Die richtige Therapieform finden

Pacifique

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Hallo, Ich beschreibe am besten erst mal kurz meine Situation. Ich habe schon seit der Pubertät immer wieder depressive Phasen. Bzw. Das wurde schleichend immer schlimmer und öfter. Jetzt bin ich 23. früher war mir das nicht so bewusst, aber ich habe schon lange Antriebsstörungen, bin oft traurig, weine entweder viel (und auch grundlos und nur, wenn ich alleine bin) oder will weinen, kann es aber nicht, fühle mich einsam (obwohl ich gute Freunde habe) und sehne mich nach Geborgenheit. Ich studiere mittlerweile im 6. Semester und wohne aber noch zu Hause, was für mich ein großes Problem ist. Mein Vater ist oft sehr gereizt und Kleinigkeiten können ihn unvorhergesehen auf die Palme bringen, so dass er herumschreit und einen richtig zur Schnecke macht. Das belastet mich schon lange, ich habe Angst davon und verkrieche mich deswegen oft in meinem Zimmer und gehe dem so aus dem Weg. Meine Geschwister fangen in solchen Situationen manchmal Diskussionen/Streit an, aber das führt meistens auch zu nichts,weil mein Vater dann völlig auf Durchzug schaltet und gar nicht mehr zuhört.

Also mein Vater kann auch ein superlieber, umgänglicher Mensch sein, aber man weiß halt nie, wie er reagiert. Ich wollte schon mit 16 gerne ausziehen. Spätestens in einem Jahr, wenn ich für den Master den Studienort wechsele, werde ich das tun. Ich bin auch allgemein ein sehr unsicherer Mensch und habe Probleme, auf fremde Menschen zuzugehen. Das hängt vielleicht auch mit meiner Sehbehinderung zusammen. Bisher wollte ich mir das nicht eingestehen, weil ich eigentlich obwohl ich nur 30% mit einem Auge sehe (das andere ist blind) kaum Einschränkungen habe. Nur in ungewohnten Situationen kann es mal schwierig werden. Und ich kann z.B. gängige Nebenjobs wie Kellnern und Kassenjobs nicht machen, weswegen ich keine eigene Wohnung finanzieren kann. Und solange ich pendeln kann, zahlen meine Eltern das verständlicherweise nicht. Ich habe auch oft Angst davor, Erwartungen anderer nicht erfüllen zu können, im Studium oder später im Job zu scheitern (wofür es egtl keinen Grund gibt, meine Noten waren und sind immer gut), keinen Job zu finden usw.
Zu dem Wunsch nach Geborgenheit noch mal. Ich habe mir schon als kleines Kind immer abends im Bett vorgestellt, dass mich jemand in den Arm nimmt. Meistens war das sogar eine konkrete Person, eine Lehrerin oder so. Das habe ich nie jemandem erzählt. Ich habe mir eine andere Mütter gewünscht. Ich habe eigentlich eine gute Beziehung zu meiner Mutter, kann mit ihr über alles (außer diesen Wunsch) reden. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie mich je in den Arm genommen hätte. Eine Umarmung zum Geburtstag oder wenn man verreist, das ja, aber das wars.
Und dann vielleicht noch ein letzter Punkt, ich kaue meine Fingernägel und versuche seit Jahren, es mir abzugewöhnen. Aber es geht einfach nicht, ich hab alles versucht.

