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Therapie oder Erwerbsunfähigkeit

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Hallo zusammen,
gestern hatte ich mein erstes Gespräch mit einem Rehaberater nach meinem Wohnortwechsel. Ein sehr trockenes und empathieloses Gespräch.
Neben der Aussage, dass ich ja noch jung wäre, hieß es gleichzeitig, dass mir nicht mehr viel Zeit bliebe und etwas tun müsse. Was er genau damit meinte, weiß ich nicht. Er wiederholte es nur immer wieder und erklärte sich auch nicht.
Im Prinzip erklärte er mir zwei Möglichkeiten:

1. Ich suche mir einen Hausarzt, lasse mich zu einem Neurologen überweisen (?) und mache wieder eine kassenbezahlte Therapie.

2. Wenn ich mich nicht melde, geht er davon aus, dass ich dazu nicht in der Lage bin und veranlasst ein ärztliches Gutachten, wo meine Erwerbsfähigkeit geprüft wird.

Jetzt habe ich natürlich viele Fragen, die mir der Herr nicht beantwortet hat.
Kennt sich jemand mit so einem Gutachten aus und was ich mir darunter vorstellen kann?
Wie läuft das ab und was sind die Voraussetzungen für eine volle Erwerbsunfähigkeit? Er hat behauptet, dass ich dann in die Grundsicherung fallen würde und man mich in Ruhe lässt, bis ich irgendwann doch wieder arbeiten gehen kann.

Einen Hausarzt zu suchen, wenn ich nicht krank bin, ergibt für mich keinen Sinn. Das tue ich immer erst, wenn ich einen brauche.
Eine Therapie will ich nicht mehr machen, da sie mir eher schadet als nützt, wenn ich sie unfreiwillig mache. Und ich will nicht, dass die Krankenkasse Geld dafür verschwendet, wenn es eh nichts bringt. Die Finanzierung kann anderen zugute kommen, die wirklich eine brauchen.
Ich kann mir (aktuell) nicht vorstellen, je wieder arbeiten zu gehen. Mir geht es sehr schlecht, sobald ich unfreiwillig unter Menschen muss oder etwas tun muss, was ich nicht will. Ich reagiere dann sehr stark darauf. Reicht sowas schon für eine volle Erwerbsminderung aus?

Dazu muss ich noch sagen, dass mein Anspruch auf Teilhabe am Arbeitsleben noch läuft, mit dem ich zuletzt die Umschulung gemacht habe. Es bestünde wohl die Möglichkeit, damit weiterzumachen oder nochmal von Vorne anzufangen. Aber auch das sehe ich als Zeit- bzw. Geldverschwendung.
Nachdem, was ich dort erleben musste, will ich das nicht nochmal. Ich kann es einfach nicht. Mich wieder so sehr verstellen, um den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Das hat mich kaputt gemacht und ich hätte mich fast selbst aufgefressen.

Ich möchte bitte keine Unterstellungen oder Vorwürfe lesen. Mir geht es nur um eine ausführliche Erklärung, wie so ein Termin beim ärztlichen Dienst funktioniert und auf was ich mich (langfristig) einstellen muss, sollte man mich teilweise oder voll erwerbsgemindert erklären.

Danke für eure Antworten.

30.06.2022 12:17 • #1


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Pilsum

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Hallo EmptyLife,

Zitat von EmptyLife:
und auf was ich mich (langfristig) einstellen muss, sollte man mich teilweise oder voll erwerbsgemindert erklären.

vermutlich ist es einfach zu beantworten, was dann passiert.
Wenn Du voll erwerbsunfähig geschrieben wirst, wird sich das eher nicht so gut für Dich entwickeln.
Du bekommst dann vermutlich Grundsicherung und Du wirst dann wohl eher wenige schöne Zeiten in den
nächsten Jahren erleben. Weil für alles Schöne im Leben fehlt Dir dann ja da Geld.
Wohnungsprobleme und Geldsorgen könnten dann Deine Hauptsorgen werden.

Zitat von EmptyLife:
Einen Hausarzt zu suchen, wenn ich nicht krank bin, ergibt für mich keinen Sinn. Das tue ich immer erst, wenn ich einen brauche.

Schwierig es es vor allem für Dich, weil Du nicht merkst, dass Du vermutlich ziemlich seelisch
krank bist.
Somit kannst Du Dir im Grunde alles selbst beantworten. Was wird mit Dir passieren, wenn Du
Dich immer mehr zurückziehst und von niemandem Hilfe annimmst?

Zitat von EmptyLife:
Mir geht es sehr schlecht, sobald ich unfreiwillig unter Menschen muss oder etwas tun muss, was ich nicht will.

Ein Bekannter von mir lebt seit etwa 20 Jahren so ähnlich wie Du es beschreibst.
Inzwischen lebt er in einer betreuten Einrichtung, raucht sehr viel, ist vermutlich abhängig von
Tabletten und erzählt immer, was er noch alles kann. Dabei kann er nichts mehr und es wird
immer schlimmer. Nächste Woche muss er einem Mitbewohner 48 Euro zahlen. Eigentlich hat er dieses
Geld gar nicht übrig. Die Schulden sind entstanden, weil er bei dem heißen Wetter nicht selbst
einkaufen will. Der Mitbewohner der ihm Cola mitbringt, verlangt von ihm 3 Euro für die Flasche,
die er für 1,20 Euro im Laden kauft.
Eine Therapie hat er immer abgelehnt.

Natürlich musst Du nicht einen ähnlichen Lebensweg beschreiten. Nur, wie kann es Dir gut gehen, wenn
Du Kontakte zu anderen Menschen ablehnst? Dein Kopf wird sich dann nur noch mit Dir selbstbeschäftigen.
Schwierg ist es vor allem, wenn Du Dir noch nicht einmal mehr vorstellen kannst, dass es Dir
irgendwann mal wieder besser gehen wird.

30.06.2022 17:11 • x 7 #2



Hallo EmptyLife,

Therapie oder Erwerbsunfähigkeit

x 3#3


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Grothszes

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Hey EmptyLife,

ich habe zwar nicht ganz dieselbe Symptomatik wie du, aber meine Situation von vor etwa zwei Jahren ist mit deiner vergleichbar. Ich wollte damals eine schulische Ausbildung zum Lebensmitteltechnischen Assistenten abschließen, aber die körperlichen Anforderungen innerhalb dieser Bildungsgangs haben bei mir mit der Zeit Angstzustände, starke Stressgefühle und eine allgemeine Überforderung verursacht. Schade war das, denn ich war größtenteils sehr gut, aber der Anpassungsdruck, den ich mir gemacht habe, hat mir immer mehr Schmerzen bereitet.

Zitat von EmptyLife:
Kennt sich jemand mit so einem Gutachten aus und was ich mir darunter vorstellen kann?

Du wirst dann zu einem Gutachter (Psychiater) vorgeladen und der fragt dich nach deinen Beschwerden aus. Außerdem wird er dich kurz körperlich testen. Dann wird er eine Entscheidung treffen, ob du arbeitsfähig bist oder nicht. Bei jungen Leuten, so habe ich das Gefühl gehabt, entscheiden die eher auf arbeitsfähig. Aber das kann ich nicht mit voller Sicherheit sagen - das ist nur eine Vermutung, die auf meinem Fall basiert. Ich hoffe, du hast beim Jobcenter eine/n Berater/in, die auf psychische Erkrankungen spezialisiert ist und dich in der Hinsicht gut verstehen kann, falls du als arbeitsfähig eingestuft werden solltest.

Wenn du in die Grundsicherung rutscht, so ist das natürlich nicht viel Geld. Wenn du jedoch so sparsam wie ich bist und du es seit Kindesalter gewohnt bist, nicht das bekommen zu können, was du dir eigentlich wünscht, wirst du sicherlich kein Problem damit haben, kurzzeitig davon zu leben - bis sich in dir wieder dein eigener Wille regt, rauszugehen und dein Leben mehr zu gestalten. Das sollte ganz allein deine Entscheidung sein. Mach dir da keinen Druck. Du musst das nicht tun.

Vielleicht legt sich mit der Zeit ja ein Teil deiner Symptome. So war es z.B. bei mir.

