Wenn die Depression den Partner unerreichbar macht

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Tine0319
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Ich muss mir heute einfach mal ein bisschen etwas von der Seele schreiben. Vielleicht habe ich ja Glück und finde hier Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken oder etwas Vergleichbares erlebt haben und mit denen ich mich austauschen kann.

Mein Partner leidet an Depressionen und einer diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Das wusste ich bereits kurz nach unserem Kennenlernen vor drei Jahren. Er hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, sondern war von Anfang an offen und ehrlich zu mir. Und ich finde, das ist alles andere als selbstverständlich.

Auch ich habe meine eigenen Baustellen und Triggerpunkte, die sich zum Teil deutlich von seinen unterscheiden. Aber wir haben im Laufe unserer Beziehung gelernt, damit umzugehen, gegenseitig Rücksicht zu nehmen und einander zu verstehen.
Mein Partner hat eine Vergangenheit, die von Gewalt und mehreren schweren Übergriffen geprägt ist. Seine Depression ist keine kleine Phase, in der es einem einfach mal schlecht geht. Er hat bereits im jungen Erwachsenenalter mehrere Suizidversuche unternommen, weil seine damalige Lebenssituation für ihn so ausweglos erschien. Und trotzdem hat er es geschafft, sich wieder ins Leben zurückzukämpfen.

Später hat er geheiratet und mit seiner damaligen Frau Drillinge bekommen. Als sie ihn betrog und er eines Tages in ein vollkommen leer geräumtes Haus zurückkehrte, weil sie mit den Kindern ausgezogen war, verschlimmerte sich seine Depression erneut. Er entschied sich damals freiwillig für einen Aufenthalt in der Psychiatrie, nahm Hilfe an und schaffte es ein weiteres Mal, sich aus diesem tiefen Loch herauszuarbeiten.
Erst danach haben wir uns kennengelernt. Seit drei Jahren erlebe ich nun, wie dieser Mann darum kämpft, seine Kinder sehen zu dürfen. Immer wieder werden ihm neue Steine in den Weg gelegt. Anzeigen, Verfügungen, Gerichtsverfahren, Vorwürfe, Erziehungsunfähigkeit aufgrund seiner Krankheit, Beeinflussung der Kinder, Fernhalten, Schlechtreden.
Beim letzten Gerichtstermin ist vieles schiefgelaufen. Ich empfinde das alles mittlerweile als unglaublich ungerecht. Es gibt Väter, die keinerlei Interesse an ihren Kindern zeigen, und hier ist ein Vater, der seit Jahren verzweifelt darum kämpft, am Leben seiner Kinder teilhaben zu dürfen.
Eigentlich sollte nun endlich eine Wiederanbahnung des Umgangs stattfinden. Nach mehr als zehn Monaten ohne persönlichen Kontakt sollte er seine Kinder im Rahmen eines begleiteten Umgangs endlich wiedersehen dürfen.
Doch seit letzter Woche ist er an einem Punkt angekommen, an dem er, wie er selbst sagt, einfach aufgegeben hat.
Und ich weiß gerade nicht, wie ich damit umgehen soll.

Am vergangenen Sonntag stand er morgens auf und sprach plötzlich kein Wort mehr mit mir. Den ganzen Tag nicht. Ich versuchte vorsichtig, ihn anzusprechen, aber er wich mir aus.
Ich kenne das von ihm, dass er manchmal Abstand braucht, um mit seinen Gedanken und Gefühlen zurechtzukommen. Und ich weiß auch, dass es dann wichtig ist, ihm diesen Raum zu geben. Also ließ ich ihn an diesem Sonntag in Ruhe, ohne immer wieder nachzufragen oder eine Erklärung für seinen Rückzug zu verlangen.

