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Was kann ich gegen meine Eifersucht unternehmen?

krimi56

krimi56

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Guten Tag!

Nachdem ich schon in einem anderen Forum gelesen habe, habe ich dieses hier entdeckt und schon in einigen Themen gelesen.

Ich möchte mich kurz vorstellen.

Es begann 2010. Aufgrund eines Gehirntumors erkrankte ich an Epilepsie. Der Tumor wurde 2011 operativ entfernt, die Epilepsie ist geblieben.

Trotz dieser beiden Handicaps möchte ich von mir sagen, dass ich ein kontaktfreudiger Mensch bin.
Doch durch diese beiden Krankheiten hat sich mein soziales Umfeld, sprich Freundeskreis, verändert.
Menschen die mir nahe standen und erst für mich da waren, zogen sich immer mehr zurück.
Aufgrund dieser Veränderungen habe auch ich mich verändert und war zur Krankheitsbewältigung in psychotherapeutischer Behandlung. Im Augenblick pausiere ich. Nehme aber wieder Kontakt zu meiner Therapeutin auf.

Ich kam nicht klar damit, dass sich die zwischenmenschlichen Beziehungen auf einmal so ändern konnten.
2012 dann eine weitere Diagnose. SD-Krebs bösartig. Auch das habe ich überstanden.

Durch diese Krankheiten sind mir einige Handicaps geblieben. Damit kann ich leben, bin nicht unglücklich.
Habe auch hinnehmen müssen, dass ich in meinem Job, als nicht mehr volleinsetzbar abserviert wurde. War eine schmerzhafte Erfahrung und ich bin bestimmt nicht die Einzige.

Was mich unglücklich macht, sind Freundschaften. Viele aus meinem früheren Leben haben sich erledigt. War schmerzhaft, aber zu verkraften. Neue Freundschaften entstehen erst gar nicht richtig. Das ist dann so und ich trenne die Menschen in gut für mich oder abhaken.
Das Ganze hat mich sehr verändert und ich habe Angst bekommen an neuen Freundschaften zu sehr zu hängen.

Aber .

Da ist eine Freundin an der ich wirklich sehr hänge. Ich habe sie durch ein Forum kennengelernt. Sie ist psychisch krank, wie ich halt auch. Zwischen uns hat sich erst per Mail, dann telefonieren und zuletzt durch persönliches Kennenlernen eine gute Freundschaft entwickelt.
Sie hat viele Schicksalsschläge hinnehmen müssen und ich durfte ihr beistehen, war für sie immer parat.

Dieses Jahr hat sich vieles verändert. Wir haben uns noch kein einziges Mal getroffen. Immer nahm sie Corona als Grund. Und ich hätte sie so gebraucht, da ich gerade an einem geplanten Tag wieder eine neue Diagnose erhalten habe und ich war in ihrer Nähe.

In mir entwickelt sich oder hat sich schon seit längerem eine gewisse Eifersucht entwickelt, mit der ich nicht wirklich umzugehen weiß. Ich habe von ihr selbst erfahren, was sie sonst noch unternimmt, macht und da ist keine Corona Gefahr? Und zu mir oder bei mir? Steht endlich wieder ein Treffen fest, wird sie garantiert krank.

Wir wohnen ca. 70 km voneinander entfernt und müssen daher halt planen, es geht nie spontan.
Was kann ich gegen meine schlechten Gefühle, meine Eifersucht unternehmen? Es besteht die Gefahr uns zu verlieren.
Ich hoffe hier aus eurer Erfahrung zu lernen.

Vielen Dank
krimi

03.10.2020 13:49 • x 4 #1


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Resi

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Zitat von krimi56:
Was kann ich gegen meine schlechten Gefühle, meine Eifersucht unternehmen?

Sie erstmal nicht bekämpfen.
Die Gefühle sind da und haben eine Berechtigung.
Ich selbst kenne Eifersucht auch und weiß, daß sie immer und ausschließlich nichts mit meinem Gegenüber sondern nur mit mir zu tun hat.

Weißt du, es gibt viele Gründe, weshalb deine Freundin kein Treffen mit dir plant.
Die haben sicher ganz wenig mit dir zu tun.