Rückblickend muss ich sagen, dass die meisten sich da kaum in einen einfühlen können und leider nur einseitig argumentieren, da sie das ambivalente Spannungsfeld Anpassungsanforderungen vs. individuelle Psyche nicht voll überblicken können. Man kann nur mit dem mitfühlen, was man selbst kennt. Jedoch sind ihre Einwände und Sorgen nicht ganz unberechtigt. Beide Seiten innerhalb eines Disputs anzuhören und ihre Argumente jeweils eine gewisse Berechtigung zuzugestehen, heißt Ambiguitätstoleranz. Man sollte sich nicht ganz von der Möglichkeit verabschieden, irgendwann wieder an Hilfs- und Trainingsangeboten teilzunehmen.

Aber wie schon gesagt - ich hoffe für dich, dass du das gut nach deinem eigenen Gefühl entscheiden kannst und man es zulässt, dir den nötigen Freiraum zu schaffen, den du brauchst. Manche brauchen das - das sagen auch manche Helfer.

30.06.2022 20:00 • x 3 #3


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Kate

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Zitat von Grothszes:
Man kann nur mit dem mitfühlen, was man selbst kennt.

Ich denke das stimmt so nicht.
Dafür hat es ja die Emphatie, mit der man ebendies kann.
Z.B. Nicht jeder Therapeut muss genau das erlebt haben, was sein Patient erlebt hat und dennoch kann er es fühlen.

Ansonsten schließe ich mich den Worten von Pilsum an.
Raus aus der Komfortzone erweitert auch den eigenen Blick auf die Welt.
Der ganze Tag zu Hause, ohne Verpflichtungen und Menschen tut Dir ja offensichtlich auch nicht gut. Denn Du fühlst Dich ja dennoch schlecht.

01.07.2022 06:55 • x 3 #4


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Zitat von Pilsum:
Du bekommst dann vermutlich Grundsicherung und Du wirst dann wohl eher wenige schöne Zeiten in den nächsten Jahren erleben. Weil für alles Schöne im Leben fehlt Dir dann ja da Geld.
Wohnungsprobleme und Geldsorgen könnten dann Deine Hauptsorgen werden.

Ich lebe schon sehr lange von ALG II und klar, man kann sich nicht alles leisten, was man sich wünscht, aber das könnte ich auch nicht, wenn ich arbeiten gehen würde. Deshalb habe ich diese Wünsche begraben.
Und warum sollte man Wohnungsprobleme haben?

Zitat von Pilsum:
Schwierig es es vor allem für Dich, weil Du nicht merkst, dass Du vermutlich ziemlich seelisch krank bist.

Ich bin nicht seelisch krank nur weil ich eine Seele habe, die anders funktioniert und die vom System indoktrinierte Norm sich das nicht vorstellen kann. Nie von sich auf andere schließen.

Zitat von Pilsum:
Was wird mit Dir passieren, wenn Du Dich immer mehr zurückziehst und von niemandem Hilfe annimmst?

Sicher nicht das Gleiche wie mit deinem Bekannten. Und aufgezwungene Hilfe ist keine Hilfe.

Zitat von Pilsum:
Nur, wie kann es Dir gut gehen, wenn Du Kontakte zu anderen Menschen ablehnst? Dein Kopf wird sich dann nur noch mit Dir selbstbeschäftigen.
Schwierg ist es vor allem, wenn Du Dir noch nicht einmal mehr vorstellen kannst, dass es Dir
irgendwann mal wieder besser gehen wird.

Das kann sich jemand wie du sicher nicht vorstellen. Daraus mache ich dir keinen Vorwurf. Ich lebe allerdings schon lange so. Klar, zwischendrin hatte ich mal Phasen, wo es mir damit nicht gut ging. Das lag aber an verschiedenen Dingen, die ich erkannt und abgelegt habe. Man entwickelt sich ja weiter. Eine Misanthropin funktioniert eben anders.
Das mag paradox klingen, aber grade durch die Akzeptanz, dass es nicht besser wird, geht es mir besser. Ich mache mir keine falsche Hoffnungen und erwarte nichts mehr von mir. Genau das hat mich immer fertig gemacht und seitdem ich keine Ziele mehr habe und nur noch von Tag zu Tag lebe, geht es mir besser.

01.07.2022 08:13 • x 2 #5


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Kate

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Zitat von EmptyLife:
Und warum sollte man Wohnungsprobleme haben?

Weil man eben nicht mal so leicht eine Wohnung findet. Wie Du in der Vergangenheit ja auch erkannt hast.
Zitat von EmptyLife:
seitdem ich keine Ziele mehr habe und nur noch von Tag zu Tag lebe, geht es mir besser.

Ich glaube da ist deine Sicht eingeschränkt. Vielleicht verwechselst Du "besser gehen" mit Verbitterung. Deine sämtlichen Beiträge hier klingen nicht nach, "es geht mir damit gut" trotz dass du ja im Grunde momentan all das hast was du willst. Isolation, keine Arbeit, kein Druck, in den Tag leben, keine Ziele, keinen persönlichen Anspruch.

Das jetzige Leben ist das Ergebnis Deiner Entscheidungen. Gefällt es Dir nicht, sollte man bessere Entscheidungen treffen.

01.07.2022 08:30 • x 1 #6


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Zitat von Grothszes:
Du wirst dann zu einem Gutachter (Psychiater) vorgeladen und der fragt dich nach deinen Beschwerden aus. Außerdem wird er dich kurz körperlich testen.

Wenn ich aber - meiner Meinung nach - keine psychischen Beschwerden habe? Solange ich zu Hause bin und ab und zu was unternehmen kann, geht es mir gut.
Meine körperlichen Zustand können deren Tests sicher nicht erfassen. Das fängt bei fehlender Ausdauer an und hört bei chronischer Handgelenksprobleme auf. Ich mache aber wieder täglich Workouts, damit wird vieles davon auch besser.

Zitat von Grothszes:
Ich hoffe, du hast beim Jobcenter eine/n Berater/in, die auf psychische Erkrankungen spezialisiert ist und dich in der Hinsicht gut verstehen kann, falls du als arbeitsfähig eingestuft werden solltest.

Leider nicht. Der Mann, bei dem ich das Gespräch hatte, war total gleichgültig und unsensibel. Meine Bemühungen in den letzten Jahren, wieder in Arbeit zu kommen, waren für ihn irrelevant und wertlos. Er stellte es sogar so hin, als würde es mit mir nur bergab gehen. Das hat mich total verletzt und so runtergezogen, dass ich jetzt erst rechts nichts mehr tun will.
Entschieden habe ich mich aber noch nicht.

Zitat von Grothszes:
Wenn du in die Grundsicherung rutscht, so ist das natürlich nicht viel Geld. Wenn du jedoch so sparsam wie ich bist und du es seit Kindesalter gewohnt bist, nicht das bekommen zu können, was du dir eigentlich wünscht, wirst du sicherlich kein Problem damit haben, kurzzeitig davon zu leben - bis sich in dir wieder dein eigener Wille regt, rauszugehen und dein Leben mehr zu gestalten. Das sollte ganz allein deine Entscheidung sein. Mach dir da keinen Druck. Du musst das nicht tun.

Genau so bin ich auch aufgewachsen. Ich danke dir sehr für deine Worte!

Zitat von Grothszes:
Man sollte sich nicht ganz von der Möglichkeit verabschieden, irgendwann wieder an Hilfs- und Trainingsangeboten teilzunehmen.

Ich schließe es ja auch überhaupt nicht auf Dauer aus. Ein kleiner Teil in mir lässt sich diese Möglichkeit offen.
Deswegen wollte ich auch wissen, ob man trotz Erwerbsunfähigkeit irgendwann wieder arbeiten gehen kann oder ob es dann Probleme gibt?

01.07.2022 08:58 • x 3 #7


Freigeist

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Hallo,
Ich kenne deine Geschichte nicht, aber würde ersteinmal nicht so viel auf das gespräch geben.

Warst du denn schon in der Reha?

Im normalfall wird ja in einer Reha schon geprüft in wie weit du noch auf dem arbeitsmarkt einsatzfähigbist also ob voll (über 6 stunden) oder halb (3-6 stunden) oder ( garnicht unter 3 stunden) und sie können dich halt arbeitsfähig oder arbeitsunfähig entlassen.

