Psychosomatische Klinik Bad Neustadt Erfahrungen

Auf Wunsch nochmal....

Hallo Ihrs,

da ich schon öfters Anfragen wegen der Klinik bekommen habe, möchte ich nun auch etwas zum Besten geben.
Habe ein eigenés Thema begonnen damit man es gleich findet wenn man danach sucht

Ich war ca. 6 Wochen dort. Bin mit einer Überweisung (vom Hausarzt) einfach hingefahren und die haben mich glücklicherweise dortbehalten weil sie ein Notfallbett haben.

Die Klinik hat ein sehr schönes Areal. Vieles blüht und grünt ringsrum und ne Menge Wald direkt vor der Nase wo man toll laufen kann.
Vom Kiosk, kleines Kino (in der Franken-Klinik nebenan) bis zur Bankfiliale, Schwimmbad alles da.
Der Klinikkomplex besteht aus 3 Kliniken. Einmal die Herz-Gefäß-Handchirugie-Klinik; die Saaletalklinik;die Frankenklinik sowie die Psychosomatische Klinik. Alles ist mit Glas überdacht (draußen) und überall kann man schön spazieren gehen und einfach seine Ruhe haben.
Die Kliniken befindet sich auf einem Berg. Bad Neustadt ist zu Fuß in ca. 20 Minuten erreichbar. Man bekommt als Patieten in der Klinik eine Busfahrkarte womit man immer kostenlos in die Stadt fahren kann und zurück. Man bekommt auch Busfahrpläne und die liegen auch alle aus.
In der Nähe (5 Minuten Laufen) befindet sich ein Italiener und ein Grieche)

Im Innenleben: Viele Sofaecken (ca. 15 stück) im Eingangsbereich wo die Stationen rumsitzen und chillen. Billiard, Tischtennis, Pc´s, Internetstation, viele Spiele sind auch vorhanden. Fernsehräume gibt es auch. Die Eingangshallen verfügen alle über eine Glaskugel als Dach. Bei Regen einfach nur himmlisch anzusehen.
Die Klinik besteht aus 12 Stationen.(Heißt auch 12 Stockwerke) Auf welche Station man kommt, ist immer danach wo gerade ein Zimmer frei ist. Auf jeder Station sind die Unterschiedlichsten "Patieten mit ihren Problemen"Jeder hat was anders. Viele sagen wohl das die Klinik auch für Magersüchtige sehr gut wäre.
Aber war alles vertreten...
Jede Station hat 2 Therapeuten wovon min. einer Arzt zusätzlich ist. Und jede Station hat eine Schwester, die ist aber nur in der Woche tagsüber da.
Jeder Patient hat ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad (Badewanne, WC), Bett, Schreibtisch, Teppich und eigenem Balkon. Der Balkon ist aber anfangs zugeschlossen. Wird auch nur aufgemacht von den Psychologen wenn man nicht Suizidgefährdet ist bzw keine Benzos nimmt.
Ansonsten ist das Zimmer wie ein gutes Hotelzimmer mit super Ausblick!!!
Man kann selber alles zuschließen (Kleiderschrank, Bad sowie das ganze Zimmer ist abschließbar.
Telefon hat man auch im Zimmer. Bei Hörer daneben legen wird sofort der Notruf an die Rezeption geschickt und es kommt sofort ein Arzt.
Jeder bekommt einen Psychologen ("Bezugstherapeut") von der Station zugeteilt.
Bei diesem kann man in der Woche einen Termin vereinbaren für ein Gespräch. Man bekommt einen Therapieplan wo man in verschiedene Schienen eingeteilt ist.
Zb. Harte Schiene heißt das man Boxen, Werken (Baumstumpf hacken), Terrainlauf oder ähnliches hat als Sporttherapien.
Weiche Schiene ist zb. Malen mit Wasserfarben, Zirkeltraining und Körperwahrnehmunge etc.
Oder Anorexie-Schiene mit Boxen, Schwimmen...Ist meistens individuell vom Psychologen die Therapien!!!!!
Zusätzlich hat man noch Gesprächstherapien (fast jeden Tag) und Körperschulungen.
Die Therapien finden nur in Gruppen statt.
Nur zu vereinbarten Zeiten kann man ein Gespräch mit seinem Therapeut haben.
Zusätzlich hat man jeden Morgen und jeden Abend (auch Wochenende) die Möglichkeit in die "Sprechstunde" zu gehen. Dort geht man zb abends um 21.00 hin und dann wird man aufgerufen und kann dort mit Therapeuten reden. Dort sind aber immer andere. Wenn man Glück hat dann ist es auch mal der eigene.
Ansonsten ist es immer (!) möglich mit einem Psychologen/Arzt zu sprechen.

