Bad Grönenbach Klinik Erfahrungen

Lisbeth

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Hallo ihr Lieben!

Die "never ending story" meines Rehaantrags geht in ein neues Kapitel: Nachdem meine Wunschklinik "Heiligenfeld, Bad Kissingen" von der BVA abgelehnt wurde und Bad Grönebach ein wenig ähnlich arbeitet (therapeutische Gemeinschaft, Gruppendynamisch z.B.) UND sie von der BVA-Bund belegt wird, ist diese Klinik nun in der engeren Wahl.

Kann mir jemand genaueres sagen über den GruppenZWANG der dort herrscht? Ich lese von rituellen Tänzen, Morgenspaziergängen hand-in-hand mit der ganzen Gruppe, ganz abgesehen von der Bonding Therapie (die allerdings nach Auskunft der Klinik auf meine telefonische Nachfrage nur bei einigen wenigen Patienten angewendet wird, und die man auch ablehnen kann, wenn man nicht mag). Meine Befürchtung ist, dass man so zur körperlichen Nähe gezwungen wird und man Außenseiter ist, wenn einem das zu viel ist. Wird ein Wunsch nach Abgrenzung und Distanz dort respektiert oder zumindest toleriert, oder muss man volle Pulle mit auf Kuschelkurs gehen?

Andererseits macht die Klinik einen sehr guten Eindruck im Hinblick auf Therapeutenkompetenz und Sinngebung und gegen Gruppendynamik als Übungsfeld für "Draußen" habe ich auch ganz und gar nichts einzuwenden, im Gegenteil.

Über Antworten freut sich
Lisbeth

24.09.2008 19:45 • #1


Lisbeth

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Kann denn niemand hierzu etwas sagen?

02.10.2008 18:32 • #2


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Hans-Jürgen

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Hallo Lisbeth,

bitte entschuldige, das ich Dir erst heute antworte, habe Deine PN gelesen und nun schon etliche Anläufe gemacht, Dir zu antworten, tut mir leid.

Bad Grönenbach kann ich aus meiner heutigen Sicht nur wärmstens empfehlen, mir jedenfalls hat es sehr gut getan, veränderte sich mein Leben seither doch grundlegend und nachhaltig. Nie wäre zuvor auf den Gedanken gekommen, das ich an mir selber etwas ändern mußte, damit es mir wieder besser gehen konnte, Emotioinen und Gefühle waren bis dato eigentlich fast aus meinem Leben verbannt, es zählte stets nur die Ratio.

Darum war auch die erste Zeit in der Klinik für mich zumindest geradezu schreckliche Ernüchterung, Ent-Täuschung und Kapitulation vor mir selber und meinen "Macken", immer spielte mir mein "Kontrollzentrum" böse Streiche; bereits am zweiten Tag wollte ich daher wieder weg. Zum Glück haben mir eine Mitpatientin und eine Schwester "gut zugeredet" und mich davon überzeugen können, das mein erster Eindruck über diese Klinik und Therapie wirklich vorschnell war und diese Therapie doch der richtige Weg für mich war.

Depressionen, psychosomatische Probleme, lange Zeit habe ich die Zähne zusammen gebissen und gemeint: "... es wird schon wieder...". Ich hatte schließlich gegenüber psychischen Problemen bislang eine ähnliche Einstellung wie leider immer noch sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft, also möglichst weit von sich weg schieben..., Freud und die Couch... das war doch nichts für mich... Als Kind bin ich geradezu dazu erzogen worden, ein "Pokerface" aufzusetzen, meine Eltern sagten mir stets, wie es in meinem Inneren aussähe, ginge niemanden etwas an...

Das es allerdings so mit mir nicht weitergehen konnte, hatte ich zuvor bereits durch meine Ärztin erfahren, 2 dicke Magengeschwüre, eines wäre fast durchgebrochen...verbunden mit ziemlichen Schmerzen..., das war hart am Rande meiner Existenz überhaupt und ist gerade noch mal gut gegangen, Ich war gesundheitlich völlig am Boden, ob meine Mitmenschen das akzeptieren oder gar die üblichen "Witzchen" über meine wohl offenbar durch die Psyche ausgelöste Krankheit machten, war mir angesichts der immer heftigeren Schmerzen irgendwann so etwas von "Wurst", ich hatte nur noch den Wunsch, das die Schmerzen endlich aufhören würden, ich war also bereit, mir helfen zu lassen, "Kröten zu schlucken" und vor allen Dingen, etwas an mir zu ändern !

