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Aktuelle WHO-Entscheidung - Burnout ist Krankheit

maya60
Hallo, habe heute in verschiedenen online-Artikeln gelesen, dass die WHO für den ab 2022 gültigen neuen Klassifikationskatalog von Krankheiten Burnout als eigenständige Diagnose (Syndrom) aufgenommen hat.

Soweit - so überfällig!

Die 3 Kernkennzeichen sollen sein:
Voraussetzung: Durch chronischen Stress im Beruf erzeugt, der nicht verarbeitet werden kann
(andere Lebensbereiche gelten n i c h t )
1) Verminderte Leistungsfähigkeit im Beruf
2) Erschöpfung
3) Innere geistige Distanz zum Beruf bis Negativhaltung zum Beruf


Also, das Ganze hat wie alles Vor- und Nachteile, oder?

28.05.2019 16:53 • x 5 #1


E
Endlich.

28.05.2019 16:55 • x 2 #2


A


Hallo maya60,

Aktuelle WHO-Entscheidung - Burnout ist Krankheit

x 3#3


maya60
Oder doch nicht?

In den Spon-Kommentaren verlinkte jetzt gerade jemand eine Gegendarstellung der WHO in der tagesschau?
Danach bliebe Burnout ein Einflussfaktor auf Gesundheit, aber nicht eigenständig?

Grrrrrr Ja, was denn jetzt?

Ich lese davon seit Stunden und jetzt stimmt es nicht oder doch oder wie oder was?

28.05.2019 17:09 • x 1 #3


W

E
Es kommt auch auf ZEIT-online, also da muß schon ebbes dran sein!

28.05.2019 17:42 • x 1 #5


ZeroOne
Ich habe das aber auch so im Netz mehrfach in unterschiedlichen Quellen heute gelesen, wie du in deinem ersten Post geschrieben hast @maya60 !

Die WHO verweist sogar deutlich darauf, dass der Begriff Burn-Out ausschließlich im beruflichen Zusammenhang verwendet werden darf (genauer: Gefühl von Erschöpfung, zunehmende geistige Distanz / negative Haltung zum eigenen Job und verringertes berufliches Leistungsvermögen) und nicht für sonstige Lebensbereiche.

Wie ich das werten soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht.

Was ist z.B. mit einer nicht berufstätigen Mutter die ausgebrannt zusammenbricht, weil sie einfach mehrere Kinder, einen komplexen Haushalt, Haus, Garten, fordernden Gatten, etc. trotz vollem Einsatz nicht mehr gewuppt bekommt und deshalb runtergebrannt ist? Für mich war das bisher ganz klar auch Burn-Out.

Eigentlich fand ich es bisher über Z73 (ICD-10-GM) gar nicht sooo schlecht abgebildet, wo es heißt .Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung.Inkl.: Akzentuierung von Persönlichkeitszügen. Ausgebranntsein [Burn-out].

Schwieriges Thema.

LG
ZeroOne

28.05.2019 17:44 • x 3 #6


W
ich vermute, es hat versicherungsrechtliche bzw arbeitsrechtliche Gründe.

siehe auch:

https://www.nzz.ch/meinung/burnout-als-.ld.1476934

28.05.2019 17:52 • x 3 #7


maya60
Also, wenn die WHO selber einen Rückzieher von ihrer ersten Krankheitsentscheidung gemacht hat, wie es dein erster link, Wallis, nahelegt, dann womöglich wirklich wegen der enormen Konsequenzen für die Arbeitswelt.
Versicherung, Krankmachende Arbeitsverhältnisse en masse, die keine Arbeitsmedizin mehr vertreten dürfte - das wäre ja schrecklich für die Wirtschaft und auch für die ganze Folgenwirtschaft, die uns Burnoutler behandelt und das bisjetzt alles individualisieren. Berufskrankheit Burnout, Arbeitsunfähigkeit weia, der gesamte Pflegebereich, Pädagogische, Sozialpädagogische Bereich, wo kämen wir denn da hin?

