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Schwerbehindertenausweis verlängern - wie richtig vorgehen?

Irgendeine

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Hallo,

ich hab seit 2014 einen GdB von 50. Dieser läuft im September 2020 ab und ich habe jetzt Angst, dass er nicht mehr verlängert wird.
Klar, mir geht's besser als damals, aber um den aktuellen Zustand zu erreichen bzw. zu erhalten schlucke ich auch täglich einen Medikamentencocktail bestehend aus 7 verschiedenen Psychopharmaka.

Im normalen Alltag komme ich meist ganz gut zurecht, aber so bald eine unerwartete oder emotionale Sit. auftritt, bin ich wieder "voll drin". Dazu kommen in manchen Sit. Flashbacks, die echt schwer erträglich sind. Aber diese Sit. kriegen meine Psychiaterin und mein HA ja nicht unbedingt mit und einen Therapeuten habe ich aktuell auch nicht (ist aber geplant).

Ich brauche den Ausweis hauptsächlich wegen dem Kündigungsschutz und damit ich bessere Arbeitsbedingungen (keine Spät-Früh-Wechsel, max. 7 Tage am Stück) aushandeln kann, die mir helfen, dass ich nicht so schnell wieder ausfalle. Und den Kündigungsschutz halt, für den Fall, dass ich nochmal länger ausfalle.

16.12.2019 01:17 • x 2 #1


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sundancere20j

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Guten Morgen,

ich möchte Dich da ein wenig in folgender Hinsicht zu Deiner Aussage beruhigen

Zitat von Irgendeine:
ch brauche den Ausweis hauptsächlich wegen dem Kündigungsschutz und damit ich bessere Arbeitsbedingungen (keine Spät-Früh-Wechsel, max. 7 Tage am Stück) aushandeln kann, die mir helfen, dass ich nicht so schnell wieder ausfalle. Und den Kündigungsschutz halt, für den Fall, dass ich nochmal länger ausfalle.


Du brauchst den Ausweis für die von Dir genannten Themen nicht. Hier reicht schon ein GdB von mindestens 30, nebst Gleichstellung. Einziger Unterschied zum GdB 50 ist, dass die folgenden Nachteilsausgleiche wegfallen: Zusatzurlaub und die Möglichkeit früher in Altersrente gehen zu können.

Ich rate Dir, dass Du die Nachprüfung, die ja diesbezüglich stattfindet, abzuwarten. Weil vielleicht kommt es ja ganz anders, als Du es Dir vorstellst.

Und sollte es so kommen, dass man Dir den GdB 50 aberkennt, wird man Dir sicherlich einen niedrigeren GdB zuerkennen. Beträgt dieser mindestens 30, beantrage zumindest schon einmal die Gleichstellung. Und wenn Du der Meinung bist, der GdB von 50 ist gerechtfertigt, dann kannst Du immer noch in ein Widerspruchsverfahren einsteigen. Hierfür hast Du nach Zugang des Bescheides einen Monat lang Zeit. Gilt in jedem Fall auch, wenn der zuerkannte GdB unter 30 liegt.

Dafür solltest Du Dir jedoch Hilfe hinzunehmen. Fachanwalt für Sozialrecht wäre die erste Wahl.

Das liest sich jetzt vielleicht ein wenig nüchtern. Aber es würde Dir jetzt wohl auch nichts bringen, wenn dieser Beitrag emotional aufgeladen werden würde mit Durchhalteparolen, wie "Du schaffst das.", "Kopf hoch.". Es ist und bleibt schlicht ein Verwaltungsakt.

Viele Grüße
sundancer

16.12.2019 08:40 • x 3 #2


Smatie

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Ich rate Dir, einfach mit Deinem Psychiater zu sprechen und dem genau das zu sagen, was Du uns hier gesagt hast. Schließlich muss der eine Einschätzung schreiben.

Ich hatte auch ein wenig Angst, meinen GdB von 50 zu verlieren, aber mein Arzt sagte dann, "machen Sie sich keine Sorgen, bei dem, was ich geschrieben habe, behalten Sie die 50 locker." Und so war es dann auch.

