Schüchtern trotz ADHS - soziale Probleme / Depressionen

numb

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Hi.

Ich habe so was noch nie geschrieben und keine Ahnung was für ein Problem ich eigentlich adressieren will, da ich irgendwie viel zu viele davon habe (also tut es mir Leid falls das hier die falsche Kategorie dafür ist), aber ich glaube ich werde einfach mal mein Leben und meine jetzige Situation kurz zusammenfassen, vielleicht kann ja irgendjemand irgendwas dazu sagen was hilfreich ist. Schaden wirds wohl nicht, auch wenn ich mir vielleicht einfach nur ein paar Sachen von der Seele reden will.

Also zu meiner Vorgeschichte: Eigentlich begann alles recht normal und gut in meiner Kindheit, allerdings war ich schon damals - also quasi von Geburt - aus recht zurückgezogen und hatte gewisse Schwierigkeiten mit dem Umgang mit anderen Menschen und war ruhig und schüchtern trotz meiner ADHS. Als ich dann in die 5. Klasse eines Gymnasiums gekommen bin, mit neuer Klasse (auch ein paar Schüler aus meiner Grundschule) etc., wurde ich dass Ziel von Mobbing über einen Zeitraum von ca. 2 Jahre, was zurückblickend glaube ich größtenteils auf meine Körpergröße (war schon immer der Kleinste) zurückzuführen war (und meine gewissen sozialen Schwierigkeiten). Es hörte auf als der Mobber dann auf die Mittelschule wechselte und worauf ich mich langsam in die Klasse einlebte aber diese Looser-Rolle trotzdem nie richtig losbekam. Schätze das ist einer der Gründe warum ich kein Selbstwertgefühl, geschweige denn Selbstbewusstsein habe. Meine Eltern/Familie könnte ein zweiter sein. Um das klarzustellen meine Eltern waren an sich stets bemüht und kümmerten sich gut um mich etc. aber auch wenn sie mir nie etwas böses wollten im Gegenteil haben sie mir doch nicht geholfen. Ich hatte nie das Gefühl dass sie an mich glaubten, meine Mutter erledigte alles für mich weil sie evtl. dachte ich würde es nicht schaffen würde und mein Vater machte mich, zumindest verbal, für das zunehmende Scheitern seiner Ehe und seine Unglücklichkeit verantwortlich (wahrscheinlich hat er diese Äußerungen bereut nachdem der Streit vorbei war, aber ich kann dass nur vermuten da er eigentlich ein wirklich gutes Herz hat und zugegebenermaßen viele Probleme). Ich war immer an allem Schuld, ich kenne das Gefühl nicht dass jemand an mich glaubt geschweige denn dass mich jemand liebt, denn ich habe diese 3 Worte noch nie von jemandem gehört und auch noch nie zu jemandem gesagt. Man ist sich zwar irgendwie bewusst dass seine Eltern einen lieben aber gleichzeitig ist mir auch bewusst dass sie gar keine Wahl haben, sie müssen mich (theoretisch) lieben, das ist einfache Biologie. Mit dem Gedanken im Hinterkopf fällt es mir natürlich schwer zu glauben dass mich jemand, der die Wahl hat, mich tatsächlich lieben könnte wenn es schon meine Eltern, die eigentlich von der Natur aus dazu gezwungen sind, nicht einmal aussprachen. aber weiter mit der Geschichte. Als ich in der 8. Klasse war wurde bei mir eine Skoliose (eine Verkrümmung der Wirbelsäule) diagnostiziert, die mich dazu zwang für 2 Jahre 23 Stunden am Tag an schmerzhaftes Korsett aus Plastik zu tragen (dass man durch Shirts teilweise durchsah) und dass am Ende nicht mal etwas brachte. aber dazu später mehr. In den Sommerferien zwischen der 9. und der 10. Klasse sollte ich dann den Moment erleben der mein Leben, zurückblickend betrachtet, für immer verändern sollte. Bei meiner Mutter wurde ein inoperables Glioblastom (aggressivste Form des Hirntumors) diagnostiziert. Ich werde diesen Abschnitt meines Lebens sehr kurz fassen weil ich was ich erlebt habe und was ich für einen Schmerz gefühlt habe nicht mit Worten beschreiben könnte, auch wenn das nach Klischee klingt. Es gibt wohl weniges was schlimmer ist als im Alter von 15 Jahren hilflos zuzusehen wie seine Mutter mit der Zeit jegliche physischen Fähigkeiten (sprechen, motorische Fähigkeiten,. ) und psychischen Fähigkeiten verliert. Der Tumor hat sie innerhalb eines Jahres vom optimistischsten, positivsten und lebensfrohestem Menschen den ich je getroffen habe zu einem hoffnungslosen Häufchen Elend verwandelt das gelähmt im Rollstuhl saß, unfähig sich zu unterhalten und inwiefern sie noch vernünftig denken konnte weiß man nicht genau, ich Hoffe ihr zu liebe aber dass sie dazu nicht mehr im Stande war. Sie wohnte immer abwechselnd im Krankenhaus und im Altersheim . mit 45. Das letzte mal dass ich sie sah war an ihrem 46. Geburtstag. Sie lag im Krankenhaus, mit einem Schlauch beatmet regungslos und mit leeren Augen an die Wand anstarrend im Bett. Als ich sie sah sagte ich: Alles gute zum Geburtstag Mama während sich meine Augen mit Tränen füllten und mein Kopf mit einem mal zu realisieren schien dass sie sterben würde. Ich drehte mich sofort um und schloss mich auf der Toilette des Zimmers ein, brach zusammen und weinte so stark dass es sich beinahe gut anfühlte. Es sollte das letzte mal gewesen sein dass ich sie gesehen habe. 2 Wochen später starb sie.
