Wie soll ich dem Chef sagen, dass ich krank bin?

Thomson

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Hallo zusammen,

diese Woche sollte ich wohl mal ein Gespräch mit meinem Chef suchen. Aber ich bin mir nicht sicher, was die richtige Strategie sein soll.

Ich bin seit etwa einem Monat AU-geschrieben, wegen Burn-Out und Depression. Derzeit nehme ich nur Anti-Depressiva. Eine Therapie steht noch aus. Das Problem ist, dass ich meine Angstzustände bei der Ausübung meines Jobs habe und eine Versetzung in einen unliebsamen Bereich, meine Depression wieder nährt. Ein Dilemma, stecke in einer Zwickmühle.

Hinzu kommt, dass ohnehin Stellen abgebaut werden müssen und somit interne wie externe Versetzungen drohen. Das kann gut sein, das kann schlecht sein. Vor allem muss ich von der Kontischicht runter. Leider ist es auch so, dass ich die Zustände in meiner Firma schon seit langem nicht mehr ernst nehmen kann. Entsprechend ist die Stimmung in der Belegschaft und auch bei den Vorgesetzten. Manchmal denke ich dass es besser wäre, wenn sie mich kündigen und ich so Zeit und Ruhe habe, mich um was neues zu kümmern. Aber es wäre auch dumm, eine sichere Stelle einfach so aufzugeben. Zumal mir jegliche Perspektive fehlt. Fakt ist, bin ich erst mal arbeitslos, hab ich ein weiteres Problem. Als Industriemechaniker werden mir sicher keine Sahnejobs angeboten sondern Stellen als Gabelstaplerfahrer. Aus dieser Tretmühle will ich unbedingt heraus!

Eventuell bestünde noch die Möglichkeit, den Betriebsrat einzuschalten und darüber hinaus, gehört unsere Firma nun einem großen, globalen dt. Konzern an. Vielleicht geht da was. Aber wen ansprechen? Unser BR kümmert sich mehr um den Arbeitgeber...

Ich werde auf jeden Fall mit meinem direkten Vorgesetzten und dem Betriebsleiter zusammen sprechen müssen. Den BR möchte ich erst mal außen vor lassen. Aber was soll ich denen nur sagen? Wie soll ich es sagen? Denn wenn die Katze erst mal aus dem Sack ist, gibts kein zurück mehr. Es besteht aber Hoffnung auf Menschlichkeit zu setzen. Aber wer weiß was dabei rum kommt.

Eine Alternative wäre noch mein Arzt. Ihm kann ich sagen, dass ich aufgrund meiner Situation bisher nicht in der Lage war, mich so zu kümmern wie ich es hätte tun sollen. Die Pillen scheinen nicht zu wirken und ich stecke noch immer in tiefer Lethargie. Ich hoffe mein Arzt versteht das und unterstützt mich noch ein Weilchen.

Naja, sicher war schon mal jemand in so einer Situation und kann mir einen Denkanstoß geben.

Wünsche euch allen eine gute Woche,
Thomson

17.10.2011 17:42 • #1


GastAccount

Ich verstehe gerade nicht, warum du unbedingt mit deinem Chef sprechen musst? Eine gesetzliche Pflicht gibt es dazu nicht.

17.10.2011 18:40 • #2



Hallo Thomson,

Wie soll ich dem Chef sagen, dass ich krank bin?

x 3#3


mag

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Hallo Thomson,

wurde dieser Termin von deinem AG vorgeschlagen ?

Oder kann man das so verstehen, dass du nicht weißt, ob dein Arzt dich weiter Arbeitsunfähigkeit schreibt und dadurch ein
AG-Gespräch stattfinden wird ?

17.10.2011 18:54 • #3


Thomson

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Hallo ihr beiden,

es ist so dass ich meinen Job so nicht mehr ausüben kann. Also muss ich mit den Chefs sprechen, um eine Lösung herbeizuführen.
Ewig kann ich mich ja nicht davor drücken und mein Arzt kann mich auch solange nicht krankschreiben. Wir müssen also reden. So oder so.