Es gibt auch noch eine "Intensiv-Station". Dort darf man nur mit Erlaubnis raus. Dort sind auch die Zimmer nicht abschließbar. Alles Suizid-sicher. (Keine Rasierer,Fön,Medikamente,Geräte) Es gibt aber keine Zwangsjacken oder so. Gibt nur ein Notzimmer wo die Schwestern einen durch die Scheibe beobachten können.
Es ist ja auch keine Psychatrie.
Es gibt auch eine Neurologische Station wo man sogut wie alle Ärzte findet. Von der Frauenärztin, bis alles mögliche sind Spezialisten im Haus.
Ansonsten gibt es noch eine Ärztestation (Stockwerk 2). Dort gibt es feste Zeiten wo man abends und am Wochenende seine Medikamente holen muss bzw dort ist auch die Sprechstunde.
Direkt in der Klinik gibt es noch den Reha-Bereich. Dort sind Patieten die beruflich wieder eingegliedert werden nach einer psychischen Erkrankung. Die haben dort auch die selben Therapien wie wir auch. Nur minimale Unterschiede.
Am Wochenende hat man keine Therapien. Da kann man Ausflüge machen mit dem Bus oder man schlendert in der Stadt oder man kann Schwimmen gehen oder Radfahren oder den ganzen Tag im Bett liegen bleiben.
Man muss nur zw. 23.00 und 06.30 in der Klinik sein
Es gibt in der Frankenklinik auch eine Abteilung mit Gästebetten. So kann am Wochenende auch mal Besuch anreisen. Aber es darf niemand ausser die Schwester, Psychologe und man selber in das eigene Zimmer. Man darf auch nur auf die eigene Station. oder wenn Therapie auf einer anderen ist. Aber sonst nie auf andere oder in die Zimmer anderer Patienten.


Jeglicher Kontakt nach "Aussen" (Freunde, Verwandte, Familie) sollte mit dem Psychologen besprochen werden.
Es kommt natürlich auf den Grund des Aufenthaltes an, aber ich hatte zum Beispiel Kontaktsperre zu allen die ich kannte daheim. Mein Handy wurde eingeschlossen, Kein Internet, Keine Post (jeder hat ein eigenes Postfach! mit Schlüssel), nix!
Hatte 2 Wochen Kontaktsperre und irgendwie hat es gut getan das keiner daheim genervt hat auch wenn es schwer war. Am Ende der Therapie (4-8 Wochen) wird meistens entweder ein Paargespräch oder ein Elterngespräch gemacht. Ist aber kein Muss. Das schlägt dann der Therapeut vor.

Es gibt auch Regeln wie zb. Stationsgebot. Da darf man die Station nicht verlassen. Oder Hausgebot, da darf man nicht aus der Klinik raus, oder Geländegebot...
Alk. (die prüfen das auch nachts mit dem Alkomat), Dro....es gibt alles mögliche. Das entscheiden die immer vor Ort an dem jenigen. Aber meistens darf man normal raus etc. Kommt eben immer drauf an warum man dort ist.

Das Essen ist auch ziemlich gut. Essensplan wird alle 6 Wochen wiederholt
Man kann sogar wählen ob normal oder vegetarisch. Ansonsten Morgens und Abends gibt es Buffett im Speisesaal und Mittags gibt es immer warm.
Man bekommt eine Patientenkarte mit der man überall identifiziert wird.
Beim Essen, Medikamente und bei fast allen Therapien.

UND: Man bekommt am ersten Tag einen Paten (anderer Patient von der gleichen Station der einen rumführt). Dieser führt einem am ersten Tag rum und zeigt einem alles!Man bekommt alles genau erklärt. Also keine Sorge für diejenigen die dort hin wollen.

Das war es erstmal grob. Wenn jemand noch Fragen hat dann könnt ihr ruhig fragen.
Bilder/Infos unter: http://www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cm ... index.html

Mein Fazit: Ich war super zufrieden das die Klinik mich auf die Schnelle aufgenommen hat. Die Psychologen waren immer sehr nett und hilfsbereit. Jeder hatte ein offenes Ohr für mich.
Mit Medikamenten waren die Ärzte sehr vorsichtig und haben ungern welche rausgegeben.
Die Therapien sind sehr gut gewesen und ich habe eine Menge über mich und meinen Körper gelernt.
Auch der richtige Umgang mit der Krankheit konnte ich erst mit Hilfe einiger Therapien lernen.

