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Chronisch depressiv - welche Behandlung hilft mir / Ausweg finden

MelodieSyren
Ich bin 25 Jahre alt.

Ich habe in meinem Leben schon viel durchmachen müssen.

Mobbing als ich zur Realschule ging, die ganze Zeit über.
Niemand dort mochte mich, ich war ein kompletter Außenseiter, sogar die Lehrer mieden mich. ich hatte das Gefühl das sei normal, weil scheinbar niemand so war wie ich, so dachte wie ich. Erst viel später realisierte ich wirklich was diese Zeit der Qual mit mir gemacht hat, erst später als ich älter war konnte ich darüber sprechen und mir Hilfe holen. vielleicht zu spät?

Meine Eltern haben sich scheiden lassen als ich so in der 9/10. Klasse war. Bis dato habe ich immer geglaubt meine Eltern hätten eine Beziehung. Zum Zeitpunkt des Geschehens muss ich wohl auch stark depressiv gewesen sein. Es war hart immer wieder den Streit der Eltern mitzukriegen und immer wieder mit reingezogen zu werden.
Heute komme ich damit aber gut klar, habe das überwunden.

Nachdem meine Mutter auszog, bin ich damals bei meinem Vater geblieben. Ein fataler Fehler wie sich wenig später herausstellte.

Es fing damit an, dass ich aus der Schule raus war und keinen Ausbildungsplatz oder einen Plan für die Zukunft hatte. Mein Vater setzte mich unter Druck mich zu bewerben, das hab ich dann auch - einfach überall. Ich hatte so wenig selbstbewusstsein, dass ich sowieso nicht glaubte irgendwo genommen zu werden.
Schlussendlich bin ich bei einem Call Center gelandet. Auf gar keinen Fall ein Job den ich jemals machen wollte. Aber mein Vater zwang mich dazu. Also hab ich dort angefangen zu arbeiten, erst nur auf 400Euro Basis, dann als Azubi. Was ich dort erlebte war die Hölle. Der Chef dort war so ein grauenvoller Mensch. Er hat quasi jeden dort ständig fertig gemacht. Auf unterster Ebene.
Bei mir ging das natürlich super, ich hatte ja eh kein Selbstbewusstsein. er konnte mit mir also machen was er wollte. Tagtäglich wurde ich dort psychisch fertig gemacht. ich hab so oft geweint. Ich hatte niemanden der mir geholfen hat. Und ich MUSSTE es ja machen. Mein Vater ist nämlich nicht mehr für mich aufgekommen. Ich habe mir zu dieser Zeit meine Lebensmittel selbst von meinem Lohn gekauft. Da mein Vater quasi nichts mehr für mich zahlen wollte.

Ich war für meinen Vater nichts anderes als eine Putze, die ihm die ganze Zeit die große Wohnung sauber halten sollte. Da ich aber selbst arbeiten war und auch noch zu lernen hatte in der Ausbildung für Klausuren, konnte und wollte ich das nicht allein machen. Er lebte ja auch dort! Aber nein, er redete sich grundsätzlich immer raus und ich war die Blöde. Ich machte damals wirklich Witze darüber, dass ich Aschenputtel bin.
Nach einem halben Jahr Ausbildung hielt ich es nicht mehr aus, ich kündigte den Job im Callcenter. Ich konnte nicht mehr. Ich habe so oft und so sehr geweint, ich wollte nicht mehr an diesen Ort, dieses A. von Chef sehen, mich weiterhin fertig machen lassen.
Mein Vater war damit natürlich nicht einverstanden. Kurzzeitig war es okay, aber dann.
Als mein Vater dann anfing, hier und da mal eine Freundin zu haben, eskalierte die Sache einfach total.
Er beschimpfte mich, machte mich psychisch fertig, hetzte mir einen Anwalt auf den Hals. Er wollte mich aus dem Haus klagen. Aus meinem Zuhause.
Allein wenn ich das hier nur so schreibe ist es hart für mich nicht zu weinen. Auch heute tut es noch unendlich weh, weil ich nicht verstehe wie man seinem Kind sowas antun kann.

Ich nahm mir dann natürlich auch einen Anwalt - es ging nicht anders. Es war der blanke Horror. Der psychotherror - ich ersprache euch hier einzelheiten, sonst könnte ich ewig weiter schreiben.