In meinem Job muss ich klettern. Ich habe aber die Angst zu fallen. Dann bekomme ich diese Angstzustände bis hin zur Panikattacke! Ich werde meinen Job also so nicht mehr machen können.
Setzen die mich stattdessen auf einen Gabelstapler, würde das nur meine Depression weiter nähren. Tretmühle und Gerede ohne Ende. Damit wäre ich von der Kontischicht runter und würde acht Stunden lang das machen müssen, was ich überhaupt nicht will! Aber wem soll man das erklären? Warum sollten die mir was anbieten, was all das ausschließt? Die haben auch nur begrenzte Möglichkeiten. Ist mein Problem aber erst mal bekannt, weiß das quasi jeder und wird auch in meiner Akte stehen. Das schmälert jede Möglichkeit. Und das Gerede erst! Jeder wird fragen, warum ...

Ich überlege schon, ob ich die entsprechenden Herren nicht besser privat ansprechen soll.... Von wegen Menschlichkeit. In der Firma herrscht der Ellenbogen, privat könnte ich mit viel Glück auf mehr hoffen.

Es geht sich um meine Existenz! Lange kann ich nicht mehr schweigen, dann muss Butter bei die Fische! Auch mein Arzt wird bald schon sicher anderes verordnen, als nur einen gelben Schein um mich aus dem Verkehr zu ziehen.

Klar- niemand hier kann die Situation und die beteiligten Personen einschätzen. Aber vielleicht hat mal jemand ähnliches erlebt.

17.10.2011 19:16 • #4


paula

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Hallo Thomson,

Deine Angst kann ich gut verstehen.
Ich halte es aber für falsch, gerade jetzt, wo es Dir nicht gut geht, mit Deinem Chef zu sprechen.
Das setzt Dich nur noch mehr unter Druck.
Wenn Dein Arzt gut ist und Dich versteht, so wie ich das aus Deinen Zeilen rauslese, dann rede
mit ihm darüber. Er wird Dir Zeit geben, dass Du gesund wirst. Und wenn es Dir dann besser
geht, DANN kannst Du mit Deinem Chef reden.

LG Paula

17.10.2011 19:27 • #5


mag

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Hallo Thomson,

es ist schwierig, dir einen Ratschlag zu geben. Du bist dir auch ziemlich unsicher, offen über deine Erkrankung mit dem AG zu reden.

Über eins solltest du dir im klaren sein, wenn du deinen AG über deine Erkrankung informierst und keine Weiterbeschäftigung möglich ist,
könnten Firmen, bei denen du dich bewirbst, nach Rückfrage beim jetzigen AG über deine Erkrankung informiert werden.

Zitat:
Auch mein Arzt wird bald schon sicher anderes verordnen, als nur einen gelben Schein um mich aus dem Verkehr zu ziehen.
Hier solltest du mit deinem Arzt reden, welche Therapien für dich sinnvoll wären, damit deine Erkrankungen behandelt werden, denn nur mit der Ausstellung der Arbeitsunfähigkeit ist dir ja nicht geholfen.

Ich bin der Meinung, einen AG über psychische Erkrankungen zu informieren, ist sehr heikel. Man sollte an seine Zukunft denken, wenn man sich anderweitig nach einem Arbeitsplatz umsehen muß.

17.10.2011 20:38 • #6


Thomson

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Hallo ihr Lieben,

ihr habt ja schon recht bezüglich eurer Bedenken. Allerdings ist es ja nicht so, dass ich deswegen verhaltensaufällig war und mir dadurch Unmut zugezogen hab. Im Gegenteil, ich kann mir sicher sein, dass meine Chefs mein Verhalten und meine Arbeit zu schätzen wissen. Darüber hinaus ist mein sonstiger Krankenstand auch sehr gering. Im Schnitt max. drei Tage im Jahr. Kurz- es hat nie irgendwelche Probleme gegeben und ich gelte als einsatzfähig und zuverlässig.
Zumal müssen eh Stellen abgebaut werden und sollte ich deswegen gegangen werden, sehe ich keinerlei Veranlassung, mir bei etwaiger Nachfrage Steine in den Weg zu legen. Insofern kann ich mir das definitiv nicht vorstellen. Das wäre auch nicht deren Art.