Es gibt auch einen weiteren Grund warum ich hier all das schreibe. ich möchte endlich mit dieser Zeit abschließen und sie als etwas gutes ansehen können.
Wenn ich daran denke dann kommen viele Ängste wieder hoch die ich zu dieser Zeit hatte und die möchte ich endlich ablegen.
Mit fällt das ziemlich schwer, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch kurzzeitig die Trennung hatte mit meinem Freund. Da war alles für mich die Hölle.Wir sind aber wieder wie Pech und Schwefel
Aber dort habe ich Freunde gefunden, die mich verstehen, die haben immer ein offenes Ohr gehabt haben und in die Station wird jeder aufgenommen. Egal wie er ist. Die Menschen dort sind alle sehr freundlich. Auch die Schwestern die für alle Probleme offen sind.
Man muss eben nur lernen vor anderen Menschen offen über sein Problem zu sprechen. Sind ja Gruppentherapien!!!

Mir wurde diese Klinik auch empfohlen von meinem Freund. Er war auch dort und ist heute wieder völlig gesund und super zufrieden gewesen mit dem Klinikaufenthalt.

Sunny

*jetzt tun mir die Finger weh*

28.02.2008 20:22 • #1


Hallo Sunny,

vielen lieben Dank für Deinen so ausführlichen Bericht.

Ich selbst soll auch in der nächsten Zeit irgendwann zu einem Reha-aufenthalt dahin.
Und bin auch sehr neugierig aber auch ein wenig ängstlich.

Du warst ja sozusagen stationär im KH dort.....aber soweit ich weiss unterscheidet sich der Rehateil vom Deinem nich t allzuviel oder?

Kennst Du manchmal jemanden der dort mal direkt zur Reha war?

Aber Du hast mir mit Deinem Bericht schonmal ein wenig Mut gemacht und so ne ähnlich strnege Klinik mit soviel strengen Regeln habe ich auch schonmal erlebt und hab es auch überlebt ohne abzubrechen....aber ich habe auch schon viele weniger gute Therapien kennen gelernt, daher will ich mich gut vorbereiten und wissen was mich erwartet.

Würde mich freuen, wenn ich von Dir nochmal was hören würde.
Wie geht es Dir jetzt so momentan?

Ganz lieben Dank, Elisha

18.03.2008 17:21 • #2


Hallo Elisha,

ja ich war nur stationär dort.
Hab dort auch jede Menge Leute kennengelernt die im Reha-Bereich waren.
Viel unterscheidet sich das aber nicht.

Es ist jetzt ein dreiviertel jahr her und mir geht es super

Ich finde es übringens gut das mein Beitrag doch noch jemanden Mut gemacht hat.

Liebe Grüße, Sunny

19.03.2008 00:14 • #3


Viele Grüß Simba12

02.04.2008 08:15 • #4


Hallo Simba,

ganz lieben Dank für Deinen Bericht!

Ja ich hätte da gleich nochmal ein paar Fragen.

Also gibt es da eigentlich jeden Tag Gruppengespräch.? Und wenn die verbale Therapie sehr hart war, liegt das dann eher an die Probleme der Mitpatienten oder eher an dem oft provozierenden Verhalten des Therapeuten, sofern da überhaupt einer dabei ist?

Und kannst Du mir manachmal erklären, wie das berufsbezogene Praktikum aussieht? Also wie oft zeitmäßig und welche Richtungenes da gibt. Wie kann ich mir diese Praktikas vorstellen.

Und dann noch eine Frage zum Therapieplan....wann beginnt der Tag, wann endet er und wie sieht es WE aus. da hat man frei oder? Kann man auch WE Urlaub oder sowas bekommen?

Ich freu mich sehr, dass Du hier offen berichtest. Was meinst Du hat Dir die Reha was gebracht? Und wie ging es Dir danach und wie gehts Dir jetzt?

Sorry, wenn ich soviel frage..ich hoffe das ist Ok für Dich?

Liebe Grüße und danke schon mal, Elisha!

05.04.2008 15:13 • #5


Hallo Elisha

gelöscht

Viele Grüße Simba12

06.04.2008 09:56 • #6


Uuuuiiii, danke dir liebe Simba....das is echt Klasse, dass Du mir so genau bericht erstattest und natürlich lass ich dich wissen wanns los geht und wies mir dort ergangen ist.