Dann könnte es sein das der Rehaantrag in ein rentenantrag für die EMR umgewandelt wird. Dann könnte die DRV dem antrag folgen oder dich zu einem gutachter schicken der halt nochmal prüft ob und in wiefern du arbeitsfähig bist. Und wenn du arbeiten willst wird dich sicjer niemand in die rente schicken. Könnte für dich aber ggf. Besser sein.

Normal bekommst du ja deine renteninformation jährlich ab dem 27 lebensjahr glaube ich. Dort steht auch drin ob und wie viel erwerbsminderungsrente dir im falle der vollen EMR (unter 3 stunden am tag) zusteht vorsicht bei diesem modell kannst du nur ca.500 euro im monat zuverdienen. Wenn du 3-6 stunden arbeitsfähig bist ist es davon genau die hälfte hier kannst du aber noch sehr gut zuverdienen wenn man das kann und will.

Oft ist natürlich auch je nach alter und bisheriger verdienst nur eine sehr niedrige EMR vorhanden wo dann ggf. Sogar auf grundsicherung aufgestockt wird.

Wenn su sehr jung bist und vielleicht noch fast garnicht gearbeitet hast ODER die versicherungsrechtlichen zeiten nicht erfüllst, hast du ggf. Auch keinen anspruch auf eine EMR. Das weiß ich leider alles nicht.
In dem fall wird es natürlich nur grundsicherung geben.

Edit: eine EMR wird in der regel befristet und wird neu geprüft. Ich meine sie kann max. Bis zu 9 jahre befristet sein und müsste dann unbefristet werden. Aber selbst dansch könntest du wieder arbeiten wenn du wolltest. Dir kann niemand verbieten zu arbeiten.

01.07.2022 10:09 • x 1 #8


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Pilsum

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Liebe Emtylife,

einige hier im Forum verstehen Dich sicher viel besser, als Du es vermutest.
Ständig bemühst Du Dich doch hier, Kontakt mit anderen Menschen zu halten.
Uns versuchst Du allerdings davon zu überzeugen, dass Du gar keine Kontakte haben willst.

Zitat von EmptyLife:
Und aufgezwungene Hilfe ist keine Hilfe.

Damit hast Du völlig Recht.
Es geht offensichtlich um etwas anderes. Die Hilfe wird Dir angeboten, weil Menschen sich auf
Dauer gesünder fühlen, wenn sie das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Dieses Gefühl stellt
sich dann ein, wenn man etwas zu seinem Leben selbst beiträgt. Am einfachsten geht das,
wenn man einer Beschäftigung nachgeht, für die man etwas Geld bekommt.

Deine Entscheidung ist nun anders ausgefallen.
Und niemand wird Dich hier im Forum davon überzeugen können, dass eine andere Sichtweise
für Dich besser wäre.

Somit versuchst Du Dich hier beraten zu lassen, wie Du ohne etwas dafür zu tun, für den Rest Deines
Lebens eine Wohnung und genug zu essen hast.
Von mir kannst Du solch einen Rat nicht bekommen.

Zitat von EmptyLife:
Ich lebe allerdings schon lange so.

Zitat von EmptyLife:
Man entwickelt sich ja weiter.

Klingt interessant. Wohin wirst Du Dich den entwickeln?

Zitat von EmptyLife:
Das mag paradox klingen, aber grade durch die Akzeptanz, dass es nicht besser wird, geht es mir besser.

Für eine gewisse Zeit kann ich mir das gut vorstellen.

Zitat von EmptyLife:
seitdem ich keine Ziele mehr habe und nur noch von Tag zu Tag lebe, geht es mir besser.

Zitat von EmptyLife:
Ich mache mir keine falsche Hoffnungen und erwarte nichts mehr von mir.

Ein Mensch, der mit Überzeugung von sich selbst sagt, ich erwarte nichts mehr von mir selbst,
gerät meiner Meinung nach in eine immer schwierigere gesundheitliche Situation.
Vielleicht gelingt es Dir Deine Sichtweisen nochmal zumindest teilweise zu überdenken.

01.07.2022 10:48 • x 6 #9


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Zitat von Freigeist:
Warst du denn schon in der Reha?

Ja, sowas habe ich schon gemacht. Das erste Mal 2016 für 6 Monate, was mir aber nichts gebracht hat.
2019 bis 2021 habe ich eine Arbeitserprobung (6 Wochen), Berufstraining (6 Monate), Umschulungsvorbereitung (6 Monate) und die Umschulung selbst gemacht, bis ich ich Letzteres abbrechen musste.

Zitat von Freigeist:
Normal bekommst du ja deine renteninformation jährlich ab dem 27 lebensjahr glaube ich. Dort steht auch drin ob und wie viel erwerbsminderungsrente dir im falle der vollen EMR

Sowas habe ich glaube ich noch nicht bekommen.

Zitat von Freigeist:
Wenn su sehr jung bist und vielleicht noch fast garnicht gearbeitet hast ODER die versicherungsrechtlichen zeiten nicht erfüllst, hast du ggf. Auch keinen anspruch auf eine EMR. Das weiß ich leider alles nicht.

Ich weiß, dass ich keinen Anspruch auf Rente habe, da ich nach meiner 3-jährigen Ausbildung nur 4 Monate gearbeitet habe. Ich würde dann auf jeden Fall vollständig in die Grundsicherung fallen, wo ich Geld in gleicher Höhe bekomme wie jetzt (sagte zumindest der Rehaberater).

01.07.2022 11:06 • #10


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Zitat von Pilsum:
Ständig bemühst Du Dich doch hier, Kontakt mit anderen Menschen zu halten.
Uns versuchst Du allerdings davon zu überzeugen, dass Du gar keine Kontakte haben willst.

Ich weiß nicht, wie du darauf kommst. Außer in mein Tagebuch zu schreiben, in manchen Themen meine Meinung oder einen Rat abzugeben und grade nach Langem mal wieder um Rat zu fragen, beteilige ich mich an keiner Unterhaltung hier und mische mich schon gar nicht in feste Gruppen ein. Ich versuche schon lange nicht mehr irgendwo dazu zu gehören.
Darum geht es hier jetzt aber auch nicht.

Zitat von Pilsum:
Die Hilfe wird Dir angeboten, weil Menschen sich auf
Dauer gesünder fühlen, wenn sie das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Dieses Gefühl stellt
sich dann ein, wenn man etwas zu seinem Leben selbst beiträgt. Am einfachsten geht das,
wenn man einer Beschäftigung nachgeht, für die man etwas Geld bekommt.

Dieses Gefühl kann man auf verschiedene Weise erhalten, dafür muss man nicht arbeiten gehen. Die einen helfen anderen Menschen durch ihre Handwerksfähigkeiten, die anderen halten sich Tiere, etc.
Mein Selbstwert hängt nicht mehr davon ab, ob ich einen Job habe oder nicht. Egal wie sehr man mir versucht das Gegenteil einzureden.

Zitat von Pilsum:
Somit versuchst Du Dich hier beraten zu lassen, wie Du ohne etwas dafür zu tun, für den Rest Deines Lebens eine Wohnung und genug zu essen hast.

Das stimmt ganz und gar nicht. Ich suche Rat / Meinungen / Erfahrungsberichte, die mir bei der Entscheidung helfen, da ich noch nie was mit dem ärztlichen Dienst vom JC zu tun hatte.

Zitat von Pilsum:
Klingt interessant. Wohin wirst Du Dich den entwickeln?

Das weiß ich nicht und das lege ich auch nicht fest.

Zitat von Pilsum:
Ein Mensch, der mit Überzeugung von sich selbst sagt, ich erwarte nichts mehr von mir selbst, gerät meiner Meinung nach in eine immer schwierigere gesundheitliche Situation.

Die Meinung kannst du gerne haben, bei mir ist es aber anders herum. Nichts mehr von mir zu erwarten heißt ja nicht, dass ich keine Prinzipien mehr habe oder mich gehen lasse.

01.07.2022 11:37 • x 2 #11


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Kitten

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Hi EmptyLife
Zitat von EmptyLife:
Ich möchte bitte keine Unterstellungen oder Vorwürfe lesen.

