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Was hilft um den Burnout zu bekämpfen?

Phoenixe

Phoenixe

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Hallo ihr Lieben,

ich habe keine Ahnung ob das hier überhaupt Jemand liest- immerhin wird dieses Forum vermutlich überschwemmt von solchen Postings, aber ich habe gerade auch keine andere Idee an wen ich mich wenden soll.
Seit vor 6 Monaten bei mir Burnout diagnostiziert wurde bin ich krank geschrieben und zuhause. In dieser Zeit konnte ich teilweise wirklich nur noch im Bett liegen, gerade in der Anfangsphase (den ersten 3 Monaten) hatte ich Schmerzen im ganzen Körper. Wirklich, in jedem kleinsten Muskel (selbst in Muskeln von denen ich nicht wusste, dass ich sie habe).
Ich versuche dem Ganzen irgendwie mit Humor zu begegnen so gut ich kann, denn es ist alles schon dramatisch genug. Denn ich bin noch voll jung- gerade 27 geworden und habe keine Kinder oder eine zusätzliche Krankheit oder einen Angehörigen den ich pflegen muss (was ich mir noch schlimmer vorstelle) und trotzdem geht es mir richtig richtig schlecht.
Wisst ihr, ich fühle mich so alleine wie ein "Schiffbrüchiger auf einem Floß mitten im Ozean" (Der Kleine Prinz) obwohl ich eine große Familie habe und "eigentlich" viele Ansprechpartner. Ich habe habe unheimliche Probleme damit mich in dieser schwachen, erschöpften und somit verletzlichen Seite zu zeigen- lieber zeige ich mich den Menschen in meiner freudigen, lachenden Version, die immer so gut ankommt. Ich habe solche Angst die Menschen zu überfordern und von mir zu stoßen, wenn ich zeige wie es mir nunmal gerade auch wirklich geht
Ich weiß, dass ich es mir damit unnötig schwer mache, denn ich BRAUCHE meine Freunde und Familie einfach gerade, aber ich MERKE doch, wie schnell alle das Thema wechseln. Erstens habe ich den Eindruck, dass alle einfach mit sich selbst momentan (seit Corona natürlich noch mehr) gut gefordert sind und dann, dass es auch nicht immer Ernst genommen wird.
Es ist so schwer schnell an eine Therapie zu kommen und ich bin ziemlich gezwungen wieder arbeiten zu gehen, weil die Überforderungssituation, die mich in den BO getrieben hat, aus finanzieller Sicht, leider nicht einfach endet.
- Ich habe Vollzeit gearbeitet im Einzelhandel in Schichtarbeit unter großer Belastung jederlei Hinsicht + war noch in der Abendschule an 3 Abenden die Woche und am Wochenende- und auch wenn ich mich jetzt 6 Monate "ausruhen" konnte, sprich nicht arbeiten musste, muss ich doch meine Rechnungen bezahlen und komme aus diesem bescheuerten Vertrag mit der Schule nicht raus! Ich habe das bisher schon 2 Anwälte prüfen lassen, die Schule will, dass ich weiter bezahle, die lassen mich da nicht raus, Krankheit hin oder her- ich könnte auch tot umfallen, die würden das noch von meiner Leiche eintreiben Unfair, aber so ist es nunmal, obwohl ich die Schule nicht mehr besuchen kann. Es ist echt zum Mäuse melken.
Und dann habe ich mich gerade noch von meinem Partner getrennt, was einerseits eine große Entlastung ist und andererseits eine weitere Herausforderung mit all' dem Kummer und der Traurigkeit.
Ich wünschte so sehr, dass mich Jemand mal in den Arm nimmt und mir sagt wie gut ich das alles mache und gemacht habe. Wie viel ich die ganze Zeit leiste und geleistet habe, aber das kann ich wohl nur selbst.
Ich wünschte ich könnte mit dieser Härte und Ungeduld gegen mich selbst aufhören. Ich quäle mich so viel selbst mit meinen Ansprüchen und meinen Perfektionserwartungen.
Was hat Euch geholfen aus dem Burnout raus zu finden? Ich bin momentan in Phase 3-4 und habe Angst komplett auszubrennen- ich bin einfach durchgängig überfordert.
Kann das irgendjemand hier verstehen?