Also ist es jetzt ein gesundheitsschädigender Einflussfaktor, bei dem diese Fokussierung nur auf den Berufsbereich noch weniger Sinn macht als vorher als Krankheitseinschränkung. Dinge wie Doppelbelastung von Eltern mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen oder von Frauen, die als Universalpflegerin für Kinder, Eltern, Schwiegereltern, Onkel, Tanten usw. Jahrzehnte ausbrennt.

Alles ein bisschen sehr große Stolperei der Fachleute. Irgendwie mit der heißen Nadel das Ganze. Also am Ende eine Verschlimmbesserung? Doch keine Krankheit, dafür aber eine Einschränkung gegenüber zuvor? Den Einflussfaktor bisjetzt fand ich nämlich auch besser und zutreffend beschrieben, Zero!

28.05.2019 18:56 • x 1 #8


Hoffnung21
Ich weiß nicht, ob Burnout und Depression wirklich auseinandergehalten werden kann. Wer ist schon NUR vom Arbeitgeber gestresst und der Rest läuft ohne jegliche Probleme? Also bei mir war das ein Mischmasch. Ich hab mal einen Satz gelesen, der mir persönlich sehr gut gefällt: Burnout ist der Weg in die Depression. Ich weiß, Burnout klingt einfach schöner, ist anerkannter, aber tatsächlich ist die Endstufe doch die Depression. Ich hab auch am Anfang immer gesagt, ich hab ein Burnout, bis ich mich dann getraut hab zu sagen, Ich hab eine Depression.

LG Eis

28.05.2019 20:30 • x 3 #9


W
ich habe nicht wirklich ahnung, aber ich dachte immer, es sei umgekehrt? also dass jeder Burnout die Depression enthält?

28.05.2019 20:42 • x 1 #10


ZeroOne
Ich kenne auch Ärzte / Therapeuten, die den Begriff Burn-Out überhaupt nicht verwenden wollen und als Synonym Erschöpfungsdepression verwenden.

LG
ZeroOne

28.05.2019 20:53 • x 3 #11


Hoffnung21
Stimmt @zeroone, mein Arzt hat auch die Erschöpfungsdepression formuliert und nur beim Gespräch mit mir einmal ganz kurz von Burnout gesprochen. Ich finde auch die Abgrenzung Burnout/Depression sehr schwierig. Und in der Reha hat niemand mehr von Burnout gesprochen, sondern klar von Depression.

@Wallis
Die Endstufe eines Burnout ist IMMER die Depression, aber bei leichten Formen eines Burnout kann man NOCH nicht von Depression sprechen.

LG Eis

28.05.2019 21:02 • x 1 #12


Nickse
@ZeroOne und @eis:

Ich habe allerdings im Internet auch mehrmals gelesen, dass Erschöpfungsdepression nur ein anderes Wort für BO ist?

Allerdings nicht in jedem Beitrag. Wo wäre der Unterschied?

28.05.2019 21:10 • x 2 #13


Hoffnung21
Ich würde sagen die Endstufe des Burnout ist die Erschöpfungsdepression, wobei es oft gleichwertig benutzt wird. Beim Burnout gibt es ja mehrere Phasen, die ersten Phasen sind mE nur der Weg in die Depression. Ich hab die verschiedenen Phasen aber nicht im Kopf. Anfangs halt enorme Leistungsbereitschaft, dann langsam Leistungsabbau, Erschöpfung und Frust auf die Arbeit usw.

28.05.2019 22:02 • x 2 #14


W
Zitat von Eis:

@Wallis
Die Endstufe eines Burnout ist IMMER die Depression, aber bei leichten Formen eines Burnout kann man NOCH nicht von Depression sprechen.

also mein BO hatte wohl früher schon Depressionen, nicht wegen Arbeit, sondern aufgrund schicksalsschlägen, jetzt in den letzten Monaten hat er wieder Depressionen, Panikattacken und nun heisst das Ding wohl Burnout.
Wenn ich ihn richtig verstanden habe.

28.05.2019 22:09 • #15


maya60
Ich habe Burnout und Erschöpfungsdepression auch immer für dasselbe gehalten. Und es ist eben bei vielen, die vom Burnout betroffen sind, nur die Spitze vom Eisberg, ihre überfordernde Stressbelastung im Beruf.
Meistens liegt der eigentliche Eisberg noch unentdeckt, zu entdecken, warum man überhaupt zuließ, dass es soweit kam.