Schöne Grüße
Martina

16.12.2019 10:27 • x 3 #3


Irgendeine

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Hallo Sundancer,
danke für deine Sachliche Antwort. Ich kenne halt eine ehemalige Richterin für Sozialrecht und die meinte gestern, dass sie jemandem wie mir, der es schafft sich mit Freunden zu treffen, Termind wahrzunehmen und mal auszugehen, niemals 50 GdB gegeben hätte. Sie meinte das natürlich nicht böse, aber es hat mich trotzdem etwas getroffen. Sie (wenn sie jetzt über meinen Fall entscheiden müsste) sieht ja nicht, wie anstrengend es für mich ist diesen Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Dass ich oft abends zu hause bleibe, wenn die andern noch zum Spieleabend oder spazieren gehen, weil ich mich einfach nicht aufraffen kann.
Mir helfen all die Vorteile (auch die zusätzlichen Urlaubstage) damit ich meine Arbeit durchhalten kann. Das würde sonst nicht funktionieren.

16.12.2019 11:02 • x 2 #4


Irgendeine

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Hallo Smatie,

ich kenne meine Psychiaterin noch nicht so lange. Sie ist ganz nett, hat aber auch ihre eigenen Vorstellungen davon, bei welchen Symptomen es mir noch gut gehen sollte. Aktuell findet sie scheinbar, dass es mir gut geht. Irgendwie hab ich mit den Fachärzten kein Glück, aber ich kann nicht schon wieder wechseln.

16.12.2019 13:31 • x 1 #5


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sundancere20j

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Hallo Irgendeine,

ich würde mir jetzt erstmal wirklich noch nicht den Kopf darüber zerbrechen.

Zuerst einmal kommt die Anhörung. Dann folgt die Beurteilung durch das Amt und Du erhältst einen Bescheid, gegen den Du Widerspruch einlegen kannst, wenn der Sachverhalt Deiner Meinung nach falsch beurteilt wurde.

Wird diesem nicht abgeholfen, folgt dem ggf. die Klage vor dem Sozialgericht.

Nimm Dir Hilfe hinzu, wenn Du Dich dem alleine nicht gewachsen fühlst.

Wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast, solltest Du schauen, ob diese auch schon ab dem Widerspruchsverfahren greift (Premiumtarife), darunter meist erst ab Sozialgericht.

Bist Du Mitglied in einer Gewerkschaft, ist hierüber im Regelfall Sozialrecht mitversichert und Du kannst Dich von Anfang an beraten lassen.

Das Du Dich mit Freunden triffst, ist kein Merkmal, eine Schwerbehinderung zu versagen. Deswegen und weil ein Richter nunmal kein Facharzt für Psychiatrie ist, wird auch ein medizinisches Gutachten erstellt.

Jedoch setzt dies alles voraus, dass es wirklich soweit kommt. Raub Dir keine Energie, indem Du den Teufel an die Wand malst.

Lass es auf Dich zukommen und hol Dir eben persönlich die bestmögliche Unterstützung.

Liebe Grüße
sundancer

16.12.2019 14:58 • x 3 #6


Irgendeine

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Hallo,
ich hatte letztes Mal gar keine Anhörung, sondern habe die 50 sofort bekommen. Meine Psychiaterin weiß halt nicht, dass es mir öfters nicht gut geht. Die letzten Male war ich hauptsächlich wegen körperlichen Nebenwirkungen meines Medikamentencocktails bei ihr und da hab ich dann zu hören bekommen, dass ich ständig irgendwelche psychosomatischen Beschwerden. Sprich, ich soll mich nicht so anstellen. Ich gebe nur ungerne Krankmeldungen von ihr ab, da dann sofort komische Blicke von meiner Schulleitung kommen, die ich dann nicht auch noch gebrauchen kann. Zum Glück ist mein Hausarzt da sehr verständnisvoll und schreibt mich auch krank, wenn es mir "nur" seelisch schlecht geht.
Ich bin Mitglied bei der Ver.Di, aber ich weiß nicht, ob die sich auch um sowas kümmern. Meine BeWo-Betreuerin meinte allerdings auch, dass man ja immer Widerspruch einlegen kann.

