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Ich kann einfach keine Kontakte knüpfen - Soziale Phobie

Kat

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Guten Abend euch allen

Ich bin 25 und ihr könnt mich gerne Kathi nennen.

Wie oben im Titel schon steht leide ich unter anderem an einer Sozialphobie. Ich habe in vielen Situationen große Angst zu versagen - die Hauptangst besteht immer darin nicht gemocht oder ausgegrenzt zu werden.
Leider passiert mir genau das immer und immer wieder und ich kann mir kaum noch erklären wieso.

Ich bin nun, auch bezüglich meiner Krankheiten, in der zweijährigen Erzieherausbildung. Vorher habe ich die zweijährige Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin gemacht. Egal in welche Klasse ich bisher kam, etwa ich hatte verdammt viel Glück mindestens einen Kontakt zu finden oder es ist wie jetzt in der Erzieherausbildung: ich habe niemanden.
Ich hocke in den Pausen alleine. Während der Stunden kann sich eh jeder so hinsetzen wie er will und irgendwo lande ich dann auch. Ihr könnt euch vorstellen, dass für mich die Ankündigung einer Gruppenarbeit,- oder Präsentation die Hölle ist! Ich muss immer gucken wo ich bleibe!

Jetzt habe ich die Sozialphobie und die Kontaktschwierigkeiten ja nicht seit gestern, sondern schon sehr sehr lange. Ich konnte schon nicht in den Kindergarten gehen, da ich immer Angst vor anderen hatte.
In der Schulzeit ging es, ich war aber eher die ruhige (wenig Freunde). Selbst meine Eltern versuchten mir zu helfen, indem sie mir damals Süßigkeiten mitgaben und meinten, dass ich doch einfach mal welche anbieten soll. Ihr glaubt ja wohl nicht dass ich damit Anschluss gefunden habe. Mit 15-16 kam ich in meiner Verzweiflung nur noch auf eine Lösung - Es muss das Aussehen/Gewicht sein! Ich schlitterte damit 2 Jahre in die Magersucht. Die habe ich Gott sei Dank im Griff - und ich bin leider auch genauso gewichtig wie vorher.
Ich hatte natürlich Gesprächstherapie in der ganzen Zeit und verschiedene Medikamente ausprobiert.

Danach hatte ich zwei verschiedene Ausbildungen, die abgebrochen wurden (meinerseits, firmenseits.)
Ich habe mir während der Genesungszeit und selbst jetzt soviel über Kontakte knüpfen durchgelesen und angeguckt (Ich habe meine eigene kleine Bibliothek hier!) und soviel ausprobiert (Mimik, Gestik, Sprachtechniken, Sprachthemen. .

Aber es bleibt immer das selbe, etwa ich habe Glück und finde eine Person unter vielen oder ich sitze wie jetzt alleine da.
Ich versuche wirklich mit größter Mühe, meine Fehler zu finden. Am Anfang der Erzieherausbildung war ich so mutig, dass ich direkt auf alle zuging. Ich war mal hier, hab mal mit dem und den geredet. Aber es blieb nur beim reden und es baute sich keine Bindung auf!
Es ist zum verzweifeln. Ich bin auch schon während dem reden so voll im Kopf, da ich immer noch daran denke, wie ich die Sätze formuliere, wie ich gestikuliere und welchen Gesichtsausdruck ich dabei habe.
Ich schaffe es bis heute nicht einfach zu lächeln. Dieses anlächeln geht bei mir einfach nicht automatisch.
Ich habe das mal versucht auf der Straße, aber fühlte mich dabei total bescheuert da ich ja auch vom Spiegel her wusste wie doof und verkrampft das bei mir aussieht. (und so fühlt sich das auch an, Gruß von meinen Gesichtsmuskeln)

Momentan habe ich auch eine Therapeutin. Ich sprach sie darauf an, was ich tun könnte. Es macht mir zu schaffen das ich einfach keine Kontakte/Bindungen zu anderen aufbauen kann. Ich versuche es und es klappt nicht. Oder die Leute mögen mich anfangs und wenden sich dann ab. Und ich habe sowas leider so häufig erlebt. Ich habe sogar Absagen nach Probetagen bekommen für Ausbildungen mit Aussagen: Sie sind gut in ihrer Arbeit und allem, aber das Team hat bemerkt das sie als Mensch nicht zu uns passen."
Auf die Frage, was genau nicht passt, bekam ich die Antwort, dass die Sympathie /Chemie wohl nicht gestimmt hat. (Ich flieg nicht wegen meiner Fähigkeiten raus, sondern weil man mich nicht mag. Prima)
Ich habe das Gefühl, dass "mögen" heute echt schon 2/3 der Miete ist. Ich fragte meine Therapeutin direkt, ob ich nicht eine Verhaltenstherapie machen könnte um den Fehler zu finden. Wahrscheinlich fehlen mir die sozialen Fähigkeiten. Ich bin ja auch wirklich sehr unsicher im reden mit anderen. Da meint sie wortwörtlich, ich wäre zu alt dafür und man muss auch nicht von jeden gemocht werden. Ich solle lernen das es normal ist, dass ein einige Menschen nicht mögen und das man sich sowas nicht zu Herzen nehmen muss. Wow.

Ohne Überweisung komme ich ja nicht an so eine Therapie heran. Ärzte verschreiben nur Psychotherapie. Privat ist zu Teuer (Hätte da jemand eine Idee?)

Momentan bange ich auch um meine Ausbildung. In der Schule bin ich komplett im 2er Bereich. Aber die Kollegen in der Praxis mögen mich nicht. Und die müssen mich auch bewerten.
Es kommt zu Unverschämtheiten mir gegenüber (Sprüche). Ich habe jetzt schon Angst das irgendwas in meinem Projekt schief geht und die mir ein "nicht bestanden" reindrücken. Das wär's gewesen mit der Erzieherausbildung. Mit dem Lehrern habe ich geredet, da ich die Praxis wechseln wollte (fühle mich auch nicht wohl, und das bei praktischen Leistungen). Nein, die Lehrerin meint das kann man mündlich klären. Natürlich.

Es ist soviel Text und es tut mir Leid. Nur ich bin wirklich sehr sehr verzweifelt. Ich habe so gut wie keine Freunde mehr. Einen Partner sowieso nicht und das mit 25 Jahren. Ich leide unter so vielen Ängsten und Psychosen. Nicht nur mein Sozialleben (und ich mag es mit anderen was zu unternehmen! Ich bin kein Eigenbrötler) auch mein Arbeitsleben leidet darunter. Ich wünschte, ich könnte sagen :,, ich kann keine Kontakte aufbauen, ich traue mich aber auch nicht mit anderen zu reden. " Das mit dem Überwinden ist es ja nicht. Ich habe mich so sehr gedreht das ich sogar die Gespräche trotz Angst von mir aus anfange und mich zu Beginn überall dazu stelle. Aber ich merke irgendwann die Abneigung bzw. werde ich nicht gefragt, wie die anderen, ob ich auch wieder mit zur Cafeteria will. Ich laufe nun auch nicht wie ein Hund immer hinterher.


Das einzige was mir noch sehr stark auffällt, was vielleicht wichtig wäre, ist das ich merke das mit mir die Gespräche immer sachlich/ernst sind. Wenn ich die Leute, mit denen ich redete, beobachte wie sie mit anderen reden, wird sehr viel gelacht und lustige Geschichten erzählt. Sobald diese mit mir reden wird es wieder ernst. Nur leider kann ich nicht witzig erzählen.
Vielleicht ist es auch einfach mega langweilig mit mir zu reden. Es kommt auch oft vor, dass mir nichts mehr einfällt und dann sitzt oder steht man da und schweigt sich an.
Wie kann ich das denn bessern?

Noch paar Kleinigkeiten. Es gab einige Menschen die Aussagen fallen ließen.

- Also wie ich dich das erste mal gesehen habe, dachte ich du wärst total arrogant. Hast so geguckt.
- Ich habe das Gefühl, die kann mich überhaupt nicht leiden (Ein Kumpel einer Freundin von mir, die für mich herausgefunden hat, wieso er mich meidet. Auf die Frage wieso, konnte er nicht antworten. War ein Gefühl)
- Jemand aus meiner jetzigen Klasse der mich mag (besser was von mir wollte) und sehr gut Kontakt mit jedem hat, meinte dass er nicht weiß wieso mich alle meiden. Aber er denkt eher, ich grenze mich selber aus.
Ich erklärte ihm, dass ich doch anfangs immer mit gelaufen bin. Irgendwann dann nicht mehr, weil auch nicht auf mich gewartet wurde. Und scheinbar scheint es auch nicht zu stören das ich nicht dabei bin.
Er meinte darauf, dass er es sich auch nicht erklären kann. - letztens waren fast alle aus der Klasse zu einer Feier von einer Mitschülerin eingeladen, die eigentlich immer nett mit mir redet. Ich war die einzige die nicht eingeladen war.
- Eine gute Freundin von mir meinte auch, dass ich mich selbst ausschließe. Ich solle mich einfach dazu stellen.

