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Selbsthass - wie halte ich mich besser aus?

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Zitat:
It's a sad man, my friend, who's living in his own skin, and can't stand the company
Bruce Springsteen, Better Days
Hallo, ich bin neu hier - und nicht sicher, ob das Thema hier im richtigen Forenbereich ist. Entschuldigt bitte, wenn ich es falsch eingeordnet habe.
Ich leide seit einigen Jahrzehnten an Depressionen, habe Therapien, Kliniken, Medikamente probiert und bin mit allem stabil genug gewesen, um jetzt ein paar Jahre ganz gut zu funktionieren. Aufstehen, arbeiten, essen, trinken, schlafen, das hat alles meistens geklappt. Es gab schwere Episoden, kein Duschen, keine Sorgfalt im Job, aber da kam ich meist durch und auch wieder raus. Ein bisschen
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Selbstverletzung

und jede Menge Ablenkung durch schwachsinnige Online-Spiele verschaffte mir die Betäubung, die ich brauchte. Aber im Moment hilft gar nichts mehr.
Vor einem Jahr starb meine Mutter an COVID. Seit dem geht es ständig abwärts.
Wir waren uns persönlich nicht einmal besonders nah, aber ich halte mich selber vielleicht gerade deswegen nicht mehr aus.
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Ich mochte mich noch nie und hab früher schon versucht, mich umzubringen. Ich habe mich geschnitten, hab gesoffen, aber das hat immer nur kurzfristig geholfen.

Letzten Sommer habe ich einen Job verloren - einen auftraggeber, besser gesagt, und dann ging es natürlich noch mehr nach unten.
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Ich habe mich wieder verletzt, habe sogar meine Beerdigung geplant und hatte schon die Tabletten gesammelt und den Baum im Friedwald ausgesucht.

Nur, weil meine Katzen keinen Platz auf dem Gnadenhof meioner Wahl bekamen, habe ich es abgeblasen. Das klingt jetzt ziemlich dünn, wo ich es schreibe. Wahrscheinlich bin ich einfach nur zu feige. Nicht mal umbringen kann ich mich, dabei hab ich es doch schon geübt. Oft genug. Immer geht es daneben.
Ich kann einfach nicht mehr, und ich halte mich nicht aus. Zum Selbstmord bin ich auch zu sch.. Was soll ich bloß machen?

01.01.2022 20:08 • x 3 #1


Ex-Mitglied

Hallo pos,
es tut mir leid, dass du im Moment so unter dir leidest. Ich mag mich im Moment auch nicht. Aber warum sollen wir schlechter sein als alle anderen Menschen? Das ist doch nur im Kopf und hat mit der Realität nichts zu tun. Ich weiß, vom Verstand her weiß man das. Das öndert aber nichts an diesem schrecklichen Gefühl der Selbstauflösung.
Hast du auch mal Zeiten in denen du dich magst?

01.01.2022 22:29 • x 1 #2



Hallo pos,

Selbsthass - wie halte ich mich besser aus?

x 3#3


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Jana7

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Hallo,

Zitat:
Vor einem Jahr starb meine Mutter an COVID. Seit dem geht es ständig abwärts.
Wir waren uns persönlich nicht einmal besonders nah, aber ich halte mich selber vielleicht gerade deswegen nicht mehr aus.


vielleicht hat es ja mit dem Tod Deiner Mutter zutun. Ich verstehe den 2. Satz allerdings nicht wirklich.
Machst Du Dir Vorwürfe, kein engeres Verhältnis zu ihr gehabt zu haben?

Du schreibst nicht viel...

In Deinem Leben ging es auf und ab. Warum sollte es nicht wieder bergauf gehen?

Du hast unter der Rubrik Sozialphobie geschrieben. Ist das auch ein Problem.

Hier kannst Du Dir gerne alles von der Seele schreiben. Du kannst auch die Telefonseelsorge anrufen.
Du hattest den Drang, hier zu schreiben. Dich mitzuteilen. Das ist schön, das ist gut so.
Ich denke, ein Gespräch zB mit der Telefonseelsorge könnte vllt. auch helfen. Ein mitfühlender Mensch, der sich für Dich interessiert. Für Dich da sein wird. Dir zuhören wird, Dich verstehen wird. Dein Leid mit Dir zusammen tragen wird. Und das auch schaffen wird. Es gerne tun wird...

Du hast Deine Beerdigung geplant - dann scheint Dir das Leben doch noch nicht ganz egal zu sein.
Und Deine Katzen auch nicht. Du magst/liebst sie. Hängst an ihnen. Es ist eine wertvolle Bindung.
Und sie mögen Dich.

Was magst Du an Dir nicht? Nichts? Gibt es gar nichts? Ist es das Äussere oder (auch) der Charakter?
Dein Charakter kann als tierlieber Mensch nicht wirklich schlecht sein.

01.01.2022 22:52 • #3


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Jana7

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Guten Morgen!

Mir ist über Nacht noch etwas eingefallen.
Ich erinnere mich an eine Doku im TV.

