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Wie fühlt sich verliebt sein mit Depressionen an?

greenberry94

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Hallo, kurz zu mir. Ich bin 27 Jahre alt und vor knapp 2 Jahren wurden bei mir schwere bis mittelschwere Depressionen festgestellt. Seitdem befinde ich mich in Therapie und mache auch wahnsinnige Fortschritte. Das Thema Liebe ist aktuell noch das, was mir am meisten zu schaffen macht. Ich kann mich leider nur sehr schwer auf jemanden einlassen. Ich habe vor 1,5 Monaten jemanden kennen gelernt. Ich hatte anfangs ein wahnsinniges verliebtheitsgefühl, was inzwischen stark nachgelassen hat. Ich fühle mich in seiner Gegenwart jedoch sehr wohl und möchte das ganze auch nicht einfach so abbrechen. Meine Frage an euch, wie fühlt sich verliebt sein bei euch an? Wieso war das Gefühl am Anfang da und jetzt nicht mehr ich verzweifel langsam. Ich hätte so gern ein gutes Gefühl dabei aber ich denke mir alles kaputt - oder liegt es evtl doch daran, dass ich gar nicht verliebt bin? Habe auch nicht das Bedürfnis die ganze Zeit in seiner Nähe sein zu wollen oder rumzumachen. Bin auch eure Erfahrungen gespannt. Vielen Dank

06.08.2021 19:23 • x 1 #1


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Pilsum

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Guten Morgen greenberry,

wenn Du in Deiner Therapie große Fortschritte machst, freut mich das sehr für Dich.

Schön wenn Du jemanden kennengelernt hast, den Du besonders magst und in dessen Nähe
Du Dich richtig wohl fühlst.
Verliebt sein wird sich bei Menschen oft sehr unterschiedlich anfühlen. Das hängt vermutlich
davon ab, welche Gefühle man in sich zulässt.
Deswegen glaube ich weniger, dass sich verliebt sein anders anfühlt, wenn man unter Depressionen leidet.

Zitat von greenberry94:
Wieso war das Gefühl am Anfang da und jetzt nicht mehr ich verzweifel langsam. Ich hätte so gern ein gutes Gefühl dabei aber ich denke mir alles kaputt - oder liegt es evtl doch daran, dass ich gar nicht verliebt bin?


Könnte es vielleicht sein, am Anfang hast Du die verliebten Gefühle zugelassen.
Mit der Zeit kommen nun jedoch häufiger wieder andere Gefühle hervor. Das sind Zweifel, Ängste
und Unsicherheit. Und mit solchen Gefühlen und Gedanken kann man sich leicht schöne Momente
kaputtdenken.
Wenn Du gern ein gutes Gefühl hättest, wenn Du bei Deinem Partner bist, dann versuche es Dir zu
erlauben und sage Dir, dass es ok ist, wenn Du bei ihm bist.

Viele Grüße

Bernhard

07.08.2021 09:03 • x 2 #2



Hallo greenberry94,

Wie fühlt sich verliebt sein mit Depressionen an?

x 3#3


Donna

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So ähnlich geht es mir auch. Ich kann dir gar nicht helfen nur selber nach Hilfe fragen. Es tut mir leid..

Ich habe auch seit ungefähr 1 1/2 Monaten einen wundervollen Menschen kennengelernt, wir sind sogar schon zusammen, obwohl wir beide am Anfang wollten, dass wir es langsam angehen, damit niemand verletzt wird, vor allem sie nicht. Das ist mir wichtiger.
Jetzt ist es doch passiert. Ich wollte es unbedingt.. Meine Schuld..

Sie sagt mir, dass sie sich verliebt hat und ich wünsch es mir auch so sehr aber da kommt nichts. Keine Schmetterlinge, kein schneller Herzschlag, keine liebe, keine aufkommende Hitze.
Wir sagen uns hab dich lieb, obwohl sie schon 3 vier mal meinte, dass sie mich schon liebe.
Das kann doch nicht sein?
Manchmal denk ich mir, Lüge ich? aber es ist doch mehr als nur Freundschaft. Will keine Freundschaft. Ich will sie.
Egal was sie sagt, ob komplimente oder liebes Geständnisse. Ich empfinde nichts. Ich kann es einfach nicht annehmen.

