Wollte es allen recht machen, habe immer nur funktioniert!

Hallo Forumsmitglieder.
Ich war von eingen Jahren mal hier und dachte, dass es mir gutgeht. Wie man sich täuschen kann.
Ich will hier nicht Mitleid oder so etwas, ich stehe nur vor einer Situation, die ich nicht erklären kann.

Ich bin 55 jahre alt und nun im Vorruhestand. Meine Erwartungen in finanzieller Hinscht waren größer als ich jetzt erfahren habe. Ich habe auf einmal gesehn, dass ich fast mein ganzes Leben nur versucht habe, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Die Erwartungen der Eltern, des Arbeitgebers und der Kollegen. Jetzt sehe ich mich auf einmal völlig wertlos und überflüssig. Ich habe viele Talente und Fähigkeiten, aber ich fühle mich völlig einsam. Wenn man seine Arbeit machen muss ist man gerade gut genaug dafür oder wenn Kollegen ihren Frust abbauen wollen, dann ist man gerade der passende Mann. Aber jetzt ist man Luft, absolut Luft. Ich kann es nicht anders erklären, aber ich fühle mich völlig ausgenutzt. Ich habe zugehört, meine eigenen Ziele zurückgestellt und nur um des lieben Friedens willen auf meine Bedürfnisse verzichtet.
Und jetzt bin ich aufgewacht und stehe vor einem Dilemma das ich nicht mehr rückgängig machen kann.
Ich wollte immer ein guter Mensch sein, aber ich habe mich da verrannt und nun habe ich die Quittung bekommen. Dieses Aufwachen war so grauselig, dass men ganzes Leben vor mir abgelaufen ist. Ich habe das Gefühl, dass alles vorbei ist, dass ich Fehler gemacht habe die nicht mehr zu korrigieren sind. Viele sind auch nicht mehr zu korrigieren.
Ich weiß nicht ob ihr euch das vorstellen könnt, was in mir vorgeht. Ich fühle mich verraten und auch von mir selber verraten. Jemand, der nicht genug auf sich selber geachtet hat, sieht die Trümmer seines Lebens. Von den Eltern sind die Erwartungen da, das Leben ordentlich und vernünftig zu leben, ihnen keine Sorgen zu bereiten und so was in der Art. Und dann wacht man auf und sieht, dass das alles ja ganz nett war, dass aber nichts zurück kommt. Wo ist denn der Erfolg, wenn man ein guter Mensch ist? Man wird ausgelacht und für Naiv gehalten, mehr nicht.
Ich muss dazu sagen, das es mir körperlich gut geht und ich gesund lebe. Aber die Schatten der Vergangenheit liegen auf mir. Ich hatte in der letzten Zeit Stress mit meiner Freundin, sie sagte, dass ich sie zu sehr einenge und kontrolliere. Das habe ich auch gemacht, aber auch wieder wegen der alten Erwartungen immer für sie da sein zu müssen und sie umsorgen zu müssen.
Die Ratschläge, die ich immer bekommen habe, sind einfach nicht gut gewesen und ich kann sie nicht abschütteln. Ich weiss verstandesmäßig was ich machen muss und ich will es ja auch. Aber immer wieder kommen die alten Sachen durch und das frißt mich innerlich auf. Und jetzt habe ich das erst gemerkt, was da abgeht. Ich weuß wie ich es ändern kann. Das schlimme ist eben auch, dass mich mich für meine Jahrzehntelanges falsches Verhalten zu Tode schäme und mich selber vor mir ekel. Ich komme einfach nicht darüber hinweg, wie schlecht ich mich verhalten habe, mir selbst und anderen gegenüber. Aber vor allem mir selbst. Meine Freundin hat immer zu mir gehalten weil sie mich erkannt aht, aber ich habe das nicht kapiert. Ich würde ihr alle Wünsche der Welt erfüllen wenn ich es nur könnte. so sehr liebe ich sie. Aber dass ich so dämlich sein konnte macht mich traurig und wütend und hasserfüllt gegen mich selber.
