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Toxische Familie?

x0Aria0x

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Hallo,

Ich muss meine Gedanken einfach mal loswerden und war deshalb auf der Suche nach einem Forum.

Ich leide seit über 14 Jahren an generalisierter Angststörung und Depressionen.
Meine Familie glaubt nicht an psychische Erkrankungen. Mein Vater und mein Bruder sind sehr herrisch, aggressiv und kontrollfreaks. Ich Lüge eigentlich sowieso immer und hinter meinem Rücken zerreißen sie sich auch gerne das Maul über mich. Denn ich bin nicht krank ich hab einfach einen an der Klatsche und bin faul. Ich selber bin ein Mensch der es gerne harmonisch hat und Ablehnung durch Menschen die mir wichtig sind macht mich total fertig. So eine kleine Zusammenfassung um es etwas verständlicher zu machen.

Vor 5 Wochen hatte mein Neffe Geburtstag und wir sind zu meinem Bruder gefahren. Ich fühlte mich nicht ganz wohl dabei, da wir kurz vorher an Corona erkrankt waren und meine Tochter erst 8 Wochen alt war. Und wir hatten noch immer Probleme mit unserer Gesundheit. Dort angekommen mussten wir dann feststellen, daß über 20 Leute da waren die sich da alle im Haus stapelten. Ich wollte mutig sein und ins Haus gehen aber dann fingen die ersten an das Familienmitglieder nicht dabei seien weil sie krank sind. Alle mit den typischen Corona Symptomen aber wird schon kein Corona sein. So die lapidaren Aussagen.
Ich war weder für mich oder meinen Partner und ganz sicher nicht für mein kleines Baby bereit mich der Gefahr, uns direkt wieder anzustecken, auszusetzen und ins Haus zu gehen. Also haben wir im Garten gesessen und gewartet das alle nach dem Kaffeetrinken raus kamen und die Kinder draußen spielen konnten. Da wurde ich schon direkt wieder als Spinnerin hingestellt, nicht ins Haus gekommen zu sein.

Nun hatte vor ein paar Tagen mein anderer Neffe Geburtstag zu dem wir auch eingeladen waren. Mir war bewusst das wir nicht erneut im Garten warten könnten da Unwetter angesagt waren. Dennoch wollte ich aus Angst vor Covid nicht absagen und es wenigstens probieren hin zu fahren. Solange da nicht wieder alle anfingen das andere Familienmitglieder krank wären, hätte ich es vielleicht ausgehalten und die Angst überwunden. Auch wenn ich mich danach eine Woche lang mies gefühlt hätte mit der Angst mich wieder angesteckt zu haben.

Ich muss vielleicht noch erwähnen das ich kurz vorher innerhalb kurzer Zeit meine Großeltern verloren habe. Und dann sehr plötzlich nach kurzer schwerer Krankheit auch meine Mutter, die mein größter Halt war. Diese Trauer sitzt tief und die Angststörung kickt da gerne wie schnell doch alles vorbei sein kann.

Und wieso hätte ich das ertragen? Weil ich genauso Angst hatte abzusagen eben mit der Begründung das ich solche Menschenmengen auf kleinem Raum wegen der Pandemie meiden möchte, weil meine Familie mich dann wieder als Irre, bescheuert ect. bezeichnet hätte und ich lästerthema Nr. 1 gewesen wäre.

Ich konnte die ganze Woche schon nicht mehr schlafen weil dieser Geburtstag wie ein Damoklesschwert über mir hing.
Am Abend vor dem Geburstag ging es meiner Tochter nicht gut. Sie weinte und bekam Fieber. Der Grund war schnell gefunden. Ihr erster Zahn bohrte sich durch das Zahnfleisch. Ich habe dann bis zum anderen Mittag gewartet und beobachtet wie es ihr geht. Jedes Kind zahnt anders. Manche leiden extrem andere merken nix.
Sie weinte, hatte offensichtlich Schmerzen und fiebert. Für mich war sofort klar wir bleiben zuhause. Ich würde so auch nicht wegfahren wollen und für sie ist es ja nochmal was ganz anderes als Baby mir der neuen schmerzhaften Situation.
Ich würde lügen, würde ich sagen mir kam das nicht gelegen um diesem Geburtstag aus dem Weg zu gehen. Aber das spielt keine Rolle. Meiner Tochter ging es nicht gut also Mute ich ihr keinen Geburtstag zu. Dazu hätten wir auch pro weg über eine halbe Stunde Fahrt jedes mal gehabt. Dazu die Lautstärke und dann ist das alles ja auch aufregend. Nein. Einfach nein.

