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Mein Vater macht mir Vorwürfe wegen Erkrankung

Sofie

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Hallo liebe Leute,
ich habe mich grade erst registriert, weil ich im Moment ein bisschen verzweifelt bin und mal einen guten Rat gebrauchen kann. Ich hoffe, dass ich hier alles richtig mache und niemanden triggere oder sonst was.
Jedenfalls ist das so, dass ich schon seit Jahren an Depression, Skin Picking, sozialen Ängsten und Hochsensibilität leide. Ich war bereits in zwei Kliniken und bin auch schon lange in Therapie. Meine Familie und Freunde wissen auch schon lange darüber bescheid. Im Moment bin ich krankgeschrieben von meinem Psychiater, nachdem ich mein Abitur nicht machen konnte (aufgrund von psychischer Instabilität und eines Klinikaufenthaltes). Im Moment bin ich also arbeitslos und muss mich auf die Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz oder Ähnlichem machen. Meinen Führerschein versuche ich jetzt auch schon seit 2 Jahren zu machen, habe aber immer wieder Pausen eingelegt.
Im Moment sieht es also so aus, dass ich mit meinem Freund zusammenwohne, keine Arbeit habe und auf die finanzielle Unterstützung meines Vaters angewiesen bin (Mutter gibt es nicht mehr).

In meiner Therapie erfahre ich auch volle Unterstützung; im Moment geht es eigentlich am Meisten darum mich zu stabilisieren und aufs Leben vorzubereiten. Ich möchte auch bald endlich wieder irgendwas machen, also arbeiten gehen oder Ähnliches, jedoch fällt es mir im Moment noch schwer meinen Alltag so zu meistern. Ich könnte eigentlich den ganzen Tag schlafen und bin total kaputt von den kleinsten Aufgaben. Insgesamt bin ich irgendwie Mutlos und Antriebslos, ich habe keinen richtigen Spaß mehr an Sachen, die ich sonst immer gerne gemacht habe. Ihr seht also vielleicht, dass ich im Moment mich irgendwie nicht so richtig in der Lage zu irgendwas fühle. Das deprimiert mich total und macht mich verzweifelt. Ich wünschte einfach, dass ich schön normal sei und einfach irgendeine Ausbildung machen könnte, mein eigenes Geld verdienen kann. Ich wünschte, dass nicht jeder Tag so schwer sein muss.

Jedenfalls ist es schon seit geraumer Zeit so, dass mein Vater (der mich ja finanziell unterstützen muss) nicht so ganz zufrieden mit der Situation ist. Er ist eigentlich immer sehr auf Leistung fixiert gewesen und meine Geschwister sind alle drei auch gut im Leben, studieren, arbeiten usw. Ich bin also gefühlt irgendwie das schwarze Schaf in der Familie. Meine Therapeutin hat auch schon häufiger mit ihm gesprochen, dass er mehr Verständnis haben müsste und Geduld aufbringen soll. Er selbst hatte auch schon lange Probleme mit Depression, also müsste er ja eigentlich wissen, wie das ist. Aber er scheint es nicht so richtig zu verstehen, wie es mir wirklich geht. Er denkt, ich würde mich auf meiner Krankheit nur ausruhen und würde das immer als Entschuldigung nehmen. Jetzt hatten wir letzte Woche wieder einen großen Streit: er hat mir vorgeworfen, dass ich keine Fortschritte mache; keinen Job suche oder eine Lehrstelle. Führerschein würde ich ja auch nicht schaffen und und und. Ich habe ihm gesagt, dass es nichts bringt, mir solche Vorwürfe zu machen, weil ich mir schon selbst genügend Vorwürfe deswegen mache. Es ist eher kontraproduktiv für mich, macht mich noch verzweifelter. Ich hab ihm versucht zu erklären, dass es für mich nicht einfach ist; dass es mir schlecht geht, aber das hat er nicht gelten lassen als Erklärung.
Mir fällt es sowieso schon so schwer mit ihm über mich und meine Krankheiten zu reden und wenn er mir dann noch so Vorwürfe macht, kann ich erst recht nicht mehr richtig was sagen. Mir ist dann nur noch nach weinen zumute.

Seit diesem Streit geht es mir jetzt noch schlechter, zuvor war ich wenigstens stabil, wenn auch nicht richtig produktiv, aber jetzt könnte ich im Stundentakt weinen und grübele ununterbrochen. Ich habe erst in einer Woche wieder Therapie und würde gerne einfach mal von andere "Mitleidenden" ein paar Gedanken hören. Vielleicht habt ihr ja was Ähnliches erlebt und könnt mir einen Rat geben?