Das alles beschäftigt mich schon seit Jahren, aber so richtig klar ist mir das erst seit relativ kurzer Zeit. Ich war im Dezember lange krank, hatte erst eine Rippenfellentzündung und dann im Januar immer wieder Blasenentzündungen. Ich hatte durch die lange Krankheit viel in der Uni verpasst und nach den Weihnachtsferien ging es direkt los in die Klausurenphase. Ich musste also viel nachholen und gleichzeitig die Klausuren vorbereiten. Und mehrere Referate halten.
Ich bekam Mitte Januar Magen-Darm-Beschwerden, konnte nicht mehr schlafen, mich nicht konzentrieren, war oft innerlich aufgeregt ohne Grund, hatte Herzklopfen... Damit bin ich zu meiner Ärztin und die hat natürlich erst mal gefragt, wie denn meine Stimmung sei und ob ich Probleme in der Uni oder in der Familie hätte. Ich hab ihr von dem Stress erzählt, aber war erst mal verärgert, weil alles gleich in die Psycho-Schublade geschoben wurde und war enttäuscht, weil ich mich bisher immer gut behandelt gefühlt hatte. Aber ich kam dadurch ins Grübeln und das wollte gar kein Ende mehr nehmen. Es ist ein Wunder, dass ich trotzdem alle Klausuren geschafft und sogar recht gut abgeschnitten habe. In der Zeit kamen all diese Gedanken, die ich oben geschildert habe, in mir hoch und ich nahm mir vor, in den Semesterferien damit noch mal zum Arzt zu gehen.
Das hab ich getan, meine Ärztin war super lieb und verständnisvoll und hat mir empfohlen, eine Therapie zu machen (damit hatte ich ja schon gerechnet), hat auch gleich für mich bei einem Therapeuten angerufen und gefragt, ob er in absehbarer Zeit jemanden nehmen kann und ich konnte in derselben Woche noch zu einem Erstgespräch dort hin (Termin musste ich dann selber ausmachen).

Ich war jetzt zweimal bei dem Therapeuten. Er ihat gleich beim ersten Mal gesagt, dass ichbauch andere Therapeuten ausprobieren darf und soll. Und durch beim zweiten Gespräch sagte er, dass er denkt, dass eine Verhaltenstherapie für mich besser passt (er macht tiefenpsychologische Therapie). Wegen meiner Unsicherheit. Ich bräuchte ein Selbstsicherheitstraining. Er hat mir freigestellt, ob ich das probieren möchte oder bei ihm bleiben.
Ich hatte allerdings auch den Eindruck, dass er sich sehr auf meine Unsicherheit und Schüchternheit fixiert hat und den anderen Problemen wenig Beachtung geschenkt hat.
Ich möchte mir natürlich mal einen Verhaltenstherapeuten anschauen. Ich habe eine lange Liste mit Therapeuten aus der Gegend bekommen und muss mich da jetzt durchtelefonieren, soll sagen, dass mir eine Verhaltenstherapie mit Selbstsicherheitstraining empfohlen wurde. Das ist schon die erste Schwierigkeit für mich, fremde Leute anzurufen. Bzw.das Anrufen geht erstaunlicherweise relativ gut, aber es geht fast immer der Anrufbeantworter hin und ich traue mich nicht, auf ABs zu sprechen.
Der tiefenpsychologische Therapeut hat auch gesagt, ich kann jederzeit wieder zu ihm kommen, wenn es je gar nichts wird.
Ich habe dann letzte Woche einer Gemeinschaftspraxis und einem weiteren Therapeuten eine Mail gewchrieben, darauf kam keine Antwort. Bei der Gemeinschaftspraxis habe ich dann aber am Mittwoch per Telefon jemanden erreicht. Die hatten meine Mail gesehen und hätten sich auch noch gemeldet, denn sie können zwar niemanden in Einzeltherapie nehmen, aber es gibt ab April eine Gruppe von einer Therapeutin in der Praxis, wo es um Selbstsicherheit geht. Ich war etwas überrumpelt und habe gesagt, ich überlege es mir. Habe dann heute eine Mail mit Fragen gingeschickt, weil ich wieder niemanden erreichen konnte.