Es gibt ausnahmen, wenn wir sind uns körperlich nahe sind. Dann sagt sie mal Ich liebe dich aus dem Nichts und ganz kurz. Nicht ungut oder besonders schön, breitet sich ganz kurz etwas in meiner Brust Gegend aus aber danach ist es weg, 1 sek vielleicht. Egal wie viel Nähe oder liebe sie mir danach schenkt.

Sie ist da genau anders, Worte und Berührungen geben ihr das gefühl, geliebt zu werden, trotzdem fühlt sie sich abgelehnt, weil ich manchmal nichts erwidern kann oder traurig ausschaue aber meistens bin ich einfach nur enttäuscht von mir und verzweifelt.

Wir sind offen und ehrlich aber wenn es um diese Art Gefühle geht kann ich einfach nicht ehrlich sein, weil sie es persönlich nimmt, an sich zweifelt, sich hässlich fühlt, sich nicht geliebt fühlt aber ich mag sie doch sehr. Fühl mich sehr wohl in ihrer Nähe. Mehr als wie einen Freund. Sonst wären wir uns doch nicht so nahe?

Sind das die Depressionen? Ist es weil keine Liebe da ist? Ist es der Druck oder die Angst wieder zu versagen, verletzen und zu enttäuschen?

Ja alle sagen, dein zukünftiger Therapeut kann dir das sagen aber der ist noch nicht da.
Warteliste.

Viele Grüße
Greenyberry und Entschuldigung, dass ich dir auch nicht helfen kann..

23.09.2021 12:46 • #3


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aurora333

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So richtig Schmetterlinge im Bauch und in ihm ( in der Schweiz spricht mal von Schulschatz oder so) ernsthaft den Märchenprinz sehen gelang mir eigentlich nur als Teenager, ich war 13 oder 14 Jahre jung. Später als es darum ging eine eigene Familie zu gründen - was für mich total wichtig war, weil meine Ursprungsfamilie keinen solchen Halt bot - begannen schon rationale Partnerwahlgedanken bei den Gefühlen mit zu mischen. Was deshalb etwas auf Kosten der grandiosen Verliebtheitsgefühle ging.

Inzwischen (. 60+) fände ein Teil von mir schon fast naiv, wenn ich mich völlig und total in jemanden vergucken würde ohne einige wichtige Eigenschaften des potentiellen Partners zu kennen. Auch wenn ich schon von glücklichen Paaren hörte, die sich noch im hohen Alter in einander zärtlich verliebten ( gönne es ihnen von Herzen ) ,würde ich das wohl gar nicht wollen. So eine Art Hingabe würde mir vermutlich eher Angst einflössen.

Was aber nicht heisst, dass ich keine Freundschaften zu Männern eingehe, bzw. nähere Kontakte pflege. Dazu gehört auch unbedingt, mehr denn je, meine guten, positiven Eindrücke mitzuteilen, und ich freue mich auch und bin dankbar, wenn das Gegenüber mir die seinerseits in Bezug auf mich sagt ! Da würde ich nie mehr geizen ): Mehr denn je schätze ich Komplimente aller Art und bin auch selbst grosszügiger im Verteilen diesbezüglich geworden. Früher war das überhaupt nicht so: es gab eine Zeit in der ich sogar die absurde Überzeugung dass eine konfliktfreie Beziehung suspekt ist vertrat.Heute sehe ich das anders obwohl mein Freundeskreis schwieriger als früher ist.