23.09.2020 05:28 • x 2 #1


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Anchiwa4964

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Liebe @Phoenixe , guten Morgen und willkommen im Forum! Einen tollen Namen hast du dir zugelegt!
Hier wird dich jeder verstehen, hab da bloß bitte keine Sorge!
Ist dein Perfektionismus mitverantwortlich für deinen Burnout?
Im Burnout steckte ich schon mehrfach drin. Aus einem Knäuel aus Ängsten, nicht erfüllbarer Erwartungen anderer an mich, anerzogener Unselbstständigkeit und zusätzlicher körperlicher Krankheit ergaben sich in einer komplizierten beruflichen Phase mehrmalige Burnoutphasen. Erst als ich die Zusammenhänge erkannt hatte, ging es ein bisschen bergauf.
Aus dem Burnout hinaus fand ich mit der Hilfe einer Therapeutin. Am Grundproblem Angst arbeite ich erst jetzt, nach so vielen Jahren. Ohne fachärztliche Hilfe käme ich nicht mehr klar, denn wie es sich anfühlt. durchgängig überfordert zu sein, weiß ich nur zu gut.
Interessant, was du über deine verbackenen schmerzenden Muskeln schreibst! Eine Sache, die mir seit fast einem Jahr das Leben schwer macht.
Für jetzt viele Grüße von Mayke

23.09.2020 06:17 • x 1 #2


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111Sternchen222

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Guten Morgen und Willkommen hier im Forum ! Dass dein Beitrag gelesen wird, ist schon mal sicher! Hier gibt es viele Leute die sich in einer ähnlichen Situation befinden .
Einen konkreten Ratschlag habe ich jedoch nicht für dich. Ich wünsche dir einfach, dass du einen guten Weg für dich findest!
LG Sternchen

23.09.2020 06:41 • x 2 #3


Phoenixe

Phoenixe

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Hey ihr Lieben! Vielen Dank für eure Antworten Und danke für das liebe Willkommen!
Es tut gut gelesen und verstanden zu werden.
Ich bin jetzt auch auf der Suche nach einer Unterstützung. Ich habe gehört, dass Akupunktur körperlich bei diesen Muskelschmerzen wohl extrem gut helfen soll. Eine Freundin von mir, die (auch immer noch- ich bin ja jetzt da raus zum Glück) im selben Unternehmen arbeitet, hatte schon ähnliche Symptome und ist zu einem Arzt gegangen, der mit ihr 5 Sitzungen machte. Sie konnte es erst nicht glauben, aber es hat ihr so gut geholfen, dass sie danach symptomfrei war.
Nun spare ich etwas um mir das auch zu ermöglichen. Schade, dass solche Methoden nicht staatlich gefördert werden aber sehr viele Ärzte direkt Psychopharmaka verschreiben.
Eine gute Psychotherapie suche ich unterstützend auch, denn @mayke, wie du schon sagst: es sind tiefer liegende Muster. Das habe ich bei mir auch schon erkannt. Ängste liegen den meisten Dingen tatsächlich zugrunde. Ich habe mich nun schon 10 Jahre mit Persönlichkeitsentwicklung und Psychologie beschäftigt und kenne mich da eigentlich extrem gut aus. Aber bei mir selbst fällt es mir dennoch sehr schwer die Dinge "abzustellen":
Beispielsweise meine Angst Fehler zu machen begründet den krassen Perfektionismus. Ich habe solche Angst etwas falsch zu machen, dass ich übergenau und überstreng werde. Ich bin teilweise auch richtig sauer und ungeduldig und raste schnell aus, wenn kleine Dinge nicht so funktionieren wie ich es will. Solche Wutanfalle von mir kenne ich garnicht. Das erschreckt mich...