Woher weiß das Versorgungsamt eigentlich welche Ärzte/Therapeuten es anschreiben muss? Ich hätte nämlich noch einen kurzen Klinikaufenthalt wegen einer angeblichen Psychose (was natürlich Quatsch war, ich hatte einfach 'ne ordentliche Dröhnung Benzo vom Notarzt verpasst bekommen) "anzubieten". Aber das war halt in einem anderen Bundesland.

16.12.2019 23:17 • x 2 #7


Irgendeine

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Zudem habe ich nicht genug Fehltage. Das nicht, weil ich sie nicht gebraucht hätte, sondern weil ich in meiner Ausbildung nur eine gewisse Anzahl an Stunden fehlen darf, da ich sonst nicht zum Abschlussexamen zugelassen werde. Das ist der einzige Grund, warum ich mich auch nicht so guten Tagen irgendwie aus dem Bett quäle.
Die nächsten 4 Wochen muss ich in der Psychiatrie arbeiten, das wird für mich richtig schlimm, weil ich da sicher ständig Flashbacks (Fixierung usw.) haben werde.

17.12.2019 00:02 • x 2 #8


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sundancere20j

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Guten Morgen,

beim letzten Mal hast Du ja wahrscheinlich auch nur den Antrag auf Schwerbehinderung gestellt und den GdB 50 befristet für 5 Jahre bekommen, wenn Du diesen seit 2014 hast. Oder?

Zum Ablauf der Befristung sollte es nun so sein, dass Du neuerlich befragt wirst und hierzu einen entsprechenden Anhörungsbogen zugesandt bekommst. Du schilderst da ebenso Deine Krankheiten, Behandlungen, etc. Das ist dann auch die Gelegenheit den Klinikaufenthalt anzugeben, sowie die aktuell behandelnden Ärzte. Hast Du einen Arzt gewechselt, bspw. Psychiater, gib auch den vorherigen Arzt an, wegen des Verlaufs.

Über die ver.di bist Du im Sozialrecht rechtsschutzversichert. Damit hast Du alles was Du brauchst. Sobald Du das Gefühl hast, der Prozess überfordert Dich, wende Dich an die Gewerkschaft und vereinbare einen Termin. Dafür zahlst Du Mitgliedsbeiträge.

Viele Grüße
sundancer

17.12.2019 06:42 • x 3 #9


Irgendeine

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Hallo,

ich weiß gar nicht mehr, wie das damals abgelaufen ist. Das wurde, glaub ich, noch in der Klinik gemacht. Da war ich so fertig, dass ich mich um nichts kümmern konnte. Aber in der Zeit, wo ich den Ausweis jetzt habe, waren schließlich auch noch 2 (3, wenn man die "Psychose" mitzählt) stationäre Aufenthalte über jeweils mehrere Wochen, sowie 3 Monate Tagesklinik. Zudem noch seit Jahren BeWo, eine ambulante Therapie und eben die Medis. Ich finde das (erschreckenderweise) gar nicht mal so wenig, wenn man es mal insgesamt betrachtet.

Danke für den Tipp mit der Ver.Di. Da wär ich gar nicht drauf gekommen. Meine BeWo-Betreuerin wird jedenfalls alles versuchen und mich unterstützen, dass ich die 50 nochmal bekomme.

Für Außenstehende sieht man mit einer Depression halt oft nicht krank aus. Klar habe ich Tage, an denen es mir beispielsweise in Gesellschaft von Freunden wirklich gut geht.
Aber es kommt eben auch oft genug vor, dass ich mich nicht dazu aufraffen kann bzw. es extrem anstrengend finde.
Niemand sieht, dass ich ohne meinen Freund an einigen Tagen gar keine richtige Mahlzeit zu mir nehmen würde.

