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Alles wurde zuviel - wie geht es weiter?

Bergwald

Bergwald

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Liebe alle

Ich bin seit knapp 7 Wochen krankgeschrieben und zu Hause, erhole mich langsam.

In den letzten 2 Jahren habe ich auf Arbeit alles gegeben, bis ich vor lauter Stress und Anspannung physische Symptome wie Erschöpfung und Muskelschwäche, inneres Zittern, latente Übelkeit, verminderte Merkfähigkeit und eine ganze Reihe weiterer Probleme bekam.

Nun fühle ich mich zwischen Welten. Bald habe ich meinen nächsten Termin bei meiner Hausärztin, weiss noch nicht, ob sie mich weiter krank schreiben wird. In einer Woche ist auch mein erster Termin bei einer Psychiaterin/Psychotherapeutin. Ich habe einerseits jetzt lange immer Angst gehabt, so lange vom Büro weg zu sein - aber langsam kommt auch die Angst, zu früh zurückzugehen. Ich habe das Gefühl es wäre gut, erst mit der Psychotherapeutin zu arbeiten, wenigstens ein bisschen, damit ich mich begleitet fühle und weiss wie reagieren, wenn (falls? langsam getraue ich mich auch darüber nachzudenken) ich zurückgehe. Ich habe auch (grundsätzlich) Angst vor dem Vorgesetzten und der zu erwartenden Reaktion.

Was ist eure Erfahrung, hilft einem die Psychotherapeutin bei der Erarbeitung von Strategien, nächsten Schritten etc.? Ich brauche hierbei echt professionelle Unterstützung.

Liebe Grüsse
Bergwald

11.11.2019 15:05 • x 3 #1


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Fisch611

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Hallo Bergwald,

ganz wichtig: mache DIr keinen Druck und versuche erst mal alles, was mit Arbeit zu tun hat außen vor zu lassen. Das ist sicher leichter gesagt als getan. Ich musste erst ganz unten (Akut-Psychiatrie) ankommen bevor ich den Gedanken loslassen konnte, dass ich bald wieder funktionieren/arbeiten kann. Ich bin jetzt 4 Monate krank geschrieben und fange jetzt erst langsam damit an, an die "Themen" ranzugehen. Ein Psychologe kann dabei eine gute Hilfe sein, aber keine schnelle. Deine Themen musst Du selbst erarbeiten, Du bekommst bei einem Psychologen "nur" Anstöße zum Handeln.

11.11.2019 16:34 • x 3 #2


Bergwald

Bergwald

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Lieber Fisch

Vielen Dank für die liebe Antwort!

Ja ich sehe es auch als Chance. Eigentlich arbeite ich gefühlt schon ewig an mir, das macht mich auch etwas verzweifelt, oder ich mache was falsch. Habe schon extrem viel Geld und Zeit in Coachings etc investiert, und das war sicher für gewisse Bereiche super.

Ich bin aber froh, dass ich mit der Psychotherapeutin mal alle psychischen Themen anschauen kann. Meine bisherigen Therapeuten wie z Bsp. Kinesiologin oder mein einer Coach kannten immer gewisse Probleme, aber selten wirklich alle.

Ich merke, dass all meine Probleme zusammenhängen. Vorher habe ich gerade mit jemandem von der Familie über meinen Kontrollzwang gesprochen und ich merke, wie es Missverständnisse gibt, z.Bsp. wenn ich zu spät komme ("ich bin ihr nicht wichtig"). Oder wie andere denken, wenn ich nur früher fertig wäre zum aus der Haustür gehen oder mir mehr Mühe geben würde, würde das klappen. Das ist sicher nicht böse gemeint, ich könnte es mir an deren Stelle wohl auch nicht vorstellen, aber mit Intelligenz ist da leider nix zu machen bei Ängsten. Das beelendet mich und ich hoffe, mir kann bald umfassend geholfen werden.

LG
Bergwald

11.11.2019 21:34 • x 3 #3


Bergwald

Bergwald

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Liebe alle

Meine Ärztin hat bis Ende Monat die Arbeitsunfähigkeit verlängert. Ich habe mal wieder Angst, das meiner VG zu schreiben, aber da muss ich irgendwie drüber stehen und durch meine Ängste durch.

Anfang nächster Woche ist der Termin bei der Psychiaterin, da bin ich richtig froh drüber.

