Selbstzerstörerisches Verhalten wieder loswerden / Ursachen

Anima

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Jetzt, wo ich länger nicht mehr arbeite fällt mir zunehmend etwas auf, das mich sehr beunruhigt: Ich habe einen Hang zur Selbstzerstörung! Nein, nicht indem ich mich verletze (das ist zwar schon vorgekommen aber nur im Zusammenhang mit einer Veränderung von Medikamentenveränderungen), sondern indem ich mir selbst etwas vorenthalte. Ich zerstöre etwas, das mir eigentlich gut tun kann, ich zerstöre mit Mißtrauen beginnende Freundschaften, quäle mich selbst mit irrsinnigen Interpretationen. Das sind Phasen, die sich dann wieder wandeln und ich schäme mich danach für mein Verhalten.

Ich weiß z. B., dass meine Schwester ebenfalls diesen Hang hat und dank ihres Mannes einen Weg gefunden hat, das besser in den Griff zu bekommen. Sie lebt ein Leben, das sie will, ist kreativ z. B.

Darin sehe ich auch die Ursache in meinen eigenen Selbstzweifeln, dass ich ja eh nichts kann usw. - wie kann so etwas kommen? Gibt es Wege da raus?

21.10.2012 22:41 • #1


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Cleofee

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Ich erkenne mich da auch wieder. Neige auch dazu mir Dinge vorzuenthalten, die mir gut tun, oder verhalte mich einfach "unmöglich" und stoße andere vor den Kopf. Ich bin auch Meisterin darin mich selbst herunterzuziehen, indem ich z.B. Musik höre, die mich traurig macht.
Allerdings finde ich, dass gleich als Selbstzerstörung zu bezeichnen etwas "gewaltig". Für mich ist das eigentlich Selbstverletztung, keine körperliche Selbstverletzung, sondern seelische.
Selbstzerstörung ist für mich solange die Augen vor der eigenen finanziellen Situation zu verschließen, bis man aus der Wohnung fliegt, dass man eine gesetzliche Betreuerin für alle Lebensbereiche benötigt. Das ist mir passiert. Habe im Prinzip meine bürgerliche Existenz in den Sand gesetzt. Das hast du meines Wissens nach noch nicht gemacht. Da grenzt es an ein Wunder, dass ich noch nicht meinen Job verloren habe.
Warum verletzt man sich selbst? Bei mir ist es so, dass ich mich für wertlos halte, dass ich es nicht verdiene, dass es mir gut geht. Dahinter steht sicherlich, dass ich schon als Kind meine Bedürfnisse, Wünsche, Träume nicht äußern durfte, bzw, ich zu hören bekam, dass zu tun was man mir sagte und ansonsten pflegeleicht sein.
Wie man da jetzt herauskommt, weiß ich leider auch nicht so recht.

23.10.2012 17:30 • #2



Hallo Anima,

Selbstzerstörerisches Verhalten wieder loswerden / Ursachen

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Anima

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Meine Therapeutin meinte heute, ich würde mich ständig klein halten und mich selbst runter machen - auch vor anderen. Ach okay, naja, Selbstzerstörung - mir fiel gerade kein anderes Wort dafür ein, wenn man damit evtl. eben Freundschaften zerstört und damit das, was einem doch lieb ist. Den Job, den habe ich ja verloren.
Ich kann es oft nicht glauben, dass es auch gute Menschen gibt, die es ehrlich meinen, statt dessen suche ich bei ihnen nach Fehlern und finde aber ganz sicher irgendein altes Muster wieder. Ich bin danach immer fix und alle, kenne mich selbst nicht wieder.

23.10.2012 20:10 • #3


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Sarah

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Hast du (eventuell auch mal mit deiner Therapeutin) hinterfragt, welche Motive hinter diesem Verhalten stehen? Denn die meisten Verhaltensweisen, mit denen unsere Psyche uns "ärgern" will haben ja einen Ursprung und häufig auch eine Schutzfunktion - die unter Umständen aus dem Ruder gelaufen ist. Ich selber kenne ein ähnliches Verhalten bei mir in zwei Ausprägungen.

