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Erfahrung mit stationärer psychosomatische Klinik bei Burnout

Liebe Leute,

Ich habe vorgestern Bericht bekommen, dass ich in Juli stationär aufgenommen werden kann in einem psychosomatischen Klinik, spezialisiert in ganzheitliches Therapiekonzept (wegen Erschöpfungsdepression) .

Ich habe wirklich um diesem Platz gekämpft, aber jetzt wird es doch ziemlich ernst. Ich weiß gar nicht, ob ich meine kleine Tochter so lange vermissen kann, weiß aber genauso, dass ich handeln muss. Ich sitze weinend auf der Couch, vermisse meine Eltern die ein paar Tagen so gut für uns gesorgt haben und habe Angst wegen diesem Therapieplatz.

Hat jemand Erfahrungen mit stationäre Aufenthalt in einem psychosomatischen Klinik? Und wie war das?

Danke schon im Voraus.

11.06.2019 11:14 • #1


PaulaBaumann
Hallo liebe Mas,

ich war nur in der Tagesklinik, aber bitte gehe den Schritt und gehe im Juli in die Klinik. Es ist ganz normal, dass Du jetzt Angst davor hast, aber es ist wichtig für Dich. Wir hier drücken Dir alle die Daumen, Du schaffst das.

Sei ganz lieb umarmt von Paula

11.06.2019 12:18 • x 1 #2


Tequilla
Hallo,
Ich gehe morgen in eine psychosomatische Klinik und freue mich darauf. Bin gespannt was da auf mich zukommt.

11.06.2019 12:21 • x 1 #3


PaulaBaumann
Hallo,
ich wünsche Dir alles, alles Liebe und viel Kraft, gib Dir die Zeit zur Eingewöhnung, ab und zu zwei Schritte vor, einer zurück.

Liebe Grüße Paula

11.06.2019 12:25 • x 1 #4


Liebe Paula, deine liebe Beitrag hat mir zum Weinen gebracht, danke. Ich werde es auf jeden Fall durchziehen.

Liebe Tequilla, viel Kraft, Ruhe und Spaß wünsche ich dir!

11.06.2019 12:30 • x 1 #5


Eis
Hallo Maß
Es ist ganz normal, dass es sich mulmig anfühlt je näher der Zeitpunkt rückt. Aber du wirst gestärkt von deinem Aufenthalt heimkehren und auch deine Tochter wird davon profitieren, auch wenn der Abschied natürlich schwer sein wird. Aber mein Arzt hat mir auf mein Entsetzen, dass die Reha (War bei mir Reha, nicht Klinik) so lange dauert gemeint, dass es jetzt sehr lang erscheint, aber im Nachhinein nur eine ganz ganz kleine Zeitspanne ist.

Alles Gute
Eis

12.06.2019 14:49 • x 2 #6


Eis
Blöde Rechtschreibkorrektur @mas natürlich, nicht Maß

12.06.2019 15:13 • x 1 #7


Danke schön, liebe Eis. Das was dein Arzt gesagt hat, hört sich gut an. Hoffentlich kann ich mich selber davon auch überzeugen.

Wie war deine Reha? Wie sah der Tag so aus?

12.06.2019 18:10 • #8


Eis
Das was der Arzt gesagt hat war auch tatsächlich so. Im Nachhinein meiner mittlerweile seit 2 Jahren andauernden Depression waren die 6 Wochen sehr kurz und ich möchte sie nicht missen. Sie haben mich erheblich weitergebracht. Allerdings bin ich auch offen für alles dort hingegangen. Ausprobieren ist alles, was nicht guttut wird dann wieder reduziert oder gestrichen.

Man hat am Anfang eine Eingangsuntersuchung und dann war eine Führung durchs Haus, wo man schon ein paar andere Neuankömmlinge kennenlernen kann. Dann bekommt man ein Wochenprogramm, das sich aber mitunter mehrmals ändert. Dort sind dann alle Termine eingetragen wie Visite, Gesprächstherapien einzeln und in der Gruppe, Sporteinheiten, Ergotherapie mit Basteln, Malen, Flechten, oder was immer halt vor Ort angeboten wird. Es gibt Vorträge und manchmal ein Abendprogramm, was aber nix für mich war. Manchmal werden an den Wochenenden oder Abenden freiwillig noch Zusatzkurse oder Ausflüge angeboten. Ansonsten war bei uns ab Samstag Mittag kein offizielles Programm mehr. Manche sind am Wochenende heimgefahren, das musste aber mit dem Chefarzt abgeklärt werden, es war nicht so gern gesehen. Das ist auch von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Bei uns war Rauchverbot außer draußen in der "Räucherkammer", ab 10 Uhr abends mussten wir in der Klinik sein und die Patientenzimmer waren für alle anderen Patienten ein absolutes Tabu. Das war erst mal komisch, hat sich aber als sehr vorteilhaft herausgestellt, da es der eigene Rückzugsort war, in den niemand eindringen durfte. Beim Essen hatten wir 4er-Tische mit festen Plätzen zugewiesen bekommen, aber wir haben dann immer sobald ein Platz frei wurde selbst unsere Tischpartner "bestimmt", das Personal war da sehr entgegenkommend.

Soweit die Eindrücke von meiner Reha.

