du das kannst, denn auch das hattest du hier schon einmal beschrieben. Im Grunde genommen ist dein Chef froh, dass er dich hat.

Zitat von Lilly-18:
Leider sieht mein Chef das nicht. Er ist so wahnsinnig perfektionistisch


Zitat von Lilly-18:
Jedenfalls maßregelt er mich sehr oft. Er hält mir Vorträge, wie ich arbeiten soll, fragt ständig, ob ich das oder das schon gemacht habe,


fällt dir etwas auf? Verhält er sich wesentlich anders dir gegenüber als du dir selbst gegenüber?


Zitat von Lilly-18:
ich bin immer gleich freundlich, sage immer "ja Chef, klar Chef, mach ich sofort Chef, nein, hab ich nicht vergessen Chef" .... ist ja alles ok.


wäre es nicht gut, wenn du dir selbst so freundlich und gut zureden würdest? Was würde das mit dir im Umkehrschluss machen?

So nach dem Motto, ich bin sicher in meiner Arbeit, ich kann das, ich weiß das . . .

Ein Mantra, das ich leider selbst viel zu selten suggeriere, aber auch hier möglicherweise schon einmal erwähnt habe, empfinde ich als sehr kraftvoll.

HEUTE ERLEDIGE ICH MEINE ARBEIT AUF EINE SPIELERISCHE UND GELASSENE ART, POSITIV UND GESUND, ALLES ZU DER ZEIT, DIE ICH BRAUCHE.

Liebe Grüße
laluna

15.07.2020 00:09 • x 1 #98


Lilly-18

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Liebe laluna,
vielen Dank für deine Betrachtungsweise.
Zitat von laluna74:
Ich glaube, dass man immer den Menschen begegnet, die man braucht, um etwas zu verändern, was eigentlich nicht stimmig ist. In dem Fall einem unbequemen Chef, wo man aber lernen kann für sich selbst einzustehen.

Du hast vollkommen recht. Mein Chef ist eigentlich ganz ok. und meint es gut mit mir. Das weiß ich. Er hat selbst schon mal gesagt, dass er mich nicht ärgern möchte, wenn er mich auf Fehler hinweist, sondern er möchte mich sensibilisieren auf das, worauf es ihm ankommt. Wenn ich mich dann mal wehre, merkt er schon, dass er es wieder übertrieben hat und rudert zurück.
Inzwischen bin ich über 1,5 Jahre dort. So lange war ich schon seit 6 Jahren auf keiner Arbeitsstelle mehr. Das macht natürlich was mit einem, wenn man erfährt, dass nichts von Dauer ist, auch wenn man sich noch so anstrengt. Immer wieder von vorne anzufangen kostet viel Kraft. Und man fühlt sich immer unzulänglich und schielt auf all die anderen, die scheinbar mühelos ihren Job meistern und vorwärts kommen.
Für mich ist Beständigkeit das höchste Gut. Es ist so schön für mich, sowas wie Routine zu erleben. Ich kenne die Kunden inzwischen gut. Die mögen mich auch. Ich bin wirklich zufrieden mit meiner Arbeit, ich verzweifle nur immer wieder an meiner Unzulänglichkeit.
Aber du hast schon recht, liebe laluna. Ich sollte zu mir selbst genauso freundlich sein wie ich es zum Chef und zu den Kunden bin. Daran hapert es tatsächlich. Natürlich weiß ich, warum ich mich so und nicht anders mir gegenüber verhalte. Das hat viel mit erlernten Mustern und Prägungen zu tun. Ich krieche auch heute noch vor meiner Mutter zu Kreuze und bettle um ihre Anerkennung, die ich nie bekomme, weil ja mein verstorbener Bruder so toll war und ich den nie erreichen kann (logisch, er ist ja tot).
Aber ich bin erwachsen, das soll jetzt keine Entschuldigung sein. In vielen Bereichen meines Lebens funktioniert das mit der Selbstfürsorge ganz gut. Ich lebe ein Leben, wie ich es mir wünsche und bin eigentlich ganz zufrieden.
Für mich ist es immer wichtig, alles "im Griff" zu haben, die Kontrolle zu haben. Das gibt mir Sicherheit und Stabilität.
Manchmal "funktioniere" ich eben nicht so wie ich es bräuchte, um mir selbst Sicherheit zu geben. Damit muss ich lernen umzugehen. Mein jetziger Chef ist sicher der richtige dafür, der das aushält. Die Zeit arbeitet für mich. Und ich habe noch viel Zeit, um zu lernen, dass ich als Arbeitnehmer eigentlich gar keine so schlechte Wahl bin. Ich muss es nur selber mal glauben, dann kann ich das sicher auch mal vermitteln.

