Sohn manisch-depressiv? Ist komisch und macht mir Angst

Sonnenblume20

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Hallo liebes Forum,

jetzt bin ich hier schon solange angemeldet, bisher habe ich als Betroffene geschrieben, aber heute melde ich mich als Angehörige. Es geht um meinen Sohn.

Er ist 18 Jahre und hat seit über einem Jahr die Diagnose Depression. Da ich selbst von der Krankheit betroffen bin, konnte ich früh die Anzeichen erkennen, habe ihn beobachtet, viel mit ihm gesprochen und schließlich hat ein Psychiater die Diagnose gestellt. Er befindet sich seit einem Jahr in ambulanter Psychotherapie.

In den letzten Wochen wirkte er schwer depressiv, er ging nicht mehr raus, hielt sich den ganzen Tag in seinem Zimmer auf, hatte keinen Kontakt mehr zu seinen Freunden (nur einer ist geblieben, er ist richtig treut und ruft immer wieder an, auch wenn mein Sohn sich oft verleugnen lässt und gar nicht reagiert) und sprach kaum ein Wort.
Er hat jetzt nach der 12. Klasse Gymnasium die Schule beendet. Er war immer ein richtig guter Schüler (fast zu gut, es machte mir auf gewisse Art und Weise auch Angst), hat aber trotzdem beschlossen, die Schule zu beenden. Er sagte zu mir, er hält den Druck nicht mehr aus, er kann nicht mehr lernen.

Vor ein paar Tagen dann wandelte sich sein Zustand plötzlich. Er redete wieder, lachte ein bisschen und ich war froh.
Seit drei Tagen kommt er mir aber irgendwie manisch vor. Er hat drei Nächte nicht geschlafen, er rennt den ganzen Tag hier rum, lacht vor sich hin, manchmal singt er, dann lacht er wieder laut. Er sagt zu mir, er wäre jetzt völlig gesund und er braucht keine Hilfe mehr.
In seinem Zimmer höre ich ihn ständig Selbstgespräche führen, dann lacht er wieder vor sich hin, dann redet er wieder.
Es ist aber Kauderwelsch, als wäre es eine fremde Sprache, man kann ihn nicht verstehen.

Er verweigert hier alles. Ich bin alleinerziehend, lebe mit ihm und meiner Tochter hier im Haus und habe ein paar Aufgaben an die beiden verteilt.
Er macht nichts mehr, lacht nur noch, ist sehr provokant.

Er hat einen Job in einem Supermarkt. Dort arbeitet er drei Mal in der Woche, um Ware in die Regale einzusortieren.
Bisher nahm er diesen Job sehr ernst. Ging immer pünktlich hin.
Heute hatte er sich drei Stunden verspätet, er wurde zwei mal angerufen, es wurde gefragt, wo er bleibt, aber er lachte nur darüber.
Er ging dann hin und kam zurück und erzählte stolz, dass er dort eine CD geklaut hat, die er mir auch zeigte.

Er erzählte auch (stolz), dass die alle wissen wollten, was mit ihm los ist, sie dachten, er hätte Dro. genommen, er lachte nur darüber.

Ich kenne ihn so nicht. Es ist, als wäre ein völlig anderer Mensch aus ihm geworden. Er redet komische Sätze, provoziert mich und meine Tochter ständig.

Ich fragte ihn heute, was er denn möchte, warum er sich so verhält: Er lachte nur und sagte, er würde die Welt provozieren wollen und er würde ausprobieren und auch gerade merken, dass er alles kann, was er will! Und das wäre cool!

Ich habe mir schon überlegt, ob er nicht tatsächlich Dro. genommen hat. Habe ihn gefragt, er verneint es natürlich.

Heute hat er einfach die Hasen, die ihm und meiner Tochter gehören, ausgesetzt. Er liebte sie bisher sehr und er hat sich auch immer fürsorglich gekümmert. Ich habe es noch rechtzeitig gemerkt und die beiden Tierchen wieder reingeholt.

Weil ich mir große Sorgen machte, weil ich dachte, er ist vielleicht wahnsinnig geworden oder wird es bald, rief ich seinen Therapeuten an. Der sagte mir, er hätte ihn gestern auch schon so ähnlich erlebt, aber das wäre manchmal normal nach einer depressiven Phase. Gestern brachte er seine E-Gitarre mit Verstärker mit in die Therapie und spielte dem Thera eine Stunde was vor. Der Thera hält es für noch normal, schließlich wäre er ja so lange depressiv gewesen.
Ja, das stimmt, aber es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, mein Sohn ist mir völlig fremd geworden.

Der Thera sagte nur, man müsste es beobachten.

Ich persönlich traue mich jetzt nicht mehr, ihn hier im Haus alleine zu lassen. Ich weiß doch gar nicht, was ihm sonst noch so einfällt.Heute hat er z.b. erzählt (und dabei gelacht), dass er morgen von der Brücke springen will.
Woher soll ich wissen, ob er das ernst meint oder nicht?

Ich als depressive Patientin kenne solche manische Phasen nicht. Wenn es mir besser geht, dann geht es mir einfach besser, aber ich bin dann normal.

Kennt das hier jemand? Muss ich mir Sorgen machen, oder ist es tatsächlich normal, wie der Thera mir erzählt hat?

03.09.2011 01:34 • #1


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JeanLucca

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Hallo Sonnenblume.

Einerseits habe ich keine Erfahrung bezüglich Manisch-Depressiv, andererseits bin ich aber Vater und würde mir genausolche Gedanken und Sorgen machen

Zitat von Sonnenblume20:
Weil ich mir große Sorgen machte, weil ich dachte, er ist vielleicht wahnsinnig geworden oder wird es bald, rief ich seinen Therapeuten an. Der sagte mir, er hätte ihn gestern auch schon so ähnlich erlebt, aber das wäre manchmal normal nach einer depressiven Phase.
Mein erster Gedanke war, dass das vielleicht Thema in der Therapie ist? Keine Ahnung, das es vielleicht um Grenzen setzen - Grenzen testen in den Therapiestunden geht. und Dein Sohn das jetzt auf seine Weise ausprobiert?

Eine grosse Portion Kraft und liebe Grüße
JeanLucca

03.09.2011 08:01 • #2



Hallo Sonnenblume20,

Sohn manisch-depressiv? Ist komisch und macht mir Angst

x 3#3


Martina

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Hallo Blümchen,

ich habe damit überhaupt keine Erfahrung. Wenn Du glaubst, es könnte irgend eine Gefahr bestehen (für ihn oder für Dich und Deine Tochter) kannst Du ihn einweisen lassen. Selbst wenn es manisch ist, finde ich sein Verhalten doch beunruhigend.

03.09.2011 11:28 • #3


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Magda

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Oh weh, das klingt nach einer schwierigen Situation.

Ich bin natürlich kein Arzt, und Ferndiagnosen im Forum sind natürlich gar nicht möglich, aber was Du schreibst, klingt sehr nach dem, was ich seinerzeit mit meinem Bruder erlebt habe, und der wurde dann tatsächlich als manisch-depressiv diagnostiziert.
Auch bei ihm hatte ich das Gefühl, es mit einem völlig fremden Menschen zu tun zu haben.
Natürlich könnte es auch andre Gründe, z.B. Dro. geben, aber damit kenne ich mich nicht aus.

Hast Du einen Psychiater deines Vertrauens, mit dem Du das besprechen könntest?

Zitat von Sonnenblume20:
Er hat drei Nächte nicht geschlafen ...


Ich bekam damals den Tipp, vor allem darauf zu achten, daß er regelmäßig schläft und isst und einen vernünftigen Tagesablauf hat. Dieser Ratschlag ist naturgemäß bei einem derart unzugänglich gewordenen Menschen schwer umzusetzen, aber mit geduldigen Verhandlungen ging dann schon einiges. (Nicht theoretisch eine vernünftige Lebensführung einfordern, sondern ganz konkret: Hier ist das Essen ...) Und zumindest hat man als Angehöriger wenigstens eine Zielrichtung. Zumal eine vernünftige Lebensführung unabhängig von der Diagnose kein Fehler ist.

