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Alles wurde zuviel - wie geht es weiter?

Bergwald
Liebe alle

Ich bin seit knapp 7 Wochen krankgeschrieben und zu Hause, erhole mich langsam.

In den letzten 2 Jahren habe ich auf Arbeit alles gegeben, bis ich vor lauter Stress und Anspannung physische Symptome wie Erschöpfung und Muskelschwäche, inneres Zittern, latente Übelkeit, verminderte Merkfähigkeit und eine ganze Reihe weiterer Probleme bekam.

Nun fühle ich mich zwischen Welten. Bald habe ich meinen nächsten Termin bei meiner Hausärztin, weiss noch nicht, ob sie mich weiter krank schreiben wird. In einer Woche ist auch mein erster Termin bei einer Psychiaterin/Psychotherapeutin. Ich habe einerseits jetzt lange immer Angst gehabt, so lange vom Büro weg zu sein - aber langsam kommt auch die Angst, zu früh zurückzugehen. Ich habe das Gefühl es wäre gut, erst mit der Psychotherapeutin zu arbeiten, wenigstens ein bisschen, damit ich mich begleitet fühle und weiss wie reagieren, wenn (falls? langsam getraue ich mich auch darüber nachzudenken) ich zurückgehe. Ich habe auch (grundsätzlich) Angst vor dem Vorgesetzten und der zu erwartenden Reaktion.

Was ist eure Erfahrung, hilft einem die Psychotherapeutin bei der Erarbeitung von Strategien, nächsten Schritten etc.? Ich brauche hierbei echt professionelle Unterstützung.

Liebe Grüsse
Bergwald

11.11.2019 14:05 • x 2 #1


Fisch611
Hallo Bergwald,

ganz wichtig: mache DIr keinen Druck und versuche erst mal alles, was mit Arbeit zu tun hat außen vor zu lassen. Das ist sicher leichter gesagt als getan. Ich musste erst ganz unten (Akut-Psychiatrie) ankommen bevor ich den Gedanken loslassen konnte, dass ich bald wieder funktionieren/arbeiten kann. Ich bin jetzt 4 Monate krank geschrieben und fange jetzt erst langsam damit an, an die "Themen" ranzugehen. Ein Psychologe kann dabei eine gute Hilfe sein, aber keine schnelle. Deine Themen musst Du selbst erarbeiten, Du bekommst bei einem Psychologen "nur" Anstöße zum Handeln.

11.11.2019 15:34 • x 3 #2


Bergwald
Lieber Fisch

Vielen Dank für die liebe Antwort!

Ja ich sehe es auch als Chance. Eigentlich arbeite ich gefühlt schon ewig an mir, das macht mich auch etwas verzweifelt, oder ich mache was falsch. Habe schon extrem viel Geld und Zeit in Coachings etc investiert, und das war sicher für gewisse Bereiche super.

Ich bin aber froh, dass ich mit der Psychotherapeutin mal alle psychischen Themen anschauen kann. Meine bisherigen Therapeuten wie z Bsp. Kinesiologin oder mein einer Coach kannten immer gewisse Probleme, aber selten wirklich alle.

Ich merke, dass all meine Probleme zusammenhängen. Vorher habe ich gerade mit jemandem von der Familie über meinen Kontrollzwang gesprochen und ich merke, wie es Missverständnisse gibt, z.Bsp. wenn ich zu spät komme ("ich bin ihr nicht wichtig"). Oder wie andere denken, wenn ich nur früher fertig wäre zum aus der Haustür gehen oder mir mehr Mühe geben würde, würde das klappen. Das ist sicher nicht böse gemeint, ich könnte es mir an deren Stelle wohl auch nicht vorstellen, aber mit Intelligenz ist da leider nix zu machen bei Ängsten. Das beelendet mich und ich hoffe, mir kann bald umfassend geholfen werden.

