Psychoanalyse - die richtige Therapieform für mich?

Sonnenblume20

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Hallo,

ich bin im Moment sehr unsicher, was die Therapieform aber auch den Therapeuten betrifft.

Ich mache seit April 2008 eine Psychoanalyse. Anfangs hat es nur 1 x wöchentlich statt gefunden, weil mir noch eine Reha bevorstand.

Seit Oktober 2008 gehe ich 2 x wöchentlich hin. Ich wusste ehrlich gesagt von Anfang an nicht, ob der Therapeut mir wirklich zusagt. Hatte 2 zur Auswahl und habe aber blöderweise nicht beide ausprobiert. Da es "erst mal ganz O.K. war", bin ich bei dem ersten geblieben. Der hatte eben auch keine Wartezeiten, ich konnte gleich anfangen.Ich wusste allerdings ja auch nicht wirklich, auf was ich wirklich achten sollte. Er ist freundlich, sehr distanziert, was ich aber auch nicht schlimm finde, das muss bei einer Psychoanalyse glaube ich auch so sein. Er ist halt auch ein Mann. Mir hat man bei einem psychoanalytischen Institut, wo ich um Beratung gebeten habe, welche Therapieform für mich am geeignetsten ist, eben diese Psychoanalyse empfohlen. Und man hat mir auch angeraten, diese bei einem Mann zu machen, obwohl ich während meiner langen Ehe permanent S. Missbrauch erlebt habe.
Das wäre ja umso besser, dann könnte ich mich wegen meiner "Angst" vor Männern ja gleich mit einem Mann auseinandersetzen.
Dazu sagen muss ich, dass ich nicht auf einer Couch liege, obwohl das ja wohl so gang und gebe ist.
Er hat mich nie dorthin eingeladen und ich habe es bis vor kurzem auch nicht angesprochen, weil es mir auch sehr recht war.

Ich habe es halt so angenommen, weil ich leider oft sehr "brav" und anpassungsfähig bin.

Mir ist diese Therapie im großen und ganzen aber zu schweigsam. Es ist oft so, dass er während der 50 min. vielleicht drei Sätze oder wen´s hoch kommt 5 Sätze sagt. Ich weiß oft gar nicht mehr, was ich noch sagen soll (habe mittlerweile ca. 80 Stunden absolviert, 300 sollen es mindestens werden). Ich denke mir dann krampfhaft was aus, nur um was zu sagen. Das lange Schweigen zwischendurch, wenn ich nichts sage, kann ich auch oft nicht aushalten. Es gibt zwar auch bessere Stunden, wo ich viel erzählen kann, weil ein Thema gerade aktuell ist, aber oft genaug schaue ich auch auf die Uhr und bin froh, wenn die 50 min. vorbei sind. (Die Sätze, die der Thera sagt, haben schon Hand und Fuß, sind auch interessant, aber es ist mir irgendwie zu wenig.)

Habe es beim Thera auch schon angesprochen. Er sagte, dass gehöre zu so einer Therapie dazu, dass man immer und immer wieder dasselbe sagen würde. Irgendwann würde mir dann eine Lösung einfallen.

Habe letztens den Thera mal gefragt, ob er denn meint, dass ich irgendwelche Fortschritte gemacht hätte. Daraufhin sagte er, das müsse ich selbst einschätzen und merken. Er würde dazu nichts sagen, weil er nicht manipulieren möchte.

Die einzigsten Fortschritte, die ich merke, sind, dass mir viele Dinge, wie ich bin und warum ich so bin, bewusster geworden sind. Aber es geht mir nicht besser, im Gegenteil. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Selbstbewusstsein immer kleiner wird und ich mich immer mehr in mich zurück ziehe. Vielleicht ist das während einer solchen Therapie ja auch normal.

Ich bin wie gesagt am überlegen, ob ich evt. den Therapeuten wechseln soll (ich weiß ja nicht, ob die Psychoanalytiker alle so sind) oder ob die Therapieform für mich viell. nicht gut ist.
Ich finde es schon interessant, so ins Unterbewusste hinein zu gehen, aber ich möchte auch gerne Unterstützung haben, wenn ich mal nicht weiter komme oder nicht weiß, was ich sagen soll. Aber da kommt wie gesagt nichts außer die Frage "Was geht denn jetzt in ihrem Kopf vor?" Außerdem hätte ich gerne auch zwischendurch mal ein Feedback, wo ich stehe und wie es weiter gehen kann. Aber das gehört ja wohl auch nicht zur Psychoanalyse hinzu.
Ehrlich gesagt, verdient ein Psychoanalytiker sein Geld ja sehr leicht. Bei drei Sätzen, die er sagt, muss er ja nicht viel leisten.