Aber ich stelle mich doch nicht unerwünscht nach über einen halben Jahr zu geschlossenen Gruppen.
Mal abgesehen merke ich genau, ob ich erwünscht oder unerwünscht bin.

Manchmal habe ich das Gefühl ich bin hinterm Mond aufgewachsen und habe keine Ahnung bzw keine Sprachskills entwickelt, wie man mit Menschen in Kontakt tritt und Bindung aufbaut. Das einzige was ich kann ist mit Menschen "Kommunizieren" -in oberflächlicher Form. Als wenn ich Cortana per Sprache Fragen stelle und es Antworten gibt. Das wars dann aber auch.
Und Bücher ersetzen, wie ich schmerzlich merke, die Praxis einfach nicht.
Auch kämpfe ich gegen Depressionen und einer heftigen Müdigkeit an. Es laugt mich einfach auch nur noch aus. Das allein sein, der Kampf, die ganzen (Verlust-)Ängste.

Hat irgendjemand Tipps? Ich wäre wirklich sehr dankbar. Und entschuldige nochmal das der Text so lang und wirr ist.

Liebe Grüße

Kathi

10.03.2019 23:08 • #1


Axel61

Axel61

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Willkommen im Club.

Wenn ich das so lese, dann finde ich mich da wieder. Ich würde es aber nicht als Sozialphobie bezeichnen. Ein Phobie würde bedeuten, dass Du keinen Raum betreten kannst, in dem sich Menschen befinden. Das hast Du ja wohl nicht. Du gehört, wie ich, einfach nicht zu denen, die sich in den Vordergrund spielen. In der heutigen Zeit, wo die Familienbindungen nicht mehr so viel bedeuten und jeder nur noch nach Selbstverwirklichung strebt, da ist es für uns halt ziemlich schwer. Ich habe schon mehrfacht versucht alte Kontakt wieder aufzunehmen. Es passiert aber nur wes, wenn ich da selbst immer auftauche. Zurück kommt fast nie was. Ein Rat? Meine Psychologin sagt ich soll mir überlegen was ICH will und machen kann. Was Andere von mir halten muss mir egal sein. Wobei man sich da oft auch was einredet, was gar nicht stimmt. Es ist nicht so, dass man unsympathisch ist. Die Anderen sind einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Da kann man nicht viel machen, außer es zu akzeptieren. Sonst hilft nur Verein

11.03.2019 09:54 • #2


Kat


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Hallo Axel,

Danke für deinen Beitrag!
Auch wenn der Zustand nicht schön ist, freu ich mich das ich damit nicht allein bin.
Meine Sozialphobie war eine Zeit lang so stark, dass ich nicht mal aus dem Haus gehen wollte.
Und wenn ich mir das Bild von Sozialphobie so durchlese, passt das schon auf mich.
Ich kämpfe nur wirklich sehr stark dagegen an, daher würde man nie von außen denken das ich eine habe.
Typisch sind bei mir die hohen Fehlzeiten in der ersten Ausbildung, die alle nur dadurch entstanden weil ich wegen irgendwelcher Umstände wie Präsentationen oder Mitmenschen mich nicht traute in die Schule zu gehen. Ich hatte während dieser Ausbildung so viele Fehlstunden, dass ich sie fast nicht mehr beenden durfte. Seit der Erzieherausbildung hat sich das um fast 2/3 gebessert. Die paar Fehltage die ich immer noch habe sind aber leider bis jetzt nicht einmal deswegen gewesen, weil ich (körperlich) krank war.
Daher zähle ich mich irgendwo schon zu den Sozialphobikern.

Deine Aussage hat natürlich Hand und Fuß. Es ist alles schnelllebiger geworden und es gibt einfach viele Menschen, die ihren Fokus aus etlichen Gründen auf sich selber haben. Und übrigens auch wenig Verständnis für andere - verlangen aber selber immer Verständnis für sich selber.
Trotzdem fällt es ja auf, dass in meiner Klasse - und auch woanders - alle in Gruppen laufen und ich die einzige Einzelgängerin bin.
Wahre und feste Freunde wären schon Klasse, aber mein Anspruch ist da in der Schule nicht so groß.
Mir würde es reichen wenn ich einfach während der Schule auch in einer Gruppe akzeptiert bin. Zusammen lässt sich der Schultag einfach besser überleben und bewältigen. Verstehst du was ich meine?

>Wobei man sich da oft auch was einredet, was gar nicht stimmt. Es ist nicht so, dass man unsympathisch ist. Die Anderen sind einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt.<

Ich finde deine Einstellung sehr gesund. Die will ich dir auch echt nicht nehmen! Aber es gibt so viele Menschen da draußen. Und auch so viele Menschen speziell nun in meiner Klasse (fast 30). Wenn sich alle so einig sind nach einer Zeit, dass sie einen Menschen nicht näher im Kontakt haben wollen außer Hallo und tschüss, muss es einen Grund geben. Und ich glaub nicht dass das daran liegt, dass man auf andere Sympathisch wirkt.
Vielleicht liest du das hier noch einmal, aber wie kommst du mit diesem akzeptieren zurecht?
Ich mein, durch die Akzeptanz dessen ändert sich ja die Situation für einen nicht. Wie kommst du mit der Ablehnung/Ausgrenzung zurecht?

Verein ist so eine Sache. Wollte ich mal. Aber erstens kostet es Geld (Ich bin in einer schulischen Ausbildung ohne Vergütung und habe eine eigene Wohnung. Ich lebe von Aufstiegs-BaföG UND der Arge, um alles zu finanzieren. Zweitens fehlt die flexible Zeit. Und die nimmt besonders die Erzieherausbildung sehr gerne in Anspruch. Deswegen gehe ich ins Fitnessstudio - freie Wahl, wann ich kommen kann.

_________________
Liebe Grüße

Kathi

11.03.2019 22:22 • x 1 #3


CeHaEn

CeHaEn

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Moin Kathi

sag Bescheid, wenn du eine Patentlösung gefunden hast.

Ich habe bislang auch noch nie richtig verstanden, woran es bei manchen Leuten (und oftmals auch mir) scheitert. Vielleicht merken die anderen Leute, dass man sich gerade überwindet. Du hast selbst schon geschrieben, dass sich die ganze "angelesene" Körpersprache für dich sehr verkrampft anfühlt. Dann wurde über dich gesagt, du wirktest überheblich oder desinteressiert. Viele Leute werden so wahrgenommen, wenn sie ihr Gesicht entspannen. "rbf" darf gegoogelt werden. Das ist eine blöde Fehleinschätzung, aber in diesen Sekunden des ersten Eindrucks kann man nichts dagegen tun.

Teilweise kann man auch die innere Anspannung eines Menschen mehr oder weniger konkret wahrnehmen - und das sorgt oft für Verunsicherung.
Ich denke, deswegen kannst du auch nicht auf biegen und brechen vermeintlich angenehmere/lustigere Gespräche herbeiführen. Wie sieht es eigentlich aus, wenn du dir die Gespräche der anderen untereinander anhörst? Interessieren sie dich überhaupt und möchtest du gern mitreden? Hast du das Gefühl, dass du manchmal etwas beitragen könntest?

Ich kenne das bspw. von Gesprächen über Katzen. Ich habe überhaupt nichts nichts gegen Katzen, aber sie interessieren mich nicht. Nun haben aber viele Leute Katzen und scheinen manchmal auch kein anderes Thema zu kennen. Da sitze ich manchmal daneben und komme mir völlig fehl am Platz vor. Ich kann mich da auch nicht einklinken - was sollte ich sagen? "Ich habe übrigens zuletzt im Januar 2018 eine Katze gekrault"? Nee, lass mal.

Aber wie geht es dir, wenn du angesprochen wirst? Du hast geschrieben, dass du dann schlicht Antwortest. Wie fühlst du dich dabei? Ödest du dich selbst an?

12.03.2019 00:25 • x 3 #4


mutmacher

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"Ich habe übrigens zuletzt im Januar 2018 eine Katze gekrault."


klasse- ich kann grad nicht mehr aufhören mit Lachen

12.03.2019 01:15 • x 2 #5


Kat


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Huhu ihr Zwei
Wie die Gesprächspartner wohl bei der Randinformation von CeHaEn reagiert hätten.
Toll, da hat er auch mal was gesagt

Das mit der Gesichtsentspannung wird mal gegooglet. Aber wir haben in meiner Klasse auch eine die immer genervt aussieht. Ich sitze trotzdem alleine auf der Außenseiterbank.

Natürlich kenne ich die Gespräche, wo ich nichts zu beitragen könnte. Etwa weil mir das Wissen fehlt oder weil es mir schlicht und ergreifend hinten vorbei geht.
Es gibt aber auch viele Gespräche die mich interessieren. Vor allem gilt mein Interesse einer Gruppe, die sehr auf die Schule fokussiert ist, über den Alltag redet und einfach menschlich mein Ding ist. Leider sehen sie es bei mir nicht so. Ich kam von Anfang an nicht wirklich rein in diese Gruppe. Schade. Freundlich reden kann man aber.