LG
Bergwald

11.11.2019 20:34 • x 3 #3


Bergwald
Liebe alle

Meine Ärztin hat bis Ende Monat die Arbeitsunfähigkeit verlängert. Ich habe mal wieder Angst, das meiner VG zu schreiben, aber da muss ich irgendwie drüber stehen und durch meine Ängste durch.

Anfang nächster Woche ist der Termin bei der Psychiaterin, da bin ich richtig froh drüber.

LG Bergwald

12.11.2019 12:32 • x 2 #4


Fisch611
Hallo Bergwald,
Du und Deine Gesundheit stehen an erster Stelle. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, um gesund zu werden. Es ist niemanden geholfen, wenn Du halb gesund wieder zur Arbeit gehst und bald wieder ausfällst. Niemand wird es Dir danken. Ist ein Lernprozess, sich an erster Stelle zu setzen. Da muss ich auch gerade durch. Drücke Dir die Daumen, dass es gut klappt mit der Psychiatrin.
lg

12.11.2019 14:32 • x 3 #5


Bergwald
Lieber Fisch

Danke für deine aufmunternden Worte! Du hast ja so recht, damit wäre niemandem geholfen und niemand dankt es einem, da hast du so recht! Es ist wie du schreibst ein Lernprozess. Ich bin schon etwas weiter, aber manchmal kommt doch wieder ein komisches Gefühl oder schlechtes Gewissen. Manchmal habe ich auch kurz Angst, ob im Büro alles gut geht, ob sie alle Informationen haben etc. Ich muss echt lernen loszulassen.

LG Bergwald

12.11.2019 14:57 • x 2 #6


Hallo!

Zitat von Bergwald:
Ich bin schon etwas weiter, aber manchmal kommt doch wieder ein komisches Gefühl oder schlechtes Gewissen. Manchmal habe ich auch kurz Angst, ob im Büro alles gut geht, ob sie alle Informationen haben etc. Ich muss echt lernen loszulassen.


Es ist normal, dass im Berufsleben Mitarbeiter krank werden. Die Arbeit so zu organisieren, dass ein Ausfall abgefedert werden kann ist einzig und allein Aufgabe der Vorgesetzten. Nicht deine! Klar kann das eine Mehrbelastung für die Kollegen bedeuten. Aber das passiert halt, und du hast diese Mehrbelastung auch gehabt, wenn ein anderer Kollege ausgefallen ist.

Ja, das ist ein Lernprozess. Das gute daran ist aber, das hilft dir nicht nur beim schlechten Gewissen während deiner Krankschreibung. Das ist auch der erste Schritt, Abgrenzung zu deiner Arbeit zu lernen. Und das ist extrem wichtig bei BO.

Grüße
JP

13.11.2019 08:05 • x 3 #7


Bergwald
Lieben Dank JayPee!

Du hast schon recht. Ich habe das eben in meinem bisherigen Berufsleben nie groß mitgekriegt, dass andere länger fehlen, ausser natürlich bei Mutterschaft.

Momentan laufen bei uns gerade Projekte und auch eines von mir ist in der Abschlussphase - erst hatte ich Angst, es nicht zu schaffen ktäftemässig, und jetzt habe ich Angst, ob alles klappt, wenn ich nicht da bin. Ich glaube ich c befürchte immer, an was Schuld zu sein. Dass ich gewisse Infos noch hätte geben müssen, ein Schritt im Projektplan fehlt o.ä. Das ist jetzt wohl meine Angststörung, die mir auch immer gerne ins Ohr flüstert und düstere Szenarien malt.

Ich hoffe wirklich auf die Therapie und bin froh, gehe ich es noch gezielter an als bislang.

LG Bergwald

13.11.2019 10:24 • x 2 #8


Bergwald
Liebe alle

Ich melde mich mal wieder.