28.05.2019 22:13 • x 2 #16


Jedi
Hallo !

Mein persönlicher ansatz ist, von einer sich langsam entwickelten Depression, bedingt durch unsere prägung, erfahrung u. konditionierung, in die Erschöpfung.
sich erschöpfen kann im job geschehen, aber dies kann auch in einer Beziehung u. Ehe passieren.
meist liegen unterschiedlichste seelische faktoren zu grunde, die meist schon länger schwelen konnten u. zum Ausbrennen (BO) bis zur psychischen erschöpfung führen.

ich glaube, dass man sich nicht zu sehr an die bezeichnung BO festhalten sollte.
eine individuelle psychotherapeutische beurteilung, halte ich für zwingend notwendig.
danach sollte die individuell passende therapieform ausgerichtet werden.

Psychiater haben aufgrund der geringen zeit für den patienten, meist nur die medikamentengabe im fokus , als schnelleste hilfe.
gilt villt. nicht für alle Psychiater, aber meiner erfahrung nach, für einen sehr hohen anteil.

LG Jedi

28.05.2019 22:27 • x 5 #17


Hoffnung21
@Wallis
Komisch. Wenn man schon Depressionen hat von Burnout zu sprechen? Verstehe ich nicht ganz. Ich meine Burnout wird ja mehr auf den Stress durch die Arbeit bezogen und vielleicht nennt er es deshalb so? Oder weil es netter klingt? Ist ja gesellschaftsfähiger als die Depression.

28.05.2019 22:36 • x 2 #18


Hoffnung21
@Jedi
Gilt tatsächlich nicht für alle Psychiater. Mein erster P. hatte nichts für Tabletten übrig. Wenn ich da nicht gewechselt hätte, bzw. in der Reha nicht medikamentös eingestellt worden wäre, dann könnte ich heute noch nicht arbeiten. Manchmal braucht es leider - natürlich zusätzlich zur Psychotherapie - auch Medikamente. Ich hätte es mir auch anders gewünscht, aber ich fühl mich mit den Tabletten jetzt wieder wie ein (fast) vollwertiger Mensch.

28.05.2019 22:45 • x 3 #19


W
Zitat von Eis:
@Wallis
Komisch. Wenn man schon Depressionen hat von Burnout zu sprechen? Verstehe ich nicht ganz. Ich meine Burnout wird ja mehr auf den Stress durch die Arbeit bezogen und vielleicht nennt er es deshalb so? Oder weil es netter klingt? Ist ja gesellschaftsfähiger als die Depression.

ich verstehe es auch nicht so ganz.
aber frag besser jemand anderen. ich bin auch grade mit meinen Gedanken woanders

28.05.2019 22:47 • x 1 #20


Hoffnung21
Zitat von Wallis:
ich bin auch grade mit meinen Gedanken woanders


Das finde ich so schön an diesem Forum, dass man seine Gedanken und Gefühle offen ausspricht und jeder einen versteht, was los ist. Weil man das selbst erlebt hat oder erlebt.

28.05.2019 22:56 • x 3 #21


Jedi
Zitat von Eis:
nicht medikamentös eingestellt worden wäre, dann könnte ich heute noch nicht arbeiten.

da stimme ich dir völlig zu !
also ich bin u. das aus eigener erfahrung, durchaus für eine medikamentöse behandlung.
abhängig davon ist die schwere der erkrankung u. auch das leiden, was der klient für sich empfindet.
habe schon des öfteren versucht, die oft falschen vorstellungen von Antidepressiva, die sich immer noch hartnäckig halten, einer anderen eher wissenschaftlich fundierten erfahrung gegenüber zu stellen.
ist mir mal mehr u. mal weniger gut gelungen.
zu meiner ganz persönliche erfahrung, gehört eine evtl. medikamtöse behandlung u. Psychotherapie zusammen.
scheitert in der regel aber an den langen wartezeiten, auf einen therapieplatz.
in eine klinik zu kommen, scheint da eher möglich zu sein.
ist aber wohl auch vom wohnort her, sehr unterschiedlich.
Zitat von Eis:
Manchmal braucht es leider - natürlich zusätzlich zur Psychotherapie - auch Medikamente.