Zum einen war ich eine Zeit lang Meisterin des Sarkasmus. Immer einen Spruch zur Hand - vor allem gegenüber mir selber. Irgendwann hat mein Thera mich darauf aufmerksam gemacht. Mit seiner Hilfe konnte ich für mich aufdröseln, dass ich das mache um mich zu schützen. Denn wenn ich mich selber negativ bewerte (auch unter dem lustigen Deckmantel des Sarkasmus) kann mir niemand damit zuvor. Da kann mich niemand mehr verletzen. Da habe ich auch bemerkt, das ich für diesen Schutz einen hohen Preis zahle: denn wie soll mich noch jemand verletzen, wenn ich mich selber am meisten verletze und abwerte? Und ein ähnliches Verhalten zeige ich auch in anderen Zusammenhängen. Ich suche das Haar in der Suppe, der Punkt an dem irgendetwas positives (Freundschaften, schöne Erlebnisse, berufliche Erfolge) scheitern könnte. Ich bin nicht gut genug, mein gegenüber tut nur so, als sei er nett will mich aber nur ausnutzen. All diese Argumente kennst du wahrscheinlich zur Genüge, oder? Doch das alles hat bei mir die Tendenz zur "selbsterfüllenden Prophezeiung". Denn wenn ich selber an mir zweifel kann ich mein gegenüber schwer überzeugen. Wenn ich davon ausgehe, dass eine Freundschaft nicht auf gegenseitigem Gefallen und Respekt aufbaut werde ich meinem Gegenüber nicht offen begegnen - und die meisten Menschen registrieren diese unterbewussten Zweifel und wenden sich ab. Wieder wollte ich mich selbst vor einer Enttäuschung schützen und habe sie dadurch selbst herauf beschworen.

Der andere Punkt spielt sich auf einer eher körperlichen Ebene ab - auch wenn ich es mir nur noch selten passiert. Wenn es mir schlecht ging neigte ich zum hungern. Ich habe mir meinem Körper etwas ganz grundsätzliches verweigert - nämlich ein ausreichendes Maß an Nahrung. Und wenn mir vor Hunger schlecht wurde war das genau das, was ich erreichen wollte. Wenn es mir psychisch schlecht geht, dann sollte ich es gefälligst auch körperlich spüren - eine gedankliche Glanzleistung Und mit diesem Hintergrund bewerte ich das Hungern bei mir auch als selbstverletzendes Verhalten. Das ich ein ausgeprägtes Problem mit meinem eigenen Körper habe und oft genug am Rande einer Essstörung stand und wahrscheinlich auch stehen werden hat dieses Verhalten wohl noch unterstützt. Als ich heute überlegt habe was ich dir antowrten soll bin ich allerdings irgendwann auch auf den Gedanken gekommen, dass ich den Spieß hätte umdrehen können. Statt mein körperliches Empfinden krampfhaft meiner miesen psychischen Verfassung anzupassen hätte ich auch versuchen können, bewusst körperliches Wohlbefinden herzustellen in der Hoffnung, dass die Anpassung auch andersrum funktioniert. Aber damit will ich jetzt nicht dein Thema vollspammen

Welcher Schutzmechanismus könnte bei dir dahinter stecken? Damit ist diese Verhaltensweise zwar noch nicht weg, aber mir hilft dieses Verstehen häufig, für mich selber einen Umgang damit zu entwickeln.

Liebe Grüße

Sarah

23.10.2012 21:16 • #4


Anima

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Oh - ich muss sagen, super Antworten, ich muss diese noch einmal in Ruhe durchlesen. Ich empfinde darin Anregungen für mein nächstes Therapiegespräch. Nein, der Grund für dieses Verhalten, den habe ich noch nicht gefunden. Es hat sich nur verstärkt, seit ich nicht mehr arbeite und - steht auch oft im Zusammenhang mit körperlichen Schmerzen.

Ich vermute aber, dass genau hier die Ursache für so einige Probleme in meinem Leben liegt und genau deswegen möchte ich dran bleiben.

24.10.2012 13:59 • #5


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Cleofee

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Also, dass mit der Konjunktivübung würde mich schon gerne etwas genauer interessieren. Wäre nett, Moon, wen du das mal genauer beschreiben könntest.

Anima, ich bin mir da nicht so sicher, dass sich dein Verhalten erst verstärkt hat seitdem du nicht mehr arbeitest. Ich könnte mir vorstellen, dass du es nur nicht bemerkst hast, weil du viel zu sehr mit der Arbeit beschäftigst warst und keine Zeit hattest dich zu beobachten. Normalerweise entwickeln sich solche Verhaltensweisen und auch die Glaubenssätze schon in der Kindheit oder Pubertät.
Mir war früher auch nicht bewusst, was ich mir antue und auch anderen angetan habe. Habe mich nur gewundert, dass manche Menschen sich plötzlich von mir abgewendet haben, dass ich nicht in der Lage war eine Beziehung zu führen usw.