Manchmal konnte ich meinen Bruder auch, durch geduldiges, nicht vorwurfsvolles Argumentieren, für kurze Zeit zurückholen.

Mein Bruder hatte dann mehrere manische Phasen, die ihn in die Psychiatrie gebracht haben. Inzwischen ist das zwanzig Jahre her, und er hat solche ans Manische grenzende Zustände offensichtlich im Griff. Er nimmt auch keine Medikamente mehr (also das ist offensichtlich möglich).

Erschwerend (für die Einschätzung der Situation) kommt bei Dir sicherlich dazu, daß Dein Sohn naturgemäß in der Pubertät ist und sich von Mama abnabeln muß. Ich kenn einige junge Leute, die unbedingt was unvernünftiges tun müssen (Schule schmeißen, obwohl man gut ist ...), ohne daß ich irgendwelche psychische Auffälligkeiten feststellen kann. Es ist herzzerreißend, aber was will man machen ...

Wichtig ist, denke ich, daß Du Dir Unterstützung für Dich holst. Ich weiß nicht, ob das geht, aber vielleicht kannst Du über den sozialpsychiatrischen Dienst oder so dafür sorgen, daß mal jemand zu Dir nach Hause kommt und die Situation live miterlebt? Oder, eine Freundin könnte das tun? Natürlich als Hilfe für Dich (z.B. im Haushalt), aber, eben auch, daß ein Außenstehender mal die Situation miterlebt. Selber steckt man ja oft zu sehr drin, um die Situation beurteilen zu können.

Da Du ja selber krank bist, kannst Du sicher auch Deinem Sohn sagen, daß Dich sein Verhalten überfordert (nicht als Vorwurf, sondern als Tatsache, und nur indem Du Dir gleichzeitig unabhängig von ihm Hilfe für Dich besorgst.)

Ähm, soviel fällt mir dazu ein ... ob es hilfreich für Dich ist, kann ich nicht beurteilen ...

Ich wünsch Dir alles Liebe

Grüße

Magda

03.09.2011 12:47 • #4


Serafina

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Hallo Sonnenblume,

wenn ich mal ehrlich bin, würde ich auch große Angst haben. Diese abrupte Wesensveränderung ist schon bedenklich.

Leider habe ich auf diesem Gebiet auch keine Ahnung. Aber ich weiss, dass Steffi und Rainer sich damit etwas auskennen.

Deshalb würde ich dir ans Herz legen, mit den beiden mal schnellstens in Kontakt zu treten. Übrigens finde ich die Äußerung des Theras auch absolut unqualifiziert. Und irgendwie liest sich das auch, als seien Dro. im Spiel.

Ich denke an dich.

Sera.

03.09.2011 12:53 • #5


Sonnenblume20

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Hallo, ihr alle,

vielen lieben Dank für Eure Antworten. Das hilft mir schon sehr. Vor allen Dingen, dass ich es hier ablassen kann.

Zitat von Serafina:
Aber ich weiss, dass Steffi und Rainer sich damit etwas auskennen.

Deshalb würde ich dir ans Herz legen, mit den beiden mal schnellstens in Kontakt zu treten.

Danke, das werde ich tun.

Zitat von Magda:
Hast Du einen Psychiater deines Vertrauens, mit dem Du das besprechen könntest?

Ich habe meinen Psychiater, der aber 1 Stunde Fahrtzeit von uns weg ist. Ich weiß nicht, ob ich ihn telefonisch kontaktieren kann, der hat eine blöde Arzthelferin, die immer alles abblockt.
Mit meinem Sohn war ich bei einem anderen Psychiater, der bei uns in der Nähe ist.

Ich muss dazusagen, dass wir vor ca. 1 1/2 Wochen bei ihm waren. Der Therapeut meines Sohnes hat uns empfohlen, dass er vielleicht doch mal ein Antidepressiva nehmen soll, weil seine Depressionsphase schon so lange ohne Besserung anhält.
Der Psychiater ist nicht unbedingt sofort dabei, so jungen Menschen schon Antidepressiva zu geben.
Er verordnete aber Citalopram, anfangs 10 mg zum Einschleichen.
Mein Sohn nahm es insgesamt zwei mal. Ich beobachtete da schon eine große Unruhe, darauf hat uns der Psychiater aber hingewiesen, dass das auftreten kann.

Nach zwei Einnahmen sagte mein Sohn, er braucht das Antidepressiva nicht mehr, er würde merken, dass er auch ohne zurecht kommt. Das ist jetzt ungefähr eine Woche her. Dieser manische Zustand fing ca. vor drei Tagen an.
Mein Sohn, der immer sehr reflektiert war, was seinen Zustand angeht, der sich auch viel über die Krankheit Depression informierte, sagt jetzt zu mir, er wäre jetzt völlig gesund.
Er bräuchte jetzt nichts mehr, eigentlich auch keine Therapie mehr, naja er würde aber noch ein paar mal zu seinem Therapeuten gehen. Aber er bräuchte keine Gespräche mehr.

Ich schlug ihm vor, gleich am Montag mal zu seinem Psychiater zu gehen, daraufhin sagte er, dass er nicht mitgehen würde, er braucht es ja nicht mehr!

Heute war es erst etwas besser, er schlief heute nacht wohl auch mal und heute am vormittag kam er mir ruhig und normal vor.
Heute nachmittag fing das ganze Spielchen aber wieder von vorne an.

Ich habe hier ganz schön zu kämpfen. Meine Tochter versteht das ganze gar nicht. Sie denkt, er würde das alles extra machen und ist stinkesauer. Ich musste mit Engelszungen auf sie einreden und habe versucht, ihr zu vermitteln, dass es eine Krankheit ist, dass er von irgendwas gesteuert wird.
Obwohl ich sie verstehen kann. Ich stehe auch davor und denke machmal, ob er das ganze einfach extra macht, um uns zu treffen und uns bis auf´s Blut zu provozieren oder ob er einfach fremdgesteuert ist?

Er hat heute schon wieder die Häschen ausgesetzt, hat einfach den PC meiner Tochter belagert, er hört überhaupt nicht mehr. Ich musste all meine Energie einsetzen, dass ich ihn aus dem Zimmer bekam.
Jetzt hat sie ihr Zimmer abgeschlossen. Zmal auf ihrem Balkon die Hasen wohnen. So kann er auch nicht mehr an sie ran und sie wieder aussetzen.

Vorhin musste ich ja mal kurz einkaufen. Als ich wiederkam, war er weg und ist es immer noch.
Wo er ist, weiß ich nicht, er wollte wohl zu einem Freund fahrfen. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs, den Autoschlüssel habe ich noch versteckt.

03.09.2011 22:55 • #6


Sonnenblume20

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Heute hat er meinen Vater besucht und wollte mit ihm besprechen, dass er am besten sofort dorthin ziehen will. Er will den Laptop und den großen Plasmafernseher meiner Eltern geschenkt haben.
Die beiden bräuchten sowas teueres und großes ja nicht, aber er könnte es gut gebrauchen.
Er ist total größenwahnsinnig. Mein Vater hat auch ganz verwirrt angerufen, wir haben es ihm erklärt.
Mein Sohn war übrigens immer sehr bescheiden. Er sagte sehr oft, dass man für ihn nicht viel Geld ausgeben muss.

Zitat von Magda:
Ich bekam damals den Tipp, vor allem darauf zu achten, daß er regelmäßig schläft und isst und einen vernünftigen Tagesablauf hat. Dieser Ratschlag ist naturgemäß bei einem derart unzugänglich gewordenen Menschen schwer umzusetzen,

Ich werde wohl wieder umdenken müssen. Nachdem er sich hier völlig verweigert hat, habe ich ihm erklärt, dass er dann auch selbst für sein Essen sorgen muss, dass wir keine Lust haben, alles für ihn zu tun, zumal er ja jetzt auch erwachsen ist und er ja gar nicht mehr bereit ist, sich an unserer WG zu beteiligen. Es sollte eine Art Konsequenz sein.
Aber ich habe gemerkt, dass er gar nichts mehr isst, er hat obwohl er eh schon immer leicht untergewichtig war, meiner Meinung nach schon ziemlich abgenommen.