Bei deiner letzten Frage musste ich den Kopf schief legen. Also bis jetzt habe ich es geschafft mich sprachlich nicht selber anzuöden -ehrlich gesagt rede ich aber auch selten mit mir und noch seltener höre ich mir dabei zu .
Ich denke jeder hat im Alltag so seine Sprachmuster. Ich wäre auch etwas irritiert, wenn jemand jede paar Tage seine Art des Satzbaues und dessen Sprachmelodie ändern würde.

Ich bin übrigens nicht nur innen verspannt sondern auch außen. Ich muss kein Sport machen um zu wissen wo ich überall Muskeln habe.
Auch wenn die Menschen es vielleicht spüren und das verunsichert, kann ich ja aber recht wenig gegen die inneren Ängste machen. Ich bin stolz das ich es trotz Angst mindestens versuche.

Ich fand interessant, dass du nicht nur von dir sondern auch von "anderen" gesprochen hast.
Konntest du mal bewusst Außenseiter beobachten? Konntest du feststellen, woran das liegt das sie ausgegrenzt werden?

Ich habe persönlich sowas erst 2x in meinen Leben erlebt. Bei der einen war es für mich klar, bei der anderen sind es wohl auch Verhaltensmuster gewesen die ich persönlich einfach nicht "erklären" kann.

Mit der einen hat man geredet und sie konnte am besten Ja oder Nein sagen.
Keine eigene Meinung. Wenn man sie nach irgendwas fragte, waren die Sätze immer so knapp wie möglich. Ich habe es oft probiert, weil ich dachte sie sei nur mega ängstlich. Aber selbst nach mehrmaligen Gesprächen gab es da nichts raus zu holen.

Die zweite babbelte sofort jeden an und war eigentlich freundlich. Sie war die eine Person, wo ich es mir selber nicht erklären konnte. Andere auch nicht direkt. Sie war für viele einfach "merkwürdig". Für mich war ihr Verhalten auch "komisch".

Ich habe so das Gefühl, ich falle in die zweite Kategorie. Zwar werde ich nicht mit merkwürdig betitelt, aber wenn ich Leute frage die mich kennen krieg ich ja nur so antworten wie :,, das verstehe ich auch nicht." oder ,, Du grenzt dich selbst aus." Was soll man damit anfangen?

Übrigens vielleicht doch ganz interessant zu wissen. Ich habe wenige Freunde, aber die Freunde die ich habe gehören alle zu den "normalen". Die, die easy Kontakte schließen und auch mehrere haben. In meiner vorherigen Ausbildung habe ich meine jetzige beste Freundin kennengelernt.
Damals in der Realschule hatte ich so eine ähnliche. Wir hingen nur zusammen rum und sie zog mich überall mit (auch zu den anderen) aber sie hätte auch mit jeden anderen zusammenhängen können als mit mir.
Leider habe ich auch einmal miterlebt, dass meine Freundin gefragt wurde wieso sie mit jemanden wie mit mir rumhängt. Da meinte sie, dass sie aufhören sollen sowas bescheuertes zu sagen. Sie kennen mich doch gar nicht. (leider fragte ich damals nicht, was die Ladies gegen mich gehabt haben.)

Hier fragte ich mich oft, was denn nun ist. Bin ich merkwürdig? Wieso komme ich mit niemanden zurecht, und wenn, dann mit jemand mit dem auch jeder andere zurecht kommt? Wenn ich so "unnormal" bin das sonst keiner was mit mir ernster zutun haben will, wieso dann die Leute die es gar nicht nötig haben mit mir abzuhängen?
Mein Sozialleben ist auch ein Rätsel.


Wie würdest du dich selber beschreiben? Weil vom schreiben her wirkst du eher wie der Mittel-Socialmaker (Socialmaker - mein Wort für Menschen die Soziale Kontakte aufbauen können). Also du kommst mit paar Leuten zurecht - und mit einigen nicht. Liege ich richtig? Dann wäre bei dir doch alles normal. Es können einen ja nicht alle mögen. Bei mir geht die Wahrscheinlichkeit das mich von 30 Leuten einer mag/sich an mich bindet gefühlt gegen 10%. Das finde ich bedenkenswert.

Ich bin der MEINUNG, dass keiner ein Außenseiter sein müsste und alles von unserem Verhalten gegenüber anderen abhängt.
Nur ist es, wenn man erwachsen ist, nicht mehr so einfach herauszufinden woran es liegt das man sozial abgelehnt wird.
Bei Kindern ist klar, dass wenn z.B. der Eddy dem Peter immer sein Auto wegnimmt, dass der Peter den Eddy doof findet und nicht mehr sein Freund sein möchte. Ich nehme übrigens niemanden (mehr) seine Sachen weg.
Das muss man doch fixen können. aber wie, wenn man sich selber von außen im Alltag nicht erleben kann und daher das Problem nicht kennt?


Obwohl ich ein Einzelkind bin, teile ich natürlich die zukünftig gefundene Patentlösung gerne mit dir/euch - vielleicht finden wir sogar eine gemeinsam.

Erstmals eine schöne Gute Nacht, ich müsste schon seit mindestens 2 Stunden schlafen!

Gruß

Kathi

12.03.2019 03:06 • x 2 #6


Alexandra2

Alexandra2

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Moin Kathi,
Herzlich willkommen.
Mir fällt auf, daß Du Dich, je mehr Du Dich in das Thema verbeisst, umso häufiger abgelehnt fühlst und dagegen angehst. Du wirst mit noch mehr Anstrengung nichts erreichen.
Ich vermute, Deine Angespanntheit macht den Anderen zu schaffen, es ist ihnen zu anstrengend.
Das kenne ich alles selbst. Bis Mitte 30 hatte ich kaum Freunde, fühlte mich ausgeschlossen und glaubte, das bleibt so. Aus meiner Sicht stellt sich das so dar:
aus Unsicherheit entsteht das Problem, niemand mag mich
aus Anspannung verhärtet sich das Problem
dadurch steigerst Du die Anstrengung- ein Teufelskreis entsteht

Was hat mir geholfen?
Einsichten:
Ich lasse los
Die Anderen haben das Recht, mich nicht zu mögen
Ich habe das Recht, ich zu sein
Ich will mich nicht anbiedern
Ich tue das, was mir Spaß macht
Dazu war ich (zufällig) viele Jahre im Gospelchor, das hat Spaß gemacht, das Selbstvertrauen gestärkt (es braucht Mut, laut zu singen, baut perfekt Stress ab und gleicht seelische Disharmonien aus) und das Problem rückt in den Hintergrund. Der wichtigste Effekt war für mich das gestiegene Selbstbewusstsein, das war vorher quasi nicht vorhanden.

Wenn Du ins Gespräch kommst, versuche nur hinzuhören, Dich dem Anderen vollkommen zuzuwenden. Viele viele Fragen zu stellen, Dich einzufühlen und nichts, aber auch gar nichts von Dir zu berichten. Mache das mal eine Weile, beobachte dabei die Reaktionen. Nur beobachten, nicht bewerten.
Jeder Mensch will vom Anderen gesehen werden und es ist merkwürdig, wenn jemand Kontakt sucht und sich anscheinend nicht für einen interessiert. Ohne dieses echte Interesse, wird eher abgeblockt.
Liebe Grüße
Alexandra

12.03.2019 06:06 • x 5 #7


Axel61

Axel61

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Ich bin Legastheniker (leicht) und habe ein miserables Namengedächtnis. Daher kann ich mir einfach die Vornamen von Leuten erst nach Monaten merken. Oft wurde das dann als Arroganz ausgelegt, wenn ich nach ner Woche nicht mit 'Hallo Peter, wie geht es' auf neue Kontakte zugehen konnte. Oft ist bei mir dann auch nach ein paart Wochen strampeln die Luft raus und ich ziehe mich zurück nach dem Motto: 'Schau mer mal ob jetzt was von der andern Seite kommt'. Natürlich kommt da in den seltensten Fällen was. seien wir doch mal ehrlich. Wenn ich mich hier 4 Wochen lang nicht mehr melde, wer schickt dann eine PN und fragt was los ist? Der Mensch ist auf Kleingruppen von 5-6 Personen geprägt.

Man muss da einfach erkennen, was man will, was geht und was nicht und was realistisch ist. Die Meisten sind nicht zum Karnevalsprinzen geboren und wollen das auch gar nicht sein. Und wenn der Prinz dann pleite ist und Alk., wer interessiert sich denn dann noch für Ihn? Erwarten, das jemand von selbst auf mich zu kommt, kann ich nur von meinem Therapeuten, und da zahle ich dafür. So ist das nun mal. Sich das klar zu machen und zu akzeptieren, ist für mich wesentlich. Dann kann man daran arbeiten, diesen kleinen Kreis zu festigen und von meinen 100 Facebook-Freunden gehört da keiner dazu, und auch keine meiner Ex'en. Das war aber nie anders. Das soll jetzt gar nicht frustrierend klingen, aber die Realität zu erkennen ist der erste Schritt zur 'Heilung'. 'Jetzt erst recht' muss da das Motto werden.