Und wie gesagt, es gilt nach wie vor als große Chance, aus der Firma heraus, im weiteren Konzern weiter vermittelt werden zu können. Nur muss es dazu einen Anlass geben. Ich kann kaum sagen dass ich unter Bluthochdruck leide (hab ich), deswegen meine eigentlichen Job nicht mehr machen kann und man mich bitte gerne an eine geeignetere Stelle hinloben möchte. Ich denke dass ich mit "Butter bei die Fische" besser fahre.

Im schlimmsten Fall gehts zur Arge und was die mir andrehen weiß ich jetzt schon. Spätestens da würde ich bei jedem unliebsamen Vorstellungsgespräch sagen dass ich unter Depressionen leide und dass das die Arge nicht interessiert. Andernfalls drohen Kürzungen oder ich stehe acht Stunden lang an einer Sandstrahlkabine und kann mich meiner Depression erfreuen. Dann brauch ich auch keine Therapie mehr.

Ich bin auf der Suche nach Lösungen und Alternativen um die Existenz nicht zu verlieren. In jedem anderen Fall bleibt mir schon gar nichts anderes übrig als mich auf meine Depression zu berufen um von mir fern zu halten, was mir mehr schadet als hilft!

Eines darf man bei alledem nicht vergessen. Schreibt mein Arzt mich nicht mehr krank und ich lehne eine (teil)stationäre Behandlung ab, dann hänge ich wirklich am Fliegenfänger. Ich stehe an der Schwelle zum abrutschen und solange ich mich noch halten kann, kann ich nur versuchen, konstruktive Lösungen zu finden. Eine Klinik würde mir den Absturz bedeuten!

Wenn gar nichts mehr geht, würde ich vorschlagen mich zu kündigen. Dann bin ich zwar meine Existenz los und hab die Arge am Hals, aber ich behalte weiter selbst die Fäden in der Hand! Abhängig und unter Druck zwar- aber frei! Das ist dann alles was mir noch bleibt um mich selbst retten zu können! Das Eis ist dünn aber ich bin noch oben! Hier bin ich und da bleibe ich- egal was passiert!

Danke & Gruß,
Thomson

18.10.2011 23:18 • #7


mag

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Hallo Thomson,

habe so den Eindruck, dass die Denkanstöße, die du gerne haben wolltest, von dir gar nicht angenommen werden.

So sicher bist du dir der ganze Sache aber nicht, denn sonst hättest du doch wohl nicht unsere Ratschläge gewollt.

Du kannst heutzutage noch so "ein guter Mitarbeiter" sein, zu vertrauensvoll sollte man nicht sein. Diese Erfahrungen haben
hier genug User im Forum schon gemacht.

19.10.2011 08:42 • #8


Thomson

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Hallo Mag,

es stimmt schon dass so ein Schuss schnell nach hinten losgehen kann. Ich finde es aber etwas befremdlich, mich deswegen als beratungsresistent darzustellen.
Der Rat, besser nichts über die Depression zu sagen mag richtig und wichtig sein, leider aber auch recht dünn.

Lange kann ich mich nicht mehr mit der Bluthochdruck raus reden. Und ich bin mir sicher dass ich nur dann auf Zuspruch und Lösungen seitens meiner Chefs hoffen kann, wenn ich ihnen keine Märchen auftische. Dann bin ich mir sicher, dass die mich ganz schnell als unliebsam gewordene Person, ruck-zuck in die hinterste Ecke versetzen. Da kann ich dann gammeln bis ich von selbst aufgebe.

Aus meinen Beiträgen wird deutlich, dass ich nach konstruktiven Vorschlägen suche. Gegen eine ultimative Lüge hätte ich aber auch nichts.
Ich suche also nach einer Strategie, die Dinge am Arbeitsplatz wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, um meine Existenz zu behalten. Nun kann ich auch nicht mehr tun, als meine eigene Einschätzung der Lage mitzuteilen. Und ich denke auch nicht, dass diese von Naivität geprägt ist. Ich hatte bereits erwähnt dass ich mir bewusst bin, im schlimmsten Falle wieder von vorne anfangen zu müssen.

