10

Dem Chef von Depression erzählen - wie?

Guten Tag,

ich habe bereits schon einen Beitrag geschrieben und danach gefragt, wie man Depression und Arbeit vereinbaren kann. Nun mittlerweile ist Stand der Dinge, dass ich jetzt öfters beim Neurologen war. Ich bin seit ca. Anfang Dezember krank geschrieben und das bis Februar. Ich hab dem Neurologen gesagt, ich würde meine Stelle nun kündigen wollen und zu meinem Freund ziehen, da es mir bei ihm psychisch viel besser ging. Natürlich werde ich dort dann auch Therapie machen, da es noch vieles gibt, dass aufgearbeitet werden muss. Nun hat mir vor ein paar Tagen der Chef geschrieben, wie es mir denn ginge. Ich sagte daraufhin nur, dass ich gerne ein persönliches Gespräch hätte und da dann alles erklären möchte. Ich fühle mich ja auch nicht wohl dabei, erst dort angefangen zu haben und nun so lang krank zu sein. Ich möchte also nun sagen was mir fehlt, auch wenn ich das gar nicht müsste.

Nun meine Frage: Das Gespräch ist am Mittwoch. Ich habe panische Angst. Ich weiß gar nicht wie ich das angehen soll. Ich habe Angst dort dann direkt in Tränen auszubrechen, da ich darüber nicht so gut sprechen kann. Ich habe mich bewusst für ein persönliches Gespräch entschieden, da ich telefonieren hasse. Bzw. ich vermute schon fast eine Phobie dahinter aber auch das soll in der Therapie angegangen werden. Kann mir jemand vielleicht ein paar Tipps geben, wie ich das Gespräch am besten anfange? Was ich sagen kann? Hatte von euch jemand vielleicht schon so ein Gespräch mit dem Chef und kann mir seine Erfahrungen sagen? Mir ist jetzt schon wahnsinnig schlecht weil ich gar nicht weiß wie das Gespräch ablaufen wird. Und wann/wie soll ich das mit der Kündigung angehen?

Danke schon mal

13.01.2019 17:26 • #1


Hallo Delena,
ich war selbst schon in dieser Situation.

Du kannst außerordentlich Kündigen, wenn du einen driftigen Grund angibst oder ordentlich innerhalb der in deinem Arbeitsvertrag angegeben Kündigungsfrist.

Ansonsten bleibt dir nur übrig nach einem Aufhebungsvertrag mit sofortiger Wirkung zu fragen, was einer fristlosen Kündigung gleich kommt. - Das kommt je nach dem wie gut dein Chef ist, eventuell nicht so gut an.

Sofern du deine Diagnosen nicht freiwillig offen legst, darf dein Arbeitgeber gar nicht von deiner Diagnose (der ICD-Code auf dem Attest bzw. Diagnosezettel) wissen.

Vielleicht solltest du bei deinem Gespräch erstmal nach einem amtsärztlichen Gutachten fragen (kann nur vom Arbeitgeber oder durch die Arbeitsagentur / Jobcenter bei Arbeitslosigkeit beantragt werden) und dann dein Kündigungswunsch mit dem Ergebnis bekräftigen.

13.01.2019 20:20 • #2


ich wollte für eine außerordentliche Kündigung und im Gespräch keine Gründe (Diagnose) nennen, also habe ich damals den Aufhebungsvertrag gewählt und gesagt "Ich will und kann einfach nicht mehr aus gesundheitlichen Gründen hier weiter arbeiten".

Das hätte ich auch gemacht und gesagt wenn negatives Feedback zurückgekommen wäre.

13.01.2019 21:09 • #3


Albarracin
Hallo,

ich halte das von Dir gewünschte Gespräch genauso wenig für eine gute Idee wie eine Kündigung oder ein Auflösungsvertrag ohne konkrete berufliche Anschlußperspektive. Gerade in akuten Krankheitsphasen sollte man derartige weitreichende Entscheidungen auf keinen Fall treffen, da idR die Folgen für den weiteren beruflichen Weg nicht wirklich absehbar sind.

Solange das Arbeitsverhältnis besteht (auch bei Arbeitsunfähigkeit), brauchst Du bei einem Arbeitsplatzwechsel keine Lücken bei einer Bewerbung zu erklären. Und ein Gespräch, vor dem Du jetzt schon panische Angst hast, wird Dich nicht wirklich weiter bringen. Sage das Gespräch ab, Du bist Deinem AG derzeit nichts weiter schuldig als die rechtzeitige Meldung Deiner Arbeitsunfähigkeit bei Verlängerung und dem Zusenden des Nachweises.
Außerdem kann sich Dein Mitleid mit Deinem AG in engen Grenzen halten. In einem größeren Betrieb gehört so etwas zur unternehmerischen Verantwortung dazu, Arbeitsunfähigkeit mit einzuplanen. Und auch in einem Kleinbetrieb (bis zu 30 AN) sind die Folgen von längerer Arbeitsunfähigkeit deutlich weniger schlimm, als das Gejammere vieler AG bzw. ihrer Verbände suggeriert. Derartige Kleinunternehmer sind nämlich gegen die Kosten von Lohnfortzahlung zwangsversichert. Je nach (durch den AG) gewähltem Beitragssatz werden ihnen bis zu 80% der Kosten der Lohnfortzahlung von den Krankenkassen ersetzt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Umlage_U1

Konzentriere Dich lieber auf Dich selbst, Deine notwendige Behandlung und die Klärung Deiner privaten und beruflichen Zukunftsperspektiven und treffe erst dann Deine Entscheidungen.