12.03.2019 09:32 • x 4 #8


CeHaEn

CeHaEn

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Zitat von Kat:
Wie die Gesprächspartner wohl bei der Randinformation von CeHaEn reagiert hätten.
Toll, da hat er auch mal was gesagt

Zum Beispiel. Oder (auch schon erlebt): Alles von "aha." bis "das interessiert niemanden." Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich selbst auf diese Äußerung reagieren würde. Das hängt bestimmt auch davon ab, wie ich zu der Person stehe.

Zitat von Kat:
Ich denke jeder hat im Alltag so seine Sprachmuster. Ich wäre auch etwas irritiert, wenn jemand jede paar Tage seine Art des Satzbaues und dessen Sprachmelodie ändern würde.

Richtig, das wäre auch seltsam. Bestimmt hast du schon Menschen erlebt, deren Sprachmuster du anstrengend findest. Da habe ich für mich festgestellt, dass auch hier mein Standpunkt zur Person eine Rolle spielt. Wenn ich die Person mag, dann finde ich es vielleicht charmant und gebe ihr mehr Spielraum für solche random Randinformationen wie oben. Weiß ich mit der Person nichts anzufangen, dann kann es aber mein Interesse an ihr weiter bremsen und wenn ich sie nicht mag, dann geh mich wech mit dein Kack.
Ich bin mir sicher, dass das völlig normal ist.

Zitat von Kat:
Auch wenn die Menschen es vielleicht spüren und das verunsichert, kann ich ja aber recht wenig gegen die inneren Ängste machen. Ich bin stolz das ich es trotz Angst mindestens versuche.



Zitat von Kat:
Konntest du mal bewusst Außenseiter beobachten? Konntest du feststellen, woran das liegt das sie ausgegrenzt werden?

Ich habe persönlich sowas erst 2x in meinen Leben erlebt. Bei der einen war es für mich klar, bei der anderen sind es wohl auch Verhaltensmuster gewesen die ich persönlich einfach nicht "erklären" kann.
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Sie war für viele einfach "merkwürdig". Für mich war ihr Verhalten auch "komisch".
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aber wenn ich Leute frage die mich kennen krieg ich ja nur so antworten wie :,, das verstehe ich auch nicht." oder ,, Du grenzt dich selbst aus." Was soll man damit anfangen?

AH! Dir geht es manchmal genau wie den Leuten, die dir diese tatsächlich wenig aussagekräftigen Antworten geben.
Deine Beobachtung habe ich selbst auch schon gemacht. Bei manchen Menschen wusste ich nicht, was sie "falsch" machten. Andere hielten sich für etwas Besseres, waren der Pausenclown und bettelten förmlich um Aufmerksamkeit. Manchmal waren sie schlicht unbeholfen. Dabei war das auch nur der äußere Eindruck. Woher ihr Verhalten kam, kann ich nicht sagen.

Manchmal kann man es einfach nicht richtig erklären. Und manchmal ist man in der einen Runde selbst der komische Vogel, während man in einer anderen Runde zu den "Normalen" gehört.
Das finde ich selbst auch schrecklich verwirrend und i.A. möchte ich die Dinge hinreichend verstehen. Jedoch ist es sicherlich wichtig - wie @Axel61 und @Alexandra2 sagten - es hinzunehmen und loszulassen. Bevor es keine Bregen-to-speech-Apparate gibt, die zuverlässig sämtliche Impulse des Gehirns in Sprache umwandeln, werden wir die Antwort wohl nie erhalten. Und sollte es diese Technik einmal geben, dann sind wir alle so richtig gekniffen!

Zitat von Kat:
Wie würdest du dich selber beschreiben? Weil vom schreiben her wirkst du eher wie der Mittel-Socialmaker (Socialmaker - mein Wort für Menschen die Soziale Kontakte aufbauen können). Also du kommst mit paar Leuten zurecht - und mit einigen nicht. Liege ich richtig? Dann wäre bei dir doch alles normal. Es können einen ja nicht alle mögen. Bei mir geht die Wahrscheinlichkeit das mich von 30 Leuten einer mag/sich an mich bindet gefühlt gegen 10%. Das finde ich bedenkenswert.

Deine gefühlte Ablehnung kenne ich auf gewisse Weise auch. Ich zeige selbst Anteile einer sozialen Phobie; das wird durch meine Depressionen und eine Tendenz zu einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung nicht besser. Ich habe große Angst davor, selbst auf Menschen zugehen zu müssen und gehe ungewollt mit deiner Wahrnehmung vor die Tür.
Dabei hast du schon Recht: Ich komme mit einigen Leuten zurecht und mit anderen nicht. Tatsächlich würde ich mich als ziemlich umgänglich beschreiben und habe bestimmt auch schon Menschen überrascht, die mich angesprochen haben.
Ein Freund von mir sagte es einmal so: Ich sei nach außen hin sehr still und wirke manchmal auf den ersten Blick ablehnend. Allerdings wirke ich auch völlig unbedrohlich, so dass man mich "gefahrlos" ansprechen könne und dann stelle sich heraus, dass man sich mit mir wohlfühlen könne.

Ich habe schon erfolglos versucht, mich in Gespräche einzubringen und dabei habe ich ganz bestimmt auch unbeholfen gewirkt. Auf der anderen Seite haben mich auch vermeintlich "fähigere" Menschen angesprochen, weil ich still war - und meine erste Wahrnehmung galt dem irgendwie verzweifelt wirkenden Gesprächsstart. Die Dame hätte mich fragen können, woher ich ihre Freundin kannte, was ich so mache. Stattdessen fragte sie, ob der Bildschirmschoner meines Telefons nicht den Akku leersaugen würde.
Dabei war es gar kein verzweifelter Versuch. Die Frau hatte schlicht einen unverfänglichen Konversationsstart gesucht, etwas harmloses - weil sie mit mir sprechen wollte.
Genau solche lockeren Starts fallen mir schwer. Irgendwo verlange ich von mir selbst "interessante" Gespräche - nur nicht mein Gegenüber langweilen! Entweder meine ich also etwas Gehaltvolles sagen oder zumindest witzig sein zu müssen.

Zitat von Kat:
Ich bin der MEINUNG, dass keiner ein Außenseiter sein müsste und alles von unserem Verhalten gegenüber anderen abhängt.

Das ist stimmt, aber unsere menschliche Begabung zu Vernunft und Reflexion kann Instinkte (mir fällt kein besseres Wort dafür ein) abschalten. Wir können ihnen mitunter Grenzen setzen und ihnen andere Spielfelder bieten, aber sie sind immer da.
Es ist immer der erste Eindruck von einem Menschen, der in uns auch viel auslöst. Wenn unser Gegenüber da schon unten durch ist, wird es besondere Schwierigkeiten haben. Zweite und dritte Chancen kann man bewusst einräumen, aber das will man oft einfach nicht.

Zitat von Kat:
Nur ist es, wenn man erwachsen ist, nicht mehr so einfach herauszufinden woran es liegt das man sozial abgelehnt wird.
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Bei Kindern ist klar, dass.

Gerade bei Kindern ist es ganz oft unklar. Da reicht eine kleine - völlig unbedeutende - Andersartigkeit in willkürlicher Hinsicht, und ein Kind kann zur Zielscheibe werden. Gerade jungen Menschen fehlt häufig noch das Ausdrucksvermögen, um eine Spur zur Ursache legen zu können, und das Verständnis für verborgene Zusammenhänge.

12.03.2019 11:15 • x 2 #9


mutmacher

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hallo, Kathi
Ich meine auch, Du strengst Dich da viel zu sehr an. Mir persönlich fallen Menschen ins Auge, bzw sind mir sympathisch, die einfach authentisch sind, d.h. sich nicht verbiegen wegen Anderen- die immer sie selbst bleiben-- und: da gebe ich Alexandra Recht: ZUHÖREN KÖNNEN (und ja, so wenig von sich selbst reden als möglich). Personen die jeden 2.Satz mit ICH und MIR. beginnen, kannst Du sowieso knicken.
Mir sind Menschen begegnet, die so gehemmt und unsicher waren, dass sie keinen Satz rausbrachten, alles an ihnen verriet ihre Unsicherheit, Angst und Scheu.und: mir waren die sowas von sympathisch, sie wecken irgendwie Beschützerinstinkte in einem und man versucht automatisch sie liebevoll anzusprechen und aus ihrer Ecke rauszuholen, in der sie sich verkrochen haben. Gerade das waren oft wertvolle Menschen, die nicht unbedingt beständig im Mittelpunkt stehen wollten.
Ich meine: 1. Nimm Dich selbst, Deinen Charakter, Deine Art zu sprechen oder zu schweigen als 1.Priorität an. Du bist genau richtig so, wie Du bist- Du brauchst Dich nicht verbiegen um Anderen zu gefallen.
2. Hör gut zu. Das ist wichtiger als zu reden. Hör auch das zwischen den Zeilen, das Ungesagte, schau den Mensch an, der gerade spricht und nimm ihn ernst, gib ihm Antwort, wenn Du glaubst, sie hilft ihm weiter- aber bleibe immer auch bei Dir selbst. Blos keinen Smalltalk! Ist doch meist nur gequirrlte Kacke. Unsere Gespräche sollten Qualität, nicht nur Quantität haben- verstehst Du, was ich meine, Kathi ?
Ach ja, noch was: Humor, lache, wenn Du etwas spaßig findest. Humor öffnet viele Türen.
lb. Grüße

12.03.2019 11:18 • x 5 #10


Pilsum

Pilsum

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Hallo Kathi,

bisher fällt es Dir vielleicht noch schwer, Kontakte zu knüpfen.
Das kannst Du mit der Zeit aber ändern.
Zitat:
Das einzige was mir noch sehr stark auffällt, was vielleicht wichtig wäre, ist das ich merke das mit mir die
Gespräche immer sachlich/ernst sind.