Als ich diese Frage stellte war ich in der Hoffnung, zu erfahren wie andere diese schwierige Situation gemeistert haben. Ob es evt. auch Möglichkeiten zur Freistellung gibt usw. Schweigen oder Märchen erzählen, zu warten dass alles von allein wieder besser wird, kann nicht der richtige Weg sein. Offenbar verkennt man aber, dass ich nicht resignieren will. Ich halte das eigentlich für einen Schritt in die richtige Richtung. Ich habe nur das Pech, mit dieser Situation keine Erfahrung zu haben.

Danke & Gruß,
Thomson

20.10.2011 18:22 • #9


GastAccount

Du möchtest gerne Meinungen- und Erfahrungsberichte haben? Gut, hier kriegst du meinen (ich versuche es kurz):
Mit ein Grund für das endgültige Ausbrechen meiner Depression war die stetige Unterforderung in meinem damaligen Job als Webentwickler. Es war soooooo langweilig und ich hatte wirklich nichts zu tun.

Ich bemerkte plötzlich stärkere Magenschmerzen und meldete mich öfter mal krank. Später kamen starke Schlafstörungen hinzu. Und ich hatte eigentlich keine Lust mehr auf den Job, wollte aber auch nicht arbeitslos sein, denn die davor Angst war noch viel größer. Also zwang ich mich weiter dadurch. Nach 2 Monaten bin ich dann zusammengeklappt und mein Doc schrieb mich für 2 Wochen am Stück krank. Vorher war ich noch zum Abteilungsleiter gegangen und hatte gefragt, ob es nicht die Möglichkeit für eine Versetzung gibt: ich fühle mich unterfordert. Darauf kam erst keine Reaktion. Auf Anraten einer Freundin bin ich dem zu Betriebsrat und erzählte dort auch offen von meiner diagnostizierte Depression. Ich bekam eine andere Position, angeblich mit mehr Verantwortung aber auch weniger Stress, weil ich ja nun nicht so belastbar bin (sagte ich schon, dass ich unterfordert war?). Jedenfalls langweilte ich mich nun dort noch mehr (ich kann dir sagen, 8 Stunden am Tag dummes Surfen kann wirklich sch.... sein). Das ganze hielt ich einen Monat aus, dann klappte ich erneut zusammen.

Diesmal wieder Auszeit und 5 Wochen am Stück krank geschrieben. In der Zwischenzeit fasste ich den Entschluss wieder in meinen eigentlichen Beruf zurückzukehren. Dafür wollte ich eine Tagung in meinem Urlaub besuchen, das war aber fast gar nicht möglich, weil ich ja noch krank geschrieben war. Also schleppte ich mich wieder nach den 5 Wochen ins Büro. Die Begrüßung war unschön: meines Postens war ich enthoben (ein anderer mache das viel besser) und der Vorstandsvorsitzende machte mir ziemlich unmissverständlich klar, wenn ich noch einmal länger krank bin, dann müsste ich mit Entscheidungen im Sinne des Geschäftes rechnen (auf Deutsch - dann schmeißen sie mich raus). Das ging natürlich nicht so einfach, denn bei einem über 100 Personen großen Unternehmen, greift unbarmherzig der Kündigungsschutz, und der Betriebsrat sah keinen Grund für eine Kündigung wegen Krankheit (oder wegen Depressionen). Wie mir der BR später mitteilte, gab es während meiner Krankschreibung schon eine Sitzung mit dem Vorstand, BR und Abteilungsleitern über mich, und wie man mich denn nun wieder loswerden könnte. Über meinen Urlaub war man natürlich nicht begeistert, aber das war mir schon egal.