24.10.2012 17:06 • #6


Anima

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@Cleofee - ich denke, Du hast recht. Es war wohl immer da, aber ich habe es nicht gemerkt.

24.10.2012 17:35 • #7


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Eisbärchen

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Hallo Anima,

auch ich kenne das. Ich weiss, was mir gut täte, aber ich tue es absichtlich nicht bzw. mache das Gegenteil von dem, was mir gut tun würde.

Zitat von Sarah:
denn wie soll mich noch jemand verletzen, wenn ich mich selber am meisten verletze und abwerte?
Genau das ist es bei mir auch. Meine Gefühle/Wünsche wurden in meiner Kindheit immer abgewertet oder nicht wahrgenommen. Ich habe mir das bis zur Perfektion selbst angeeignet, dann kann mir auch keiner noch mehr weh tun.

Zitat von Anima:
Ich weiß z. B., dass meine Schwester ebenfalls diesen Hang hat und dank ihres Mannes einen Weg gefunden hat, das besser in den Griff zu bekommen. Sie lebt ein Leben, das sie will, ist kreativ z. B.
Darin sehe ich auch die Ursache in meinen eigenen Selbstzweifeln, dass ich ja eh nichts kann usw. - wie kann so etwas kommen?


Du bist doch auch richtig kreativ - hast Du nicht Dein Avatar selbst gemalt? Natürlich kannst Du was! Du bist z.B. wehr einfühlsam und unterstützt im Rahmen dieses Forums viele Menschen!
Vielleicht findest Du bald Deinen Weg/Dein Leben? Vielleicht ist die jetzige Phase einfach ein Teil Deines Weges?

Liebe Grüße
Eisbärchen

25.10.2012 14:57 • #8


Anima

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Ich denke sogar, dass ich bisher ein Leben geführt habe, das ich eigentlich nicht bin. Diszipliniert, ein Perfektionist - so wie Du Eisbärchen. Aber genau das macht alles so schwer. Ich habe Sorge darum, dass ich mir das verbiete oder zerstöre, was mir wirklich liegen könnte.

25.10.2012 16:08 • #9


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Eisbärchen

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Ich kann Dich gut verstehen, Anima. Da sind wir uns sehr ähnlich.
In der Klinik haben sie uns geraten, uns wie eine gute Freundin zu sehen, der man einen Rat erteilt. Vielleicht hilft es Dir, wenn Du manchmal mit Abstand auf Dich schaust und Dich selbst wie Deine beste Freundin "berätst"?

Tu Dir doch heute Abend mal was Gutes!

Konntest Du Dinge aus der Klinik mitnehmen? Ich denke da mal an Deine Hippotherapie - bist Du seitdem nochmal geritten? Vielleicht wäre das ein schönes Hobby???

26.10.2012 20:44 • #10


Anima

Anima

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Eisbärchen!

Mit dem Reiten - ich habe leider keinen Platz bekommen. Dafür bastle ich hier wie "wild" und es macht Freude.

Ich denke, da ist noch etwas anderes und ich weiß nicht so recht, wie ich darüber schreiben soll. Es hat auch damit zu tun, dass ich etwas anderes gelernt und von den Eltern übernommen habe, selbst aber ganz anders leben möchte und wohl auch tun werde. Vielleicht schreibe ich darüber in meinem Tagebuch.

Manchmal denke ich, man verwehrt sich etwas, das man schon immer wollte, aber nicht tun durfte - o. so ähnlich. "Das darfst Du nicht denken", "das darfst Du nicht fühlen", "brave Mädchen tun das nicht" - "sei doch vernünftig" usw.
Das ist bestimmt nicht einmal böse gemeint gewesen, aber es bringt einen in Zugzwang. Tief drin sitzt eine Angst, über den eigenen Schatten zu springen.

Die Konjunktivübung - die finde ich übrigens wirklich interessant.

26.10.2012 22:21 • #11


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Cleofee

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Vielen Dank für die Erklärung, Moon.

29.10.2012 17:58 • #12



Hallo Anima,

x 4#13


Anima

Anima

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Ich habe in diesen Phasen Telefonnummern gelöscht, Abschieds-Mails geschrieben von wegen - das und das wäre ja eh nicht mehr wichtig. Es kommt schon immer wieder noch - und dann so plötzlich. Plötzlich ist alles schwarz.

29.10.2012 21:28 • #13

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