Es ging um eine Jugendliche. Sie wurde über mehrere Jahre bis zum jungen Erwachsensein begleitet.
Erstaunlich, dass sie eingewilligt hat.

Es war hübsch. Blondes Haar, nicht sehr groß mit durchschnittlicher Figur. Ihr Gesichtsausdruck war sympathisch. Sie wirkte nicht einmal traurig. Eine ganz normale Jugendliche.

Sie plagte sehr extremer Selbsthass. Man konnte es bei ihrem Anblick kaum glauben, geschweige denn nachvollziehen. Ich bin mir sicher, es ist allen Zuschauern so gegangen.

Leider erinnere ich mich nicht mehr an alle Details. Ob man die Eltern vorgestellt hat etc. Ich würde mir diese Doku sofort wieder anschauen. Es ist doch einige Jahre - vllt. sogar 10 Jahre - her.

Sie hasste sich derart, dass ihre Unterarme voller Narben waren. Sie schnitt teilweise so heftig, dass das ärztlich versorgt werden musste.
Ich fragte mich natürlich warum sie das macht. Sie ist doch so hübsch. Das Leben wird durch solche Narben nicht einfacher. An den Unterarmen gab es eigentlich keine Stelle mehr ohne diese länglichen Narben.

Man begleitete sie einige Jahre. Immer wieder kam sie in eine Klinik und wurde auch bin hinein mit der Kamera begleitet.

Und nicht nur das. Ihr Selbsthass war so riesig, sich schluckte mehrere Male eine Rasierklinge. Dich denke, die mussten heraus operiert werden.

Ich sah diese Doku und war wirklich überrascht, geschockt, verständnislos. Wie ist so etwas überhaupt möglich?
Es war wirklich dramatisch und eine Besserung schien absolut aussichtslos. Weil auch keine Ursache erkennbar war.

Aber sie hat es überwunden. Man besuchte sie wieder und sie spazierte mit einem - ihrem - Freund durch einen Park oder Zoo. Er liebt sie so, wie sie ist. Ich glaube, die Narben an den Armen hatte sie nicht verdeckt. Sie trug ein T-Shirt mit kurzen Ärmeln - es war Sommer.

Es wurden Zukunftspläne erwähnt. Ich weiss nicht mehr, ob sie studierte. Sie hat es definitiv geschafft.

Ich sah im Profil, dass Du 52 bist - ich 54... Hier ist die Lebenssituation natürlich schwieriger.
Für junge Menschen geht es in der Regel eine ganze Weile hoffnungsvoll bergauf.

Bei jedem - egal ob erfolgreich oder erfolglos, krank oder gesund - geht es um die 50 merklich bergab. Jedenfalls körperlich, gesundheitlich. Manche haben das Glück, bis 65/67 und länger im gewählten, glücklich machenden Job zu sein. Und deshalb spüren sie das Bergab nicht so stark. Sie sind zudem abgelenkt.

Für uns Frauen kommt die Menopause. Die Beschwerden können sehr subtil sein. Ob alle auf die Idee kommen, dass statt Antidepressiva vllt. Hormone helfen könnten?

Das Leben ist kein Ponyhof. Man lebt für für sich. Man kann sich selbst ja auch nicht wirklich entkommen.
Wenn man sich nicht selbst aushalten kann, ist das sehr schwierig und kann zur Folter werden.
Du musst auch nicht für Deine Katzen leben. Es wäre zu viel verlangt.
Jeder sollte sich fragen, was er WIRKLICH will. Sollte schaffen, zu kontrollieren, ob er das wirklich IMMER will.
Will ich wirklich leben? Will ich wirklich nicht mehr leben? Will ich überwiegend nicht leben? Sind die Phasen, in den ich nicht mehr leben will zu lang, zu häufig? Ist das alles zu quälend? Gibt es wirklich keine Hoffnung auf neue Phasen mit Lebenswillen? Besteht keine Hoffnung auf längere - vllt. lebenslang anhaltenden Lebenswillen?

Steckt man in einer Krise, kommt sie einem meist endlos vor...
Aber es gibt Medikamente, die innerhalb kürzester Zeit - Minuten oder Stunden - die Stimmung (wenigstens vorübergehend) aufhellen. Ich hoffe mal, man hat Esketamin versucht.

Du warst mehrfach in Kliniken. Aber vielleicht haben sie immer dasselbe versucht, verschrieben.
Deprimiert läßt man meist alles blind über sich ergehen. Es wäre optimal, wenn man die Kraft hätte, im Internet nach Therapien zu recherchieren. Und bei schwer Deprimierten sollte man wahrscheinlich nach Medikamenten recherchieren.

Aus jeder Phase mit Stimmungsaufhellung schöpft man Kraft. Und wer weiß, vielleicht findet ein Medikament, dass für dauerhafte Stimmungsaufhellung sorgt.

Und wenn man soweit ist, dass man darüber nachdenkt, sich ein Ende zu machen - dann dürfte man doch eigentlich auch keine Angst mehr vor der EK Therapie haben. Danach kann man sich immer noch ein Ende machen. Diese Option hat man lebenslang.

02.01.2022 09:25 • x 3 #4

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