Hallo,
ich bin hier in eine weitere „Baustelle“ geraten, aber wahrscheinlich ist sie die Grundlage für alle anderen in meinem Leben.
Ich versuche zu verstehen, ob das was meine Mutter getan hat Missbrauch war und ob ich mich als Opfer fühlen darf.
Es gab in meiner Kindheit nie körperliche Bestrafungen, da meine Mutter selbst körperliche Übergriffe und Misshandlungen durch ihre Mutter und Brüder erlebt hat. Dennoch erlebte ich vieles als eine Hölle.
Meine Mutter ist, das sehe ich jetzt, eine sehr manipulierende Person. Sie erzählt unterschiedlichen Familienmitgliedern immer andere Versionen eines Ereignisses. So z.B. mir, dass sie ihre Bettwäsche unter Schmerzen wechseln musste, weil sie sich am Arm verletzt hatte. Bei einem Gespräch mit meinem Bruder darüber erfahre ich, dass er bei ihr war und das Bett bezogen hat. Oder das meine Großnichte sie nicht mal begrüßt hat als sie sich beim Geburtstag meines Bruders getroffen haben, was aber gar nicht stimmt.
Als Säugling hatte ich ein Kindermädchen. In meiner Kindheit und Jugend war sie nie wirklich anwesend, da sie einen eigenen Laden hatte und in Gemeinde und Politik ehrenamtlich tätig war. Gesehen habe ich sie manchmal zwischen zwei Sitzungsterminen oder wenn wir durch meine Posten als Schul- und Stadtschülersprecherin mal in de gleichen Kommission saßen. Immer war ich „die Tochter von…“
Selbstverständlich waren wir nach außen die perfekte Vorzeige Familie, immer im Rampenlicht und jeder Schritt wurde von außen kommentiert. Im Inneren waren die Worte meiner Mutter über meinen Vater immer nur, der Idiot, die Bestie, der Grobian hat mir wieder wehgetan. Etwas, dass sich mit dem Bild, das ich von meinem Vater hatte nicht gedeckt hat. Er war für einen großen Konzern tätig und deshalb viel im Ausland unterwegs. War er dann bei uns hat er sich auch Zeit für mich genommen und es gab viele Aktivitäten mit ihm. Eigentlich habe ich nur Erinnerungen an gemeinsame Ausflüge mit ihm, aber keine mit meiner Mutter
Die politische Arbeit meiner Mutter führte einmal sogar dazu, dass ich nur unter Polizeischutz zur Schule konnte weil Neonazis unsere Familie bedrohten.
Wirklich präsent war meine Mutter nur dann, wenn sie mal wieder ihre Migräne hatte und die gesamte Familie ruhig und unauffällig sein musste um ihr Leiden nicht zu verschlimmern. Ich traute mich nie Freunde nach Hause zu bringen, weil meine Mutter ja mal wieder krank sein konnte. Viele Freunde hatte ich sowieso nie, weil viele Familien sich von meiner Mutter fernhielten, falschen Respekt hatten.
Ich war immer schüchtern und wurde mit ins Rampenlicht gezogen, wo ich die Mustertochter war.
Später war ich dann im Schulchor und in der Musical AG. Zu keiner meiner Aufführungen erschien meine Mutter. Höchstens mein Vater und meine Brüder waren da. Von meiner Mutter kam nie ein Lob, nie eine Anerkennung erst recht kein Lob. Es kamen auch keine Vorwürfe, nur totale Ignoranz. Diese brachte sie aber auch anderen Familienmitgliedern entgegen.
Als mein Vater schwer an Krebs erkrankte pflege ich ihn mit meiner Mutter, die fast täglich erwähnte, dass er doch endlich sterben könnte und seine Pflege so eine Belastung ist.
Belastung ist eines ihrer Lieblingswörter. Als ich vor kurzem erwähnte, dass ich viel Arbeit hätte, weil unsere Katzen uns eine heftige Flohplage beschert hatten, kam nur „schaff die doch ab, sind ja sowieso nur eine Belastung“.
Kann ich froh sein, dass sie mich nie abgeschafft hat, weil ich auch eine Belastung bin?
Wie ihr an anderer Stelle in diesem Portal lesen könnt habe ich in der Folge meines Lebens noch körperliche Missbräuche erlebt, aber für mich scheint es klar, dass der erst möglich wurde, weil ich nie ein SelbstWERTgefühl entwickelt habe.
Selbst eine Therapie hat mir nicht geholfen mich endlich wertvoll zu fühlen, ich kann bis heute Liebe, z.B. die meines Mannes und unseres Sohnes, und Freundschaft nicht annehmen ohne zu hinterfragen ob ich es wert bin.
Entschuldigt wenn ich zu weit ausgeholt habe, aber ich weiß nicht was wichtig war um klar zu machen was mir passiert ist.