Corona ist für viele eine echte Zäsur, für manche eine wirtschaftliche Katastrophe, für viele eine psychische Extrembelastung, dadurch kann sich vieles ver-rücken in unserer Wahrnehmung.
Und ich habe selbst erlebt, wie ganz normale Beziehungen auf die Probe gestellt wurden im Umgang mit dem Virus.

Und wir müssen auch akzeptieren, daß sich Freundschaften ändern, sich weiter- oder auch auseinanderentwickeln.

Wie seid ihr denn im Kontakt?
Schreibt ihr euch regelmäßig oder ruft einander an?

03.10.2020 15:39 • x 2 #2


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Mayke1

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Zitat von krimi56:
Da ist eine Freundin an der ich wirklich sehr hänge. Ich habe sie durch ein Forum kennengelernt. Sie ist psychisch krank, wie ich halt auch. Zwischen uns hat sich erst per Mail, dann telefonieren und zuletzt durch persönliches Kennenlernen eine gute Freundschaft entwickelt.
Sie hat viele Schicksalsschläge hinnehmen müssen und ich durfte ihr beistehen, war für sie immer parat.

Dieses Jahr hat sich vieles verändert. Wir haben uns noch kein einziges Mal getroffen. Immer nahm sie Corona als Grund. Und ich hätte sie so gebraucht, da ich gerade an einem geplanten Tag wieder eine neue Diagnose erhalten habe und ich war in ihrer Nähe.

In mir entwickelt sich oder hat sich schon seit längerem eine gewisse Eifersucht entwickelt, mit der ich nicht wirklich umzugehen weiß. Ich habe von ihr selbst erfahren, was sie sonst noch unternimmt, macht und da ist keine Corona Gefahr? Und zu mir oder bei mir? Steht endlich wieder ein Treffen fest, wird sie garantiert krank.

Wir wohnen ca. 70 km voneinander entfernt und müssen daher halt planen, es geht nie spontan.
Was kann ich gegen meine schlechten Gefühle, meine Eifersucht unternehmen? Es besteht die Gefahr uns zu verlieren.
Ich hoffe hier aus eurer Erfahrung zu lernen.


Liebe Krimi,
erst einmal willkommen im Forum!
Es tut mir sehr leid, was du schon alles erlebt hast und ertragen musstest! Hut ab, wie du dich immer wieder auf die Füße gestellt hast!
Deine Beschreibung der Freundschaft hätte von mir sein können! Auch ich - bin ebenfalls 64 - habe vor 2 Jahren in einem Forum eine neue Freundin gefunden. Sie ist eine Burnout-Betroffene. Ähnlich wie bei dir ist es auch bei uns gelaufen. Über persönliche Nachrichten, dann über Mails, Telefongespräche haben wir mehr und mehr zueinandergefunden. Auch bei uns gibt es einen räumlichen Abstand von rund 100 Kilometern.
Die neue Freundin bezeichnet mich oft als ihre beste Freundin. Auch unsere Männer verstehen sich gut. Letztes Jahr hatten wir uns einmal, dieses Jahr schon zweimal getroffen. Schöne Tage waren es.
Aber ich bin eifersüchtig. Während ich nämlich selber keine anderen direkten Kontakte mehr habe, pflegt die Freundin mehrere. Sie ist wesentlich jünger als ich, aktiv, noch im Berufsleben, sportlich. Ich bin das Gegenteil: im Ruhestand, mit einer chronischen Krankheit behaftet, die Planungen unmöglich macht, lasch, oft kraftlos.
Wenn meine Freundin erzählt, dass sie mit ihrer Kollegin beim abendlichen Walking war oder ihre andere Freundin zum Kaffee eingeladen hat oder gar mit ihr so schöne Dinge machen wollte wie Brautkleid kaufen, stellen sich mir die Nackenhaare. Aber was will ich machen? Nichts. Ich habe im Hinterkopf immer den Satz, wenns nicht funktioniert mit uns, kann ich es auch nicht ändern. Ich werde ihr nicht hinterherlaufen und kontrollieren. Meine Eifersucht stammt aus dem Wissen, noch nie so richtig eine Freundschaft gepflegt zu haben. Vielleicht sehe ich auch Probleme, wo gar keine sind. Wir schreiben uns 1x pro Woche eine längere WhatsApp, wünschen uns öfters eine gute Nacht oder einen schönen Morgen und telefonieren alle 14 Tage in etwa miteinander, dann aber stundenlang.
Mehr als diese Freundschaftsbeweise und ehrliches Interesse kann ich nicht zeigen. Ich merke, wie sehr mir diese Freundschaft fehlte, gäbe es sie nicht mehr.

