Zitat von laluna74: ich möchte dich fragen welchen Glauben du verfolgst, wenn du sagst . . . im religiösen Sinn nicht?
Da fragst du was. Mal sehen, ob ich imstande bin, etwas in Worte zu packen dazu ...
Ich denke, als Mensch kann man gar nicht anders als bestimmte Dinge zu "glauben", so sind wir konstruiert. Bsp.: In aller Regel glauben wir an die Realität der Dinge, die unsere 5 Sinne wahrnehmen. Ich bezweifle z.B. nicht, dass die Sonne morgens auf- und abends untergeht. Selbst wenn wir heute wissen, dass das eigentlich eine optische Täuschung ist, denn dieser Eindruck entsteht nicht durch eine Bewegung der Sonne, sondern durch die Erdrotation, die wir wiederum nicht direkt wahrnehmen.
So "glauben" wir im Grunde ganz viele Dinge, normalerweise nennen wir das aber "wissen". Früher "wussten" die Menschen Dinge, die wir heute als damaligen Glauben oder Aberglauben bezeichnen - Beispiele dazu muss ich wohl nicht anführen. Und nicht anders wird es unserem "Wissen" vermutlich dereinst ergehen. Übrigens gibt es ja auch heute Leute, die z.B. nicht an den Klimawandel glauben und sich da ihrer Sache recht sicher sind. Einer davon sass unlängst noch im Oval Office.
Im religiösen Sinn heisst für mich, ich würde an eine Gottheit oder eine höhere Macht, Kraft oder Wesenheit glauben, die von mir getrennt ist, das Weltgeschehen auf mehr oder weniger intransparente, aber sicher höchst weise Art lenkt und also auch über mich wacht, alles über mich weiss usw.
So etwas glaube ich nicht.
Mein inneres "Wissen" besagt, dass die ganze Welt unserer Wahrnehmungen zwangsläufig irreführend und täuschend ist. Jeder Sinneskanal funktioniert auf einer begrenzten Frequenz. So nehmen z.B. Ohr und Auge dasselbe wahr, wenn es blitzt, aber das Auge auf einer viel höheren Frequenz und darum sehr schnell, das Ohr auf einer tiefen und entsprechend verzögert, v.a. wenn der Blitz weiter entfernt ist.
So gesehen, liegt es ja nahe, dass wir den grössten Teil der Frequenzen und damit unendlich viele Aspekte der Wirklichkeit gar nicht wahrnehmen können. Man sieht das u.a. daran, dass viele Tiere höhere Frequenzen noch hören können, wir aber nicht.
Die wahrnehmbare Welt ist für mich daher kein Massstab, um etwas zu "glauben".
Deutlich spüren tue ich allerdings, dass dies alles letztlich eine ungetrennte Einheit ist und dass auch unsere Alltagswahrnehmung einer individuellen Existenz eine Sinnestäuschung ist. WENN es denn eine Wesenheit gibt, die alles zusammenhält und lenkt, muss sie in jedem und jeder von uns, in jedem Tier, jeder Pflanze, jedem Stein und jedem Atom, auch jeder Galaxie sein und die einzige wirkliche Realität von alledem. So wie der elektrische Strom, der alle elektrischen Geräte erst zum Funktionieren bringt und ohne den sie nutzlos wären. Den Strom sehen wir aber erst, wenn er eben durch ein Gerät fliesst.
Religiöser Glaube beinhaltet normalerweise ein getrenntes Weltbild und viele Wertmassstäbe und Urteile. Damit kann ich nichts anfangen.
Ich höre hier mal auf, sonst wird das ein Philo-Schinken ... zudem ist Zeit zum Schlafen. Vielleicht hat es deine Frage trotzdem ein wenig beantwortet?