Über das Jahr in dem sie krank war habe ich mich stark von ihr distanziert und sie nicht sehr liebenswert behandelt da ich nicht damit umgehen konnte und es einfach verdrängen wollte. ich konnte sie teilweise nicht einmal anschauen. ich konnte und wollte es einfach nicht fassen, was aus ihr geworden war. Jedes mal als wir zu ihr ins Krankenhaus gefahren sind, habe ich mir vorgenommen ihr zu sagen dass ich sie liebe, aber ich habe es nie geschafft. Ich hasse mich dafür wie ich zu ihr in ihrem letzten Jahr war und ich hasse es wie ich sie in Erinnerung habe, dass alles was mir in den Sinn kommt wenn ich an sie denke Schmerzen sind. Ich habe nie mit jemandem darüber gesprochen weil ich erstens ein Problem damit habe mich zu öffnen und ich zweitens nicht wüsste mit wem. Die Krankheit meiner Mutter hat nicht nur mich, sondern auch meine Familie (oder was davon übrig war), meine Freundschaften und eigentlich alles andere in meinem Leben zerstört. Ich glaube ich war schon immer einsam. allerdings wird man sich dem erst richtig bewusst wenn man wirklich jemanden braucht, wie zu dieser Zeit. Auch wenn es schwer ist jetzt eine Überleitung zurück zu meiner Lebensgeschichte zu machen, tuhe ich das jetzt einfach. Wie schon erwähnt brachte das Korsett das ich schmerzhaft über 2 Jahre hinweg trug nichts und meine Wirbelsäule wurde per Operation versteift. Das ist die schwierigste Operation die am menschlichen Skelett möglich ist, wie mir gesagt wurde, und sie war ca. 3 Monate nach dem Tod meiner Mutter. Ich hatte eine Woche lang nach der OP, trotz zahlreicher Verkabelungen die mich mit Schmerzmitteln versorgten, durchgehende Höllenschmerzen die erst nach 1 Monate komplett verschwunden waren. Zusätzlich konnte ich 3 Monate lang nicht stehen/gehen, was den Schulbesuch unmöglich gestaltete und ich somit die 11. Klasse wiederholen musste. In die neue Klasse fand ich nicht so richtig ein und konnte mich, trotz guter Noten, nicht für die Schule motivieren und begann oft krank zu spielen um zu schwänzen. Jeder Tag war eine Qual. Ich hatte so viele mentale Probleme die ich nicht aus meinem Kopf bekam und dann sollte ich den ganzen Tag lächeln um dazuzugehören und mich konzentrieren (was sowieso schwer fällt mit ADHS). Es war einfach zu viel, es hatte sich soviel in mir angestaut, ich konnte einfach nicht mehr. Ich brach die Schule recht spontan kurz vor Ende des ersten Halbjahrs ab. Ich wusste was das für Auswirkungen hatte aber ich hatte mir gesagt ich kann so nicht weitermachen, ich will nicht mehr jeden Tag leiden, so werde ich nie auch nur ansatzweise glücklich werden. Nun war ich also zu Hause, den ganzen Tag alleine. Allerdings hatte ich Zeit über mein Leben nachzudenken und darüber was ich wollte und wie ich eventuell eines Tages glücklich werden könnte. Aufgrund von zahlreichen Empfehlungen und eines IQ-Tests wurde mir geraten meine Schullaufbahn fortzusetzen und mein Poten. nicht zu verschwenden (habe einen IQ von 138). Ich hatte zwar bereits begriffen dass mich Schule, Karriere etc. nicht glücklich machen würden, sonder nur Beziehungen zu anderen Menschen aber ich wollte mir selbst beweisen dass ich das konnte und außerdem hätte mir eine Ausbildung oder ähnliches auch nicht mehr gebracht. Also bewarb ich mich an einem Beruflichen Gymnasium an dem ich jetzt bin. Falls jemand diesen Text tatsächlich bis hierhin gelesen haben sollte, hat er sich die ganze Zeit bestimmt gefragt warum ich nie eine Therapie gemacht habe. Die Antwort ist, ich war nicht bereit dafür, nicht bereit mich zu öffnen. Als ich es endlich war zog mir das Leben wie immer einen Strich durch die Rechnung. Mein Vater hatte einen Nervenzusammenbruch da auch er psychisch am Ende war und war ab da an 3 Monate stationär in einer Psychiatrie. Da saß ich also alleine zu Hause mit meiner Schwester (wir reden nicht mehr wirklich miteinander). Ich musste viele Aufgaben übernehmen aber das war schon irgendwie machbar. Was mich besonders daran störte ist dass ich nun nicht zu einer Therapie gehen konnte bevor ich wieder zu Schule ging, denn wenn ich das täte wäre kein 18-jähriger mehr zu Hause gewesen und meine Schwester hätte zum Jugendamt in eine Wohngruppe gemusst und hätte ihr Schule wechseln müssen. Jetzt hat die Schule begonnen und somit wars das mit der Therapie (auch wenn ich eh denke dass sie mir nicht großartig helfen würde). Soviel also zu meinem Leben. Jetzt zu meiner aktuellen Situation:

