Soziale Phobie an Weihnachten - wie überstehen?

wolfswelpe

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Ich wünsche allen hier, die auf Grund ihrer Sozialphobie Weihnachten nicht fähig sind, an geselligen Events teilnehmen zu können, dass sie unter dieser einsamen Zeit nicht zu sehr leiden müssen.

Ich wurde von lieben Menschen in eine nette Runde eingeladen. Habe mich schon doll gefreut auf den Abend, aber die Zweifel und die Angst waren größer. Also habe ich abgesagt (Erkältungslüge). Nun geht es mir so lala. Einerseits ist der Druck weg. Aber andererseits ist auch die Enttäuschung da.

25.12.2012 17:29 • #1


mattwy

Hallo wolfswelpe,

und, verläuft Weihnachten bisher halwegs erträglich für dich??

Ich kann seit gestern nur zu gut verstehen, was du berichtest! Eine von zwei Einladungen hatte ich sofort abgesagt, weil es mir zu anstrengend schien, da den gut gelaunten Plauderer zu geben. Kein Problem, war ok so.

Aber die zweite Einladung kam auch "von lieben Menschen in eine nette Runde" (die Eltern dieses Kollegen kenne ich schon ewig, und die Mutter hat sich noch den Mund fusselig geredet, dass sie sich wirklich freuen würde, und dass ich auf gar keinen Fall stören würde, im Gegenteil...) Da hätte ich einfach ich selbst sein können, und es wäre vermutlich ein ruhiger Abend geworden, mit bischen Plaudern und gewiß auch mit wesentlicherem Gesprächsaustausch. Ich wäre zu gerne da hingegangen, und ich weiß ziemlich sicher, dass ich mich da wohl und geborgen gefühlt hätte. - Aber es ging nicht. Ich konnte nicht.

Das schlimmste erscheint mir, daß ich gar nicht mal weiß, warum. Natürlich hab ich den halben Abend nachgedacht, und mir fiel auch einiges ein, was mich etwas gehindert hatte. Aber ich weiß nicht, was das ausschlaggebende Problem war

Ich wünsche dir einen angenehmen - oder wenigstens erträglichen - zweiten Feiertag!
Gruß, mattwy

25.12.2012 21:52 • #2


wolfswelpe

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Mattwy, "mein" Weihnachten verläuft gut, wenn ich diesem ganzen Gute-Laune-Zwang aus dem Weg gehe.

Ich glaube, allein der Druck "ich darf nicht angeknackst oder schweigsam rüberkommen" macht einen schon im Vorfeld fertig. Diese ganze agressive Heile-Welt-Weihnachtswerbung hat doch mit Besinnlichkeit und Innehalten gar nichts mehr zu tun. Alle sind fröhlich, glücklich, liegen sich in den Armen.

25.12.2012 22:25 • #3


mattwy

Zitat:
Alle sind fröhlich, glücklich, liegen sich in den Armen.

Alle tun fröhlich, glücklich,... Ich glaube, an solchen Tagen werden sehr viele Menschen zum Laienschauspieler. Wegen der Erwartungen, aus Harmoniebedürfnis, der "Tradition" halber, und weiß-ich-was-nicht-noch-alles.

Ich find's völlig in Ordnung, wenn jemand "sein" Weihnachten gestaltet, wie es ihm gut tut. Mach ich auch, und es ist gut so!

Zitat:
allein der Druck "ich darf nicht angeknackst oder schweigsam rüberkommen" macht einen schon im Vorfeld fertig

Darin sehe ich ein Kernproblem (nicht nur an Weihnachten, Silvester, oder sonstigen "Feiern")! Man hat immer das Gefühl im Nacken, nicht so sein zu dürfen, wie man sich gerade fühlt, weil alle um einen herum dann sofort die Langweiler- oder Spaßbremsenkeule rausholen (sofern sie überhaupt merken, dass man angeknackst ist). Ich hab meist keine Lust, mich dieser Anstrengung oder Konfrontation auszusetzen und bleib "sicherheitshalber" lieber von vornherein zuhause. - Aber: wohl wissend, wie falsch das ist!

Wie siehst du das nun eigentlich rückblickend? Bist du enttäuscht, daß du gekniffen hast? Ärgerst du dich über dich selbst? Weist du dem eine Bedeutung zu, oder ist es dir egal? - Gedankenspiel: was wirst du nächstes Jahr in der gleichen Situation anders machen?

Gruß, mattwy

26.12.2012 01:32 • #4


wolfswelpe

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Lieber Mattwy,

Du hast total recht mit deinen Erläuterungen zu meinen Worten. Ich hatte vergessen, einiges in Anführungsstrichen zu verpacken :-)

Rückblickend ist noch nicht, die Feier ist erst heute. Aber dennoch glaube ich, richtig gehandelt zu haben mit meiner Absage. Denn wenn ich hinginge, zöge das noch andere Probleme nach sich.

1. Es ist eine Kollegin, die einlädt. Ich habe mir nach immer wiederkehrendem Mobbing (nicht von ihr) versprochen, nie zu privat mit Kollegen zu werden, um meine Privatsphäre zu schützen. Mobbing ist noch immer der Bürosport Nr. 1.

2. Eine Einladung zöge (aus meiner Sicht von Etikette) eine Gegeneinladung nach sich. Aber in meine "Rückzugshöhle" lasse ich nur sehr gute Freunde, denen ich wirklich vertraue.

3. All diese psychischen Krankheiten sind nach wie vor ein Tabu. Ich habe schon zu oft unschöne Reaktionen erlebt, wenn ich mich jemandem "offenbart" habe. Das waren teils Menschen, mit denen ich mich wirklich super verstanden habe. Man hat den gleichen Humor, die gleichen Wertvorstellungen. Aber wenn man sie mit den eigenen Problemen konfrontiert, ziehen sie sich vorsichtig zurück.

Deshalb finde ich deine Aussage, dass es falsch sei, zu hart dir selbst gegenüber. Ich finde es nicht FALSCH, ich finde, es ist der für uns schonendste Weg.

Ich wünsche dir auch einen schönen zweiten Feiertag mit hoffentlich wenigen Grübeleien.

26.12.2012 11:03 • #5

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