LG Bergwald

12.11.2019 13:32 • x 2 #4


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Fisch611

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Hallo Bergwald,
Du und Deine Gesundheit stehen an erster Stelle. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, um gesund zu werden. Es ist niemanden geholfen, wenn Du halb gesund wieder zur Arbeit gehst und bald wieder ausfällst. Niemand wird es Dir danken. Ist ein Lernprozess, sich an erster Stelle zu setzen. Da muss ich auch gerade durch. Drücke Dir die Daumen, dass es gut klappt mit der Psychiatrin.
lg

12.11.2019 15:32 • x 3 #5


Bergwald

Bergwald

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Lieber Fisch

Danke für deine aufmunternden Worte! Du hast ja so recht, damit wäre niemandem geholfen und niemand dankt es einem, da hast du so recht! Es ist wie du schreibst ein Lernprozess. Ich bin schon etwas weiter, aber manchmal kommt doch wieder ein komisches Gefühl oder schlechtes Gewissen. Manchmal habe ich auch kurz Angst, ob im Büro alles gut geht, ob sie alle Informationen haben etc. Ich muss echt lernen loszulassen.

LG Bergwald

12.11.2019 15:57 • x 2 #6


JayPee

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Hallo!

Zitat von Bergwald:
Ich bin schon etwas weiter, aber manchmal kommt doch wieder ein komisches Gefühl oder schlechtes Gewissen. Manchmal habe ich auch kurz Angst, ob im Büro alles gut geht, ob sie alle Informationen haben etc. Ich muss echt lernen loszulassen.


Es ist normal, dass im Berufsleben Mitarbeiter krank werden. Die Arbeit so zu organisieren, dass ein Ausfall abgefedert werden kann ist einzig und allein Aufgabe der Vorgesetzten. Nicht deine! Klar kann das eine Mehrbelastung für die Kollegen bedeuten. Aber das passiert halt, und du hast diese Mehrbelastung auch gehabt, wenn ein anderer Kollege ausgefallen ist.

Ja, das ist ein Lernprozess. Das gute daran ist aber, das hilft dir nicht nur beim schlechten Gewissen während deiner Krankschreibung. Das ist auch der erste Schritt, Abgrenzung zu deiner Arbeit zu lernen. Und das ist extrem wichtig bei BO.

Grüße
JP

13.11.2019 09:05 • x 3 #7


Bergwald

Bergwald

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Lieben Dank JayPee!

Du hast schon recht. Ich habe das eben in meinem bisherigen Berufsleben nie groß mitgekriegt, dass andere länger fehlen, ausser natürlich bei Mutterschaft.

Momentan laufen bei uns gerade Projekte und auch eines von mir ist in der Abschlussphase - erst hatte ich Angst, es nicht zu schaffen ktäftemässig, und jetzt habe ich Angst, ob alles klappt, wenn ich nicht da bin. Ich glaube ich c befürchte immer, an was Schuld zu sein. Dass ich gewisse Infos noch hätte geben müssen, ein Schritt im Projektplan fehlt o.ä. Das ist jetzt wohl meine Angststörung, die mir auch immer gerne ins Ohr flüstert und düstere Szenarien malt.

Ich hoffe wirklich auf die Therapie und bin froh, gehe ich es noch gezielter an als bislang.

LG Bergwald

13.11.2019 11:24 • x 2 #8


Bergwald

Bergwald

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Liebe alle

Ich melde mich mal wieder.

Ich bin weiter krank, ich versuche, mir die Zeit zu nehmen, auch wenn es schwer ist. Ich muss auch meine Weiterbildung auf Eis legen. Der Gedanke an den Verlust der Klasse bringt mich seit zwei Tagen zum weinen, ich wollte so sehr dabei sein und fühle mich auch irgendwo ausgeschlossen, weil ich nicht mehr teilnehmen kann. Natürlich kann die Gruppe gar nix dafür, ich beschreibe nur mein Gefühl des "verlassen und ausgestoßen seins", was in mir halt trotzdem real ist. Ich konnte dem Institut noch gar nicht Bescheid geben, ich komme selbst noch nicht klar, ob ich nicht doch noch hätte können oder sollen und ich fürchte, am Telefon auch direkt wieder in Tränen auszubrechen.

Vielleicht hat jemand ein paar hilfreiche Worte.