Die neue Klasse ist echt nicht verkehrt und mit den 3 anderen Jungs in der Klasse versteh ich mich gut. Außerdem bin ich, zumindest zurzeit, Klassenbester. Insofern also alles gut. Ich glaube das Hauptproblem das ich zurzeit habe, ist die Einsamkeit. Ich habe immer noch keine richtigen Freunde geschweige denn eine Freundin. Normalerweise rede ich nicht über so etwas, aber es ist eben das, was mich zurzeit am meisten Beschäftigt, also was solls. Es gibt dieses Mädchen in meiner Klasse, in das ich mich verguckt habe. Ich sah von Anfang an einen gewissen Schmerz in ihren Augen (ja ich weiß wie das klingt) und später stellte sich heraus dass ihr Vater gestorben war als sie 1 Jahr alt war, was ihren Blick wohl erklärte. Dadurch fühlte ich mich von Anfang an irgendwie mit ihr verbunden und dachte sie könnte mich vielleicht verstehen, weil sie ähnliches erlebt hat auch wenn man die beiden Sachen in ihrem Einfluss auf die Persönlichkeit nicht vergleichen kann. Um nicht darum herum zu reden, ich glaube ich wäre gerne mit ihr Zusammen aber ich glaube ich kann nicht, und weiß auch nicht wie das gehen soll. Davon abgesehen dass sie mich wahrscheinlich gar nicht attraktiv findet und wir gleich groß sind (was problematisch werden könnte da sie noch wachsen könnte und ich aufgrund meiner versteiften Wirbelsäule nicht) gibt es so viele andere Gründe die mich davon abhalten. Ich will wirklich einfach Zeit mit ihr verbringen, ich will mich mit ihr unterhalten, Ich will mich ihr öffnen. Aber ich weiß einfach nicht wie Beziehungen gehen, ich hatte noch nie eine Freundin, Ich habe keine Hobbies, Ich war noch nie auf einer richtigen Party, Ich habe komplett andere Erfahrungen als andere in meinem Alter (18). Ich hasse es Flaschendrehen oder ich hab noch nie zu spielen weil ich gefühlt noch nie etwas gemacht habe und es einfach nur peinlich ist jedes mal. Ich habe Angst das sie sich von mir entfernt, falls ich mich ihr öffne. Ich bin mir nicht einmal sicher ob ich sie überhaupt für eine Freundin bereit bin oder ob ich einfach nur jemanden zum Ausheulen brauche und dafür will ich sie nicht benutzen. Ich meine ich tauge doch als Freund auch überhaupt nichts. Ich hab nichts als Probleme mit denen ich sie volllabern würde, Ich habe keine Ahnung was man macht wenn man zusammen ist, ich meine ich habe keine Hobbies, mein Leben ist einfach nur traurig und peinlich, wer will davon schon ein Teil sein? Aber das alles ist eh viel zu weit gedacht, wenn ich ehrlich bin weiß ich nicht mal wie ich eine Beziehung in die Wege leiten sollte. ich habe viel zu wenig Selbstvertrauen um ihr einfach nur zu sagen dass ich sie mag und ich will auch nicht aufdringlich wirken und es soll auch komischerweise nicht so aussehen als ob ich auf sie stehe (fragt mich nicht warum), Ich finde das einfach irgendwie peinlich. Wie gesagt ich würde einfach gerne Zeit mit ihr verbringen und mit ihr Reden, aber ich weiß nicht wie und habe im Unterbewusstsein bestimmt auch Angst dass sie falls ich ihr das sage, sie keine Zeit mit mir verbringen will, was total dumm ist da sie, wenn ich es ihr nicht sage sie ja eh keine Zeit mit mir verbringt. vielleicht bin ich ja einfach nur Feige.

