80

Wege aus der Einsamkeit?

Momo58
Kürzlich habe ich mir aus unserer Stadtbücherei ein Buch ausgeliehen: "Einsamkeit überwinden - Freunde finden" (siehe auch Foto). Das Buch gliedert sich in folgende Teile auf: "Was ist Einsamkeit?", "Selbstreflexion - Was weiß ich über mich und meine Einsamkeit?" und "EASE - Kontrolle über das eigene Leben zurückgewinnen". Die Autorin widmet der Selbstreflexion viel Platz, z. B. "Welches Bindungsverhalten habe ich als Kind gelernt?" oder "Welche Glaubenssätze habe ich?". Begründet wird dies damit, dass ich zuerst mein eigener Freund sein muss, bevor ich im Außen Freunde finde:
Zitat:
Mehr Selbstfürsorge im Alltag
Wer glaubt, sein Einsamkeitsproblem durch viele neue Kontakte lösen zu können, der irrt. Isolation basiert oft auf der eigenen Einstellung zu sich selbst. [...] Wenn ich es schaffe, mich selbst zu akzeptieren und zu mögen, dann kann ich dieses Gefühl auch auf andere übertragen. Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind, haben zudem eine Ausstrahlung, die sie für andere interessant macht. Nur wenn Sie sich selbst lieben, können Sie auch von anderen wertgeschätzt werden (Seite 68)

Es gibt deshalb viele Vorschläge, wie man mehr Selbstfürsorge praktizieren kann. Ein Kapitel widmet sich ausführlich dem "Zürcher Ressourcen Modell (ZRM), eine Selbstmanagement-Methode, mit der man ungeliebte Verhaltensweisen durch gewünschte ersetzen kann. Neben praktischen Beispielen im Buch, findet man dazu auch im Internet Arbeitsblätter und Fragebögen der drei Beispielpersonen sowie weitere Tipps: http://www.silkeweinig.com/einsamkeit-u...e-gewinnen
Fazit: Ein Buch, das viele praktische Impulse enthält, wie man sich dem Thema Einsamkeit und Isolation nähern kann. Die konkreten Schritte, die vorgeschlagen werden, muss man wie bei allen Ratgeber-Büchern selbst gehen.

x 3 #31


HDD
Wer des Englischen mächtig ist und eine (in meinen Augen sehr einleuchtende) Kurzanleitung haben möchte, wie man als erwachsener Mann Freunde findet (ist sicher auch für Frauen interessant, denn die Prinzipien sind dieselben):



Ich habe mir inzwischen dutzende von solchen Kurzvideos von Dr. Orion Taraban angeschaut und muss sagen: Der Mann ist einfach gut. Die Arbeit kann er einem natürlich nicht abnehmen, aber eine Richtung und die zugehörige Begründung geben.

x 4 #32


A


Hallo HundKatzeMaus,

Wege aus der Einsamkeit?

x 3#3


ZeroOne
Ich denke, was Taraban beschreibt, gilt für jede Interaktion in der Gesellschaft - egal ob ökonomisch, oder sozial: wenn überhaupt erstmal sichtbar sein will, muss in Vorleistung gegen und einen Wert anbieten, der für andere ausreichend hoch ist, dass sie sich überhaupt mit einem beschäftigen und evtl. Interesse an einer Vertiefung bekommen.

Meine Erfahrung ist, dass das die leichtere Übung ist.
Problem aus meiner Sicht, danach viele Leute in seinem Umfeld zu haben, die nur so lange präsent sind, so lange der Mehrwert geliefert wird. Fällt dieser weg (z.B. durch Krankheit), sind auch die meisten dieser Menschen wieder weg.

Aber zuerst muss man sich natürlich erstmal Menschen "angeln" und da hat er mit seiner Methodik natürlich recht. Die Frage ist dann nur, wie es um die Nachhaltigkeit des Fangs bestellt ist.

Just my two cents.

x 4 #33


Schlüsselkind
Habe da tatsächlich auch Diskussionen mit einer Freundin, die mir öfters erzählt, sie lerne nie jemanden kennen (und sich überrascht zeigt, weil mir das oft passiert).

Mir ist bei ihr (nur ein Beispiel, bitte nicht auf persönliche Situation beziehen!), direkt aufgefallen, dass sie auf mich zunächst einen ablehnenden Eindruck (Körpersprache, Mimik) gemacht hatte und ich dann eben den Eindruck, sie wolle das gar nicht. Was aber nicht der Fall war.