Ich werde dann wohl doch wieder für sein Essen sorgen, sonst wird sein Gewicht ja auch immer weniger.

Zitat von Magda:
Mein Bruder hatte dann mehrere manische Phasen, die ihn in die Psychiatrie gebracht haben. Inzwischen ist das zwanzig Jahre her, und er hat solche ans Manische grenzende Zustände offensichtlich im Griff. Er nimmt auch keine Medikamente mehr (also das ist offensichtlich möglich).

Das klingt ja nach ein wenig Hoffnung.

Erst mal muss ich abklären, was das ganze zu bedeuten hat, wie sein Verhalten genau zu werten ist.

Zitat von Magda:
Erschwerend (für die Einschätzung der Situation) kommt bei Dir sicherlich dazu, daß Dein Sohn naturgemäß in der Pubertät ist und sich von Mama abnabeln muß.

Ja, das stimmt. Zumal es bei ihm erst seit einiger Zeit eingetreten ist. Er war bisher immer brav und unauffällig, hatte noch nicht mal Trotzphasen als Kind. Ich habe das schon immer eher mit Sorge betrachtet, obwohl das für eine Mutter natürlich praktisch ist, so ein braves Kind zu haben.
Aber ich wusste auch, dass es nicht normal ist und mir wäre es lieber gewesen, er wäre mal aus sich raus gekommen.

Zitat von Magda:
Wichtig ist, denke ich, daß Du Dir Unterstützung für Dich holst. Ich weiß nicht, ob das geht, aber vielleicht kannst Du über den sozialpsychiatrischen Dienst oder so dafür sorgen, daß mal jemand zu Dir nach Hause kommt und die Situation live miterlebt?

Darüber habe ich tatsächlich auch schon nachgedacht. Ich bin jetzt schon irgendwie überfordert.
Ich weiß nicht, welche Art von Unterstützung er tatsächlich von mir braucht und erst recht weiß ich nicht, ob ich die leisten kann.

Zitat von JeanLucca:
Mein erster Gedanke war, dass das vielleicht Thema in der Therapie ist? Keine Ahnung, das es vielleicht um Grenzen setzen - Grenzen testen in den Therapiestunden geht. und Dein Sohn das jetzt auf seine Weise ausprobiert?

Was Thema in der Therapie war, ist die emotionale Unterversorgung und die wohl mangelnde Aufmerksamkeit ihm gegenüber.
Gestern sagte er zu mir, weil ich ihn fragte, was er denn damit jetzt ausdrücken möchte, ob er sich Aufmerksamkeit wünscht.
Da sagte er, ja, er hätte ja viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und die würde er jetzt einfordern.
Ich erzählte ihm dann, dass er doch einfach mit mir sprechen kann, was er sich wünscht, dass er nicht solche Eskapaden vollziehen muss. Da lachte er dann wieder und sagte, doch, er würde jetzt alles machen, was er will und es würde ihm sogar Spaß machen.

Hhm... wie ich darauf reagieren soll, wie ich überhaupt handeln soll, das ist mir schleierhaft.

03.09.2011 22:56 • #7


Sonnenblume20

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Es ist leider eskaliert. Heute nacht wurde mein Sohn zwangseingewiesen.
Nachdem er ja gestern abend verschwunden war, habe ich einen Anruf von einem Freund aus der Nachbarschaft bekommen, ich solle ihn abholen, er wüsste nicht mehr, was er mit ihm machen soll.

Er kam dann auch mit mir, hier zuhause habe ich versucht mit ihm zu reden, aber er lachte wieder nur, schmiss mich ständig aus seinem Zimmer.
Ich bin dann hier runter gegangen, habe mich an den Laptop gesetzt. Nach 2 Stunden kam er runter, rannte zur Tür raus und sagte, ich bin dann mal weg!

Ich konnte gar nicht hinterher.

Eine Dreiviertelstunde später klingelte mein Handy und eine Bekannte rief an. Sie und noch einige andere aus meinem Bekanntenkreis waren auf der Kirmes hier bei uns im Ort.
Sie sagte mir, ich sollte mal sofoert kommen, mein Sohn hätte randaliert und die Polizeit wäre da.

Ich ging dann hin, er saß auf dem Boden, wurde festgehalten.
Er hat wohl einen Jungen mit Steinen beschmissen, wollte dann, als er die Polizei sah, flüchten und wollte in den nahegelegenen Fluss springen.
Gott sei Dank konnten sie ihn stoppen.

Die Polizeit bot mir an, ihn entweder gleich zwangseinweisen zu lassen oder ihn mit zur Ausnüchterung auf die Polizeiwache zu nehmen (er hatte 0,0 Alk., war stocknüchtern).
Ich könnte ihn auch mit heimnehmen, wenn ich mir das zutraue.

Ich hatte eine Riesenangst, nahm ihn aber erst mal mit heim, die Polizeit und Freunde begleiteten mich.
Hier zuhause merkte ich aber, dass ich ihn nicht in den Griff bekomme, wir hätten Wache schieben müssen.Er schmiss alle möglichen Sachen von mir kaputt und wollte auch ständig aus dem Fenster raus.
Also rief ich den ärztlichen Notdienst an, der Arzt kam dann, wollte mit ihm reden und er schmiss Sachen nach dem Arzt. Daraufhin sagte er zu mir, ich soll die Polizei anrufen (die ja mittlerweile schon wieder gegangen war), er würde dann nach §§ XX (weiß nicht welche Zahl) zwangseingewiesen werden.
Die Polizei kam, brachten ihn dann mit etwas Gewalt in den Krankenwagen (er wollte freiwillig nicht mit). Ich durfte aber dann mitfahren.

Komischerweise liegt er auf einer offenen Station. Mir wurde aber versichert, dass er überwacht würde und auch nicht raus durfte.

Ja, jetzt musste ich ihn einfach da zurück lassen, obwohl ich auch erleichtert bin,ich konnte ihm hier nicht mehr helfen.
Er kam in ein Zimmer mit nur einem Bett und sonst nichts drin.
Seine Tasche, die ich in Windeseile noch packte, durfte er auch nicht auf sein Zimmer haben, ich habe sie wegen Suizidgefahr bei der Schwester lassen müssen.

Jetzt müsste ich ja erst mal schlafen, aber ich kann gar nicht.

Es hat mir das Herz zerrissen, ihn so sehen zu müssen, ihn quasi mit Polizei dort hin bringen zu müssen.

04.09.2011 07:33 • #8


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JeanLucca

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Liebe Sonnenblume

Zitat von Sonnenblume20:
Es hat mir das Herz zerrissen, ihn so sehen zu müssen, ihn quasi mit Polizei dort hin bringen zu müssen.
Das kann ich 100% nachfühlen

Aber Du brauchst Dir keine Gedanken darum zu machen ob Du richtig gehandelt hast - das hast Du.

Lieben Gruß und viele positive Gedanken für Deinen Sohn
JeanLucca

04.09.2011 08:15 • #9


Serafina

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Liebe Sonnenblume,

das tut mir so leid. Es ist nicht annähernd nachzuvollziehen, was du durchmachst, wenn man es selbst nie erlebt hat.

Aber er ist jetzt erstmal in Sicherheit vor sich selbst und du mußt jetzt zur Ruhe kommen. Erstmal kannst du nichts tun, es wird für ihn gesorgt.

(Blöder Spruch, ich weiß, aber ich bin auch sprach- und hilflos)

Ich denke an dich und wünsche dir viel Kraft.

Serafina

04.09.2011 10:23 • #10


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Magda

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Sonnenblume, ich drück Dich mal

Auch wenn es komisch klingt, sei froh, daß es so schnell eskaliert ist. Es ist kein Spaß, sich tage- oder wochenlang mit einer sich langsam steigernden Situation dieser Art befassen zu müssen.

Jetzt sind die Ärzte am Zug.