Ich bin weiter krank, ich versuche, mir die Zeit zu nehmen, auch wenn es schwer ist. Ich muss auch meine Weiterbildung auf Eis legen. Der Gedanke an den Verlust der Klasse bringt mich seit zwei Tagen zum weinen, ich wollte so sehr dabei sein und fühle mich auch irgendwo ausgeschlossen, weil ich nicht mehr teilnehmen kann. Natürlich kann die Gruppe gar nix dafür, ich beschreibe nur mein Gefühl des "verlassen und ausgestoßen seins", was in mir halt trotzdem real ist. Ich konnte dem Institut noch gar nicht Bescheid geben, ich komme selbst noch nicht klar, ob ich nicht doch noch hätte können oder sollen und ich fürchte, am Telefon auch direkt wieder in Tränen auszubrechen.

Vielleicht hat jemand ein paar hilfreiche Worte.

Liebe Grüsse
Bergwald

26.11.2019 14:14 • x 1 #9


Bergwald
Zitat von Fisch611:
Hallo Bergwald,

ganz wichtig: mache DIr keinen Druck und versuche erst mal alles, was mit Arbeit zu tun hat außen vor zu lassen. Das ist sicher leichter gesagt als getan. Ich musste erst ganz unten (Akut-Psychiatrie) ankommen bevor ich den Gedanken loslassen konnte, dass ich bald wieder funktionieren/arbeiten kann. Ich bin jetzt 4 Monate krank geschrieben und fange jetzt erst langsam damit an, an die "Themen" ranzugehen. Ein Psychologe kann dabei eine gute Hilfe sein, aber keine schnelle. Deine Themen musst Du selbst erarbeiten, Du bekommst bei einem Psychologen "nur" Anstöße zum Handeln.


Liebe Fisch, wie geht es dir denn aktuell?

LG Bergwald

27.11.2019 12:24 • x 1 #10


Mayke1
Liebe Bergwald,
ich verstehe dich so gut, auch aus beruflicher Sicht. Vor gut einem Jahr habe ich von heute auf morgen meine Klasse nicht mehr gesehen. Das war ein Schock. Dass mir die chronische Krankheit das Arbeitsleben sehr schwer machte, das wusste ich zwar, aber damals vertraute ich darauf, dass mir ein paar entsprechende Medikamente helfen könnten. Nach einem Gespräch mit der Chefin, bei dem ich ihr erstmals von meinem Dilemma erzählte, ging ich abends zum Arzt und der schrieb mir keine Tropfen auf, sondern mich sofort krank. Vor meiner Klasse habe ich nie mehr gestanden, hatte alles stehen und liegen lassen, weil ich dachte, am nächsten Morgen wieder bei den Kindern zu sein. In meinen Gedanken war immer, dass ich es "irgendwie" schaffen würde. Lange Zeit war ich am Schwanken, ob es nicht doch möglich gewesen wäre, meinen Beruf weiter auszuüben. Seit Mai bin ich im vorzeitigen Ruhestand. Das Gefühl des Verlassenseins und Ausgeschlossenseins hatte ich noch viele Monate und weinte so oft. Es wird erst jetzt allmählich besser.
Aus der Depression würde ich bestimmt herauskommen, da bin ich mir sicher, wobei die Symptome ja schon reichen, um für eine Weile nicht mehr arbeiten zu können. Die andere Sache ist diese Krankheit, die mich immer wieder ins Aus katapultiert.

Kannst du denn deinem Institut wenigstens schriftlich Bescheid geben? So habe ich es gemacht, denn jeder persönliche Kontakt zog mich noch weiter runter. Ist das eine Seminargruppe, die du nun krankheitsbedingt verlassen musstest? Es kommt so oft vor, das Pensum nicht mehr zu schaffen. Dann muss erst eine Krankheit daherkommen, die einem sagt, wo die Überlastung zu groß ist.
Es wird weitergehen bei dir und bestimmt auch auf eine gute Art und Weise!
LG von Mayke

27.11.2019 12:46 • x 2 #11


Fisch611
Hallo Bergwald,

ich komme gerade aus einer psychosomatischen Klinik von einem Vorgespräch. Die waren sehr nett da, allerdings fühle ich mich derzeit nicht "krank" genug für eine Klinik. Ich hoffe, dass ich mit meiner Einschätzung richtig liege. Das Antidepressivum hat mir sehr geholfen. Ich denke, dass eine Reha mir mehr helfen könnte wieder richtig auf die Beine zu kommen.