Ich weiß zumindest nicht, wie das weiter gehen soll.

Hier auch meine Fragen:

Hätte ich denn nach 80 absolvierten Stunden noch die Chance, den Therapeuten zu wechseln?
Oder hätte ich denn die Chance, die Therapieform zu wechseln? Vielleicht ist eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ja nicht ganz so schweigsam?

Würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir über eure Erfahrungen mit der Psychoanalyse (wenn ihr welche gemacht habt) berichten könntet und ob der Ablauf der Therapiestunden wirklich so normal ist.

Vielen Dank und viele Grüße

Sonnenblume20

01.08.2009 22:02 • #1


Serafina

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Hallo Sonnenblume,

ich kann das alles nur bestätigen, was du schreibst.

Ich habe 7 Jahre eine Analyse gemacht. Habe auch auf der Cpuch gelegen und manche Stunden ist nicht ein Wort gefallen. Schweigen. Das auszuhalten war für mich das Schwierigste. Aber auch beim Nachfragen hat mir mein Analytiker bestätigt, dass das dazugehört.

Letztendlich hat mir die Analyse sehr viel gebracht. Ziel ist es: Du mußt selbst darauf kommen, was du ändern willst und kannst, was dich bewegt, wie du
weiterleben willst usw. Es ist eben die schwerste Form der Therapie. Entweder siehst du es als Herausforderung oder zu wechselst. Du mußt dich damit gut
fühlen.

Hier mal eine Erläuterung:

Die Ziele der Psychoanalyse

Zielsetzung der Psychoanalyse ist es, Motive des Verhaltens einer Person zu erkennen und Handlungsweisen zu verstehen. Sie steht damit in der Tradition der Geisteswissenschaften. Die Psychoanalyse versucht zurückschauend das jetzige Verhalten in einen sinnvollen Zusammenhang mit vergangenen Erfahrungen zu bringen. Kann ein solcher Sinnzusammenhang hergestellt werden, gilt das Verhalten als verstanden.
Die Suchrichtung wird bestimmt durch die psychoanalytische Theorie, die aufgrund vorausgegangener Beobachtungen entwickelt wurde. Der Person nicht bewusste Motive spielen beim Verstehen eine große Rolle. Nicht das Experiment gilt als Erkenntnismethode, sondern die sinnvoll geordnete und im Wechselspiel mit einer Theorie interpretierte Beobachtung.

In der Psychoanalyse werden als Ursache von Störungen Konflikte angesehen, deren Lösung die psychischen Fähigkeiten einer Person überforderte. Da Konflikte unangenehm sind, werden sie häufig durch einen Schutzmechanismus in der Person aus dem Bewusstsein ausgeblendet. Solche in der Folge unbewussten Konflikte sind aber weiterhin vorhanden und unterstützen die Symptome.

Große Wirksamkeit entfalten Konflikte in der frühen Kindheit, da Kinder weniger als Erwachsenen die Reife fehlt, eigenständig zu einer Lösung der Konflikte zu kommen. Aus diesen Gründen beschäftigt sich Psychoanalyse primär mit den in der Person liegenden Bedingungen für Störungen, während Verhaltensmedizin sich mehr auf die Lebensbedingungen einer Person bezieht.

In der Psychoanalyse sind unbewusste Motive und Konflikte das eigentlich Interessierende. Diese Motive können nicht direkt beobachtet, sondern nur erschlossen werden. Die Ergebnisse der eingesetzten Testverfahren bedürfen daher der Interpretation durch den Untersucher. Die Tests sollen dem Verständnis der Person dienen, nicht aber der Quantifizierung ihrer Merkmale. In der Psychoanalyse werden Verfahren eingesetzt, die darauf hinzielen, zu den unbewussten Motiven vorzudringen und diese dem Patienten zu verdeutlichen. Verhaltensweisen werden interpretiert, d.h. es wird ein Bezug zu dem Unbewussten hergestellt. Hierbei spielen die Analyse von Träumen und von Äußerungen des Patienten im therapeutischen Gespräch eine große Rolle.