Und, wie ich sagte, die Geschichte muss nicht schlecht enden. Mein Bruder wurde damals auch jedesmal von der Polizei eingeliefert, weil er ähnliche Sachen gemacht hat (mit Gegenständen nach Leuten werfen usw.). Auch der Größenwahn ist ganz typisch.

Letzthin habe ich mit ihm seinen 50. Geburtstag gefeiert, und zwar mit dem bescheidenen, freundlichen, zugewandten Menschen, als den ich meinen Bruder kenne.

Liebe Grüße

Magda

04.09.2011 10:46 • #11


Martina

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Liebe Sonnenblume,

auch ich habe meinen randalierenden Sohn vor einigen Jahren von der Polizei begleitet zwangseingewiesen. Ich kann nachvollziehen, wie es Dir geht .

04.09.2011 11:05 • #12


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Steffi

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Liebe Sonnenblume,

das war eine schlimme Nacht für Dich. Und doch kannst Du auch froh darüber sein, dass es jetzt so und nicht anders gelaufen ist. In der Verfassung, in der sich Dein Sohn befindet, hättest Du ihm sicher nicht zu Hause helfen können.
Du weißt, dass ich erst vor wenigen Wochen ähnliches durchgemacht habe, zwar ohne Randale, aber nicht minder anstrengend und gefährlich. Ich kenne das Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit, einen nahestehenden Angehörigen in der Psychiatrie zurück zu lassen. Es ist sicher sehr schwer für Dich, doch so kann ihm wenigstens sofort geholfen werden, und damit auch Dir.

04.09.2011 12:25 • #13


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soulmate88

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Ach Sonnenblume, das ging ja jetzt alles holterdipolter. Aber du hast alles richtig gemacht und du weißt, dass dein Sohn jetzt erstmal in guten Händen ist. Versuche doch dir eine kleine Auszeit zu gönnen und dich von dem ganzen Stress der letzten Tage zu erholen. Das geht schließlich nicht spurlos an einem vorbei. Mein Tipp: Gönn dir etwas, das dir gut tut und versuche mal durchzuatmen. Mir hat ja echt schon der Atem gestockt beim Lesen der Beiträge! Ich wünsche dir, dass du es schaffst erstmal ein wenig abzuschalten.

Denk an dich, souli

04.09.2011 13:32 • #14


Sonnenblume20

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Ich danke Euch so sehr! Das ist gerade so viel Hilfe für mich! Wirklich!!!!

04.09.2011 15:59 • #15


Sonnenblume20

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Mittlerweile sind ein paar Tage vergangen und es sieht schon anders/besser aus.

Er ist nach einem Tag Akutzimmer, wo er in einem abgeschlossenen Raum war, aber mit Tür zum Schwesternzimmer, wo er jederzeit klopfen konnte und auch sofort immer jemand reagiert hat, auf die Soteriastation verlegt worden.

Ich kannte diesen Begriff bis jetzt noch nicht. Es ist eine Station für psychotisch erkrankte Menschen.
Diese Station ist offen, obwohl der Ausgang, den er hat, genaustens abgesprochen wird.
Ich war erst in Sorge, denn als ich ihn am Montag nachmittag besuchen wollte und ein Pfleger mich zu seinem Zimmer schickte, fand ich ihn nicht dort vor.
Zurück am Pflegekräftebereich fragte ich nach, wo er ist, da merkte ich, dass die ein bisschen hektisch wurden. Sie schauten im Ausgangsbuch nach und da hatter er sich eingetragen, dass er in den Garten geht, hatte aber nicht persönlich Bescheid gesagt bzw. erst mal gefragt, ob das O.K. ist, was er aber ausdrücklich sollte.
Die schickten mich dann runter und sagten, irgendwo wird er ja schon sein.

Toll, dachte ich, gestern war er noch angebunden im Akutzimmer und wollte sich umbringen und heute ist er nicht auf der Station und keiner weiß, wo er genau ist. Und ihn suchen lassen die mich dann.

Er war im Garten, sagte mir, er hätte sich doch eingetragen und vom persönlichen Bescheid sagen wüsste er nichts.

Die Schwester erklärte mir, dass er noch vieles vergisst, dass er wohl noch teilweise in seiner Realität lebt, wo, das, was er sich vorstellt und wünscht, auch gilt.

Anfangs war er noch wirr und lachte auch noch so komisch, aber mittlerweile ist er eigentlich sehr klar und er scheint wieder bodenständiger. Er ist aber noch sehr unruhig und muss immer irgendwas tun. Aber er ist therapiewillig, er hat heute Fußball gespielt, hat mit der Backgruppe einen Kuchen gebacken und ist offen für die Angebote dort.Blöd ist für ihn, dass er quasi mit 18 der jüngste ist, der nächst ältere ist 36 Jahre.Und es gibt einige schwerere Fälle auf seiner Station. Menschen, die nur vor sich hinstarren und nicht kommunizieren.

Auf der einen Seite bin ich froh und gönne es ihm natürlich, dass er nicht völlig eingesperrt ist und auf einer offenen Station ist, andererseits hat es mich gewundert. Ich meine, er ist per Gericht zwangseingewiesen, weil sein Leben gefährdet ist und dann ist er quasi auf einer offenen Station, wo er zwar alles absprechen muss und natürlich nicht alles darf,aberwo gar keiner kontrolliert, ob er,wenn er in den Garten will, auch wirklich dort hin geht.

Ein Gespräch mit dem Arzt zu bekommen, ist auch schwierig.Ich weiß, sie haben mir schon mehrfach deutlich gesagt, dass mein Sohn über 18 ist und sie mir nichts einfach so sagen dürfen.
Aber er hat sich mehrfach einverstanden erklärt, dass es völlig O.K.ist, wenn ich mit dem Arzt oder dem Pflegepersonal spreche.Heute morgen wollte ich dann einen Termin ausmachen, da sagte mir der Arzt, er müsste das erst nochmal ausführlich mit meinem Sohn besprechen,ob er auch einverstanden ist und dann müssten noch genau die Inhalte des Gesprächs mit ihm abgesprochen werden.Mein Sohn würde mich dann anrufen.

Als Diagnose nannten sie ihm bipolare Störung/manisch depressiv.
Er bekommt jetzt doch Medikamente,die ihm dabei helfen, nachts besser schlafen zu können.

Jetzt müssen wir mal schauen, wie es weiter geht. Ich wünsche mir, dass er nach den 2 Wochen, wenn die Zwangseinweisung aufgehoben wird, noch weiter klinisch betreut wird. Vielleicht ja auch woanders, wo es mehr Jugendliche/Junge Menschen in seinem Alter gibt. Er selbst ist auch offen dafür, er würde allerdings eine Tagesklinik besser finden.

Najamal schauen, was der Arzt so sagt.Eigentlich müsste der Arzt doch froh sein, dass ich mich als Angehörige so interessiere, denn dort sind viele Menschen, die scheinen auch einem schlechten sozialen Umfeld zu kommen, ich kann mir vorstellen, dass die Zusammenarbeit mit Angehörigen, auf die gemäß deren Therapiekonzept angeblich so viel Wert gelegt wird, bei vielen anderen Patienten gar nicht statt findet.

08.09.2011 21:46 • #16


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Magda

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Liebe Sonnenblume

Schön zu hören, daß es jetzt etwas besser ist!

Mir scheint auch, daß Dein Sohn weiter behandelt werden sollte, bis er wieder stabil in der Realität verankert ist.
Da es jetzt nicht mehr total eilig ist, könnt ihr ja vielleicht etwas Passendes in der Zwischenzeit finden?

Daß der Arzt das mit dem Erwachsensein deines Sohnes so ernst nimmt, finde ich gar nicht mal schlecht. Es ist doch mit Sicherheit ein wichtiges Thema für ihn. Kümmern kannst Du Dich ja trotzdem, auch wenn es etwas umständlicher wird.

Wenn er Medikamente nur zum Schlafen bekommt, erscheint mir das auch als eher gutes Zeichen. Womöglich hat bei der besonderen Dramatik doch die natürliche Instabilität der Pubertät eine Rolle gespielt (nur so ein Gedanke von mir).