Am Montag fuhr ich zur Arbeit. Irgendwann kam eine Nachricht von ihm, in der er sich entschuldigte, dass er momentan nicht für mich da sein könne.
Wir warten schon unglaublich lange auf einen geeigneten Therapieplatz für ihn und haben in dieser Zeit wirklich viele Wege versucht. Vor einigen Wochen war sein Zustand so schlecht, dass wir gemeinsam in die psychiatrische Notaufnahme gefahren sind, weil er es einfach nicht mehr ausgehalten hat. Dort wurde er schließlich auf die Warteliste für eine stationäre Aufnahme gesetzt.
Und ausgerechnet an diesem Montag kam endlich der ersehnte Anruf: Er hatte einen Platz bekommen und sollte am nächsten Morgen aufgenommen werden.
Natürlich schrieb ich ihm die Nachricht sofort über WhatsApp. Keine Reaktion.
Als ich abends nach Hause kam, lag er schlafend auf dem Sofa. Da er seit Wochen kaum noch richtig schlafen konnte, brachte ich es nicht übers Herz, ihn zu wecken. Ich war einfach froh, dass er endlich einmal etwas Schlaf bekam.
Am Dienstagmorgen sollte er um 9 Uhr in der Klinik sein. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt seit Samstagabend praktisch kein Wort mehr miteinander gesprochen.
Ich packte einige Sachen für ihn zusammen und ging anschließend zu ihm ins Zimmer, um ihm zu sagen, dass wir gleich losfahren müssten. Aber er stand nur wortlos auf, ging in ein anderes Zimmer und schloss die Tür.
Ich wartete einen Moment und ging ihm dann noch einmal hinterher, weil ich einfach verstehen wollte, was los war. Er schickte mich aus dem Zimmer. Er wollte nicht mehr in die Klinik. Wofür auch? Es würde doch sowieso nichts bringen.
Er sagte, dass er aufgegeben habe. Dass er keine Kraft mehr habe, weiterzukämpfen. Dass er das Sorgerecht abgeben und seine Kinder einfach in Ruhe lassen wolle. Und nicht nur das: Auch mit seinem Sport und seiner Musik, zwei Dingen, die ihm immer unglaublich viel bedeutet haben, wolle er aufhören. Ich war vollkommen fassungslos und verzweifelt.

Nach all den Monaten, nach unzähligen Krisen, nach so vielen Versuchen, professionelle Hilfe zu bekommen, war endlich ein Platz in einer Klinik frei, in der er eine längerfristige stationäre Behandlung beginnen konnte. Und jetzt wollte er nicht mehr?!
Ich versuchte, ihn irgendwie dazu zu bewegen, doch mit mir dorthin zu fahren. Aber ich merkte sehr schnell, dass ich damit nur noch mehr Druck aufbaute. Er wurde zunehmend aggressiv und ich wusste in diesem Moment, dass nichts von dem, was ich sagen würde, bei ihm ankommen konnte. Also respektierte ich seinen Wunsch und ließ ihn in Ruhe.
Ich telefonierte mit der Klinik und konnte zumindest erreichen, dass er noch bis 12 Uhr zur Aufnahme erscheinen durfte. Für den Fall, dass er es an diesem Tag nicht schaffen würde, vereinbarte ich, dass er auf der Warteliste bleibt und bei einem neuen freien Platz erneut angefragt wird.
Ich schrieb ihm das alles über WhatsApp. Und ich schrieb ihm auch, dass es nicht schlimm sei, wenn er gerade noch nicht bereit dafür wäre. Dass wir gemeinsam einen anderen Weg finden würden, wenn die Zeit dafür gekommen sei.
Seine Antwort hat mir das Herz gebrochen.
Er schrieb, dass ich es einfach nicht verstehen würde. Dass er keine Kraft mehr habe und nicht mehr wolle. Er wolle einfach nur in Ruhe gelassen werden. Er versicherte mir zwar, dass er sich nichts antun würde, aber er wolle seine Ruhe. Auch vor mir!
Und dann schrieb er noch etwas, das mich unglaublich getroffen hat: Wir wüssten doch beide, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis ich ihn sowieso verlassen würde.
Dabei könnte nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein. Es ist so unglaublich schwer, das gerade auszuhalten.