Es wird davon ausgegangen, dass ein Patient, der sich und seine unbewussten Motive besser kennen gelernt hat, auch seine Störungen, die hierauf beruhen, selbst kontrollieren lernt. Ein direktes Einüben neuen Verhaltens wird nicht als so bedeutend angesehen. Wenn Psychoanalytiker die Interaktionen zwischen Mutter und Kind interpretieren, sind sie gezwungen diese Interpretationen aus der Sicht des Erwachsenen vorzunehmen. Das unmittelbare Erleben des Neugeborenen und des Kleinkindes ist ihnen nicht zugänglich. Die Mitarbeit des Patienten ist eine unabdingbare Voraussetzung für den Therapieerfolg in jedem Verfahren. Um diese Mitarbeit zu sichern, sollte zu Beginn der Therapie ein vorläufiges Modell erarbeitet werden, das die Entwicklung und Aufrechterhaltung der psychischen Störung erklärt. Dieses Krankheitsmodell liefert wichtige Anhaltspunkte für die Therapie, so dass in einem zweiten Schritt ein Behandlungsmodell abgeleitet werden kann, das eben diese Implikationen des Krankheitsmodells für die Therapie verbalisiert.

Über die Art, Dauer und Prognose der Therapie entscheidet nicht allein die Symptomatik (zum Beispiel Ausmaß der Behinderung oder Chronizität), sondern daneben auch die aktuellen Lebensumstände (Arbeitslosigkeit, Schulden, andere schwer auflösbare Abhängigkeiten) und vor allem Persönlichkeitseigenschaften von Patient (und Therapeut!).

Alles Gute.

Serafina

02.08.2009 10:52 • #2


Sonnenblume20

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Liebe Serafina,

vielen Dank für Deine so umfangreiche Antwort. Das hilft mir sehr viel weiter.

Ich glaube schon, dass man bei einer Psychoanalyse auch sehr viel Geduld braucht, die ich manchmal gar nicht so habe.

Ja, wie das so ist, man möchte es eben gerne schnell gelöst haben.

Ich fühle mich mit der Therapie teils gut, aber manchmal eben auch nicht. Aber ich versuche zu lernen, meine Probleme mit der Therapie, dem Therapeuten mitzuteilen. Das habe ich lange nicht getan, weil´s mir zu peinlich und unangenehm war. Ich dachte, der Thera könnte denken, dass ich ihn in Frage stelle und hatte Angst, dass die Vertrauensbasis so kaputt geht.

Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Thera ja sogar dankbar war, wenn ich was gesagt habe, auch wenn er nicht viel darauf erwidert hat. Ja, nur so kann er mich auch immer besser kennen lernen.

Also ich werde einfach weiter schauen und es immer mal wieder ansprechen, wenn´s unangenehm wird.

Zitat von Serafina:
Schweigen. Das auszuhalten war für mich das Schwierigste.


Das stimmt auch, das ist für mich auch das schlimmste. Ich kann mit diesem Schweigen nicht entspannt sein, stehe absolut unter Druck. Nach einer gewissen, eher sehr kurzen Zeit sage ich einfach irgendwas, obwohl ich lieber weiter schweigen würde. Ich denke dann auch, dass so eine Stunde ja dann auch umsonst ist, wenn man nur schweigt. Vielleicht könnte der Thera ja auch denken, ich wollte nicht mehr mit arbeiten. Ja, ja, die lieben Gedanken, die sich einem dann immer aufdrängen!

Aber ich habe mir vorgenommen, es einfach mal auszuprobieren, so lange zu schweigen, wie ich will. Und wenn´s die ganze Stunde dauert. Mal schauen, was dann passiert.
Eins hat der Thera mir ja letzte Stunde gesagt, nämlich dass ich nicht dazu da bin, ihn mit interessanten Beiträgen zu unterhalten. Ich müsste nicht dafür sorgen,dass es dem Thera gut geht. Da hat er natürlich recht!

Was die Träume angeht, so träume ich leider recht wenig, bzw. ich träume schon oft, aber wenn ich wach bin, kann ich mich meistens gar nicht mehr oder an nicht mehr viel erinnern.
Auch das ist mittlerweile Druck für mich, weil ich denke, ich müsste viel mehr träumen und wenn ich es nicht tue, könnte das ja der Beweis sein, dass bei mir etwas nicht stimmt oder dass ich nicht fähig bin, diese Therapie erfolgreich zu absolvieren.