15.07.2020 08:23 • x 1 #99


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laluna74

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Liebe Lilly,

das was du beschreibst könnte auch aus meiner Feder stammen, will heißen ich weiß, ich weiß wie du dich fühlst. Deine Unsicherheit ist auch meine Unsicherheit, auch wenn ich mich manchmal ganz anders darstelle. Ich versuche halt auf meine Art dagegen zu halten.

Beständigkeit ist für mich auch ganz wichtig. Ich brauche die Sicherheit, dass alles so bleibt wie es ist, auch wenn ich oftmals Veränderungen anstrebe.

Liebe Lilly, du bist wirklich auf einen guten Weg und in meinen Augen ein ganz wertvoller Mensch.

Unsere Unsicherheit und die Angst zu versagen ist in unserer Kindheit begründet, als wir mit Dingen konfrontiert wurden, welchen wir nicht gewachsen waren. Das hat uns geprägt und gibt uns das Gefühl nie ganz zu reichen.

Viele Grüße
laluna

15.07.2020 10:31 • x 1 #100


Lilly-18

Lilly-18

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Danke laluna für deine lieben Worte , es tut gut sich verstanden zu fühlen.

15.07.2020 10:59 • #101


Lilly-18

Lilly-18

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Heute war es mal wieder soweit. Mein Chef hat selbst gemerkt, dass er mir in letzter Zeit zu viel zugemutet hat. Als er mir heute wieder einen Vortrag gehalten hat, wie ich meinen Terminkalender zu organisieren habe, damit auch er damit zurecht kommt (er hat immer Angst, dass ich vom Bus überfahren werde und er sich dann in meinen Aufzeichnungen nicht auskennt ) war ich regelrecht verzweifelt. Ich gebe mir ja wirklich Mühe ihm alles recht zu machen, aber perfekt bin ich eben auch nicht. Mein Frust muss mir aus den Augen geschaut haben, jedenfalls hat er sich dann später bei mir entschuldigt, dass er mich so wenig lobt und er mir nur immer meine Fehler unter die Nase reibt. Das ist leider seine Art, aber das meint er nicht böse und kommt anders rüber, als es soll. Jedenfalls hat er mir dann heute doch noch ein Lob ausgesprochen, dass er schon öfter angesprochen wurde, dass ich so freundlich und hilfsbereit bin am Telefon und zu den Kunden, die zu uns kommen, immer ausgesprochen nett bin. Na, das ist doch mal was .
Im Grunde bin ich froh, mit jemandem zusamen zu arbeiten, der immer ehrlich zu mir ist. Da weiß ich , wie ich dran bin.

21.07.2020 20:57 • x 2 #102


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Kate

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Liebe Lilly,
viele leben leider nach dem Grundsatz nicht geschimpft ist gelobt genug und denken, das wäre in Ordnung. Ist es aber nicht. Die Tausend Dinge, welche man tagsüber gut macht, werden ignoriert, denn es scheint normal zu sein. Aber wehe, es ist mal ein Fehler dabei.
LG Kate

21.07.2020 21:21 • #103


Lilly-18

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Zitat von Kate:
nicht geschimpft ist gelobt genug


Genau das waren die Worte meines Chefs heute ... ja, leider ist das heutzutage üblich. Aber ich kenne ihn jetzt Gott-sei-Dank schon etwas und weiß, dass er dafür schon ein Problembewusstsein hat.
Ich bin da ganz anders. Es ist mir ein Bedürfnis, anderen etwas freundliches zu sagen, eben weil ich weiß wie gut das tut. Inzwischen kann ich schon mit seiner Art umgehen, das hat aber gedauert.
Irgendwie bin ich es ja auch gewöhnt, weder meine Mama noch mein Ehemann waren jemals mit mir zufrieden. Wenn ich nicht immer wieder selbst an mich glauben würde, sähe mein Leben ganz anders aus.
Die Angst bleibt mir schon, aber ich kann damit inzwischen umgehen.
Leider neige ich dazu, mich zu übernehmen und bis zur Erschöpfung weiter zu machen, auch wenn ich schon gar nicht mehr kann. Doch jetzt habe ich einen Teilzeitjob, der mir Spaß macht und von der Zeit völlig ausreichend ist (obwohl ich am Anfang gar nicht begeistert war).
Zurückschauen möchte ich nicht, nur nach vorne. Es ist immer irgendwie weiter gegangen. Ich fange langsam an, Vertrauen zu fassen. Und mit meinem Chef raufe ich mich schon zusammen