Liebe Grüsse
Bergwald

26.11.2019 15:14 • x 1 #9


Bergwald

Bergwald

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Zitat von Fisch611:
Hallo Bergwald,

ganz wichtig: mache DIr keinen Druck und versuche erst mal alles, was mit Arbeit zu tun hat außen vor zu lassen. Das ist sicher leichter gesagt als getan. Ich musste erst ganz unten (Akut-Psychiatrie) ankommen bevor ich den Gedanken loslassen konnte, dass ich bald wieder funktionieren/arbeiten kann. Ich bin jetzt 4 Monate krank geschrieben und fange jetzt erst langsam damit an, an die "Themen" ranzugehen. Ein Psychologe kann dabei eine gute Hilfe sein, aber keine schnelle. Deine Themen musst Du selbst erarbeiten, Du bekommst bei einem Psychologen "nur" Anstöße zum Handeln.


Liebe Fisch, wie geht es dir denn aktuell?

LG Bergwald

27.11.2019 13:24 • x 1 #10


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Mayke1

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Liebe Bergwald,
ich verstehe dich so gut, auch aus beruflicher Sicht. Vor gut einem Jahr habe ich von heute auf morgen meine Klasse nicht mehr gesehen. Das war ein Schock. Dass mir die chronische Krankheit das Arbeitsleben sehr schwer machte, das wusste ich zwar, aber damals vertraute ich darauf, dass mir ein paar entsprechende Medikamente helfen könnten. Nach einem Gespräch mit der Chefin, bei dem ich ihr erstmals von meinem Dilemma erzählte, ging ich abends zum Arzt und der schrieb mir keine Tropfen auf, sondern mich sofort krank. Vor meiner Klasse habe ich nie mehr gestanden, hatte alles stehen und liegen lassen, weil ich dachte, am nächsten Morgen wieder bei den Kindern zu sein. In meinen Gedanken war immer, dass ich es "irgendwie" schaffen würde. Lange Zeit war ich am Schwanken, ob es nicht doch möglich gewesen wäre, meinen Beruf weiter auszuüben. Seit Mai bin ich im vorzeitigen Ruhestand. Das Gefühl des Verlassenseins und Ausgeschlossenseins hatte ich noch viele Monate und weinte so oft. Es wird erst jetzt allmählich besser.
Aus der Depression würde ich bestimmt herauskommen, da bin ich mir sicher, wobei die Symptome ja schon reichen, um für eine Weile nicht mehr arbeiten zu können. Die andere Sache ist diese Krankheit, die mich immer wieder ins Aus katapultiert.

Kannst du denn deinem Institut wenigstens schriftlich Bescheid geben? So habe ich es gemacht, denn jeder persönliche Kontakt zog mich noch weiter runter. Ist das eine Seminargruppe, die du nun krankheitsbedingt verlassen musstest? Es kommt so oft vor, das Pensum nicht mehr zu schaffen. Dann muss erst eine Krankheit daherkommen, die einem sagt, wo die Überlastung zu groß ist.
Es wird weitergehen bei dir und bestimmt auch auf eine gute Art und Weise!
LG von Mayke

27.11.2019 13:46 • x 3 #11


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Fisch611

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Hallo Bergwald,

ich komme gerade aus einer psychosomatischen Klinik von einem Vorgespräch. Die waren sehr nett da, allerdings fühle ich mich derzeit nicht "krank" genug für eine Klinik. Ich hoffe, dass ich mit meiner Einschätzung richtig liege. Das Antidepressivum hat mir sehr geholfen. Ich denke, dass eine Reha mir mehr helfen könnte wieder richtig auf die Beine zu kommen.

Ich verstehe den Verlust, den Du beschreibst sehr gut. Man ist wie aus dem ganzen Leben geworfen und schaut nur noch zu. Eine schrecklich Zeit und man glaubt sie endet nie.

Ich habe einen Satz in der "Zeit" gelesen, den ich mir gemerkt habe und der mir geholfen hat. Er lautete sinngemäß, dass uns die Depression dabei hilft/uns zwingt Lebensumstände aufzugeben, die uns überfordern. Bei mir stimmt das auf jeden Fall. Und später kann man dann manches gehen lassen, an das man sich lange geklammert hat. Trifft das auf Dich auch zu?

LG

27.11.2019 17:42 • x 3 #12


ohneFunktion

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Zitat von Fisch611:
dass uns die Depression dabei hilft/uns zwingt Lebensumstände aufzugeben, die uns überfordern. Bei mir stimmt das auf jeden Fall. Und später kann man dann manches gehen lassen, an das man sich lange geklammert hat.


Wow!
So hat mir das noch niemand gesagt.
Trifft in meinem Fall zu 100% zu.