Das finde ich ganz wichtig, dass du das zu Beginn erwähnt hast! Du DARFST so leben, wie du es für richtig hälst und niemand soll dir da reinreden. Niemand vom Forum aber auch nicht das Arbeitsamt oder der Rehaberater, der leider empathielos war und offenbar auch nicht ganz kompetent auf seinem Gebiet!
Nun stellt sich das in der Praxis als nicht ganz einfach heraus, von irgendwas musst du ja leben!
Meiner Meinung nach wäre die Lösung für viele Menschen das bedingungslose Grundeinkommen. Aber das ist ja jetzt hier nicht das Thema.

Ich kann dir leider zu deinen Fragen keine Antwort geben, da ich nicht in D lebe.
Nun, was ich dir sagen kann: Auf mich wirkst du sehr reflektiert. Jeder Mensch hat Talente und Fähigkeiten. Bei dir sind diese u.a. im schriftlichen Ausdruck zu finden. Gäbe es denn die Möglichkeit, dass du deine Talente so nutzen kannst, dass du davon ein Einkommen generieren kannst? Unter Arbeit versteht man ja nicht nur die klassische Arbeit vor Ort beim Arbeitgeber, es gibt ja dank Digitalisierung zig Möglichkeiten. Dies umso mehr, wenn du nicht gerne Menschen um dich hast.
Vielleicht horchst du wieder und wieder in dich hinein und fragst dich: Was mache ich gerne und gut und könnte ich vielleicht zum Beruf machen?
Ich möchte dir dies nur als Denkanstoss mitgeben. Denn dass du gar nie mehr arbeitest kannst oder willst zu einem Lohn wäre ja schon sehr endgültig und du bist noch jung.
Schöne Grüsse

01.07.2022 12:55 • x 7 #12


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Grothszes

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Zitat von Kate:
Ich denke das stimmt so nicht.
Dafür hat es ja die Emphatie, mit der man ebendies kann.
Z.B. Nicht jeder Therapeut muss genau das erlebt haben, was sein Patient erlebt hat und dennoch kann er es fühlen.

Stimmt, da muss ich dir recht geben. Das kann man wohl nicht verallgemeinern. Dennoch würde ich meiner Aussage zumindest eine Teilrelevanz einräumen. Gerade bei Therapeuten habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass sie sich besser einfühlen und eindenken können. Sie sind ja auch dafür ausgebildet worden. Das kann von Person zu Person allerdings nochmal unterschiedlich sein - nur, um sich da gleich zu desillusionieren.

Ich hätte mich wohl klarer ausdrücken sollen, aber man will ja auch keinem vor den Kopf stoßen, deswegen so idiosynkratisch. Worauf ich den vorletzten Absatz meines Posts implizit bezogen habe, war auf andere Patienten bzw. auf nicht psychologisch geschulte Personen allgemein, worunter auch manche Helfertypen einzusortieren sind. Hier kann es schonmal an (vor allem affektiver) Empathie mangeln, gerade in Bezug auf schwere, komplexe Erkrankungsverläufe und das schimmert ehrlich gesagt auch wieder in diesem Thread stellenweise hindurch.

Beispiele dafür wären auch unsensible Kommentare, die gepostet werden und nachher gemeldet und nach Prüfung der Moderation gelöscht werden müssen.

Zitat von Kate:
Raus aus der Komfortzone erweitert auch den eigenen Blick auf die Welt.

Auch da gebe ich dir recht. Das soll natürlich kein Dauerzustand sein. Das ist ein berichtigter, gut gemeinter Einwand. Nur: Wenn es im Moment nicht geht, dann geht es nicht. Sonst ist das de facto Quälerei/Menschenschinderei. Jeder nach seinen momentanen Möglichkeiten. Alles hat Vor- und Nachteile im Leben. Irgendwann wird es schon wieder gehen. Man muss ja nicht völlig versumpfen. Auf Dauer kann gerade das depressiv machen.

01.07.2022 15:40 • x 1 #13


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Grothszes

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Zitat von EmptyLife:
Wenn ich aber - meiner Meinung nach - keine psychischen Beschwerden habe? Solange ich zu Hause bin und ab und zu was unternehmen kann, geht es mir gut.

Wie gesagt, vielleicht solltest du dir das erstmal eine Zeit lang zugestehen. Muss ja, wie du schon weiter unten sagst, nicht das Ende der Fahnenstange sein - nur eine kurze Ruheoase inmitten des empathielosen Machbarkeitswahns. Ob der Gutachter von der DRV das genauso sehen wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Wie stehst du denn zu der Möglichkeit, eine Tagesstätte zu besuchen? Gibt es bei euch sowas? Da hättest du regelmäßigen Kontakt zu anderen Betroffenen, würdest mit ihnen zusammen kochen und noch andere Tätigkeiten machen. Auch so ein niederschwelliges Angebot kann auf Dauer aktivieren und stabilisieren.

Zitat von EmptyLife:
Meine körperlichen Zustand können deren Tests sicher nicht erfassen. Das fängt bei fehlender Ausdauer an und hört bei chronischer Handgelenksprobleme auf.

Ja, so sehr ins Detail geht das da nicht. Die testen nur auf Kniesehnenreflex und sowas. Solange Trainierbarkeit und Behandelbarkeit persönlicher Einbußen vorherrscht, werden die wohl auch auf erwerbsfähig entscheiden.

Zitat von EmptyLife:
Leider nicht. Der Mann, bei dem ich das Gespräch hatte, war total gleichgültig und unsensibel.

Das ist aber nicht dein Fallberater gewesen, sondern der Rehaberater? Das hört sich ja gar nicht gut an. Meine Fallberaterin vom JC war da weitaus erfahrener und kulanter.

Zitat von EmptyLife:
Deswegen wollte ich auch wissen, ob man trotz Erwerbsunfähigkeit irgendwann wieder arbeiten gehen kann oder ob es dann Probleme gibt?

Ich weiß es leider nicht, ob man dann wieder eine neue Prüfung der Erwerbsfähigkeit initiieren kann und dann ganz einfach wieder raus käme. Bin selbst noch nie als erwerbsunfähig eingestuft worden. Und das ist erstmal gut so, denn das hätte mich nochmal mehr in einem langfristigen Fatalismusdenken bestärkt, wovor Pilsum und Kate ja auch warnen. Ich selbst habe auch ein gutes Vorbild: mein WG-Mitbewohner, der gesundheitlich auch ganz schön mitgenommen ist, hat jetzt einen Job gefunden, bei dem er in ganz Deutschland unterwegs ist und kämpft sich da mehr und mehr aus seinem jahrelangen Tief raus. Echt beachtlich.

01.07.2022 22:31 • x 1 #14


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Zitat von Kitten:
Nun stellt sich das in der Praxis als nicht ganz einfach heraus, von irgendwas musst du ja leben!

Die Grundsicherung wäre eine Option...

Zitat von Kitten:
Nun, was ich dir sagen kann: Auf mich wirkst du sehr reflektiert. Jeder Mensch hat Talente und Fähigkeiten. Bei dir sind diese u.a. im schriftlichen Ausdruck zu finden. Gäbe es denn die Möglichkeit, dass du deine Talente so nutzen kannst, dass du davon ein Einkommen generieren kannst? Unter Arbeit versteht man ja nicht nur die klassische Arbeit vor Ort beim Arbeitgeber, es gibt ja dank Digitalisierung zig Möglichkeiten. Dies umso mehr, wenn du nicht gerne Menschen um dich hast.

Vielen Dank. Dass ich mich sehr gut ausdrücke, wurde mir schön häufiger gesagt und ich weiß auch durch das Berufstraining, welche Talente ich habe und wo ich sie einsetzen könnte. Das bringt mir nur alles nichts, wenn ich nicht belastbar bin und andere Menschen im Arbeitsalltag - sowie Ungerechtigkeit oder Mobbing - nicht ertrage. Home Office ist aber auch keine Option, weil ich mich zu leicht ablenken lasse und mich dann mit etwas beschäftige, das mir mehr Spaß macht.

Zitat von Kitten:
Ich möchte dir dies nur als Denkanstoss mitgeben. Denn dass du gar nie mehr arbeitest kannst oder willst zu einem Lohn wäre ja schon sehr endgültig und du bist noch jung.