Ich habe das/unser Leben vor mir gesehen wie ich es gestalten wollte und habe es so viele Male vermasselt. Ich war drei mal in Therapie wegen Depression, aber ich bin nie auch nur in die Nähe dieser Erkenntnis gekommen. Irgendwie haben wir (die Therapeutin und ich ) immer nur an der äußersten Schale gekratzt. Manchmal war ich kurz davor, aber dann wurde es wieder sachlich und schon war es wieder vorbei.
Meine einzige Frage ist es nun, wie ich meine Selbstachtung wiederbekomme. Ich gehe durch meine Wohnung und nichts hat mehr eine Bedeutung. Alles ist irgendwie unwichtig geworden. Als ich 1990 eine Zusammenbruch hatte war ich einer Klinik und wurde dort u.a. wegen des dadruch aufgetreten Asthmas behandelt, und weil keiner so recht wußte, warum ich zusammengebrochen war. Im Nachhinein war mir klar, dass zu viele Konflikte in mir waren, die ich unter einen Hut bringen wollte, aber nicht konnte. Danach habe ich mir die Schuld daran gegeben und irgendwie aufgegeben. Als ich in der Klinik war, da wurde mir klar, wie einsam und verlassen ich in mir selber war. Ich habe mich im Spiegel nicht wahrgenommen. Es war erschreckend, aber ich wußte nicht, was ich machen sollte. Später habe ich den Alltag dann wieder mit alltäglichem gefüllt.
Ich will das jetzt nicht mehr. Ich will nicht mehr irgendwas füllen, nur damit ich unauffällig funktioniere. Es ist erschreckend, es ist wirklich erschreckend. Nichts ist mehr wichtig. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt auf einmal wichtig bin und alles vermasselt habe. Und ich weiß nicht wie ich das wieder reparieren kann. Vielleicht ist es ganz einfach, indem man sich einfach ernst nimmt, seine Bedürfnisse und Gefühle. Vielleicht ist es wirklich so einfach, und gleichzeitig so schwer. Vielleicht stehe ich vor der wichtigsten Sache meines Lebens, jetzt mir 55 Jahren. Alleine dafür könnte ich mich hassen ohne Ende. So viele vertane Chancen und Möglichkeiten. Wie kann man nur so dumm sein. Aber irgendeinen Sinn muss selbst so etwas doch haben!
Ich hatte die Überschrift so gewählt, weil ich wirklich aufgeschreckt bin. Aber mittlerweile denke ich, dass das finanzielle wirklich das kleinste Übel ist. Es wird vielleicht deswegen so hoch gewertet, weil es ein meßbare Größe ist, und daher einfach zu handhaben. Das andere ist millionenfach größer, die Achtung vor mir selber, die ich dann auch genau so weitergeben kann an meine Freundin oder andere liebe Menschen. Meine Freundin versteht das alles, sie hatte vor 18 Jahren ihre Schwester verloren durch eine Krebserkrankung. Ich kann so viel von ihr lernen, und ich will diese Chance aufgreifen.
Wenn ihr das lest, dann mag es vielleicht verworren sein, aber es dreht sich im Moment alles in mir. Ich sehe im Moment nicht, wie es weitergehen wird. Ich mußte das alles mitteilen, weil mein Kopf sonst geplatzt wäre. Ich bin selber ein guter Zuhörer und ich wünsche mir nur, dass irgendjemand das versteht, mehr nicht. damit ich mich nicht so ganz alleine fühle. Ich würde auch jedem anderen Mut zusprechen wenn ich könnte, wenn er da wäre, vor mir sitzen würde.
Ich weiß nicht wie ich das beenden soll. Danke, dass ihr mir zuhört/lest.
Lordvader