Kurzum:
Ich hatte kein Geld, hatte aber mich, meinen Hund und meine Katze zu versorgen. Ich war in dieser Zeit so oft beim Jobcenter/Arbeitsamt. Immer wieder ohne Erfolg - solang ich noch zuhause wohne müsse ja mein Vater für mich aufkommen - toll wenn der das aber nicht tut!
Erst als mein Anwalt mal dort anrief, dann ging es plötzlich und ich bekam Leistungen vom Amt!
Ich war zu dem Zeitpunkt so ein seelisches Frack. Ich habe einfach nur noch funktioniert. Ich wollte nur noch weg von meinem Erzeuger, nur noch meine Ruhe, frei sein. Wollte dass ich und meine Tiere ohne Angst leben konnten. Ich hatte panische Angst davor, dass er meinen Tieren was antut! Meine Tiere sind meine Familie, mein Halt - mein Alles. Sie zu verlieren wäre wirklich mein Tod gewesen - damals wie heute.

Kurz vor Abschluss der Anwaltssache habe ich dann eine Wohnung gefunden. Hätte ich keine gefunden, tja, wäre ich eiskalt auf der Straße gelandet. damals war ich grade mal 18/19 Jahre alt.

Ich war dann also in meiner eigenen Wohnung und konnte erstmal zur ruhe kommen, mich um meine Tiere und mich kümmern. Da ich keine Arbeit und nichts hatte, war ich natürlich vom Amt abhängig. Wer das kennt, weiß vielleicht wie das ist. Demütigung an der Tagesordnung.
Nach einer Maßnahme vom Amt war ich 1 Jahr lang auf einem Berufskolleg, wo ich 3 Tage die Woche ein Praktikum bei einem Arzt machte. Nach dem Kolleg, begann ich bei dem Arzt meine Ausbildung.
Ich war anfangs so glücklich dort! Endlich konnte ich selbst Geld verdienen und im Leben vorankommen!
Doch leider kam es auch hier wieder anders. sowohl Chef als auch Kollegen verschworen sich gegen mich, machten mich fertig bis ich es psychisch nicht mehr aushielt, letztendlich wurde ich Anfang des 2. Ausbildungsjahres gekündigt.
Irgendwann in dieser Zeit ging ich auch zum Psychater um mir Antidepressiva verschreiben zu lassen, die ich seitdem nehme. (Medikament hat sich über die Zeit bis jetzt aber geändert, auch die Dosis)
Dann war ich ca. ein 3/4 Jahr arbeitslos bis ich wieder etwas neues fand.
Wieder dachte ich mir: Jackpot! Jetzt ziehe ich durch! Ich verstand mich auch super mit meinen Kolleginnen. So tolle Menschen <3 Aber die Chefin dort ist ein totaler Choleriker. Ständig rastet sie grundlos aus, schreit rum, beleidigt einen, droht mit Kündigungen usw.

Ich hielt das ganze stillschweigend aus. Ich bin niemand der da was zu sagt, ich lasse sowas über mich ergehen. ich habe da kein Selbstbewusstsein um zu sagen: Hey so redet mit mir keiner.

Ich hatte eben auch immer im Hinterkopf: Ich muss das fertig machen, ich muss! Ich muss meine Miete bezahlen, die Rechnungen, ich muss meine Tiere versorgen. Ich dachte ich muss durchhalten, nur die Ausbildung fertig machen und dann weg dort.

Aber Ende letzten Jahres kamen dann noch persönliche Probleme dazu. Ich hatte hier wo ich wohne riesen Probleme mit einem Nachbarn am Hals. das hat mich psychisch mächtig mitgenommen. Zu der Zeit wurden auch meine Depri Medis erhöht von der Dosis.
Ich hab mit meiner Chefin darüber gesprochen, hab ihr gesagt dass es mir nicht so gut geht momentan.

Aber das alles nahm mich zu sehr mit.
Ein Choleriker als Chef, der ständig alle fertig macht, zuhause ständig Stress wegen dem Nachbarn, dann noch Lernen für Klausuren und gleichzeitig soll ich noch meinen Haushalt schmeißen, mich um meine Tiere kümmern und um mich selbst.

Ich konnte einfach nicht mehr. Ich hatte immense Probleme morgens aufzustehen und kam deshalb häufig zu spät zur Arbeit. Ich kam einfach nicht aus dem Bett, es ging nicht, ich war so tot müde! Egal wie viel ich geschlafen habe! Meine Wohnung sah immer mehr und mehr chaotisch aus, ich wollte nicht mehr aufräumen, es ging nicht. Sobald ich zuhause war wollte ich nur noch ins bett. Nichts mehr machen, nur da liegen.

Ende Januar diesen Jahres wurde es meiner Chefin dann zu blöd und sie kündigte mir. Im Mai jetzt hätte ich Prüfungen gehabt, dann wäre die Ausbildung durch gewesen.