da bin ich ganz bei dir u. würde sogar sagen, nicht leider, sondern oft Gottseidank, dass wir die Antidepressiva der neuen Generation haben.
Zitat von Eis:
aber ich fühl mich mit den Tabletten jetzt wieder wie ein (fast) vollwertiger Mensch.

das finde ich toll !
mich haben in meiner anfangszeit, meines psychischen u. physischen zusammenbruchs, Antidepressiva geholfen, überhaupt therapiefähig zu werden u. ich konnte mir so eine einigermaßen tagesstruktur schaffen.

LG Jedi

28.05.2019 23:09 • x 4 #22


Hoffnung21
Ich bin zwar mittlerweile von den neuen Antidepressiva zu den ganz alten Antidepressiva's gekommen (MAO-Hemmer), aber damit kann ich wieder ein einigermaßen normales Leben führen und Kontakt zu Menschen haben. Ich muss mich nicht mehr zu jedem Handgriff zwingen und bin nicht mehr den ganzen Tag erschöpft. Nichtsdestotrotz gibt es gute und weniger gute Tage. Aber wenn ich auf die Anfangsphase vor 2 Jahren ohne Medikamente zurückdenke, da liegt ein ganzes Weltall dazwischen.
Du hast Recht, Gottseidank gibt es Medikamente dafür. Bei einer Depression sträuben sich viele (Ich anfangs eingeschlossen) gegen Medikamente, bei Bluthochdruck oder Diabetes wird es bedenkenlos eingenommen. Depression ist doch auch eine Erkrankung!

28.05.2019 23:24 • x 3 #23


maya60
Zitat von Eis:
@Wallis
Komisch. Wenn man schon Depressionen hat von Burnout zu sprechen? Verstehe ich nicht ganz. Ich meine Burnout wird ja mehr auf den Stress durch die Arbeit bezogen und vielleicht nennt er es deshalb so? Oder weil es netter klingt? Ist ja gesellschaftsfähiger als die Depression.



In meiner Jugendzeit und während meiner Studentenjahre kannte ich familiär und auch durch Gruppentherapien eine Reihe von Leuten mit Depressionen. Stress war nie auch nur einmal genannt, außer von mir. (, denn, was damals noch niemand wusste, ich war dauerüberreizt wegen ADHS, was damals noch niemand kannte, schon gar nicht bei Erwachsenen). Ich war mir damals schon sicher, dass ich extrem stressanfällig war und glaubte, dass meine Depressionen davon die Folge waren.

Die typischen Symptome der Depression enthielten unter vielem anderen zwar auch Leistungseinbrüche und Kraftverlust, aber niemand redete von Stress und Ausgebranntsein.

Erst ab Mitte der 90er Jahre mit der Liberalisierung der Wirtschaft, mit Globalisierung, IT, börsennotierten Unternehmen, neue Scheidungsgesetzgebung, Bankenkrise, Agenda 2010, also mit erheblich gesteigerter Arbeitsbelastung, Komplexität und Arbeitstempo zeigten sich Stresserkrankungen.

Jetzt auf einmal kamen zunehmend Menschen zu ihren Ärzten, die bis zum Zusammenbruch ausgepowert waren und darüber depressiv wurden oder psychosomatische Symptome hatten, wohinter sich das Burnout verbarg. Das war neu, der häufige Stress- und Erschöpfungsaspekt als Hauptsymptom.

Ich glaube, und so ähnlich hat Jedi das auch schon geschrieben, dass eine Erschöpfungsdepression nur die Spitze des Eisberges darstellt und dass die Hauptsache psychische Muster, Altlasten, Vorbelastungen sind, die in dieser Überlastungssituation durchbrachen.

Dennoch ist der Aspekt des Ausgebranntseins in der Häufigkeit und als ein Hauptsymptom, als Stresserkrankung Erschöpfungsdepression ein Zeitgeistphänomen, Und die WHO-Experten wie auch behandelnde Ärzte und viele von Burnout Betroffene selber greifen da aber viel zu kurz, wo sie es einzig auf den Berufsbereich begrenzen, als ob es dann auch rein beruflich zu lösen wäre.