Wie geht es Deiner Tochter? Ich frage nur, weil sich das andere Kind bei so einer dramatischen Situation leicht etwas unbeachtet fühlen kann.

Und, last but not least, wie geht es Dir? Hast Du genügend Unterstützung und genügend Erholungsmöglichkeiten?

Liebe Grüße

Magda

09.09.2011 07:35 • #17


Sonnenblume20

1688
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Danke Magda!

Zitat von Magda:
Daß der Arzt das mit dem Erwachsensein deines Sohnes so ernst nimmt, finde ich gar nicht mal schlecht. Es ist doch mit Sicherheit ein wichtiges Thema für ihn. Kümmern kannst Du Dich ja trotzdem, auch wenn es etwas umständlicher wird.

Du hast recht.Es ist der Ablöseprozess, den ich als Mutter durchmachen muss.
Ich habe null Problem mit Selbstständigkeit meiner Kinder, im Gegenteil, ich ermutige sie immer wieder dazu, selbstständig zu sein und auf eigenen Beinen zu stehen.
Angst macht mir eben dieser psychotische Schub, oder wie man ihn auch immer nennen mag.
Er ist ja nicht mehr er selbst und somit denke ich, kann er ja auch nicht so für sich sorgen, wie er müsste.

Aber in der Klinik scheint er ganz gut aufgehoben zu sein. Ich halte mir immer vor Augen, dass ich die Verantwortung im Moment nicht habe.

Ich weiß nicht, wie ich ihn so einschätzen soll. Einerseits ist er klar, redet klar, weiß noch alles, was passiert ist, weiß auch noch, dass er vorhat, ein Praktikum im Tierheim zu machen und anschlieend ein freiwillig soziales Jahr.
Andererseits ist er von Sachen überzeugt, die gar nicht wahr sind bzw.die sehr sehr unwahrscheinlich sind. Und wehe, man zweifelt das an. Da wird er sehr ärgerlich.

Er ist noch sehr unruhig, kann keine zwei Minuten sitzen. Am Samstag rief er mich an und sagte, er dürfte bis abends nach Hause gehen. Ich fragte ih, ob das wirklich stimmt und auch abgesprochen ist und er sagte eindeutig Ja. Er war wohl davon überzeugt. Ich dachte mir schon, dass das nicht sein kann. Als ich in der Klinik ankam, empfing er mich gleich am Ausgang und wollte schon mit zum Auto.
Ich überzeugte ihn, dass wir nochmal in sein Zimmer müssen, ich hatte ihm etwas mit gebracht, was er dort hinlegen sollte.
Danach wartete ich am Schwesternzimmer, um natürlich nachzufragen, ob es stimmt.

Es stimmte natürlich nicht, er hatte lediglich die Erlaubnis, mit mir 1 Stunde in die Stadt zu gehen.
Die Schwester machte ihn nochmal darauf aufmerksam, dass er sich leider noch nicht an die Regeln hält und somit ein Ausgang nach Hause noch nicht erlaubt ist.

Als wir im Eiscafé saßen, wurde er nach kurzer Zeit schon unruhig, es war ihm zu laut, er lief ständig hin und her. Als die Kirchenglocken läuteten, hielt er sich die Ohren zu und wir mussten sofort zahlen und gehen.

Auffällig ist auch, dass er erst möchte, dass man ihn besucht und schlagartig möchte er dann auch wieder, dass man geht. Das muss SOFORT passieren.Er ist quasi von einer Sekunde auf die nächste überfordert. Dann muss ich auch sofort aufhören, irgendetwas zu sagen, ich darf noch nicht mal einen Satz zu Ende sprechen.

Übermorgen habe ich dann endlich ein Gespräch mit dem Arzt und ihm. Wir müssen ja schauen, wie es weiter geht.

12.09.2011 21:57 • #18


Sonnenblume20

1688
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Es macht mir schon Angst, das gebe ich ehrlich zu. Depression ist das eine, das kenne ich aber und kann damit umgehen. Aber diese psychotischen Zustände machen mir Angst, denn man weiß ja nie, was kommt und im Moment lebt er noch teilweise in einer anderen Realität.

Mittlerweile bekommt er ein Medikament morgens und abends. Er sagt, es wäre ein Beruhigungsmittel. Ich werde am Mittowch mal fragen, was es ist. Es müsste ja eigentlich ein Neuroleptika sein.

Zitat von Magda:
Wie geht es Deiner Tochter? Ich frage nur, weil sich das andere Kind bei so einer dramatischen Situation leicht etwas unbeachtet fühlen kann.

Es ist O.K.für sie. Vor dem Krankenhausaufenthalt war sie stinkig auf ihn. Er verweigerte sich ja hier im Haus, irgendetwas zu helfen. Es gibt ja Pläne bei uns, wer was machen muss.
Sie schimpfte permanent auf ihn. Sein Verhalten war ja auch sehr provozierend und sie ärgerte sich.
Ich versuchte ihr zu erklären, dass es irgendwie eine Krankheit ist (ich wusste ja selbst noch nicht, was los ist), aber das konnte sie nicht annehmen. Jetzt, wo er in der Klinik ist und nachdem sie live miterlebt hat, was passiert ist, macht sie sich Sorgen und ist nicht mehr persönlich stinkig auf ihn.

Zitat von Magda:
Und, last but not least, wie geht es Dir? Hast Du genügend Unterstützung und genügend Erholungsmöglichkeiten?

Ich bin schon überfordert, das gebe ich zu. Gestern habe ich mir eine Klinikauszeit genommen, sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die konnte das nicht verstehen, dass man als Mutter nicht jeden Tag Sehnsucht hat. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich mal abschalten muss und auch mal zur Ruhe kommen muss. Die habe ich auch genossen, denn meine Tochter war gestern auch nicht da.

Heute morgen habe ich erst das Baby gehütet, dann hatte ich einen Psychiatertermin für mich und anschließend bin ich noch zur Klinik gefahren. Das war zuviel. Ich habe jetzt mit ihm ausgemacht, dass ich zwei Tage nicht komme, dass wir zur Not telefonieren könnten.

Ich kann nur hoffen, dass es anschließend erst mal mit Klinik weiter geht. Ich wüsste nicht, wie ich hier zuhause schon mit ihm umgehen könnte.
Ich komme immer noch sehr schnell in die Überforderung rein.

Meine Therapeutin ist erst mal im Urlaub.

Den Sozialpsychiatrischen Dienst werde ich mir aber merken, falls mein Sohn noch angeschlagen nach Hause kommen würde. Ich weiß zwar noch nicht, was ich denen dann sagen soll, habe so etwas ja noch nie in Anspruch genommen, aber ich kann mich ja mal informieren.

12.09.2011 21:57 • #19


Martina

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Hallo liebe Sonnenblume,

ich verfolge diesen Thread mit großen Interesse. Ich habe mit Erkrankungen dieser Art keine persönlichen Erfahrungen und kann deshalb auch nichts hilfreiches schreiben.
Zitat von Sonnenblume20:
Es macht mir schon Angst, das gebe ich ehrlich zu.
Dass Du Angst hast, ist verständlich und nachvollziehbar. Ich habe meinen Sohn ja auch mal randalierend einweisen lassen, das waren aber ganz andere Voraussetzungen, als bei Dir und Deinem Sohn. Und das hat mir auch Angst gemacht.

Bevor Du Dich allzu sehr sorgst, wie es weitergeht und ob er schon bald wieder entlassen werden könnte, solltest Du wohl besser das Gespräch mit dem Arzt abwarten. Vielleicht machst Du Dir jetzt schon Notizen dazu, schreibst Deine Fragen auf, damit Du dann vor Nervosität oder Aufregung nichts Wichtiges vergißt. Ich mache es immer so, selbst wenn ich zum Arzt gehe.

Wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich dem Arzt auch deutlich zu verstehen geben, dass Du bei einer zu frühen Entlassung Deines Sohnes aufgrund Deiner eigenen Erkrankung überfordert wärest. Da mußt Du ja schon auch auf Dich selber achten. Es würde ja nichts nützen, wenn Du heldenhaft allem zustimmst (die wollen ja auch gerne Kosten sparen) und dann selber in kurzer Zeit reif für die Insel bist. Ach Blümchen, ich wünsche Euch, dass Ihr das alles gut übersteht .