Die "therapeutische Gemeinschaft", das sind alle Patienten, die Klinikleitung, die Ärzte, die Schwestern, das Küchen und Hauspersonal. Niemand trägt dort weiße Kittel, keiner behandelt "die Depression aus Zimmer 3",der Umganston zwischen allen ist sehr direkt und herzlich, alle reden sich mit "Du" an.

Da ich damals fast völlig unvorbereitet dorthin kam, ich hatte weder zuvor etwas vom "Herrenalber Modell" noch von der Casriel Therapie, und den "12 Schritten" zuvor gehört, all das traf mich also völlig unvorbereitet und erweckte bei mir zunächst, wie o.a. arge Zweifel, ob ich überhaupt in der richtigen Klinik sei. Ich war doch krank, nach Meinung meiner Ärztin eigentlich schwer krank und war her gekommen, damit man mich wieder gesund macht..(so im Sinne von "Reparatur")..

Stattdessen behaupteten sie dort, der Schlüssel zu meiner Genesung liege bei mir selber liege und nur bei mir selber,
ich bekäme hier Hilfe zur Selbsthilfe. Die Therapie ist also stark darauf ausgerichtet, den Patienten mit seinen Symptomen und Problemen zu konfrontieren, das war mir zunächst äußerst unangenehm !

Ich mußte mich also zunächst erklären, das ich bereit war, mich auf die Therapie einzulassen und einen Vertrag abschließen, in dem ich meine Therapieziele niederlegen mußte. Während der gesamten 8 Wochen verlangte man außerdem Abstinenz von mir von allem, was in irgendeiner Weise mit "Sucht" in Verbindung zu bringen ist. Das ich dort nicht rauchen durfte, naja, eigentlich wollte ich das Rauchen schon lange gerne aufgeben, war mir aber bisher nie gelungen. Das Aufgeben schon, kein Problem, aber nach wenigen Tagen war ich bisher immer wieder zum Raucher geworden, in Spitzenzeiten bis zu 50 am Tag !

Mich dort auf die Bonding Therapie einzulassen, das kostete mich zunächst Überwindung, war ich es bislang nicht gewohnt, andere Menschen ohne S. Hintergrund so nah an mich heran zu lassen. Ähnlich erging es mir bei der morgendlichen "Dynamischen Meditation", gibt es darin doch eine 10 minütige Phase, in der man seinen Ärger, seine Freude und alles, was einen gerade bewegt, herausschreien soll...Beides hat mir sehr gut getan. Es wird auch niemand dazu genötigt oder gar gezwungen, andere Patienten "ganz nah" an sich heran zu lassen, über Nähe und Distanz entscheidet jeder noch immer für sich allein.

Einen kleinen Überblick kannst Du Dir vielleicht auch über nachfolgende Links verschaffen

http://www.rehakliniken.de/w3.php?nodeI ... haId=11041
http://www.foerder-kreis.de/uns/uns_fset_modell.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lf ... e-Programm
http://www.bonding-psychotherapie.de/fo ... ition.html

Unter den folgenden Links kannst Du Dir unter dem Stichwort "Galerie" einiges aus dem Ort sowie dem wunderschönen Allgäu anschauen.

http://www.groenis.de/
http://www.lebenistbegegnung.de/index.p ... 49&catid=2

Über die 12 Schritte und die "höhere Macht" gibt das Buch von Melody Beatti "Mut zur Unabhängigkeit - Wege zur Selbstfindung und inneren Heilung - Das 12 Schritte Programm, sehr gut Auskunft.

Liebe Grüße
Hans-Jürgen

02.10.2008 21:49 • #3


Lisbeth

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Hallo Hans-Jürgen!

Zitat von Hans-Jürgen:
bitte entschuldige, das ich Dir erst heute antworte, habe Deine PN gelesen und nun schon etliche Anläufe gemacht, Dir zu antworten, tut mir leid.


Das macht doch nichts. Vielen lieben Dank für deine ausführliche und persönliche Antwort, die mir sehr weiterhilft!


Zitat von Hans-Jürgen:
Es wird auch niemand dazu genötigt oder gar gezwungen, andere Patienten "ganz nah" an sich heran zu lassen, über Nähe und Distanz entscheidet jeder noch immer für sich allein.


Du glaubst gar nicht wie mich das beruhigt. Meine Therapeutin und ich waren uns nämlich nicht sicher, ob der Gruppenzwang eventuell sehr, sehr hoch sein könnte und die Abgrenzung dazu dann mehr Kraft kosten könnte als ich im Moment aufbringen kann.

Zitat von Hans-Jürgen:
Über die 12 Schritte und die "höhere Macht" gibt das Buch von Melody Beatti "Mut zur Unabhängigkeit - Wege zur Selbstfindung und inneren Heilung - Das 12 Schritte Programm, sehr gut Auskunft.