Vielleicht lohnt es sich da auch mal auf sich selbst zu schauen, wie man auf andere wirkt. Und das hat NICHTS, aber auch nichts damit zu tun, wie man aussieht, ob man übergewichtig ist etc., sondern ob man einen offenen Eindruck in anderen erweckt, andere in sein Leben lassen zu wollen.

Und dann muss man mal schauen, wo Anknüpfungspunkte über Interessen oder Hobbies vorhanden sind. Ich würde das schon positiver sehen, ich finde das KANN man lernen, indem man es öfters ausprobiert ins Gespräch zu kommen (wenn nicht Ängste eine Rolle spielen, da benötigt man dann Unterstützung, keine Frage). Wenn es aber erstmal nur aus Vorsicht oder Schüchternheit schwierig ist, sind erste Schritte wohl die schwersten. Kann jetzt auch nicht sagen, dass es mir leichter fällt als anderen, aber ich glaube, ich habe im laufe des Lebens gelernt offener für Begegnungen zu werden. Ob das jetzt im Supermarkt ist oder anderswo im öffentlichem Raum.

Ich lebe in einer sehr großen Stadt und hier gibt es schon sehr viele Angebote, auch kostenlose, sich mal recht kurzfristig und ungezwungen zu verschiedenen Anlässen zu treffen.

x 7 #34


HDD
Zitat von ZeroOne:
Problem aus meiner Sicht, danach viele Leute in seinem Umfeld zu haben, die nur so lange präsent sind, so lange der Mehrwert geliefert wird. Fällt dieser weg (z.B. durch Krankheit), sind auch die meisten dieser Menschen wieder weg.

Ist irgendwie logisch, nicht wahr? Von nichts kommt nichts.

Zitat von Schlüsselkind:
Vielleicht lohnt es sich da auch mal auf sich selbst zu schauen, wie man auf andere wirkt.

Zweifellos. Eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung ist, dass man für Andere hinreichend attraktiv ist. Auch das kann man lernen.

x 2 #35


Dakota
Zitat von ZeroOne:
Ich denke, was Taraban beschreibt, gilt für jede Interaktion in der Gesellschaft - egal ob ökonomisch, oder sozial: wenn überhaupt erstmal sichtbar sein will, muss in Vorleistung gegen und einen Wert anbieten, der für andere ausreichend hoch ist, dass sie sich überhaupt mit einem beschäftigen und evtl. Interesse an einer Vertiefung bekommen.

Oh ja, mir hat mal ein schlauer Mensch gesagt "Wenn du willst, dass sich Leute für dich interessieren, dann interessiere dich zunächst für sie.". Ich hatte nie Schwierigkeiten, Menschen kennen zu lernen, da ich mich für vieles interessiere und aufrichtig Fragen stelle, ich kann Small talk, ich kann tiefgreifende Gespräche, ich kann mich für Kontakte engagieren, mir tolle Sachen ausdenken, imnmer wieder mich melden für einen Kaffee etc. etc. Nur eines habe ich gelernt - meist kann ich das so gut, dass ich nicht merke, dass die andere Person nicht so engagiert ist. Es gab tolle Freundschaften in meinem Leben, die auf Gegenseitigkeit beruhten. Das waren die besten. Sie sind seltener als die Kontakte, die nur dann bestanden wenn ich mich um die Kontaktpflege kümmerte. Das ist schade, aber damit muss ich eben auch leben und meine Erwartungen runterschrauben. In der Depression konnte ich nicht mehr die Kontakte pflegen und was soll ich sagen ... viele sind durchs Sieb gerutscht. Dabei bedarf es nicht viel, mir in der Krankheit trotzdem Freund:in sein zu können.
Von daher kenne ich Einsamkeit durchaus, obwohl ich zu den Menschen gehöre, von denen man es nicht denken würde.

x 3 #36


Sifu
Was mich als Individualist stört ist, das man in Gruppen meist nur dann dauerhaft anerkannt ist wenn man ALLES was die Gruppe macht, sagt, tut usw. mitmacht.

Beispiel: Ich bin in einer Yoga Meditationsgruppe und voll akzeptiert......BIS ich nebenbei erwähne das ich täglich Fleisch esse.

x 2 #37


ZeroOne
Zitat von Dakota:
Dabei bedarf es nicht viel, mir in der Krankheit trotzdem Freund:in sein zu können.


Wussten das auch deine Freunde?

Auf Empfehlung meines ersten Therapeuten hatte ich damals versucht, mit meinen Freunden über das Thema zu sprechen.