12.09.2011 22:20 • #20


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Magda

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Liebe Sonnenblume

Martina hat vollkommen recht! Du solltest keinesfalls zulassen, daß Du überfordert wirst, und in jedem Fall dafür sorgen, daß Du die Verantwortung abgeben kannst.
Ich habe damals für mich festgestellt, daß ich mit der Depression meines Bruders (oder anderer Leute) ganz gut und fürsorglich umgehen kann, mit der Manie aber nicht. Auch meinem Bruder (als er wieder vernünftig ansprechbar war), habe ich gesagt, daß ich schon bei kleineren Anzeichen den Arzt rufe und die Situation nicht eskalieren lasse. (Beim ersten Mal weiß man es ja nicht, aber jetzt bist Du ja gewarnt). Und so habe ich dann auch gehandelt.

Im Moment ist Dein Sohn aber wohl noch nicht soweit. Hast Du denn, wenigstens momentweise, das Gefühl, mit ihm in echtem Kontakt zu sein (auch wenn ich nicht definieren kann, was genau ich damit meine)?

Daß Du nicht dauernd da bist, kann ja auch für ihn ganz gut sein. Wie Du richtig bemerkt hast, hast Du Deine Verantwortung ja nicht vernachlässigt, sondern sie in andere kompetente Hände abgegeben. Du weißt ja aus eigener Erfahrung, daß man in einer Klinik eventuell gute Bezugspersonen finden kann.

Beim Arzt nach dem Medikament zu fragen ist eine gute Idee. Ich drücke Dir für Dein Gespräch mit dem Arzt die Daumen

Liebe Grüße

Magda

13.09.2011 06:33 • #21


Odie

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Liebe Sonnenblume,

auch ich habe gerade deinen Bericht gelesen und muss dir jetzt einfach schreiben, wie gut ich deine Gefühle nachvollziehen kann.

Ich habe Zwillingsmädchen, auch 18 Jahre. Eine von beiden hat vor 2 Jahren einen Suizidversuch unternommen und seitdem ist auch nichts mehr wie es war. Sie lehnt allerdings jede Hilfe ab und versucht, sich selber zu helfen. Erst hat sie sich geritzt, dann Medikamente genommen und danach versucht, ihre Probleme mit Alk. zu lösen. Da ist bei uns auch so manche Situation furchtbar eskaliert.

Ihre Schwester hat Bulimie (in einer Klinik wurde auch Borderline vermutet) und legt auch das dafür typische Verhalten an den Tag. Bei uns zu Hause ist es manchmal einfach nur die Hölle. Wegen geringster Kleinigkeiten eskalieren Situationen, so dass man nicht mehr weiß, was man tun soll. Wir waren schon mehrmals mit dem Notarzt im Krankenhaus und mussten unsere Tochter einmal polizeilich suchen lassen, weil sie betrunken auf einer Brücke stand und springen wollte.

Ich kenne dieses Gefühl, wenn man den Boden unter den Füßen weggerissen bekommt und irgendwie alles so sinnlos scheint. Meine Mädels wollten die Schule auch schmeißen, haben sich jetzt aber doch noch entschieden, die 13 wenigstens zu versuchen. Aber das ist die Entscheidung von heute... wer weiß, wie es morgen ist. Man ist so hilflos; sie lehnen beide jegliche Hilfe ab und ich kann deine Gedanken, dass du dich oft provozierst fühlst so verflixt gut nachvollziehen.

Ich versuche, mich zu lösen und ihnen selbst die Verantwortung für ihr Leben zu übertragen. Aber es ist so schwierig. Wir hatten auch ein paar gescheiterte Versuche mit Therapien. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir nicht in das übliche Klischee passen, in das man uns drücken wollte. Wir sind einfach nur eine ganz normale Familie (gut, ich bin auch geschieden), nicht anders wie so viele andere auch. Und trotzdem funktioniert ein normales Leben nicht. Es war auf einmal weg; wie ausgeknipst.

Du bist nicht alleine, Sonnenblume. Manchmal tut es gut, das zu wissen. Denke vor allem an dich. Versuche, Dinge zu tun, die dir Spaß machen und verliere nie den Glauben, dass es irgendwann wieder besser wird!!! Und noch so als Gedanke: WILLST du wirklich jeden Tag zu deinem Sohn in die Klinik? Als meine Tochter in einer Klinik war, habe ich mir die Frechheit herausgenommen, sie nur am Wochenende und einmal in der Woche zu besuchen. Es hat mir enorm gut getan, mal ein wenig abzuschalten; sie war dort ja gut aufgehoben!

Ich grüße dich ganz herzlich!

Odie

13.09.2011 11:00 • #22


Sonnenblume20

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Das Gespräch heute mit dem Arzt war für die Füße! Ich weiß nicht, ob ich wütend, traurig, panisch sein soll oder ob ich resignieren soll. Ich habe tatsächlich an meinem Verstand gezweifelt.

Zitat von Martina:
Bevor Du Dich allzu sehr sorgst, wie es weitergeht und ob er schon bald wieder entlassen werden könnte, solltest Du wohl besser das Gespräch mit dem Arzt abwarten. Vielleicht machst Du Dir jetzt schon Notizen dazu, schreibst Deine Fragen auf, damit Du dann vor Nervosität oder Aufregung nichts Wichtiges vergißt. Ich mache es immer so, selbst wenn ich zum Arzt gehe.

Der Arzt hat mir keine meiner Fragen annähernd beantwortet. Das einzigste, was ich nun weiß, dass er absolut keine Veranlassung mehr für eine stationäre Behandlung sieht.
Bei der Frage nach der Diagnose oder wie er meinen Sohn einschätzt, hat er mir nur gesagt, dass er Diagnosen nicht mag, weil sie stigmatisierend wären, außerdem wüsste er selbst nicht, wie er ihn diagnostizieren soll. Er meint, dass er einfach nur pubertäre Probleme hat und die muss/kann man nicht in einer Klinik behandeln.

Hallo: Auf dem Einweisungsbeschluss des Amtsgerichtes steht: paranoide Psychose, dringender Verdacht einer Geisteskrankheit.

Er wusste noch nicht mal, dass mein Sohn vor dem Klinikaufenthalt in Therapie war. Das habe ich ihm heute gesagt. Da hat er gestrahlt und gesagt: Umso besser, dann wäre ja alles paletti.
Ich frage mich, ob er überhaupt irgendwas über meinen Sohn weiß! Von mir wollte er zumindest nichts wissen.

Ich wollte gerne wissen, welches Medikament er nimmt und ob er es weiter nehmen soll. Das wollte er mir in dem Gespräch nicht sagen, er meinte, das würde mein Sohn in der Visite gesagt bekommen.

Zitat von Martina:
Wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich dem Arzt auch deutlich zu verstehen geben, dass Du bei einer zu frühen Entlassung Deines Sohnes aufgrund Deiner eigenen Erkrankung überfordert wärest. Da mußt Du ja schon auch auf Dich selber achten. Es würde ja nichts nützen, wenn Du heldenhaft allem zustimmst (die wollen ja auch gerne Kosten sparen) und dann selber in kurzer Zeit reif für die Insel bist.

Auch das habe ich dem Arzt gesagt. Daraufhin meinte er, es würde hier in dem Gespräch ja nicht um mich gehen. Wenn ich Probleme damit hätte, dann müsste ich halt mit meinem Arzt darüber sprechen.

Zitat von Magda:
Du solltest keinesfalls zulassen, daß Du überfordert wirst, und in jedem Fall dafür sorgen, daß Du die Verantwortung abgeben kannst.

An wen ich die jetzt abgeben soll, weiß ich nicht. Mein Sohn wird am Freitag entlassen, das sind sogar drei Tage vor dem Ende der Frist für die Zwangseinweisung.