Ich verstehe den Verlust, den Du beschreibst sehr gut. Man ist wie aus dem ganzen Leben geworfen und schaut nur noch zu. Eine schrecklich Zeit und man glaubt sie endet nie.

Ich habe einen Satz in der "Zeit" gelesen, den ich mir gemerkt habe und der mir geholfen hat. Er lautete sinngemäß, dass uns die Depression dabei hilft/uns zwingt Lebensumstände aufzugeben, die uns überfordern. Bei mir stimmt das auf jeden Fall. Und später kann man dann manches gehen lassen, an das man sich lange geklammert hat. Trifft das auf Dich auch zu?

LG

27.11.2019 16:42 • x 3 #12


Zitat von Fisch611:
dass uns die Depression dabei hilft/uns zwingt Lebensumstände aufzugeben, die uns überfordern. Bei mir stimmt das auf jeden Fall. Und später kann man dann manches gehen lassen, an das man sich lange geklammert hat.


Wow!
So hat mir das noch niemand gesagt.
Trifft in meinem Fall zu 100% zu.

27.11.2019 20:36 • x 3 #13


Bergwald
Liebe Mayke

vielen Dank für deine einfühlsamen Worte und auch für die Schilderung deiner eigenen Geschichte! Wow, da hast du einiges hinter dir, tut mir leid zu hören, das muss auch echt ein Schock für dich gewesen sein, kann gut verstehen, dass du noch lange darüber nachgedacht hast und auch diese Gefühle des Verlassen- und Ausgeschlossenseins hattest ich hoffe auch, dass es dir mit der chronischen Krankheit bald besser geht!

Ich konnte das Institut gestern anrufen, sie sind sehr nett und verständnisvoll. Und ja, es ist eine Seminargruppe. Naja, ich kann ja immerhin mit den Teilnehmern in Kontakt bleiben, mit denen, die mir wichtig sind.

Wie du sagst, irgendwie geht es immer weiter.

LG von Bergwald

28.11.2019 22:37 • x 1 #14


Bergwald
Liebe Fisch

Schön dich zu lesen!

Freut mich, dass es dir besser geht! Ja es ist wirklich schwierig sich selbst einzuschätzen, oder? Ich war froh, dass meine Ärztin das übernommen hat, die kennt mich schon länger. Was ist denn - ganz blöd gefragt - der Unterschied zwischen Klinik und Reha? Das ist für mich alles noch neu.

Ja wie du schreibst, es war schon hart, zu Hause ist es eh manchmal schon fad und ich habe extreme Mühe mit dem Tagesablauf. Und dann muss man noch wo aussetzen wo viele nette Kontakte waren und man fühlt sich quasi "aus der Sippe gestossen".

"Lebensumstände aufgeben, die einen überfordern." Wow, das stimmt zu 100% bei mir. Ich glaube ich bin in einem Leben, was mir auf die Dauer nicht entspricht. So wie ich im Job funktionieren muss, ich glaube das ist einfach echt nicht das richtige für mich und meine Seele und mein Körper wehren sich dagegen. ja, es ist jetzt Zeit, einiges zu ändern

Seit gestern geht es mir gerade besser, ich hoffe, das hält an Ich muss für den nächsten Termin bei der Psychiaterin ganz viele Fragebogen ausfüllen, mal schauen morgen, aber ist nicht ganz einfach, wenn die Gefühlslage grade so schwankt.

LG Bergwald

28.11.2019 22:50 • x 1 #15





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