Zitat von Serafina:
Um diese Mitarbeit zu sichern, sollte zu Beginn der Therapie ein vorläufiges Modell erarbeitet werden, das die Entwicklung und Aufrechterhaltung der psychischen Störung erklärt. Dieses Krankheitsmodell liefert wichtige Anhaltspunkte für die Therapie, so dass in einem zweiten Schritt ein Behandlungsmodell abgeleitet werden kann, das eben diese Implikationen des Krankheitsmodells für die Therapie verbalisiert.


Das ist in meinem Fall leider nicht passiert. Ich hatte diese 5 Stunden, habe eben über mich erzählt, musste zuhause noch einen Fragebogen von ca. 100 Fragen ausfüllen. Am Ende der Probesitzungen hat er mich dann gefragt, ob er einen Antrag bei der Krankenkasse stellen soll. Ich habe bejaht. Und das war´s. Er hat auch nie darüber gesprochen, wie er mich einschätzt, es ist kein Wort über eine Diagnose oder die Art der psychischen Störungen gefallen, bis heute nicht.
Das ist glaube ich ja auch mit ein Grund, warum ich so unsicher bin.

Er hat damals einen Antrag auf Kurzzeittherapie (25 Stunden) gestellt. diesen habe ich auch durch meine Krankenkasse bestätigt bekommen.
Einen Verlängerungsantrag habe ich nie zu Gesicht bekommen. Ich habe ihn zwischendurch mal gefragt, ob die Krankenkasse es denn genehmigt hätte, da hat er gesagt, er hätte den Antrag noch nicht gestellt, aber das müsste ja nicht meine Sorge sein.

Ich musste damals unterschreiben, dass der Hausarzt keinen Bericht von ihm bekommen würde. Er hat mir erklärt, das wäre einfacher für ihn, aber ich könnte das ja auch jederzeit widerrufen. Das kam mir auch komisch vor.

Im Rahmen meiner Scheidung hatte ich ihn auch mal gebeten, ob er einen Bericht für das Gericht schreiben könnte (es ging hier um die Art meienr Erkrankung und um die Tatsache, dass ich nicht arbeitsfähig bin). Das hat er abgelehnt, weil er sich aus solchen Sachen raus halten würde.

Also bis heute weiß ich nichts von einer genaueren Diagnose. Er spricht nicht darüber.Naja, ich müsste ihn wahrscheinlich fragen.

Eine Diagnose habe ich nur von meinem Psychiater.Trotzdem würde es mich natürlich interessieren, wie er mich denn so einschätzt. Er weiß zumindest ein vielfaches von mir im Gegenteil zu Hausarzt und Psychiater.

Da hilft wohl nur eines: Mutig sein und ansprechen!

Liebe Grüße

Anette

02.08.2009 15:44 • #3


Serafina

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Hallo Anette,

glaub mir, ich weiß genau, wovon du schreibst.

Bei mir war es oft so, dass ich dann kurzfristig meine Stunde abgesagt habe, weil ich Angst vor dem Schweigen hatte. Schnell ist er mir aber auf die Schliche gekommen und wir haben offen darüber gesprochen. Und wenn mir mal wieder die schweigende Situation unangenehm war, habe ich es einfach gesagt. Ich habe ihm gesagt, dass es mir zurzeit schlecht geht und ich nicht weiß, was ich sagen soll. Ein Druck entsteht, die Stille zu durchbrechen usw.

Menno, es ist schwer. Aber gerade DIE Therapieform ist ja auch die Schwierigste. Halte durch, irgendwann gehst du daraus, und bist 10 cm größer.

Ich drück dir die Daumen.

LG von Serafina

02.08.2009 16:22 • #4


Sonnenblume20

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Hallo Serafina,

vielen Dank nochmal für Deine aufbauenden Worte.

Jetzt habe ich doch wieder einen viel positiveren Bezug dazu und auch wieder Mut, da weiter zu machen.

Irgendwo in meinem Herzen weiß ich auch, dass das ein guter Weg ist. Und Du hast recht, das Schweigen anzusprechen, dieses ungute Gefühl, was da in einem hochsteigt, wird der bessere sein, als sich ständig dem Druck zu stellen.