27.11.2019 21:36 • x 4 #13


Bergwald

Bergwald

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Liebe Mayke

vielen Dank für deine einfühlsamen Worte und auch für die Schilderung deiner eigenen Geschichte! Wow, da hast du einiges hinter dir, tut mir leid zu hören, das muss auch echt ein Schock für dich gewesen sein, kann gut verstehen, dass du noch lange darüber nachgedacht hast und auch diese Gefühle des Verlassen- und Ausgeschlossenseins hattest ich hoffe auch, dass es dir mit der chronischen Krankheit bald besser geht!

Ich konnte das Institut gestern anrufen, sie sind sehr nett und verständnisvoll. Und ja, es ist eine Seminargruppe. Naja, ich kann ja immerhin mit den Teilnehmern in Kontakt bleiben, mit denen, die mir wichtig sind.

Wie du sagst, irgendwie geht es immer weiter.

LG von Bergwald

28.11.2019 23:37 • x 2 #14


Bergwald

Bergwald

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Liebe Fisch

Schön dich zu lesen!

Freut mich, dass es dir besser geht! Ja es ist wirklich schwierig sich selbst einzuschätzen, oder? Ich war froh, dass meine Ärztin das übernommen hat, die kennt mich schon länger. Was ist denn - ganz blöd gefragt - der Unterschied zwischen Klinik und Reha? Das ist für mich alles noch neu.

Ja wie du schreibst, es war schon hart, zu Hause ist es eh manchmal schon fad und ich habe extreme Mühe mit dem Tagesablauf. Und dann muss man noch wo aussetzen wo viele nette Kontakte waren und man fühlt sich quasi "aus der Sippe gestossen".

"Lebensumstände aufgeben, die einen überfordern." Wow, das stimmt zu 100% bei mir. Ich glaube ich bin in einem Leben, was mir auf die Dauer nicht entspricht. So wie ich im Job funktionieren muss, ich glaube das ist einfach echt nicht das richtige für mich und meine Seele und mein Körper wehren sich dagegen. ja, es ist jetzt Zeit, einiges zu ändern

Seit gestern geht es mir gerade besser, ich hoffe, das hält an Ich muss für den nächsten Termin bei der Psychiaterin ganz viele Fragebogen ausfüllen, mal schauen morgen, aber ist nicht ganz einfach, wenn die Gefühlslage grade so schwankt.

LG Bergwald

28.11.2019 23:50 • x 1 #15


Bergwald

Bergwald

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Was ich hier noch platzieren wollte, was habt ihr so für Erfahrungen mit der Firma gemacht.

Ich habe von den Kollegen seit Wochen nichts gehört und mich bislang auch nicht gemeldet, wusste nicht was schreiben ehrlich gesagt, aber langsam kommt es mir etwas komisch vor. Von oben kommen nur sehr sachliche Antworten, obwohl ich mich im letzten schriftlichen Update bemüht hatte, wieder mehr Interesse und Nahbarkeit einfliessen zu lassen. Zu Anfang brauchte ich einfach nur Ruhe und Abstand, aber langsam würde mich ein "wir freuen uns wenn du wieder kommst" oder "grüsse vom team und wir hoffen dir geht es bald besser" o.ä. freuen.

Gibt mir halt ein komisches Gefühl, ob sich da überhaupt noch jemand freut, wenn ich wiederkomme. und es fördert bei mir den Gedanken, ob ich jetzt möglichst schnell zurückkehren muss, damit es nicht noch komischer wird oder die anderen weniger sauer sind. Ich denke nur gerade laut und schaue meine Gedanken an - ich muss wirklich lernen, als erstes auf mich und meine Gesundheit zu schauen.

29.11.2019 00:04 • x 1 #16


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Vienna

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Zitat von Bergwald:


"Lebensumstände aufgeben, die einen überfordern." Wow, das stimmt zu 100% bei mir. Ich glaube ich bin in einem Leben, was mir auf die Dauer nicht entspricht. So wie ich im Job funktionieren muss, ich glaube das ist einfach echt nicht das richtige für mich und meine Seele und mein Körper wehren sich dagegen. ja, es ist jetzt Zeit, einiges zu ändern


Das ist so treffend. Genau so geht es mir auch. Durch meine Weinanfälle nach der Arbeit hat sich diese Belastung sichtbar gemacht.
Ich war von meiner Arbeit nicht mehr so begeistert, aber sie deswegen aufgeben? Ich kann mich selbst noch nicht so ganz mit dieser Idee anfreunden.
Wie geht es dir dabei? Welche Alternativen hättest du?