Genau dieses Buch habe ich hier gerade liegen, ausgeliehen von meiner Therapeutin. Ehrlich gesagt gefällt es mir weniger gut. Dieses "Gequatsche" mit Vertrauen auf "Gott" und "höhere Macht" geht mir ganz schön auf die Nerven. Genau deswegen habe ich im Bereich "Selbsthilfegruppen" hier im Forum eine Frage zu den 12-Schritten gestellt. Viel klarer ist mir das allerdings nicht geworden.

Nochmals vielen lieben Dank an dich,
Lisbeth

06.10.2008 11:28 • #4


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Hans-Jürgen

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Hallo Lisbeth,

Das Du mit der "höheren Macht" nichts anfangen kannst, kann ich gut nachvollziehen, erinnert es mich doch sehr an meine eigene Zeit in der Klinik, mir ging es damals anfangs ganz genauso. Ich glaubte gar an eine Sekte oder ähnliches, dem war aber keinesfalls so. Auch einigen anderen ging es so. Der damalige Klinikchef, Konrad Stauss, hat es uns dann in etwa so erklärt:

"Es gibt viele Situationen im Leben, da sind wir selber "mit unserem Latein am Ende", weil wir nicht mehr weiter wissen oder nicht mehr weiter können. Der Rat, "man müsse sich nur selber beim Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen..." kann doch nur funktionieren, wenn man wenigstens noch mit einem Bein auf festem Grund steht, sonst ist man darauf angewiesen, das einen jemand anders aus diesem Sumpf heraus zieht. Man ist in einer solchen Situation also selber machtlos und benötigt jemanden, der über diese "Macht" verfügt, einen da heraus zu ziehen. Jeder, der mir zu Hilfe kommt ist in dem Fall "höhere Macht" (denn selber kann ich es ja nicht in dieser Situation).

Ob jemand an Gott glaubt oder nicht, damit hat das absolut nichts zu tun !...". Das gilt nicht nur für den Sumpf, auch in vielen anderen Situationen sind wir selber machtlos und darauf angewiesen, das uns jemand anders hilft. Das kann der Installateur sein, der Elektriker, der Arzt, der Zahnarzt oder wer auch immer.

Für "Höhere Macht" kannst du einsetzen, was dir hilfreich erscheint: Menschlichkeit, Liebe, die Kraft zum Guten, die Natur, der traditionelle Gott... (aus: EA-Faltblatt "Willkommen bei EA")

Vielleicht kannst Du Dir jetzt mehr darunter vorstellen.

Liebe Grüße
Hans-Jürgen

07.10.2008 08:26 • #5


Lisbeth

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Hallo Hans-Jürgen!

Ja, so kann ich mir schon wesentlich mehr vorstellen. Wieder einmal vielen lieben Dank!
Das wird ja eine echte Herausforderung für mich!!! War ich doch bisher ein Mensch, der zwar anderen Menschen bis zur Selbstaufgabe geholfen hat, für sich selbst aber unfähig ist um Hilfe zu bitten. Besser gesagt ich war unfähig, denn ich lerne es gerade mühsam. Das Bitten wird nun allerdings manchmal zu einem Schrei, der widerum dann mein Gegenüber verschreckt. (gerade hat eine alte Freundin mir die Freundschaft gekündigt, weil sie sich überfordert fühlte von mir)

Ich denke und hoffe, ich werde in Grönenbach gut aufgehoben, zumutbar und aufgefangen sein.

Lieben Gruß,
Lisbeth

07.10.2008 18:04 • #6


Peter1

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Hallo Lisbeth,

habe erst eben das Forum entdeckt. Kann mich nur dem Hans-Jürgen anschließen. Man wird zu nix gezwungen, ganz im Gegenteil. Man muss sich holen was man braucht.
Ich war zu beginn auch erst etwas irritiert, aber es wurde für mich eine wichige Zeit die ich nicht missen möchte.

Grönenbach lohnt sich.

Liebe Grüße

Peter

25.12.2008 18:36 • #7


Lisbeth

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Hallo Peter!

Vielen Dank für die Info!
Allerdings ist die Klinik bei mir von der DRV abgelehnt worden. Begründung: Zu lange Wartezeiten.
Ich habe statt dessen eine rein verhaltenstherapeutisch arbeitende Klinik bewilligt bekommen: Baar-Klinik Königsfeld, in die es nun auch Anfang Januar gehen wird. (siehe einen Beitrag unter diesem)

Lieben Gruß
Lisbeth

25.12.2008 21:39 • #8

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