21.07.2020 22:02 • x 2 #104


Lilly-18

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Heute war mein letzter Arbeitstag vor meinem Urlaub. Ich habe jetzt 10 Tage frei und freue mich sehr darauf. Auch wenn ich ganz viel vor habe.
Ich werde zum Friseur gehen, zur Therapie, treffe mich mit meinen liebsten Freundinnen, und ich gehe zum Orthopäden. Ich bewege mich wie eine uralte Frau und habe grässliche Schmerzen im Rücken. Irgendwie halte ich es schon aus, aber ich muss was tun, so kann es nicht weiter gehen.
Morgen haben wir Besuch, da kommt die Familie meines Freundes zu uns. Meine Kinder werden auch da sein, also ein richtiges Familienfest. Natürlich gibt es da viel vorzubereiten, aber das mache ich ganz gern. Nicht oft, aber ab und zu mag ich schon Leute bei uns haben.
Und ich muss natürlich weiter lernen. Mir geht es gut damit, ich habe das Gefühl, diesmal kriege ich es hin. Hab ja auch noch Zeit und werde den Urlaub nutzen, nochmal einiges zu wiederholen.
Ich mag es sehr, frei über meine Zeit verfügen zu können. Mein Freund hat Frühschicht, das heißt ich bin den Großteil des Tages allein und abends können wir zusammen verbringen. Perfekt

24.07.2020 17:43 • x 3 #105


Lilly-18

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Mein letzter Eintrag hier ist schon etwas länger her. Zwischenzeitlich habe ich meine Prüfung sehr gut bestanden und auch mein Chef war sehr zufrieden mit mir. Mein Ausbilder in der Firma hat mich als "Crack" bezeichnet, weil ich in unserer Gruppe die Beste war und in der Prüfungsvorbereitung teilweise mit über 90% abgeschnitten habe.
Die Prüfung war im Oktober. Ich hatte gehofft, dass ich danach mal über mehr Gehalt verhandeln könnte, aber mein Chef hat mir zu verstehen gegeben, dass die Ausbildung für ihn selbstverständlich war und eigentlich die Voraussetzung dafür ist, dass ich den Job, den ich mache, überhaupt machen DARF. Es war eine Auflage der Firma, die eigentlich keine gesonderte Anerkennung nach sich zieht.
Das war für mich sehr frustrierend. Mir geht es nicht darum, 20 Euro mehr in der Tasche zu haben, sondern nur um die Wertschätzung meiner Arbeit. Wieder mal Fehlanzeige. Manchmal denke ich mir "war bildet der arrogante Schnösel sich eigentlich ein!" Ich habe meine Ausbildung gemacht, ohne ihn auch nur irgendwie damit zu behelligen, hab meinen Jahresurlaub und meine gesamte Freizeit dafür aufgewendet und das soll jetzt selbstverständlich gewesen sein. Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr, die Arbeitswelt schon lange nicht mehr...
Jetzt nach unserem Weihnachtsurlaub eröffnet er mit, dass er meine Arbeitszeiten ändern möchte. Das ist schon länger im Gespräch, aber ich dachte, er möchte zukünftig den Freitag ganz zu machen, wodurch ich statt Montag eben Freitag frei hätte. Das ist natürlich völlig ok. für mich. Jetzt schaut es so aus, dass er alles so lässt, wie es ist, nur ER bleibt am Freitag zuhause und ich muss jeden Tag arbeiten. Dafür habe ich 2 Nachmittage frei. Unter dem Strich ist es eine Stunde mehr in der Woche, die ich durch einen steuerfreien Gutschein über 44 Euro vergütet bekomme.
Soweit so gut. Keine Gehaltserhöhung also. Aber dem Fass den Boden ausgeschlagen hat dann, dass ich nur 2 Tage mehr Urlaub bekomme, obwohl ich dann pro Urlaubswoche 5 statt bisher 4 Tage Urlaub brauche und er meint, dass das aber nirgends im Arbeitsvertrag steht und seiner Meinung nach völlig in Ordnung so ist.
Das hat mich völlig aus der Fassung gebracht. Nicht nur, dass ich KEINE Vorteile durch meine Ausbildung und meine bisherigen Leistungen bekomme, stelle ich mich jetzt auch noch schlechter als vorher. Geht`s noch
Ich weiß, dass ich es nicht ändern kann und er am längeren Hebel sitzt. Ich mag meinen Job, aber meine Motivation geht grade ordentlich den Bach runter.
Da ich ein blödes Schaf bin und mir eh nichts anderes übrig bleibt (in meinem Alter finde ich so schnell keinen Job mehr, wenn überhaupt) muss ich das jetzt einfach mal so hinnehmen. Aber ich bin stolz auf mich, dass ich meinen Unmut lauthals kund getan habe und ihm gesagt habe, dass er mich nicht für dumm verkaufen kann. Auch wenn das alles rechtens und wasserdicht ist, ist es FÜR MICH PERSÖNLICH subjektiv eine Verschlechterung, die mich nicht gerade motiviert. Ich habe meinen Gedanken freien Lauf gelassen und alles angebracht, was mir auf dem Herzen lag. Es war mir auch ganz egal, wie er das findet. Ein bisschen ist er schon wieder zurückgerudert, das hat aber meine Wut nicht geschmälert.
Ich bin es so leid, immer nur kämpfen zu müssen. Natürlich schenkt dir keiner was, das weiß ich schon lange und das verlangt auch keiner. Aber ich bin wirklich sehr fleißig, hilfsbereit und überdurchschnittlich engagiert, das weiß ich.
Warum kommt da nichts zurück? Ist das wirklich heute so selbstverständlich?
Ich habe schön langsam keine Lust mehr