Ich sprach den Arzt darauf an, dass ich ja bei meinen Besuchen deutlich gemerkt habe, dass er noch eine ganz andere Realität hat (vorgestern erzählte er mir, er wäre davon überzeugt,dass manche Patienten auf seiner Station Spione seien, die in Wirklichkeit Psychotherapeuten seien, sich aber als Patienten ausgeben, um zu erreichen, dass sich die Patienten mehr öffnen. Er zeigte mir drei, bei denen er sich ganz sicher ist).
Der Arzt lächelte nur. Er gab zwar zu, dass mein Sohn sich dort auf der Station auch rebellisch aufführt, sich nicht an Absprachen hält, aber das schob er auch auf die Pubertät (Mein Sohn war wirklich nie so, er war immer sehr pflichtbewusst, aufmerksam und hielt sich an Regeln, egal ob in der Schule, bei seinem Aushilfsjob oder auch bei uns). Er sagte ihm, dass er nun zuhause im Alltag lernen müsse, wie man sich anpasst und dass die Familie ja sicherlich ihm Konsequenzen aufzeigen wird.

Mein Sohn ist nicht mehr der alte. Ich habe wirklich gehofft, dass es schnell vorbeigeht, vor allen Dingen bei dem, was der Arzt sagt. Er sagte, er wäre mit einer Depression eingeliefert worden. Das stimmt ja nun nicht. Die Depression hatte er vorher, das stimmt, aber diese Manie oder wie man sie nennen soll, ist ja nun was anderes.

14.09.2011 23:06 • #23


Sonnenblume20

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Ich weiß echt nicht, was ich davon halten soll. Ist das nun auch die Folge unserer ach so tollen Gesundheitsreform?

Mein Sohn weigert sich, nochmal stationär zu gehen, aber er kann sich Tagesklinik vorstellen.
Der Arzt lächelte darüber und sagte, mein Sohn soll sich erst mal Gedanken machen, was ihm das denn bringen soll.

Zum Schluss sagte er noch, dass mein Sohn aufpassen soll, dass künftig keine Dro. ins Spiel kommen, denn sonst würde er im Gefängnis landen.

So etwas habe ich noch nie erlebt, echt nicht!

Was ich jetzt mache? Ich weiß es nicht. Bin eigentlich gerade am resignieren. Wo soll ich die Kraft hernehmen, jetzt irgendwas zu unternehmen? Und vor allen Dingen was?Am Freitag bin ich dann hier alleine damit.

Zitat von Odie:
Ich kenne dieses Gefühl, wenn man den Boden unter den Füßen weggerissen bekommt und irgendwie alles so sinnlos scheint. Meine Mädels wollten die Schule auch schmeißen, haben sich jetzt aber doch noch entschieden, die 13 wenigstens zu versuchen. Aber das ist die Entscheidung von heute... wer weiß, wie es morgen ist. Man ist so hilflos

Vielen Dank Odie. Dein Beitrag hilft mir sehr. Ich habe die Geschichte, die Du hier über Deine Kinder geschildert hast, verfolgt.Damals war ich ja nur Betroffene , jetzt bin ich ja plötzlich auch Angehörige.

Zitat von Odie:
Ich versuche, mich zu lösen und ihnen selbst die Verantwortung für ihr Leben zu übertragen. Aber es ist so schwierig

Ja, das ist es. Das A und O ist eben auch, dass sie selbst wollen, dass sie selbst einsichtig sind, dass sie Hilfe brauchen. Wenn das nicht der Fall ist, dann steht man wirklich hilflos daneben.

Zitat von Odie:
Wir sind einfach nur eine ganz normale Familie (gut, ich bin auch geschieden), nicht anders wie so viele andere auch. Und trotzdem funktioniert ein normales Leben nicht. Es war auf einmal weg; wie ausgeknipst.

Ja, als hätte man einen Schalter umgedreht.

Zitat von Odie:
Du bist nicht alleine, Sonnenblume. Manchmal tut es gut, das zu wissen.

Vielen Dank!

Zitat von Magda:
Ich habe damals für mich festgestellt, daß ich mit der Depression meines Bruders (oder anderer Leute) ganz gut und fürsorglich umgehen kann, mit der Manie aber nicht

So ist es ja auch bei mir. Die Depression kenne ich ja selbst, dieses merkwürdige Verhalten,die Manie macht mir aber Angst.

Zitat von Magda:
Auch meinem Bruder (als er wieder vernünftig ansprechbar war), habe ich gesagt, daß ich schon bei kleineren Anzeichen den Arzt rufe und die Situation nicht eskalieren lasse. (Beim ersten Mal weiß man es ja nicht, aber jetzt bist Du ja gewarnt). Und so habe ich dann auch gehandelt.

So werde ich das auch machen müssen, was anderes bleibt mir ja nicht übrig.

Vielen lieben Dank für Eure Unterstützung!

14.09.2011 23:06 • #24


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Magda

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Zitat von Sonnenblume20:
Daraufhin meinte er, es würde hier in dem Gespräch ja nicht um mich gehen. Wenn ich Probleme damit hätte, dann müsste ich halt mit meinem Arzt darüber sprechen.

Tolle Einstellung!

Hat dieser Arzt einen Vorgesetzten? Wenn jemand zwanggseingewiesen wird, dann wegen Selbst- und Fremdgefährdung, und nicht wegen pubertärer Mätzchen!

Auch Pubertät kann natürlich dazu führen, daß der Angepaßte zum Rebellen wird und jemand sein Kind nicht wiedererkennt. Das ist jedoch etwas anderes, als so außerhalb der Realität zu stehen, wie Du es bei Deinem Sohn beschreibst!

Such Dir auf jeden Fall Unterstützung! Vielleicht die Leute bei Wildwasser, oder wo auch immer Du schonmal gute Erfahrungen gemacht hast. Oder der sozialpsychiatrische Dienst, oder ein Psychiater. Kannst Du auch mal mit dem Therapeuten Deines Sohnes sprechen? Es sollte nur schnell einen Termin geben.
Wichtig ist, daß Du im Detail (so wie hier) darstellst, wie sich die Dinge (vor allem in der Nacht der Eskalation) abgespielt haben. Damit das niemand für pure Pubertät hält (auch wenn Pubertät natürlich mit drin ist, wie auch sonst).

Resignieren funktioniert meiner Meinung nach in so einem Fall sowieso nicht. Es mag bei Dir und Deinem Sohn anders sein (das wäre zu hoffen), aber solange kein solider Realitätsbezug wieder da ist (und dazu gehörte bei meinem Bruder auch, daß er selber nachträglich erschrocken ist über das, was er gemacht hat -auch wenn er das Gefühl der Freiheit in der Manie nach wie vor toll fand - begreiflich bei einem Depressiven) - also solange es soweit nicht ist, wird es wohl wieder eskalieren, meiner Erfahrung nach.
Es tut mir leid, sowas sagen zu müssen, aber ich will Dich nicht ungewarnt lassen.
Ich wäre damals am liebsten ohne Hinterlassen einer Adresse nach Neuseeland ausgewandert (das hätte mein Pflichtbewußtsein natürlich nicht zugelassen).

Auch das mit der Medikation finde ich merkwürdig. Ich bin sehr skeptisch gegenüber Medikamenten, aber dies ist - alles meiner Erfahrung nach, ich bin kein Arzt - einer der Fälle, wo die richtige Medikation akut einiges verändern kann (langfristig muß man dann sehen).

Sorry, daß ich etwas wirr schreibe, aber ich muß heute zum Gutachter und habe nicht viel Zeit.

Vielleicht können Steffi und Rainer Dir noch Rat geben?

Versuche jedenfalls, schnell Unterstützung zu bekommen, meiner Meinung nach!

Alles Liebe

Magda

15.09.2011 06:35 • #25


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JeanLucca

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Hallo liebe Sonnenblume.

Zitat von Sonnenblume20:
Daraufhin meinte er, es würde hier in dem Gespräch ja nicht um mich gehen. Wenn ich Probleme damit hätte, dann müsste ich halt mit meinem Arzt darüber sprechen.
Na, der Doc hat ja ein Einfühlungsvermögen wie ne Planierraupe.