Nun, das ist doch schon etwas sehr, sehr Wichtiges. Bei den von Dir beschriebenen
starken sozialen Ängsten wirst Du vermutlich eine überzogene Sachlichkeit und
Kühle ausstrahlen.
Zitat:
- Also wie ich dich das erste mal gesehen habe, dachte ich du wärst total arrogant. Hast so geguckt.
- Ich habe das Gefühl, die kann mich überhaupt nicht leiden (Ein Kumpel einer Freundin von mir, die für mich herausgefunden hat, wieso er mich meidet. Auf die Frage wieso, konnte er nicht antworten. War ein Gefühl)
- Jemand aus meiner jetzigen Klasse der mich mag (besser was von mir wollte) und sehr gut Kontakt mit jedem hat, meinte dass er nicht weiß wieso mich alle meiden. Aber er denkt eher, ich grenze mich selber aus.


Die Aussagen anderer scheinen zu bestätigen, dass Du Dich teilweise selbst ausgrenzt.
Zitat:
Aber ich merke irgendwann die Abneigung


Das meinst und empfindest Du so.
Zitat:
Ich flieg nicht wegen meiner Fähigkeiten raus, sondern weil man mich nicht mag.


Deine Aussage halte ich für völlig falsch. Die Menschen haben überhaupt nichts gegen Dich.
Allerdings scheinst Du ihnen durch Deine reservierte Körpersprache "Angst" zu machen!
Gibst Du ihnen das Gefühl, "Wenn Du mit mir redest, wird es etwas schwierig"?

Zeige den anderen häufiger, "Ich habe keine Angst vor euch. Bitte akzeptiert mich so wie ich bin. Auch wenn
ich wenig sage, bin ich eurer Meinung und möchte mit euch etwas gemeinsam machen."
Zitat:
Auch wenn die Menschen es vielleicht spüren und das verunsichert, kann ich ja aber recht wenig gegen
die inneren Ängste machen.


Natürlich kannst Du sehr viel dagegen machen. Du musst es aber auch wollen.
Zitat:
Nur ist es, wenn man erwachsen ist, nicht mehr so einfach herauszufinden woran es liegt das man sozial abgelehnt wird.


Ich sehe das genau umgekehrt. Gerade bei einem Erwachsenen kann man leichter herausfinden, wo man
etwas verbessern kann.

Du wirst es schon schaffen, Dich anderen etwas lockerer gegenüber zu stellen.

Viele Grüße

Bernhard

12.03.2019 14:10 • x 2 #11


Kat


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Guten Tag!

Erstmals vielen dank an euch allen! Ich hätte nicht mit so vielen Antworten gerechnet.
Da sich hier jeder Mühe gibt und sich Zeit nimmt, möchte ich auch gerne jedem antworten.
Anstatt unter jeden von euch einzeln zu reagieren, hoffe ich dass es auch so mit einem Beitrag klappt.

@Alexandra2
Das mit dem Kreislauf klingt logisch.
Es ist mir ja auch bewusst, dass wir Menschen vieles im Unterbewusstsein spüren und es für uns dann als ,,sicher" oder ,,unsicher" bewerten. Typisches Beispiel an uns selber sind die Menschen, die wir ablehnen ohne unbedingt genau sagen zu können wieso. Das ist dann das ,,Gefühl".
Ich kann mir gut vorstellen, dass bei mir die Angespanntheit und Sachlichkeit eventuell sehr kühl wirkt, obwohl ich das gar nicht will und bin.

Es ist schön zu hören, dass es draußen welche gibt bei denen sich die Situation im Laufe der Zeit ändert und das freut mich für dich.

Die Ansichten die du schilderst sind ja eigentlich logisch.

Zitat von Alexandra2:
Einsichten:
Ich lasse los
Die Anderen haben das Recht, mich nicht zu mögen
Ich habe das Recht, ich zu sein
Ich will mich nicht anbiedern
Ich tue das, was mir Spaß macht



Ich tu mich aber recht schwer mit "Ich habe das Recht, ich zu sein" und "Ich tue das, was mir Spaß macht".
Wieso auch immer - ich bin so geworden wie ich bin. Nur habe ich durch diese Ablehnung für mich das Gefühl entwickelt, dass ich ja ruhig auch so sein kann wie ich bin aber eben ohne die anderen. Und das führt dann dazu, dass ich eigentlich gar nicht so sein will wie ich bin - selbst wenn ich das Recht habe. Bei dem Thema Spaß geht es schon weiter. Ich mag es wirklich nicht gerne, etwas alleine zu machen. Das heißt, ich mache alles lieber in Gesellschaft. Ich liebe es meine Zeit mit anderen zu teilen. Das hat für mich wert.
Hier kann ich mir nun vorstellen das sich einige die Haare raufen. Die hat nicht nur ein Problem mit den anderen sondern der mangelt es ja auch an Selbstliebe, -achtung und Selbstwertgefühl.
Sehr schwierig, weil ich selber merke, wie viel das alles eigentlich von anderen Menschen und der Beurteilung meiner Leistung oder der Annahme und Ablehnung derer abhängt.
Ich gebe mal ein Fragebeispiel, was viele eventuell aus der Schule kennen:
Frage:,, Ihr kommt für 3 Wochen auf eine einsame Insel. Ihr dürft 3 Dinge mitnehmen, die ihr für euch als am wichtigsten erachtet. welche sind das?"
Als 12 Jährige habe ich so geantwortet:,, Drei Freunde."

Meine Lehrerin fand die Antwort damals mega süß. Ich finde sie heut' zu Tage schlimm.
Damals wusste wohl auch keiner, welche Aussagekraft diese Antwort eigentlich hatte.
Für mich ist das Leben ohne andere Menschen echt schwer als lebenswert einzustufen.
Ich bewundere Menschen, die sich wochenlang zuhause mit der Malerei beschäftigen können und einfach nur glücklich sind. Ich habe nichtmal die Motivation, allein ein Pinsel in die Hand zu nehmen. Und wenn ich dann was alleine mache denke ich nur - toll, was für ne Zeitverschwendung.

Bei dir habe ich vom schreiben her das Gefühl, dass du unabhängig von anderen dich selber magst so wie du bist und unabhängig von anderen hinter deinen Ansichten stehst und Freude empfinden kannst. Find ich wirklich klasse!

Dein Tipp nehme ich mir zu Herzen.
Ironischerweise habe ich genau das in der Erzieherausbildung ein wenig geändert. Ich mache mir immer so viele Gedanken in Gesprächen, was ich beitragen könnte, dass ich die anderen immer reden lassen habe. Letztendlich wusste auch niemand wirklich was über mich. In der Erzieherausbildung habe ich mir dann vorgenommen, dass ein Gespräch ein hin und her ist und ich auch was über mich preisgeben muss. Ich weiß ich schreibe hier viel - in real bin ich aber relativ ruhig.
In Kontakt mit Menschen erzähle ich nie lange Storys - ich kann das irgendwie nicht - sondern überlege mir Fragen oder greife das Gesagte auf :,, Oh das kenne ich, ich habe bei Wetterveränderungen auch schnell mal Kopfschmerzen."
Kann man sich was darunter vorstellen?
Aber ich denke du hast recht, dass ich zwar ausreden lasse aber durch meine ganzen Gedanken gar nicht wirklich so wirke, als ob ich zuhöre. Logischerweise kann ich so gar nicht 100% bei dem anderen sein und das nehmen sie war.
Wird dran gearbeitet!