Ich fühl mich so schlecht deshalb. Ich kriege diese verdammte Ausbildung nicht zu ende. Ich komme im Leben nicht voran. Immer werden mir Steine in den Weg gelegt, Felsen, so kommt es mir vor. Ich werde immer psychisch fertig gemacht.

Ich habe echt das Gefühl das ich seelisch mitlerweile total am Ende bin. ich bin total pessimistisch, weine oft, meine Zukunft? Da sehe ich nichts positives. Ich kriege doch eh wieder nur eine drauf sobald ich denke es läuft gut.

Ich hatte schon Bewerbungsgespräche - aber sobald ich davon rede dass ich eben Pech auf der Arbeit hatte und mein Leben eben dazwischen kam, war das Gespräch quasi gelaufen. Man glaubt mir einfach nicht. Kurz darauf kam dann immer eine Absage.

Das führt dann jedes Mal dazu, dass ich mich selbst fertig mache. Ich fühle mich minderwertig, wertlos, dumm. Das jetzt hier zu schreiben tut so weh dass ich jetzt wirklich weine.
Ich fühle mich so verlassen, so hilflos.
Ich will mich nicht mehr so fühlen, so depressiv, so allein, traurig. Aber ich habe nicht die Hoffnung dass es je anders sein wird.

Ich kenne es nicht anders!

Jetzt wo ich älter bin, bin ich ganz klar der Meinung dass ich schon sehr früh im leben psychische Probleme/Störungen hatte. Es hat sich nur niemand darum gekümmert oder es bemerkt.
Erst als ich älter wurde und mich dafür "interessierte" erkannte ich selbst dass etwas mit mir "nicht stimmt" und ging eben zum Arzt, der mir eben Medikamente gab. Erst seitdem gelte ich als depressiv.

Ich bin jetzt seit Februar wieder Arbeitslos, im Februar gleich hatte ich eine ganz schreckliche depressive Phase. Ich habe nur geweint, ich kam nicht aus dem Bett, kam nicht dazu Rechnungen zu zahlen, zum Amt zu gehen um Alg1 & 2 zu beantragen. Es ging nichts mehr. Ich war so tot. Ich wollte mich nur zuhause verkriechen und mich um meine Tiere kümmern.
Meine Medikamente wurden wieder höher dosiert.

Mittlerweile geht es mir besser, die heftige depressive Phase ist. vorbei? Glaube ich. aber ich habe Angst vor der nächsten.

Heute habe ich wieder Mahnungen im Briefkasten gehabt. Das hat mich wieder so sehr runter gezogen. Ich hab keine Ahnung wo ich das ganze Geld her nehmen soll! Ich weiß nicht mal wie ich den Monat überleben soll!

Ich hab solche Angst, ich schaffe das alles nicht mehr. Ich fühle mich immer noch dreckig und alleine. Und ich glaube nicht, dass meine Medikamente so gut wirken, denn ich bin nach wie vor vollkommen Antriebslos. Ich nehme im Moment Venaflaxin AL 225mg retard.
Das ist schon eine hohe Dosis sagt mein Doc. Ich meine, ja es hilft auch irgendwo. aber nicht genug denke ich. Aber mein Arzt will mir augenscheinlich auch nichts anderes verordnen.

Ich sitze jetzt hier. habe mich dazu umgerungen diesen Text zu schreiben, um es mir einfach von der Seele zu schreiben. Ich weiß es ist viel, es tut mir leid, für alle die das hier ernsthaft lesen. Danke euch, danke <3

Ich denke ich bin chronisch depressiv. Wer hat damit Erfahrungen? Wie geht es euch damit, wie lebt ihr damit? Was ist mit arbeiten gehen? Wo findet ihr Hilfe? Gibt es Hilfe? Hört es irgendwann auf?
Ich möchte doch nur glücklich sein und mich nicht immer fertig machen lassen müssen - oder mich selbst fertig machen. Das ist eine endlos Spirale die zu nichts führt. Ich will raus aus diesem Loch. Ich will ich sein, ohne Depression.

Wird sie immer ein Teil von mir sein, die Depression? Wie kann ich lernen damit zu leben? Muss ich damit leben?

Ich will mich nicht mehr dafür schämen müssen depressiv zu sein. Ich will mich nicht mehr anders fühlen nur weil ich depressiv bin. Ich will nicht mehr deshalb belächelt werden. Ich will verstanden und akzeptiert werden! Ich will eine Chance! Ich will eine chance auf eine Zukunft! In der ich es zu etwas bringen kann. warum gibt mir keiner eine Chance? Warum. warum läuft mein Leben so beschissen?