Auch Dir alles Gute für Deinen Weg!

Lieber Gruß

Anette

02.08.2009 19:03 • #5


Serafina

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So danke auch ich dir für deine Worte, die mir guttun.

Wir werden es gemeinsam schaffen.

Serafina

02.08.2009 21:00 • #6


Sonnenblume20

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Hallo serafina,

ich war heute wieder bei meinem Thera und es lief ganz gut und positiv. Ich war ganz offen, habe z.b. das Thema "Liegen auf der Couch" angesprochen, was ich ja nicht mache (ich sitze ja schon seit 80 Std. auf einem Sessel).
Ich war ganz offen, habe meine Ängste und meine unangenehmen Gefühle geäußert und... es hat gut getan, so offen zu sein. Er hört sich ja auch alles immer geduldig an und ich habe gemerkt, dass es ja auch für ihn wichtig ist, wenn ich ganz ehrlich bin. Und für mich ist es ja auch wichtig, herauszufinden, warum ich so einen Horror vor der Couch habe.

Also alles in allem bin ich heute wieder mal "gut" aus der Stunde rausgegangen und werde einfach in Zukunft, wenn meine Zweifel wieder kommen sollten, diese zwar auch bei ihm ansprechen, aber auch an deine Worte denken, die mir sehr weiter geholfen haben.

Ich ziehe den Hut vor dir, dass Du diese Analyse über so viele Jahre gemacht hast, ohne aufzugeben.

Liebe Grüße!

Anette

03.08.2009 20:38 • #7


Sonnenblume20

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Danke, moon, für dieses Feedback.

Ich kenne persönlich keine Menschen, die eine Analyse gemacht haben.
Deswegen hatte ich auch keinen Erfahrungsaustausch und bin froh, dass ich mich hier mal austauschen kann.

Wie gesagt, bin ich schon wieder viel mutiger und werde in Zukunft beim Thera alles ansprechen, was mich bezüglich der Therapie evt. beunruhigt.

Also, wenn du Dich auch noch ab und an bezüglich der Therapie austauschen möchtest, kannst Du mich gerne auch anschreiben.

Auch für Dich alles Liebe und viel Mut und Kraft für die Analyse!

Sonnenblume

03.08.2009 21:40 • #8


Serafina

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03.08.2009 21:54 • #9


Sonnenblume20

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Hallo, ihr Lieben,

weil das Thema Psychoanalyse vor kurzem hier im Forum ein Thema war, ein User war sich dieser Therapieform auch nicht so sicher, habe ich entdeckt, dass ich hier ja damals einen Thread eröffnet hatte.

Ich möchte heute gerne hier schreiben, wie ich mittlerweile mit der Therapie zurechtkomme.

Ja, ich kann sagen, ich habe die Therapie trotz einiger Zweifel und Unsicherheiten nicht abgebrochen und fühle mich heute mit der Therapieform UND mit dem Therapeuten superwohl.

Was hat sich getan? Ich habe mehrere Gespräche mit dem Therapeuten geführt und habe ihn ganz ehrlich auf meine Gefühle angesprochen. Es kostete mich viel Mut und es ist bei ihm auf sehr positive Resonanz gestoßen.
Er war richtig froh, dass ich endlich so offen war und sagte nach einer Stunde, wo ich ihm mitteilte, dass ich kurz davor bin, die Therapie abzubrechen zu mir, das sei meine wichtigste Stunde gewesen.
Das Unwohlsein mit der Therapie hatte sehr eng mit meinen Lebensthemen zu tun.

Mir war der Dialog zu einsam, für mich war es fast ein Monolog. Ich setzte mich so unter Druck, weil ich dachte, ich müsste die Stunde füllen, ich müsste zwei mal die Woche á 50 min. etwas leisten. Und vor allen Dingen, ich müste etwas gutes leisten. Für mich stand fest, mir musste immer etwas einfallen, was ich sagen könnte, ich müsste nach einer gewissen Zeit von Besserung meines Zustandes sprechen können. Ich setzte mich nachts unter Druck, weil ich dachte, wenn ich träume,müsste ich mir den Traum merken können, damit der Therapeut ihn analysieren kann.

Und ich konnte ihn mir nicht merken!