Was soll ich denn nun tun? Ruh ich mich wirklich nur auf meiner Krankheit aus? Ich bin so ratlos.

Ich hoffe, dass mein "kleiner Roman" hier verständlich war. Danke schon im Vorraus, dass ihr euch mit mir beschäftigt und mir vielleicht auch was dazu schreiben könnt :trost:

ganz viel Kraft und Hoffnung an euch,

Sofie

24.11.2018 16:21 • #1


JuliaW

JuliaW

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Hallo Sofie,

willkommen hier im Forum. Du fragst, ob Du Dich auf Deiner Krankheit ausruhst. Da denke ich sofort an ein Buch, das ich gerade gelesen habe und das mir ganz neue Einblicke in das Thema Depression gegeben hat. Der Autor geht dabei davon aus, dass Depressionen eine bestimmte Entwicklungsgeschichte voraussetzen und aufgrund bestimmter Denk- und Verhaltensmustern in immer stärkere Müdigkeit und Erschöpfungszustände führen. Das lässt sich unterbrechen, wenn man beginnt, diese Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen und Neue zu etablieren, die förderlicher für die eigenen Gesundheit sind. Parallel ist es so, dass viele Menschen mit anderen Hintergründen ebenfalls die Diagnose "Depression" bekommen, weil die Symptome ähnlich sind (allerdings nicht die Entstehungsgeschichte). Und so kann es sein, dass einige nicht das nachvollziehen können, was andere an Symptomen haben - eben weil die Ursachen oder die Auslöser andere sind oder auch, weil bestimmte zusätzliche belastende Faktoren nicht vorhanden sind. Wenn Dich das interessiert, könnten die Bücher von Josef Giger-Bütler interessant für Dich sein. Und wenn Du Dich da wieder findest, hättest Du wahrscheinlich auch Argumente, die ein Gespräch mit Deinem Vater in eine ganz andere Richtung lenken könnten. Wie stehen Deine Geschwister zu Dir? Vielleicht könntest Du auch sie bitten, Dich zu unterstützen und die Bücher zu lesen und Dir beizustehen?

So wie Du schreibst und klingst, glaube ich nicht, dass Du Dich auf Deiner Erkrankung ausruhst. Du wirkst auf mich eher so wie so viele, die betroffen sind: Endlich wieder leben, endlich wieder teilnehmen können, endlich wieder normal sein - nichts lieber als das.

Schau Dir mal die Bücher an. Ich halte es für wahrscheinlich, dass Du darin eine Antwort auf so einige Fragen findest und damit auch das Grübeln beenden kannst. Du bist nicht allein mit dem Thema. Und danke für Deine lieben Wünsche, ich wünsche Dir auch viel Kraft und Hoffnung.

Liebe Grüße,
Julia

24.11.2018 20:36 • x 1 #2


issabella

issabella

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Hallo, Julia,
ist das Buch bei Amazon erhältlich? Ich glaube, da ist ein ISBM Nr.
Ich finde das sehr interessant.

An Sofie:
Julia hat sehr schön geschrieben, ich bin der gleicher Meinung.
Das Buch kaufe ich mir auch.

Wünsche Dir viel Kraft und Hoffnung, auch Durchhaltevermögen für Deine Therapie. Ich hoffe auch, dass sich viele junge Menschen mit Deiner Problematik hier melden.

LG
i.

24.11.2018 22:39 • #3


JuliaW

JuliaW

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Hallo issabella,

ja, die Bücher von Josef Giger-Bütler gibt es bei Amazon genauso und sie sind auch sonst überall erhältlich, wo es Bücher gibt. Ich habe bewusst keinen Titel und keine ISBN-Nummer reingeschrieben, weil der Autor mehrere Bücher geschrieben hat und jeder selbst entscheiden sollte, welches am besten passt. In diesem Beitrag findest Du weiter unten einen Link zu dem Buch, auf das ich mich beziehe und das ich inzwischen vollständig gelesen habe: Freund hat kein Selbstbewusstsein und Depressionen, Beitrag # 4. Es wird nicht das letzte Buch bleiben, das ich von dem Autor lese. Ich wünsche Dir hilfreiche Erkenntnisse und viel Kraft und Hoffnung für Deinen Weg. Vielleicht magst Du ja später mal schreiben, wie Dir das Buch gefallen und ob es Dir weitergeholfen hat?

Liebe Grüße,
Julia

25.11.2018 12:53 • #4




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