Es tut mir Leid wenn der letzte Teil des Texts etwas durcheinander ist aber das waren einfach nur die Gedanken die in meinem Kopf umher kreisten.
Falls es also tatsächlich jemand bis hierhin ausgehalten hat, würde ich mich natürlich über jede Antwort, jeden Tipp usw. freuen. Ich weiß dass es keine Antwort gibt die mein ganzes Leben wieder gerade biegt und alle meine Probleme beseitigt, trotzdem würde ich mich über Rückmeldungen freuen zu allem was euch zu meinem Text einfällt, zu allem zu dem ihr etwas sagen wollt, und wenn es nur eine winzige Sache ist.

Danke :)

26.10.2018 21:14 • #1


hardymei

hardymei

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Moin.

Ursprünglich hatte mich die Kombination "schüchtern/ADHS" auf deinen Beitrag aufmerksam gemacht, da mein Sohnemann auch mit ADHS zu tun hatte. Nachdem ich aber den Beitrag gelesen habe .... ja, komplett, bis zum Schluß ..... fällt mir als einigermaßen erste Reaktion eigentlich nur die Frage ein, ob es dir vielleicht tatsächlich schon ein bißchen geholfen, zumindest gut getan hat, das alles niederzuschreiben? Immerhin hast du das im Verlauf deines Beitrages selbst angedeutet.

Liebe Grüße

27.10.2018 17:24 • #2




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