Jetzt frage ich mich, ob das das Richtige für mich wäre. Ich weiß, dass Selbstsicherheitstraining in der Gruppe wahrscheinlich am sinnvollsten ist. Aber ich weiß nicht, ob das das einzige ist, was ich brauche. Die anderen Probleme könnte ich da ja nicht bearbeiten.
Ich habe in meiner Mail unter anderem gefragt, ob man die Gruppentherapie auch mit einer Einzeltherapie kombinieren könnte. Dafür müsste ich allerdings einen anderen Therapeuten suchen, weil diese Praxis ja keine Kapazitäten hat. Und ob die Kasse dann beides bezahlen würde.
Was ich nicht gefragt habe, aber auch gerne wüsste, ist, ob ich dann ggf. die Einzeltherapie auch mit dem tiefenpsychologischen Therapeuten, bei dem ich schon war, machen könnte oder ob das dann auch ein Verhaltenstherapeut sein müsste. Und ob es überhaupt Sinn macht, dann sozusagen zwei Therapeuten zu haben. Oder ob ich die Gruppentherapie versuchen soll und falls danach noch Probleme übrig bleiben, immer noch eine Einzeltherapie anschließen kann.
Gut wäre an der Gruppentherapie natürlich auch, dass ich sie ab April anfangen könnte. Bei dem tiefenpsychologischen müsste ich 2-3 Monate warten und bei den Verhaltenstherapeuten weiß ich ja auch nicht, wie lange da die Zeiten sind. Und in einem Jahr ziehe ich ja wahrscheinlich weg, da macht es wenig Sinn, ein halbes Jahr oder länger auf die Therapie zu warten, um sie dann nach 6 Monaten wieder abzubrechen - oder eben in der neuen Stadt einen neuen Therapeuten zu suchen und wieder zu warten.

Eigentlich möchte ich auf die Einzeltherapie nicht verzichten. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, noch andere Therapeutinnen anzurufen (eine Frau ist mir nämlich egtl lieber) und notfalls auch auf den AB zu sprechen. Hoffentlich gelingt mir das.
Wenn gar nichts geht, würde ich auch die tiefenpsychologische Therapie machen. Aber ich bin mir nicht mehr so sicher, ob der Therapeut wirklich zu mir passt, je länger ich darüber nachdenke... Er hat ja auch selbst gesagt, dass er denkt, dass seine Therapie nicht ideal für mich ist. Aber es wäre vielleicht besser als nichts?

Mit diesem Post hoffe ich auf Antworten von Leuten, die vielleicht etwas mehr Erfahrung haben und mir eventuell Tipps und Denkanstöße geben können...
Danke jedenfalls an alle, die meinen Roman wirklich bis hierher durchgelesen haben!

Liebe Grüße,
Pacifique

13.03.2015 22:52 • #1


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achtsamkeit

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Hallo Pacifique,

einiges was du aus deiner Kindheit berichtest kommt mir selber sehr bekannt vor. Mir hat eine Einzeltherapie bei einer Therapeutin für Verhaltenstherapie
sehr sehr gut geholfen. Von daher denke ich, dass du versuchen solltest einen Therapieplatz zu bekommen. Bis dahinkönntest du ja die Gruppentherapie nutzen. Vielleicht findest du dadurch auch Kontakt zu Leuten denen es ähnlich geht und mit denen du dann weiter Kontakt halten kannst auch außerhalb der Therapiestunden.
Schade dass der Therapeut dir bei der Sucvhe zu einer Verhaltenstherapie nicht weiter geholfen hat. Dann hättest du vielleicht schneller einen Termin irgendwo bekommen.
Ich drücke dir den Daumen, dass alles nach deinen Vorstellungen gelingt.

LG Achtsamkeit

14.03.2015 09:27 • #2


Pacifique

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Danke für deine Antwort :)

Denkst du, dass man dann neben der Gruppentherapie einfach weitersuchen und wechseln kann, wenn die Einzeltherapie beginnt? Ich kenne mich da überhaupt nicht aus... Sollte ich das der Therapeutin von der Gruppe sann sagen, dass ich es so vorhätte oder würden die mich dann gar nicht nehmen?
Theoretisch sollte es da doch auch so etwas wie Probesitzungen geben, oder? Es kann ja auch da vorkommen, dass der Therapeut nicht zu einem passt.

Ich habe überlegt, noch mal zu meiner Ärztin zu gehen und zu fragen, ob sie mir auch einen Verhaltenstherapeuten empfehlen kann. Bei dem tiefenpsychologischen hatte sie ja auch für mich vorgefühlt und vermutlich hab ich dort deswegen so schnell einen Termin bekommen. Aber irgendwie komm ich mir komisch vor, wenn ich nur deswegen zum Arzt gehe...

