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Schwerbehindertenausweis verlängern - wie richtig vorgehen?

Albarracin
hallo irgendeine,

zumindest mußt Du
Zitat:
Ich habe den Antrag nicht selbst gestellt und wurde nie persönlich angehört oder angeschrieben.

den Antrag im Original unterschrieben haben.

Die detaillierte Einzelbewertung erfährst Du übrigens erst dann, wenn Du - zB im Rahmen einer Anhörung oder eines Widerspruchs - Akteneinsicht beantragst.

Damit sind wir auch beim Ablauf.
Wenn das Versorgungsamt Deinen GdB herabsetzen will, muß es dir zuerst eine Anhörung schicken, bei dem der beabsichtigte GdB schon mitgeteilt werden muß. Erst nachdem Du angehört wurdest, kann ein Bescheid ergehen. Gegen diesen Bescheid sind dann Rechtsmittel möglich.
Während der gesamten Verfahrensdauer gilt der alte Bescheid uneingeschränkt weiter. Der Ausweis muß ggfs. für die Verfahrensdauer verlängert werden.
Auch wenn keine Änderung beabsichtigt ist, muß der Ausweis dann entsprechend verlängert werden.

Dabei ist dieser Hinweis von sundancer
Zitat:
Du brauchst den Ausweis für die von Dir genannten Themen nicht.

leider irreführend, denn natürlich braucht man einen Ausweis als "amtlichen Nachweis" gem. § 152 Abs. 5 SGB IX
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__152.html
solange man schwerbehindert ist. Ein AG kann zB verlangen, daß ihm zur Geltendmachung der Rechte als schwerbehinderter Mensch den Ausweis bzw. eine beidseitige Kopie vorgelegt wird.

Es ist zwar richtig, daß man auch alle arbeitsrechtlichen Ansprüche ggü. dem AG auch mit einer Gleichstellung hat, diese Gleichstellung muß dann aber auch erst mal beantragt und von der AA zugesprochen werden. nicht jeder Antrag auf Gleichstellung ist auch begründet.

18.12.2019 09:45 • x 4 #16


Irgendeine
Zitat von Albarracin:
hallo irgendeine,
Damit sind wir auch beim Ablauf.
Wenn das Versorgungsamt Deinen GdB herabsetzen will, muß es dir zuerst eine Anhörung schicken, bei dem der beabsichtigte GdB schon mitgeteilt werden muß. Erst nachdem Du angehört wurdest, kann ein Bescheid ergehen. Gegen diesen Bescheid sind dann Rechtsmittel möglich.


Okay, also muss ich das Versorgungsamt nicht anschreiben und mein Ausweis gilt, so lange der GdB nicht anders festgelegt wurde. Habe ich das so richtig verstanden?

18.12.2019 11:00 • #17


Albarracin
Hallo,

leider muß ich meinen juristischen Korinthenkacker-Modus einschalten:
Zitat:
mein Ausweis gilt, so lange der GdB nicht anders festgelegt wurde

Wenn Dein Ausweis befristet ist, ist die Aussage so nicht korrekt. Er muß aber zwingend vom Versorgungsamt verlängert werden, solange ein neuer Bescheid nicht ergangen ist oder noch nicht rechtskräftig ist.

18.12.2019 12:42 • x 2 #18


Irgendeine
Zitat von Albarracin:
Hallo,

leider muß ich meinen juristischen Korinthenkacker-Modus einschalten:

Wenn Dein Ausweis befristet ist, ist die Aussage so nicht korrekt. Er muß aber zwingend vom Versorgungsamt verlängert werden, solange ein neuer Bescheid nicht ergangen ist oder noch nicht rechtskräftig ist.


Okay. Sorry, dass ich mich da so blöd anstelle. Da ich im Herbst 2020 eine neue Arbeitsstelle antreten werde, wäre es natürlich blöd, wenn ich dann den GdB, den ich in der Berwerbung angegeben habe, nicht mehr hätte. Deshalb macht mich das aktuell auch so verrückt.

18.12.2019 14:39 • #19


Mandinka
Mach dich nicht zu sehr verrückt. Du hast den Grad von 50 ja schon mal bekommen und man ist damals zu dem Schluss gekommen, daß du so stark eingeschränkt bis, daß er gerechtfertigt ist. Wenn du weiterhin Medikamente brauchst und dein Psychiater entsprechendes bestätigt, ist es wahrscheinlich nur eine Formsache und du bekommst die Verlängerung.
Mein Sohn hat auch auf Anhieb die 50 % im Jahr 2015 bekommen (nicht expilizit wegen Depression, sondern A.D.S, Asperger und all der Folgeerscheinungen), was mich überraschte. Ich selbst bekam nur 30 % und die Gleichstellung wurde bei mir auch abgelehnt. Allerdings habe ich auch "nur" die Depression nachweisen können und keine anderen Diagnosen, da mir dafür schriftliche Nachweise fehlten und auch hier wieder die Energie, das noch nachträglich zu organisieren. Obwohl man mir Hilfe zusagte von der Schwerbehinertenvertretung nahm ich den Kampf gegen die Ablehnung durch die AfA wegen der Gleichstellung nicht auf, weil mir dafür zu dem Zeitpunkt auch einfach die psych. Stärke fehlte.

Du hast aber wie mein Sohn offenbar auf Anhieb einen gravierenden Eindruck hinterlassen und deshalb auch gleich 50 % erhalten. Meine Schwerbehinderterten-Vertreterin auf Arbeit meinte mal zu mir, als ich ihr ähnliche Fragen wegen des Schwerbehinderten-Ausweises meines Sohnes stellte wie du gerade hier, daß das bei ihr immer nur Formsachen seien und sie das immer anstandslos verlängert bekommt (und sie ist auch noch jung und geht jeden Tag arbeiten) - trotzdem wird ihr der Grad nicht aberkannt. Ich drücke dir die Daumen.

18.12.2019 16:20 • #20


Irgendeine
Hallo Mandinka,
das ist ja ärgerlich, dass du nicht gleichgestellt worden bist. Bringt der GdB dir denn dann über wirklich Vorteile? Ich kann aber durchaus verstehen, dass man keine Kraft hat, allen Dokumenten hinterher zu laufen. Ging mir 2014 ja genauso. Ich musste (konnte!) mich gar nicht drum kümmern und war froh, dass das andere für mich genacht haben.
Mehrere Erkrankungen spielen bei mir mit rein. Borderline PS (das war damals wohl der Hauptgrund), Essstörung, Depression uns ADHS. Aktuell bereiten eher die letzten beiden Erkrankungen Probleme. Wobei es da ähnlich, wie bei deinem Sohn ist: Das bedingt sich alles gegenseitig.

18.12.2019 20:16 • x 1 #21


maya60
Zitat von Irgendeine:
Hallo Maya,

das sehe ich genauso. Mein Alltag ist aktuell relativ "normal", aber es erfordert halt unheimlich viel Kraft, diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Heute hat z.B. ein Freund Geburtstag mit Spieleabend, aber ich bin nicht in der Lage die paar Meter rüberzugehen. Stattdessen schlechte Laune und schlimme Gedanken. Mein Freund ist dann meistens enttäuscht, dass ich nicht mitkomme, da will ich ihn nicht noch mehr belasten.
Ich habe immer noch nicht verstanden, ob ich jetzt das Versorgungsamt aktiv anschreiben muss oder ob die mich anschreiben. Ich bin leider nicht besonders gut in solchen Dingen, sorry.



Hallo Irgendeine,
leider bleiben beim Psychiater und auch in der Psychotherapie so viele Einordnungen ungesagt. Und weil wir meist schleichend depressiv werden, haben wir Betroffenen auch überhaupt keinen zutreffenden Maßstab mehr, was überhaupt normal ist. Auch weil bei Depressionen das Denken, Fühlen, Reden und Handeln betroffen sind.

Das, was du beschreibst, ist weit weg von "normal". Nicht in der Lage zu sein, die paar Meter zum Freund zu gehen und stattdessen mit schlimmen Gefühlen und Gedanken unten zu sein, das IST depressiv und weit weg von normal, dass alles kleines bisschen solch eine Kraftanstrengung ist und keinerlei Kraftreserven mehr da sind, wir immer an der Grenze der Erschöpfung sind.

Mach dir das mal bewusst, indem du mal mitschreibst in Stichworten wie im Tagebuch, was du mit welchen Gefühlen, Gedanken täglich alles nicht "normal" machen kannst, wo du ohne Medikamente, Selbstmotivierung, psychologische Begleitung und emotionale Selbstfürsorge nur durchhängst oder trotz allem immer noch durchhängst.

Sowohl gegenüber dem Versorgungsamt als auch den Fachleuten für die Gutachten als auch dem MDK der Krankenkasse hat das unheimlich viel für unseren behinderten Sohn gebracht, dass ich mir das mal selber erstmal bewusst machte.

Deshalb ja auch die ganze Pflegereform z.B., weil es immer mehr Leute gibt, deren Behinderung oder Krankheit sich nicht daran festmacht, ob sie rein motorisch etwas noch hinkriegen können vom reinen Ablauf, sondern ob sie das auch tun. Wenn durch geistige oder psychische Probleme etwas antriebsmäßig so schwer ist, dass es nur mit viel Aufwand mal alle 3 Tage gelingt, dann ist das weit weit weg von normal, auch wenn das nach außen hin gar nicht auffällt.

Wenn ich meinen ganzen Alltag in Minimalschritte aufgeteilt habe und nur noch alle paar Wochen mal rausgehe, dann sieht mir das auch keine Fachfrau an, wenn ich gepflegt und freundlich bei ihr in der Praxis bin, aber dann muss ich ihr das erzählen, wie weit weg von der Normalität ich lebe.

Sehr sehr vielen Depressiven sieht man ihre Depressivität nicht an.

Liebe Grüße! maya.

18.12.2019 22:59 • #22


Irgendeine
Zitat von maya60:

Hallo Irgendeine,

Das, was du beschreibst, ist weit weg von "normal". Nicht in der Lage zu sein, die paar Meter zum Freund zu gehen und stattdessen mit schlimmen Gefühlen und Gedanken unten zu sein, das IST depressiv und weit weg von normal, dass alles kleines bisschen solch eine Kraftanstrengung ist und keinerlei Kraftreserven mehr da sind, wir immer an der Grenze der Erschöpfung sind.

Mach dir das mal bewusst, indem du mal mitschreibst in Stichworten wie im Tagebuch, was du mit welchen Gefühlen, Gedanken täglich alles nicht "normal" machen kannst, wo du ohne Medikamente, Selbstmotivierung, psychologische Begleitung und emotionale Selbstfürsorge nur durchhängst oder trotz allem immer noch durchhängst.

Sowohl gegenüber dem Versorgungsamt als auch den Fachleuten für die Gutachten als auch dem MDK der Krankenkasse hat das unheimlich viel für unseren behinderten Sohn gebracht, dass ich mir das mal selber erstmal bewusst machte.


Das ist eine gute Idee. Und das hat wirklich was gebracht?

Zitat von maya60:
Wenn durch geistige oder psychische Probleme etwas antriebsmäßig so schwer ist, dass es nur mit viel Aufwand mal alle 3 Tage gelingt, dann ist das weit weit weg von normal, auch wenn das nach außen hin gar nicht auffällt.

Wenn ich meinen ganzen Alltag in Minimalschritte aufgeteilt habe und nur noch alle paar Wochen mal rausgehe, dann sieht mir das auch keine Fachfrau an, wenn ich gepflegt und freundlich bei ihr in der Praxis bin, aber dann muss ich ihr das erzählen, wie weit weg von der Normalität ich lebe.


Das ist es halt. Auch wenn das jetzt eklig klingt, aber ich schaffe es machmal tagelang nicht, duschen zu gehen. Man sieht es mir (hoffentlich) nicht unbedingt an (Waschlappen und Trockenshampoo sei dank.), aber es ist mir trotzdem sehr unangenehm.
Genauso mit dem Essen. Ich habe Hunger, schaffe es aber nicht, mir was zu machen.

Dazu sei gesagt, dass es mir aktuell relativ gut geht. Mein Freund und die Tatsache, dass ich meine Ausbildung im 2. Anlauf schaffen muss, pushen mich. Negativ, wie positiv.

18.12.2019 23:34 • x 2 #23


maya60
Hallo Irgendeine, und ob das was gebracht hat! Unser Sohn wird keine Überprüfung seines SBA mehr bekommen, er ist unbefristet, weil alles, was ich berichtet habe, in den Gutachten steht. Woher sollen die Ärzte denn sonst wissen, wie der Alltag aussieht mit welchen Einschränkungen, wenn man es nicht genau erzählt?

Wenn du sagst, dir geht es relativ gut, dann weiß ja kein Mensch, dass damit nicht relativ gut im normalen Sinne gemeint ist, sondern gemessen an vorher und dass es auch nicht alle depressiven Symptome betrifft. Antriebsstörungen hast du stark, wenn du dich, wie viele, ich auch, zu vielen Aktivitäten des täglichen Lebens nicht aufraffen kannst.

Und wenn dich so etwas wie eine Nachbarseinladung schon so überfordern kann und auch emotional in schlimme Stimmung bringt, dann ist der Begriff "relativ gut" eben sehr missverständlich.

Das Wichtige ist ja, sich selber klar zu werden, wo man steht. Und eben nicht zu sagen "Mir geht es relativ gut", wenn damit nur Teilbereiche des Lebens gemeint sind.
Wenn du selber nicht genau weißt, wo du stehst mit deinem Befinden, kannst du es auch nicht deinen Gutachtern und Ärzten erzählen. Es geht ja nicht nur um Teilbereiche des Lebens.

Bei psychischen Erkrankungen gehen Fachleute von dem aus, was sie sehen. Und nur ein Teil ist zu sehen bei Depressionen.

Schau dir mal, wenn du magst, im Internet an, was die Hauptsymptome von Depressionen sind und welche du davon hast und wie sehr sie dich einschränken.

Wenn dich etwas Neues und Aufregendes pusht, aber alles andere nicht funktioniert, alle Routinesachen, dann ist nicht alles gut.

Liebe Grüße! maya

21.12.2019 01:47 • x 1 #24


Irgendeine
Hallo maya,

dann werde ich wohl mal anfangen ein bisschen was aufzuschreiben. Jetzt, wo du es sagst, fällt mir ein, dass ein Bekannter von mir mit Diabetes Typ 1 seinen unbefristeten Ausweis auch erst bekommen hat, als er eine über einen längeren Zeitraum schriftlich nachweisen konnte, dass seine Werte schwer in den Griff zu bekommen sind/waren.

Wie ich in einem anderen Thread eben schon geschrieben habe, geht es mir aktuell trotz der ganzen Medis nicht gut. Ich kann es ganz gut überspielen, aber es ist sehr anstrengend.

22.12.2019 21:14 • x 1 #25


Mark78
Zitat von Irgendeine:
schlucke ich auch täglich einen Medikamentencocktail bestehend aus 7 verschiedenen Psychopharmaka


Das liest sich ziemlich extrem, vielleicht einen Antrag auf Verschlechterung stellen um einen höheren GdB zu erhalten?

Gute Besserung !

Vor 9 Stunden • #26


Irgendeine
Zitat von Mark78:

Das liest sich ziemlich extrem, vielleicht einen Antrag auf Verschlechterung stellen um einen höheren GdB zu erhalten?

Gute Besserung !

Danke dir. Verschlechterung werde ich ziemlich sicher nicht bekommen. Das Versorgungsamt hier in der Stadt ist ziemlich streng. Mehr als 50GdB würde mir (außer beim Freibetrag) aber auch nicht viel bringen.

Vor 2 Stunden • #27