Für mich war es irgendwann so, dass mir nichts neues mehr einfiel, dass ich irgendwie alles angesprochen hatte und dass ich bestimmt ein schlechter Patient bin, weil ich noch nicht gesund war, wo ich doch schon so viele Stunden Therapie hatte.
Mir war es so unangenehm zu schweigen, dass ich mir zwanghaft manchmal was aus den Fingern gezogen habe, nur damit das schweigen nicht zu lagen dauerte, denn ich könnte ja in Ungnade fallen, denn wenn ich schweige und nichts sage, könnte mir der Therapeut ja vorwerfen, dass ich nicht mitarbeite!

Teilweise hatte ich aus bestimmten Gründen große Angst vor dem Therapeuten (seine Person löst bei mir etwas unangenehmes aus), irgendwann kam es dazu, dass ich auf der Couch liegen sollte, was ich überhaupt nicht wollte, das flößte mir die größte Angst ein.

Ja, all das, habe ich dann irgendwann angesprochen, ich habe mir ein Herz gefasst und dachte, ich kann doch gar nichts verlieren.

Das war ca. nach 120 Stunden. Es war ein Riesenprozess für mich und pö á pö ging es mir besser.
Er ist sehr intensiv auf alles eingegangen, was ich gesagt habe und diese Stunde war eine sehr lebhafte Stunde, er hat noch nie so viel gesprochen wie in dieser Stunde! Er hat mich ermuntert, immer alles auszusprechen, auch wenn es negatives ist, was gegen ihn gerichtet ist. Er wollte und will es immer hören, weil gerade die Beziehung zwischen Therapeut und Patient besonders interessant ist.

Ich war eigentlich baff und völlig erleichtert, dass es so einfach ging!
Das hat mir alles sehr geholfen. Ich konnte mich viel mehr entspannen, ich machte mir keinen Druck mehr, was ich sagen soll. Früher konnte ich zwei Tage vor der Therapie mich auf nichts anderes konzentrieren, weil ich krampfhaft danach suchte, was ich denn jetzt neues und vielleicht interessantes erzählen könnte, damit er die Geduld mit mir nicht verliert.

Mittlerweile denke ich nicht mehr dran und fahre hin und lasse alles auf mich zukommen.

Ich merke mitlerweile durch meine sehr intensiven Träume (plötzlich kann ich träumen und mir manches merken),
dass sich etwas tut, irgendwie ist alles ein bisschen anders. Es wird vieles sehr bewusst und vor allem wird mir bewusst, wieviel in meinem Unterbewusstsein abgepackt ist.
Ich kann mich ganz gut reflektieren und ich merke aber, dass der Weg und auch die Therapie noch weitergehen wird.
Jetzt weiß ich, warum eine Psychoanalyse mit bis zu 3oo Stunden angesetzt ist, ich konnte mir am Anfang nicht vorstellen, was ich 300 Stunden alles erzählen soll.

Wenn mir Stunden zu einsam sind, dann spreche ich den Therapeuten direkt darauf an und bitte ihn, dass er jetzt doch mal etwas mehr sagen soll. Und meiner Bitte wird immer entsprochen.

19.06.2010 01:33 • #10


Sonnenblume20

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Mittlerweile habe ich ca. 160 Stunden hinter mir und freue mich auf jede Stunde. Es ist mir alles sehr vertraut und ich finde es sogar ein bisschen schade, wenn er mal Urlaub hat, was aber gar nicht oft vorkommt.

@Serafina,ich werde nie vergessen, wie Du mir geschrieben hast, dass Du so manche Stunde komplett geschwiegen hast.
Deine Worte habe ich heute noch im Ohr. Ich gebe zu, es kam bei mir noch nicht dazu, so lange zu schweigen, aber wenn ich die Stunde beginne und mir eben nichts einfällt, dann denke ich immer an Dich und weiß, auch Schweigen ist erlaubt und zur Not auch mal eine komplette Stunde!

Das wollte ich hier nochmal geschrieben haben, damit jeder hier erfährt, wie sich Situationen zum positiven wandeln können, wenn man mutig und auch sehr ehrlich ist!

Und ich bin froh, hier auch diesbezüglich den Austausch gehabt zu haben! Dankeschön!