11.01.2021 11:28 • x 3 #106


Lilly-18

Lilly-18

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Momentan habe ich überhaupt keine Lust zum arbeiten. Ich habe das Gefühl, ich drehe mich im Kreis. Nichts läuft so wie ich es mir wünsche. Ich werkle den ganzen Tag alleine so vor mich hin und weiß gleichzeitig, dass mein Chef nichts davon mitbekommt. Ich halte ihm quasi den ganzen Kleinscheiß vom Hals und er merkt es gar nicht.
Dann kommt er zwischendurch zu mir ins Büro und zeigt mir irgendein neues Programm, dessen Bedienung er mir beibringen will, wozu er aber eigentlich gar keine Zeit hat. Und wenn ich das dann mal irgendwann beherrsche, dann erst kann ich ihm endlich mal was bringen. Dann nehme ich ihm effektiv Arbeit ab. AHA, und was mache ich sonst so den ganzen Tag?
Es kotzt mich richtig an.
Ich fühle mich total an meine Ehe erinnert. Mein Ex hat mich wie Sch.... behandelt. Er meinte immer, wenn ich so oder so wäre, dies oder das täte, mich ihm gegenüber so verhalten würde oder überhaupt ganz anders wäre, dann wäre auch er ganz anders zu mir, dann würde ich von ihm bekommen, was ich mir wünsche, dann wäre er nett und freundlich. Einen Sch.... dreck wäre er gewesen. Selbst wenn ich Handstand gemacht hätte und mich völlig gegen meine Natur verhalten hätte, er wäre nie ein anderer geworden.
Genau das fällt mir gerade bei meinem Chef ein. Ich muss erst das können, das noch machen, natürlich nie auf die Uhr schaun, immer zur Verfügung stehen, sogar in meinem Urlaub (unentgeltlich natürlich!) ins Büro kommen, wenn er mich braucht usw. usf. ja und DANN, irgendwann vielleicht mal in einem anderen Leben, bekomme ich mal die Wertschätzung die ich V E R D I E N E !
So, das musst jetzt raus jetzt geht es mir besser

16.02.2021 20:33 • x 3 #107


Lilly-18

Lilly-18

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Ich gebe nicht auf. Ich mag meinen Job und weiß, dass ich immer besser werde. Momentan habe ich einen Lauf und ich glaube, ich war noch nie so effektiv wie jetzt. Schön langsam habe ich sowas wie Routine erreicht, was mir vieles erleichtert.
Und es kommt inzwischen tatsächlich öfter vor, dass mich der Chef lobt. Das freut mich sehr und es zeigt mir dass er doch was verstanden hat.
Ich habe in seinem Kalender gesehen, dass er Anfang April ein Mitarbeitergespräch mit mir anberaumt hat und da soll auch über mein Gehalt gesprochen werden. Wie gesagt, es geht mir nicht um 20 Euro netto mehr im Monat. Es geht um die Wertschätzung meiner Arbeit und der Ausbildung, die ich letztes Jahr gemacht habe.
Was mich am meisten freut ist, dass ich meine Ängste und Traumata bezüglich Arbeit wohl so gut wie überwunden habe. Seit Dezember nehme ich keine Medikamente mehr und es ist nichts passiert.
Manchmal, wenn ich das Gefühl habe, ich hab was verbockt, spüre ich schon noch diese altbekannte Panik in mir aufsteigen, aber das ist nicht mehr sehr oft und auch nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit. Ich kann mir inzwischen wieder ganz gut vertrauen.
Und - das muss ich zugeben - das liegt auch an meinem Chef. Der hat von Anfang an Vertrauen zu mir gehabt und mir das zugetraut. Ich konnte ganz offen zu ihm sein und er hat mich immer wieder beruhigt.
Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg.

