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Aktuelle WHO-Entscheidung - Burnout ist Krankheit

Eis
Zitat von Mas83:
Klar, ist es schön, dass es anerkannt wird, aber damit sagt der WHO doch aber auch gleichzeitig das alle andere Belastungen, wo man nicht, wie bei den klassischen Arbeit, Geld mit verdient, keine Arbeit in dem Sinne ist.


Sehe ich genauso!


Zitat von Mas83:
Und ich arbeite nicht 60 Stunden pro Woche, aber 22.
Man darf aber nicht vergessen, dass Kind, Haushalt und die Pflege von Angehörigen, sehr viel Arbeit (!) ist, und für mich persönlich glaube ich, eher der Grund ist, ausgebrannt zu sein, als die 22 Stunden Arbeit, wo man für bezahlt bekommt.


Auch ich arbeite "offiziell" nur 21 Stunden, hatte aber "nebenbei" ein paar Jahre Angehörige gepflegt, Haus & Garten, Kind und mehrere Ehrenämter. Wo endet hier die "Arbeit" und wo beginnt die Freizeit?

War es ein Burnout, Erschöpfungsdepression oder einfach die Endstufe des Burnout? Einfach eine Depression? Das ist für mich nicht zu unterscheiden.

29.05.2019 11:33 • x 4 #31


Darf ich noch korrigieren: Ralph Boes.

29.05.2019 12:20 • #32


maya60
Ich finde es spannend, wie vielseitig die Diskussion hier ist und so geht es den Fachleuten, die diagnostizieren oder bei der WHO definieren, offenbar auch.
Burnout hat auch eine politische Seite, die mit einfließt, wenn es die krankmachenden Berufsbedingungen mit epidemischen Stresserkrankungsfolgen beschreibt. Oder/und wenn es die verbreitete Doppelbelastung in den Fokus nimmt. Oder/und wenn endlich die Überforderung der daheim Pflegenden in den Blick genommen wird.

Diese alle berechtigten politischen Aspekte sorgen auch für die emotionale Betroffenheit. Denn psychische Erkrankungen wurden/werden ja teilweise heute immer noch tabuisiert und vor allem individualisiert. Als sei es eine private individuelle Lebensbewältigungsschwäche.

29.05.2019 12:46 • x 6 #33


Danke! Maya Danke!
Wieder einmal mich erinnern, was ich geleistet habe, das tut so gut.
Und daran denken, dass gerade diese Menschen, die das von mir wollten, später meine Erkrankung belächelten. sogar der Ausdruck faul war da gefallen.von einem Menschen, der mich ständig bei meiner Mutter angetroffen hat! Also Verdrängung pur.weil das Problem eben nicht zu lösen war ohne finanzielle und körperliche Einbusse und das wollte keiner und die Gesellschaft hatte keine Lösung. wahrscheinlich haben sich gerade die, die mich am meisten Verachteten am meisten gecheckt, was sie für sich selber Gutes taten beim Abseitsstehen. heute kann ich das verstehen.es gab ja keine anständige Lösung.es hat jeden betroffenen und jeder litt darunter, die die das Problem angingen und die die es ängstlich vermieden.

29.05.2019 13:02 • x 2 #34


Jedi
Hallo Eis !

Zitat von Eis:
ich arbeite "offiziell" nur 21 Stunden, hatte aber "nebenbei" ein paar Jahre Angehörige gepflegt, Haus & Garten, Kind und mehrere Ehrenämter.

da brauchst du nicht zu schreiben, nur 21 Stunden.
die pflege Angehöriger u. das für ein paar jahre zu übernehmen, dafür mein großen Respekt !
ich habe einen solch hohen respekt vor der Arbeit von pflegekräften, ob im krankenhaus, altenheim oder amb. pflegestation.
besonders für die menschen, die nun keine fachkräfte sind u. zu hause ihre zum teil schwerstpflegebedürftigen angehörigen, oft rund um die uhr versorgen müssen.
dann noch selbst haus & garten u. kinder, alle achtung !
wenn dann noch ehrenämter angenommen werden, was in unserer gesellschaft, ohne solche menschen, nur noch wenig funktionieren würde
Zitat von Eis:
Wo endet hier die "Arbeit" und wo beginnt die Freizeit?

eine erwerbsbsarbeit, deine 21 Stunden gehören zur arbeit , um damit den lebensunterhalt zu bestreiten.
angehörige zu pflegen, wird oft als eine pflicht betrachtet, je nach verhältnis zu diesen angehörigen.
allerdings ist dies auch arbeit, eben nicht im klassischen sinn, eine erwerbsarbeit,
die nicht minder schwer, nicht minder anspruchsvoll, wie eine erwerbsarbeit zu bewerten ist.
ehrenamt würde zur freizeit für mich zählen, da ich sie mir freiwillig auswähle.
schön wäre es, wenn man die gartenarbeit als ein hobby, als erholung betrachten kann.
hausarbeit u. kinder sind schon pflichtaufgaben, die man sich nicht so einfach entledigen kann.

mir hat hausarbeit auch mal freude gemacht, aber ich fand sie auch manchmal zum
kinder in ihren jeweiligen altersstufen, fand ich immer klasse, aber mal ehrlich, sie haben einen auch schon mal den letzten nerv gekostet.

Zitat von Eis:
Wo endet hier die "Arbeit" und wo beginnt die Freizeit?

villt. liegt es an unserer einstellung oder gar an unserer haltung zu den unterschiedlichen tätigkeiten ?
schwierig zu sagen, wie wir was erleben, ob es uns besonders schwer fällt, ob wir freude daran haben,
ob es uns wohlmöglich an ?
äußere umstände nehmen sicher auch einfluss darauf, wie wir zu den tätigkeiten uns verhalten.
Zitat von Eis:
War es ein Burnout, Erschöpfungsdepression oder einfach die Endstufe des Burnout?

oder
Zitat von Eis:
Einfach eine Depression?

ich glaube, dass dies nur wirklich festzustellen geht, durch Psychotherapie.
in den geschichten, in den wahrnehmungen, in dem erleben, was die klienten berichten, lassen sich gesicherte hinweise erkennen, um welche diagnose es sich handelt.

LG Jedi

29.05.2019 13:04 • x 5 #35


Jedi
Oft schleicht sich das Leiden unauffällig ein u. bleibt zu lange unbemerkt oder von uns verdrängt, gar ignoriert.
wenn die energie langsam schwindet, erscheint uns pflicht, als ein zu viel u. die dinge verlieren dabei an bedeutung.
auch diffuse ängste können ein deutlicher hinweis sein, dass unsere seele aus der balance geraten ist.
sich erschöpfen, eine depression wird oft als ein persönliches versager empfunden.
dies ist es mitnichten, denn sind wir betroffen, können wir lernen, unser leben einmal grundsätzlich zu überdenken.
dabei kann uns die Psychotherapie helfen, neue impulse aufzunehmen, wir können Selbsterfahrung machen u. erhalten werkzeuge an die hand, womit wir etwas grundsätzliches in unserem leben verändern können.
so wieder Selbstbestimmter in unserem leben zu werden.

LG Jedi

29.05.2019 13:31 • x 3 #36


Eis
Zitat von Jedi:
schön wäre es, wenn man die gartenarbeit als ein hobby, als erholung betrachten kann.


Durch ein bei mir wirklich jahrelanges langsames Einschleichen der Erschöpfung gab es für mich nur noch Pflichten. (Auf 6 Hörstürze nicht reagiert, der 7. hat mich ausgeknockt!) Was vielleicht irgendwann mal Spaß gemacht hat, ist dem Zeitdruck zum Opfer gefallen. Da war die Psychotherapie wirklich sehr hilfreich. Der Garten muss nicht immer perfekt sein und heute mache ich Gartenarbeit wenn ich Zeit und Lust dazu habe. Unkraut ist auch grün, ist doch gar nicht so schlimm das anzuschauen. Das musste ich aber tatsächlich LERNEN. Ist mir nicht leicht gefallen.

Zitat von Jedi:
haltung zu den unterschiedlichen tätigkeiten


Genau das ist das, was man lernen muss.

Zitat von Jedi:
dies nur wirklich festzustellen geht, durch Psychotherapie.


Die Psychotherapie war sehr wichtig für mich, und bei mir gab es eben kein NUR die Arbeit oder sonstige tiefgreifende Probleme. Es war ein Mischmasch mit vielen kleinen Problemen im Berufsleben wie in der Freizeit. Arbeiten an zu viel Perfektionismus, Ehrgeiz, Pflichtgefühl, Leistungsgedanken, mangelnder Einsicht wie "wenig" Arbeit am Tag völlig in Ordnung ist.
Ich bin jetzt nach 2 Jahren fast durch mit meinen Psychotherapiestunden, möchte sie nicht missen. Sie haben einen anderen Menschen aus mir gemacht im positiven Sinne, auch wenn mein Umfeld bei der einen oder anderen oder vielen Änderungen schon schlucken musste.

29.05.2019 14:25 • x 3 #37


ZeroOne
Hi Eis!

Zitat von Eis:
Wo endet hier die "Arbeit" und wo beginnt die Freizeit?


Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden? Sondern eher zwischen was krank macht und was nicht?

LG
ZeroOne

29.05.2019 15:19 • x 6 #38


Eis
Ist auch eine interessante Sichtweise. Aber tatsächlich muss ich meine Arbeit streng vom Privatleben trennen, da ich im Außendienst arbeite und mein Büro daheim hab. Und um diese 21 Stunden nicht wieder in eine mehr oder weniger unbezahlte Vollzeitstelle ausufern zu lassen wird jetzt strikt getrennt. Anders funktioniert es bei mir nicht. Allerdings gibt es tatsächlich auch im Privatleben Dinge, die krank machen, die man auch weglassen/optimieren o.ä. muss.

29.05.2019 15:26 • x 2 #39


Rowi
Zitat:
Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden? Sondern eher zwischen was krank macht und was nicht?


Da bin ich ganz deiner Meinung und das ist bei jedem anders, das macht es ja auch so schwer da Richtlinien zu setzen.

29.05.2019 15:29 • x 3 #40


maya60
Zitat von Eis:
Durch ein bei mir wirklich jahrelanges langsames Einschleichen der Erschöpfung gab es für mich nur noch Pflichten.


Oh, das kenne ich gut! Sehr gut! Noch heute habe ich davon absolute Aversionen gegen zu viele Zwischenschritte bei Handlungen. Wenn ich Frühstück machen will und es kommen lauter Hürden dazwischen (Waschbecken steht voll dreckigem Geschirr, Milchkarton ist leer, zuviel Leute wuseln um mich herum), die ich noch extra nebenher machen muss, dann höre ich auf und verzieh mich mit einem Kaffee in mein Zimmer. Denn ich habe zu viele Jahre gelebt, von 3 Seiten zugequatscht zu werden, hinter anderen herzuräumen, deren Mental Load zu meinem zu machen, jetzt bin ich für die direkten Schritte.

29.05.2019 15:32 • x 2 #41


Eis
Sowas wie bei dir mit dem Frühstück kenne ich auch. Ist für mich immer noch ein absolutes No-Go. Wenn 2 Leute gleichzeitig auf mich einreden muss ich gehen, am besten mach ich auch lauter kleine Schritte, eines NACH dem anderen, und KEINESFALLS GLEICHZEITIG.

29.05.2019 15:36 • x 2 #42





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