19.06.2010 01:34 • #11


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Sarah

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Ich hoffe es ist OK, wenn ich diesen Thread noch einmal ausgrabe. Ich muss mich gerade "zwangsweise" mit dem Thema Psychoanalyse auseinander setzen. Ich habe mir die beiden Threads zu dem THema hier im Board schon mehrfach durchgelesen - aber wirklich weitergekommen bin ich nicht

Danke

14.04.2011 22:16 • #12


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Liebe Pikuba,

bitte stelle deine Frage genauer. Ich muss gestehen, dass es mich gerade ermüdet deinen ganzen Thread zu lesen und ich auch nicht verstehe, was du jetzt gerne wissen möchtest. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich wäre dir dankbar, wenn du hier in kurzen Worten schilderst, was dich bedrückt.

15.04.2011 09:32 • #13


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Sarah

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Hallo,

hier mal die Bedenken, die ich im Moment habe, wenn es darum geht, eine Analyse zu machen:

Zitat:
Erstmal das Setting, dort zu liegen und den Therapeuten nicht zu sehen. Alleine dabei habe ich schon das Gefühl zu verkrampfen. Vor allem das nicht sehen können macht mir Angst. Ich komme auch so schon schwer damit klar, nicht alles im Blick zu haben. Ich muss mein gegenüber sehen, muss denjenigen einschätzen können. Bei der Vorstellung daran habe ich das Gefühl, dass mir jemand im Nacken sitzt. Und es gibt mir auch das Gefühl von ausgeliefert sein.


Zitat:
Dann ist es ja wohl so, dass bei einer Analyse der Therapeut weitestgehend schweigt und man nur selber erzählt - oder auch nicht. Aber kann ich das? Ich tue mich immer wieder selber schwer, gewisse Dinge an- und auszusprechen und brauche da manchmal den Therapeuten, der mich in die richtige Richtung schubst. Und der mir Hinweise gibt, wie manche Dinge vielleicht gewesen sein könnten, was sie bewirkt haben könnten, warum ich so reagiere wie ich reagiere... Aber wenn ich nur mit mir selber rede - wie soll ich mir da helfen, wie vorankommen? Daher meine Bedenken, ob ich "gut genug" für eine Analyse bin. Denn so wie ich es bisher beim Lesen verstanden habe hilft man sich dabei vor allem selbst, oder?


Hintergrund der Überlegung ist, dass ich das Maximalkontingent für die tiefenpsy. Behandlung fast ausgeschöpft habe. Mein Therapeut könnte nach 20 Sitzungen beantragen, bezweifelt aber, dass das reichen würde um alle Baustellen aufzuarbeiten. Ich soll mir jetzt bis zum nächsten Termin Gedanken machen, was ich will. Und neben manch anderem gehören auch meine Bedenken und Ängste gegenüber einer Analyse dazu...

LG

Sarah

16.04.2011 08:55 • #14


Sonnenblume20

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Hallo pibuka,

Zitat von pibuka:
Erstmal das Setting, dort zu liegen und den Therapeuten nicht zu sehen. Alleine dabei habe ich schon das Gefühl zu verkrampfen. Vor allem das nicht sehen können macht mir Angst. Ich komme auch so schon schwer damit klar, nicht alles im Blick zu haben. Ich muss mein gegenüber sehen, muss denjenigen einschätzen können. Bei der Vorstellung daran habe ich das Gefühl, dass mir jemand im Nacken sitzt. Und es gibt mir auch das Gefühl von ausgeliefert sein.

Diese Gefühle solltest Du ernst nehmen. Auch wenn ich diesen Thread eröffnet habe und in meinem letzten Beitrag noch geschrieben habe, dass jetzt alles O.K. ist, habe ich drei Monate später die Psychoanalyse abgebrochen.
Aus bestimmten Gründen saß ich zwar 80 Stunden auf einem Sessel und lag erst danach auf derCouch, aber genau dieses hat mich bis zum Schluss doch immer belastet. Ich war auch fast immer verkrampft und auf Halb-Acht-Stellung, weil es mir Angst machte, ihn nicht zu sehen, sondern nur immer ab und zu etwas aus dem Hintergrund zu hören.