23.09.2020 13:36 • x 1 #4


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Heideblümchen

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Hallo an dich, @Phoenixe und alle anderen,
ich schließe mich den anderen an und kann bestätigen, dass du 1. nicht allein bist mit deinen Ängsten, Sorgen und Symptomen, und dass ich 2. dasselbe erlebt habe.
Auch ich leide seit Jahren unter Erfolgsdruck, Existensängsten, zu viel Druck gegen mich selber, Perfektionismus bis zum keiner-kann-das-so-gut-wie-ich und vielem mehr.
Irgendwann sagen Körper und Geist: jetzt reicht´s! Das ist bei dir scheinbar jetzt der Fall.

Ich denke, der Austausch hier mit Betroffenen und/oder Gleichgesinnten ist schon mal Bestätigung, dass man nicht allein damit ist. Denn, wie du schon geschrieben hast, Verwandte/Freunde etc. haben oft weder Zeit noch Geduld, sich die Sorgen und Nöte anzuhören, richtig zu beurteilen...und man will ja auch keinem zur Last fallen (haben ja alle schon genug Probleme, denkt man) und so bleibt man meist allein mit diesem riesen Berg an Druck. Den kann man hier zumindest durch den Austausch und dem sich-gegenseitig-unterstützen abbauen.

Weiterhin ist es tatsächlich sehr wichtig, sich fachliche Unterstützung zu suchen. In welcher Form, das muss jeder selber für sich herausfinden. Ich habe mir durch meine Krankenkasse einen ersten Termin bei einem Neurologen geben lassen für MEINE Probleme. Der Neurologe selber ist menschlich zwar überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge, aber für den Anfang hat es gereicht und jetzt hole ich mir lediglich noch meine Medikamente, mehr nicht. Meine Probleme bespreche ich mit einer Psychologin (die allerdings das Problem hat, dass ich sehr gut in der Selbst-Reflektion bin sie kann mir also selben Hilfe zur Selbsthilfe geben, weil ich meine Problemlösungen schon kenne....). Mein Hausarzt versucht, sein Übriges dazu beizutragen, dass ich das Rundum-Sorglos-Paket habe, allerdings ist er eben "nur" Allgemeinmediziner und hat von meiner Psyche wenig Ahnung und ist immer froh, wenn ich schnell wieder raus bin (so mein Eindruck und das finde ich immer sehr schade). Es ist nicht einfach, für seine Probleme den richtigen Facharzt auf Anhieb zu finden, aber es gibt Einrichtugen, die bieten auch Selbsthilfegruppen an, wo man live mit Betroffenen sprechen und sich austauschen kann.

Natürlich kann ich dir (leider) aktuell nicht persönlich helfen, aus der Krise zu kommen, aber ich wünsche dir natürlich, wie alle anderen, alles Gute und gute Genesung, die Kraft, dein Leben (das private und auch das berufliche) zu überdenken und zu überlegen, was DIR aktuell helfen würde (eine Umarmung hier ist schwierig, aber stell sie dir virtuell als Aufmunterung von mir vor). Du bist nicht alleine mit deinen Problemen und hier wirst du zumindest ernst genommen. Es wäre auch schön, deinen "Verlauf" weiter mitlesen zu können, was dir hilft, was dir gut tut....davon können vielleicht auch andere profitieren!
Tu dir was Gutes, erhol dich...niemand hat was davon, wenn es dir nicht gut geht und du nicht "funktionierst". Ich wünsche dir alles Gute und ....man liest sich!

23.09.2020 14:03 • x 1 #5


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Jedi

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Zitat von Phoenixe:
Beispielsweise meine Angst Fehler zu machen begründet den krassen Perfektionismus.