Somit lässt sich die Erschöpfungsdepression meiner Ansicht nach nicht trennen von der Notwendigkeit einer umfassenden Depressionsbehandlung.

28.05.2019 23:51 • x 4 #24


Rowi
Also Burnout nur auf die Arbeit zu beziehen und zu klassifizieren, wie es am Anfang im WHO Entwurf zu werden schien halteich für garnicht so abwägig. Da ich selbst einen nur auf diesen Bereich bezogenen Erschöpfungszustand erlebt habe und ich kann sagen das sieht ganz anders als eine Depression aus. Der Mensch mit dem ich damals zusammen lebte, hatte Panickattacken, Schweißausbrüche und Übelkeit sowie mega Konzentrationsstörungen, sobald es darum ging zur Arbeit zu gehen. Dieser Zustand ist damals Plötzlich nach einer 2 wöchigen Krankheitsphase aufgetreten, als der Körper etwas zur Ruhe gekmmen war.
Dieser Zustand ist damals unheimlich schnell und gut mit einem Tagesklinikaufenthalt und Veränderung der Lebensumstände behandelbar gewesen und er hatte bis heute, soweit ich weiß keinen Rückfall solange er auf seine Grenzen achtet. Die Ärzte haben damals auch klar von Burnout gesprochen, obwohl Erschöpfung auf der Krankschreibung stand.
In allen anderen Bereichen desLebens neben der Areit hatte er keine Einschränkungen in dem Maße wie es bei starker oder rezidivierender Depression der Fall ist.

Die WHO wird sich schon einigen und bis 2022 ist auch noch einiges an Zeit, sicher ist aber auf jeden Fall das egal in welchem Bereich unseres Lebens immer Pest gegen Kolera abgewegt wird und meist der Weg gegangen wird der die geringeren Kosten verursacht. Ist totaler Mist aber ist leider so. Ich selbst kann nur schauen wieich mit dem Ergebniss für mich umgehe und wie meine eigene Haltung dazu ist.

29.05.2019 08:55 • x 1 #25


Jedi
Hallo

Zitat von maya60:
Somit lässt sich die Erschöpfungsdepression meiner Ansicht nach nicht trennen von der Notwendigkeit einer umfassenden Depressionsbehandlung.

dies sind auch meine gemachten erfahrungen, die mir so aus meiner der klinik, reha, SHG u. gruppentherapie bekannt geworden sind.
Ärzteverbände benennen das Burn-Out- Syndrom nicht als eine Krankheit, sondern als Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung.
ich persönlich finde, dass es das ganz gut trifft.
eine präzise Diagnose, lässt sich daher auch schwer erstellen.

das der Beruf, als hauptursache gerne benannt wird liegt meiner meinung daran, dass die anforderungen sehr stark gestiegen sind,
wir den beruf in unserem leben, oft an die erste stellle setzen,
wir bereit sind, für eine berufliche karriere sehr viel energie einzusetzen, die uns dann woanders fehlt,
wir während unseres berufsleben älter werden u. wir aufgrund der physiologie, unsere kräfte nicht mehr so zur verfügung stehen, wie noch in jungen jahren, uvm.
auch die zwischenmenschlichen konflikte in den betrieben haben zugenommen u. die ursachen dafür sind unterschiedlich zu bewerten.
meist fehlt es menschen die sich dabei psychisch erschöpfen, mit diesen anforderungen einen gesunderen umgang zu finden u.
strategien zu entwickeln, die der situation angemessen sind.
falsche führungsinstrumente, fehlende wertschätzung, lob, anerkennung u. bestätigung für gute leistungen, tun da ihr übriges.
und wer kennt es nicht, dass noch lange nach Arbeitsschluss, die gedanken eine fehlende distanz vermissen lassen.
nicht wenige haben berichtet, dass schleichend die sozialen kontakte immer weniger wurden u. das die Anteilnahme an andere, deutlich weniger wurde, auch der spaßfaktor an bestimmten dingen, kam nicht mehr richtig auf, usw.