Ich knüpfte auf der Tagung gute Kontakte, die mich letztendlich zu meiner jetzigen Stelle brachten. Doch weil ich nicht wusste, wie ich mich finanzieren sollte, um meinen Traum einer Doktorarbeit zu verwirklichen, traf ich die Entscheidung erstmal zu bleiben und zu schauen, ob es für die Möglichkeit gibt in Teilzeit weiter zu arbeiten. Einen halben Tag würde ich die Langeweile schon aushalten. Ich trug also meinen Wunsch offen und ehrlich an die entsprechenden Leiter. Es folgten 6 Wochen lang Schweigen, dann zitierte man mich alleine (!) in einen Besprechungsraum, wo man mir dann sehr unhöflich und beleidigend klar machte, dass ich mich entscheiden müsse, entweder Vollzeit hier oder gar nicht. Und ich müsste halt dann schauen wie ich diese Doktorarbeit schreibe. Schließlich hätte man mit mir schon genug Ärger gehabt. Ich wurde angebrüllt und fertig gemacht, am Ende bin ich fast heulend (aber nur fast) rausgerannt und bin erstmal vor die Tür gegangen. Einen Tag später ließ ich mich wieder krankschreiben und von meinem Doc ein Attest ausstellen, dass ich in dieser Firma nicht mehr arbeiten kann, damit ich vom AA keine Sperre bekomme.

Du siehst, wie so etwas enden kann, wenn man ganz naiv, gutgläubig, offenherzig, vertrauensselig in so eine Sache reinrennt. Und der Vorstandsvorsitzende war diplomierter Psychologe, der sollte es eigentlich besser wissen. Aber Ar... bleibt Ar...., da hilft auch kein akademischer Grad. Aus dieser Erfahrung heraus, bin ich aber sehr vorsichtig geworden, wem ich so alles von meiner Diagnose erzähle. Meine Chefin weiß nichts davon und das ist auch gut so. Ich will weder einen Bonus deswegen, noch irgendwelche Nachteile haben. Meine Krankheit geht nur mich etwas an, niemanden sonst. Ich, an deiner Stelle, würde noch einmal ordentlich über die Strategie nachdenken. Denn, wenn das Kind erst in den Brunnen gefallen ist, kann es sehr unschön werden. Bossing, so wie ich es erlebt habe, wünsche ich dir jedenfalls nicht, denn dagegen bist du machtlos, auch mit Betriebsrat.

20.10.2011 19:18 • #10


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Pyxidis

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So dann will ich auch mal von meiner Erfahrung berichten.

Ich war ein halbes Jahr krank und bin bei meinem Chef und der Personalfrau ganz offen mit den Gründen meiner Krankheit umgegangen. Ich hatte keine Nachteile und bin auf Verständnis gestoßen. Sogar als ich beim Wiedereinstieg Panikattacken im Büro entwickelte und kündigen wollte, lies mein Chef dies nicht zu und sagte, daß wir es schon wieder schaffen würde, mich über den Berg zu bekommen. Ich habe immer noch ein gutes Verhältnis zu meinem Chef und der Personalabteilung und arbeite mittlerweile wieder ohne Attacken.

Es kann also auch gut ausgehen offen mit seinem Chef zu sein.

Viele Grüße
Scorpio

21.10.2011 11:12 • #11


Thomson

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Hallo zusammen,

danke für eure Erfahrungsberichte!

Morgen muss ich wieder zum Arzt. Ich werde ihm sagen müssen dass ich nicht weiß was ich tun soll. Vielleicht hat er ja einen Rat. Soll ich, soll ich nicht, soll ich... Endlosschleife!
Vielleicht kann man sich irgendwie freistellen lassen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht wen ich ansprechen kann, welche Mittel zur Verfügung stehen.
Mittlerweile habe ich mehr Angst vor dem Gang zum Arzt als zum Chef zu gehen. Nur der Arzt ist in der Lage, mich weiter rauszuhalten bis mein Kopf wieder frei genug ist, mich den Dingen zu stellen oder etwas lösungsorientiertes gefunden zu haben.