Wie gut kannst du denn mit deiner Freundin sprechen? Wie gut kennt ihr euch wirklich? Ich konnte neulich, als ich merkte, die Gelegenheit passt ! , etwas ansprechen, das meine Eifersucht so sehr schürte. Siehe da, es war mein Kopf, der sich ein Schreckensszenario ausmalte. Die Sache ist besprochen und wir haben beide darüber lachen können.

Für heute liebe Grüße
von Mayke

03.10.2020 15:58 • x 2 #3


krimi56

krimi56

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@resi,
vielen Dank für deine schnelle Antwort.

Das was du sagst ist schon richtig, vieles ist nicht auf mich bezogen.
Doch was soll ich davon halten, wenn wir fest verabredet hatten uns an dem Tag zu treffen, an dem ich einen Kontrolltermin in der Uniklinik hatte (Juli) und ich mit einer nicht so guten Diagnose rechnen musste.

Wir telefonieren öfters und so rief sie mich an, dass sie in dem Altenheim ihrer Mutter angeben müsse, ob sie mit infizierten Personen Kontakt gehabt habe. Ich kam zu derzeit aus einem Risikogebiet, hatte für diesen Termin zweimal ein negatives Testergebnis und die Zutrittserlaubnis in die Klinik.
Um sie nicht in Bedrängnis zu bringen sagte ich das Treffen mit ihr ab.
Ein paar Tage nach diesem besagten Termin erzählte sie mir, dass sie auf dem Formular des Altenheimes sowieso alles mit Nein ankreuzen würde.

Du kannst dir vorstellen, dass ich da geschockt war. An diesem Tag hätte ich so gebraucht, das sagte ich ihr auch, weil ich eine schlechte Diagnose erhalten hatte. Von da an begann es, dass ich immer mehr enttäuscht war über das was sie alles unternahm, aber sich nicht mit mir treffen kann.

Ich muss wohl die Zeit entscheiden lassen wie es weitergeht, wie ich weiter mit meinen Gefühlen zu ihr umgehen kann.
Und wie gut wir darüber reden können.

LG krimi

04.10.2020 17:00 • x 1 #4


krimi56

krimi56

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@Mayke
Danke für dein Willkommen.

Durch meine Krankheit bin ich in einem Forum für Hirntumorbetroffene aktiv. Und habe dort gute Freunde gefunden. Diese habe ich aber nie so intensiv werden lassen. Bis auf eine, doch die ist leider schon verstorben.

Warum also nicht? Ich habe im normalen Leben zwei Freundinnen verloren, die nicht mit meiner Krankheit klarkamen. Eine davon war selbst Krebs krank und auch psychisch. Wir waren uns eigentlich sehr nah. Doch je kranker ich wurde, umso größer wurden die Abstände unserer Kontakte bis sie ganz einschliefen.

Nun hatte ich diese Freundin in einem Depressionsforum gefunden. Wir wuchsen wirklich eng zusammen. Sie hat viel durchgemacht und ich durfte sie in vielem unterstützen und begleiten. Darum macht es mich jetzt auch so betroffen wie sie reagiert.
So wie ich es in dem Beitrag an Resi beschrieben hatte, hat mich ihr Verhalten im Sommer sehr enttäuscht. So auch wieder im letzten Monat.

Du fragst wie gut ich meine Freundin kenne? Ich möchte sagen, recht gut. Wir schreiben und telefonieren oft. In den vergangenen Jahren haben wir uns oft getroffen oder besucht.
Ich konnte auch schon Probleme bei ihr ansprechen, die ich mit ihr habe.

Meine Grundangst und wohl auch die Eifersucht wird evtl. mit daran liegen, wie die vorherigen Freundschaften endeten.
Wir werden hoffentlich morgen telefonieren können und ich möchte einiges ansprechen.

Doch leider sagt sie oft bis morgen und dann wird es nichts. Nicht gut gegen Eifersucht.