Es ist so, dass diese Endgültigkeit mir den Druck nimmt. Und ohne diesen Druck geht es mir auch nicht mehr schlecht. Fange ich wieder an, mir Druck zu machen indem ich von mir erwarte, etwas zu ändern, wird der Selbsthass wieder sehr stark. Dementsprechend gehe ich dann auch mit mir um.
Dass ich jung sei, kann ich einfach nicht mehr hören. Die für mich wichtigsten Lebensjahre sind zerstört, die bekomme ich nie wieder.
Mit meinem Lebenslauf habe ich nirgendwo Chancen. Wahrscheinlich meinte der Rehaberater deswegen, dass mir nicht mehr viel Zeit bleibt. Es sind bald 8 Jahre...

04.07.2022 10:57 • #15


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Zitat von Grothszes:
Nur: Wenn es im Moment nicht geht, dann geht es nicht. Sonst ist das de facto Quälerei/Menschenschinderei. Jeder nach seinen momentanen Möglichkeiten.

Eben. Und niemand wird verstehen, was der letzte Versuch emotional, psychisch und körperlich an Kraft gekostet und für mich bedeutet hat. Ich kann und will einfach nicht nochmal anfangen. Dieses ständige Scheitern zerstört mich nur und bestärkt mich darin, dass es eh nichts bringt, egal wie sehr ich es versuche. In Wahrheit entscheiden immer andere über meine Zukunft. Es spielt keine Rolle, was ich will.

Zitat von Grothszes:
Wie stehst du denn zu der Möglichkeit, eine Tagesstätte zu besuchen? Gibt es bei euch sowas? Da hättest du regelmäßigen Kontakt zu anderen Betroffenen, würdest mit ihnen zusammen kochen und noch andere Tätigkeiten machen. Auch so ein niederschwelliges Angebot kann auf Dauer aktivieren und stabilisieren.

Tagesstätten sind was für Leute, die am Leben in der Gesellschaft teilhaben wollen. Das trifft auf mich nicht zu. Ich will mit anderen Menschen nichts mehr zu tun haben.

Zitat von Grothszes:
Ja, so sehr ins Detail geht das da nicht. Die testen nur auf Kniesehnenreflex und sowas. Solange Trainierbarkeit und Behandelbarkeit persönlicher Einbußen vorherrscht, werden die wohl auch auf erwerbsfähig entscheiden.

Das hatte ich befürchtet.

Zitat von Grothszes:
Das ist aber nicht dein Fallberater gewesen, sondern der Rehaberater? Das hört sich ja gar nicht gut an. Meine Fallberaterin vom JC war da weitaus erfahrener und kulanter.

Ich habe wohl eine Fallberaterin, aber die ist aktuell wohl nicht mein Hauptansprechpartner.

Der Anspruch auf die Teilhabe am Arbeitsleben läuft wie gesagt noch und Mitte Juli habe ich einen Termin diesbezüglich bei der Agentur für Arbeit. Im Brief steht, dass ich den Termin absagen könne und die Teilhabe später erneut beantragen könne, gleichzeitig heißt es aber, dass es dann Konsequenzen hätte. Das verunsichert mich total.
Für mich macht es grade keinen Sinn, das laufen zu lassen und den Termin wahrzunehmen. Oder sollte ich ihn wahrnehmen, um vor Ort zu erklären, dass es für mich grade keinen Sinn macht?


Im Prinzip ist es klar, wie es weiter geht. Eine Therapie bringt gegen meinen Willen nichts. Die Termine würden mir wie beim letzten Mal nur auf die Nerven gehen und es wäre Zeit- und Geldverschwendung.
Ich denke, ich lasse es auf den ärztlichen Dienst ankommen. Einen Hausarzt kann ich mir ja trotzdem suchen. Dazu kann ich mich grade aber nicht aufraffen.

04.07.2022 11:22 • #16


Träumer59

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474
Zitat von EmptyLife:
Ich bin nicht seelisch krank nur weil ich eine Seele habe, die anders funktioniert und die vom System indoktrinierte Norm sich das nicht vorstellen kann.

Du hast damit sowas von Recht. Krank sein bedeutet, sich damit schlecht zu fühlen. Gerade im psychischen Bereich wird man schnell von der Gesellschaft verurteilt, weil man nicht der Norm entspricht. Dabei ist eigentlich dieses ständige Beurteilen anderer Menschen krank.
Um auf deine Eingangsfrage zurückzukommen: Mein Gutachter hat mir einfach nur Fragen gestellt, auch was den körperlichen Bereich angeht, da wurde nichts getestet. Ich habe ihm erklärt, dass Reha und Gruppentherapie bei mir nichts bringen, und er hat es verstanden, man muss es nur begründen können.
Wenn du mit der Grundsicherung zufrieden bist brauchst du vor nichts Angst zu haben, und selbst in zehn Jahren kannst du dir noch überlegen, ob du doch nochmal was anderes willst, solange man noch krabbeln kann ist es nie für irgendwas zu spät.

Liebe Grüße vom Träumer

05.07.2022 08:51 • x 1 #17


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Zitat von Träumer59:
Du hast damit sowas von Recht. Krank sein bedeutet, sich damit schlecht zu fühlen. Gerade im psychischen Bereich wird man schnell von der Gesellschaft verurteilt, weil man nicht der Norm entspricht. Dabei ist eigentlich dieses ständige Beurteilen anderer Menschen krank.

Du sagt es! Diese Norm ist ein unnatürliches, idealistisches und ausbeuterisches Konstrukt, das nur dazu da ist, dass die Menschen funktionieren, wie sie sollen. Diese bedingungslose Anpassung führt aber dazu, dass die Menschen sich selbst zerstören und krank werden. Die Lebensgeschichten von Menschen in Foren wie dieses sind das beste Beispiel, was dieses System anrichtet. Wir werden von Geburt an gegen unser Selbst konditioniert und indoktriniert.

Zitat von Träumer59:
Ich habe ihm erklärt, dass Reha und Gruppentherapie bei mir nichts bringen, und er hat es verstanden, man muss es nur begründen können.

Wie du das genau begründet hast, würde mich sehr interessieren. Du kannst es mir auch gern per PN erklären, wenn du es hier nicht erzählen magst.
Ich habe leider sehr oft die Erfahrung machen müssen, dass andere sich anmaßen besser zu wissen, was gut für mich ist und was man mir zumuten kann, als ich selbst. Auf sowas reagiere ich sofort allergisch und defensiv.

Zitat von Träumer59:
Wenn du mit der Grundsicherung zufrieden bist brauchst du vor nichts Angst zu haben, und selbst in zehn Jahren kannst du dir noch überlegen, ob du doch nochmal was anderes willst, solange man noch krabbeln kann ist es nie für irgendwas zu spät.

Zufrieden nicht, aber ich habe mich damit arrangiert. Da ich so aufgewachsen bin und seit 8 Jahren so lebe, kenne ich fast nichts anderes. Und sollte ich irgendwann doch nochmal umdenken, kann ich es immer noch versuchen. Wobei ich mir mit meinem Lebenslauf da keine Hoffnungen mache.

05.07.2022 10:53 • #18


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Zitat von EmptyLife:
Der Anspruch auf die Teilhabe am Arbeitsleben läuft wie gesagt noch und Mitte Juli habe ich einen Termin diesbezüglich bei der Agentur für Arbeit.

Der bevorstehende Termin am Freitag lässt in mir wieder Ängste und Panik wachsen.
Vielleicht werde ich dort auch fragen, ob man nicht direkt den ärztlichen Dienst einschalten kann, damit dieses Gutachten erstellt wird. Dann braucht der Rehaberater nicht mehr auf irgendwas von mir zu warten. Alles andere hat für mich keinen Sinn.
Ich werde versuchen zu erklären, dass für mich einfach der Zug abgefahren ist und mir jeder Versuch, wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden, nur schadet.

12.07.2022 17:52 • #19


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Grothszes

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Zitat von EmptyLife:
Tagesstätten sind was für Leute, die am Leben in der Gesellschaft teilhaben wollen. Das trifft auf mich nicht zu. Ich will mit anderen Menschen nichts mehr zu tun haben.

Gar nichts mehr? Gehst du denn ab und zu raus? Hast du Verwandte? Also ich war auch mal so enttäuscht, innerlich gequält und abweisend so wie du, wenn ich das sagen darf, aber irgendwann haben sich dann doch wieder meine Wünsche in den Vordergrund geschoben und ich wollte es unbedingt wieder versuchen, am Leben teilzuhaben. Mit gemischten Erfolg natürlich, wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, aber mich macht es immer depressiv, dass ich bisher nichts zustande gebracht habe - es fühlt sich an, als wenn die letzten fünf Jahre meiner 20er einfach an mir vorüber gezogen sind. Ich kann nichts tun, um diese Zeit wieder zu gewinnen.