Zitat von Bergwald:

Seit gestern geht es mir gerade besser, ich hoffe, das hält an Ich muss für den nächsten Termin bei der Psychiaterin ganz viele Fragebogen ausfüllen, mal schauen morgen, aber ist nicht ganz einfach, wenn die Gefühlslage grade so schwankt.


Das musste ich letzte Woche auch machen. Ich habe mir einen Tag vorher Zeit genommen um eine möglichst aktuelle Einschätzung abzugeben. Mein Arzt sagte auch, ich solle das letzte halbe Jahr betrachten und das entsprechend ankreuzen.

Lg Vienna

02.12.2019 11:44 • x 2 #17


Bergwald

Bergwald

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Hallo liebe Vienna!

Wie schön dich zu lesen und wie lustig, heute Morgen hab ich grad an dich gedacht und wie es bei dir wohl so läuft!

Bei mir dasselbe, begeistert war ich auch nicht mehr, aber ich habe ein riesiges Verpflichtungsgefühl, daher sind bei mir die Zeichen immer erst mal auf "weitermachen" gesetzt und ich hinterfrage nicht sofort, ob ich aussteige. Weisst wie ich meine, ist wohl auch so ein Glaubenssatz, dass man weitermachen muss. im Hinterkopf wusste ich aber sehr wohl, dass ich bald mal schauen muss, was aus mir wird.

Also persönlich könnte ich entweder die Firma wechseln oder versuchen, intern zu wechseln. Ich könnte mir aber langfristig auch vorstellen, was anderes zu machen. Aber am besten würde ich mal meinen angestammten Job/Beruf auf meine Bedürfnisse optimieren, sprich das Umfeld und nicht mehr Vollzeit. Und dann parallel an Alternativen arbeiten. Wie ist es bei dir?

War dein Termin denn schon mit dem Anschauen der Fragebögen? Meiner war ja heute und ich ich ging vorbereitet da hin. Allerdings kamen wir gar nicht so weit, sie meinte, es passe bei uns nicht so gut und ich solle mich umschauen. Ich war ehrlich gesagt total überrascht und etwas konsterniert, denn das Gefühl hatte ich beim letzten Mal nicht.

Vielleicht stelle ich mir das alles falsch vor, aber ich dachte, wir sind noch mitten in der Anamnese und dass wir dann gemeinsam die für mich richtigen nächsten Schritte erarbeiten bezüglich Arbeit etc. Ich meine, klar sehe ich mögliche Szenarien vor Augen, aber ich möchte das gerne mit jemandem besprechen können, das kann ich nicht so gut im stillen Kämmerlein alleine zu Hause. Und zum Wiedereinstiegsplan in die Arbeit hat sie mich befragt und da musste ich offen sagen, dass ich mich damit teilweise überfragt und überfordert fühle, denn ich kann mich und meine Kräfte ja eben ganz schlecht selbst einschätzen - ich dachte auch, dass das nach der Anamnese dann objektiv von aussen betrachtet klar wird und ich beraten werde und wir das gemeinsam erarbeiten und entscheiden. Wenn man in so einem Erschöpfungszustand ist, fällt einem so etwas ja eben genau schwer, mir jedenfalls.

Weisst du, wie ich meine? Geht es dir auch so? Wie begleitet dich da dein Arzt? Eigentlich gings mir die Tage grade besser, so dass ich das Gefühl hatte, langsam auch wirklich in eine Erholung zu kommen, aber das hat mich jetzt grade etwas niedergeschlagen gemacht.

LG Bergwald

02.12.2019 15:26 • x 2 #18


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Vienna

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Das ist aber schön, dass du an mich gedacht hast
Ich hatte recht viel mit mir selbst zutun in letzter Zeit, es war ein ständiges Auf und Ab. Ich kann gar nicht so genau sagen wie es mir geht, es schwankt.