Danke und einen schönen Restsonntag, krimi.

04.10.2020 17:07 • x 1 #5


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maya60

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Hallo Krimi, ich möchte erstmal allgemein zum Thema Eifersucht sagen, dass sie grundsätzlich da sein darf bzw. logischerweise bei vielen Menschen stark ist, die schon von Kleinauf drauf geprägt worden sind, dass sie das sind, was sie "haben". Dass ihr "Beliebtheits-Wert" auch daran abzulesen ist, wie viele FreundInnen sie haben.
Wieviel instinktives "Territorial- und Besitzdenken" uns dazu noch angeboren ist, vermag ich gar nicht zu sagen.

Hier in unseren Kulturen gilt doch sogar, dass FreundInnen und PartnerInnen nichts aneinander liegt, wenn sie nicht eifersüchtig reagieren.
Also, wenn eins antrainiert ist im Leben durch Konkurrenz und Angst, dann Eifersucht und Neid. Wieoft werden schon Kinder gegeneinander ausgespielt und es ist ja nicht so, dass das im weiteren Leben nicht mehr vorkommt.

Dazu kommen noch viele viele emotionale Mangelerfahrungen und Verlusterfahrungen und Verlassenwerdenserfahrungen im weiteren Leben.

Da ist es doch wohl kein Wunder, wenn Menschen eifersüchtig sind!

Das finde ich wichtig, vorweg mal klar und deutlich festzustellen, damit du erst gar nicht auf die Idee kommst, es sei ein "hässliches" Gefühl und darum müsste es verschwinden.

Ich bin auch schnell und stark eifersüchtig und habe aber gemerkt, dass das Problem mit Eifersucht nicht die Frage ist, warum oder wie sehr ich eifersüchtig bin, sondern das Problem ist, dass sich die Eifersucht aus meiner eigenen Kraft nährt und dass sie mir den Tag vers.aut, indem sie mich zwingt, dauernd Kontrollverhalten oder Unterstellungen an den Tag zu legen, was mich emotional unfrei macht und vor allem, was mich zu einem Menschen macht, der lauter Verdächtigungen hervorspult, was ich auch sonst nicht tue. Und ich mache mich dann noch abhängig von der anderen Person emotional, das passt mir Freigeist auch nicht.

Also, wenn ich das alles festgestellt habe, also, dass Eifersucht normal ist und wie sie mir aber den Alltag vers.aut, dann zähle ich mir alles auf, was mich unabhängig von dieser einen Person macht, gehe aus meinem Tunnelblick hinaus und rücke meinen Blickwinkel gerade, was ich alles bin ohne mich so anzuklammern. Und dann wird es viel besser mit der Eifersucht. Vielleicht bei dir auch? Ich hoffe es.

Liebe Grüße! maya

04.10.2020 17:47 • x 1 #6


krimi56

krimi56

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Danke maya, für deine aufschlussreichen Gedanken.

Im Grunde weiß man/ich ja, dass ich mir nur selbst schade.

Zitat von maya60:
Also, wenn ich das alles festgestellt habe, also, dass Eifersucht normal ist und wie sie mir aber den Alltag vers.aut, dann zähle ich mir alles auf, was mich unabhängig von dieser einen Person macht, gehe aus meinem Tunnelblick hinaus und rücke meinen Blickwinkel gerade, was ich alles bin ohne mich so anzuklammern. Und dann wird es viel besser mit der Eifersucht. Vielleicht bei dir auch? Ich hoffe es.


Wie schaffst oder wie machst du es, - ich meine das Aufzählen, dass es dich befreit?

Ich habe noch eine gute Freundin, die ich durch das Hirntumorforum und durch die Teilnahme an Hirntumorinfotagen kennengelernt habe. Wir kennen uns seit 2012, schreiben oder telefonieren regelmäßig und treffen uns wenn möglich 1x im Jahr, da sie nahe Berlin lebt und ich in OWL.
Durch unsere gemeinsame Krankheit sind wir uns auch sehr nahe. Doch da ist dieses Gefühl von Eifersucht nicht.

Was macht da den Unterschied aus? Das frage ich mich selbst.

Danke maya für deine Antwort.

