Schwerbehindertenausweis bei Depression beantragen?

die sprechtunden hilfe hat gesagt, die dürfen nichts rausrücken was älter als ein jahr ist. das darf die KV auch nicht, wie mir diese auch sagte.
das mit dem anfordern wäre natürlich ein versuch wert, ja!

01.08.2009 09:18 • #16


Hallo!
So, ich habe jetzt doch noch ein paar "Arztbriefe" gesammelt und meine Anwältin schickt den Kram diese Woche raus.
Der Bericht von meiner Hausärztin war ziemlich gut!
Ich bin also gespannt und halte euch natürlich auf dem Laufenden,
Clarice

09.09.2009 12:41 • #17


Hallo zusammen,
tja, Satz mit X - auf einen Widerspruch habe ich nun 10 % mehr erhalten, also 40 %, aber auch nur, weil mein HNO mir einen Tinitus noch bescheinigt hat.
Ansonsten ist die Begründung, dass ich keine (fett und unterstrichen) dauernde Einbuße der körperlichen Beweglichkeit habe.

"Dem Widerspruch kann in soweit nicht entsprochen werden, als ein GdB von 50% nicht festgestellt werden kann. Nach den Befunden werden stärker behinderde STörungen mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und GEstaltungsfähigkeit (festgestellt, eingefügt von Clarice, das Wort fehlt), die gemäß VersMedV einen GdB von 30-40 bedingen. Unter Berücksichtigung der psychosomatischen Beschwerden (Tinitus) ist im vorliegenden Fall jedoch ein GdB von 40 vertretbar."

Was nun? Soll ich den Widerspruch aufrecht erhalten? ich fürchte, das bringt nichts, hm? Außer Spesen nichts gewesen. Kostet noch mehr Anwalt und das Versorgungsamt schreibt auch schon was von notwendigen Kosten.... dürfen die das Überhaupt? also ehrlich... das ist deren Arbeit oder???? Ich kann meinem MItarbeitern auch nicht was vom GEhalt einbehalten, wenn sie sich beschweren und ich Mehrarbeit dadurch habe...

Was meint ihr? DAnke und lieben Gruß,
Clarice

26.09.2009 10:20 • #18


Albarracin
Hallo Clarice,

Zitat:
"Dem Widerspruch kann in soweit nicht entsprochen werden, als ein GdB von 50% nicht festgestellt werden kann. Nach den Befunden werden stärker behinderde STörungen mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und GEstaltungsfähigkeit (festgestellt, eingefügt von Clarice, das Wort fehlt), die gemäß VersMedV einen GdB von 30-40 bedingen.

Das ist soweit richtig aus der VersmedV zitiert, die Frage ist, ob das auch die Einschätzung des behandelnden Arztes ist. Der hat Dich ja anscheinend sowieso nicht wirklich unterstützt

Zitat:
Was nun? Soll ich den Widerspruch aufrecht erhalten?

Einen Widerspruch "aufrecht erhalten" gibt es nicht. Der nächste Schritt wäre eine Klage beim Sozialgericht. Schon allein wegen der langen Wartezeiten (In Stuttgart z. B. z. Zt. 12-14 Monate) bis zur Terminierung ist das bei GdB-Fällen nur bei krassen Fehlbewertungen des Versorgungsamtes sinnvoll. Empfehlenswerter wäre ein Erhöhungsantrag nach 6 Monaten, wenn es ärztlich unterstützt wird, die jetzige Krankheit sich verschlimmert und/oder neue Krankheiten dazukommen.

Zitat:
Kostet noch mehr Anwalt und das Versorgungsamt schreibt auch schon was von notwendigen Kosten.... dürfen die das Überhaupt?

Klar dürfen die das, wenn man den Hinweis vollständig liest. Notwendige Kosten werden nämlich ersetzt, wenn Widerspruch und/oder Klage ganz oder teilweise erfolgreich sind. Da dies aber ein "Pokerspiel" ist und bei Mißerfolg auch ins Geld gehen kann, kommt hier nicht umsonst von den Mods immer wieder der Hinweis, sich Rechtsschutz bei Sozialverbänden wie z. B. VdK oder Gewerkschaften durch Mitgliedschaft zu besorgen.

Zitat:
Was meint ihr? DAnke und lieben Gruß,

Da es dir lt. früherem Posting vor allem um den arbeitsrechtlichen Schutz geht, solltest Du den Antrag auf Gleichstellung stellen, falls Du das noch nicht getan hast.

26.09.2009 12:36 • #19


Hallo Wolfgang, vielen Dank für deine Rückmeldung!

Zitat von Albarracin:
Hallo Clarice,Das ist soweit richtig aus der VersmedV zitiert, die Frage ist, ob das auch die Einschätzung des behandelnden Arztes ist. Der hat Dich ja anscheinend sowieso nicht wirklich unterstützt


Hm, nein, hat er nicht. Er hat halt einfach das Formular ausgefüllt, dass das Versorgungsamt ihm geschickt hat.
Ich war dann auch deswegen gar nicht mehr bei ihm. Der derzeitige Arzt kennt mich ja erst seit März, ich habe mir von anderen Ärzten, soweit möglich, Stellungnahmen selbst besorgt.

