Stromboli
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Ausgehen, um Leute kennenzulernen, würde bei mir auch nicht funktionieren. Dieses Setting würde von Angang an meine Trigger derart aktivieren, dass nur ein weiteres Versagenserlebnis die Folge wäre.
Bei mir ist es über längere Zeit auf einem anderen Weg möglich geworden, Kontakte zu finden und zu pflegen. Ich habe mich mehrmals einer Gruppierung angeschlossen, die mich angezogen hat und wo ich mir vorstellen konnte mitzumachen, ohne mich gleich von Beginn weg als Exot zu fühlen und entsprechend gestresst zu reagieren. Die erste solche Gruppierung waren die Mitarbeitenden und Fachpersonen in dem geschützten Bürobereich, wo ich nach Zusprache einer Rente einen Arbeitsplatz bekam. Das war sehr wichtig und die Verbindung dorthin ist bestehen geblieben, auch zwei Jahre nach der Pensionierung noch. Die zweite Gruppe war und ist der Chor der Nationen Luzern, dem ich 2015 beigetreten bin. Der hat vielleicht am stärksten gewirkt bezüglich Gefühl von Zugehörigkeit entwickeln, denn genau das ist der Kern meiner Angst- und Depressionsstörungen. Die dritte Gruppe war dann die Angst- und Panikhilfe Schweiz. Da hat mir das Leben auf die Pension hin etwas zugespielt, das jetzt mein Leben sehr sinnvoll ausfüllt. Und in allen diesen Gruppen kann ich endlich einmal das erfahren, was mir als Kind und Jugendlicher - der Zeit, in der das so wichtig wäre - nicht möglich war: einfach mal ein wenig mit Kontakten und Beziehungen "spielen", d.h. ausprobieren, auch mit Nähe und Distanz experimentieren ... ich erlebe diese Dinge so dermassen wichtig und bin extrem dankbar, dass ich das aufs Alter hin noch erleben darf. Wie gesagt, brauche ich aber dafür einen gesetzten Rahmen, wie er in den beschriebenen Gruppen gegeben ist. Ausgehen in eine völlig unstrukturierte Partysituation, da würden alle meine Dämonen tatendurstig aus ihren Gruften springen ...
Könntest du dir irgendwelche Gruppen, Vereine, die loser oder auch fester geregelt sind, vorstellen, in die du dich hineinbegeben kannst?