05.10.2020 08:15 • x 1 #7


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maya60

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Guten Morgen, Krimi! Das ist interessant, dass du bei der einen nahestehenden Freundin gar nicht eifersüchtig bist und bei dieser doch.

Da würde ich mir ja mal die Unterschiede raustüfteln, dann kommst du dir schon selber sehr auf die Schliche- und bitte Ergebnis hier mitteilen, wenn du magst, das interessiert mich auch.

Was auch bestimmt gegen die Eifersucht hilft, ist, sich bewusst zu machen, dass viele von uns kranken bis schwer kranken Foris- und das ist in allen Krankheitsforen so und vielleicht auch bei deiner Freundin - nicht mehr nach normalen Maßstäben leben (können) und daher auch nicht ihr Verhalten beurteilt werden kann.
Bei mir z.B. sind selbst Urlaubspläne unter Vorbehalt und können tagesformabhängig platzen, wenn ich keine Reservekräfte habe.
Wer darüber meine Freundschaft beurteilen wollte, ja gute Nacht!

Also, wenn ich Eifersucht kriege und die nicht loswerde nach dem Akzeptieren und Wertschätzen, dann liegt es daran, dass ich Angst habe, wen zu verlieren, weil ich so krank bin.
Dann stelle ich mir erstmal vor, was ich alles an Überforderungen machen müsste, um mit dem anderen mitzuhalten oder ihn oder sie öfter zu sehen.
Das reicht oft schon, damit die Eifersucht merklich schwindet.

Aber dann stelle ich mir meine ganze durch meine Krankheitsbedürfnisse erschaffene Kleinoase hier daheim vor, die klar meine Handschrift trägt und soooo gut und heilend tut und dann weiß ich: Hinterherrennen muss ich niemandem! Eifersucht ade!

Und außerdem ist dieses Forum eine Riesenbereicherung, wirst du auch merken! Du kannst dich hier stundenlang heimisch fühlen!

Liebe Grüße! maya

05.10.2020 08:35 • x 1 #8


krimi56

krimi56

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Guten Morgen, Ihr Lieben!

In der letzten Zeit ging es mir gar nicht gut, körperlich und seelisch. Habe mich deshalb auch zurückgezogen.
Ich musste mir auch über so einiges Gedanken machen und herausfinden was wichtig ist und als nächstes angegangen werden muss.

@maya, du schreibst
Zitat:
Also, wenn ich Eifersucht kriege und die nicht loswerde nach dem Akzeptieren und Wertschätzen, dann liegt es daran, dass ich Angst habe, wen zu verlieren, weil ich so krank bin.
Das ist eben auch ein Punkt bei mir. Wegen meiner schweren Krankheiten habe ich Freundschaften verloren. Und da nagt es bei mir, wenn ich lese, was diese Freundin mit anderen kann und ich Absagen erhalte, mit immer neuen Begründungen.

Auch ein weiterer von dir genannter Aspekt ist mir bewusst
Zitat:
Was auch bestimmt gegen die Eifersucht hilft, ist, sich bewusst zu machen, dass viele von uns kranken bis schwer kranken Foris - und vielleicht auch bei deiner Freundin - nicht mehr nach normalen Maßstäben leben (können) und daher auch nicht ihr Verhalten beurteilt werden kann.
Ich versuche das. Arbeite daran. Trifft das aber nicht auch auf mich zu? Soll da die Rücksichtnahme immer nur bei mir liegen?

Im Augenblick geht es mir etwas besser und ich habe meine negativen Gefühle etwas besser im Griff.

Deinen Rat befolgend habe ich darüber nachgedacht, was ich auf mich nehmen muss, um mich mit ihr zu treffen. Das habe ich ihr auch gesagt, als sie immer wieder davon sprach was sie alles nicht kann oder vorher tun muss. Danach ging es mir besser und es hat einiges an Klarheit und Abstand geschaffen.
Ich habe darüber nachgedacht, nur für mich, was ich immer wieder auf mich genommen habe, um ihr zu helfen, da zu sein und auch präsent zu sein. Das hat mir auch bewusst gemacht, dass da von mir eine Pause gemacht werden muss

Zitat:
Aber dann stelle ich mir meine ganze durch meine Krankheitsbedürfnisse erschaffene Kleinoase hier daheim vor, die klar meine Handschrift trägt und soooo gut und heilend tut und dann weiß ich: Hinterherrennen muss ich niemandem! Eifersucht ade!
Das ist ein guter Tipp. Wir gestalten aktuell unser Wohnzimmer neu. Ein anderes, neues Wohngefühl entsteht, fast so wie ein Kokon.
Nach meiner Reha nach der Hirntumor-OP habe ich immer, wenn es mir nicht gut ging, die Freizeitsachen der Reha angezogen und ich fühlte mich besser. Und das habe ich viele Jahre so gemacht.


Was die andere Freundin betrifft, die wie ich Hirntumorbetroffene ist, ist die enge Verbundenheit allein schon rein vom Gefühl her eine ganz andere. Ich kann das irgendwie nicht so genau beschreiben, was da so anders ist. Wir teilen andere Interessen miteinander (nicht nur mit der Krankheit begründet), spüren auf eine andere Weise wie es der anderen gerade geht.

Mit Blick auf beide Freundschaften weiß ich, dass ich bei der zuerst beschriebenen noch viel lernen muss, damit es mir gut geht.

Ich danke dir und auch den anderen für die Meinungen und Tipps.

LG krimi

18.10.2020 09:19 • x 1 #9


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Maiblume

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Liebe @krimi56

erstmal möchte ich dir sagen das mich deine Krankengeschichte berührt.

Zitat von krimi56:
Und da nagt es bei mir, wenn ich lese, was diese Freundin mit anderen kann und ich Absagen erhalte, mit immer neuen Begründungen.


Vielleicht hat diese Freundin von der du schreibst einfach Angst .
Angst um dich , da sie dich mag.
Manchmal passiert es, das Menschen die wir eigentlich in unserem Herzen tragen mit unser Verhalten ohne es beabsichtigt zu haben , ungewollt verletzen.

Es könnte doch eventuell sein, das diese Freundin einfach nicht weiß wie sie mit deinem Schicksal umgehen soll.
Das sie vielleicht selbst innerlich wie "gelähmt " ist, da sie sich um dich und deine Gesundheit sorgt.
Aus lauter Angst sagt sie dann immer wieder eure Treffen ab, um dir nicht gegenüberstehen zu "müssen"

Du schreibst ja, das sie sich mit anderen Leuten immer wieder mal verabredet und das ein oder andere mit ihnen
unternimmt und das trotzt Corona, nur bei dir würde sie immer oder häufig Corona als " Ausrede " haben.
Könnte es denn nicht sein, das ihre anderen Freunde/Bekannten keine Vorerkrankungen haben, nicht so ein Leid wie du es
nun mal hast tragen müssen ? Das sie sich wirklich um dich sorgt und sie dich gerade aus diesem Grund besonders schützen möchte , sie aber nicht weiß wie sie damit umgehen soll . Manchmal traut man sich aus purer Verzweiflung auch nicht das zu sagen, was einem eigentlich auf dem Herzen liegt.

Wenn ich das jetzt nicht falsch gelesen oder aufgenommen habe, telefoniert ihr beide immer wieder mal.
Wer von euch beiden schlägt die gemeinsamen Treffen vor ...kommt der Vorschlag überwiegend von deiner Seite ?
Wenn ja, dann könnte es doch sein das diese Freundin dich in diesem Moment nicht verletzten will und dir erst zusagt,
im Nachinein aber immer wieder die Treffen absagt, da sie einfach Angst hat.

Natürlich ist das für dich äusserst unschön und ich verstehe dich sehr gut weshalb du dich traurig fühlst und gar "eifersüchtig"reagierst.
Aber wenn es so wäre, das sie sich wirklich einfach um dich sorgt und du ihr am Herzen liegst,
dann ist ihr Verhalten vielleicht besser für dich zu verstehen.

Wenn ihr das nächste mal telefoniert, sprech sie doch einfach einmal darauf an, ob es eventuell sein kann, das sie sich
dir gegenüber so verhält weil sie sich um dich sorgt und sie nicht weiß wie sie mit dieser Situation und Gefühlen umgehen soll.
Und sollte es dann so sein, dann könnt ihr euch über diese sehr bedrückende Situation beiderseits eventuell aussprechen.

Natürlich kann es auch an etwas ganz anderem liegen ausser deiner Krankheit und ihrer Ängste.
Aber du quälst dich mit dem Gedanken weshalb sie dir immer unter einem "Vorwand " absagt.
Erzähl ihr wie schlecht du dich damit fühlst und das sie doch offen mit dir reden soll, denn ungeklärte Fragen können sehr
belastend sein .Und wenn du ihre Antwort kennst verstehst du sie vielleicht besser und sie dich.

Ich wünsche dir alles Liebe und Gute.

Lg. Maiblume

18.10.2020 14:11 • x 2 #10


krimi56

krimi56

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Liebe Maiblume,

vielen Dank für deine lieben Worte und Denkanstöße.

Zitat:
Wer von euch beiden schlägt die gemeinsamen Treffen vor ...kommt der Vorschlag überwiegend von deiner Seite ?
- Ja, die Vorschläge kommen meist von meiner Seite, da ich zu Kontrolluntersuchungen meist schon in ihrer Nähe bin.

So habe ich in den letzten Monaten auch Vorschläge gemacht, wo wir uns fernab von anderen Menschen und Corona treffen können.
Einmal war es ein Picknick als Vorschlag von mir. Auch einen geeigneten Picknickplatz mit festem Tisch und Bank in schöner Umgebung hatte ich ausgesucht. Ging nicht, da sie sich ein Picknick überhaupt nicht vorstellen kann und es in ihren Augen zu viel Aufwand sei. Dabei hätte sie gar nichts machen brauchen, ich hätte alles organisiert - das habe ich auch gesagt.
Nachdem sie es vehement ablehnte, fragte ich sie, ob sie nicht einfach Vertrauen haben könne.

Daraufhin habe ich etwas anderes organisiert und auch das klappte nicht, weil sie "krank" sei. Ich konnte es nicht glauben. Das war die dritte Absage innerhalb von acht Wochen.

Dein Einwand von dir, es sei aus Sorge um mich, dass sie immer wieder absagt, ist von dir lieb gemeint.

Nun habe ich demnächst wieder einen Eingriff und ich weiß nicht, ob und wann ich wieder Auto fahren darf, sodass ich sie deshalb vorher gern noch einmal getroffen hätte. Aber auch für dieses Treffen, das morgen hätte sein sollen, hatte sie wieder Gründe abzusagen.

Mittlerweile bin ich total durch den Wind und gehe auf Abstand. Ich kann einfach nicht mehr. Denn auch andere Zusagen, mich anzurufen oder zu schreiben hält sie nicht ein, beteuert aber, dass ihr unsere Freundschaft wichtig sei.
Und wenn sie anruft oder schreibt, erzählt sie, was sie alles vorhat oder gemacht hat.
Soll da keine Eifersucht aufkommen?

Ich fühle, dass ich eine Entscheidung treffen muss.

Danke für's Lesen.
krimi

19.10.2020 13:27 • x 1 #11


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Maiblume

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Liebe krimi56,
Zitat von krimi56:
Dein Einwand von dir, es sei aus Sorge um mich, dass sie immer wieder absagt, ist von dir lieb gemeint.

vielleicht ist an meinen Gedanken etwas dran, man bzw. du weist es nicht. Am besten für dich wäre es doch, wenn
du sie tatsächlich darauf ansprechen würdest. Vielleicht ist es doch tatsächlich ihre Angst um dich. Manchmal können
Menschen mit so einer Situation nicht umgehen, einfach weil sie selbst erschüttert sind und machtlos, im Grunde genommen
aber so gern helfen und beistehen würden wenn sie könnten und die Kraft dazu hätten.

Sie sagt dir doch , das ihr eure Freundschaft wichtig ist. Sie signalisiert es dir.
Ich kenne diese Frau natürlich nicht, möchte ihr Verhalten auch nicht entschuldigen...ihr solltet unbedingt reden.
Sprech sie doch einfach direkt mal darauf an . Du schriebst ja, das du nun schon wieder leider eine sehr schlechte Diagnose
bekommen hast ( was mir im übrigen sehr leid tut ), hast du ihr davon erzählt ?

Schau, wenn ja, so kann es doch sein das sie auf Grund dessen, weil sie dich mag unheimlich verzweifelt und traurig ist.
Das sie sich einfach dir gegenüber hilflos fühlt. Sie muss ihr Verhalten dir gegenüber nicht böse meinen.