Ich war bisher zwei mal bei dem Arzt. Das erste Mal habe ich durchgeweint und zwischendurch erzählt was in letzter Zeit so war. Dann habe ich Unterlagen bekommen, die ich dann zum zweiten Termin ausgefüllt mitbringen sollte. Der Arzt sagte schon zu Beginn, dass er nicht gleich sagen kann, ob er mich behandeln kann. Deswegen sollte ich erstmal nur grob erzählen, was bei mir los ist. Er sagte am Ende des Gespräch : wenn durch die Fragebögen keine wesentlich neuen Informationen ans Licht kommen, können wir zusammen arbeiten.
Und so war es dann auch. Beim zweiten Termin habe ich die Psychotherapie bei ihm beantragt.
Hat dir die Ärztin gesagt zu wem du sonst gehen kannst und woran es liegt, dass ihr nicht zusammen arbeiten könnt?
Ich mein, wenn deine Beschwerden bzw. Ihre Herkunft nicht ihr Fachgebiet ist, dann kann ich schon verstehen, dass sie die Behandlung nicht übernimmt.
Aber dann sollte sie dir doch darüber eine Info geben und dir Alternativen aufzeigen, oder?
Ich kann gut verstehen, dass dich das erschüttert hat.
Kannst du auch mit deinem Hausarzt reden? Vielleicht ist er dir eine Hilfe?

So wie es sich liest bist du noch sehr erschöpft. Ich hab für mich selbst entschieden dieses Jahr keine Entscheidung bezüglich meiner Zukunft zu treffen, weil ich mir in dem Zustand das einfach nicht zutraue und Angst habe aus der Not und Erschöpfung heraus etwas zu machen, was ich dann bereue.
Vielleicht kannst du zwar Alternativen durchdenken (wenn es dir hilft), aber noch keine Entscheidung treffen. Wenn dir das Nachdenken schwer fällt, dann verschiebe auch das ins neue Jahr, wenn du wieder etwas stärker und stabiler bist. Mich kostet das viel Kraft, ich kann mich nicht immer damit beschäftigen.
Mach vorrangig Sachen, die dir gut tun um deine Akkus wieder aufzuladen

Mit den Verpflichtungen geht es mir auch so. Ich habe eigentlich nie so richtig darüber nachgedacht ob ich zufrieden bin. Ich werde gut bezahlt und habs nicht so weit zur Arbeit. Habe einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Was will man mehr? Ich dachte, dass ich zuletzt so unzufrieden bin, liegt nur an der Fortbildung und den Prüfungen die anstehen. Und wenn das vorbei ist, dann geht's mir wieder gut. Aber leider habe ich es nicht "durch gehalten".

Ich arbeite bei einem großen Konzern und habe an sich viele Möglichkeiten. Man muss dann nur Abstriche machen bei der Bezahlung und der Entfernung des Arbeitsplatzes. Natürlich muss ich mich da auch bewerben. Ich beobachte immer die Ausschreibungen und werde mich sofort bewerben, wenn mir eine Stelle zusagt.
Solange nichts aufkommt, möchte ich versuchen weiter zu arbeiten und mich nur nicht so unter Druck zu setzen und setzten zu lassen. Ich bin mein größter Feind mit meinem Ehrgeiz und dem Perfektionismus. Daran muss ich vorrangig arbeiten.

Lg Vienna

02.12.2019 17:05 • x 3 #19


Bergwald

Bergwald

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Liebe Vienna

Schön dich zu lesen!

Oh kann ich gut verstehen, schwankt bei mir auch total! Letzte Woche habe ich noch ein echtes Down gehabt wegen meiner Fortbildung und einige Male geweint. Ab Mitte Woche ging es aufwärts. Schwankend triffts.

Ah schön, freut mich, dass es bei dir klappt! Du bist aber auch noch nicht am Arbeiten, ist es richtig? Bist du bis Jahresende noch zu Hause?

So wie ich es rausgehört habe sind es verschiedene Faktoren, dass ich Medikamenten gegenüber kritisch eingestellt bin, hat auch nicht gerade geholfen. Es war aber auch nur eine Frage nach der grundsätzlichen Einstellung dazu, wir haben nichts genauer besprochen oder erklärt. Sie hat mir gezeigt, wo ich neue Kontakte finde und ich darf mich auch melden, wenn ich nichts finde, aber offenbar haben wir unterschiedliche Vorstellungen. Meine Hausärztin ist super und kennt mich auch schon lange, mit ihr werde ich dies übermorgen besprechen und was ich tun kann / was sie empfiehlt. Ich brauche momentan einfach wirklich vor allem Gespräche, Beratung und Begleitung.

Und deine Idee ist super mit nix entscheiden jetzt, so mache ich das auch! Aber wenn ich im neuen Jahr wieder zurück auf Arbeit bin, muss ich vorher doch schon einiges in die Wege leiten mit der Personalabteilung etc. Ich finde alles so anstrengend.