Dem Perfektionistischen liegt meist etwas aus der Zeit unserer Prägung zu Grunde !
Glaubenssätze, die wir für Wahr gehalten haben, bzw. immer noch für Wahr halten, erzeugen Druck u. Stress,
beides wird durch unsere Angst gefördert.
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Zitat von Phoenixe:
Ich habe solche Angst etwas falsch zu machen, dass ich übergenau und überstreng werde.

Die Angst die sich da bei Dir zeigt, sorgt auch dafür, dass Du deinen Stress, der erzeugt wird, Du nicht mehr regulieren kannst.
Das erhöht die Angst Fehler zu machen - steigert den Stress u. Du wirst weiter angetrieben, Perfektionistisch
alle Augaben zu erledigen.
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Zitat von Phoenixe:
Ich bin teilweise auch richtig sauer und ungeduldig und raste schnell aus,
wenn kleine Dinge nicht so funktionieren wie ich es will.
Solche Wutanfalle von mir kenne ich garnicht.

Diese Wutanfälle sind meist einem nicht mehr zu regulierenden Stresslevel zu verdanken.
Ein ständig erhöhter Stresslevel führt dazu, dass die Stoffe, die für unseren Stress im Körper zuständig sind,
nicht mehr in den Normalbereich kommen.
Wenn wir die Stresshormone im Blut nicht mehr herunter bekommen, weil der Stresslevel von uns nicht mehr reguliert
werden kann, kommt es, wie Du es beschrieben hast - schnell sauer - ungeduldig - ausrasten = Wutanfälle !
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Zitat von Phoenixe:
Eine gute Psychotherapie suche ich unterstützend auch

Das finde ich sehr gut u. auch wichtig, denn einer Psychotherapie, kannst Du den Ursachen für deine Angst u.
Perfektionismus auf en Grund gehen u. ein neues Verhalten etablieren.
Du kannst Deine alten Glaubenssätze, gegen neue Glaubenssätze tauschen, die dann auch heute für Dich
deine Realität abbilden !
Und Du wirst lernen können, wie Du Zukünftig besser mit Stress umgehen kannst, - Stress besser zu regulieren !
Denn Stress lässt sich nicht immer vermeiden, nur Wir sollten in der Lage sei, diesen gut zu regulieren,
um nicht krank an unserer Psyche daran zu werden.

23.09.2020 14:03 • x 3 #6


Phoenixe

Phoenixe

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Hey ihr Lieben,
ich danke euch echt sehr für eure Anteilnahme und euren Rat. Tut SOO gut euch zu lesen- und eure Geschichten
Krass mitzubekommen wieviele Menschen von Burnout betroffen sind in unserer heutigen Gesellschaft. Und vor allem- in jedem Alter...So viel mehr als man auch erst denkt. Man denkt ja meist, dass man der Einzige ist- in Zeiten des omnipräsenten Social-Media "Antidepressiva Absurdum", in dem wir alle uns immer darstellen, als hätten wir das perfekte Leben (ich nehme mich da jetzt mal nicht raus- ich habe auch diese bescheuerte Konditionierung immer nur meine "guten" Seiten zeigen zu wollen- was mich ja auch in die jetzige Lage mit geführt hat.)
Ich denke auch, dass es Grundmuster / Prägungen sind, die dann in einem Burnout ihre "Aus-Prägung" finden. Und weil man sich niemals ganz und zu 100% selbst reflektieren kann, macht es grundsätzlich vermutlich IMMER Sinn sich ein Gegenüber zu suchen, das einen professionellen Blick auf dich werfen kann und dir manches spiegelt. Ob das der Psychotherapeut ist oder der Heilpraktiker bleibt jedem selbst überlassen.
Ich beobachte, dass ich eigentlich dauerhaft mit 180 km/h auf der Autobahn des Lebens unterwegs bin und nicht mehr wirklich runter komme. Ist es die Krankheit unserer heutigen Zeit immer alles schnell und noch schneller erledigen und abarbeiten zu müssen / wollen? Was meint ihr?
Ich habe gerade ein tolles Buch entdeckt, welches ich euch allen gern an's Herz legen möchte, weil es mir gerade so hilft: "Der brennende Hamster" von Axel Berger & Thorsten Thews. Es ist etwas unkonventionell und hilft sich selbst kritisch aber auch mit einem blinzelnden und lachenden Auge zu betrachten. Ich liebe es!
Gibt es auch bei Audible, für die Lese-Faulen. Hihi
Lohnt sich aufjedenfall mal reinzuhören / reinzulesen. Man bekommt tollen Input zur Burnoutprävention und lernt Methoden um sich auch mittendrin selbst zu helfen. Es gibt dazu auch ein PDF-Dokument mit Test und Übungen um genau herauszufinden in welcher Etappe des BO man sich befindet- auch super wichtig, wie ich finde.
Gab es einen Knackpunkt, an dem ihr gemerkt habt, dass es bei euch wieder deutlich bergauf ging? Ich würde mich total freuen von Leuten zu hören, die durch diesen ollen Prozess der Burnoutbewältigung schon durchgegangen sind und darauf zurück schauen können.
Ich würde mir gerne realistisch vorstellen können, an welchem Punkt ich in einem Jahr stehen kann.