Zitat von Sonnenblume20:
Ist das nun auch die Folge unserer ach so tollen Gesundheitsreform?
Egal welche Reform war oder kommt - sie wird immer durch die Beteiligten mit Leben gefüllt. Dem Doc da wird keine Reform seinen Mangel an Weitsicht ersetzen.

Zitat von Sonnenblume20:
dass manche Patienten auf seiner Station Spione seien, die in Wirklichkeit Psychotherapeuten seien, sich aber als Patienten ausgeben, um zu erreichen, dass sich die Patienten mehr öffnen.
Öhm, ganz ehrlich, das kommt mir bekannt vor Nun weiß ich nicht wie die Menschen über mich gedacht haben denen ich davon erzählt habe - aber ich hatte auch solche Gedanken.

Zitat von Sonnenblume20:
Der Arzt lächelte nur. Er gab zwar zu, dass mein Sohn sich dort auf der Station auch rebellisch aufführt, sich nicht an Absprachen hält, aber das schob er auch auf die Pubertät (Mein Sohn war wirklich nie so, er war immer sehr pflichtbewusst, aufmerksam und hielt sich an Regeln, egal ob in der Schule, bei seinem Aushilfsjob oder auch bei uns). Er sagte ihm, dass er nun zuhause im Alltag lernen müsse, wie man sich anpasst und dass die Familie ja sicherlich ihm Konsequenzen aufzeigen wird.
Ja, der Arzt ist ja witzig
Eine gute Idee finde ich, so wie Magda schon schrieb, dass Du Kontakt zum Therapeuten aufnimmst. Denn der darf gerne wissen das Dein Sohn am Freitag nach Hause kommt. Zumal er ja genau das Thema, wovon der Arzt aus der Klinik spricht, mit Deinem Sohn erarbeitet hat.

Ansonsten, so schwer das auch fällt , bleibt Dir nur das Du den Finger am Abzug behältst und bei der nächsten anbahnenden Eskalation sofort wieder den Notruf anrufst. Das würde ich ihm auch so sagen, denn dann weiß er das Du nicht mehr lange fackelst. In die Klinik möchte er ja nicht mehr und er weiß jetzt wie schnell er dahin kommen kann. Bleibt zu hoffen das der Arzt nicht falsch liegt.

Zitat von Magda:
Such Dir auf jeden Fall Unterstützung! Vielleicht die Leute bei Wildwasser,
Jepp, das unterstreiche ich mal. Und die Idee mit Wildwasser wäre doch gar nicht schlecht. Die können Dir vielleicht sehr kurzfristig eine Hilfe an die Seite stellen.

Lieben Gruß, JeanLucca

15.09.2011 07:33 • #26


Odie

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Liebe Sonnenblume,

leider decken sich deine Erzählungen über das Gespräch mit dem Arzt ziemlich genau mit meinen Erfahrungen. Mir wurde es nur nicht so krass ins Gesicht gesagt, sondern man hat mich milde belächelt und nicht für voll genommen. Man hat mir irgendwie immer das Gefühl vermittelt, dass in unserer Familie ja wohl irgendetwas nicht stimmen KANN, wenn meine beiden Kinder so daneben sind. Ich glaube, gerade auf so einer Akutstation ist es besonders schwierig, den Kontakt zu den Ärzten zu bekommen, wenn das Kind schon 18 ist. Dort werden automatisch immer irgendwelche familiären Probleme vermutet und deswegen schließt man die Eltern aus. Aber auch wenn unsere Kinder 18 sind, sind sie doch keinesfalls damit auch erwachsen und vernünftig.

Ich kann den anderen aus Erfahrung nur zustimmen. Rede mit deinem Sohn, wenn er mal ansprechbar ist. Setze ihm eine Grenze, ab welchem Punkt du mit seinem Verhalten nicht mehr umgehen wirst und dir Hilfe holst (Einweisung). Ich habe das bei meiner Tochter gemacht und war überrascht, wie gut es geklappt hat. Ich war freundlich, habe aber an meiner Ansage keine Zweifel gelassen. Nicht zuviel reden (irgendwann schalten sie ab und dann ist alles weg). Und: konsequent bleiben. Wenn die Situation wieder eskaliert, ihn im ruhigen Ton ein oder zwei Mal darauf aufmerksam machen und dann handeln. Bei uns ist es dann nie wieder so weit gekommen.

Ich denke an dich und grüße dich ganz herzlich
Odie

15.09.2011 08:46 • #27


Odie

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Ich habe noch etwas vergessen:

Meine Mädels waren auch immer unkompliziert; haben sich an Regeln gehalten, waren lieb und bescheiden und angepasst. Vielleicht spielt tatsächlich etwas wie Grenzen austesten mit hinein??? ..... nur mal so ein Gedankengang (finde ich zwar recht gefährlich, aber vielleicht kann man Krankheit und Pubertät an manchen Punkten gar nicht so genau trennen??)!

Odie

15.09.2011 08:50 • #28


Martina

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Liebes Blümchen

ich bin einfach entsetzt und schließe mich den Vorschreibern an. Das hilft Dir allerdings nicht wirklich. Da der Junge volljährig ist, kann ihn keiner zwingen wenn er einen weiteren stationären Aufenthalt ablehnt. Eine ambulante Behandlung halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für witzlos - und Tagesklinik? Würde er denn in seinem jetzigen Zustand überhaupt dahin gehen? Kann ich mir garnicht vorstellen.

Jetzt zum akuten Zustand kann ich auch nur sagen, dass man ihn bei weiteren Vorfällen augenblicklich wieder einweisen läßt. Allerdings würde ich noch vor der Entlassung des jungen Mannes mit einem Vorgesetzten des lustigen Arztes sprechen.

Mittelfristig kannst Du auch Hilfe über das zuständige Jugendamt bekommen. Die sind auch für junge Erwachsene noch zuständig. Ich habe mir vor einigen Jahren dort auch Hilfe geholt. Mein Sohn war zwar jünger als Deiner aber die Probleme waren sehr massiv. Er drohte unterzugehen, aber ich auch. Ich mußte dem Jugendamt zwar die Türen einrennen (was ich aber auch sehr aufdringlich getan habe ) aber ich habe mein Ziel dann doch erreicht. Ich war allerdings nicht alleine, hatte Unterstützung durch meinen Mann (der nicht der Vater des Jungen ist). Kannst Du den Vater Deines Sohnes evtl. dort mit einbinden? Hast Du sonst wen, der Dir helfen kann?

Das alles auf die Pubertät zu schieben halte ich für ausgemachten Blödsinn! Bei mir hieß es immer: Ach ja, Scheidungskind - alles klar. Nichts war klar, das Kind hatte damit nur einen Namen bekommen. Die vorliegenden Probleme hatten mit der Scheidung nur nebensächlich zu tun.
Der lustige Doktor ist gegen Diagnosen, damit dem Patienten kein Stempel aufgedrückt wird. Mit der Pubertäts-Therorie macht er auch nichts anderes

15.09.2011 13:45 • #29



Hallo Sonnenblume20,

x 4#30


Odie

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Liebe Martina,

ich habe es auch beim Jugendamt versucht (komme auch aus NRW). Mich haben sie abgewiesen; sie kümmern sich nur in Ausnahmefällen um ältere Jugendliche, nämlich dann, wenn man mit dem Problem schon vor dem 18. Lebensjahr dort war.

Man hat mich an die Caritas-Beratung verwiesen. Es war ein gutes Gespräch für mich; nur leider konnte die Dame mir dort keine weiteren Tipps geben.

Aber ich würde gerne noch mal auf diese Pubertätssache zurückkommen. Dass es nur daran liegt, halte ich auch für Quatsch. Aber ich habe gelesen, dass z. B. Borderliner in einer frühkindlichen Prägungsphase ihr ICH nicht richtig erkennen lernen (versteht man, was ich meine?). Könnte es nicht sein, dass dann solche Verhaltensweisen ein späteres Austesten sind (und damit die ganze Krankheit noch weiter eskaliert)?

Gruß Odie

15.09.2011 14:25 • #30

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