06.03.2021 08:53 • x 5 #108


Ex-Mitglied

Zitat von Lilly-18:
Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg.


Das glaube ich auch!
Es ist gut, dass dein Selbstwert aus deinen schlechten Erinnerungen hinausruft. Und noch besser: dass du ihn hörst!

06.03.2021 11:32 • x 1 #109


Lilly-18

Lilly-18

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1909
Momentan gehe ich wieder mal nicht so gerne in die Arbeit. Doch, irgendwie schon, aber ich spüre, wie wieder diese Angst in mir aufsteigt, nicht gut genug zu sein.
Mein Chef redet manchmal mit mir wie mit einer 12-jährigen Schülerin, und genauso fühle ich mich dann auch. Es ist nicht so, dass ich viele Fehler mache, wie gesagt, ich fühle mich inzwischen relativ sicher in dem was ich tue. Aber meinem Chef ist nichts genug. Ich fühle mich getrieben. Er belehrt mich wie ich meinen Terminkalender führen muss, damit er ihn auch versteht, er korrigiert meine Berechnungen, er erklärt mir das neue Programm wie einem kleinen Kind. Und er hat sehr wenig Zeit für mich.
Natürlich kann ich auch ohne ihn vieles erledigen, aber letztlich ist es ja mein Job, alles so zu machen, wie ER es möchte. ER ist der Chef. Und da muss ich eben vieles fragen.
Man kann nicht sagen, dass sein Geschäft grade schlecht läuft. Im Gegenteil, die Kunden rennen uns die Bude ein und er kann sich vor Terminen nicht retten. Außerdem hat er jetzt auch noch eine neue Aufgabe vom Vorstand aufs Aug gedrückt bekommen. Arbeit hat er genug.
Das ist einerseits gut, andererseits merke ich auch, dass ihm alles zu viel wird. Er ist über 60 und ich weiß nicht, wie lange er den Job noch machen wird. Er hat zwar immer gesagt, dass er bis 65 arbeiten will, eventuell auch länger, aber ob er das durchhält?
Was mache ich dann? Ich bin 3 Jahre jünger als er und müsste noch 9 Jahre arbeiten. Das würde ich auch gerne, aber wenn ich diesen Job verlieren sollte, wer nimmt mich dann noch?
Aber darüber sollte ich jetzt erstmal nicht nachdenken. Es ist wie es ist, und wenn sich was ändert werde ich auch irgendwie damit klar kommen. Muss ich ja.
Jetzt muss ich mich erstmal behaupten. Mein Chef hat eben eine solche Persönlichkeit. Er ist schon ewig in der oberen Etage des Unternehmens, er ist eine sehr starke Führungspersönlichkeit. Sonst wäre er nicht so weit gekommen. Er ist es gewohnt, Ansagen zu machen. Und er ist überzeugt von sich.
Irgendwie imponiert mir das natürlich, denn ich habe mir immer einen Chef gewünscht, der klar und authentisch ist. Aber manchmal spüre ich, dass ich selber dabei untergehe.
Meine Aufgabe ist es, gut für mich zu sorgen, nicht alles persönlich nehmen und auch ohne große Anerkennung von der Richtigkeit überzeugt sein von dem was ich tuel
Gar nicht so einfach