Zitat von EmptyLife:
Oder sollte ich ihn wahrnehmen, um vor Ort zu erklären, dass es für mich grade keinen Sinn macht?

Also ich habe solche Termine immer wahrgenommen, denn ich habe keine Lust auf Sanktionen (Erzwingungsaktionen), also nochmal zusätzlichen Zwang. Das würde ich dir auch empfehlen.

Zitat von EmptyLife:
Ich werde versuchen zu erklären, dass für mich einfach der Zug abgefahren ist und mir jeder Versuch, wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden, nur schadet.

Aus meiner Sicht ist es erstmal erstaunlich, dass du so offen damit umgehst. Ich habe damals den Frust nur in mich reingefressen und war dann quasi mittelschwer dauerdepressiv. Ich hatte gar nicht die Quintessenz gezogen, dass ich jahrelang zu hoch gepokert hatte und ich von Anfang an kleinere Brötchen hätte backen sollen (d.h. niedrigschwellige Tätigkeiten und nicht non-stop-Industriearbeit).

13.07.2022 00:47 • x 1 #20


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Zitat von Grothszes:
Gar nichts mehr? Gehst du denn ab und zu raus? Hast du Verwandte?

Ich habe meine ausgewählten Menschen und es kommt durchaus mal vor, dass ich mich auf einen Kontakt einlasse. Aber grundlegend will ich mit Menschen nichts mehr zu tun haben.
Raus gehe ich nur zum Einkaufen oder wenn ich mal was unternehmen will. Meistens sitze ich aber drin und das ist schon seit vielen Jahren so.
Verwandte habe ich, die interessieren mich aber nicht bzw. besteht kein Kontakt, außer gelegentlich zu meiner Mutter.

Zitat von Grothszes:
es fühlt sich an, als wenn die letzten fünf Jahre meiner 20er einfach an mir vorüber gezogen sind. Ich kann nichts tun, um diese Zeit wieder zu gewinnen.

Für mich ist die Blüte meines Lebens auch an mir vorbei gezogen - 10 Jahre meines Lebens. Dabei war diese für mich die wichtigste Zeit. Ich bin aber grade dabei es zu akzeptieren, auch wenn der Schmerz darüber nie ganz verschwinden wird. Man wird halt nicht mehr jünger und ändern kann ich es nicht mehr.

Zitat von Grothszes:
Aus meiner Sicht ist es erstmal erstaunlich, dass du so offen damit umgehst. Ich habe damals den Frust nur in mich reingefressen und war dann quasi mittelschwer dauerdepressiv.

Das war auch ein Prozess, glaub mir. Und warum sollte ich das nicht tun? Viele Menschen tun sich damit schwer, in sich hinein zu hören und ehrlich mit sich selbst zu sein, weil sie unbedingt die Erwartungen anderer erfüllen wollen. Wenn man nicht zu ehrlicher Reflexion fähig ist, wird man sich nicht selbst guttun können.
Andere würden meinen Zustand sicher auch depressiv nennen und es mag auch stimmen, aber der Unterschied ist, dass ich es mein Leben lang so kenne und nun an einem Punkt bin, wo es mich nicht belastet, da ich es akzeptiere (oder dabei bin es zu tun). Sobald jemand von mir erwartet, dass ich an mir arbeite, fangen die Probleme an. Bevormundung, Zwang... darauf reagiere ich allergisch.

15.07.2022 12:54 • x 1 #21


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Grothszes

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Zitat von EmptyLife:
Ich bin aber grade dabei es zu akzeptieren, auch wenn der Schmerz darüber nie ganz verschwinden wird. Man wird halt nicht mehr jünger und ändern kann ich es nicht mehr.

Das finde ich stark - ich persönlich habe, wie gesagt, große Probleme damit. Ich will unbedingt noch mal was leisten. Kennst du das Gefühl, einfach nicht da zu sein, wo du sein könntest? Nicht mit den Menschen zu tun zu haben, mit denen du eigentlich zu tun haben könntest? Als wenn man in diesem Universum einfach schlechte Karten gezogen hätte, die einem die Möglichkeiten von Anfang an verbaut haben - wie du schon sagst: mit einem Lebenslauf, der jahrelange Lücken hat, hat man es für gewöhnlich schwer. Ich weiß noch als ich mal ein Bewerbungsgespräch für ein Praktikum hatte und mich auf einmal zwei Personaler in die Mangel nahmen, als wenn es um einen Ausbildungsplatz oder Arbeitsvertrag ginge. Mein Gott. Als wir auf die Lücke in meinem Lebenslauf zu sprechen kamen, war ich völlig unvorbereitet. Das hatte ich nicht erwartet. War sowas von unangenehm, die Situation.

Zitat von EmptyLife:
Viele Menschen tun sich damit schwer, in sich hinein zu hören und ehrlich mit sich selbst zu sein, weil sie unbedingt die Erwartungen anderer erfüllen wollen.

Interessante Sichtweise - ja, viele Erwartungen, die man im Laufe seines Lebens an sich stellt, hat man wohl einfach von anderen übernommen und das ist einem erst gar nicht bewusst. So gesehen ist man wohl einfach zu einem gewissen Maß fremdgesteuert, wenn man das so sagen kann - ab einem bestimmten Zeitpunkt klaffen dann Anspruch und Realität meilenweit auseinander, weil man die (Selbst-)Ausbeutung, den Raubbau an sich selbst, nicht wahrgenommen hat (oder nicht wahrhaben wollte). Was ich auch schlimm finde ist, dass sich bei vielen ihre Depression, ihr Schicksal still hinter der bürgerlichen Fassade abspielt, die sie sich über Jahre hinweg aufgebaut haben. Sie wollen dieser unbedingt gerecht werden, weil sie keinen Gesichtsverlust hinnehmen wollen, aber haben dabei keine Möglichkeit, darauf aufmerksam zu machen, wie schwer es ihnen wirklich fällt, in die kalte, empathielose Maschinerie des Systems zu passen.

Zitat von EmptyLife:
Andere würden meinen Zustand sicher auch depressiv nennen und es mag auch stimmen, aber der Unterschied ist, dass ich es mein Leben lang so kenne und nun an einem Punkt bin, wo es mich nicht belastet, da ich es akzeptiere (oder dabei bin es zu tun).

Vielleicht ist ja das erst der Beginn deiner ganz persönlichen Heilung.

20.07.2022 07:00 • x 1 #22


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Zitat von Grothszes:
Ich will unbedingt noch mal was leisten.

Von der Idee habe ich mich verabschiedet. Genau genommen hatte ich schon immer das Gefühl, dass ich nicht für das Arbeitsleben gemacht bin. Ich glaube das war in Wahrheit immer so eine Art Intuition/Selbsterkenntnis, die ich aber Aufgrund der Erwartungen der Gesellschaft immer wieder ausblenden musste.

Zitat von Grothszes:
Kennst du das Gefühl, einfach nicht da zu sein, wo du sein könntest? Nicht mit den Menschen zu tun zu haben, mit denen du eigentlich zu tun haben könntest?

Nein, das kenne ich nicht. Das wiederum schon:

Zitat von Grothszes:
Als wenn man in diesem Universum einfach schlechte Karten gezogen hätte, die einem die Möglichkeiten von Anfang an verbaut haben

Ich hatte immer das Gefühl, dass ich entweder für etwas bestraft werde oder dazu bestimmt bin, zu leiden (ich glaube an Karma und Schicksal). Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es mir nicht gut gehen soll und seitdem versuche ich mein Schicksal zu akzeptieren - und seitdem geht es mir paradoxerweise besser.
Wie daran glaube ich auch an eine Seele, die in anderen Körpern neu geboren wird und meine ist definitiv auf dem falschen Planeten und in der falschen Spezies gelandet.
Oder es ist einfach der Kampf gegen die eigene Natur, den ich aufgebe und man kann es damit erklären.

