Starke Depression! Hat unsere Beziehung eine Chance?

Insomnium666

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Hallo
Ich bin neu hier, hatte vorher in meinem ganzen Leben auch noch nie derartig schwere Probleme mit mir oder meinem Umfeld. Reden hilft! Vielleicht auch der Kontakt mit weiteren Betroffenen. Deswegen bin ich nun auch hier!
Kurz meine Geschichte: meine Freundin und ich haben uns 2016 kennengelernt. Uns war relativ schnell klar, das wir zusammen sein wollten. Familienplanung war für uns (ich jetzt 49,sie 47) kein Thema. Ich habe zwei Kinder aus zwei anderen Beziehungen, sie konnte keine Kinder bekommen und adoptierte vor Jahren ein Kind. Nach 5 Monaten Zusammensein war sie schwanger!

Das hat uns beide erstmal kurzzeitig aus der Bahn geworfen. Naja. jetzt sind wir natürlich glücklich über den kleinen Sonnenschein. unser Glückskind!

Die Geburt war alles andere als einfach und endete mit Not-Kaiserschnitt. Wieder eine Narbe auf ihrem Körper, der schon durch mehrere OPs gezeichnet ist. Hinzu kommen vierteljährkiche Kontrollen weiterer Bereiche ihres Körpers. Will ich jetzt aber nicht weiter ausschmücken. Naja.

2019 waren wir dann im Sommerurlaub. Am Tag 3 sind wir, weil sie starke Schmerzen im Unterleib hatte, ins nächste Krankenhaus gefahren. Diagnose: Tumor hinter der Gebärmutter. Ob gut oder bösartig wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Man riet uns zum Abbruch des Urlaub und zur sofortigen Vorstellung beim Arzt. Eine Feindiagnose über die Art des Tumors konnte nicht gemacht werden und so wurde meine Freundin abermals operiert. Tumor wurde entfernt nebst dem, woran er wuchs. Bis zur Biopsie vergingen abermals 14 Tage. Letztendlich handelte es sich aber "nur" um ein Myom.

In der Zeit ihres Krankenhausaufenthalts gingen mir elementare Dinge durch den Kopf. Dinge wie, wie sehr ich diese Frau eigentlich liebe. Wie sehr ich unser Kind liebe. Wie sehr ich unser Zusammenleben mag. So sehr, das ich das erste Mal in meinem Leben den Wunsch hatte, diese Frau zu heiraten, sobald wir dieses Tal durchschritten haben. Aber am Tag der Entlassung kam alles ganz anders!

Merklich anders erzählte sie mir nach kurzer Zeit, das sie momentan keine körperliche Nähe möchte. Und ich Folge, das sie mich im Krankenhaus nicht vermissst hat. Das war ein totaler Tiefschlag für mich. Das Körperliche versuchte ich mir noch zu erklären durch die OP bze den Einfriff in das "Frau sein". Aber den Partner nicht vermissen? Die Wochen danach waren sehr aufreibend für mich. Ich wollte helfen, irgendie ja auch mit bzw uns, aber irgendiwe war der Wurm drin. Alles war irgendwie anders. Irgendwas war komisch. Ach diese permanente Nähe zum Handy war mir suspekt. Aber es kam wie kam: irgendwann war ich so misstrauisch, das ich in ihr Handy schaute. Was ich da sah war alles andere als schön. Sie hatte sich in ihren behandelnden Arzt verliebt und führte eine anregende Konversation mit eindeutigem Wortlaut. Natürlich sprach ich sie darauf an. Ich war wütend, aber sachlich. Aber ich stellte sie zur Rede. Was dann alles kam, war für mich neu und niederschmetternd. Ja, sie hatte sich verguckt. Aber das hätte nichts mit uns zu tun. Schon vor unserem Urlaub hatte sie mal nachgedacht, sich von mir zu trennen. Es störten sie Dinge an mir, auf die sie mich oft angesprochen hätte, ich diese aber nicht abstellte. Mangelnde Aufmerksamkeit, geringe Wertschätzung, mehr Nähe. Ich hab das nie so realisiert. Im Nachhinein kann ich sie da voll versehen und bin mittlerweile völlig anders. Aber nicht durch das Gespräch, sondern schon während unseres Urlaubs bzw spätestens seit dem Krankenhausaufenthalts. Naja, ich bat sie jedenfalls den Kontakt zu beenden, sonst beende ich das.

Diese Erinnerung hat sich aber so derartig eingebrannt, das sie ständig hochkommt. Bestimmte Wörter, bestimmte Situationen. zack, ist diese miese Erinnerung da. Auch nach hundert Entschuldigungen und "tur mir leid" ist es gegenwärtig. Misstrauen und Eifersucht.

Aber nochmal zurück. Sie begab sich in ärtzlche Behandlung. Die erste Diagnose war Anpassungsstörung. Bis dahin dachte ich noch, das die OP der Grund war.

Unsere Situation verbesserte sich für mein Gefühl. Nicht schnell, aber mit kleinen Schritten. Ich half im Haushalt und rund ums Haus, wir kuschelten oft und hatten sogar wieder regelmäßig S.. Wenn durch irgendwas meine Erinnerung hochkam, sagte sie, es ist doch alles gut so und das wir auf einem guten Weg sind. Streitpunkt ist es aber geblieben.