18.03.2021 08:25 • x 5 #110


Lilly-18

Lilly-18

1151
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1909
Ich versuche momentan, versöhnlich mit mir zu sein. Mein Chef hat die blöde Angewohnheit, meine Fehler aufzuschreiben und mir unter die Nase zu reiben. Gravierende Dinge sind das nicht mehr und ich frage mich, wenn er schon so eine Sache findet, warum bessert er das nicht einfach aus und gut. Nein, er streicht es rot an und lässt es mich selbst machen. Das ist ganz schön demütigend. Dann kommt noch so eine Bemerkung wie "sehr schade, das ist sehr schade" und ich könnte im Boden versinken. Momentan habe ich den Verdacht, er sucht nach Argumenten, mir nicht mehr zahlen zu müssen und sammelt quasi Fehler als Rechtfertigung.
Es ist wirklich ein Kindergarten teilweise. Ich bin sehr fleißig, mag meine Arbeit und bin nach wie vor sehr motiviert. Und die Anzahl meiner Fehler ist im Vergleich dazu, was ich richtig mache, verschwindend gering.
Das Schlimme ist, ich schäme mich so.
Ich wäre so gerne ein Vorbild für meine Kinder, die beide einen ordentlichen Beruf gelernt haben. Die Große durfte studieren und verdient jetzt schon, mit Mitte 20, das Doppelte wie ich. Mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld und jedes Jahr Gehaltserhöhung. Und die Kleine hat als Auszubildende das Gleiche Gehalt wie ich. Wenn sie heuer im Sommer fertig wird kann sie sich die Stelle aussuchen. Und verdient natürlich wesentlich mehr als ich.
Und ich? Krebse seit vielen Jahren von Job zu Job. Und bringe es zu nichts.
Das deprimiert mich manchmal so, dass ich mich wie gelähmt fühle. Ich gehe auf die 60 zu und da wird nicht mehr viel kommen.
Am meisten ärgert mich, dass ich das letzte Jahr meine komplette Freizeit in eine neue Ausbildung gesteckt habe und nichts davon habe. Kein Cent mehr. Nichts.
Es fällt mir sehr schwer, das nicht persönlich zu nehmen und nicht völlig meinen Mut zu verlieren. Ich bin so stolz auf meine Kinder, aber ich möchte nicht, dass sie sich für mich schämen müssen.
Ich weiß, das tun sie nicht. Ohne meinen Kampfgeist in den vielen Jahren, in denen ich mit ihnen alleine war, wären sie nicht so weit gekommen wie sie jetzt sind. Jetzt sind beide mit ihren Freunden zusammen gezogen, leben ihr eigenes Leben und es geht ihnen so gut, wie es mir noch nie gegangen ist.
Das freut mich natürlich für sie, macht mich selber aber auch irgendwie traurig.

26.03.2021 08:57 • x 5 #111


Ex-Mitglied

Es gibt keinen Grund, um dich zu schämen. Deine Leistungen sind enorm - und den Lohn siehst du im Gedeihen deiner Kinder.

Wenn das Leben gerecht wäre, würde dir genau das zustehen, was durch Fehlen in dir diese Scham verursacht.

Du bist nicht das, was auf deinem Lohnzettel steht.

26.03.2021 09:16 • x 1 #112


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Joline

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liebe @Lilly-18 , ich verstehe gut, was du meinst. mit meinem älteren gehts mir auch so, dass er mit einem höheren gehalt anfängt als ich mit meinen jahrzehnten berufserfahrung. deinen kindern geht es so gut durch dich. sie konnten mit ihren möglichkeiten und durch deine förderung es zu besserem bringen als du, im postiven sinne. so wie alle eletrn sich wünschen, dass es den kindern besser gehen möge. ich gratuliere dir dazu, toll gemacht . du kannst wirklich stolz sein auf dich.
und auch darauf, dass du noch eine ausbildung gestemmt hast.
und du hast schon deinen wert gut erkannt und weißt, dass du nur kleine fehler machst.
es kann frustrierend sein, wenn ein chef keine anerkennung zeigt. und ich glaube es ist, wie du es siehst, dass dein chef sammelt. um sich gegen deine gehaltserhöhung zu wappnen.
also sammle du alles, um deine gute arbeit zu belegen und für dich was seine gegenargumente entkräftet.
aber ich glaube, das weißt du schon selber.
liebe grüße, joline

26.03.2021 09:20 • x 2 #113


Traumtänzerin

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Oh je, ich mache das mit dem Fehleranstreichen auch so, aber nicht um zu kritisieren, sondern um dem Anderen die Möglichkeit zu geben, etwas zu lernen. Selber korrigieren ist viel einprägsamer. Das ich damit verletzen könnte, kam mir gar nicht in den Sinn. Allerdings kommuniziere ich das sehr freundlich und nicht so tragisch, wie dein Chef augenscheinlich.

Und kleiner Hinweis...jeder macht Fehler und das ist völlig okay. Dadurch wird man weder unsympathisch noch ist es ein Indiz für Dummheit. Das ist einfach menschlich. Drum geh nicht zu sehr mit dir ins Gericht. Meine Arbeitsbiografie liest sich übrigens auch sehr abenteuerlich

26.03.2021 09:23 • x 1 #114


Lilly-18

Lilly-18

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Ich danke euch sehr für euren Zuspruch, Das hat mich zu Tränen gerührt. Manchmal bade ich mich in Selbstmitleid und weiß doch dass ich auf hohem Niveau jammere.
Zitat von ClaraFall:
Du bist nicht das, was auf deinem Lohnzettel steht.