Ich habe hier weitaus nicht alles erzählt oder alle Einzelheiten, es wäre einfach zu viel.

Vielleicht finde ich hier wen zum reden.

08.05.2019 00:19 • x 3 #1


Mayke1
Liebe MelodieSyren, wer so eine Last auf dem Herzen hat, die damit auch die Seele erdrückt, schreibt auch viel. Das ist völlig in Ordnung. Ich habe mir alles durchgelesen. Auch wenn ich jetzt noch keine Antwort weiß, will ich dir dich hiermit sagen, dass es sich lohnt, dich zu öffnen und dein Leid mit anderen zu teilen. Auf diese Weise erreichst du viele Menschen, die so manchen guten Rat oder zumindest ein offenes Ohr haben. Angenommen, du hättest keine gesundheitlichen Sorgen: Auf welche Art von Arbeit hättest du so richtig Lust? Hast du Begabungen? Du formulierst flott und beschreibend. Das hat mich beeindruckt. Ich wünsche dir und deinen lieben Tieren einen guten Start in den Tag!
Mayke

08.05.2019 06:36 • x 2 #2


Alexandra2
Moin Melodiesyren,
Ich kann alles nachvollziehen und schreibe ganz offen:
1. Suche einen Therapeuten und bearbeitete Deine Opferhaltung
2. Du bist Deines Glückes Schmied, stelle eine wirksame Therapie zusammen evtl durch Klinik, sorge dafür daß es Dir besser gehen kann.
3. Schau, ob die ambulante Sozialpsychiatrie für Dich in Frage kommt, die Hilfen sind großartig
4. Ich bin chronisch krank und ja, das nervt, mein Leben auf Sparflamme. Ich muss sehr auf mich aufpassen, ohne o.g. Punkte würde ich das nicht schaffen.
Das wichtigste ist die ausreichende Behandlung um die Zusammenhänge zu verstehen, zu bearbeiten und sein Verhalten zu ändern. Das lohnt sich!
Liebe Grüße
Alexandra

08.05.2019 07:23 • x 4 #3


maya60
Hallo Melodiesyren,

danke, dass du einen so genauen Bericht über dein Leben mit uns teilst. Das zeigt, dass du für dich sorgst, dass du willst, dass es dir besser geht, dass du nicht aufgegeben hast, dass du Verantwortung für dein Leben übernimmst. Das hast du immer getan, du hast immer wieder von vorne begonnen. Und das, obwohl du schon früh ein sehr belastendes instabiles Zuhause hattest und depressive Probleme.

Da du Auseinandersetzungen mit Mitschülern, Lehrern, Vater, Nachbarn, Chefs und Kollegen schilderst, denke ich auch, du musst das Ganze dringend mal psychotherapeutisch aufarbeiten. Ein Aspekt ist sicherlich die depressive hohe Verletzbarkeit, Weltsicht und Wahrnehmung, dass alle gegen dich sind und dass du alleine bist. Dass du dich immer wieder als Opfer erfährst und deine Schwierigkeiten alle Lebensbereiche betreffen, da kommst du nicht alleine weiter, da brauchst du Unterstützung, das sehe ich wie Alexandra.

Ich nehme auch Venlafaxin retard 225 mg ein und ich weiß, wie es einem geht, bevor diese Dosishöhe nötig ist. Ich weiß aber auch, wieviel man damit verbessern kann. Da finde ich Alexandras Tip, dich beim sozialpsychiatrischen ambulanten Dienst zu melden, sehr gut. Auch ich gehe regelmäßig zur Psychologin des sozialpsychiatrischen Dienstes und es hilft mir sehr. Eine volle Arbeitstagsbelastung ist womöglich momentan bei dir aus Krankheitsgründen gar nicht möglich, aber das müssen Fachleute mit dir beraten. Der sozialpsychiatrische Dienst kennt sich mit allen Angeboten zur Unterstützung aus.
Sie haben nämlich auch noch andere Dienste, z.B. die Begleitung daheim und bei allen Probleme.

Du hast solange keine normale sichere Wohnsituation kennengelernt und da haben sich viele Erfahrungen schon in jungen Jahren summiert, die dich alle belasteten. An deiner Stelle würde ich mal an eine betreute WG junger Leute mit psychischen Problemen und belastetem Lebensstart denken, die wieder ins Alltagsleben zurückbegleitet. Frag beim sozialpsychiatrischen Dienst nach.