auch in einer beziehung kann ich mich physisch u. psychisch erschöpfen.
partnerschaftliche unzufriedenheiten, die unausgesprochen bleiben, erzeugen in uns stress, der sich in dauerärger, wut, gar anhaltende traurigkeit auslösen kann.
nicht selten ist zu lesen, dass die gewalt in der ehe zugenommen hat.
das oft ein offener umgang mit solchen lebenskrisen nicht ausreichend bewältigt werden kann, liegt oftmals an unseren prägungen u. erfahrungen, die wir gemacht haben.
auch unsere im unterbewusstsein gut abgespeicherten glaubenssätze u. konditionierung blockieren des öfteren notwendige klärungen.

meine beschreibungen sind beiweitem noch nicht vollständig u. um das thema, sich erschöpfen, gibt es noch eine menge an ursachen, die ich nicht benannt habe, da sie hier den rahmen sprengen würden.
dazu würde gehören belastungen von Alleinerziehende, pflege der alten pflegebedürftigen eltern u. die eigene schwere erkankung.

so sehe ich, dass jemand der physisch u. psychisch einen zusammenbruch erlitten hat, ganz individuell Psychotherapeutische hilfe benötigt u. sich erst langsam in den therapiesitzungen eine echte diagnose zu stellen möglich wird.
jede lebensgeschichte ist anders gelagert u. enthält viele unbekannte, die durch die therapiegespräche an die oberfläche geholt werden können.

nur die Krankenkasse fordern eben eine schnelle diagnoseerhebung, um abrechnen zu können.
das fördert nicht gerade eine fachlich fundierte diagnoserstellung.
villt. müsste es eine zwischen-diagnose geben, bis sich in einer psychotherapeutischen begleitung das gesammte ausmaß, dass zu der erkrankung geführt hat, offensichtlich wird u. so eine richtige diagnose gestellt u. die therapiemaßnahme der diagnose angepasst werden kann.

LG Jedi

29.05.2019 09:22 • x 1 #26


Mas83
Zitat von Rowi:
Also Burnout nur auf die Arbeit zu beziehen und zu klassifizieren, wie es am Anfang im WHO Entwurf zu werden schien halteich für garnicht so abwägig.


Also Burnout nur auf die Arbeit zu beziehen und zu klassifizieren halte ich aber schon für abwägig.

Klar, ist es schön, dass es anerkannt wird, aber damit sagt der WHO doch aber auch gleichzeitig das alle andere Belastungen, wo man nicht, wie bei den klassischen Arbeit, Geld mit verdient, keine Arbeit in dem Sinne ist.

Ich glaube auch, dass es oft mit einem Burnout anfängt und in Depression endet (weil man sich halt so ausgebrennt fühlt). Auch die Diagnose zu bekommen ist schon schwierig. Vor allem wegen die lange Wartezeiten, was hier schon angesprochen worden ist.

Zitat von Jedi:
so sehe ich, dass jemand der physisch u. psychisch einen zusammenbruch erlitten hat, ganz individuell Psychotherapeutische hilfe benötigt u. sich erst langsam in den therapiesitzungen eine echte diagnose zu stellen möglich wird.


Das sehe ich genauso! Aber das ist so schwierig.

Zum Beispiel: ich bin jetzt schon zwei Monate zu Hause, meine Hausärztin denkt einfach, dass es eine Depression ist, wartet aber auf Fachärztliche Diagnose. Nach 6 Woche hatte ich einen Termin bei einem Psychologen, der sagte dann aber, dass es wahrscheinlich eine Erschöpfungs Depression ist, er mich aber zu schwer für ambulante Therapie findet und mich nicht weiter behandeln will. Nirgendwo anders schien ich ein Platz beim Psychologen zu bekommen (ich verbringe meine Zeit zu Hause andauernd am Telefon um Psychologen / Psychiater zu finden), bis eine Kollegin mir einen Nummer von einem Betriebspsychologe gegeben hat. Da gehe ich heute Mittag hin. Einen Termin beim Psychiater habe ich erst Ende Juli. Jetzt warte ich auf einen Klinikplatz, wo man aber auch mindestens 2 Monate auf warten muss.