17.12.2019 17:04 • x 2 #10


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maya60

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Hallo Irgendeine, ich finde es richtig und notwendig, dass du dich jetzt schon mit diesem Thema rund um deinen SBA beschäftigst! Ich bin gesetzliche Betreuerin meines schwerbehinderten Sohnes, der leicht geistig behinderter Autist ist und weiß daher sehr gut, dass es gerade bei diesen "unsichtbaren" vielen stabilisierenden Aktionen im Alltag, die die Fachleute nicht wissen, extrem wichtig ist, sie bei der Neubegutachtung präsent zu haben. Sie auch bei jedem Psychiater und jeder Psychotherapie genau zu benennen immer wieder.

Du brauchst gute Gutachten für die Überprüfung des SBA und am besten schon im Vorfeld, denn wenn sie dich anschreiben, kriegst du sie ja oft nicht so schnell. Uns haben sie mal Monate vor dem Überprüfungstermin schon angeschrieben und um aussagefähige Gutachten gebeten.

Darum würde ich dir auch dringend raten, dem VdK beizutreten:

https://www.vdk.de/deutschland/pages/te.ng?dscc=ok

Die sind Experten für diese Themen und können dich aus ihrem langen und großen Erfahrungsschatz gut beraten und vertreten. Sie haben eine Rechtsberatung. Ob auch einen Rechtsschutz, weiß ich nicht, aber ein lernbehinderter Bekannter, dessen % sie beim SBA auch immer zusammenstreichen wollen und der sich selber nicht vertreten kann, wird in dieser Angelegenheit schon seit Jahren gut vom VdK ganz vertreten.
Und der VdK hat noch viele weitere Angebote.

Ich bin selber kein Mitglied, weil ich in einer Behindertenhilfeorganisation Mitglied bin, deren Angebote mein Sohn seit vielen Jahren nutzt und in deren Werkstatt er auch arbeitet.
Ginge es aber um mich, würde ich sofort Mitglied im VdK.

Wenn ein stabilerer psychischer Zustand nur mit vielfacher täglicher Stabilisierung da ist,wie bei mir übrigens auch, kann er auch meiner Ansicht nach nicht gleichgesetzt werden mit einem nach außen ebenso wirkenden Zustand, der aber ohne Zutun so ist, denn die Belastbarkeit ist ja auch eine völlig andere. Sowie die Notwendigkeit so vieler täglicher Stabilisierungen ohne die es gleich ganz anders aussähe.

Liebe Grüße! maya

17.12.2019 17:23 • x 1 #11


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maya60

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P.S.: Dass sie dir den SBA ganz streichen würden, die Gefahr sehe ich wie die anderen, die dir schreiben, auch erstmal nicht nach dem, was du berichtest, aber auch das Reduzieren von % ist falsch, wenn du nur mit soviel Aufwand einigermaßen stabiler bist.

Ich glaube, Gutachten sind ein halbes Jahr gültig, oder? Daher würde ich an deiner Stelle schon im Sommer sicher stellen, welche in meinen Händen zu haben von den Fachkräften, die deine Erkrankungen aufgrund derer du den SBA hast, behandeln. Dazu hat der VdK aber sicherlich auch Tipps.

17.12.2019 17:37 • x 1 #12


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Albarracin

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17.12.2019 20:21 • x 3 #13


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Zitat von Albarracin:
Hallo,

steht auf Deinem Bescheid irgendetwas von "Heilungsbewährung" ?
Ohne diesen Zusatz sind Bescheide grundsätzlich unbefristet. Die Befristung des Ausweises ist unabhängig vom Bescheid und ist zur Verhinderung von Mißbrauch sogar gesetzlich als Regelfall vorgesehen.


Ich hab jetzt mal nachgekuckt. Auf dem Bescheid steht nichts von "Heilungsbewährung", sondern:
"Ich stelle Ihren Ausweis befristet aus, weil ich dann überprüfen werde, ob sich die maßgebenden Voraussetzungen geändert haben."
Weiter heißt es: "Um Ihren Gesundheitszustand zu beurteilen, habe ich den medizinischen Sachverhalt aufgeklärt und unter ärztlicher Beteiligung ausgewertet."
Da steht aber nichts, wie diese Beurteilung genau erfolgt ist. Ich habe den Antrag nicht selbst gestellt und wurde nie persönlich angehört oder angeschrieben. Das lief alles über die damalige Klinik und externe Ärzte. Ich hab nur den Bescheid zu Gesicht bekommen.