Depressionsbehandlung ist ja bei weitem nicht nur Medikamenteschlucken. Wenn da die psychotherapeutische und trainierte Verhaltensanpassung fehlt, dann ist die Krücke Medikament auch überfordert.
Und daher ist die Frage, ob es sich bei dir um eine chronische Depression handelt, die sowieso nur ein Facharzt beantworten darf und kann, zu früh, da so viele Lebensbereiche betroffen sind und die vollständige Depressionsbehandlung noch fehlt.

Es sind viele Chancen noch offen und noch vieles möglich, aber du brauchst Unterstützung.

Liebe Grüße! maya

08.05.2019 07:53 • x 4 #4


Alexandra2
@maya, toll wie Du das beschrieben hast. Das kann ich jetzt, auf der Leitung stehend, nicht ausdrücken

08.05.2019 08:16 • x 3 #5


MelodieSyren
Vielen vielen Dank für eure Antworten!

Ich drücke mich gewisser Maßen immer wieder vorm psychatrischen Dienst.
Immer sage ich mir: Ach das mach ich morgen - da ruf ich morgen an.
Morgen, immer morgen nur nicht heute.

Ich hab einfach so Panik irgendwo anzurufen und nach Hilfe zu fragen. Da ich eben schon so viel Ablehnung erfahren habe.
Ich hatte auch schon mal eine Verhaltenstherapie gemacht. Die hat auch was gebracht so ist es nicht, aber leider nicht langfristig.und meine damalige Therapeutin meinte immer ich sei nicht depressiv.Weshalb ich dort eben auch nicht mehr hin möchte.

Meine Probleme sollen ernst genommen werden. Denn ich möchte das los lassen. Ich will mich nicht immer so fühlen wie das Opfer.

Ich muss mich wirklich zusammen reißen und da anrufen. Habe ja die Nummern usw schon.

Nochmal danke an euch!
Es tut so gut hier Hilfe zu bekommen

08.05.2019 12:13 • x 3 #6


Alexandra2
Liebe MelodieSyren,
Wenn Du anfangs beim Telefonat sagst, daß es Dich große Überwindung kostet, beim sozial psychiatrischen Dienst anzurufen, bist Du sofort entlastet und sie wissen Bescheid. Mache bitte diesen Schritt, Du wirst es nicht bereuen,
Liebe Grüße

08.05.2019 15:18 • x 4 #7


Liebe Melodiesyren,
die anderen haben schon so viel geschrieben, wo ich mich anschließen möchte.
Die Medikamente reichen nicht aus. Das mit der Sozialpsychiatrie ist eine sehr gute Idee. Vielleicht wäre eine Klinik bei Dir angebracht, auch weil Deine Symptome schon so lange bestehen bzw. das alles bei Dir so weit zurückreicht. Ich kenne das auch.
Ich möchte Dir sagen, dass es erstmal eine Wahnsinnsleistung von Dir war, das alles so lange durchzuhalten. Ich will damit sagen, dass Du Dich da nicht mit anderen vergleichen darfst, die ganz viel Liebe und Unterstützung von ihren Eltern und anderen bekommen haben in der Kindheit und Jugend. Bei denen läuft vieles dann glatt und ohne Probleme. Was Du aber beschreibst von Deinem zuhause ist ziemlich heftig. Das geht an niemandem spurlos vorbei und hinterlässt leider auch länger seine Spuren und ist das ist dann nicht mit Medikamenten alleine getan.
Du fragst, ob es eine Chance gibt, dass das mal besser wird, ja es wird besser! Aber es braucht Zeit und es ist auch viel Arbeit an sich selbst.

Du hast wahrscheinlich selbst schon gemerkt, dass wenn Du Dir wieder eine neue Arbeit suchst, Du immer wieder vor die Wand rennst und sich alles wiederholt. Du ziehst das negative Verhalten der anderen praktisch an. Das ist das, was Alexandra und Maya mit "Opferrolle psychotherapeutisch aufarbeiten" meinen. Nur das kann Dir langfristig weiterhelfen.