Oh du, das mit der Beschreibung der Arbeit geht mir genauso, interessant. Leider ging mir einfach auch vorher die Puste aus. Und ja, Ehrgeiz und Perfektionismus, da können wir uns die Hand reichen. Wann startet bei dir denn die Therapie und weisst du schon, was ihr da genau gemeinsam anschaut und macht?

LG Bergwald

02.12.2019 17:18 • x 1 #20


Bergwald

Bergwald

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Ach noch was, was ist denn üblich, wie oft geht man zur Therapie? Ich dachte, wöchentlich sei normal.

Ich bin gerade etwas verzweifelt ehrlich gesagt, ich hatte mich darauf eingestellt, im Dezember einige Therapietermine zu haben und daran zu arbeiten. und auch Klarheit zu erlangen bezüglich meiner nächsten Schritte und mich "getragen" zu fühlen. Aber jetzt fühl ich mich im Gegenteil ziemlich unverstanden.

02.12.2019 19:29 • x 1 #21


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111Sternchen222

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Oh, das verstehe ich, dass du dich unverstanden fühlst. Warum ist die Therapeutin der Meinung ihr passt nicht zusammen? Aufgrund deiner Diagnose? Dann ist es aber doch eher Verantwortungsvoll wenn sie dir sagt dass es nicht passt. Klar bist du enttäuscht musst jetzt nochmal weiter suchen aber du wünschst dir doch auch einen Erfolg, oder? Ich drück dir die Daumen!
Lg Sternchen

03.12.2019 08:38 • x 2 #22


Bergwald

Bergwald

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Liebes Sternchen

Danke dir! Nein eher aufgrund der Therapievorstellungen, ich habe Angst Medikamente zu nehmen und wünsche mir eher intensive Therapie. Sie hätte mir eher etwas verschrieben und Sitzungen im Zweiwochenrhythmus. Ich für mich dachte eher an eine Behandlung wo man sich wöchentlich sieht und auch jemand, der mir etwas mehr Halt und Richtung gibt in dem Prozess.

Ich fühle mich halt irgendwie allgemein etwas alleine gelassen, ich finde es schon recht anspruchsvoll auch bezüglich dem Betrieb etc. Ich bin ja schon ängstlich und dachte, ich hätte endlich jemand gefunden dem ich mich regelmäßig anvertrauen kann und der mir professionell helfen kann in dem ganzen. Ich habe zwar Freunde und Familie aber wohne alleine und habe niemanden, mit dem ich jeden Tag reden kann wie es mir geht und wie es den anderen geht.

LG Bergwald

03.12.2019 09:27 • x 1 #23


Bergwald

Bergwald

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Ich bräuchte einfach echt jemand, um regelmäßig alles inklusive nächster Schritte, Resultate etc durchzusprechen. ich fühle mich unsicher, das ist die Essenz glaube ich

03.12.2019 09:39 • x 1 #24


Bergwald

Bergwald

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Ich bräuchte einfach echt jemand, um regelmäßig alles inklusive nächster Schritte, Resultate etc durchzusprechen. ich fühle mich unsicher, das ist die Essenz glaube ich

03.12.2019 09:39 • #25


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Eis

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Hallo Bergwelt

Was hältst du davon, hier ein Tagebuch zu schreiben. Das ist zwar nicht das gleiche, wie mit jemandem reden, aber man schreibt sich manchmal die Sorgen von der Seele, das hilft enorm und es kommen auch oft Kommentare von den Forenmitgliedern, das ist sehr hilfreich.

Du hast noch nach den fehlenden Fragen aus der Firma was geschrieben. Nun, da gilt leider oft "aus den Augen, aus dem Sinn", das ist oft nicht mal böse gemeint, sondern ist in unserer schnelllebigen Zeit halt so. Bei mir war es so, dass mein direkter Vorgesetzter am Anfang lange nichts von sich hören ließ, dann aber in unregelmäßigen Abständen nachgefragt hat, wie es mir geht. Die Chefs sind da auch oft unsicher, denn sie haben eigentlich kein Recht, den Mitarbeiter nach dessen Gesundheitszustand zu fragen.

Gib dir die Zeit, die du brauchst, um gesund zu werden. Besser du bist richtig fit, als bald wieder einen Rückfall zu bekommen.

03.12.2019 11:57 • x 2 #26


Bergwald

Bergwald

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Liebe Eis

Danke für deine liebe Antwort und die Idee mit dem Tagebuch!