30.12.2015 20:00 • #1


achtsamkeit
Hallo Lordvater,

deine Vergangenheit erdrückt dich ja geradezu, aber es sind deine Gedanken und nicht das was du aus deiner Sicht falsch gemacht hast. So wie du gelebt hast war es in dieser Zeit für dich okay, Und glaube mir, du wirst sehr vieles gut gemacht haben!. Es ist jetzt der Zeitpunkt für dich, deine Vergangenheit wirklich hinter dir zu lassen. Was war ist vergangen und du kannst daran nichts mehr ändern, dich nur gedanklich quälen. Also lasse das Vergangene los! Lebe im hier und jetzt.
Vielleicht würde es dir helfen, wenn du lernst zu meditieren. Dazu werden ja Kurse angeboten. Und erwarte nichts von anderen Menschen weil du dich nach ihnen richtest. Schau in dein Inneres .

Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht mehr, die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben ist hier und jetzt. Buddha



LG Achtsamkeit

31.12.2015 10:56 • #2


Hallo Achtsamkeit.

Vielen Dank für deine Antwort.
Vielleicht liegt der Sschlüssel in dem Spruch, dass man nur das Jetzt beeinflussen kann. Es war mein Fehler zu viel in die Sicherheit zu legen. So als wenn man schon jetzt die Zeit in 20 Jahren absichern kann. Niemand weiß was als nächstes passiert und ich denke es sind die Angsthasen, die alles abgesichert haben möchten. Eltern möchten immer, dass ihr Kinder irgendwie sicher sind, vor Arbeitslosigkeit oder anderem. Ich habe jetzt erkannt, dass es keine richtige Sicherheit gibt, und dass man vieleicht auch manchmal flunkern muss. Als ich damals Beamter geworden bin hatte ich ein flaues Gefühl. Im Grunde wollte ich das nicht, weil ich noch so viele andere Pläne und Talente hatte. Die Talente habe ich immer noch und auch zum Teil wiederentdeckt. Zeichnen, Malen, Musizieren, Modellbau. Aber auch das "sich präsenentieren". Klingt komisch , bedeutet aber, dass ich mich jetzt schikcer anziehe und einfach zeige, dass es mich gibt. Ich habe erkannt, dass es kein Angeben oder Wichtigtuen ist, wenn man einfach nur zeigt, dass man da ist. Und dass man auch gewisse Sachen einfordern kann, wie Achtung, Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Das war mir nähmlich abhanden gekommen. Sehr sogar.
Ich habe das Gefühl, dass jetzt ein Leben beginnt, dass man spüren kann. Ich kann das gar nicht ausdrücken, was da vorgeht. Wie nach 30 Jahren Koma aufzuwachen und zu spüren, dass die Sonne die Haut wärmt.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich Verrückt bin, wenn ich das so schreibe. Und ich hatte auch oft das Gefühl, Verrückt zu werden. Da sieht man sich Action - Filme an und meint, dass das ganz schön heftig ist, was da passiert. Aber was mir im Moment passiert sprengt alle Vorstellungskraft. Das ist wie ein surrealer Streifen, abgedreht, schrill, kaum zu verstehen und trotzdem höchst interessant. Mehr davon!
Man sagt ja, dass das Bauchgefühl unbeirrbar ist und das einem vieles auf dem Magen schlägt. Mir schlägt das überhaupt nicht auf den Magen. Das habe ich bisher nicht verstanden. Vielleicht ist es ja doch alles gar nicht so schlecht, wie es im Moment läuft.
Vielen Dank für dein Verständnis "Achtsamkeit" und alles Gute.
Lordvader.

01.01.2016 22:07 • #3


Hallo zusammen.
Es ist einige Zeit ins Land gegangen. Es war alles so la la. Das schlimmste ist, dass ich so lange keinen Mut hatte was zu machen. Als wenn man von seiner Umwelt totgemacht wird. Keine Fragen, keine Ideen, keine Motivation. immer schön ruhig bleiben und keinen Stress bereiten.
Ich habe keine Lust mehr dazu, ruhig zu sein !!!!!!!!!!
Ich will nicht mehr der liebe Junge sein, der es allen recht macht und immer brav ist. Nur damit andere ihre Ruhe haben? Sie wollen sich doch gar nicht damit beschäftigen. Sie wollen keine unbequemen Fragen haben, sie wollen sich nicht mit etwas auseinandersetzen, worauf sie keine Antwort parat haben. Sie wollen immer alles wissen und vor allem besser wissen!
Ich habe dazu keine Lust mehr. Echt nicht. Ich weiß nicht, wie ich das anders sagen soll, aber immer nur zurückhalten lässt einen innerlich absterben. Ich habe heute Gejoggt und war nach langer Zeit mal wieder richtig flott unterwegs. Es konnte mir gar nicht schnell genug gehen. Am liebsten wäre ich volle Pulle gelaufen und hätte alles hinter mir gelassen. Alles. dieses verdammt Heile -Welt- Gelaber. Immer schön ruhig sein und Alles -unter -Kontrolle -haben -wollen. Das ist völliger Unsinn, niemand weiß was im nächsten Moment passiert.
Ich hasse das inzwischen wie die Pest. Ich wiege 88 Kilo bei 172 cm. Das ist zu viel. Ich würde am liebsten Morgen schon schlank sein. Ich weiß, dass ich damit vielen aus der Seele spreche, aber es ist nicht nur das Körpergewicht, es ist die seelische Belastung, die ich loswerden will.