Zwei fragen habe ich da mal noch spontan:

Auf der HP kann man entnehmen, dass es Internetzugang gibt, der sogar kostenlos ist. Wie oft oder lang darf man daran...? also is das realiesierbar den zu nutzen?

Und zweite Frage....eigene persönliche Dinge, wie Handy oder so...darf man die benutzen oder muss man das abgeben?

Ganz lieben Dank für Deine ausführlichen Antworten...heut kam der ganze Schriftkram von der Rentenversicherung...auweih, was ich da alles ausfüllen lassen mus und von dem ärzten an befunden brauch. Nun warte ich nur noch auf den Aufnahmetermin, den mir die Klinik schreibt....

Danke erstmal....ich meld mich, sobald ich weiss, wanns los geht.

Achja und noch eine Frage...ist es möglich dort auch physiotherapeutische Behandlung zu bekommen?

Liebe Grüße Elisha!

08.04.2008 19:02 • #7


Liebe Grüße Simba!

08.04.2008 19:57 • #8


eary
Wie sieht es mit Kontaktsperre aus? Für mich ist das eine meiner größten Ängste....
Wie läuft das Einganggespräch ab? Ich meine gleich nach der Ankunft?

04.07.2008 15:12 • #9


Viele Grüße Simba12

04.07.2008 17:51 • #10


eary
Hab nun für den 29.Juli eine Zusage der Klinik bekommen.

Ich werde dahin gehen.... hoffe das ich dort ein wenig mehr Zeit habe... und dass es dort nicht schlimmer wird.

Mein Neurologe und meine Psychotante meinten sie können mich nicht weiter behandeln wenn ich nicht dort hingehe.

13.07.2008 09:58 • #11


Hallo zusammen!
War 2007 in Bad Neustadt und fahre jetzt im August zum zweiten Mal dorthin in den Krankenhausbereich. Ich freu mich darauf, soll heißen, ich kann nur Positives darüber sagen. Ich hatte Kontaktsperre über 7 Wochen und im Nachhinein betrachtet war es richtig und für mich hilfreich so. Kommt ja auch immer darauf an, weshalb man dort ist und welche Problematik man hat. Ich sollte mich damals von meiner Lebensgefährtin trennen und wollte dieses über 7 Wochen nicht recht einsehen, hatte zusätzlich zu den üblichen Therapien die harte Schiene über 7 Wochen und muß im Schluß sagen-- sie hatten recht. Es dauert manchmal eine Weile, bis die Therapie richtig greift aber mir hat sie geholfen-- und wenn auch nicht von Dauer- fahre ich jetzt nochmals dorthin, mit Grundproblematik Depression, die ich immer wieder bekomme- oder nie richtig weg ist- und ich freu mich auf Neustadt-- auch wenn es ja nicht grad ein Erholungsurlaub ist-- dennoch sind meine Erfahrungen grundweg positiv.

25.07.2010 12:02 • #12


Ich berichte ebenfalls über die Psychosomatische Klinik Bad Neustadt/Saale:

War aufgrund einer schweren depressiven Episode 8 Wochen dort u. es hat mir SEHR geholfen!!!!!

Es gibt dort nur Einzelzimmer, die Therapeuten sind nett. Ich war in der harten Schiene mit z.B. Boxen, Zirkeltraining, Terrainlauf hart usw. um meine Wut, die sich über Jahre angestaut hat, rauslassen zu können. Es gibt dort 3x die Woche die verbale Gruppenpsychotherapie, die hat mir am meisten geholfen. Abends gibts immer um 21 h eine Sprechstunde falls es einem schlecht geht. Man kann sich aber natürlich jederzeit an der Rezeption melden u. dann kommt Jemand u. kümmert sich um einen. Ich war auf der Station K-11 u. hatte einen super Ausblick über die Stadt. Die Stationen sind zwar teilweise renovierungsbedürftig (5 u. 6 werden gerade renoviert), aber ich habe mich dort trotzdem sehr wohl gefühlt. Ärzte, Therapeuten, Schwestern u. Mitpatienten waren super nett. Ich würde jedes Mal wieder dort hingehen, wenn ich Hilfe bräuchte. Die Wartezeit von ca. 5 Wochen ist im Gegensatz zu anderen Kliniken auch recht kurz.

Mir gehts jetzt wieder gut u. die Therapeuten sagen, dass solch eine depressive Phase nicht wieder kommen muss, wenn ich öfter mal Nein sage u. mich in den Vordergrund meines Lebens stelle.

Ich wünsche Allen, die einen Aufenthalt vor sich haben alles Gute u. ganz viel Kraft!

25.11.2012 20:33 • #13




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