Wie weit diese emotional übers Älterwerden gewachsene Vorsicht mit meiner Angststörung ( die ja auch depressiv macht) zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Manchmal denke ich, ich sei einfach realistisch , ohne wirklich zu bedauern dass ich weder High-Gefühle im Sinn von Verliebtheitsgefühle spüre. Dann denke ich, dass dieses Unvermögen wahrscheinlich vor allem den negativen Beziehungserfahrungen ( die ich leider zur Genüge hatte) zu verschulden ist. Dass ich das jetzt halt akzeptieren lernen sollte, so wie ich mit den restlichen Narben und bleibenden Schäden je länger je besser lerne umzugehen.

Es kommt dennoch immer wieder vor, dass ich einen festen Partner ( sozusagen zum gemeinsam Altwerden) suche, obwohl ich ziemlich sicher weiss, dass ich halt ( nicht zuletzt wegen der Medikamente, die ich jedoch trotz Therapie etc. benötige) wohl auch da ev. gedämpfter bin. Ich vertraue jedoch auch irgendwie darauf, dass wenns stimmt, dieser Mensch meine Zuneigung spüren wird. Sowieso kann ich mir heute nur noch eine länger anhaltende Beziehung vorstellen, wenn beide sich selbst sein und vor allem auch so weit zeigen getrauen, dass Themen wie Du liebst mich mehr als ich Dich, Du sagst mir nie explizit .ich liebe dich. etc. etc. nicht mehr zur Debatte stehen. Diese - vielleicht Illusion -ist mein neuer Traum...

Ihr lest, was was bewirkt ist schwer zu sagen...das sind so die Gedanken die beim Lesen Eurer Beiträge kamen..

05.11.2021 23:01 • x 2 #4


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Stromboli

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Zitat von greenberry94:
Hallo, kurz zu mir. Ich bin 27 Jahre alt und vor knapp 2 Jahren wurden bei mir schwere bis mittelschwere Depressionen festgestellt. Seitdem befinde ...


Liebe greenberry
Ich glaube, du kannst schon davon ausgehen, dass die Depression sich über die Verliebtheitsgefühle legt und sie quasi erstickt. Oder dass dies mindestens ein wichtiger Grund ist, dass du nichts mehr spüren kannst.
Depressionen haben fast immer damit zu tun, dass unsere natürlichen, kindlichen Gefühle nicht sein durften, abgelehnt, beschämt oder ignoriert wurden, und dass wir unbewusst zur Überzeugung gelangt sind, unsere Gefühle sind nicht okay und außerdem gefährlich. Hauptmerkmal von Depressionen ist die Leere und Verzweiflung, die entsteht, weil man nichts mehr fühlen kann oder darf.
Den Grund darfst du nicht im Heute oder in deiner aktuellen Partnerschaft suchen. Damit hat es fast sicher nichts zu tun. Das kommt von früher her. Bewirkt aber leider, dass du jetzt immer noch unbewusst grosse Angst vor den starken Liebesgefühlen hast und sie deshalb unterdrückst.
Für mich war und ist genau das sozusagen mein Lebensthema Nummer eins. Als junger Mann war ich ihm hilflos ausgeliefert, bei mir waren es massive Angststörungen, die bei Verliebtheit nach kurzer Zeit auftraten. Sie mündeten dann auch in Depressionen und erstickten die Verliebtheit. Durch sehr viel Therapie hat sich das über die Zeit größtenteils gelöst. Es braucht viel Geduld und Ausdauer, eine vertrauensvolle Therapiebeziehung ... und dann sollte primär die Liebe zu dir selbst, zu dem verzweifelten Kind in dir wieder entstehen, so dass du dich für keine Gefühle mehr schämen oder dich vor ihnen ängstigen musst.
Solltest du jetzt denken, du schämst oder ängstigst dich gar nicht vor deinen Gefühlen, auch das ist oft typisch bei Depressionen. Auch Angst und Scham sind so stark verdrängt, dass einfach gar nichts mehr fühlbar ist.
Alles Liebe, Stromboli

06.11.2021 08:56 • x 2 #5

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