Ja du hast recht, ich habe Angst auch noch den Dezember zu fehlen, das ist dann der dritte Monat. Aber ich merke, dass es mir erst jetzt langsam besser geht und ich überhaupt anfange von der Zeit zu Hause zu profitieren, auch wenn ich noch immer Mühe habe. Aber anfangs war quasi Schadensbegrenzung und Notbremse und jetzt langsam (!) Aufbau.

Ich habe einfach Angst vor der Reaktion des VG.

LG
Bergwald

03.12.2019 18:34 • x 1 #27


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Eis

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Hallo Bergwelt,
Denk dir da nichts, als meine Erschöpfungsdepression begann war ich 9 Monate am Stück krankgeschrieben und hab dann noch 3 Monate Wiedereingliederung gebraucht. Man kann die Geschwindigkeit des Gesundwerdens kaum beeinflussen. Regelmäßige Spaziergänge und ein gewisser Tagesrhythmus sind wichtig, man soll nicht nur auf der Couch erholen. Denk mal über eine Reha nach, mir hat das sehr gut getan.
LG Eis

03.12.2019 19:06 • x 2 #28


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Vienna

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Zitat von Bergwald:
Ach noch was, was ist denn üblich, wie oft geht man zur Therapie? Ich dachte, wöchentlich sei normal.

Ich bin gerade etwas verzweifelt ehrlich gesagt, ich hatte mich darauf eingestellt, im Dezember einige Therapietermine zu haben und daran zu arbeiten. und auch Klarheit zu erlangen bezüglich meiner nächsten Schritte und mich "getragen" zu fühlen. Aber jetzt fühl ich mich im Gegenteil ziemlich unverstanden.


Hallo liebe Bergwald,

Ich bin bis Jahresende noch zuhause und werde im neuen Jahr einen Versuch wagen. Für mich ist dieser Plan wichtig. Ich kann nicht einfach krank sein und abwarten. Ich brauche für mich diese Perspektive. Mit Ungewissheit kann ich nicht viel anfangen

Ich hab jetzt aktuell beim Psychotherapeuten sog. probatorische Sitzungungen, die noch zur Orientierung dienen. Ca. Ab März startet dann die "richtige" Therapie. Bei mir wird es eine Gruppentherapie sein. Da werde ich verschiedene Werkzeuge erlernen, um zur Ruhe zu kommen und mit meinen hohen Anforderungen umzugehen. Diese Sitzungen finden wöchentlich statt.
Danach werden wir mit dem Arzt besprechen ob noch Einzelgespräche für mich in Frage kommen.

Ich habe auch so wie du ganz viel Hoffnung in diese Therapie gehabt und dachte ich werde bis Jahresende schon viel weiter sein. Aber das ist nicht so. Bis die Therapie überhaupt beginnt muss ich noch 3 Monate warten
Ich habe gehört, dass es in der Diakonie auch Psychotherapeutische Beratung gibt. Da kriegt man auch schnell Termine. Vielleicht wäre das etwas für dich zur Überbrückung?

Wie ist dein Verhältnis zu deiner Familie? Könntest du jeden Tag mit jemandem telefonieren und dir so alles von der Seele reden?

Lg Vienna

03.12.2019 21:07 • x 2 #29


Bergwald

Bergwald

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Liebe Vienna

Ah das klingt super dein Plan! Das möchte ich auch gerne so machen, ich glaube, es täte mir gut. Auch wenn ich Angst habe, dass auf Arbeit alles noch schwieriger wird, je länger ich ausfalle. Die Nachrichten meines VG sind kühl, sachlich. Aber ich muss einfach für mich denken.

Freut mich, dass du auch immerhin weißt, wann die Gruppentherapie startet, das klingt voll nett, finde ich.

Oh mann, gell, das dauert ja echt alles ewig. ich war da wohl etwas naiv. Habe gedacht, ich kriege schnell einen Therapieplatz, wir besprechen alles und ich bin gerüstet und weiss, was zu tun ist, ob und wie ich zurück gehe oder nicht. Irgendwie entwickelt sich gerade alles so ziemlich anders bei mir und ich bin ehrlich gesagt schon etwas verzweifelt. in der Körpertherapie heute musste sie mehr Gesprächstherapie machen mit mir die Arme, ich bin mal wieder direkt in Tränen ausgebrochen.

Danke auch für die Info bezüglich Diakonie, das werde ich gleich einmal ergooglen! Und ja, mein Verhältnis zur Familie ist gut, aber ich habe das Gefühl, ich belaste die Armen schon genug.

Lg
Bergwald

04.12.2019 00:31 • x 1 #30

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