Bitte sagt mir, dass ihr das versteht, es ist mir echt wichtig.
Dieses ganze immer brav -und -ein -guter -Mensch -sein zerstört einen. das geht nicht gut. Es ist unmenschlich.
Irgendwas ist heute mit mir passiert bei dem Lauf.
Immer nur gut sein kann man nicht. Ich würde jetzt so gerne mit jemandem reden oder dass er einfach nur da ist. Dass er keine Ansprüche hat, keine Erwartungen hat, keine Vorwürfe hat.
Am liebsten würde ich meinen Kopf freiblasen und nur noch "richtig" leben.
Mit ist eiskalt. Aber ich will endlich leben. Und wenn ich wieder sozusagen bei Null anfange, das ist mir egal. Immer noch besser als das alles mitzuschleppen.
Ich habe vor Jahren Therapien gehabt, insgesamt 3 Stück. Die haben nicht mal ansatzweise das zu Tage gebracht, was ich hier herausgefunden habe. Dabei war es im Grunde gar nicht schwierig. man gesteht es sich nicht ein, das ist der springende Punkt. Man macht sich was vor, und das zerstört sie Seele.
Besser man stellt sich dem Schrecken, als dass man alles in sich mitschleppt. man meint, dass man das alles irgendwann verarbeiten kann, aber man vergisst den Grund für die dunklen Gedanken und das macht einen verrückt.
Ich will leben.
Ich habe den Namen Lordvader seinerzeit ausgewählt, weil die Figur seine Kräfte nicht richtig kontrollieren konnte und daran gescheitert ist. Ich mache es besser und sehe in den höllischen Abgrund und stelle mich ihm. das ist immer noch besser, als in dem Abgrund zu verbrennen.

Ich brauche jetzt unbedingt euren Zuspruch. Ich möchte jedem mitteilen: Gebt niemals auf ! Niemals.
Man kann nicht stark genug sein. Auch wenn es einfach scheint, es ist nicht einfach. Lieber einmal mehr kämpfen als im falschen Moment zaudern.

14.03.2016 19:29 • #4


Hallo.
Es wird immer schlimmer. Alles ist unwichtig geworden. Aber ich erkenne, dass es vieles gibt was wichtig ist. Ich habe den falschen Götzen nachgeeifert. Und das verrückte ist, ich habe es gewußt. Und trotzdem habe ich das falsche gemacht und zugelassen. Wie kann man das nur machen? Ich sitze hier und Heule und bedaure mich selber und ärgere mich über mich selber. Wie kann man nur so dumm sein? Ich wünschte ich wäre tot, dann würde ich den Schmerz nicht spüren müssen. Als ich die Fehler gemacht habe, da habe ich gespürt dass etwas nicht richtig ist und ich habe das schlechte Gefühl einfach unterdrückt. es war auch eine art Schmerz, aber das was hier passiert ist nichts dagegen. Das ist Hölle. Viele werden mir zustimmen, dass es ihnen auch schon einmal so ergangen ist. Ich habe wegen meines "Fehlverhaltens" ein bequemes Leben gehabt. Aber es war immer etwas im Hinterkopf, was genagt hat. Jetzt bricht das hervor und es ist wie ein Orkan. Ich dachte, dass ich es richtig mache und habe mich immer über Mitmenschen gewundert, die mich irritiert angesehen haben. Aber ich denke, die haben etwas gesehen, was ich nicht erkannt habe. Sie haben gesehen, dass mit mir etwas nicht stimmt. Jetzt erkenne ich es auch, endlich.
Ich fühle mich wie jemand, der durch einen verschuldeten Unfall einen Menschen totgefahren hat. So schlecht fühle ich mich. Ich habe mich selber fast kaputtgefahren. Und nun habe ich das Gefühl unendliche Schuld auf mich geladen zu haben. Es ist ein Schmerz, schlimmer als alles, was ich mir jemals vorstellen konnte. Alles ist unwichtig geworden. Ich will mich nicht bemitleiden. Wenn es eine Lösung gibt dann werde ich sie anwenden. Jeder Hollywood Blockbuster ist ein Kinderfilmchen dagegen was mit mir im Moment passiert. Ich möchte alle Fehler am liebsen sofort wieder eleminieren.
Ich wollte immer wieder Laufen und mich fit machen aber es oft nicht geklappt. Ich laufe jetzt wieder seit 2 Monaten und es klappt einfach. Ich habe seit 35 Jahren mit Unterbrechungen immer zugenommen und es war einfach kein Stopp dort hinein zu bekommen. Und jetzt esse ich weinger, ich nehme ab und habe schon 15 Kilo verloren. was ist denn nur los? Ich verstehe das alles nicht. Warum hat das andere nicht geklappt? Was ist das für ein Test? Durch welche Hölle muss ich noch gehen? Ist das so? Ist das , das Leben?

Sorry für diese blöde Sache, wahrscheinlich werden fast alle Menschen das schon viel früher erlebt haben oder viel erwachsener sein als ich es bin. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt erst erwachsen werde, so verstehe ich es zumindest.

Lordvader

24.03.2016 18:19 • #5




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