Was hätte mein Arzt noch machen können? *schulterzuck*

Zitat:
Einen Widerspruch "aufrecht erhalten" gibt es nicht. Der nächste Schritt wäre eine Klage beim Sozialgericht.


oha, hm, das wusste meine Anwältin wohl auch nicht. naja, ich habe mit ihr noch nicht telefoniert, nach dem der Bescheid am Samstag eintrudelte.


Zitat:
Empfehlenswerter wäre ein Erhöhungsantrag nach 6 Monaten, wenn es ärztlich unterstützt wird, die jetzige Krankheit sich verschlimmert und/oder neue Krankheiten dazukommen.


hört sich sinnvoll an, ja. Also kann man einen Erhöhungsantrag quasi jederzeit (frühestens nach 6 Monaten?) stellen?

Zitat:
Zitat:
Kostet noch mehr Anwalt und das Versorgungsamt schreibt auch schon was von notwendigen Kosten.... dürfen die das Überhaupt?

Klar dürfen die das, wenn man den Hinweis vollständig liest.Notwendige Kosten werden nämlich ersetzt, wenn Widerspruch und/oder Klage ganz oder teilweise erfolgreich sind. Da dies aber ein "Pokerspiel" ist und bei Mißerfolg auch ins Geld gehen kann, kommt hier nicht umsonst von den Mods immer wieder der Hinweis, sich Rechtsschutz bei Sozialverbänden wie z. B. VdK oder Gewerkschaften durch Mitgliedschaft zu besorgen


Achso... das heißt, ich kann die Erstattung der Kosten beantragen? Ich dachte die machen bei mir Kosten geltend...
So stehts in dem Bescheid geschrieben "Über die Erstattung der notwendigen Kosten wird nach Abschluss des Widerspruchsverfahrens auf Antrag entschieden"
Ts, ich bin zu blond für Beamtendeutsch


.

Zitat:
Da es dir lt. früherem Posting vor allem um den arbeitsrechtlichen Schutz geht, solltest Du den Antrag auf Gleichstellung stellen, falls Du das noch nicht getan hast.


das wird wohl zunächst das Beste sein, auch wenn es mir nicht wirklich schmeckt, weil ja der AG angeschrieben wird.
Ich habe gerade intern die Stelle gewechselt und der neue Chef weiß noch nichts von seinem Glück mit meiner Krankheit *g*
Aufgrund der neuen Stelle besteht akut auch keine Gefahr, man ist sehr glücklich mit mir - aber man weiß ja nie, ne?

Liebe Grüße
Clarice

29.09.2009 10:19 • #20


Zitat von Clarice:
tja, Satz mit X - auf einen Widerspruch habe ich nun 10 % mehr erhalten, also 40 %, aber auch nur, weil mein HNO mir einen Tinitus noch bescheinigt hat.
Ansonsten ist die Begründung,dass ich keine (fett und unterstrichen) dauernde Einbuße der körperlichen Beweglichkeit habe.

"Dem Widerspruch kann in soweit nicht entsprochen werden, als ein GdB von 50% nicht festgestellt werden kann. Nach den Befunden werden stärker behinderde STörungen mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und GEstaltungsfähigkeit (festgestellt, eingefügt von Clarice, das Wort fehlt), die gemäß VersMedV einen GdB von 30-40 bedingen. Unter Berücksichtigung der psychosomatischen Beschwerden (Tinitus) ist im vorliegenden Fall jedoch ein GdB von 40 vertretbar."


Guten Morgen,
ich hole mal einen alten Thread wieder hoch; muss ja keinen neuen Aufmachen, da hier mein Thema schon steht.

Da ich wieder mal eine depressive Phase habe (die zweite seit meinem Antrag 2009) überlege ich nun, einen Verschlechterungsantrag zu stellen.
Macht das überhaupt Sinn wenn die Ablehnung der 50 Grad wg. der fehlenden körperlichen Beweglichkeit war? Muss ich mit einer komplett neuen Prüfung der alten, bewilligten Begebenheiten rechnen?

Danke und viele Grüße
Clarice

28.05.2015 09:56 • #21


Niemand Erfahrung oder eine Einschätzung?

01.06.2015 10:45 • #22


Albarracin
Hallo Clarice,

Du schmeißt zwei Sachverhalte zusammen, die getrennt betrachtet werden müssen:

1. Die Feststellung der "dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit" ist ein steuerrechtlicher Tatbestand bei einem Gesamt-GdB von 30 oder 40. Nur diese Feststellung begründet den Anspruch auf einen steuerlichen Freibetrag gem. § 33b EStG iVm Teil D Nr. 1 d der Anlage zu § 2 VersmedV:
http://www.gesetze-im-internet.de/versmedv/anlage.html

Diese Feststellung gibt es nur selten für die Folgen psychischer Krankheiten.