Nimm deine Ohrstöpseln mit, ich bin am Anfang beim Essen fast durchgedreht, weil es mir zu viele Leute waren und es irre laut war. Bin dann anfangs immer etwas zeitversetzt essen gegangen.

LG Eis

12.06.2019 18:28 • x 2 #9


Liebe Eis, danke für dein ausführliche Bericht. Vielleicht wird es bei mir ein so ähnliches Programm geben.
Ich werde die Ohrstöpfsel auf jeden Fall mitbringen, danke. Ich habe nämlich genau Angst für dem, was du geschildert hast bei dem Essen.

Heute bin ich nochmal mehr überzeugt davon, dass die Aufenthalt gut für mich wird. Ich habe nämlich heute eigentlich viel zu viel gemacht und als ich meinem Mann dann sagte, ich ziehe mich zurück, sagte er, er konnte sich heute doch mal zurück ziehen, weil er soviel gemacht hat. Und er macht echt viel. Und er ist sehr lieb. Aber er versteht es glaube ich wirklich nicht (wie auch?). Ich glaube, es wird gut sein, wenn ich mal raus bin.

15.06.2019 18:59 • #10


Eis
Es ist schwer für jemanden, der noch keine Depression hatte, nachzuvollziehen, wie es dir geht. Das war bei mir nicht anders. Ich hab dann meinen Mann mit zu einem Vortrag über Depressionen genommen. Das war organisiert vom Landratsamt/Gesundheitsamt und wurde von einer Psychotherapeutin gehalten für Patienten, Angehörige und Interessierte. Das war sehr gut, mein Mann meinte danach, wenn er das früher gewußt hätte wären bei ihm die Alarmglocken viel früher losgegangen. Denn so Sachen wie Interesselosigkeit (hatte keine Lust mehr auf meine Hobbys, dachte aber immer, meine Hobbys haben sich halt geändert), ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Unausgeglichenheit, usw. Das hatte ich schon sehr lange. Hab es halt lange kaschiert und mich hingelegt wenn mein Mann nicht da war, kurz bevor er kam hab ich denn schnell ein paar Sachen aufgeräumt, so dass man nichts merkt.
Wer kann schon verstehen, dass man nur ein paar Minuten am PC sitzen kann, oder dass man nach dem Kochen eine Pause braucht, oder dass man beim Putzen, sofern man sich dazu aufraffen kann, nach spätestens ner halben Stunde eine Pause braucht.
Ich hatte auch mal mit meinem Chef eine Diskussion, weil ich nach etwa 1h Autofahren eine (lange) Pause , idealer Weise mit schlafen, brauche. Er hat das einfach nicht verstanden, bis ich gesagt habe, es ist nicht so, dass ich nicht möchte oder ein bisschen müde bin, sondern mir platzt da schier der Schädel, wenn ich auch nur einen Meter weiter fahre. Erst durch diese Deutlichkeit hat er erkannt, dass das einfach im Moment eine Einschränkung ist, mit der wir leben müssen. Das ist kurzfristig nicht zu ändern.
Vielleicht schaust Du mal, ob bei dir in der Nähe so ein Vortrag angeboten wird. Dann wird dich dein Mann besser verstehen.
Alles Gute Eis

15.06.2019 19:59 • x 2 #11


CeHaEn
Moin @Mas83

ich war dreieinhalb Monate stationär und mein Klinikaufenthalt war ähnlich wie die Reha von @Eis .
Die Zeit war nicht durchweg einfach, aber ingesamt habe ich die Therapie als sehr positiv empfunden; mir ging es dort ziemlich gut und gerade am Anfang freute ich mich an Wochenenden regelrecht wieder auf meine Station, bzw. meine Mitpatienten und das Personal. In beiderlei Hinsicht hatte ich großes Glück.

15.06.2019 20:26 • x 2 #12


Zitat von Eis:
bis ich gesagt habe, es ist nicht so, dass ich nicht möchte oder ein bisschen müde bin, sondern mir platzt da schier der Schädel, wenn ich auch nur einen Meter weiter fahre.


Oh Eis, genauso ist es! Ich hatte das nicht besser beschreiben können. Echt genauso! Mit dem Vortrag wäre ein gute Idee. Oder vielleicht lass ich meinen Mann auch mal mit meinen Psychologe reden (die offiziell gar keine Therapie anbietet, aber nur Beratung, weil sie ein Vertrag hat mit meiner Arbeit, aber mich nicht gehen lassen konnte).

@CeHaEn
Vielen Dank, das macht mir Mut!

15.06.2019 20:35 • x 1 #13


Eis
Meine Psychologin hat auch angeboten, dass mein Mann mitkommt, aber das wollte er auf gar keinen Fall. Aber es ist definitiv eine gute Idee.

15.06.2019 20:39 • x 1 #14


CeHaEn
Solche Angehörigengespräche können sehr sinnvoll sein. Einerseits hat man als Patient eine Art moralische Unterstützung dabei; das kann dabei helfen, manche Dinge dem Angehörigen gegenüber übberhaupt einmal deutlich auszusprechen. Andererseits ist der Therapeut selbst jemand mit einem nüchternen Blick von außen und kann dem Angehörigen manchmal besser vermitteln, was los ist.
Die Möglichkeit dazu dürfte es auch in der Klinik geben.

15.06.2019 21:10 • x 2 #15




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