Zitat von Albarracin:
Ach ja, nach meinen Erfahrungen kann ich Dir den VdK überhaupt nicht empfehlen. Aus meiner Sicht besser und effektiver ist entweder Gewerkschaftsmitgliedschaft - da ist Sozialrecht im Beitrag mit enthalten oder aber eine private Rechtsschutzversicherung, die auch Sozialrecht einschließt.

Ich werde es erst mal (wenn's denn überhaupt nötig ist) über Ver.Di versuchen, da ich da ja eh Mitglied bin.

17.12.2019 21:47 • #14


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Zitat von maya60:
Wenn ein stabilerer psychischer Zustand nur mit vielfacher täglicher Stabilisierung da ist,wie bei mir übrigens auch, kann er auch meiner Ansicht nach nicht gleichgesetzt werden mit einem nach außen ebenso wirkenden Zustand, der aber ohne Zutun so ist, denn die Belastbarkeit ist ja auch eine völlig andere. Sowie die Notwendigkeit so vieler täglicher Stabilisierungen ohne die es gleich ganz anders aussähe.

Liebe Grüße! maya

Hallo Maya,

das sehe ich genauso. Mein Alltag ist aktuell relativ "normal", aber es erfordert halt unheimlich viel Kraft, diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Heute hat z.B. ein Freund Geburtstag mit Spieleabend, aber ich bin nicht in der Lage die paar Meter rüberzugehen. Stattdessen schlechte Laune und schlimme Gedanken. Mein Freund ist dann meistens enttäuscht, dass ich nicht mitkomme, da will ich ihn nicht noch mehr belasten.
Ich habe immer noch nicht verstanden, ob ich jetzt das Versorgungsamt aktiv anschreiben muss oder ob die mich anschreiben. Ich bin leider nicht besonders gut in solchen Dingen, sorry.

17.12.2019 22:02 • x 1 #15


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Albarracin

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18.12.2019 10:45 • x 4 #16


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Zitat von Albarracin:
hallo irgendeine,
Damit sind wir auch beim Ablauf.
Wenn das Versorgungsamt Deinen GdB herabsetzen will, muß es dir zuerst eine Anhörung schicken, bei dem der beabsichtigte GdB schon mitgeteilt werden muß. Erst nachdem Du angehört wurdest, kann ein Bescheid ergehen. Gegen diesen Bescheid sind dann Rechtsmittel möglich.


Okay, also muss ich das Versorgungsamt nicht anschreiben und mein Ausweis gilt, so lange der GdB nicht anders festgelegt wurde. Habe ich das so richtig verstanden?

18.12.2019 12:00 • #17


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Albarracin

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18.12.2019 13:42 • x 2 #18


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Zitat von Albarracin:
Hallo,

leider muß ich meinen juristischen Korinthenkacker-Modus einschalten:

Wenn Dein Ausweis befristet ist, ist die Aussage so nicht korrekt. Er muß aber zwingend vom Versorgungsamt verlängert werden, solange ein neuer Bescheid nicht ergangen ist oder noch nicht rechtskräftig ist.


Okay. Sorry, dass ich mich da so blöd anstelle. Da ich im Herbst 2020 eine neue Arbeitsstelle antreten werde, wäre es natürlich blöd, wenn ich dann den GdB, den ich in der Berwerbung angegeben habe, nicht mehr hätte. Deshalb macht mich das aktuell auch so verrückt.