14.03.2015 22:16 • #3


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achtsamkeit

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Hallo,

du brauchst dir nicht komisch vorkommen wenn du zur Ärztin gehst und ihr deine Vorstellungen darlegst was du glaubst gut für dich wäre. Auf alle Fälle solltest du aLs erstes bei dem gespräch deiner Ärztin für die Therapiehilfe danken. Das tut ihr gut und steigert die Bereitschaft dir weiter zu helfen.
Bezüglich der Bestimmungen was Gruppentherapie und Einzeltherapie betrifft kann sie dir vielleicht auch Auskunft geben. Ein weiterer Ansprechpartner wäre dazu auch die Krankenkasse.
Vielleicht liest dies hier jemand, der dir bezügl. der bestimmungen etwas konkretes sagen kann.

Viel Glück

Achtsamkeit

15.03.2015 13:38 • #4


Pacifique

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Danke :)

Sie würde mir bestimmt helfen... Ich hatte noch nie so eine liebe und einfühlsame Ärztin wie diese... Bei ihr hat man den Eindruck, dass sie ihren Patienten wirklich helfen will. Z.B. als ich die Rippenfellentzündung hatte - bzw. nicht mehr hatte - hat sie sich richtig ehrlich gefreut, dass es mir endlich besser ging. Bei ihr fühle ich mich einfach wohl und ernst genommen.
Und als ich mit den psychischen Problemen zu ihr kam, hat sie sich fast eine halbe Stunde Zeit genommen. Das ist ja bei Ärzten alles andere als selbstverständlich.
Sie hat auch gesagt, dass ich jederzeit kommen kann, wenn etwas ist. Aber irgendwie hab ich trotzdem Hemmungen... Das liegt an mir... Ich habe Angst, eben diese Hilfsbereitschaft auszunutzen, wenn ich mit jeder Kleinigkeit zum Arzt renne... Und ich kann nicht einschätzen, ob das jetzt eine Kleinigkeit ist oder nicht.

Ich hatte schon öfter das Bedürfnis, mich bei ihr dafür zu bedanken. Aber irgendwie fällt mir sowas schwer. Das ist irgendwie auch allgemein eines meiner Probleme, auch bei Freunden, dass es mir schwer fällt, Dankbarkeit, Zuneigung usw. mündlich auszudrücken... Auch wenn ich das so oft gerne tun würde. Ich kann auch Gefühle nicht gut in Worte fassen. Freunden kann ich mittlerweile auch mal einfach einer Karte schreiben, auch wenn das nicht so persönlich ist, wie ich es gerne hätte... Wenigstens wissen sie dann, dass ich nicht völlig undankbar bin ^^
Als meine Ärztin sich so viel Zeit genommen hat, hab ich am Ende ein herzliches "Danke" herausgebracht und ich hoffe, sie hat verstanden, wofür ich mich bedanken wollte...

Ich warte jetzt mal ab, ob ich eine Antwort auf meine Mail mit den Fragen bekomme und je nach dem, was dabei herauskommt, werde ich wohl noch mal einen Arzttermin machen oder bei der Kasse anrufen.
Wenn hier jemand etwas wüsste, wäre das natürlich auch super.
Ich habe mir fest vorgenommen, morgen noch andere Therapeuten anzurufen, immerhin hab ich es erst bei drei von meiner langen Liste versucht... Und wenn es sein muss, spreche ich eben auf ABs... Geht wohl nicht anders.

Manchmal bin ich von mir selbst überrascht... Ich glaube ohne meine Ärztin hätte ich mich sowieso niemals getraut, überhaupt mal den ersten Schritt zu machen. Und ich wundere mich, dass ich jetzt bei wildfremden Leuten anrufe und nach Therapieplätzen frage... Aber ich denke, wenn ich es bis hier geschafft habe, werde ich es bestimmt auch schaffen, einen Platz zu finden...

15.03.2015 17:52 • #5


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achtsamkeit

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Hallo pacifique,

ich denke, dass du schon auf dem richtigen Weg bist. Was du gerade schaffst ist schon sehr gut!!!
Trau dich ruhig mit deiner Ärztin zu sprechen. Sie ist wirklich eine Liebe wenn sie sich so viel Zeit nimmt.
Ich hatte auch die Probleme Gefühle zu äußern. Dann habe ich eben eine schöne Spruchkarte gekauft und darasuf meinen Dank geschrieben und dies dann meinem Arzt gegeben.
Probiere weiter einen Therapieplatz zu bekommen. Ich drück dir die Daumen!