Ich bin jetzt seit ca. vier Wochen aus dem Verkehr gezogen und habe jetzt "nur" noch meine Depression. Aber der Punkt ist erreicht, wo sich alles ändern muss. Ich bin noch nicht soweit, brauche noch etwas Zeit. Ich habe gerade erst wieder die Ruhe gefunden und Angst und Panik haben sich eingestellt. Nur der Arzt kann mir jetzt noch den Rücken stärken. Das ist derzeit mein einziger Rückhalt. Klasse- jetzt hab ich sogar Angst zum Arzt zu gehen.

Auch wenn das resignierend klingt- am besten ist wohl, wenn man mir kündigt. Dann habe ich ein Jahr Zeit, mich aus eigener Kraft aus allem rauszukämpfen. Das habe ich schon mal geschafft. Nur hätte ich damals schon eine Therapie machen sollen. Da ahnte ich noch nicht, dass das ein Teil meines Lebens werden würde...

Morgen weiß ich mehr.

Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!

Thomson

23.10.2011 16:03 • #12


mag

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Hallo Thomson,

du solltest nach 4 Wochen Arbeitsunfähigkeit nicht solche Panik haben, warte doch erst einmal ab. Dein Arzt wird dir morgen schon sagen, wie
deine Erkrankung weiter behandelt werden kann.

4 Wochen sind doch bei einer Depression gar nichts und darum breche nichts übers Knie bzgl. Kündigung des Arbeitsplatzes.

23.10.2011 18:18 • #13


Thomson

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Guten Abend zusammen!

Bin jetzt erst mal wieder bis zum 8.11. raus. Mein Arzt hat mir noch mal eine Überweisung ausgestellt und auch gleich gemerkt, dass ich beim Thema Klinik blockiere. Er sprach davon, dass es dringlichen Fällen ohne verfügbare ambulante Anlaufstelle, es darum geht, dem Patient eine "Insel" bieten zu können, also raus aus dem Alltag. Bin ich ja durch die Arbeitsunfähigkeit, und mein Zuhause IST meine Insel. Hier habe ich alles was mir gut tut und das brauche ich auch. Das hat er verstanden.

Als ich später die Arbeitsunfähigkeit abgab, lief ich dummerweise meinem Meister über dem Weg. Den hatte ich seitdem nicht mehr gesehen und fragte mich gleich, welche Sorgen ich ihm denn nur machen würde. Ich erzählte wieder die Sache mit dem Bluthochdruck, was das so mit sich bringt, medikamentöse Einstellung und med. Untersuchungen um was ausschließen zu können. Er meinte, er kenne all das und hat bis vor einiger Zeit selbst noch damit zu tun gehabt. Das glaub ich ihm gerne, kein Wunder beim dem Stress den er hat. Er fragte auch wie es sich bei mir auswirkt und ich sprach von innerer Unruhe die dann auftritt. (Also nicht arbeitsfähig.) Er hat das gleich aufgegriffen und fragte ob es nicht nervlich (also psych.) bedingt sein könnte. Ich entgegnete nur, dass ich innerlich ausgeglichen bin und es mich wohl deswegen so unruhig macht.

Nun habe ich mich gefragt, was wäre wenn ich dem Chef sage, dass all das offensichtlich psychosomatisch bedingt ist, eine Ursache aber nicht erkennbar. Also nix Depression aber ein unwohles Gefühl in bestimmten Arbeitssituationen, die dann zum Bluthochdruck mit gravierenden Nebenwirkungen führen. Nach dem Motto, wenn man weiß das jemand Höhenangst hat, lässt man den auch nicht klettern. Im Grunde genommen ist die Angst vor dem Fallen mit Höhenangst zu vergleichen. Jedenfalls dem Laien. Problem ist nur, ich hab das ja schon bei 2-3 Metern. Ich überlege gerade, ob und wie ich das am besten verkaufen kann. Das versteht doch sonst kein normal denkender Mensch.

Aber vielleicht wäre das ein Ansatz und jemand hat dazu eine Idee.

Wünsche allen einen guten Start in die neue Woche!