18.12.2019 15:39 • #19


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Mandinka

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Mach dich nicht zu sehr verrückt. Du hast den Grad von 50 ja schon mal bekommen und man ist damals zu dem Schluss gekommen, daß du so stark eingeschränkt bis, daß er gerechtfertigt ist. Wenn du weiterhin Medikamente brauchst und dein Psychiater entsprechendes bestätigt, ist es wahrscheinlich nur eine Formsache und du bekommst die Verlängerung.
Mein Sohn hat auch auf Anhieb die 50 % im Jahr 2015 bekommen (nicht expilizit wegen Depression, sondern A.D.S, Asperger und all der Folgeerscheinungen), was mich überraschte. Ich selbst bekam nur 30 % und die Gleichstellung wurde bei mir auch abgelehnt. Allerdings habe ich auch "nur" die Depression nachweisen können und keine anderen Diagnosen, da mir dafür schriftliche Nachweise fehlten und auch hier wieder die Energie, das noch nachträglich zu organisieren. Obwohl man mir Hilfe zusagte von der Schwerbehinertenvertretung nahm ich den Kampf gegen die Ablehnung durch die AfA wegen der Gleichstellung nicht auf, weil mir dafür zu dem Zeitpunkt auch einfach die psych. Stärke fehlte.

Du hast aber wie mein Sohn offenbar auf Anhieb einen gravierenden Eindruck hinterlassen und deshalb auch gleich 50 % erhalten. Meine Schwerbehinderterten-Vertreterin auf Arbeit meinte mal zu mir, als ich ihr ähnliche Fragen wegen des Schwerbehinderten-Ausweises meines Sohnes stellte wie du gerade hier, daß das bei ihr immer nur Formsachen seien und sie das immer anstandslos verlängert bekommt (und sie ist auch noch jung und geht jeden Tag arbeiten) - trotzdem wird ihr der Grad nicht aberkannt. Ich drücke dir die Daumen.

18.12.2019 17:20 • #20


Irgendeine

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Hallo Mandinka,
das ist ja ärgerlich, dass du nicht gleichgestellt worden bist. Bringt der GdB dir denn dann über wirklich Vorteile? Ich kann aber durchaus verstehen, dass man keine Kraft hat, allen Dokumenten hinterher zu laufen. Ging mir 2014 ja genauso. Ich musste (konnte!) mich gar nicht drum kümmern und war froh, dass das andere für mich genacht haben.
Mehrere Erkrankungen spielen bei mir mit rein. Borderline PS (das war damals wohl der Hauptgrund), Essstörung, Depression uns ADHS. Aktuell bereiten eher die letzten beiden Erkrankungen Probleme. Wobei es da ähnlich, wie bei deinem Sohn ist: Das bedingt sich alles gegenseitig.

18.12.2019 21:16 • x 1 #21


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maya60

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Zitat von Irgendeine:
Hallo Maya,

das sehe ich genauso. Mein Alltag ist aktuell relativ "normal", aber es erfordert halt unheimlich viel Kraft, diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Heute hat z.B. ein Freund Geburtstag mit Spieleabend, aber ich bin nicht in der Lage die paar Meter rüberzugehen. Stattdessen schlechte Laune und schlimme Gedanken. Mein Freund ist dann meistens enttäuscht, dass ich nicht mitkomme, da will ich ihn nicht noch mehr belasten.
Ich habe immer noch nicht verstanden, ob ich jetzt das Versorgungsamt aktiv anschreiben muss oder ob die mich anschreiben. Ich bin leider nicht besonders gut in solchen Dingen, sorry.



Hallo Irgendeine,
leider bleiben beim Psychiater und auch in der Psychotherapie so viele Einordnungen ungesagt. Und weil wir meist schleichend depressiv werden, haben wir Betroffenen auch überhaupt keinen zutreffenden Maßstab mehr, was überhaupt normal ist. Auch weil bei Depressionen das Denken, Fühlen, Reden und Handeln betroffen sind.

Das, was du beschreibst, ist weit weg von "normal". Nicht in der Lage zu sein, die paar Meter zum Freund zu gehen und stattdessen mit schlimmen Gefühlen und Gedanken unten zu sein, das IST depressiv und weit weg von normal, dass alles kleines bisschen solch eine Kraftanstrengung ist und keinerlei Kraftreserven mehr da sind, wir immer an der Grenze der Erschöpfung sind.