LG Achtsamkeit

16.03.2015 12:10 • #6


Pacifique

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Dankeschön :)

Juhu, ich hab endlich mal jemanden erreicht :) Ich hab jetzt am Montag einen Termin für ein Erstgespräch bei einer Therapeutin, die mir eine Freundin empfohlen hat.

Nur hat mich irritiert, dass sie gleich gefragt hat, ob ich im Hausarztprogramm bin und dann hat sie irgendwas vom Facharztprogramm geredet, was sie dann mit mir besprechen möchte. Ich hab das mal gegoogelt. Wenn man das unterschreibt, bekommt man schneller Termine bzw. die Therapie beginnt innerhalb von 2 Wochen, die Stundenzahl ist nicht begrenzt usw. Also ähnlich wie beim Hausarztprogramm - und der Arzt bekommt mehr Kohle... Allerdings kann man dann nur noch zu Fachärzten gehen, die auch an dem Programm teilnehmen. Und das sind in meiner Stadt so um die 5 Therapeuten (das ist ein kleiner Bruchteil von denen, die es gibt...).
Was mache ich, wenn ich die Therapie anfange und nach einer Weile merke, die ist doch nix und will den Therapeuten wechseln? Man sitzt dann mindestens 12 Monate in diesem Facharztprogramm fest.
Irgendwie ist mir das unheimlich... Aber mal schauen, was sie am Montag dazu sagt. Sie hat es ja nur in einem Nebensatz erwähnt. Aber ich denke, ich mache das nicht. Ich bin im Hausarztprogramm, aber auch erst seit Januar, nachdem ich fast 2 Jahre schon dort war und wusste, dass ich da bleiben will (gut, ich gehe vielleicht 2-3 mal im Jahr zum Arzt. Bei einem Therapeuten wüsste ich bestimmt schneller , ob ich da bleibe, weil man da ja öfter hingeht).
Komisch fand ich halt auch, dass sie das alles erfragt hat, bevor sie mir überhaupt einen Termin gegeben hat. Vermutlich hätte ich gar keinen bekommen, wenn ich nicht im Hausarztprogramm gewesen wäre und kein potentieller Facharztprogramm-Teilnehmer wäre? Ich weiß nicht, ob sie das wegen dem Geld oder wegen den Vorteilen für die Patienten macht... Aber vielleicht kann ich das besser einschätzen, wenn ich sie kennen gelernt habe...

16.03.2015 21:22 • #7


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achtsamkeit

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Du solltest dies einfach auf dich zukommen lassen. Die Therapeutin wird dir genau erklären was das Programm für dich bedeutet.
In der Regel hat man ja auch 3-5 Sitzungen um sich kennenzulernen.
Prima jedenfalls, dass du einen Termin hast. Gehe mit positiven Gefühlen in das Gespräch. Ich wünsche dir, dass die Therapeutin die richtige für dich ist.

LG Achtsamkeit

17.03.2015 14:54 • #8


Pacifique

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Danke. :)

Ich war heute da. Und nachdem jetzt eine Woche vergangen war, hatte ich auch ein viel besseres Gefühl, da hinzugehen und wollte mir das ohne Vorbehalte anschauen.