Zitat von krimi56:
Soll da keine Eifersucht aufkommen?

Klar, kann ich sehr gut verstehen, wenn sie dir dann aber noch erzählt was sie mit anderen Leuten so alles unternimmt.
Aber vielleicht meint sie es in dem Augenblick überhaupt nicht böse, sie möchte dir einfach erzählen mit wem und wie sie
ihre Zeit verbracht hat um dich eventuell ein wenig abzulenken. Natürlich ist diese Situation nicht schön und es verletzt dich sehr. Aber vielleicht ist ihr dies nicht bewusst und sie hat sich einfach keine Gedanken gemacht.

Zitat:
Mittlerweile bin ich total durch den Wind und gehe auf Abstand. Ich kann einfach nicht mehr.

das kann ich sehr gut verstehen. Du bist gesundheitlich sehr angeschlagen und nun hast du das Gefühl das diese Freundin
dich im Stich lässt. Das alles macht dich fertig.

Ehe du auf Abstand gehst, manchmal muss das einfach sein damit es einem besser geht, meinst du nicht das du sie direkt mit deinen Kummer und evtl. Befürchtungen konfrontieren solltest ?

Wenn du den Kontakt einfach abbrichst, schwirrt dir vielleciht immer der Gedanke durch den Kopf; das es dieser Freundin doch wichtig sei diese Freundschaft zu dir zu haben.

Ich weiß es nicht,.....vielleicht würde dir wirklich ein klärendes und ehrliches Gespräch mit ihr helfen.

Dir persönlich wünsche ich ganz ganz viel Kraft und alles erdenklich Liebe und Gute.

Lg. Maiblume

19.10.2020 14:02 • x 1 #12


krimi56

krimi56

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Liebe Maiblume,

ich habe meiner Freundin von der neuen Diagnose erzählt.

Und danke für deine Sorge, dass ich den Kontakt mit meiner Freundin nicht einfach so abbrechen soll.
Das werde ich auch nicht.
Der Kontakt zu ihr ist mir sehr wichtig.

Zurzeit bin ich im Krankenhaus. Sobald ich wieder zu Hause bin werde ich sie anrufen.

Ich wünsche dir eine gute Nacht.
krimi

21.10.2020 23:29 • x 1 #13


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Maiblume

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Liebe @krimi56,

dann wünsche ich dir jetzt erst mal alles gute für deine Zeit im Krankenhaus und versuch trotzt aller Umstände
das Thema fürs erste abzuschalten.

Es ist schön das auch dir eure Freundschaft wichtig ist, aber du solltest nun erstmal an erster Stelle nur an dich denken.
Sorgen und Kummer rauben dir nur zusätzlich Energie.

Alles Liebe und Gute.

Maiblume

22.10.2020 19:09 • x 1 #14


krimi56

krimi56

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Guten Morgen!

Heute Vormittag verlasse ich meinen geschützten Raum im Krankenhaus.
Warum geschützt?
Ich hatte bewusst kein Smartphone mitgenommen, damit ich von SMS bzw. WhatsApp Abstand nehmen konnte. Somit bestand für mich nicht der Drang nachzusehen, ob meine Nachrichten gelesen wurden.
Meine Feststellung daraus ist, dass ich mich selbst von diesem Medium WhatsApp habe manipulieren lassen. Nachzusehen, ob meine Nachrichten gelesen wurden.
Mein Fazit - es hat mir gut getan.
Wieder zu Hause werde ich in WhatsApp Änderungen vornehmen.

Elektronisch gesehen war ich jetzt nicht auf einer Insel. Mein Tablet hatte ich mit, um mit meiner Familie in Verbindung zu sein.
Meiner Freundin habe ich Mails geschrieben, wie es mir geht. Es kam leider keine Antwort. So gehe ich davon aus, dass sie meine Mails nicht gelesen hat.
Wenn ich innerlich zu Hause angekommen bin, werde ich ihr schreiben oder sie anrufen. Aber ob es gleich heute sein wird weiß ich noch nicht.

Ich freue mich auf mein Zuhause, meine Familie und meinen Seelenhund.

LG an alle
krimi

28.10.2020 09:59 • x 1 #15

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