@Axel61
Freut mich, dass du wieder vorbei geschaut hat
Und willkommen im Club ,,Wie heißt der nochmal? ".
Wusste gar nicht das es dafür auch schon einen Namen gibt. Ich wusste am Ende meiner letzten Ausbildung paar der Leute mit Namen immer noch nicht. Meine Freundin hat mir dafür eine auf den Hinterkopf gegeben:,, 2 Jahre! Und du kennst immer noch nicht alle mit Namen aus der Klasse!"
Das liegt bei mir aber auch einfach daran, dass ich nicht mit allen in Kontakt trete und dann ist da keine Verbindung. Es ist aber eigentlich wichtig, da ich die Erfahrung gemacht habe das einige sehr gekränkt darauf reagieren wenn man ihren Namen nicht weiß.
Kleiner Tipp: Wenn du auf mehrere Leute triffst (Gruppe), gewöhne dir an sie anfangs alle mindestens einmal mit Namen anzusprechen.
Das geht bei mir ganz gut, da mein Kopf dann den Namen mit der Person verknüpft. Vielleicht klappt es.

Zum Zweiten: du haust hier einfach mal knallhart die Realität auf dem Tisch!
Aber ich versuche die Schwarzmalerei mal ein wenig ins Grau zu ziehen:
Viele Menschen, ich nehme mich da nicht raus, sind einfach sehr sehr viel mit sich selbst beschäftigt und mit ihrem Alltag (und dessen Problemen). Ich habe auch Leute, mit denen ich eine Woche mal nicht schreibe(oder länger) und in dieser Woche mache ich mir auch nicht jeden Tag Gedanken, ob es dieser Person gut geht. Aus den Augen aus den Sinn. Und das ist nicht böse gemeint. Wenn die Menschen in unserem Umfeld uns nicht akustisch, visuell oder per Text irgendwie darauf aufmerksam machen, dass wir jemanden bräuchten der für uns da ist - woher sollen wir das denn wissen?

Ich habe es auch schon häufig erlebt, dass ich eine Freundin gefragt habe wie es ihr geht und sie mir berichtet hat, dass sie am Dienstag zusammengebrochen ist weil sie einfach nicht mehr konnte.
Genau in diesem Augenblick wird sie eventuell genau so dagesessen haben und gedacht haben: typisch, mir geht es sch. und niemand meldet sich von meinen Leuten.wochenlang nicht"

Natürlich ist es schön, eine Nachricht zu lesen wo ein ernst gemeintes :Hay, wie geht es dir? Alles in Ordnung?" drin steht und man direkt weiß - wow, der interessiert sich nicht nur dafür ob alles in Ordnung ist sondern diese Person denkt auch an mich. Sowas ist natürlich schöner, als ein Therapeut den man dafür bezahlt.
Der Punkt ist natürlich, dass er es tut weil es eben sein Job ist und es im Gegensatz zu Freunden und Bekannten als Aufgabe auf seinen Wochenplan steht
Nun kann ich mir vorstellen, dass du die Kontakte meinst die sich wochen- und monatelang nicht melden.
Aber das hast du ja teilweise auch schon erklärt. Man hat einen gewissen Radius von paar Leuten, mit denen man enger ist und für mehr ist eventuell auch einfach keine Zeit und Kopf.
Vielleicht gibt es auch welche die dich kennen und ohne das du es merkst, fragt der sich auch wieso du dich nun nicht mehr so häufig meldest (?)

@CeHaEn
Da kam ja auch wieder eine ganze Ladung - unter anderem auch heitere Nebenbemerkungen
Übrigens finde ich auch toll, dass du hier auch ein wenig im Text von dir Preis gibst und zu deinen Problemchen die dich plagen.
Zitat von CeHaEn:
Ich zeige selbst Anteile einer sozialen Phobie; das wird durch meine Depressionen und eine Tendenz zu einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung nicht besser.

Bei mir sieht es ähnlich aus.

Zitat von CeHaEn:
Dabei hast du schon Recht: Ich komme mit einigen Leuten zurecht und mit anderen nicht. Tatsächlich würde ich mich als ziemlich umgänglich beschreiben und habe bestimmt auch schon Menschen überrascht, die mich angesprochen haben.
Ein Freund von mir sagte es einmal so: Ich sei nach außen hin sehr still und wirke manchmal auf den ersten Blick ablehnend. Allerdings wirke ich auch völlig unbedrohlich, so dass man mich "gefahrlos" ansprechen könne und dann stelle sich heraus, dass man sich mit mir wohlfühlen könne.


Das hört sich doch aber eigentlich sehr positiv an! Gerade auch die Tatsache, dass sich der erste Eindruck bei dir nach einem Gespräch meistens legt und sich die Leute bei dir wohl fühlen. Darüber kannst du doch froh sein

Zitat von CeHaEn:
Irgendwo verlange ich von mir selbst "interessante" Gespräche - nur nicht mein Gegenüber langweilen! Entweder meine ich also etwas Gehaltvolles sagen oder zumindest witzig sein zu müssen.


Da fühl dich mal nicht mit alleine Da könnte ich auch ein Lied von singen. Mir fällt zwar schon was ein um andere anzusprechen. Meist nehme ich einfach gern den Grund, wieso man überhaupt an ein und dem selben Ort ist und stelle darauf Fragen. Oder ich greife mir Dinge die ich gerade sehe heran. Nur leider bleiben diese bei mir immer oberflächlich
Ich überlege und überlege, stelle dann eine Frage wie:,, Das Buch was du da liest kenne ich! Wo bist du da denn momentan? Wie findest du es?"
Dann redet man kurz über das Buch - Ende.
Dann höre ich mich um und da reden die Leute dann schon gefühlt lachend über ihr Zuhause oder was sie am Wochenende erlebt haben. Und ob man es eventuell mal zusammen erleben will? Als hätten sie sich 2-3 Sachen ausgetauscht und dann wird losgebabbelt als kennt man sich schon ewig. Ich finde das immer wieder beeindruckend - diesen Sprung kriege ich nicht hin.
Kennst du das auch? Das du was fragst und sobald das Thema durch ist ist Sense? Für mich wirken die Gespräche auch immer so als ob ich jemanden draußen nach dem Weg frage. Ich kriege eine Information und dann geht es auf getrennten Wegen weiter
Liegt es an mir oder wollen die Leute nicht weiter mit mir reden? Da kommt dann deine Sorge im Spiel - da war ich wohl gerade eben zu langweilig.

Zitat von CeHaEn:
Es ist immer der erste Eindruck von einem Menschen, der in uns auch viel auslöst. Wenn unser Gegenüber da schon unten durch ist, wird es besondere Schwierigkeiten haben. Zweite und dritte Chancen kann man bewusst einräumen, aber das will man oft einfach nicht.


Das habe ich auch schon oft gelesen und oftmals ist es auch so. Bei mir habe ich das Gefühl, dass es nicht so ist das mich Leute "sehen" und direkt sagen "Nö".
Es wird anfangs viel Blickkontakt mit mir gesucht (lieben) und ich werde teilweise auch angesprochen. 2-3 Gespräche mit mir und das Interesse ist weg. Also ist der erste Eindruck von mir wohl eher das Gespräch.
Ist nun eigentlich nicht so wichtig, aber bei Männern sind das doch manchmal schon mehr Signale, wenn sie einen lange angucken. Es gibt in meinem Kurs einen, den ich echt süß fand und der mich anfangs oft angeguckt und Blickkontakt gehalten hat. Irgendwann trafen wir uns zufällig auf der Straße und er sprach mich einfach an. Nach diesem Treffen waren die Blicke in der Schule vorbei. Heute ist er mit einer anderen aus dem Kurs zusammen. Doch nicht egal - es ärgert mich!

Also ich glaube ich habe Glück, und es ist nicht mein Äußeres was alle Menschen in die Flucht schlägt .
Es gibt zwar viele die meinen, ich wirke auf den ersten Blick arrogant und meist auch genervt, aber daher kommt nicht direkt die Ablehnung.

Zitat von CeHaEn:
Gerade bei Kindern ist es ganz oft unklar. Da reicht eine kleine - völlig unbedeutende - Andersartigkeit in willkürlicher Hinsicht, und ein Kind kann zur Zielscheibe werden. Gerade jungen Menschen fehlt häufig noch das Ausdrucksvermögen, um eine Spur zur Ursache legen zu können, und das Verständnis für verborgene Zusammenhänge.


Wow, diese Antwort habe ich sogar zweimal bekommen. Ich dachte nun eigentlich eher an die einfachen Konflikte aus dem Kindergarten, wo meist für Erwachsene noch leichter ersichtlich ist wieso eine Person wohl ausgegrenzt wird. Bei Jugendlichen finde ich das persönlich schon schwerer, was auch mit deiner Aussage zusammenhängt das da das Verständnis einfach auch noch nicht da ist oder die Frage gestellt wird, wieso man das eigentlich tut/es so ist. Es ist einfach so. Manchmal wegen banalen Kram worauf nichtmal RLT kommt.

Andersartigkeit reicht übrigens meiner Auffassung auch für Erwachsene, um andere auszuschließen.
Das muss ich leider häufig beobachten. Ob es nun das äußere ist oder Verhaltensweisen.


@mutmacher
Yay, du bist auch nochmal vorbei gekommen!
genauso wie ich Alexandra schon schrieb, versuche ich mir das mit dem zuhören - besonders den 100% - zu Herzen zu nehmen. Draußen sein dabei statt in sich.