Dann gibt es auch Berufbildungs- und Berufsförderungswerke und weitere Einrichtungen, die einen beim Wiedereinstieg in den Beruf gezielt begleiten können und man kann dort realitistisch testen, wie belastbar man ist. Aber ich denke, bei Dir geht es jetzt erstmal um Deine Gesundheit und ich würde mich vom Thema Arbeit nicht stressen lassen, soweit Du erstmal finanziell abgesichert bist und einen guten Arzt hast, der Dich entsprechend auch krank schreibt und unterstützt auf Deinem Weg der Genesung!
Aber Du siehst, Hilfe für Dich ist da. Wichtig ist, dass Du bei den Ärzten und anderen Stellen wie Sozialpsychiatrie Deine Beschwerden nicht klein redest, sondern sie ernst nimmst. Dann können die, die Dir helfen möchten, Dich auch ernst nehmen und Dir helfen. Ich weiss nicht, wie das bei Dir ist, aber ich dachte, wenn man gewohnt war, dass man schlecht behandelt wurde, fällt es schwer, für sich einzustehen. Versuche, es anzunehmen, dass es Menschen gibt, die es gut mit Dir meinen, dass es echte Hilfe für Dich gibt. Dann ist es eine große Entlastung dort anzurufen und hinzugehen.
Wenn Du Dich bei der Sozialpsychiatrie meldest, solltest Du auch finanzielle Sorgen ansprechen, alle Bereiche, die Dich belasten.
Ich habe den Eindruck, so wie und was Du schreibst, dass Du einen starken Willen hast. Du hast das Ziel, dass Dein Leben besser wird. Bleib da unbedingt dran und dann wird es auch besser! Es wird sicher nicht von heute auf morgen sein, aber es wird besser.

Liebe Grüße,
Annaleen

08.05.2019 16:37 • x 4 #8


maya60
Liebe MelodieSyren, mit "Negatives anziehen" oder "Opferrolle immer einnehmen" ist auf keinen Fall gemeint, dass du Schuld bist, es ist auf keinen Fall ein Vorwurf.

Sondern es ist etwas, was zur Depression gehört. Du bist grundsätzlich durch deine große Verwundbarkeit und emotionale Verunsicherung, was Symptome der Krankheit sind, dann misstrauisch und wartest unbewusst oder bewusst nur drauf, altbekannte Abweisung durch andere zu erfahren.
Du bist erschöpft und ziehst dich zurück, das ist ein Krankheitskreislauf. Du nimmst alles durch den verzweifelten Depressionsfilter wahr. Ich kenne den sehr gut, äußerst gut. Der macht aus jeder Mücke einen Elefanten und dann noch einen tollwütigen.

08.05.2019 16:53 • x 5 #9


MelodieSyren
@maya60
Ich nehme das nicht böse auf Wirklich nicht. Ich geb dir vollkommen recht. Ich warte sicherlich unbewusst oder bewusst darauf wieder verletzt zu werden. Und damit provoziere ich das wohl.auch wenn ungewollt. Und ja genau, Mr. Depression macht alles schlimmer wie es eigentlich ist. Da wird ein kleiner Stein zum Felsen und kompletten Hürdenlauf. Viele Leute verstehen dass nur nicht, die sehen eben nur den kleinen Stein und verstehen nicht wieso ich so panisch reagiere.Und das ist dann immer wieder sehr hart für mich, weil ich mich nicht verstanden fühle. Ich weiß das es dann auch klar an mir und Mr. Depression liegt. Das versuch ich mir dann auch immer selbst zu sagen, aber es nagt eben trotzdem an mir. Ich kann ja nix dafür.bin halt krank.

Ich lebe eben schon so lange mit diesen ganzen Sachen, das ich es nicht mehr anders gewohnt bin, dass ich quasi resigniere und denke: Ja besser wirds eh nicht mehr.
Aber es muss besser werden. Ich hab es nur leider bis jetzt versäumt die Dinge aufzuarbeiten. Aber ich hoffe wirklich, wenn ich das tue - auch wenn das bestimmt weh tun wird - dass es dann besser wird. Das ich mich besser fühle. Das mich eben nicht sofort der kleinste Piecks wieder umhaut.

@Annaleen
Eine Klinik kommt für mich nicht in frage. Ich habe Tiere die ich versorgen muss. Und die kann man für gewöhnlich nicht in eine stationäre Klinik mitnehmen.
Ich wollte es mal mit einer ambulanten Tagesklinik versuchen. Aber so ganz alleine, trau ich mich einfach nicht. Ich hab Angst dort hinzugehen. Angst dass ich nicht wahr genommen werde, dass meine Probleme nicht für voll genommen werden und es mir am Ende doch nichts bringt, sondern alles nur nochmal schlimmer macht.
Hier meldet sich bei mir sofort Mr. Depression. Der mir quasi verbietet mir Hilfe zu suchen. Deshalb will ich beim psychatrischen Dienst mal fragen, ob es eine Art von Betreuer gibt. Jemand der dann eben mit mir zu solchen Sachen geht, zu solchen Terminen. Auch wegen Arbeitsamt usw.
Denn ich weiß es würde mir immens helfen jemanden an meiner Seite zu haben der mich unterstützt, da ich das selbst einfach nicht so gut kann. Ich kann das lernen, aber das braucht Zeit und bis dahin brauche ich einfach Hilfe.Und ich habe so leider niemanden der mir Hilft.