Und ich arbeite nicht 60 Stunden pro Woche, aber 22.
Man darf aber nicht vergessen, dass Kind, Haushalt und die Pflege von Angehörigen, sehr viel Arbeit (!) ist, und für mich persönlich glaube ich, eher der Grund ist, ausgebrannt zu sein, als die 22 Stunden Arbeit, wo man für bezahlt bekommt.

29.05.2019 10:11 • x 2 #27


Rowi
Um nochmal zu meiner Meinung etwas zu sagen.
Für mich hat Burnout schon immer etwas mit der Arbeit zu tun gehabt. Alle anderen Erschöpfungen hatten für mich immer andere Gründe und Ursachen aber nicht primär die Arbeit. Vielleicht ist jetzt eher verständlich warum ich es nicht abwägig finde.

Und für alle anderen Erschöpfungszustände gab es schon eine Klassifizierung. Es wird meiner Meinung nach nun halt klar getrennt zwischen Arbeit und den anderen Lebensbereichen.

Für mich persönlich zählt Kind, pflege von Angehörigen und sowas auch nicht zu Arbeit, sondern zu belastenden Lebensumständen. Vielleicht ist auch meine Ausbildung mit ein Grund warum ich da so genau differenziere.

Ich habe aber auch das Gefühl gerade auch wenn ich den Artikel hier verfolge, dass es dazu viele Unterschiedliche Meinungen, Herangehensweisen, Erfahrungen gibt.
Und ich wiederhole mich gern in dem ich sage, wir müssen am Ende für uns klar machen was wir aus der Klassifizierung machen. Denn im Grunde hilft diese nur dabei eine Diagnose stellen zu können. Unseren Genesungsweg oder wie es bei uns ist kann davon nicht abgeleitet werden. Wir alle sind einzigartig und das auch im Umgang mit Klassifizierungen, Diagnosen und Krankheitsbeweltigungen.

29.05.2019 11:40 • x 3 #28


Jedi
Zitat von Rowi:
Ich habe aber auch das Gefühl gerade auch wenn ich den Artikel hier verfolge, dass es dazu viele Unterschiedliche Meinungen, Herangehensweisen, Erfahrungen gibt.

aber das finde ich so spannend u. es gibt da kein richtig oder falsch.
Zitat von Rowi:
Wir alle sind einzigartig

so ist es u. so eben auch unsere unterschiedlichen erfahrungen.
aber so ein Forum wäre für mich uninteressant, wenn alles gleichförmig wäre.
Zitat von Rowi:
Für mich hat Burnout schon immer etwas mit der Arbeit zu tun gehabt.

auch wenn ich dazu etwas anders denke, finde ich auch an deiner erfahrung u. meinung, dass da etwas dran ist.

LG Jedi

29.05.2019 11:59 • x 3 #29


A


Hallo maya60,

x 4#30


L
Liebe Alle, liebe Maya, das ist ein ganz ganz wichtiges Thema, wir sind zwar krank und haben die Pflicht, uns selber zu helfen.was aber die Umstände in unserer Gesellschaft betrifft, sind wir auch Opfer. Wenn das korrigiert würde, wäre schon einmal viel getan, vor allem für die nächste Generation!
Ich habe einen neuen Ansatz gelesen: jede Arbeit sollte entlöhnt werden, ob zu Hause, in einer Firma, bei Bekannten im Naturschutzgebiet.alle.weil Alles! gemacht werden muss. Siehe auch zu Ralph Bord in YouTube. ich weiss nicht, ob ich einen Link setzen darf, darum nur der Name. Berührend hat er sein Frühchen und seine kranke Frau selber gepflegt und hat kaum Geld, also Hartz4 erhalten.statt dass man froh war, dass die Familie zusammenhält. Er hat spannende Gedanken entwickelt, wie krankmachende Doppelbelastungen aufgefangen werden könnten dadurch. Ich bin ja auch in diesem Dilemma untergegangen jahrelang.
Liebe Grüsse Lisa

29.05.2019 12:29 • x 1 #30

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