2. Ob der derzeitige "Rückfall" einen Erhöhungsantrag begründen könnte, ist per "Ferndiagnose" schwer feststellbar. Es kommt dabei aber auch nicht auf die Zahl der "Remissionen" an, sondern auf die Schwere. Sofern die jetzigen Auswirkungen im Wesentlichen denen von 2009 ähneln, dürfte es keinen Grund für eine Erhöhung geben, da Du mit Einzel-GdB 40 schon relativ hoch eingestuft bist.
Vielleicht ist ja seit 2009 eine neue Behinderung hinzugekommen oder (was ohne professionelle Beratung vor der Antragstellung recht häufig passiert) sind bereits bestehende gesundheitliche Einschränkungen nicht geltend gemacht wurden, da sie nicht als Behinderung wahrgenommen wurden. Das passiert nach meiner Erfahrung sehr häufig mit Erkrankungen wie Allergien, Bronchialasthma, Migräne, die bei genauer ärztlicher Schilderung der Umstände (Anfallshäufigkeit, Schwere und Dauer der Anfälle bzw. bei Hautkrankheiten Größe und Ort der Befallstellen) zT recht hohe Einzelbewertungen ergeben. Auch Erkrankungen wie zB Zöliakie/Sprue, Laktoseintoleranz oder Refluxösophagus (= Sodbrennen) werden gerne vergessen, obwohl sie für den Gesamt-GdB relevante Einzelwerte ergeben können.
Wenn Du eine weitere Erkrankung hast, kannst Du auch nur die Feststellung und Bewertung der zusätzlichen Erkrankung beantragen.
In der speziellen Versorgungsmedizin-Mathematik würde eine weitere Behinderung mit mindestens Einzel-GdB 20 im Verbund mit Einzel-GdB 40 für psychische Erkrankung auch zu einem Gesamt-GdB von mindestens 50 führen.

01.06.2015 17:11 • #23


Lieber Wolfgang, vielen Dank!
Das hilft sehr weiter.
Nein, die Beschwerden sind letztlich die gleichen wie 2009 bei Bewilligung.

Ich bin allerdings auf Dauer immer weniger belastbar, auf der Arbeit, im privaten Alltag. Mir macht es einfach Sorgen, wie es weiter gehen soll, ich werde ja auch nicht jünger und sehe mich nicht bis 67 arbeiten, bei dem Tempo und Druck der immer wieder herrscht.

Meine chronischen Rückenschmerzen kann ich glaub ich nicht ausreichend belegen. 3 Orthopäden und ein Rheumatologe, alles ohne handfesten Befund und jeweils der Aussage, dass ich einfach mehr Sport machen müsse.
Zu wenige Fehltage deswegen. Ich ertrage sie einfach und lebe damit, war nun Monate nicht beim Orthopäden deswegen.

Weitere Erkrankungen kann ich, zum Glück, nicht einwerfen, auch wenn ich natürlich mal Kopfschmerzen habe, gerade mit Heuschnupfen kämpfe, aber alles im Rahmen.

Dann werde ich es wohl erstmal lassen.

Danke und viele Grüße,
Clarice

01.06.2015 19:44 • #24


Albarracin
Hallo Clarice,

Zitat:
Ich bin allerdings auf Dauer immer weniger belastbar, auf der Arbeit, im privaten Alltag. Mir macht es einfach Sorgen, wie es weiter gehen soll, ich werde ja auch nicht jünger und sehe mich nicht bis 67 arbeiten, bei dem Tempo und Druck der immer wieder herrscht.

Das spricht aber evtl. für eine Teilerwerbsminderung, wenn es sich tatsächlich um mangelhafte Stressreagibilität und chronische Erschöpfung handeln sollte.

09.06.2015 15:41 • #25


Anima
Ich hänge mich heute an den Strang hier an:

Bisher habe ich einen GdB von 30 % aufgrund der chronisch rezidivierenden Depression. Habe Gleichstellung bewilligt bekommen, bin "austherapiert". Bisher war mir die Therapie immer eine "Krücke" an der Hand, um so manches Tief zu durchschiffen, ohne dass ich depressionsbedingt ausgefallen bin auf der Arbeit.
Aufgrund von Operationen und Schmerzen hat die Depression wieder einen zunehmenden Schweregrad bekommen und meine Therapeutin hat mir zum Abschied auch empfohlen, einen Verschlechterungsantrag zu stellen mit der Begründung, dass ich lange in Behandlung bin und ohne Therapie mit den Krisen nicht mehr fertig werde (therapieressistente Depression - habe ja die Bescheinigung) und die Kombination mit chronischen Schmerzen die Depression verschlechtert. Dass ich arbeitfähig bleiben möchte, dass es in Krisen aber immer wieder Unterbrechungen geben wird, die ggf. meinen Arbeitsplatzerhalt gefährden können.

Macht es Sinn, es so zu versuchen? Ich bin ganz sicher intelligent genug, eine Arbeit auszuführen, dennoch schaffe ich mich immer weniger belastbar, vor allem wenn Zeitdruck dahinter steht.

Hilft ggf. der VdK mit einer Beratung weiter? Ich lese hier gerade etwas von "Teilerwerbsminderung" - wie ist das zu verstehen?

11.09.2017 19:02 • #26