Fail. Danach war erst recht Funkstille.

Ich hab danach versucht, es für sie wohlwollend dahingehend zu framen, dass viele Menschen im Umgang mit psychisch Erkrankten einfach überfordert sind.

x 3 #38


HDD
Zitat von Dakota:
"Wenn du willst, dass sich Leute für dich interessieren, dann interessiere dich zunächst für sie."

Ich würde das so formulieren:

"Wenn du willst, dass sich Leute für dich interessieren, musst du ihnen in irgendeiner Weise einen Mehrwert für ihr Leben bieten."

Reines Interesse mag da (vor allem gegenüber Männern) nicht immer ausreichend sein; kommt darauf an, wie viel Bestätigung die betreffende Person braucht.

#39


Dakota
Zitat von ZeroOne:
Wussten das auch deine Freunde?

Die wichtigsten, engsten würde ich sagen Ja, definitiv. Habe immer gesagt, dass es eine Krankheit sei, die ich schon kenne, dass sie mich normal behandeln sollen, mir normal auf dem Handy schreiben und mir aus ihrem Leben berichten sollen auch dann wenn ich nicht immer antworten kann, dass ich mich freue, wenn wir einfach was unternehmen.

x 3 #40


Trinidat
Bei mir ist es seit Anfang des Jahres so, dass die Zeit, die ich mit mir selbst verbringe, die schönste und aufregendste ist. Meine inneren Abenteuer inspirieren mich am meisten und erzeugen Glücksgefühle.
Es ist ganz komisch, da ich bis Anfang des Jahres extrem unter Einsamkeit gelitten habe, Einsamkeit hat mich depressiv gemacht und mir meine Zeit mit mir selbst verdorben, da war sooo viel Leere. Jetzt ist da nur eine prickelnde, bunte Fülle, ein Gefühl der Vollkommenheit, der totale innere Frieden, wenn ich alleine bin. Wenn ich mich mit Leuten getroffen habe, wars vorbei mit dem inneren Frieden und ich hatte ein Gefühl von Zeitverschwendung. Danach, Zuhause, war alles wieder wunderbar und bezaubernd.
Woher diese Bewusstseinsveränderung kommt? Ich hatte ein intensives Yogaprogramm jeden Tag ( das auf dem authentischen tausende Jahre alten Yoga basiert, nicht mit der komischen Verzerrung dieser, die hier in unserer westlichen Welt stattfindet.) Dazu gehört auch eine Yogaphilosophie, die ein bestimmter indischer Guru, für mich sehr überzeugend vermittelt hat.
Mein ganzes Denken und die Art in der Welt zu sein hat sich tiefgreifend verändert.
Auch krass, zu erkennen, wie dieses Einsamkeitsgefühl Abhängigkeit von der Außenwelt erzeugt hat. Jetzt bin ich vollkommen frei, wenn ich allein bin. Das ist so toll....

x 2 #41


Sifu
Zitat von Trinidat:
Bei mir ist es seit Anfang des Jahres so, dass die Zeit, die ich mit mir selbst verbringe, die schönste und aufregendste ist. Meine inneren Abenteuer inspirieren mich am meisten und erzeugen Glücksgefühle. Es ist ganz komisch, da ich bis Anfang des Jahres extrem unter Einsamkeit gelitten habe, Einsamkeit hat mich ...

Wow ! Geht mir auch so seitdem ich meditiere und den Aussagen von Eckhart Tolle folge.

Ich bleibe daher auch lieber allein als mich zu verbiegen oder anzupassen nur damit ich akzeptiert bin.

x 2 #42


mecca
@HundKatzeMaus

Ich kenne die Einsamkeit auch gut.

Was mir geholfen hat, war mich mit ihr anzufreunden. Sie zu akzeptieren.
Mich davon nicht fertig machen zu lassen, sondern mir Dinge zu suchen, die mir Spaß machen.

Als ich damals in eine fremde große Stadt zog, habe ich mir Hobbygemeinschaften gesucht übers malen und zeichnen.
So kam ich unter Menschen und lernte auch paar Leute besser kennen, kam dann an einen Museumsjob und so weiter...heute habe ich keinen Kontakt mehr zu jemandem aus dieser Zeit.

Wo lernt man Leute kennen, immer da wo man selbst auf seinem Weg ist. Sitzt man nur Zuhause und bläst trübsal, oder gibt sich als emotionaler Mülleimer für dauerbelastete Kontakte her, bleibt man auf der Stelle, gibt und gibt und wird leerer und einsamer.

