Hallo Odie,
ich kann Deine Verzweiflung gut verstehen. Ich bin auch Mutter und habe mit meinem erwachsenen Sohn ähnliche Sorgen gehabt (allerdings keinen Suizidversuch). Bis er Hilfe angenommen hat, hat sehr lange gedauert und er hat auch recht bald wieder abgebrochen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich kann nur von mir reden. Ich leide bzw. litt an Depressionen. Mittlerweile geht es mir aber wieder gut.
Ich denke, wann jemand bereit ist, ist von vielen Faktoren abhängig. Es liegt zum Teil in der Persönlichkeit eines Jeden begründet. Ich war schon immer ein Mensch der geschaut hat, wo er Hilfe bekommt, wenn er es allein nicht schafft. Dabei ist das Thema, um das es dabei geht, eigentlich nebensächlich. Manche Menschen sind genau der gegenteiligen Meinung und wollen auf Biegen und Brechen etwas allein schaffen, selbst wenn das über ihre Grenzen hinaus geht.
Als mir mein Arzt erstmalig vorschlug, einen Therapeuten aufzusuchen, habe ich gedacht, dass es bei ihm wohl etwas piept. Als ich aber dann kurze Zeit später einen Zusammenbruch hatte, ging das aber ganz flott.
Es ist mit Sicherheit auch von dem Umfeld des Betroffenen abhängig, bei Deiner Tochter möglicherweise der Bekannten- oder Freundeskreis. Bei Deiner Tochter kommt auch noch das Alter hinzu

- wenn ich an meine Zeit als 18-jährige denke - wenn meine Eltern zu der Zeit aus irgendeinem Grund eine Therapie für nötig gehalten hätten, hätte ich das schon mal aus Trotz
nicht für nötig gehalten. Für wen halten die mich denn? Ich kann das alleine regeln! So war ich in dem Alter gestrickt - vielleicht geht das bei Deiner Tochter in eine ähnliche Richtung? Wie sehr man sich damit selber schadet, will man gar nicht wahr haben.
Außerdem spielt auch die Phase der Krankheit eine Rolle, in der der Betroffene sich gerade befindet. In manchen Phasen leuchtet es einem überhaupt nicht ein, warum man Hilfe benötigen sollte.
Wie sich das bei Deinem Kind verhält, kann ich von hier aus nicht sagen, es sind auch nur ein paar Gedanken von mir, die mir auf Anhieb eingefallen sind. Vielleicht können andere user noch mehr dazu schreiben.
So sehr ich Deine Sorge auch verstehen kann, ich kann Dich nur bitten, das Mädel nicht zu sehr zu bedrängen - Du wirst das genaue Gegenteil erreichen. Und jemand, der sich nicht freiwillig auf eine Therapie oder Medikamente einlassen will, der kann es auch gleich bleiben lassen.
Als mein Sohn vor einigen Jahren um die Aufnahme in der Kinder- und Jugenpsychiatrie eines Krankenhauses bat, mußte er sich schriftlich und persönlich um die Aufnahme dort
bewerben. Die wollten erst sehen, wieviel Mühe er für einen Therapieplatz auf sich nimmt und wie ernst es ihm damit ist.
Alles Gute für Dein Mädchen und Dich