Zitat von Grothszes:
So gesehen ist man wohl einfach zu einem gewissen Maß fremdgesteuert, wenn man das so sagen kann - ab einem bestimmten Zeitpunkt klaffen dann Anspruch und Realität meilenweit auseinander, weil man die (Selbst-)Ausbeutung, den Raubbau an sich selbst, nicht wahrgenommen hat (oder nicht wahrhaben wollte).

Wir leben in einer Welt, wo der Selbstwert vom Außen abhängt und wir uns bedingungslos anpassen - und genau das macht uns alle krank. Das ist alles so gewollt von den Reichen und Mächtigen.
Die Unangepassten sind die wirklich gesunden. Die Welt, in der wir leben, ist nicht natürlich.

Zitat von Grothszes:
Was ich auch schlimm finde ist, dass sich bei vielen ihre Depression, ihr Schicksal still hinter der bürgerlichen Fassade abspielt, die sie sich über Jahre hinweg aufgebaut haben. Sie wollen dieser unbedingt gerecht werden, weil sie keinen Gesichtsverlust hinnehmen wollen, aber haben dabei keine Möglichkeit, darauf aufmerksam zu machen, wie schwer es ihnen wirklich fällt, in die kalte, empathielose Maschinerie des Systems zu passen.

Das ist diese bedingungslose Anpassung aka Selbstzerstörung.

Zitat von Grothszes:
Vielleicht ist ja das erst der Beginn deiner ganz persönlichen Heilung.

Für mich fühlt es sich jedenfalls so an Ich weiß aber auch, dass Experten das nicht so sehen, weil sie ja alles besser wissen und meinen, besser darüber Bescheid zu wissen, wie ich funktioniere, als ich selbst. Da haben wir wieder das psychologische System, wo eine Norm über alle Menschen gestülpt wird.

Entschuldige, falls ich mich irgendwo wiederhole.
----------
Zitat von EmptyLife:
Der bevorstehende Termin am Freitag lässt in mir wieder Ängste und Panik wachsen.
Vielleicht werde ich dort auch fragen, ob man nicht direkt den ärztlichen Dienst einschalten kann, damit dieses Gutachten erstellt wird. Dann braucht der Rehaberater nicht mehr auf irgendwas von mir zu warten. Alles andere hat für mich keinen Sinn.

Ich habe leider jetzt erst die Kraft, darüber zu berichten.
Das Gespräch war glücklicherweise sehr positiv. Die Rehaberaterin der AfA war sehr nett, verständnisvoll und schien Interesse daran zu haben, für mich die beste Lösung zu finden, ohne meine Zustand zu verschlimmern. Ich fühlte mich ernst genommen und verstanden. Alles aus meiner Sicht notwendige erzählte ich ihr und erwähnte auch, wie sehr mich das Gespräch mit dem Rehaberater des JC fertig gemacht hat. Ich machte auf sie den Eindruck, dass ich zwar grundsätzlich arbeiten wollen würde, aber es grade einfach nicht ginge und niemand sagen kann, wann es wieder geht - was ihrer Meinung nach völlig in Ordnung sei. Das ließ ich so stehen.
Sie lobte mich dafür, dass ich das so klar benennen kann, weil sich das wohl viele nicht eingestehen könnten.
Ergebnis: Das Rehabilitationsverfahren läuft weiter, damit mich das JC nicht in Maßnahmen steckt, aber sie leitete gleichzeitig eine Untersuchung beim ärztlichen Dienst ein, wofür sie mir einen Fragebogen mitgab. Diesen füllte ich über das Wochenende aus und ließ ihn von meinem Freund vor der Arbeit einwerfen.
Mehr dazu und wie es mir seitdem erging, ist in meinem Tagebuch zu lesen.

27.07.2022 08:36 • x 2 #23


Träumer59

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Zitat von EmptyLife:
Ich hatte immer das Gefühl, dass ich entweder für etwas bestraft werde oder dazu bestimmt bin, zu leiden (ich glaube an Karma und Schicksal). Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass es mir nicht gut gehen soll und seitdem versuche ich mein Schicksal zu akzeptieren - und seitdem geht es mir paradoxerweise besser.
Wie daran glaube ich auch an eine Seele, die in anderen Körpern neu geboren wird und meine ist definitiv auf dem falschen Planeten und in der falschen Spezies gelandet

Oh das kenne ich nur zu gut. Für mich fühlt sich der Planet auch falsch an. Und bei meiner Geburt war definitiv eine böse Fee dabei, die mir irgendwelchen Quatsch gewünscht hat. Die suche ich heute noch.

27.07.2022 09:50 • x 2 #24


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Grothszes

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Zitat von EmptyLife:
Genau genommen hatte ich schon immer das Gefühl, dass ich nicht für das Arbeitsleben gemacht bin.

Ich nicht, erst später musste ich anerkennen, dass meine beruflichen Träume nicht realisierbar sind. Erster Zusammenbruch nach Abi, zweiter in der Ausbildung nach Reha. Zwischenzeitig (in den ersten beiden Jahren der Ausbildung) sah es zwar echt nach einem kontinuierlichen Aufwärtstrend aus (mehr Energie und Konzentration, weniger Nervosität), aber dann kam wieder ein Leistungsknick - seitdem, glaube ich, habe ich eine Angststörung entwickelt, die sich generell auf Belastung und Stress bezieht. Das steht mir dann nochmal zusätzlich im Weg. Als wenn es nicht auch schon reicht

Zitat von EmptyLife:
Ich glaube das war in Wahrheit immer so eine Art Intuition/Selbsterkenntnis, die ich aber Aufgrund der Erwartungen der Gesellschaft immer wieder ausblenden musste.

Ich denke, auch ich wurde in dieser Weise von Personen unwissentlich in die Irre geführt - nicht nur durch implizite gesamtgesellschaftliche Standards, sondern auch durch Komplimente und Lob. Seit dem letzten Super-GAU ist in mir das permanente Gefühl entstanden, dass ich nie auf mich selbst gehört habe; nie auf meine eigene Natur sozusagen. Geht es dir auch so? Ich meine, das hättest du hier irgendwo in etwa so geschrieben. Es ist wohl weniger ein Gefühl, sondern eine objektive Einsicht, weil die kulturelle Schale, die diese Einsicht umgeben hat, abgefallen ist. Intuition KANN überaus wahr sein (muss sie aber natürlich nicht).

Zitat von EmptyLife:
Ich hatte immer das Gefühl, dass ich entweder für etwas bestraft werde oder dazu bestimmt bin, zu leiden (ich glaube an Karma und Schicksal).

Dieses Gefühl hatte ich auch hin und wieder mal - ich konnte mich mitunter nur zäh wieder davon ablösen. Hast du das schonmal einem Psychiater oder einem Psychologen beschrieben? Wahrscheinlich nicht. Ich würde dir anraten, da vorsichtig zu sein, denn das kann im Rahmen einer sogenannten psychotischen Depression pathologisiert werden. So schlägt es jedenfalls die Bibel der Psychiatrie (das DSM bzw. ICD) vor. Kann, muss aber nicht - nur wenn man einen bestimmten Ausprägungsgrad erfüllt. Ich warne dich nur vor, falls du auch auf gewisse rufschädigende, stigmatisierende Diagnosen allergisch reagierst.

Zitat von EmptyLife:
Wie daran glaube ich auch an eine Seele, die in anderen Körpern neu geboren wird und meine ist definitiv auf dem falschen Planeten und in der falschen Spezies gelandet.



Eins kann das kalte, atheistische Weltbild halt nicht: Den Gequälten eine Hoffnung geben, dass alles doch noch Sinn macht und gut zu Ende gehen wird.

Zitat von EmptyLife:
Wir leben in einer Welt, wo der Selbstwert vom Außen abhängt

Das ist wohl zu einem beträchtlichen Teil so. Der Mensch ist ein soziales Wesen und will sich in positiver Weise gespiegelt sehen. Ich denke aber schon, dass man auch selbst seinen Selbstwert regulieren kann. Nur nicht völlig allein, das ist klar - das wäre sonst ein naiver Idealismus.

Zitat von EmptyLife:
wir uns bedingungslos anpassen - und genau das macht uns alle krank. Das ist alles so gewollt von den Reichen und Mächtigen.