Nach endlosem Kampf um eine Reha, trat sie nach 10 Monaten eben jene jetzt im Juli an. 6 Wochen! Die Nachrichten bzw Telefonate machten mir echt Hoffnung auf eine schnelle Besserung. Aber mit Ende der Reha hat sich ihr Zustand emens verschlechtert. Und ich hatte viel zu hohe Erwartungen.
Ich, der nun selbst auf der Suche nach Hilfe war, war mittlerweile in der Sprechstunde eine Psychotherapeutin. Meine Diagnose: Anpassungsstörung. Ich kann das erlebte nicht verarbeiten. Ich stehe nun auf der Warteliste und kann voraussichtlich erst Nov./Dez. wieder hin Ihre Diagnose nach der Reha: schwere Depression. Ich weiß nicht viel. Aber es geht lange lange zurück bis hin zu ihrer Kindheit.

Und irgendwo bin ich sicher auch ein Puzzleteil.
Das Körperliche beschränkt sich momentan auf Guten-Morgen-- und Gute-Nacht Küsse. Ich gehe da auf ihre Bedürfnisse ein und ziehe mich da etwas zurück, um sie nicht zu bedrängen. Aber ein mulmiges Gefühl hab ich ständig. Ich habe Angst, das ihrerseits die Gefühle nicht mehr ausreichend sind. Das sie Jemanden kennenlernt. Das ich meine Familie verliere. Ich sehe nicht ihre Depression, sondern ständig das Erlebte. Wir haben uns in den letzten Wochen fast täglich über unsere Situation unterhalten. Meine Wünsche und Hoffnungen. Wenn ich heute frage, was sie mit "Wir sind auf einem guten Weg" gemeint hat, ist die Antwort, das es sich nicht verschlechtert hat. Oder sie sagt, es ist noch die gleiche Situation. Oder sie sagt, ich soll stark sein und um sie und die Familie kämpfen. Mach ich. Mach ich seit gut einem Jahr.

Aber manchmal fehlt mir einfach die Kraft, die Motivation, oder nur ein liebes Wort. Dann kommen mal Worte wie "Wir haben doch ein schönes Zuhause, tolle Kinder und wir können super miteinander reden. Das wäre mehr als manch Andere hätten." Ich sage ja, aber manchmal reicht das nicht. Ich möchte dich berühren, dich in den Arm nehmen etc. Das brauch sie grad nicht. Ihr Kopf ist zum platzen voll. Bei der Reha wurden" alle Türen des Schranks geöffnet und alles ausgeräumt. Jetzt liegt alles offen und sie findet den roten Faden nicht, um alles wieder zu sortieren." Sie hat jetzt keine Kraft, mich aufzubauen oder über das Thema Beziehung nachzudenken, sie hat genug Baustellen. Das glaube ich ihr, auch wenn ich diese Baustellen nicht kenne. Und dann etappe ich mich, wie ich wieder ihre Diagnose Depression verdränge und ihr Verhalten auf ihre Bekanntschaft und/oder dadurch mangelnde Zuneigung zurück führe. Das nervt sie. Und es nervt mich. Deswegen möchte ich mich auch unbedingt in Therapie begeben. Einfach nur im meinen Kopf zu befreien.

Ich habe oft darüber nachgedacht, die Koffer zu packen und zu gehen, weil ich es nicht ertrage. Aber auch in diesen Situationen sollte ich nicht gehen, ich soll mich zusammenreißen, soll kämpfen.

Ich bin gestern zu dem Ergebnis gekommen, das ich keinen Plan B habe und weiter für sie und unser Kind da sein möchte, egal wie es ausgeht. Der Gedanke daran, zu gehen, sie und unser Kind zurück zu lassen, zerreißt mir das Herz. Darüber freute sie sich. Ich sagte ihr auch, sollte sie sich irgendwann gegen mich entscheiden, es mir sofort zu sagen. Darauf ein recht trockenes "Ja klar, alles andere wäre unfair." Ein "mach dir keine Sorgen" hätte mir besser getan. Aber ich schiebe es mal auf die Depression.

Jetzt geht sie wöchentlich zu einer Therapeutin bzw hat einen Termin, um eine Tagesklinik zu besuchen, was ihr zur Reha empfohlen wurde. Ich drücke die Daumen, das das alles etwas Linderung bringt, auch wenn ich weiß, das der Weg noch lang ist.

Naja, soweit erstmal. Ich hoffe, ich kann mit euren Antworten leben. Danke für eure Aufmerksamkeit!

25.08.2020 22:21 • #1


Insomnium666

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Hab mich jetzt noch ein bissel durch andere Beiträge gelesen.
Eigentlich war mein bisheriges Verhalten total kontraproduktiv. Das tut mir echt leid. Allerdings beruht mein Verhalten ja nicht auf ihrer Depression, sondern meines Erachtens ausschließlich auf dem Erlebnis. Das ich das aber behandeln lassen möchte, ist denke ich ein guter Schritt...jedenfalls für mich persönlich.

26.08.2020 06:32 • #2

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