Dieser Mann, den ich kenne und liebe, ist eigentlich ein ganz anderer. Er ist hilfsbereit, liebevoll, zuvorkommend und rücksichtsvoll. Er denkt oft zuerst an andere, bevor er an sich selbst denkt. Er hat fast immer ein Lächeln im Gesicht, selbst dann, wenn es ihm innerlich schlecht geht. Und jetzt sitzt er seit vier Tagen vollkommen zurückgezogen in einem Zimmer, wirkt apathisch und starrt teilweise einfach nur vor sich hin.
Seit vier Tagen haben wir, abgesehen von der kurzen Auseinandersetzung wegen der Klinikaufnahme, kein richtiges Wort mehr miteinander gesprochen. Wenn ich versuche, ihn anzusprechen, verlässt er den Raum.
Wir wohnen zusammen. Wir sind nur wenige Meter voneinander entfernt. Und trotzdem muss ich ihm eine WhatsApp-Nachricht schreiben, um ihn überhaupt noch erreichen zu können!
Ich habe ihm noch einmal geschrieben, dass ich seinen Wunsch nach Ruhe respektiere. Dass ich nichts klären, nichts besprechen und ihn zu nichts drängen möchte. Dass ich da bin, wenn er mich braucht. Und dass ich ihn liebe und nicht vorhabe, ihn zu verlassen.

Mehr kann ich im Moment offenbar nicht tun. Und genau das macht mich so hilflos. Meine größte Angst ist, dass er mich von sich wegstößt, weil er glaubt, ich wäre ohne ihn besser dran. Oder weil er so fest davon überzeugt ist, dass ich ihn irgendwann sowieso verlassen werde, dass er diesen Schritt lieber selbst vorwegnimmt, um sich vor einer weiteren Verletzung zu schützen.
Ich habe Angst, dass seine Erkrankung und all die schlimmen Erfahrungen aus seiner Vergangenheit ihm gerade einreden, dass er für niemanden mehr gut genug ist. Dass er nichts mehr wert ist. Dass es keinen Sinn mehr hat, weiterzukämpfen.
Dabei sehe ich einen Menschen, der schon so unglaublich viel durchgestanden hat. Einen Menschen, der immer wieder aufgestanden ist, obwohl das Leben ihm wirklich viel zugemutet hat.

Ich wünsche mir so sehr, dass er wieder ein kleines bisschen Hoffnung findet. Dass er vielleicht in ein paar Tagen, in einer Woche oder auch erst in einem Monat wieder einen kleinen Schritt auf mich zugehen kann.
Ich erwarte nicht, dass plötzlich alles wieder gut ist. Ich erwarte nicht, dass er funktioniert, dass er mich anlächelt oder dass er mir erklärt, was gerade in ihm vorgeht. Ich möchte einfach nur, dass er weiß, dass er nicht allein ist.
Und trotzdem sitze ich hier und frage mich, ob ich wirklich das Richtige tue.

Ob ich ihm genügend Raum gebe oder ob ich ihn dadurch noch mehr in seinem Rückzug bestärke. Ob ich ihn ansprechen sollte oder ihn damit nur noch weiter von mir wegtreibe. Ob er irgendwann wieder auf mich zukommt oder ob er innerlich bereits dabei ist, sich von allem und jedem zu verabschieden.

Ich möchte so viel tun. Ihm helfen, ihn auffangen, ihm irgendwie ein Stück von dieser Last abnehmen. Aber ich kann es nicht!
Stattdessen sitze ich einen Raum weiter, versuche stark zu bleiben, respektiere seinen Wunsch nach Abstand und hoffe, dass er irgendwann wieder die Kraft findet, mich ein kleines Stück an sich heranzulassen.

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