Ich stecke eben in dieser Zwickmühle, dass ich meine Ausbildung fertig machen will und muss, um etwas vorzeigen zu können. Auch geldlich gesehen bin ich damit eben besser als so im Moment.
Ich will einerseits meine Psyche in den Griff kriegen, auf der anderen Seite aber auch die Ausbildung abschließen, weil ich eben schon so lange dran hänge.einfach als erfolg für mich selbst. Nur weiß ich nicht wie und ob ich beides unter einen Hut bekomme. Und allein ist es für mich unsagbar schwer, da Leute zu finden, die mir helfen und mich richtig beraten und informieren. Alle verlangen nur von mir dass ich meine Ausbildung fertig kriege. Aber niemand sieht wie dreckig es mir geht.Und das ist eben dieser Druck der mich dann noch fertig macht.

"Ich weiss nicht, wie das bei Dir ist, aber ich dachte, wenn man gewohnt war, dass man schlecht behandelt wurde, fällt es schwer, für sich einzustehen"

Es fällt mir unglaublich schwer für mich einzustehen. Ich hab gar keine Ahnung wie das geht! Ich stehe einfach nur da, sauge das auf, lasse mich fertig machen und sage nichts dazu. Ist ja immer das selbe, ich bin ja eh immer Schuld. Genau so fühle ich mich. Es bringt nichts sich dagegen aufzubäumen, ich krieg so oder so wieder eine rein. Und es ist für mich Momentan nicht möglich das anders zu sehen.

Und ja, es gibt Menschen die es gut mit mir meinen! Habe eben mit einem Freund geredet. Das tat wirklich gut. Das hat mir geholfen. Weil ich verstanden wurde. Weil er mir wirklich helfen will. Ich bin froh wenigstens ein paar Menschen zu haben denen ich wichtig bin und die mich auffangen. Ohne die.puh.Ich denke oft: Es gab so viele Situationen in denen ich hätte sterben können. In denen ich mir hätte das Leben nehmen können. Wisst ihr wie ich meine? Aber ich hab es nicht getan. Ich will es nicht tun! Ich will zeigen dass das nicht der einzige Ausweg ist. Ich will gesund werden. Und glücklich. Und ich will weder meine geliebten Tiere noch meine Freunde verlassen! Ich meine, was sollen die alle ohne mich verrücktes Huhn machen!? Ich will nicht sterben. Und ich will nicht zulassen das Mr. Depression mich dazu bringt!

Ich glaube auch dass ich einen starken Willen habe, trotz allem - oder gerade wegen all dem?
Ich will einfach nicht aufgeben. Ich will dafür kämpfen glücklich zu sein und mich gut zu fühlen. Ich will dafür kämpfen, um anderen zu zeigen, dass man es auch mit Depressionen usw. im Leben schaffen kann.

09.05.2019 00:18 • x 1 #10


Alexandra2
Liebe Melodiesyren,
Kann es sein, daß Du Dich selbst nicht ernst nimmst? Es geht Dir schlecht und Du unternimmt nichts? Deine Tiere sind wichtiger als Du? Das ist eine Ausrede. Du könntest mit Deinem Freund einen Termin mit der Tagesklinik und dem SPD machen. Du könntest mit ihm die Unterbringung/ Versorgung der Tiere besprechen.
Du kannst natürlich auch abwarten, bis es Dir sehr schlecht geht. Du weisst doch, daß Du jetzt noch handlungsfähig bist, deshalb solltest Du aktiv werden.
Und warum sollten die Fachleute Deine Beschwerden nicht ernstnehmen?
Viele, wenn nicht sogar alle im Forum haben übelste Zeiten hinter sich oder stecken mittendrin oder haben Angst davor, dass sie wieder kommen. Und alle wissen, was ihnen helfen könnte und tun alles, was möglich ist, damit das nicht passiert. Du brauchst viele Ideen und Methoden, um Deine persönlichen Hilfsmittel heraus zu bekommen. Ein leichter Weg ist der über die Klinik, Tagesklinik war für mich sehr lehrreich, obwohl es mir eigentlich zu schlecht ging.
Also gib Dir einen Ruck und begib Dich in Behandlung, suche Dir parallel einen Therapeuten und Psychiater, und frage mit Deinem Freund nach, ob die Ausbildung verlängert werden kann oder welche anderen Wege es gibt.
Die Zeichen stehen gut, Unterstützung ist da.
Liebe Grüße
Alexandra