Thomson

24.10.2011 21:51 • #14


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Pyxidis

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Hallo Thomson,

ich würde es nicht zu kompliziert machen. Ich denke, Du mußt auch gar nicht wirklich begründen, warum Du aus Deiner Schichtarbeit rausmußt. Es reicht, wenn Du sagt, daß Du es gesundheitlich nicht mehr kannst und um eine Versetzung bittest. Warum genau geht keinem etwas an.

Alles Gute für Dich,
Scorpio

25.10.2011 10:08 • #15


Thomson

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Ja genau. Ich sag einfach, es geht nicht mehr. Die wollen ja nur Stellen abbauen und Personal loswerden. Wozu also mit gutem Personal verhandeln wollen, wenn man die gleich auf den Gabelstapler setzen kann. Für ein weiteres halbes Jahr. Und dann Tschüss!

Ich kann nur auf Vertrauen und gute Mitarbeit setzen. Das ist alles was ich habe. Was bleibt mir schon, als alles auf eine Karte zu setzen? Denen geht es sich nun nur darum, Leute woanders hin zu versetzen. Das müssen sie. Aber nicht unbedingt dahin wohin ich will. Sonst kann ich gleich in die Klinik gehen. Das ist dieselbe Tretmühle...

Ich werde Klartext reden, privat. Nur soviel wie nötig- hoffe ich. Und dann mal schauen.

Sollte ich mit dem offenen Wort hier und heute nicht mehr weiter kommen können, dann war es das eben. Damit kann ich mich besser abfinden als mit allem anderem!

So ist sich eben jeder selbst der nächste und muss schauen wie er zurecht kommt. Auch ich.

Danke & Gruß

Thomson

27.10.2011 00:33 • #16


Thomson

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Heureka!

Ich weiß nun wie ich es verkaufen kann! Nah an der Wahrheit und soviel sie schon wissen und vor allem klar verständlich. Da kann ich mich auch nicht in Widersprüche verwickeln.
Das verschafft mir Luft nach vorne und sichert bis auf weiteres meine Existenz. Und sollte wider Erwarten was schief gehen, kann ich auf meinen tollen Arzt vertrauen.

Happy Halloween :-)

Thomson

31.10.2011 22:26 • #17


tristanforks

Es passt zwar nicht zum Anfangsthema des erstellers, dennoch passt die Überschrift des Themas zur meiner folgenden Frage:
(verzeiht wenn ich dieses Thema hier nutze aber extra neuen Thread sah ich auch nicht unbedingt als sinnvoll an)
Also die Frage die ich mir stelle ist: Wie erkläre ich einem Chef bei einem Vorstellungsgespräch meine mittlerweile 2,5 Jahre ohne Arbeit.
Im Lebenslauf steht Selbstfindungsphase aber ich bin mir sicher sollte ich zu einem Gespräch eingeladen werden, der Chef fragt. Ich will ihn aber auch nicht sagen das ich unter Depressionen leide und was alles vorgefallen ist. Wie macht ihr das?
Reicht das aus zu sagen Ich hatte diverse Schicksalschläge und musste das verdaun, bin aber nun wieder Arbeitsfit?

Würd gerne eure meinung darüber hören.

21.03.2012 19:26 • #18


mag

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Hallo tristanforks,
Zitat:
Reicht das aus zu sagen Ich hatte diverse Schicksalschläge und musste das verdaun, bin aber nun wieder Arbeitsfit?

wie du schon richtig erwähnst, irgendetwas muss du ja sagen und die Formulierung ist schon mal nicht schlecht.

Ich würde es vielleicht so umschreiben: "Aufgrund div. Schicksalschläge habe ich diese Auszeit benötigt und da jetzt alles behoben ist, fühle ich mich wieder voll Einsatzbereit."

Wenn nachgehakt wird, um welche Schicksalschläge es sich gehandelt haben, einfach signalisieren, das war gestern und jetzt beginnt der Neustart.

Vielleicht helfen dir diese Anregungen etwas.

22.03.2012 10:34 • #19


tristanforks

Zitat von mag:
Hallo tristanforks,
Zitat:
Reicht das aus zu sagen Ich hatte diverse Schicksalschläge und musste das verdaun, bin aber nun wieder Arbeitsfit?

wie du schon richtig erwähnst, irgendetwas muss du ja sagen und die Formulierung ist schon mal nicht schlecht.

Ich würde es vielleicht so umschreiben: "Aufgrund div. Schicksalschläge habe ich diese Auszeit benötigt und da jetzt alles behoben ist, fühle ich mich wieder voll Einsatzbereit."

Wenn nachgehakt wird, um welche Schicksalschläge es sich gehandelt haben, einfach signalisieren, das war gestern und jetzt beginnt der Neustart.

Vielleicht helfen dir diese Anregungen etwas.


Ich danke dir. Denke so werde ich das dann auch machen. ;)

22.03.2012 10:53 • #20


Caspara

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Zitat von Thomson:
In meinem Job muss ich klettern. Ich habe aber die Angst zu fallen. Dann bekomme ich diese Angstzustände bis hin zur Panikattacke! Ich werde meinen Job also so nicht mehr machen können.
Es ist nicht unmöglich, dass du nach einer Therapie keine Höhenängste mehr hättest...
Zitat:
Setzen die mich stattdessen auf einen Gabelstapler, würde das nur meine Depression weiter nähren. Tretmühle und Gerede ohne Ende. Damit wäre ich von der Kontischicht runter und würde acht Stunden lang das machen müssen, was ich überhaupt nicht will!
Ich fände es aber gut, wenn dir dein AG eine Stelle anbieten würde, die du von deiner Erkrankung her machen könntest und die dich nicht in die existentielle Krise bringt.

Zitat:
Ist mein Problem aber erst mal bekannt, weiß das quasi jeder und wird auch in meiner Akte stehen. Das schmälert jede Möglichkeit. Und das Gerede erst! Jeder wird fragen, warum ...
Erstens solltest du dich mal etwas lockerer machen und die anderen einfach reden lassen. Außerdem glaube ich eher, dass auch die anderen Kollegen ihre privaten und gesundheitlichen Probleme haben, aber auf der Arbeit eben nciht darüber reden. Ergo könnte auch Verständnis möglich sein.

Zitat:
Es geht sich um meine Existenz!
Erstmal geht es um deine Gesundheit!

Wünsche dir dennoch viel Erfolg für dein Gespräch.

24.03.2012 18:45 • #21



Hallo Thomson,

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Caspara

154
Zitat von Thomson:
Im schlimmsten Fall gehts zur Arge und was die mir andrehen weiß ich jetzt schon. Spätestens da würde ich bei jedem unliebsamen Vorstellungsgespräch sagen dass ich unter Depressionen leide und dass das die Arge nicht interessiert. Andernfalls drohen Kürzungen oder ich stehe acht Stunden lang an einer Sandstrahlkabine und kann mich meiner Depression erfreuen. Dann brauch ich auch keine Therapie mehr.
Was für eine Arbeit hättest du denn gern? Kann es sein, dass du die Dinge momentan einfach nur schwarz-weiß siehst? Die Art deiner Arbeit ist sicher nicht alleine ausschlaggebend für deine Depressionen. Du siehst das anscheinend mom. als Fakt an, es ist aber sicherlich vielschichtiger.

Zitat:
Ich bin auf der Suche nach Lösungen und Alternativen um die Existenz nicht zu verlieren.
Was genau meinst du denn mit Existenz? Dein monatliches Einkommen oder dein Leben?
Zitat:
Eines darf man bei alledem nicht vergessen. Schreibt mein Arzt mich nicht mehr krank und ich lehne eine (teil)stationäre Behandlung ab, dann hänge ich wirklich am Fliegenfänger. Ich stehe an der Schwelle zum abrutschen und solange ich mich noch halten kann, kann ich nur versuchen, konstruktive Lösungen zu finden. Eine Klinik würde mir den Absturz bedeuten!
Es gibt also doch noch mehr Möglichkeiten, die du aber derzeit ablehnst (Warum?). Warum keine Reha? Warum kein stationärer Aufenthalt?

24.03.2012 18:51 • #22

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