Schön von dir zu hören, dass die Authentizität wichtig ist. Und noch schöner zu hören, dass du einer derjenigen bist die sogar mit unsicheren Menschen die das offen zeigen gut umgehen können.
Es sind aber leider auch nicht alle so. Und irgendwie bin ich ja auch so wie ich bin.
Ich kann nicht so locker sein wie mit Freunden - da bin ich auch anders. Jeder Mensch ist in unterschiedlichen Situationen anders im Verhalten.
Trotzdem muss ich sagen, dass es eben solche Menschen gibt wie dich und solche, die Schwäche relativ schnell ausnutzen oder unangenehm finden.
z.B: hat mein Lehrer mich mal dran genommen weil ich was vorlesen sollte.
Ich habe wahrheitsgemäß geantwortet, dass der Text etwas lang ist und ich viel drumrum schreibe da ich den Punkt nicht traf. Ich musste trotzdem vorlesen.
Danach meinte meine Freundin zu mir, dass ich sowas nicht in der Klasse sagen soll. Einfach vorlesen und andere bewerten lassen. Damit mache ich mich selber klein wenn ich versuche vorher meinen Text schon negativ zu reden.
Was sagst du dazu? Ich glaub es gibt selbst da Ausnahmen, wo du Bedenken und sowas einfach verstecken musst als das du sie aussprichst. Es ist in dieser Gesellschaft einfach so.
Z.B. habe ich auch echt Angst vor dem Projekt was ich mit den Jugendlichen durchführen soll.
Mehr, als vorher meinen Anleitern die mich beobachten mitzuteilen, dass ich etwas aufgeregt bin, traue ich mich da nicht zu sagen. Sonst wirke ich Inkompetent und Unsicher.
Das kommt nicht gut in meinem Beruf.
Aber ich will das nun nicht schlecht reden - es ist wichtig man selber zu sein. Soweit wie es geht.
Man kann als Stille Maus nicht den Klassenclown machen um seine Befürchtungen und sich selber zu verstecken. (krasses Beispiel).
Also ich verstehe schon, was du mir sagen willst

Zitat von mutmacher:
1. Nimm Dich selbst, Deinen Charakter, Deine Art zu sprechen oder zu schweigen als 1.Priorität an. Du bist genau richtig so, wie Du bist- Du brauchst Dich nicht verbiegen um Anderen zu gefallen.
2. Hör gut zu. Das ist wichtiger als zu reden. Hör auch das zwischen den Zeilen, das Ungesagte, schau den Mensch an, der gerade spricht und nimm ihn ernst, gib ihm Antwort, wenn Du glaubst, sie hilft ihm weiter- aber bleibe immer auch bei Dir selbst. Blos keinen Smalltalk! Ist doch meist nur gequirrlte Kacke. Unsere Gespräche sollten Qualität, nicht nur Quantität haben- verstehst Du, was ich meine, Kathi ?
Ach ja, noch was: Humor, lache, wenn Du etwas spaßig findest. Humor öffnet viele Türen.


1. ist schon im Text von Alexandra, habe ich Schwierigkeiten mich so gut zu finden wie ich bin. Es fällt mir schwer, wenn von außen eher Ablehnung kommt. Ich weiß, dass ich mich mögen muss unabhängig davon ob andere mich für liebenswert halten. Das ist aber definitiv kein kleiner Hügel den man mal eben so überspringt - das wird Zeit brauchen. Gerne Tipps für sowas übrigens. Was hilft wirklich, dass man es schafft, sich unabhängig von anderen Menschen so zu akzeptieren und sich in Ordnung findet, wie man ist?

2. Ja, verstanden und definitiv ein Harken hinter gesetzt. Eine Frage: Wo hört bei dir Smalltalk auf? wo macht du den Unterschied? Beispiel: Eine Frau aus meiner Klasse redet unheimlich gerne von ihren Kindern. Mutti halt. Ich höre ihr zu, gebe auch Ratschläge dazu. Ist das nun Smalltalk oder ist das ein tieferes Gespräch? Für mich ist das zum Beispiel einfach ein Thema, worüber sie gerne redet weil sie in direkter Konfrontation damit steht. Jeden Tag. Es kann für sie tiefere Bedeutung haben darüber zu reden - es kann aber auch Smalltalk sein weil sie über belangloses aus ihrem Tag berichtet. Manchmal ist es doch fließend - oder?

eingefügter 3ter Punkt: Humor kann ich, aber nur mit Freunden. Ansonsten bin ich leider ein Sachbuch auf 2 Beinen im zweier Gespräch. Wenn aber allgemein lustiges passiert lache ich natürlich mit.

Danke auch für deinen Beitrag.

Last but not least:
@Pilsum
Du hast nun zu meinen Aussagen gut deine Standpunkte aufgestellt. Nun stellen sich mir dir aber Fragen auf:
Zitat von Pilsum:
Nun, das ist doch schon etwas sehr, sehr Wichtiges. Bei den von Dir beschriebenen
starken sozialen Ängsten wirst Du vermutlich eine überzogene Sachlichkeit und
Kühle ausstrahlen.


Hättest du auch ein Tipp, wie man sich da ein wenig lockern kann im Gespräch?

Zitat von Pilsum:
Das meinst und empfindest Du so.

Hier wären wir bei dem Punkt meiner Therapeutin: Du darfst Dinge wahrnehmen, solltest sie aber nicht bewerten. Stimmt. Ob das nun nur meine Wahrnehmung ist oder wirklich so ist, ist ungewiss. Man kann nicht in Köpfe reingucken. Gut drauf aufmerksam gemacht, ich mache das leider immer wieder.
Auch das ich gerne statt ICH finde. sage Man findet. (ich schließe von mir auf andere).

Zitat von Pilsum:
Deine Aussage halte ich für völlig falsch. Die Menschen haben überhaupt nichts gegen Dich.
Allerdings scheinst Du ihnen durch Deine reservierte Körpersprache "Angst" zu machen!
Gibst Du ihnen das Gefühl, "Wenn Du mit mir redest, wird es etwas schwierig"?

Zeige den anderen häufiger, "Ich habe keine Angst vor euch. Bitte akzeptiert mich so wie ich bin. Auch wenn
ich wenig sage, bin ich eurer Meinung und möchte mit euch etwas gemeinsam machen."


Auch hier wieder: wie gibt man anderen denn dieses Gefühl? Bewusst mache ich das sicher nicht. Wir sind ja gerade da, dass man äußerlich nun nicht sagen kann woran es liegt. Wie auch. Ihr seht mich nicht, ich kann mich selbst nicht von außen sehen. Momentan kann man ja nur von innerlichen Einstellungen /Befindlichkeiten ausgehen die die anderen von außen Wahrnehmen. An diesen zu Arbeiten ist natürlich harte Arbeit.
Was auch klar ist, dass ich sicherlich auch bezüglich der Aussagen der anderen mich zurückziehe (aus Unsicherheit) und eventuell unnahbar/unsicher/arrogant/ablehnend oder sonst was wirke.
Kann man dagegen was tun ohne direkte Verhaltenstherapie?
Wenn du mir was empfehlen kannst würde ich mich freuen was zu hören. Ich bin für alles offen.

Zitat von Pilsum:
Natürlich kannst Du sehr viel dagegen machen. Du musst es aber auch wollen.


Da kommen wir gleich dazu: Ich glaube, ich habe mich oben nicht gut ausgedrückt. Ich meine, dass es schwierig ist dagegen was zu machen bzw das in den Griff zu bekommen. Wollen tu ich aufjedenfall. Ich kämpfe ja schon lange um die Ängste abzubauen.
Hier nochmal am Rand: Ich war Sozialphobisch mal so weit, dass ich mich nicht mehr auf die Straße getraut habe weil ich andere nicht belästigen wollte und ich Angst hatte angesprochen zu werden.
Mein Abitur damals musste ich aufgrund vieler Dinge abbrechen - unter anderem weil ich mich oft nicht in die Klasse getraut habe und auch einmal panisch aus dem Klassenzimmer gerannt bin. Es saß jemand auf meinem Platz, weil er dachte ich komme nicht. In dieser Menge keinen Platz zu haben auf dem ich mich sicher zurückziehen konnte, war für mich Grund genug davon zu laufen.

Deswegen hier zum Schluss nochmal für alle.
Ich würde wirklich gerne eine Konfrontationstherapie bzw Verhaltenstherapie machen.
Komme da aber leider nicht ran momentan.
Ich bin auch bereit, mich da meinen Ängsten zu stellen und Dinge im sozialen einfach auszuprobieren.


Sehr viel Text, meine Güte.
Und ich saß lange dran!

Nochmal Danke an alle!