15.01.2019 10:52 • x 6 #4


Danke für die Antwort. Ja, ich war sehr unsicher wegen dem Gespräch aber einige meinten sie hielten es für besser ich würde einfach die Wahrheit sagen. Ich denke auch nicht dass sie durch mein Fehlen nun einen großen Verlust haben derzeit.

Ich hätte vielleicht noch erwähnen sollen, dass mein Arbeitsvertrag befristet ist bis März. Ich weiß aber auch ehrlich gesagt nicht wie bzw. mit welcher Begründung ich das Gespräch nun absagen soll, ohne dass sie mir einen Ersatztermin geben.

15.01.2019 17:17 • #5


Sag du fühlst dich nicht gut - und meldest dich wenn es dir wieder besser geht.

Kannst du eine Email schreiben an die Firma oder musst Du anrufen?

15.01.2019 18:56 • #6


Hey,
dem AG niemals von psychischen Erkrankungen erzählen und von selbst kündigen per Aufhebungsvertrag beinhaltet eine sofortige ALG1 Sperre!
LG recovery

21.01.2019 19:44 • x 1 #7


Axel61
Auf keinen Fall kündigen! Du hast Anspruch auf Lohnfortzahlung und danach auf Krankengeld, solange du krankgeschrieben bist. Also erst mal die Krankschreibung verlängern lassen, wie es dir schlecht geht und es möglich ist. Da kann dich niemand hindern zu deinem Freund zu gehen. Wenn Du nicht mehr krank geschrieben wirst, dann kannst Du immer noch wegen einer Vertragsauflösung verhandeln. Da solltest Du aber dann eine Abfindung bekommen. Selber kündigen ist auch für die Arbeitslosenversicherung extrem ungünstig, weil Du dann eine Lücke in der Historie hast. Ich würde erst gehen, wenn Du an deinem neuen Lebensmittelpunkt etwas neues gefunden hast.

21.01.2019 19:55 • x 1 #8


Axel61
Zitat von recovery:
...
dem AG niemals von psychischen Erkrankungen erzählen...


So hart würde ich das nicht sagen. Es gibt auch Firmen die Hilfe anbieten. Aber das kommt natürlich immer auf den Laden an und auch auf den persönlichen Chef, ob der dich deckt, oder loswerden will.

21.01.2019 19:57 • x 1 #9


Zitat von Axel61:

So hart würde ich das nicht sagen. Es gibt auch Firmen die Hilfe anbieten. Aber das kommt natürlich immer auf den Laden an und auch auf den persönlichen Chef, ob der dich deckt, oder loswerden will.


Bei hoch dotierten Stellen trifft das inzwischen leider nicht mehr zu, entweder volle Leistung oder man wird ausgetauscht.
Bezüglich dem Aufhebungsvertrag und einem alten Arbeitsvertrag aus den 90er Jahren gibt es noch eine andere Option, nennt sich Abwicklungsvertrag und es folgt weder eine Sperre noch die Anrechnung der jeweils vereinbarten Abfindung aber mal ganz ehrlich, viele haben bereits einen neueren Arbeitsvertrag somit hat sich das mit einer Freistellung inklusive Abfindung von selbst erledigt, zumindest in der freien Wirtschaft.

21.01.2019 20:54 • #10


Danke an alle Antworten.

Ich schreibe nun wie es ausging, falls es jemand wissen möchte.

Das Gespräch hatte ich erstmal abgesagt, da ich mich nicht überwinden konnte hinzugehen. Mein Chef schrieb daraufhin, dass er ein paar Infos bräuchte. Er dachte sich auch schon, dass es psychisch ist. Nun ich hatte vergessen zu erwähnen, dass mein Vertrag ohnehin befristet ist.

Nun hatte ich heute das Gespräch und ich muss sagen es war die beste Entscheidung. Der Vertrag wird nun einfach auslaufen und mein Chef sagte mir auch egal ob ich nun noch bei ihnen bin oder nicht, ich kann mich jederzeit melden wenn ich jemanden zum reden brauche. Mir fiel ehrlich gesagt ein Stein vom Herzen. Ich hab mich wirklich verstanden gefühlt.

Jetzt kann ich mich erst mal um mich kümmern und sehen wie es weiter geht.

24.01.2019 17:15 • x 1 #11




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag