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Achtsamkeit in unseren Alltag integrieren

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Kann Achtsamkeit auch helfen, mit der Angst besser umgehen zu können ?

Achtsamkeit ist eine bestimmte Art des Gewahrseins, so ist es ein erweitertes Gewahrsein u. kein eingeengtes.
In einer Angstsituation fokkusieren sich Betroffene zu sehr auf die Dinge, die diese Angstsituation auslöst.
Was dem Betroffenen dann nicht bewusst ist, dass es sich nicht um ihre ganze Erfahrung handelt.
Bei der Achtsamkeit handelt es sich um ein mitfühlendes Gewahrsein. Ganz im Gegenteil dazu, einem sehr engen
u. eher kritischen Gewahrsein in der Angst.
Betroffene nehmen eine Bedrohung übermäßig bewusst wahr u. oft führt es dazu, dann dem inneren Vermeider zu folgen,
was dann zur Folge hat, dass wir keine, im Bestenfall etwas Neues lernen u. damit positive Erfahrungen machen zu können.

Die KVT (Kognitive VerhaltensTherapie) kann Angstbetroffene gut helfen u. die Achtsamkeit kann als einen Zusatz
in eine solche Therapie mit einfliessen.
Die Achtsamkeit wird genutzt, damit sich Betroffene lernen können, sich besser u. anders auf ihrer Angst zu beziehen.
Zur Königsdisziplin gehört es, dass Betroffene die Fähigkeit entwickeln, die Angstreaktion zu spüren, aber nicht
darauf zu reagieren.
Angstbetroffene lernen sehr schnell bestimmte Erfahrungen zu vermeiden, um sich nicht ängstlich fühlen zu müssen.
Leider geraten wir durch Vermeidung dann immer wieder in den Angstkreislauf u. dies gilt es, diesem schädlichen Teufelskreis
zu unterbrechen.

03.08.2021 20:22 • x 1 #31


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die-I-da

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Vor zwei Monaten wurde mir auf eine sehr einprägsame Weise die Gelegenheit geschenkt, meine Achtsamkeit beim Gehen bewusster wahrzunehmen.

Seit diesem Tag vor zwei Monaten übe ich mich darin, beim Gehen einfach nur das Gehen zu tun. Also nicht Gehen Auslagen schauen, auch nicht Gehen Menschen beobachten oder Gehen großartig Rumdenken.

Wenn ich etwas sehen oder beobachten möchte, dann nehmen ich mir beim Gehen die Zeit und bleibe stehen. Und nach dem Schauen gehe ich wieder weiter.

Irgendwie fühlt sich das für mich gut an, auf diese Weise zu gehen. Nebenbei hat das übrigens auch den Vorteil, dass ich mich nicht mit komischen Blicken so mancher Vorbeigeher*innen abmühen muss. Ich bin einfach ganz bei mir - ich bleibe einfach ganz bei mir.

Es ist so ein schönes Gefühl, einfach mal spontan beim Gehen stehen zu bleiben. Vorausgesetzt natürlich, man geht nicht gerade über eine befahrene Straße Zu spüren, dass man steht, wie sich der ganze Körper anfühlt, wie der Wind einen umweht, welche Gerüche und Geräusche einen umgeben. Es tut wirklich sooo gut . . . einfach nur stehen zu bleiben.

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Und was war vor 2 Monaten?! Ich bin gestolpert und mit
voller Wucht und ungebremst mit dem Gesicht am Boden
aufgeschlagen. Platzwunde, viel Blut, Rettungswagen,
Krankenhaus und eine hübsche Naht bekommen.


Und eben diese Gelegenheit geschenkt bekommen

lg, Ida

03.08.2021 22:45 • #32



Hallo Jedi,

Achtsamkeit in unseren Alltag integrieren

x 3#3


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die-I-da

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Jetzt ist mir noch so eine kleine unfreiwillige Achtsamkeitsübung eingefallen . . .

Diesmal liegt es zwei Jahre zurück . . . Gemeinsam mit einer Bekannten und deren Hund gingen wir spazieren. Es war schon dunkel, wir gingen durch hohes Gras und dieser Trampelpfad machte mich ein wenig unsicher beim Gehen. Der Hund an unserer Seite kannte mich noch nicht - so war es wahrscheinlich auch verunsichert und im Dunkeln etwas nervös.

Lange Rede kurzer Sinn . . . plötzlich biss mir der Hund in den Oberschenkel, nahe der Kniekehle.

Im ersten Moment war ich völlig perplex - das ging so schnell. Wir alle drei(!) waren erschrocken. Meine Begleiterin beteuerte, wie sehr es ihr leid tut, dass der Hund mich biss. Immer wieder sagte sie etwas dazu.

Mir aber kam ab diesem Moment ein ganz anderer Gedanke in den Sinn. Ich sagte zu ihr Weißt du was, ich bin jetzt richtig neugierig. Denn alles, was jetzt geschieht, und wem und was ich ab jetzt begegne, findet nur statt, weil mich der Hund gebissen hat. Und ja, ich traf u.a. im Krankenhaus eine liebe Bekannte, welche ich schon sooo lange nicht mehr gesehen habe

Und so verbrachte ich die nächsten Stunden und Tage ganz neugierig wie ein Kind damit, alles um mich herum ganz besonders wahrzunehmen und zu begrüßen. Denn all das konnte ich ja nur erleben, weil mich dieser nervöse Hund zum Anbeißen liebgewonnen hat.

Diese Weise zu denken, wenn etwas Unerwartetes geschieht, ist für mich eigentlich auch ein Teil der Achtsamkeit im Alltag.

03.08.2021 23:57 • #33


Jedi

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Achtsamkeit ist ein Gewahrsein im jetzigen Moment, denn es gibt immer nur diesen jetzigen Moment
u. der ist Unwiederbringlich. In den Moment, wo ich diesen Satz hier eintippe, ist dieser Moment schon Vergangenheit.
Unser Geist wandert am Liebsten in die Vergangenheit u. sucht häufig da noch nach einer Schuld u. verharrt
in den eher schwierigen Erfahrungen unseres Lebens.
Oder er wandert in die Zukunft u. malt sich aus, was wir noch zu erledigen haben u. was wir noch erreichen wollen.
oftmals gar sollten oder müssten.
Das führt uns weg, vondem was wir gerade tun oder wo wir gerade sind. Wir sind nicht vollständig bei uns u.
nehmen dabei unsere körperlichen u. seelischen Meldungen an uns nicht wirklich war.

Wenn die Angst versucht, die Macht über uns zu übernehmen, dann versuchen wir ihr zu entfliehen, was aber nicht so wirklich funktioniert. Ganz im Gegenteil, verstärken sich eher die Symptome der Angst.
Wir fürchten das, was außerhalb von uns ist u. was wir nicht mehr kontrollieren können.
Plötzlich fehlen uns unsere Leitplanken u. wir möchten unsere Angst gerne ignorieren - doch sie ist schon da.
Was können wir der Angst entgegensetzen ?
Wir können uns darin üben, ganz im gegenwärtigen Augenblick zu kommen - was auch Achtsamkeit genannt wird -
können uns der Angst gewahr werden, uns ihr stellen, um nicht von ihr weiter herumgeschubst zu werden.
Wir können mit einiger Zeit der Übung, unsere Angst in unser Gewahrsein einladen, ohne dabei zu urteilen.
Wir nehmen sie zur Kenntnis, ohne zu versuchen sie zu ignorieren.

Dazu kann eine Achtsamkeits-Übung helfen:
Diese können wir überall anwenden, weil sie zu der Minimal-Meditation gehört.
Wir suchen uns eine bequeme Sitzposition, ob nun zu Hause oder im Job oder suchen uns eine feste Standposition.
Wichtig wäre, dass unsere Füße fest Kontakt zum Boden haben.
Dabei legen wir unsere flache Hand auf den Bereich unseres Bauchnabel - schließen wer mag dabei die Augen
u. achten nur auf unseren Atem - unserem Atemrhythmus.
Wir konzentrieren uns vollkommen auf die Einatmung u. das Ausströmen der Atemluft durch den halb geöffneten Mund
Dann folgen wir bei der Einatmung der Luft - wie fühlt sich die Luft in Nase u. Rachen an kalt-warm-feucht,
nehmen war, wie die Luft in den Körper strömt - wie sich der Bauch u. unsere Hand darauf auf u. ab bewegt.
Villt. bemerken wir schon, wie der Geist sich zu beruhigen beginnt u. unsere Muskelatur sich leicht locker anfühlt,
der evtl. angespannte Nacken u. Schultergürtel wieder beweglicher wird.
Nach ein paar Minuten, dann wieder ganz Präsent sein u. sich auch einmal richtig ausstrecken, die Beine,
wenn wir gestanden haben dann einmal ausschütteln.

Habe diese Übung selbst gemacht, wenn mich unterwegs die Angst wieder überraschte.
Dann habe ich mich in einem Hauseingang oder einer Hauseinfahrt gestellt u. habe ein paar Minuten
dann diese Mini-Meditation gemacht.
Es brauchte einige Zeit der Übung, bis ich mich so aus der Angstumklammerung lösen konnte.
Die Fokussierung darauf, beendete meine Vorstellung u. Wahrnehmung einer Gefahr, die gar nicht vorhanden war.

Achtsamkeit ist eine von noch meheren Möglichkeiten, der Angst nicht Ohnmächtig ausgeliefert zu sein,
so können wir auch der Angst etwas entgegensetzen !

04.08.2021 18:21 • x 1 #34


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Ein wichtiger Teil in der Achtsamkeit ist der innere Bobachter u. darüber möcht ich hier etwas schreiben !

- Was ist der innere Beobachter überhaupt ? -
Der innere Beobachter ist der Aspekt in uns, der Beobachten kann, was wir fühlen - denken u. die Momente
erfassen kann, wo Gefühle u. Gedanken auftauchen !

Wir können so gewahr werden, dass wir beobachten können, dass wir beobachten !
Dieser Teil, der beobachtet, dass wir beobachten, den nennt man auch den inneren Zeugen.
Es ist der Teil, der neutral wahrnimmt, was ist.
Diese Fähigkeit können wir uns zu Nutze machen, wenn wir in etwas verwickelt werden.
Dann können wir uns auf das beobachten des inneren Beobachters zurückziehen u. dadurch innere Distanz bekommen.

Eine Übung dazu wäre einmal zu beobachten, welche Stimmung gerade in Dir vorherrscht,
sie nur wahrnimmst, ohne zu bewerten. Du könntest feststellen, dass Du Deine Stimmung beobachtest u.
Dir dadurch klarer wirst, ich kann meine Stimmung beobachten, aber ich bin mehr als meine Stimmung !

So kannst Du auch Deine Gefühle beobachten, welche Gefühle sind gerade da, ohne sie zu bewerten.
Es wird Dir hierbei auch deutlich werden, ich kann meine Gefühle beobachten, also bin ich mehr als
meine Gefühle !

Was passiert oft in unserem Alltag, wenn in uns schwierige Gefühle sich zeigen ?
Wie versuchen wir darauf zu reagieren;
- sie zu bagatellisieren und nicht wichtig zunehmen
- zu dramatisieren oder übermäßig wichtig zunehmen
- sich überwältigt oder ausgeliefert zufühlen
- verdrängen oder betäuben
- ablenken - aktiv werden
- analysieren, über das Gefühl nachdenken u. versuchen, sich das Gefühl zu erklären
- sich bewerten u. dafür schlecht machen, dass das Gefühl schon wieder auftritt
- Selbstmitleid - jammern u. klagen
- Widerstand, Aggression gegen sich selbst - sich selbst Runtermachen
- sich selbst Anweisung geben, wie, mach die nicht verrückt oder Bleib cool.

Einfach nur wahrnehmen, ohne zu bewerten !
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So verhält es sich auch mit unsren Gedanken, denen wir uns oft ausgeliefert fühlen, wenn wir ihnen
die Macht in unsrem Verstand überlassen habe. Doch wir sind nicht unsere Gedanken - wie haben Gedanken,
denn unsere Gedanken, sind nur der interpretierende Teil von uns !

Sobald wir uns bewusst machen, dass der Geist u. unser Bewusstsein, zwei unterschiedliche Anteile
unseres Seins ausmachen; können wir eine gesunde Distanz zu unseren Gedanken, Gefühlen, Meinungen u.
Wünschen einnehmen !

Stellen wir uns einmal vor, wir sitzen im Kino u. sind Zuschauer des eigenen Films, im gegenwärteigen Moment.
Alles wird von unseren Gedanken, Gefühlen u. körpelichen Empfindungen begleitet.
Doch gibt es eine Wahl, eine andere Möglichkeit, uns nicht mit dem Drama zu identifizieren, gar zu verstricken,
indem wir versuchen, Nicht- Urteilen, sondern in der Zuschauerposition zu bleiben u. nur wahrnehmen.
Wenn wir versuchen uns nicht mit unseren Erfahrungen zu identifizieren, schaffen wir eine Distanz u.
werden nicht so schnell von unseren Gedanken, Gefühlen u. Emotinen überschwemmt.
Versuchen wir nicht an die Angst zu denken, als meiine Angst, sondern nehmen die Angst nur wahr !

Es gibt das Body Scan, aber wir können auch mit dem inneren Beobachter unsere Aufmerksamkeit,
auf den Atem lenken, indem Du die Aufmeksamkeit auf dein spontanes Ein- u. Ausfließen des Atems lenkst u.
so kannst Du mit deiner Aufmerksamkeit auch auf die Berührungsflächen (Hände, Gesäß, Arme, Wade)
deines Körpers gehen.

Dies sind so die ersten Schritte, den inneren Beobachter kennenzulernen u. im zweiten Schritt,
durch u. mit etwas Übung, die Möglichkeiten erfahrbar werden zu lassen, die uns der innere Beobachter (auch im normalen Alltag)
bieten kann !
Weniger Drama im Kopf u. weniger Macht, die wir so oft unsere Gedanken, Gefühle u. Emotionen überlassen.

LG Jedi

06.01.2022 17:17 • x 4 #35

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