Und wenn ich dachte meine Familie hätte dafür Verständnis. Selbst mit 3 Kindern zuhause müssten sie ja wissen wie es den Kleinen beim zahnen geht.
Aber weit gefehlt.
Ich habe geschrieben das wir leider nicht kommen können, das die kleine zahnt und es ihr nicht gut geht. Und da mir ja eh nie geglaubt wird und sie dann doch nur gedacht hätten das ich Lüge und wegen Corona nicht kommen will habe ich ihr sogar ein Bild geschickt wo man sieht das der Zahn auf dem Weg ist. Man teilt ja auch die Freude darüber das das Kind den nächsten Meilenstein erreicht hat. Meine Schwägerin ist auch eigentlich immer Feuer und Flamme für Neuigkeiten von der kleinen.
Aber dieses Mal wurde die Nachrricht und das Bild gelesen und dann völlig ignoriert. Keine Antwort. Nichts.

Sie wissen das sie mir damit ungemein wehtun. Mich zu ignorieren und damit erreichen das ich mich schlecht fühle. Aber das will ich nicht. Ich habe nicht gelogen oder mir irgend ne blöde Ausrede einfallen lassen. Ich habe entschieden mit krankem Kind zuhause zu bleiben. Die sind selber mega pingelig mit ihren Kindern und die müssen nur nen pups quer sitzen haben und schon hat jeder Verständnis zu haben das sie zuhause bleiben. Aber für mich gibt es wieder kein Verständnis.

Mir haben viele gesagt ich soll auf sie pfeifen. Sie seien nicht gut für mich und manipulieren mich wo es nur geht. Ich finde sie haben recht. Ich habe das Recht offen zu sagen ich will nicht mit so vielen Menschen auf kleinem Raum sein. Ich handle richtig wenn es meiner Tochter nicht gut geht und ich sage wir bleiben zuhause. Und dennoch schaffen sie es das ich mich wieder schuldig fühle und mein Handeln hinterfrage.
Bisher habe ich dem drang widerstanden zu fragen wieso sie sich nicht melden. Ich kenne die Anschuldigungen zu genüge. Anrufen brauche ich nicht, wir alle hassen telefonieren. Und ich weiß auch sie reden mich dann wieder solange klein bis sie mich zu ihren Wünschen verbogen haben und ich wieder funktioniere wie sie es wollen.

Wie empfindet ihr die Reaktion darauf das ich nicht zum Geburtstag meines Neffen gefahren bin? Kann man wirklich so beleidigt deswegen sein weil jemand aufgrund von Krankheit absagt?
Oder sehe ich das alles falsch und sollte mich wirklich schlecht fühlen? So langsam verstehe ich die Menschen echt nicht mehr und wie man sich so Verhalten kann.

Danke das ich mir das hier von der Seele reden durfte und bin gespannt auf eure Nachrrichten.

LG Aria

06.06.2022 23:59 • x 2 #1


Anchiwa4964

Liebe Aria,
Zitat von x0Aria0x:
sollte mich wirklich schlecht fühlen

DAS ganz bestimmt NICHT!
Was ist denn in deiner Familie los! Du hast ganz richtig für das Wohl deiner kleinen Familie entschieden, gerade wenn dein Kind noch sehr klein ist.

Dass andere die persönliche Situation nicht verstehen oder verstehen wollen, kenne ich aus meiner Sicht auch, vor allem, wenn mir dann mit Unterstellungen begegnet wird. Wer nicht verstehen will oder kann, darf aber bereit sein, zu akzeptieren.

Wir sind nicht auf der Welt um so zu sein, wie andere uns haben wollen!

Ich finde diesen Satz hilfreich, denn auch ich bin eine, die sich oft um des lieben Friedens willen nach anderen richtet und dann den Unfrieden in sich selber kaum ertragen kann.
LG von Anchi

07.06.2022 05:55 • x 6 #2



Hallo x0Aria0x,

Toxische Familie?

x 3#3


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Stromboli

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Liebe Aria

Ich kann mich Anchiwa nur anschließen. Diese Familie IST toxisch für dich und auf längere Sicht ist das einzig Hilfreiche und für dich Gesunde, den Kontakt auf das absolute Minimum zu reduzieren. Und das ohne Schuldgefühle und schlechtes Gewissen. Du musst dir das nicht immer weiter antun.