Von dem Programm hat sie jetzt gar nichts mehr gesagt. Aber ich habe trotzdem ein schlechtes Gefühl.
Erst sollte ich erzählen, wieso ich da bin und das war noch ganz okay. Ich hab erst von meinem Vater erzählt und dann von meinen Problemen, auf Leute zuzugehen und allgemein von meiner Antriebslosigkeit und meiner Stimmung usw. Und von meiner Sehbehinderung. Sie war freundlich und hat auch versucht, alles Positive hervorzuheben, was ich prinzipiell ja schon mal gut finde. Aber irgendwie hatte ich dadurch das Gefühl, dass sie meine Probleme gar nicht so ernst nimmt und irgendwie versucht, mich davon zu überzeugen, dass ja alles gar nicht so schlimm ist. Und es wirkte auch alles so aufgesetzt.
Am Ende fragte sie auch "Wie sehen sie selbst das denn? Denken Sie, dass Sie krank sind?" Da war ich total verunsichert. Das hab ich dann auch gesagt und gefragt, ob sie denn eine Therapie überhaupt für sinnvoll hält. Dann meinte, sie dass das ja nie schaden kann und es darauf ankommt, wie ich mich fühle, also ob ich krank bin oder nicht.
Ja würde ich denn da hingehen, wenn es mir gut gehen würde?

Und dann hat sie gefragt, ob ich einen zweiten Termin will oder es mir erst mal überlegen. Und hat dabei gleich betont, dass ihre Termine ja so knapp sind.
Ich hab einen zweiten Termin gemacht, nach Ostern erst. Aber im Nachhinein hab ich wenig Hoffnung, dass ich mich da doch noch wohl fühle.
Und als wir den Termin ausgemacht hatten, hat sie gleich gesagt, dass ich danach dann aber wissen müsse, ob ich die Therapie machen will oder nicht, dann muss man den Antrag bei der Kasse stellen usw. Ich dachte man kann bis zu 5 Probegespräche machen? Irgendwie schien es ihr unrecht zu sein, dass ich ein zweites Gespräch haben wollte.
Irgendwie hatte ich den Eindruck, sie macht halt irgendwie ihren Job, aber es liegt ihr nicht wirklich etwas am Patienten. Das war bei dem tiefenpsychologischen Therapeuten ganz anders.

Ich versuche jetzt mal, noch einen Termin bei einem anderen Verhaltenstherapeuten zu bekommen. Falls das vor dem nächsten Termin klappt, sehe ich ja, ob mir das eventuell besser gefällt und kann das zweite Gespräch bei der Therapeutin von heute absagen.
Und falls ich nichts anderes finde, gebe ich ihr die zweite Chance und wenn ich wieder so ein schlechtes Gefühl dabei habe, werde ich wohl zu dem tiefenpsychologischen Therapeuten zurückgehen. Auf die Gefahr hin, dass es vielleicht nicht ganz die richtige Therapieform ist, jedenfalls hab ich mich bei dem gut aufgehoben gefühlt.

23.03.2015 15:31 • #9


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achtsamkeit

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Hallo pacifique,

nun ich denke, du solltest versuchen mit positiven Gedanken in die Therapie zu gehen. Was die Therapeutin denkt, dass kannst du nicht wissen, da spekulierst du und befasst dich mit unguten Gedanken.
Ergreife die Chance. Die Therapeutin hat schon Recht, wenn sie auf eine Entscheidung drängt. Du musst ihr gegenüber vermitteln, dass du eine Therapie willst und bereit bist mitzuarbeiten. Vielleicht kam dies nicht deutlich rüber in der ersten Therapiestunde. Eine gute Therapeutin wird sich wohl auch erst einmal "neutral" verhalten, also keine sichtbares Mitgefühl äußern. Das bedeutet aber überhaupt nicht, dass sie dich nicht ernst nimmt.
Letztendlich ist aber wichtig , dass du bereit bist dich darauf einzulassen.
Hab Mut, das wird schon werden!

LG Achtsamkeit

24.03.2015 14:57 • #10


Pyxidis

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Hallo Pacifique,
was mir in Deinen Beiträgen sehr auffällt, ist deine übergroße Angst bei der Therapeutiewahl einen Fehler zu begehen. Dies habe ich in der Stärke lange nicht erlebt und mich würde nicht wundern, wenn sich diese Angst vor einem Fehler auch sonst in Deinem Leben zeigen würde. Dies nur als kleine Anregung für Deine Therapie.