23.09.2020 18:11 • #7


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Heideblümchen

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Zitat von Phoenixe:
Ist es die Krankheit unserer heutigen Zeit immer alles schnell und noch schneller erledigen und abarbeiten zu müssen / wollen?

Ja, kann man wohl von ausgehen. Alles muss immer schnell gehen. Man muss möglichst 24/7 erreichbar sein und immer möglichst sofort auf Nachrichten und Einflüsse reagieren. Die Medien verursachen Reizüberflutungen. Man muss sich sehr viel merken, vergisst aber genauso schnell wieder. Das Hirn ist immer mehr überlastet. Alles schreit danach, mal wieder runter zu kommen. Sich zu erholen. Und in den allermeisten Fällen verpasst man den Moment, auf diese Anzeichen zu hören, bis es eskaliert!
Zitat von Phoenixe:
und hilft sich selbst kritisch aber auch mit einem blinzelnden und lachenden Auge zu betrachten

Hm, auch wenn du das Buch liebst und davon erzählst: deine ursprüngliche Frage bzw. dein erster "Hilferuf" hier zeigt aber doch, dass du eine Lösung für dich durch das Lesen auch noch nicht bekommen hast......Schön, wenn man das Problem mit einem "lachenden Auge" zumindest betrachten kann....aber ich denke, das Problem des BO an sich ist viel größer, als dass man es zum Lachen findet. Ich habe das Buch selber nicht gelesen, bin aber auch nicht der Typ, der sein "Wissen" aus solchen Büchern zieht. Dafür ist meine eigene Empfindung des BO´s zu individuell.
Zitat von Phoenixe:
Gab es einen Knackpunkt, an dem ihr gemerkt habt, dass es bei euch wieder deutlich bergauf ging?

In meinem Fall: ein klares JEIN. Ich habe zu spät gemerkt, was da gerade passiert. Den Zeitpunkt nicht ernst genommen. Die Zeichen nicht erkannt. Immer weiter gemacht. Ich war ganz unten. Auf einer Skala von 1 bis 10 war ich bei Minus 5 (bildlich gesehen). Und es wurde erst besser, als ich nach 2 Monaten Depressionsabteilung in unserer örtlichen Klinik gelernt habe, dass ich meine Grenzen erkennen MUSS, um zu überleben. Dass ich Zeichen nicht ignorieren darf, sonst könnte das nächste Mal tatsächlich t.ö.d.l.i.c.h. enden. Der Leitsatz "selbst ein Weg von 1.000 km beginnt mit einem ersten Schritt" hat sich bei mir eingebrannt. Und die Erkenntnis, dass ich nicht für andere funktionieren muss, damit sie glücklich/erfolgreich/entlastet sind, sondern dass ich meine Ansprüche, mein Tempo, meinen Einsatz drosseln muss, weil ich sonst niemandem damit einen Gefallen tue, nur zu funktionieren und immer 120 % zu geben!
Zitat von Phoenixe:
realistisch vorstellen können, an welchem Punkt ich in einem Jahr stehen kann

Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich mir vor ziemlich genau 1 Jahr noch nicht hätte vorstellen können, jemals wieder arbeiten zu gehen. Allein der Gedanke daran war grausam. Ich war 16 Monate zuhause, habe es durch diverse Maßnahmen geschafft, über ein Praktikum wieder in meinen Beruf zurück zu kommen und habe quasi bei fast Null wieder angefangen. Das ist jetzt, wie gesagt, ein gutes Jahr her. Inzwischen arbeite ich wieder. Aber nur noch in Teilzeit. Das ist ein Kompromiss zum gar-nicht-mehr-arbeiten. Vollzeit will ich nicht mehr, kann ich nicht mehr. Und ich gebe jetzt ein eigenes Tempo vor. Mein Chef weiß das, kennt die Vorgeschichte und hat Verständnis dafür (auch, dass ich seine Fürsorge nicht ausnutze!). Es gibt gute und schlechte Tage, klar. Aber jetzt, wannimmer ich merke, dass es zu stressig wird, dass ich wieder zu viel Tempo vorlege, erinnere ich mich an die Zeit letztes Jahr und dass ich auf mich und meine inneren Zeichen hören und achten muss....dann wird Pause gemacht. Ich zwinge mich dazu und es funktioniert. Von daher: in einem Jahr kann viel passieren. Man muss sich auch mal helfen lassen, aber auch aktiv mithelfen, dass es wieder besser geht und dass man - sehr wichtig! - nicht wieder in alte Muster verfällt. Man hat nur dieses eine Leben und es ist lebenswert, aber es muss gepflegt werden, egal, wie alt man ist.
In diesem Sinne wünsche ich dir @Phoenixe sehr viel Geduld und Selbstliebe und Selbstakzeptanz! Und natürlich alles Gute!

24.09.2020 12:44 • x 2 #8


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Jedi

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Hallo @Phoenixe !

Zitat von Phoenixe:
Ich beobachte, dass ich eigentlich dauerhaft mit 180 km/h auf der Autobahn des Lebens unterwegs bin und nicht mehr wirklich runter komme.
- Ist es die Krankheit
Die Krankheit wäre dann die Diagnose - aber für mich nicht die Ursache !
Unsere Prägungen u. Kindheitserfahrungen - unsere erlernten Glaubenssätze, denen wir Glauben geschenkt haben -
nicht gelernt haben, mit Stress umzugehen (unseren Stress zu regulieren) - uns zu sehr mit anderen zu Vergleichen,
uns Anzupassen - uns selbst nicht zu Lieben u. Anzunehmen, wie wir sind, uvm. !

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- unserer heutigen Zeit immer alles schnell und noch schneller erledigen und abarbeiten zu müssen / wollen?
Das liegt aber auch in unserer Entscheidung u. oftmals lassen wir uns aber auch immer antreiben,
entweder durch eine bestimmte Situation, durch bestimmte Menschen, unser schlechtes Gewissen oder
gar durch unsere "inneren Instanzen", die wir in uns haben sich entwickeln lassen !

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Was meint ihr?
So denke ich, kann es ein Bündel an individuelle gemachte Erfahrungen, gar Erlebnisse gibt,
die unser Denken u. Verhalten beeinflussen u. so zu bestimmten Mustern führt !


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Zitat von Phoenixe:
Gab es einen Knackpunkt, an dem ihr gemerkt habt, dass es bei euch wieder deutlich bergauf ging?

Nein, einen solchen Punkt gab es bei mir nicht !
Bei mir hat sich alles im laufe der Therapiebegleitung entwickelt - raus aus der Depression - Umgang mit der Angst gelernt
u. Körperlich mich wieder zu erholen.
Neben der Therapie haben mir Achtsamkeits-Seminare sehr geholfen, Regulationsmechanismen einzusetzen,
wenn es mal nötig ist.