Mach dir das mal bewusst, indem du mal mitschreibst in Stichworten wie im Tagebuch, was du mit welchen Gefühlen, Gedanken täglich alles nicht "normal" machen kannst, wo du ohne Medikamente, Selbstmotivierung, psychologische Begleitung und emotionale Selbstfürsorge nur durchhängst oder trotz allem immer noch durchhängst.

Sowohl gegenüber dem Versorgungsamt als auch den Fachleuten für die Gutachten als auch dem MDK der Krankenkasse hat das unheimlich viel für unseren behinderten Sohn gebracht, dass ich mir das mal selber erstmal bewusst machte.

Deshalb ja auch die ganze Pflegereform z.B., weil es immer mehr Leute gibt, deren Behinderung oder Krankheit sich nicht daran festmacht, ob sie rein motorisch etwas noch hinkriegen können vom reinen Ablauf, sondern ob sie das auch tun. Wenn durch geistige oder psychische Probleme etwas antriebsmäßig so schwer ist, dass es nur mit viel Aufwand mal alle 3 Tage gelingt, dann ist das weit weit weg von normal, auch wenn das nach außen hin gar nicht auffällt.

Wenn ich meinen ganzen Alltag in Minimalschritte aufgeteilt habe und nur noch alle paar Wochen mal rausgehe, dann sieht mir das auch keine Fachfrau an, wenn ich gepflegt und freundlich bei ihr in der Praxis bin, aber dann muss ich ihr das erzählen, wie weit weg von der Normalität ich lebe.

Sehr sehr vielen Depressiven sieht man ihre Depressivität nicht an.

Liebe Grüße! maya.

18.12.2019 23:59 • #22


Irgendeine

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Zitat von maya60:

Hallo Irgendeine,

Das, was du beschreibst, ist weit weg von "normal". Nicht in der Lage zu sein, die paar Meter zum Freund zu gehen und stattdessen mit schlimmen Gefühlen und Gedanken unten zu sein, das IST depressiv und weit weg von normal, dass alles kleines bisschen solch eine Kraftanstrengung ist und keinerlei Kraftreserven mehr da sind, wir immer an der Grenze der Erschöpfung sind.

Mach dir das mal bewusst, indem du mal mitschreibst in Stichworten wie im Tagebuch, was du mit welchen Gefühlen, Gedanken täglich alles nicht "normal" machen kannst, wo du ohne Medikamente, Selbstmotivierung, psychologische Begleitung und emotionale Selbstfürsorge nur durchhängst oder trotz allem immer noch durchhängst.

Sowohl gegenüber dem Versorgungsamt als auch den Fachleuten für die Gutachten als auch dem MDK der Krankenkasse hat das unheimlich viel für unseren behinderten Sohn gebracht, dass ich mir das mal selber erstmal bewusst machte.


Das ist eine gute Idee. Und das hat wirklich was gebracht?

Zitat von maya60:
Wenn durch geistige oder psychische Probleme etwas antriebsmäßig so schwer ist, dass es nur mit viel Aufwand mal alle 3 Tage gelingt, dann ist das weit weit weg von normal, auch wenn das nach außen hin gar nicht auffällt.

Wenn ich meinen ganzen Alltag in Minimalschritte aufgeteilt habe und nur noch alle paar Wochen mal rausgehe, dann sieht mir das auch keine Fachfrau an, wenn ich gepflegt und freundlich bei ihr in der Praxis bin, aber dann muss ich ihr das erzählen, wie weit weg von der Normalität ich lebe.


Das ist es halt. Auch wenn das jetzt eklig klingt, aber ich schaffe es machmal tagelang nicht, duschen zu gehen. Man sieht es mir (hoffentlich) nicht unbedingt an (Waschlappen und Trockenshampoo sei dank.), aber es ist mir trotzdem sehr unangenehm.
Genauso mit dem Essen. Ich habe Hunger, schaffe es aber nicht, mir was zu machen.

Dazu sei gesagt, dass es mir aktuell relativ gut geht. Mein Freund und die Tatsache, dass ich meine Ausbildung im 2. Anlauf schaffen muss, pushen mich. Negativ, wie positiv.