Du hast so recht, liebe Clara. Leider ist es aber immer noch so, dass man seinen Wert auch am materiellen festmacht. "Man bekommt das was man verdient". Das ist natürlich quatsch, dafür fallen mir auf der Stelle ganz viele Beispiele ein. Was mir schlagartig bewusst macht, dass ich mich da in etwas reinsteigere.

Zitat von joline:
also sammle du alles, um deine gute arbeit zu belegen und für dich was seine gegenargumente entkräftet.


Das ist eine gute Idee, liebe joline. Ich werde anfangen, Argumente zu sammeln. Nur jammern alleine genügt nicht.
Das setzt allerdings voraus, dass ich einen kühlen Kopf bewahre und nicht wieder in meinem Gefühlschaos zu versinken.

Zitat von Traumtänzerin:
Das ich damit verletzen könnte, kam mir gar nicht in den Sinn.


Liebe Traumtänzerin, es ehrt mich, dass du dir meinen langen Text angetan hast
Weißt du, sowas kann man mit Lehrlingen oder Berufsanfängern machen, aber nicht mit einer gestandenen Frau. Das ist wirklich demütigend. Auch wenn es noch so freundlich angebracht wird.
Dumm bin ich sicher nicht. Ich habe gar kein so schlechtes Abitur, für meine Eltern war aber klar, dass ich nicht studieren darf. Ich wäre gerne Lehrerin geworden. So musste ich einen kaufmännischen Beruf lernen.
Damit hadere ich immer noch, aber es hilft ja nix. Wie gesagt, meine Kinder sollten keine Einschränkung haben und sie haben beide Ihre Chancen genutzt.

26.03.2021 21:22 • x 3 #115


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Joline

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Liebe Lilly, ich freu mich zu lesen, dass dich der Zuspruch so bewegt hat.
Zur Lehrerin, die kann man doch heutzutage auch als Quereinsteigerin noch werden, weil so viele fehlen. Könntest du deinen Traumjob vielleicht doch noch erreichen?

26.03.2021 21:34 • x 1 #116


Lilly-18

Lilly-18

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Liebe Joline, dafür bin ich definitiv zu alt. Ich habe die Kraft nicht mehr. Schließlich habe ich erst letztes Jahr nochmal einen neuen (auch wieder kaufmännischen) Beruf gelernt, einfach um nochmal eine Perspektive zu haben.
Nach meiner ersten Lehre ist mein Exmann gleich bei mir eingezogen und hat Medizin studiert. Ich hab alles finanziert und dachte damals wenn er fertig ist, komm ich nochmal dran. Doch wir waren fast 30, als er begann Geld zu verdienen und ich gleich schwanger wurde. Mit den Kindern bin ich aufgeblüht. Ich habe es so genossen, für sie da zu sein und wollte sie auf keinen Fall in fremde Hände geben. Finanziell ging das gut, auch wenn mein Mann (er war Narzisst und hat mich betrogen) mich nicht grade zuvorkommend behandelt hat . Und als ich endlich geschafft habe, das zu beenden, musste ich für meine Kinder sorgen und hab alles gemacht, was irgendwie ging. An mich hab ich als aller letztes gedacht.
Doch jetzt bin ich schon irgendwie angekommen, mein neuer Beruf ist ganz ok., ich hab auch viel mit Leuten zu tun und komme schon zurecht. Ich bin sicher kein Vollblutkaufmann aber ich sag immer, wenn man etwas will, kann man es auch.
Und das mit der fehlenden Anerkennung sitzt sicher tiefer, das wäre mir vielleicht als Lehrerin auch passiert. Die Wurzeln sitzen auch hier - wie bei vielen anderen hier - in meiner Herkunftsfamilie, in der man sich ruhig verhalten hat, um nicht aufzufallen. Förderung und Wertschätzung waren auch da Fremdwörter.

27.03.2021 09:51 • x 3 #117


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Pilsum

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Zitat von Lilly-18:
Mein größtes Problem ist, dass ich beruflich gescheitert bin.


Hallo Lilly,

Deinen Einstiegstext habe ich heute gelesen, weil mich Dein Thema angesprochen hat.

Zitat von Lilly-18:
Durch meine Angst habe ich fast immer mit angezogener Handbremse gearbeitet,
ich brauche unheimlich viel Bestätigung und Anerkennung.
Aber die bekommt man ja erst, wenn man sie verdient hat.


Im Grunde hast Du Recht. Anerkennung wird man sich fast immer im Leben verdienen müssen.
Nicht nur im Arbeitsleben.
Schön wäre es, wenn die Menschen das irgendwann mal begreifen würden.

Zitat von Lilly-18:
Ich habe gelernt, dass Chefs es riechen, wenn du Angst hast.