Zitat von pibuka:
Dann ist es ja wohl so, dass bei einer Analyse der Therapeut weitestgehend schweigt und man nur selber erzählt - oder auch nicht. Aber kann ich das? Ich tue mich immer wieder selber schwer, gewisse Dinge an- und auszusprechen und brauche da manchmal den Therapeuten, der mich in die richtige Richtung schubst. Und der mir Hinweise gibt, wie manche Dinge vielleicht gewesen sein könnten, was sie bewirkt haben könnten, warum ich so reagiere wie ich reagiere... Aber wenn ich nur mit mir selber rede - wie soll ich mir da helfen, wie vorankommen? Daher meine Bedenken, ob ich "gut genug" für eine Analyse bin. Denn so wie ich es bisher beim Lesen verstanden habe hilft man sich dabei vor allem selbst, oder?

Es ist in einer Psychoanalyse tatsächlich so, dass ausschließlich der Patient selbst die Stunde gestaltet. Du fängst an, Du erzählst, oder auch nicht und der Psychoanalytiker spiegelt ab und an mal.
Aber Du musst naütrlich nicht immer erzählen. Wenn Du nichts zu sagen hast, schweigst Du eben und er eben dann auch.
Manchmal fragte mich mein Therapeut nach einigem Schweigen aber immer mal, was mir denn durch den Kopf ginge.

Es gibt klassische Psychoanalytiker (meiner war leider einer) und Psychoanalytiker, die auch noch andere Elemente einfließen lassen. Ein klassischer Psychoanalytiker hält sich immer an die ganz strengen Regeln. 100% Distanz zum Patienten, kein Steuern der Gedanken, kein Tip oder Ratschlag.

Meiner hat außer Guten Tag und AufWiedersehen nie ein persönliches Wort an mich gerichtet. Er hat noch nicht mal "schönen Urlaub oder schönes Wochenende" gewünscht.
Als ich nach ca. 100 Stunden mal ein Feddback haben wollte und ihn fragte, ob er denn irgendeine Entwicklung an mir erkennen würde, da hat er gesagt, das müsste ich selber wissen.

Allerdings gibt es wohl auch andere Psychoanalytiker. Der Therapeut meines Sohnes ist z.b. auch Psychoanalytiker, aber die Kinder und Jugendlichen liegen nicht auf einer Couch und die Stunde ist auch viel lebhafter gestaltet.
Wenn es so klassiche wäre, würde kein Kind oder Jugendlicher ein zweites Mal wiederkommen.

Die Entscheidung kann Dir niemand abnehmen. Aber wenn Du wirklich Bedenken wegen einer Analyse hast, solltest Du die ernst nehmen und Dich nicht nur deswegen dafür entscheiden, weil Du sonst womöglich 2 Jahre Therapiepause hättest, weil das Stundenkontingent ausgeschöpft ist.

16.04.2011 15:15 • #15


Halbblut

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15.12.2011 05:34 • #16


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Sarah

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Hallo Halbblut,

noch einmal für mich zum Verständnis - von wann bis wann hast du welche Behadlung gemacht und mit wievielen Stunden? Und bist du im Moment in Behandlung?

Liebe Grüße

Sarah

15.12.2011 07:41 • #17


Serafina

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Hallo Halbblut,

welche Therapieform für dich infrage kommt, können wir leider von hier aus nicht beurteilen.

Schau doch mal hier:

informationen-zu-aerzten-und-therapeuten-t9188.html

Viel Glück und sprich mit einem Arzt deines Vertrauens darüber. Das kann auch dein Hausarzt sein.

Serafina

15.12.2011 08:52 • #18


Halbblut

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Antwort kommt heute Abend aber schon vielen Dank für die Links

15.12.2011 15:31 • #19


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Albarracin

Experte
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Experte

15.12.2011 21:37 • #20


Halbblut

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Ist leider später geworden. Also zz bin ich nur bei meinem Psychiater und habe keinen Therapeuten. Das von wann bis wann ist schwierig für mich. Beides waren Verhaltenstherapien die erste war ci ein Jahr die Stunden weiß ich nicht mehr, die spätere war ungefähr zwei Jahre Stunden weiß ich auch nicht mehr, wurden beide aber langzeit beanttragt. Das waren die beiden Therapien im Erwachsenenalter.

16.12.2011 12:26 • #21


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Sarah

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Und wie lange ist die letzte Therapie her?

16.12.2011 14:17 • #22


Halbblut

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Das war glaube ich ungefähr so April. Wie gesagt Daten ....

17.12.2011 01:54 • #23

Pfeil rechts




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