Ich möchte dir eigentlich Mut machen. Du kannst nämlich eigentlich gar nichts falsch machen. Es gibt Studien, die zeigen, dass weder Therapierichtung, noch andere Sachen großen Einfluss auf einen Therapieerfolg haben sondern hauptsächlich und fast ausschließlich die "Beziehung" zwischen Therapeut und Klient. Naja, ich kann das jetzt nicht so gut beschreiben. Ich möchte Dir nur sagen. Im Grunde genommen ist das Einzige worauf du achten solltest, ist, dass Du dich gut aufgehoben und verstanden fühlst und im besten Fall der Therapeut oder die Therapeutin dir sympathisch ist.

Den Rest kannst du vergessen. Du zermatterst dir sonst noch das Gehirn. Und es aich einfach nicht wichtig. Lass Deinen Bauch entscheiden und mach dir nicht soviel Sorgen wegen der Therapierichtung. Heutzutage arbeiten sowieso zudem fast alle Therapeuten richtungsübergreifend und nutzen alles was hilft aus allen Richtungen.

Ich wünsche Dir viel Erfolg.

Pyxidis

24.03.2015 16:26 • #11


Pacifique

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@achtsamkeit: Hmm, vielleicht dachte sie wirklich, ich möchte mich gar nicht darauf einlassen, weil ich manchmal einfach nicht wusste, was ich sagen soll.
Mitgefühl hat sie durchaus geäußert, aber das kam mir irgendwie so unecht vor. Ich möchte gar nicht unbedingt bemitleidet werden, dafür könnte ich auch einfach zu einer Freundin gehen. Aber wenn jemand Mitgefühl äußert, dann bitte nur, wenn auch wirklich mitgefühlt wird...
Manchmal habe ich auch den Eindruck, es liegt an mir, dass man mich nicht richtig versteht. Manchmal weiß ich einfach nicht, wie ich Dinge erklären soll...
Jedenfalls hab ich mir bei der Therapeutin von gestern nicht wohl gefühlt. Ich denke, den zweiten Termin werde ich absagen.

@Pyxidis: Danke für deinen Beitrag! Ja, es stimmt, ich habe allgemein oft Angst, etwas falsch zu machen oder zu sagen. Ich habe auch Angst, den Ansprüchen, die andere an mich haben, nicht gewachsen zu sein, im Studium zu scheitern (obwohl es dafür keinen Grund gibt, meine Leistungen waren bisher immer top und ich bin noch nie irgendwo durchgefallen...) oder später keinen Job zu bekommen.
Dann denke ich, dass es richtig ist, mir noch einen weiteren Verhaltenstherapeuten anzuschauen und mich dann zwischen dem und dem tiefenpsychologischen zu entscheiden - nach Sympathie.

24.03.2015 17:18 • #12


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achtsamkeit

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Du wirst schon das richtige entscheiden. Wünsche dir ,dass du einen guten Therapeuten für dich findest.

LG Achtsamkeit

26.03.2015 09:18 • #13


Pacifique

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Danke! :)

Mittlerweile stehe ich auf einer Warteliste bei der therapeutischen Ambulanz meiner Universität, da muss ich 2-3 Monate warten und habe den Platz aber sicher. Das Erstgespräch findet aber dann erst statt, d.h. eigentlich will ich weitersuchen, falls es dann wieder nicht passt....
Andererseits hab ich mich da am Telefon sehr wohl gefühlt, aber da war nur ein Hiwi dran. Ich hab von dort Infomaterial und einen Fragebogen bekommen, das war alles sehr klientenfreundlich erklärt und sehr sympathisch. Da war einfach alles sehr unkompliziert.
Ich komme ja auch mit den meisten Menschen gut klar, ich möchte nur niemanden, der den Job eigentlich nur wegen dem Geld macht. Und ich denke, wenn jemand an der Uni ist und nebenher auch forscht oder eine Ausbildung, wird das schon eine gewisse Motivation auch da sein. Von daher habe ich wenig Bedenken, dass es wieder überhaupt nicht passt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das das Richtige wäre.