Gruß

Kathi

12.03.2019 17:59 • x 2 #12


Alexandra2

Alexandra2

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Liebe Kathi, ich war fast mein ganzes Leben allein. Unfreiwillig.
Nur im Unterschied zu Dir habe ich mich nicht dagegen gewehrt. Kritik hatte ich zu Hause abbekommen. Noch mehr Zurückweisung hätte ich nicht mehr ertragen.
Die vermeintliche Ablehnung stellst Du nicht in Frage? Das ist nicht gut, darauf baust Du alles Negative auf. Selbst Dein Recht auf Einzigartigkeit ordnest Du einer potentiellen Gemeinschaft unter. Warum? Warum bohrst Du in persönlicher 'Ablehnung' herum, die Desinteresse, schlechte Laune, Langeweile, persönliche Probleme, Zurückhaltung, nicht passende Chemie und viele andere Gründe ausschließt, die alle gleichberechtigt sind zur 'Ablehnung'?
Dieses zermarterte Hirn ist nicht attraktiv für Andere, die keine Anstrengung und zusätzliche Probleme haben wollen. Aber nein, Du 'kaust darauf herum'. Warum bloß? Ist das ein 'Stellvertreterkrieg'? Soll es Dich davon abhalten, Dich mit anderen nach und nach wirklich auseinander zu setzen?
Und daß Du im Gespräch mit anderen ihnen zuhören und Deinen Gedanken nachgehen kannst, ist nicht möglich. Entweder oder. Wenn Du Deinen Gedanken folgst, hörst Du nicht zu. Und das spürt der Gesprächspartner.
Liebe Grüße
Alexandra

12.03.2019 20:18 • x 2 #13


CeHaEn

CeHaEn

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Zitat von Kat:
Das hört sich doch aber eigentlich sehr positiv an! Gerade auch die Tatsache, dass sich der erste Eindruck bei dir nach einem Gespräch meistens legt und sich die Leute bei dir wohl fühlen. Darüber kannst du doch froh sein

Darüber bin ich auch froh. Ich kann mich allerdings nicht darauf verlassen, dass die Leute immer erst zu mir kommen. Wenn ich z.B. gerade so wirke, als sei ich mit den Gedanken ganz woanders, dann müssen die anderen Leute auch mehr oder weniger über ihren Schatten springen.

Zitat von Kat:
Kennst du das auch? Das du was fragst und sobald das Thema durch ist ist Sense?

Ja, logo. Das ist manchmal einfach so - und ganz bestimmt möchtest du in einigen Fällen auch nicht vom Hundertstel ins Tausendstel kommen beim Reden. Es kann auch schlicht sein, dass jemand ein anderes Thema in einer anderen Gesprächsrunde viel interessanter findet und mehr dazu beitragen kann.
Blöd wird es nur, wenn sich ein Gefühl des zu kurz gekommen-seins einstellt. Dieses Gefühl rührt wahrscheinlich meistens aus einem selbst heraus und weniger aus einer tatsächlichen Abneigung.

Zitat von Kat:
Es gibt in meinem Kurs einen, den ich echt süß fand und der mich anfangs oft angeguckt und Blickkontakt gehalten hat. Irgendwann trafen wir uns zufällig auf der Straße und er sprach mich einfach an. Nach diesem Treffen waren die Blicke in der Schule vorbei.

Da war er vielleicht wieder: Der erste Eindruck, die berühmte Chemie und die Sekunden.

Zitat von Kat:
Ich dachte nun eigentlich eher an die einfachen Konflikte aus dem Kindergarten, wo meist für Erwachsene noch leichter ersichtlich ist wieso eine Person wohl ausgegrenzt wird.
Andersartigkeit reicht übrigens meiner Auffassung auch für Erwachsene, um andere auszuschließen.
Das muss ich leider häufig beobachten. Ob es nun das äußere ist oder Verhaltensweisen.

Diese ganz offensichtlichen Konflikte gibt es bei Erwachsenen auch. Statt eines Spielzeugautos wird dann eben eine Beförderung weggenommen, oder einer von beiden fühlt sich zu Unrecht kritisiert. Sei es eine Wachsmalerei oder der zu saure Kartoffelsalat (nur ein Beispiel; mit Kartoffelsalat kannste mich jagen).

Ganz grundsätzlich habe ich bei mir selbst den Eindruck, dass ich am ehesten in besseren Phasen angesprochen werde. Ganz besonders von Frauen. Wenn es mir besser geht, dann spiegelt sich das womöglich in meinem Erscheinungsbild, meinem Auftreten, wider. Dann bin ich interessant, denke ich.
Das ist gar nicht so schwierig nachzuvollziehen. Denn wenn ich mir jetzt eine andere Person vorstelle und es ihr offensichtlich schlecht geht oder sie sehr unsicher wirkt, dann verunsichert es mich auch. Ich möchte schließlich nichts Falsches sagen, nicht unsensibel sein, niemandem Unrecht tun - oder anders: Ich laufe nicht gern wie auf Eierschalen.

Die eigene Unsicherheit und erst recht das negative Selbstbild machen die Angelegenheit nur noch schwerer. Einfacher wird es, wenn man wirklich mit sich selbst einen Frieden geschlossen hat. Wenn man nicht möglichst vielen Menschen gefallen will. Wenn man das drauf hat, wirkt man wie gesagt deutlich anziehender.

Mal ganz übertrieben gesagt: Stell dir eineiige Zwillinge vor, die dich ansprechen.
Der Erste brüllt im Vorbeifahren: "Wirf deine Kinder weg, Püppi! Ich mach dir Neue!"
Der Zweite steht vor dir: "Hmm äh, sorry, ich will nicht stören. Du bist mir halt aufgefallen und ja. Ich wollt dir nur sagen, dass du voll nett aussiehst", und dann betretenes Abwarten.
Vermutlich wirst du den Ersten schlicht ordinär finden. Wie kommt der dazu?! Der muss Nerven haben!
Ja. Hat er vielleicht wirklich. Hätte er eher oberhalb des Gürtels gesprochen, dann wärst du vielleicht auf ihn eingegangen. Aber Eines hättest du mit ihm nicht: Mitleid - so wie für den Zweiten. Der arme Kerl. Hat wohl sehr mit sich gerungen und bringt dann keinen geraden Satz raus. Irgendwie niedlich, aber eher wie ein verlassenes Rehkitz.

12.03.2019 22:50 • x 1 #14


Kat


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Hay liebe Alexandra,

Es wird immer welche geben, die ihre eigenen Gründe haben mich nicht zu mögen.
Ich habe mir angewöhnt, nicht bei anderen den Auslöser zu suchen sondern bei mir.
Zuerst steht die Überlegung, was ich falsch gemacht haben könnte. Nicht andersrum.

Du sagtest, du hast dich nicht dagegen gewehrt. Warst aber unfreiwillig alleine.
Mich würden daraufhin 2 Sachen interessieren:

1.Wie hast du geschafft, mit der Einsamkeit umzugehen?
Bei aller Akzeptanz, muss das doch auch höllisch weh tun. Genauso wie Zurückweisung.

2.Warst du wirklich fest davon überzeugt, dass du so wie du bist toll bist. Und es ein Problem der anderen ist wenn sie dich nicht mögen? (weiß nicht wie ich es besser formulieren soll). Woher bloß dieser starke Selbstwert? Wegen dem Chor?

Ich glaube niemand will wirklich zusätzliche Anstrengungen und Probleme haben. Da zieht sich so gut wie jeder vor zurück. Wer hat aber heut zu Tage keine Probleme?

Zitat:
Soll es Dich davon abhalten, Dich mit anderen nach und nach wirklich auseinander zu setzen?


Ist eigentlich nicht mein Ziel.
Ich hoffe es kommt von mir nicht ignorant rüber.
Ich verstehe glaube schon, wie du mir helfen willst.
Es wäre, zumindest für mich, besser wenn ich locker lassen würde.
Wenn ich es schaffen könnte, mein Ist-Zustand so zu akzeptieren wie er ist, mich so zu akzeptieren wie ich bin und auch das
alleine sein erstmals hinzunehmen.
Eventuell ändert sich damit nicht die Situation, aber ich bin für mich nicht mehr so am Strampeln und mich selbst verletzen.
Wenn ich mich weiter so irre mache mit allem, ändert ist die Situation ja auch nicht aber der Stress bleibt.

Nur das so zu machen, wo ich echt ein Kämpfertyp bin, ist wirklich schwer.
Ich lebe mehr nach dem Motto, wenn du in einer Lage bist die dir nicht gefällt dann arbeite daran das sich was ändert.
Von nichts kommt nichts.

Das ist wohl auch wirklich eine Kopfsache und Muster nachdem man gelebt hat.
Die Angst vor Referaten verschwindet ja auch nicht nach 10 Jahren, nur weil man sich vor der nächsten Präsentation sagt:,, Ey, du kannst das. Du hast auch die anderen Referate geschafft. Das schaffst du auch. Hör auf dir Gedanken zu machen."
Wer steht nach dem Sätzen im Kopf vorne und zittert, wie in den letzten Jahren? Ich.
Die Psyche muss das auch erstmal irgendwie übertragen.

Danke jedenfalls. Auch deines werde ich mir zu Herzen nehmen.
Ich muss gucken wie ich was umgesetzt bekomme.

Liebe Grüße

Kathi

12.03.2019 23:03 • #15




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