Ich habe auch viel gelesen, aber geholfen haben mir doch eher die Praxis mit Gleichgesinnten zu sein -
Achtsamkeitspraxis u. Waldbaden in Gruppen oder auch gar Allein, in mein alltägliches Leben mit einzubauen !

24.09.2020 14:02 • x 2 #9


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@Heideblümchen Ja du hast Recht. Man sollte sich Ernst nehmen. Aber so wie jeder BO individuell ist- weil auch jeder Mensch anders ist- hilft auch Jedem was anderes... und ich bin eh voll viel niedergedrückt wenn ich über meine Lage nachdenke- da helft es mir auch mal über mich zu lachen. Humor hat mir schon immer über die schlimmen Lebensphasen hinweg geholfen. Und es ist echt hart zur Zeit. Ich versuche halt ganz viel zu verstehen aber komme da nur begrenzt weiter. Ich mache Fortschritte und meine Lebensumstände haben sich auch schon stark verändert- immerhin habe ich es endlich geschafft meine Beziehung zu einem Mann zu beenden, der wirklich toxisch war und bin auch aus diesem Ausbeuterunternehmen raus für das ich mir 2 Jahre den Ar. aufgearbeitet habe, aber körperlich geht es mir seit 4 Tagen wieder sehr schlecht. Ich liege mit Schmerzen in allen Gliedern im Bett. Alle Außenaktivitäten funktionieren nur mit Willensanstrengung und Selbstkontrolle und das kann ja nicht sein. Nur im Bett zu liegen deprimiert mich aber auch zu sehr. Ich wollte heute eigentlich schwimmen gehen weil mir Sport vor kurzem sehr gut getan hat (danach konnte ich die erste Nacht mal wieder gut schlafen) aber das wird wohl Nichts... hast du eine Idee was ich machen kann?

24.09.2020 14:16 • x 1 #10


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@Jedi danke auch dir für deine Worte. Ja das denke ich auch. Eine langfristige Therapie ist vermutlich das sinnvollste. Ich fühle mich halt voll verloren mit dem Ganzen. Ich versuche mir selbst zu helfen mit Autogenem Training, Meditation und Achtsamkeit aber es ist alles mehr als mühsam.

24.09.2020 14:19 • x 1 #11


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Jedi

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@Phoenixe !

Zitat von Phoenixe:
Eine langfristige Therapie ist vermutlich das sinnvollste.

Das kann ich nur bestätigen, denn es braucht dies neue Bewusstsein u. die professionelle Unterstützung u.
Begleitung, um seinem Leben eine neue Richtung geben zu können.
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Zitat von Phoenixe:
Ich fühle mich halt voll verloren mit dem Ganzen.

Und da hilft Dir die Therapie, wieder Orientierung zu finden !
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Zitat von Phoenixe:
Ich versuche mir selbst zu helfen mit Autogenem Training, Meditation und Achtsamkeit aber es ist alles mehr als mühsam.

Dies sind alles Mittel, die Wichtig sind u. zusätzlich zu einer Therapie, sehr hilfreich werden können.
Mühsam, ja auch das kann es sein - aber es lohnt sich , auch dran zu bleiben !

24.09.2020 15:35 • x 2 #12


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Heideblümchen

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Guten Morgen @Phoenixe und an alle anderen.
Ja, da fällt mir tatsächlich einiges ein, aber egal, was man dir raten kann, wir wissen alle, wie schwer es ist, sich dazu überhaupt aufzuraffen. Den erste Schritt zu machen.
Wichtig ist nur, dass du nur das machst, wozu du Lust hast und dass du dir für den Anfang nicht zu viel zumutest. Zu viele Ziele ermüden auf Dauer auch wieder und dann macht man lieber wieder....NIX!
Wenn dir Schwimmen gut tut, dann ist das immerhin ein Anfang.

Geh doch einfach mal raus, muss kein langer Spaziergang sein. Geh in deinem Viertel in Seitenstraßen, die du ggfs. noch gar nicht kennst. Wenn es regnet, zieh dir was Warmes an und freu dich auf eine heiße Dusche oder Wanne im Anschluss. Genieß die Regentropfen als etwas Schönes ohne Gedanken an einen kommenden, vielleicht grauen, verregneten Herbst.
Nimm dir Kleinigkeiten vor, die dir vor Kurzem noch Spaß gemacht haben. Oder beginne etwas ganz neues. Ich habe zum Beispiel angefangen zu häkeln und zu malen. Die Materialien gab es total günstig bei Tedi und ich musste keine Angst haben, dass mir die Arbeiten vielleicht nicht gefallen und ich habe dann am Ende viel Geld in etwas investiert, was keinen Spaß macht. Gut, das mit dem Häkeln habe ich wieder aufgegeben....aber ich bringe immer noch gerne meine Gefühle und Stimmungen mit Farbe zu Papier (bzw. auf Leinwand) und bin immer wieder erstaunt, dass ich tatsächlich ein durchaus erkennbares Motiv zusammen bringe.
Egal, was ich bzw. was dir sonst so geraten wird (was auch garantiert alles richtig ist und dich motivieren soll): mach, was dir Spaß macht, was dich nicht zu sehr ermüdet, aber versuche, dich aufzuraffen, IRGENDWAS zu tun. Und du es für dich, weil es dir gut tut. Für niemanden sonst! Nimm jede Unterstützung an, die du brauchst!
Was du erzählt hast, was du alles schon geschafft hast, darauf kannst du stolz sein, wirklich! Die ersten Schritte von vielen kleinen in eine hoffentlich viel bessere Zeit als die jetzige! Ich wünsche dir dafür alles Gute!

25.09.2020 10:18 • x 3 #13


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Jedi

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@Phoenixe !

Zitat von Heideblümchen:
was du alles schon geschafft hast, darauf kannst du stolz sein, wirklich!

Den markierten Satz von @Heideblümchen der ist , so finde ich sehr sehr Wichtig
Es gibt eine ganze Reihe von Therapieformen u. in der Schematherapie wird doch immer mehr der Fokus darauf gelenkt,
was ein an Depression-Erkrankter, bis er in eine Therapie kommt schon geschafft hat, wie er die Zwischenzeit bewältigen
hat u. konnte.

Das ist ein weg von den Defiziten, hin zu den Bewältigungsstrategien u. Ressourcen, die der Erkrankte
auch noch hat u. hatte.
Solch Bewältigungsstrategien u. Ressourcen einmal ins Bewusstsein des Erkrankten zu rücken,
ist auch ein Weg, raus aus der Depression, bzw. der Angst.

Natürlich sollen die Erfahrungen u. Erlebnisse aus unserer Vergangenheit auch ihren festen Platz
in der therapeutischen Begleitung haben - doch fand ich es selbst auch hilfreich, einmal bewusst zu werden,
dass es auch noch gute Anteile einer Bewältigungsstrategie gibt u. auch von mir/ uns angewandt wurde !
(meist bleibt es für uns allerdings unbewusst)

So werden auch nicht selten von dem Erkrankten, noch vorhandene Ressourcen nicht so wirklich wahrgenommen,
die aber sehr hilfreich sind, in der Zeit, der Bewältigung unserer Depression u. Angst.

Ich persönlich finde es richtig u. hifreich, nicht nur Defizit- orientiert zu arbeiten, sondern noch das Pot...ial,
was noch da ist ins Bewusstsein zu rücken.
So kann es unser Selbstbild u. unsere Hoffnung stärken, von der Depression geheilt zu werden oder
damit Zukünftigt einen guten Umgang damit zu finden.

Ist natürlich meine persönliche Meinung u. Erfahrung !

25.09.2020 13:36 • x 2 #14

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