Nicht nur Chefs erkennen dies sofort. Fast alle Menschen erkennen dies. Und sie nutzen es aus.
Unangenehm wird es, wenn sogar Freunde und Partner diese Schwächen ausnutzen.

Zitat von Lilly-18:
Was mir fehlt ist Anerkennung.


Fehlt uns allen nicht diese Anerkennung immer wieder mal?

Zitat von Lilly-18:
Wie geht ihr damit um, keine Anerkennung zu kriegen?


Nun, ich versuche mich so zu verhalten und so zu denken, dass ich zumindest von mir selbst
genug Anerkennung bekomme.
Auf andere Menschen habe ich nur wenig Einfluss

02.04.2021 12:23 • x 2 #118


Lilly-18

Lilly-18

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Hallo Bernhard, es freut mich dass du mein Thema interessant findest.
Das Thema "fehlende Anerkennung" kennen sicher viele. Vor allem, wenn man eine Angsterkrankung hat und man mit Fehlern ganz schlecht umgehen kann ist es besonders wichtig, auch mal gesagt zu bekommen, was man alles richtig macht.
Für mich ist Anerkennung so eine Art Lebenselixier. Das ist sicher auch übersteigert bei mir.
Mir ist schon klar, dass ich mir Anerkennung auch verdienen muss. Aber manchmal täte es mir schon gut, wenn das nicht immer so anstrengend wäre.
Im privaten Bereich ist das komischerweise ganz anders. Da bekomme ich sehr viel Anerkennung. Ich bin ein sehr emphatischer Mensch, bin sehr hilfsbereit und habe immer ein offenes Ohr. Ich finde diese Verhaltensweisen auch für mich selbst anerkennenswert.
Leider sind in meinem Beruf aber soziale Kompetenzen nicht so sehr gefragt. Damit punkte ich nicht so wie ich es verdient hätte. Ich werde da an Dingen gemessen, die für mich viel schwieriger sind als das Zwischenmenschliche.
Wahrscheinlich muss ich das einfach mal so hinnehmen und mich damit trösten, dass ich eben andere Qualitäten habe, die sich nicht in barer Münze auszahlen. Das ist eben so.
Aber manchmal möchte ich mich einfach nur hier ausheulen. Das tut mir gut

06.04.2021 19:28 • x 2 #119


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Joline

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Liebe Lilly,
sorry, dass ich erst jetzt auf deine Antwort eingehe. Hab ja einige Tage Forenpause eingelegt und dann war ich zugegeben, sehr mit dem Verdauen und Einordnen von ein paar Dingen mir beschäftigt.

Zitat von Lilly-18:
dafür bin ich definitiv zu alt. Ich habe die Kraft nicht mehr. Schließlich habe ich erst letztes Jahr nochmal einen neuen (auch wieder kaufmännischen) Beruf gelernt, einfach um nochmal eine Perspektive zu haben.

Hmmh, verständlich. Das ist tatsächlich auch schon ne Meisterleistung gewesen.

Zitat von Lilly-18:
Doch jetzt bin ich schon irgendwie angekommen, mein neuer Beruf ist ganz ok., ich hab auch viel mit Leuten zu tun und komme schon zurecht. Ich bin sicher kein Vollblutkaufmann aber ich sag immer, wenn man etwas will, kann man es auch.

Und ich freu mich für dich, dass du angekommen und so zuversichtlich bist und dir so viel zutraust. Hut ab

Zitat von Lilly-18:
Und das mit der fehlenden Anerkennung sitzt sicher tiefer, das wäre mir vielleicht als Lehrerin auch passiert. Die Wurzeln sitzen auch hier - wie bei vielen anderen hier - in meiner Herkunftsfamilie, in der man sich ruhig verhalten hat, um nicht aufzufallen. Förderung und Wertschätzung waren auch da Fremdwörter.

Das kenne ich ich auch echt viel zu gut. Das sitzt echt so verdammt tief. Ich finde du machst das unheimlich gut, wie du die Ausbildung noch gemacht hast, alles so klar siehst, ankommst, mit dem Chef umgehst.
Ich finde übrigens, dass es auch Anerkennung ohne enorme Verdienste geben kann. Gerade wir, die wir so wenig Anerkennung bekommen habe, leisten oft besonders, also extra-mega viel, um Anerkennung zu kriegen.
Du hast so viel gewuppt. Echt toll. Und mit Depressionen und diesem Mangel im Hintergrund, ist es nochmal mehr etwas besonderes, das alles geschafft zu haben.

06.04.2021 19:54 • x 1 #120

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