Mit Familie, die mir nicht gut tut, habe ich auch genug Erfahrung. Heute besteht so gut wie kein Kontakt mehr und das ist gut so.

Deine Reaktionen und Handlungen waren absolut angemessen. Und ich wäre der Kleinen auch dankbar gewesen für den guten Grund, nicht zum Treffen zu fahren.

Vertraue dir und deiner Wahrnehmung. Sie weiss, was gut für dich ist und was nicht.

Herzlich, Stromboli

07.06.2022 06:32 • x 5 #3


x0Aria0x

x0Aria0x

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Ich danke euch. Eure Beiträge haben mir wirklich geholfen das ich mich nun besser fühle.

Ich habe mich immer an Ihnen festgehalten. Dachte Sie sind deine Familie. Du brauchst sie. Sie sind alles was du noch hast.
Aber so langsam kommen einem doch die Gedanken... was habe ich wirklich von ihnen? Würden sie bedingungslos hinter mir stehen? Werden sie je Verständnis aufbringen für Situationen in denen die dieses Verständnis auch erwarten? Und ich glaube leider wirklich das das nicht so wäre.

Ich verstehe das sie meine Situation mit den Ängsten und Depressionen nicht nachvollziehen oder nachempfinden können. Es einfach zu akzeptieren und zu versuchen sich in diesem veralteten Denken zurück zu nehmen, das psychische Probleme bedeuten man ist verrückt und irre im Kopf, wäre einfach eine so große Erleichterung.
Aber die Hoffnung habe ich längst aufgegeben.
Mein Vater war damals so weit das er mich in die Psychiatrie einweisen lassen wollte damit ich zugebe keine Probleme zu haben und einfach nur Faul zu sein. Dumm gelaufen das die nach einem Gespräch mit mir tatsächlich die Angststörung und Depressionen diagnostiziert haben und ich in die Tagesklinik aufgenommen wurde. Aber das hat ihn dennoch nicht umdenken lassen
Und mein Bruder ist da eben ganz genauso.

07.06.2022 07:38 • x 1 #4


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Grothszes

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Hallo Aria,

dieses Gemeine, Gehässige und Lästernde kenne ich genauso aus meiner Familie. Ich denke, auf Dauer brennt sich das einem in den Hinterkopf ein. Irgendwann, wenn man das zu lange erträgt oder ertragen muss, hat man dann kein eigenes Selbst mehr. Man tanzt nur noch nach der Pfeife der anderen und stellt sich laufend in Frage. Auch im Alltag. Hat da Schuldgefühle, wo man eigentlich keine haben müsste. Dann hat sich die ganze Geschichte generalisiert. Das hat auch nichts mit Genen zu tun, sondern mit Prägung.

Ich verstehe irgendwie bis heute nicht richtig, warum manche Menschen so ein verrückt machendes Verhalten an den Tag legen und dieses nicht reflektieren können bzw. ändern. Wie sind sie so geworden? Warum ticken sie so? Helfen kann man ihnen wahrscheinlich nicht mehr. Gerade weil man ja aus ihrer Sicht zu einem Spielball degradiert wird. Ihnen helfen zu wollen, um sich selbst zu helfen, das funktioniert nicht. Selbstschutz, um sich sein Denken und Fühlen nicht dauernd verbiegen zu lassen - das ist da gefragt.

07.06.2022 09:38 • x 3 #5


x0Aria0x

x0Aria0x

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@Grothszes
Ich frage mich auch immer wie man so ein Mensch sein kann. Wie kann man es so genießen einen Menschen zu zerstören und zu seinem, nach belieben geformten, Spielball zu machen? Aber ich denke es ist gut das ich es nicht verstehe. Denn dann bin ich nicht wie sie.

Schon in meiner Ehe habe ich nie Verständnis oder Akzeptanz erfahren. Mir wurde für alles die Schuld gegeben und ich hatte einfach zu funktionieren. Meine Scheidung war das beste was mir passieren konnte.
In meiner neuen Beziehung musste ich mich auch so mancher Angst stellen. Und als ich das tat und mein Freund neben mir stand und einfach gesagt hat ich bin stolz auf dich. Da bin ich fast aus allen Wolken gefallen. Er versteht psychische Erkrankungen auch nicht so ganz aber er gibt sich Mühe und akzeptiert es und geht damit einfach 'normal' um. Dennoch habe ich ihm völlig perplex angestarrt nicht wieder die dumme irre zu sein. Es war eine riesen wohltat sowas einfach mal zu hören.
Ich merke seitdem das ich langsam aber sicher zu meinem ganz eigenen ich finde, Entscheidungen treffen darf ohne Angst haben zu müssen dafür wieder infrage gestellt zu werden.

Ich merke das mein inneres Kind noch ganz viel aufarbeiten muss. Ich mache mich noch immer emotional Abhängig von anderen und werde dadurch leider ausgenutzt. Von meiner Familie wohl leider ganz besonders.

07.06.2022 15:16 • x 2 #6


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Grothszes

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Zitat von x0Aria0x:
Wie kann man es so genießen einen Menschen zu zerstören und zu seinem, nach belieben geformten, Spielball zu machen?

Kein Plan, ob sie das genießen. Das wäre dann echt sadistisch. Sie sind wohl einfach in so einer egozentrischen Sichtweise gefangen, halten negative Kommunikation für zielbringend und wünschenswert. Dass das oft nicht der Fall ist, spornt sie dann an, nur noch mehr zu übertreiben. Dadurch, dass aus ihrer Sicht alle Menschen ihren Wünschen zu gehorchen hätten, kümmern sie sich auch nicht darum, was sie im Anderen mit ihrem Verhalten auslösen. Allgemein sind viele Menschen halt ein bisschen ruppiger drauf, das kann auch ein Stück weit Habitus sein. Gerade bei meinen Eltern denke ich mir, dass ihre Hinterhältigkeit ein Ausdruck eines verletzten, wütenden Selbsts ist, das darauf wartet, geheilt zu werden. Aber ich bin nicht derjenige, der das zu machen hat, denn dazu bin ich nicht in der Position. Das war für mich auch eine Lektion, die ich erst lernen musste. In gewisser Weise denke ich auch, dass sie einen Riecher dafür haben, wer allzu leicht ihrem Verhalten zum Opfer fallen könnte.

Zitat von x0Aria0x:
Aber ich denke es ist gut das ich es nicht verstehe. Denn dann bin ich nicht wie sie.

Ja, stimmt, dann kann man sich nicht damit identifizieren. Aber leider gibt es auch das Problem der unbewussten Verinnerlichung. Kann man Probleme mit haben, muss man aber nicht.

Zitat von x0Aria0x:
Ich mache mich noch immer emotional Abhängig von anderen

Das kenne ich auch von mir selbst.

LG Grothszes

07.06.2022 21:11 • #7


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Kintaro-Oe

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La Familia ...... nee Scherz beiseite.

Familie ist wirklich schwierig. Meine Familie lebt 700 km entfernt.

Meine Familie: Vater: schwerster Alk., Mutter: Co-Abhängigkeit zum Alk. meines Vaters, Bruder: Episodenalkoholiker



Mein Kontakt zu meiner Familia beschränkt sich auf meine Mutter. Wir telefonieren regelmäßig, ich würde schätzen 1x im Quartal

Mein Vater ist (bitte entschuldigt die Wortwahl) einfach zu nix mehr zu gebrauchen aufgrund der schweren Alk..

Mein Bruder habe ich das letzte Mal in 2015 gesprochen.



Gibt es einen Zwang sich auch unter schlimmen Bedingungen mit seiner (toxischen) Familie auseinander zusetzen?



Ich denke es ist extrem anstrengend und mühsig, sich darüber Gedanken zu machen warum Sie so toxisch agieren. Ich denke die Frage nach dem warum ist sinnfrei. Es gibt keine eindeutige korrekte Antwort darauf. (Selbst wenn du direkt danach fragst, bekommst du vermutlich keine ehrliche Antwort.)

Ich glaube, es kann gut sein, sich selbst eindeutig gegenüber seiner Familie zu positionieren. Im Sinne von: ich möchte dieses toxische Verhalten nicht erleben/ertragen.

Es gibt auch die Möglichkeit der Konfrontation. (Das klärende Gespräch suchen.)

18.10.2022 09:10 • #8

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