Wir sind aktuell wieder in neuer Stadt, habe vor kurzem eine App installiert die sich "Spontacts" nennt, da kann man Leute und Gruppen finden, denen man sich spontan anschliessen kann zu Spieleabenden, zum Wandern, zu Konzerten etc...Habe gedacht, ich versuche es mal so Leute zu finden unkompliziert und nicht über so Suchapps, wie "Bumble" - das ist irgendwie immer frustrierend, für mich zumindest.

Im Erwachsenenalter st es auch nicht mehr so leicht Freunde zu finden, da muss man mehr Eigenenergie reinstecken, weil man nicht mehr ständig in Großgruppen unterwegs ist wie früher. Und viele haben mit der Zeit auch gewisse Eigenwilligkeiten entwickelt.

Einsamkeit, kann auch etwas schönes sein, wenn man aufhört sie zu verfluchen, dann kann sie einem helfen wieder meht mit sich eins zu werden. Sie kann eine bittersüße Freundin sein und einem auch viel Geben.

Die Zeiten in denen ich viel Sozial herumgeklüngelt bin, waren auch Zeiten wo ich mit mir nicht so gut voran kam, meine ziele und meinen Weg nicht so verfolgt habe sondern mehr im Wir aufgegangen bin. Irgendwann wurde mir das aber auch monoton, dieses gemenschel, diese typischen sozialen Spiele und das immer gleiche, Party, quatschen und Sorgen austauschen, Saufen, Essen... ja...Ich merke, wenn ich bei mir bin, ist mein Bedarf an sozialem Miteinander schnell gedeckt, mit Hund und Partner ist der soziale Akku schon fast leer.

Aus all den Jahren habe ich keine Kontakte mehr weder aus Abi, noch aus Studium und Co. Obwohl ich immer viele Bekannte und auch Freunde hatte.

Heute schätze ich den Kontakt zu ganz wenigen Leuten aus meiner Kindheit, mit denen ich manchmal telefoniere oder mich treffe, wenn ich in der Heimat bin. Da kann ich ich sein, diese Menschen kennen mich noch aus einer anderen Zeit, irgendwie tut das gut.

Kämpfe nicht mit der Einsamkeit,
freunde Dich mit ihr an und hör zu was sie Dir sagen will.

Viel Glück auf Deinem Weg.

#43


E
@Sifu

Lieber Sifu,

ich sehe es wie du.

x 1 #44


A


Hallo HundKatzeMaus,

x 4#15


Dys
Einsamkeit ist eines von vielen Gefühlen, die einen beschleichen können. Üblicherweise wohl auch eher eines, dass dann als unangenehm bezeichnet würde. Ob man sich das schön reden möchte, indem man ein Alleinsein mit Vorteilen spickt wie, sich nicht verbiegen müssen oder nicht von der Akzeptanz Anderer abhängig zu sein, muss man dann selbst entscheiden. Fakt ist leider, dass im Umgang mit anderen Menschen auch immer eine gewisse Anpassung des eigenen Verhaltens notwendig sein kann und letztlich die Akzeptanz des eigenen Verhaltens Andere dazu veranlasst, sich mit einem zu beschäftigen oder eben nicht. Idealerweise wird man eben akzeptiert wie man ist, aber das kann man halt nicht von jedermann erwarten.

Sich zu verbiegen wird gerne so negativ behaftet, während Flexibilität so positiv gesehen wird, obwohl ja beides im Grunde aufs selbe hinausläuft. Bäume die sich im Wind biegen, brechen eben nicht so leicht und sie biegen sich vermutlich deshalb, weil sie es können, wenn sie es mal müssen. Ob sie das als Nachteil sehen könnten, wenn sie es beurteilen könnten und würden, bleibt natürlich dahingestellt.

Eigentlich ist es relativ einfach der Frage auf den Grund zu gehen, weshalb man sich einsam fühlt. Kommt man zu dem Ergebnis, dass man gerne unter Menschen wäre, könnte man vielleicht eher akzeptieren, dass die halt auch so ihre eigenen Vorstellungen haben, mit wem sie weshalb zusammen sein wollen und ob es das Wert ist, sich vielleicht mal etwas zu verbiegen, was ja eher eine Rücksichtnahme oder einfach nur ein mal Dasein auch ohne hundertprozentige Befriedigung der eigenen Bedürfnisse sein könnte, ohne gleich als eine Unterwerfung oder Entmündigung empfunden werden zu müssen.

x 4 #45

Pfeil rechts




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag