Schwerbehindertenausweis abgelehnt - wie weiter verfahren?

Wanderlust2020

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Guten Morgen,

ich weiß nicht mehr weiter.
Endlich habe ich mich getraut, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Einen Schwerbehindertenausweis aus dem Grund, weil ich seit meiner Teenagerzeit an Depressionen leide.
Es gab immer Hochs und Tiefs, nie ging ich jedoch in Therapie oder sonst wohin. Erst im Alter (jetzt 42) merke ich, dass ich es nicht mehr schaffe und das meine körperlichen Beschwerden überhand nehmen und sich so die Depression sichtbar macht.
Ich hatte eine Verhaltenstherapie (12x) hinter mir, habe sie durchgezogen, aber es hat sich nichts geändert. Ich habe eine Mutter-Kind-Kur hinter mir, da ich im Geschäft zusammenbrach und nicht mehr konnte. All die Jahre (letzten 5) habe ich die Depression mitgeschleppt irgendwie, bis sich mein Körper bemerkbar machte.
Ich ging zu meiner Hausärztin, klagte über meine Situation, weinte gar. Da ich so oft fehle, weil ich es morgens einfach nicht aus dem Bett schaffe, habe ich Angst nach 20 Jahren gekündigt zu werden, von meinem Arbeitgeber, daher entschied ich mich für einen Schwerbehindertenausweis, um einen Kündigungsschutz wenigstens zu haben.
Ausserdem leide ich ich schwer und Hyperhidrosis (diese Krankheit wird nicht anerkannt, wobei sie meiner Meinung nach Depressionen auslöst, aber leider nur zu wenige Menschen davon betroffen sind, dass es sich lohnt es irgendwo in die Krankheitsliste der Schwerbehinderung aufzunehmen.)
Und Migräne leide ich auch noch.
Mein Schwerbehindertenausweis wurde abgelehnt. Alles sei unter 10 GDB. Reizdarm, depressive Episode, Migräne und Hyperhydrosis, wurde nicht mal mit einen Wert von GDB 10 anerkannt.
Ich weiß wirklich nicht mehr weiter.
Weiß auch nicht mehr wohin ich gehen kann. Ich habe nun Widerspruch eingelegt, aber ich habe doch keine neuen Unterlagen. Habe die Aussage und die Diagnose von meiner Hausärztin mit depressiver Episode.
Dann habe ich Unterlagen zu Reizdarm, zu anderen körperlichen Krankheiten, zu Migräne und zu Hyperhidrosis und nichts wurde anerkannt, dabei ist es doch erwiesen im Netz und steht überall, dass Menschen mit Depressionen und dazu noch Migräne einen Schwerbehindertenausweis beantragen können.

Ich weiß jetzt nicht mehr weiter. Hat Jemand von Euch selbst Erfahrungen diesbezüglich gemacht?

25.09.2020 07:53 • #1


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ZeroOne

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Guten Morgen @Wanderlust2020 ,

ich kann deine Verzweiflung und Ärger über die Entscheidung des Versorgungsamts gut nachvollziehen. Vor Jahren hatte ich ähnliches erlebt.

Da du den Widerspruch schon eingelegt hast, ist die Sache nun schon losgetreten. Hast du Akteneinsicht beantragt? Insbesondere die Stellungnahme des versorgungsärztlichen Dienstes kann bei der Begründung von Nutzen sein.
Wenn du keine neuen Befunde oder Diagnosen beilegen konntest, muss das nicht von Nachteil sein. Eine gute, stichhaltige Begründung, warum dich deine Leiden im Alltag in welchem Ausmaß limitieren, ist wichtiger.

Für den von dir angesprochenen Kündigungsschutz benötigst du übrigens keinen GdB von 50 bzw. Schwerbehindertenausweis. Ein GdB von 30 ist ausreichend - damit kannst du Gleichstellung beantragen, die dich ebenso vor Kündigung schützt.

Sollte der Widerspruch nicht entsprechend ausfallen, dann bleibt dir noch die Möglichkeit der Klage. Davor würde ich mich aber zuerst unabhängig beraten lassen, z.B. von einem Sozialverband und dann ggf. einen Anwalt ins Boot holen. Eine (bestehende) Rechtsschutzversicherung ist da von Vorteil (Vorsicht: Sperrfristen).

Was die Hyperhidrose betrifft: eine frühere Therapie-Bekannte von mir litt sehr stark darunter, was bei ihr zu sozialer Isolation führte. Ihr wurde der Weg nach München ins das DHHZ empfohlen. Dort hat sie einen Eingriff durchführen lassen und seither sind ihre Probleme gelöst. Vielleicht hilft dir der Hinweis weiter?

LG
ZeroOne

25.09.2020 08:44 • #2


Wanderlust2020

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Hallo ZeroOne,

ja, ich habe Akteneinsicht beantragt und sie haben auch Stellung dazu genommen.
Bezüglich der Stichhaltigen Begründung.
Ich hatte zu meinem Antrag ein Anschreiben mit vier Seiten beigelegt, indem ich meine Einschränkungen detailliert und auch mein Leiden niedergeschrieben habe, ich wüsste jetzt gar nicht mehr, was ich noch schreiben könnte, um ehrlich zu sein. Ich hatte meine Einschränkungen erläutert, dass ich nicht mehr weg gehen kann, keine sozialen Kontakte mehr habe, weil ich mich einfach unwohl fühle, ich morgens nicht aus dem Bett komme, wegen der Antriebslosigkeit, dann die Angst vor der Kündigung, weil ich so oft krank bin und ich dann immer in diesem Teufelskreis falle, Angst zu haben, dass ich wieder krank bin und dann gekündigt werde und dann mit meiner 5 jährigen Tochter den sozialen Abstieg erlebe. Ich muss Tag für Tag stark sein, für meine Tochter da sein und noch mit der Depression leben. Alles habe ich dokumentiert und mehr als echt geschrieben. Was also noch?

Bezüglich der Hyperhidrosis und dem Eingriff habe ich große Angst. Zuerst ist der Eingriff nicht ganz leicht, denn der Symphatikusnerv wird ja durchtrennt zum anderen schwitzt man dann an anderen Stellen, was nicht unbedingt besser ist.
Vielen Dank aber für den Hinweis in München, werde ich mir anschauen.

Gruß

25.09.2020 08:54 • #3


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Heideblümchen

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Hallo @Wanderlust2020 .... auch bei mir wurde der ursprüngliche Antrag auf GdB rigoros mit "kleiner 10" abgelehnt. Darauf habe ich mit Widerspruch reagiert.....und wurde auf 20 eingestuft (Lachhaft bei meiner Krankengeschichte). Ich bin dann sofort Mitglied im VdK geworden und habe nach ein paar Monaten die dortige kostenlose anwaltliche Sprechstunde in Anspruch genommen. Gemeinsam mit der dortigen Mitarbeiterin habe ich den Antrag nochmals neu (!) eingereicht. Allein, dass der VdK am Ausfüllen und Einreichen des neuen Antrags beteiligt war, hat, so denke ich heute, einen höheren GdB ausgemacht. Ich bin jetzt bei unbefristeten "50"!

Was den Kündigungsschutz angeht....naja, es wird vielleicht ein bisschen schwerer, einen Arbeitnehmer mit einem GdB über 30 los zu werden, aber Mittel und Wege gibt es für Arbeitgeber leider immer wieder und jemand, der schon Vorerkrankungen hat (vor allem psychische) ist möglicherweise nicht oder schwer in der Lage, den beschwerlichen Weg der Klage, Gegendarstellung, Arzt- und Gutachterwanderung etc. psychisch durchzustehen, wenn der AG es darauf anlegt (will man das dann auch noch?). Viele AGs bauen da drauf. Trotzden ist es nicht verkehrt, wenn man den Ausweis beantragt.
Ich persönlich habe mir zusätzlich eine Chronikerbescheinigung (Muster 55) vom Hausarzt für die Krankenkasse ausstellen lassen und bin jetzt auch bei der Medikamentenzuzahlung nicht mehr im vollen Umfang zahlungsverpflichtet.

25.09.2020 10:03 • #4


Wanderlust2020

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Herzlichen Dank für Deine Antwort,
aber wie war das mit Deinem Widerspruch, Du hast doch Widerspruch eingelegt, oder?
Also ich habe ihn erst beantragt, dann kam die Ablehnung, dann hab ich Widerspruch mit Akteneinsicht verlangt, dann kam ein Schreiben, ich soll den Widerspruch erläutern und Befunde beilegen, die ich noch nicht beigelegt habe.
Ich habe aber keine weiteren Befunde.
Und ich wüsste nicht, was ich noch anders schreiben könnte, als mein langes Anschreiben, das ich mit dem Antrag für den Ausweis abgeschickt habe?
Kannst Du mir da Rat geben, was ich da noch schreiben könnte?
Oder was ich tun könnte?
Man hat ja nur 4 Wochen Zeit.

25.09.2020 10:06 • #5


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Heideblümchen

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Warst du denn in den letzten Jahren wegen der Beschwerden bei diversen Ärzten? Dann frag doch dort mal nach, ob sie dir Kopien der Befunde geben können, die du nachreichen kannst. Im Antrag kann man ja auch angeben, bei welchen (Fach)Ärzten Einkünfte eingeholt werden können.
Ich habe zu den Anträgen dazu alles eingereicht, was ich vorliegen hatte. Akteneinsicht wollte ich gar nicht. Ich habe sofort den VdK hinzu gezogen, um nur ja nichts falsch zu machen oder was anzugeben, was nur meiner eigenen Einschätzung entspricht (wenn es danach gegangen wäre, hätte ich einen Grad von 80 bekommen müssen ). Allerdings hatte sich mein Gesundheitszustand während der Frist noch mal verschlechtert, so dass weitere Befunde dazu kamen. Es hilft aber sicher, "dran" zu bleiben, nicht aufzugeben. Der erste Weg der Behörden ist nämlich ganz oft erst mal der, alles abzuschmettern.

25.09.2020 10:11 • #6


Wanderlust2020

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Ich hatte bevor ich den Antrag gestellt habe, alle Befunde kopiert, eingeholt und dann im Gesamtpaket zum Versorgungsamt geschickt.
War also bestens vorbereitet.

Daher habe ich keine weiteren Berichte etc.
Da ich gelesen habe, dass es ein Schwerbehindertenausweis für Migräne und depressive Episode einem zusteht, dachte ich, meine "paar" Berichte reichen.

25.09.2020 10:18 • #7


Norwegerin89

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Hallo,

es ist völlig normal, dass der Antrag zunächst abgelehnt wird.

Wenn du wissen willst, was für einen GdB zu erwarten hast, musst du die Versorgungsmedizinischen Grundsätze durchforsten.

17.10.2020 12:33 • #8

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