Schwierig, solche personifizierenden Erklärungen - die dahinterliegende Denkfigur ist ein Merkmal vieler schlimmer Ideologien. Auch Reiche und Mächtige sind nur Träger historisch bedingter, endlicher Eigenschaften. Ich habe ja das Glück gehabt und konnte in puncto kritische Gesellschaftstheorie viel von einem studierten Soziologen lernen.

Zitat von EmptyLife:
Die Unangepassten sind die wirklich gesunden.

Beziehst du dich hier auf Erich Fromm? Ich denke auch, dass an seinem Zitat was dran ist, allerdings hat er das schon sehr überspitzt gesagt.

Zitat von EmptyLife:
Da haben wir wieder das psychologische System, wo eine Norm über alle Menschen gestülpt wird.

Jede Geisteswissenschaft ist kulturell determiniert, ja. Deswegen ist es ja auch so widersinnig, wenn man sich hier apolitisch bzw. nicht-ideologisch gibt.

Zitat von EmptyLife:
Entschuldige, falls ich mich irgendwo wiederhole.

Kein Problem

Zitat von EmptyLife:
Mehr dazu und wie es mir seitdem erging, ist in meinem Tagebuch zu lesen.

Das hört sich ja recht positiv an. Sehr gut

27.07.2022 10:42 • x 2 #25


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Zitat von Grothszes:
Seit dem letzten Super-GAU ist in mir das permanente Gefühl entstanden, dass ich nie auf mich selbst gehört habe; nie auf meine eigene Natur sozusagen. Geht es dir auch so? Ich meine, das hättest du hier irgendwo in etwa so geschrieben.

Ich musste erstmal herausfinden, wer ich eigentlich wirklich bin, erst dann konnte ich anfangen, auf mich selbst zu hören.

Zitat von Grothszes:
Hast du das schonmal einem Psychiater oder einem Psychologen beschrieben? Wahrscheinlich nicht. Ich würde dir anraten, da vorsichtig zu sein, denn das kann im Rahmen einer sogenannten psychotischen Depression pathologisiert werden. So schlägt es jedenfalls die Bibel der Psychiatrie (das DSM bzw. ICD) vor. Kann, muss aber nicht - nur wenn man einen bestimmten Ausprägungsgrad erfüllt. Ich warne dich nur vor, falls du auch auf gewisse rufschädigende, stigmatisierende Diagnosen allergisch reagierst.

Schon, nur war das nie ein großes Thema oder Problem. Dass man sich so fühlt, ist nicht ungewöhnlich. Wenn man sich daran festbeißt, ist es allerdings etwas anderes. Aber danke für die Warnung.

Zitat von Grothszes:
Eins kann das kalte, atheistische Weltbild halt nicht: Den Gequälten eine Hoffnung geben, dass alles doch noch Sinn macht und gut zu Ende gehen wird.

Mir geht es gar nicht um einen Sinn oder ein gutes Ende. Dass es irgendwann endet, ist Hoffnung genug.

Zitat von Grothszes:
Beziehst du dich hier auf Erich Fromm? Ich denke auch, dass an seinem Zitat was dran ist, allerdings hat er das schon sehr überspitzt gesagt.

Kann sein, habe mich nie mit ihm beschäftigt. Es ist etwas, das ich selbst einfach festgestellt habe.
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Donnerstag habe ich den Termin beim ÄD und alles geht wieder von vorne los. Wann habe ich das endlich hinter mir und muss mich nie wieder für meinen Zustand rechtfertigen?

09.08.2022 10:03 • #26


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Zitat von EmptyLife:
Ich musste erstmal herausfinden, wer ich eigentlich wirklich bin, erst dann konnte ich anfangen, auf mich selbst zu hören.

Und das hast du schon geschafft? Das ist doch gut.

Ich selbst habe immer noch das Gefühl, mich selbst nicht erkennen zu können - als wenn irgendwann in den frühen Jahren meines Lebens dieser Kontakt zu sich selbst zu einem gewissen Teil zu Bruch gegangen ist, hauptsächlich aufgrund äußerer Geschehnisse.

Zitat von EmptyLife:
Wenn man sich daran festbeißt, ist es allerdings etwas anderes.

Ja, da sollte man entsprechend vorsichtig sein, habe ich gemerkt, sonst wird man plötzlich ganz positivistisch kaputt-pathologisiert und erhält dadurch nochmal ein zusätzliches, also zweites Trauma.

Zitat von EmptyLife:
Wann habe ich das endlich hinter mir und muss mich nie wieder für meinen Zustand rechtfertigen?

Also selbst, wenn du Grundsicherung bekommst, wird das doch irgendwann wieder erneut geprüft werden, oder irre ich mich? Es nervt natürlich ungemein, die Problematik immer wieder von Neuem erzählen zu müssen.

09.08.2022 13:59 • #27


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Zitat von Grothszes:
Und das hast du schon geschafft? Das ist doch gut.

Da man sich immer wieder verändert, lernt man sich auch immer wieder neu kennen. Aber gewisse Grundzüge bleiben und an denen orientiere ich mich.

Zitat von Grothszes:
Also selbst, wenn du Grundsicherung bekommst, wird das doch irgendwann wieder erneut geprüft werden, oder irre ich mich?

Schon, aber bis dahin hätte ich Ruhe und müsste nicht ständig Angst haben, dass von mir etwas verlangt wird.
---------
Morgen ist es soweit. Ich bin absolut angespannt! In der Einladung steht, dass ich Rentenbescheide, Bescheide für Familie und Soziales (Versorgungsamt) und medizinische Unterlagen mitbringen soll. Ich weiß zum Teil nicht mal, was das ist. Wahrscheinlich habe ich diese Unterlagen nicht mal.
Medizinische Unterlagen mit früheren Diagnosen habe ich eh nicht mehr. Abgesehen davon, dass ich die verleumderischen Berichte aus manchen Rehamaßnahmen sowieso nicht anerkenne.

Ich hoffe, ich denke diesmal daran, mir die Fahrtkosten erstatten zu lassen. Das habe ich das letzte Mal schon vergessen.
Egal wie das morgen ausgeht - ein Beruhigungs-/Belohnungskauf ist schon fest geplant. Was gekauft wird, entscheide ich dann spontan.

10.08.2022 11:02 • #28


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Das Gespräch bei der Frau vom ÄD habe ich nun hinter mir und ich kann erstmal aufatmen. Es war gar nicht schlimm, aber trotzdem war ich total angespannt. Nach den Standardfragen erklärte ich wahrheitsgemäß meine Situation - ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Ich hatte ständig Angst, dass ich nicht ernst genommen werde oder mir irgendwelche dummen, bevormundenden Kommentare anhören muss. Tatsächlich wirkte es aber so, als würde sie wissen, wovon ich rede und sie bewertete auch nichts. Weder mit Worten, noch Mimik oder Gestik. Sie hörte mir zu und fasste alles, wo ich mich mit der Erklärung schwer tat, kurz und treffend zusammen.
Ich erzählte mehr oder weniger, was ich hier auch schon schrieb. Dass ich momentan einfach nur Ruhe brauche, keine Therapie oder Reha machen möchte und mich auf die Wohnungssuche konzentriere. Sie fasste das, was ich versuchte zu erklären, treffend in einem Satz zusammen: Ich habe keinen Leidensdruck, solange ich zu Hause bin und mir niemand Druck macht oder etwas aufzwingt.
Sie besprach und erklärte mir während des Gesprächs auch alles. Worum es in dem Termin geht, welche Fragen sie warum stellen muss, was sie ausfüllen wird und auch, was sie in den Bericht schreiben wird und wie es weiter geht.
Vom Bericht bekomme ich noch eine Kopie. Ich bin sehr gespannt, ob sie auch das rein schreibt, was sie mir gesagt hat.
In den nächsten 6 Monaten sollte ich also erstmal meine Ruhe haben, da ich erstmal als erwerbsunfähig gelte. Dann gibt es wahrscheinlich nochmal einen Termin mit ihr.
Das Rehabilitationsverfahren wird damit auch beendet.

15.08.2022 22:28 • x 3 #29



Hallo EmptyLife,

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Lost111

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Gut gemacht! Ich freue mich für dich, dass es nicht so schlimm war, wie du erwartet hattest!
Jetzt kannst du aufatmen und dich auf das konzentrieren, was als nächstes ansteht - die Wohnungssuche.

15.08.2022 22:35 • x 1 #30

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