09.05.2019 06:22 • x 3 #11


Alexandra2
Nachtrag
Ich habe ganz viel nicht gelernt und versuche es jetzt. Manches gelingt schnell, manches dauert ewig bei mir. Jetzt versuche ich, meine Bedürfnisse zu identifizieren, Genuss und Entspannung in winzigen Schritten zu lernen und zu üben.
Sich selbst annehmen gelingt m. E. umso besser, je näher Du Dich, Deine Motive, Dein Verhalten kennst. Und es ist ein immerwährender Prozess. Diese spannende Entdeckungsreise hält Überraschungen bereit. Das beflügelt meine Neugier.
Sich selbst begegnen und annehmen beruhigt strapazierte Nerven und eine tiefe Ruhe kehrt bei mir ein.
Was Du nicht kannst, kannst Du lernen, Du solltest es wenigstens versuchen.
LG Alexandra

09.05.2019 06:42 • x 2 #12


MelodieSyren
@Alexandra2
Ja es geht mir schlecht. Aber ich versuche es aufzuschieben. Ich drücke es weg und versuche so zutun als sei es nicht da. Wenn ich es nicht beachte, kann es mir auch nichts tun. Ich bin schon immer gern jemand der Dinge so vermeidet und versucht aus dem Weg zu gehen. Aus Angst vor Ablehnung.

Ich habe in der Vergangenheit schon nach Hilfe gefragt, und entweder wurde diese komplett abgelehnt, ich wurde eben NICHT ernst genommen oder es hat eben nicht wirklich geholfen.
Deshalb sehe ich das alles sehr pessimistisch.

Und meine Tiere sind für mich mein ALLES. Sie sind alles was ich hier habe.

Mein Freund mit dem ich geredet habe, wohnt verdammt weit weg. Der kann mir nicht mal eben helfen. Alle meine Freunde wohnen weit weg und können nicht einfach mal so her kommen. Ich hab auch schon meine Mutter gefragt, aber die versucht sich sowieso aus der ganzen Sache raus zu reden. Sie will gar nichts damit zutun haben praktisch.

Ich bin also mit der Sache allein auf mich gestellt. Das ist keine Ausrede, das ist Realität.
Und ich weiß dass ich was tun muss - denn sonst kenne ich das Ende. Und das will ich nicht.
Es fällt mir nur einfach unglaublich schwer. Ich habe Angst (Soziale Angst Phobie) abgelehnt zu werden, da ich das schon zu oft genau so erlebt habe.

Und da ich eben allein bin kann ich meine Tiere nicht einfach mal eben so irgendwo unterbringen - das würde dann ja auch Geld kosten. Und das habe ich erstens nicht und zweitens will ich auch nicht von meinen Tiere getrennt sein. Sie sind für mich Familie. Sie geben mir Halt.

Ja ich suche mir Hilfe. Ich mache das. Aber du kannst mich nicht dazu zwingen in eine Klinik zu gehen. Das ist immer noch meine Entscheidung. Bitte versteh das.

Warum Fachleute mich nicht ernst nehmen sollten?
Eine Psychotherapeutin die ernsthaft meinte ich wäre nicht depressiv. Egal wie oft ich sie drauf ansprach.
Mein Psychater zu dem ich gehe. 5 Minuten Gespräch, Rezept für Medis und fertig. Mehr nicht.
Da fühle ich mich nicht gerade gut aufgehoben und siehe da, ich fühle mich enttäuscht und nicht wahrgenommen. Natürlich sind so nicht alle, das weiß ich auch. Ich habe nur eben den Hang zum "Schwarz Sehen".

Für mich geht es jetzt darum, mir langsam solch ein "Versorgungsnetz" aufzubauen. Von Ärzten und Menschen die mir wirklich helfen können und auch WOLLEN.

Ich kann nur nicht alles auf einmal machen, da ich mich sonst überfordert fühle. Und mich kosten eben auch solch kleine Dinge wie ein Anruf immens viel Kraft.

Und auch ich hab viel nicht gelernt und muss das nachholen.

09.05.2019 13:27 • x 1 #13


maya60
Hallo eMelodieSyren, der Sozialpsychiatrische Dienst macht auch Hausbesuche,wenn das nötig ist, betreut ja auch das Wohnen, fang doch damit an.

09.05.2019 13:35 • x 1 #14


MelodieSyren
Ja genau. Damit will ich auch anfangen.
Habe die Nummer schon, da ist aber erst heute abend jemand da. Deshalb kann ich erst dann anrufen.

Und dann hoffe ich, dass von da an alles läuft.

09.05.2019 13:42 • x 1 #15




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