Ansonsten kriege ich überall nur Absagen oder gar keine Antwort (habe mich tatsächlich getraut, auf ABs zu sprechen). Ich hab schon 15 angerufen.
Heute kam eine Antwort auf die Mail an die Therapeutin mit der Gruppentherapie (wow, nach 4 Wochen!) die Gruppe fängt ab Mai an und ich soll mich melden, wenn ich Interesse habe. Einzelplatz haben die aber keinen für mich.
Ich denke, da werde ich absagen, weil nur in der Gruppe möchte ich das nicht. Selbstsicherheit ist ja auch nicht mein einziges und auch nicht mein wichtigstes Thema.
An der Uni, wo ich auf der Warteliste stehe, gibt es auch regelmäßig Selbstsicherheitstrainings. Falls die Therapeutin dort es für sinnvoll oder notwendig hält, kann ich das dann ja auch da zusätzlich machen.

Ein paar Therapeuten stehen noch auf meiner Liste, die ich noch nicht angefragt habe, aber ich kann mich nicht entscheiden, ob ich da jetzt noch anrufen möchte oder nicht...

Ansonsten geht es mir wechselhaft, ich hab immer mal wieder ein paar Tage, wo es mir deutlich besser geht, aber mehr als 2-3 Tage hält das nie. Da ich ja bis heute Semesterferien hatte, hatte ich auch oft Probleme, morgens aufzustehen, es sei denn ich musste mich um mein Pflegenderd kümmern. Meine Stimmung ist meistens sehr gedrückt und ich bin meistens müde und kann abends nicht lange aufbleiben. Immerhin habe ich wieder Spaß daran gefunden, mich um das Pferd zu kümmern, das war eine Zeit lang auch weg und ich habe mich nur gekümmert, weil ich halt verantwortlich dafür war. Aber an meinen anderen Hobbys habe ich grade wenig Freude...
Ich musste eine Hausarbeit schreiben und habe das ewig vor mir hergeschoben, was ich so gar nicht von mir kenne. Und ich hab mir ständig Vorwürfe gemacht, weil ich so spät dran war. Hatte sogar Angst, es gar nicht zu schaffen. Ich habe keinen festen Abgabetermin, es hieß nur "irgendwann am Anfang des Semesters". Das Semester fängt heute an und ich bin noch nicht ganz fertig. Vielleicht schaffe ich es heute oder morgen. Eigentlich will ich das weghaben, weil ja jetzt auch wieder andere Aufgaben auf mich zukommen. Zum Glück ist dieses Semester wieder nicht besonders voll, was Vorlesungen angeht.

Ich habe ein Video gefunden, in dem jemand einen Vortrag über Entwicklungstraumata gehalten hat. Eigentlich hat mich das nur so interessiert, weil ich jemanden kenne, der das hat. Aber an vielen Stellen konnte ich mich dann auch selbst ganz gut damit identifizieren. Zum einen weil viele Symptome auf mich zutreffen, aber es hieß da auch, dass man als Kind nicht unbedingt vernachlässigt worden sein muss, es kann auch einfach bei der Geburt etwas schiefgelaufen sein. Das ist bei mir der Fall. Die Geburt hat lange gedauert, meine Mutter war bei einer privaten Hebamme und die hat ewig gewartet, bis sie sie ins KH geschickt hat. Ich war lange ohne Fruchtwasser noch im Bauch. Im Krankenhaus wurde dann ein Kaiserschnitt gemacht und ich kam vorsichtshalber auf die Intensivstation, weil man nicht wusste, ob ich eine Fruchtwasservergiftung hatte. Da war ich dann ca. 3 Tage und meine Mutter konnte mich nicht sehen, weil sie ja immer bleiben musste.
Zum Verhältnis zu meiner Mutter und dass ich mir Geborgenheit wünsche, hab ich ja in meinem ersten Post schon etwas geschrieben. Das passt irgendwie auch dazu...

Ich weiß gar nicht, wieso ich so ein Bedürfnis habe, das hier zu schreiben... Aber ich hoffe, ich nerve keinen damit ;)

13.04.2015 12:58 • #14


Pacifique

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Ich habe eine passende Therapeutin gefunden! :)
Bin grade total erleichtert und habe Hoffnung geschöpft :)

Danke noch mal für eure lieben Worte! :)

22.04.2015 06:13 • #15


Pyxidis

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Das sind tolle Neuigkeiten!!!

23.04.2015 08:25 • #16

Pfeil rechts




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