19.12.2019 00:34 • x 2 #23


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maya60

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Hallo Irgendeine, und ob das was gebracht hat! Unser Sohn wird keine Überprüfung seines SBA mehr bekommen, er ist unbefristet, weil alles, was ich berichtet habe, in den Gutachten steht. Woher sollen die Ärzte denn sonst wissen, wie der Alltag aussieht mit welchen Einschränkungen, wenn man es nicht genau erzählt?

Wenn du sagst, dir geht es relativ gut, dann weiß ja kein Mensch, dass damit nicht relativ gut im normalen Sinne gemeint ist, sondern gemessen an vorher und dass es auch nicht alle depressiven Symptome betrifft. Antriebsstörungen hast du stark, wenn du dich, wie viele, ich auch, zu vielen Aktivitäten des täglichen Lebens nicht aufraffen kannst.

Und wenn dich so etwas wie eine Nachbarseinladung schon so überfordern kann und auch emotional in schlimme Stimmung bringt, dann ist der Begriff "relativ gut" eben sehr missverständlich.

Das Wichtige ist ja, sich selber klar zu werden, wo man steht. Und eben nicht zu sagen "Mir geht es relativ gut", wenn damit nur Teilbereiche des Lebens gemeint sind.
Wenn du selber nicht genau weißt, wo du stehst mit deinem Befinden, kannst du es auch nicht deinen Gutachtern und Ärzten erzählen. Es geht ja nicht nur um Teilbereiche des Lebens.

Bei psychischen Erkrankungen gehen Fachleute von dem aus, was sie sehen. Und nur ein Teil ist zu sehen bei Depressionen.

Schau dir mal, wenn du magst, im Internet an, was die Hauptsymptome von Depressionen sind und welche du davon hast und wie sehr sie dich einschränken.

Wenn dich etwas Neues und Aufregendes pusht, aber alles andere nicht funktioniert, alle Routinesachen, dann ist nicht alles gut.

Liebe Grüße! maya

21.12.2019 02:47 • x 1 #24


Irgendeine

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Hallo maya,

dann werde ich wohl mal anfangen ein bisschen was aufzuschreiben. Jetzt, wo du es sagst, fällt mir ein, dass ein Bekannter von mir mit Diabetes Typ 1 seinen unbefristeten Ausweis auch erst bekommen hat, als er eine über einen längeren Zeitraum schriftlich nachweisen konnte, dass seine Werte schwer in den Griff zu bekommen sind/waren.

Wie ich in einem anderen Thread eben schon geschrieben habe, geht es mir aktuell trotz der ganzen Medis nicht gut. Ich kann es ganz gut überspielen, aber es ist sehr anstrengend.

22.12.2019 22:14 • x 1 #25


Ex-Mitglied

Zitat von Irgendeine:
schlucke ich auch täglich einen Medikamentencocktail bestehend aus 7 verschiedenen Psychopharmaka


Das liest sich ziemlich extrem, vielleicht einen Antrag auf Verschlechterung stellen um einen höheren GdB zu erhalten?

Gute Besserung !

18.02.2020 12:32 • #26


Irgendeine

Irgendeine

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Zitat von Mark78:

Das liest sich ziemlich extrem, vielleicht einen Antrag auf Verschlechterung stellen um einen höheren GdB zu erhalten?

Gute Besserung !

Danke dir. Verschlechterung werde ich ziemlich sicher nicht bekommen. Das Versorgungsamt hier in der Stadt ist ziemlich streng. Mehr als 50GdB würde mir (außer beim Freibetrag) aber auch nicht viel bringen.

18.02.2020 20:10 • #27


Irgendeine

Irgendeine

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Ich habe gerade einfach mal bei der Schwerbehindertenstelle meiner Stadt angerufen. Der Ausweis wird erst mal ohne jegliche Nachprüfung um 2 Jahre verlängert.
Danach kriege ich entweder einen Verlängerungsantrag zugeschickt oder er wird direkt nochmal verlängert.
Dass der GdB runtergesetzt wird, stand jetzt nicht mal zur Diskussion.

Ich bin grad so erleichtert, das glaubt ihr gar nicht.

03.03.2020 15:41 • #28

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