Psychoanalyse bei Depressionen - Erfahrungsberichte

sunbeam69

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Hallo, nach fast 9 Wochen Tagesklinik, bin ich mittlerweile wieder beim Arbeiten (Wiedereingliederung). Anstrengend, aber klappt bisher ganz gut. .naja sind auch nur 4 Stunden, aber bin mal guter Dinge, dass es so bleibt wenn ich die nächsten 2 Wochen 6 Stunden und dann wieder 8 Stunden arbeiten gehe. Die Therapeuten in der Tagesklinik waren der Meinung, dass ich eine Psychoanlayse machen sollte (bisher Verhaltenstherapie). Mein Neurologe ist da ganz anderer Meinung. Er findet die Psychoanalyse z.T. auch gefährlich. Es könnte mir damit wieder schlechter gehen und ich sollte eher eine Pause von den Therapien machen und mich auf das Arbeiten konzentrieren, mit den Kollegen ein Glas Sekt trinken und so wieder zurück in den Alltag finden. Ähm, ich will aber mittlerweile nichts mehr unversucht lassen was meine "endogene" Depressionen betrifft. Außerdem fühle ich mich im Moment noch wie auf einer Gratwanderung und an Tagen, an denen es mir körperlich oder psychisch nicht so gut geht, kommt gleich wieder der Gedanke und die Gefühle der Depression in mir hoch. D.h. ich muss gerade sehr auf mich aufpassen.

Mich würde interessieren ob hier jemand Erfahrungen mit einer Psychoanalyse hat, egal ob positiv oder negativ. Sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich keine traumatische Erlebnisse in meiner Kindheit hatte.

Freu mich auf Antworten

LG
sunbeam

28.02.2013 00:42 • #1


Sonnenblume20

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Hallo Sunbeam,

ich persönlich habe eine Psychoanalyse gemacht, hab sie aber nach 160 Stunden abgebrochen.
Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen war mir das zu schweigsam, ich hab gemerkt, dass ich viel mehr Feedback brauche, als die zwei kurzen Sätze, die der Analytiker in der Stunde von sich gegeben hat.
Zum anderen war mir der Analytiker in gewisser Weise auch unheimlich. Leider hab ich sehr lange gebraucht, bis mir das klar wurde und bis ich mich getraut hab, das zu äußern.Und selbst dann ist er nicht darauf eingegangen, hat ewig zu allem geschwiegen.
Damals wurde mir von einem psychoanalytischen Institut diese Analyse empfohlen und ich dachte, ich muss das jetzt machen und durchziehen.Da war ich auch noch Anfänger und wusste nicht so recht, dass es auch darum geht, dass ich mich dabei wohl fühlen muss.

Mittlerweile mache ich eine tiefenpsychologsich fundierte Psychotherapie, die mir sehr gut tut. Meine Therapeutin spricht trotzdem viel mit mir und das tut mir auch gut.
Aber ich kann ja nun mal nur von mir sprechen.

Ich habe traumatische Hintergründe und das kann unter anderem natürlich auch der Grund sein, warum eine Analyse das Gegenteil bewirken kann.

Der Vorteil einer Analyse ist, dass von der Krankenkasse viel mehr Stunden genehmigt werden, als für eine andere Therapieart.

Ich möchte aber noch dazu sagen, dass ich einen "klassischen" Analytiker hatte, der sich starr an das Konzept gehalten hat und keinen Millimeter davon abgewichen ist.
Es gibt aber auch Analytiker, die anders arbeiten, mehrere Richtungen mit einfließen lassen und die Stunden somit auch lebendiger sein können.

Was ich aber noch sagen wollte, ist, dass selbst, wenn Du Dich an nichts traumatisches erinnern kannst, es nicht ausgeschlossen ist, dass Du etwas traumatisches erlebt haben könntest.
Manchmal sind die Erinnerungen so abgespalten, dass man sich bewusst nicht erinnern kann.

Es ist aber erstaunlich, finde ich, dass die Klinik Dir zu einer Analyse rät und Dein Neurologe sogar eine Therapiepause befürwortet.
Ist das nicht auch der Neurologe, der Dich ohne Tagesklinik wieder arbeiten schicken wollte?
Ich will hier keinem zu nahe treten, aber wenn Du immer wieder in Depressionen verfällst, müssen doch auch Ursachen vorliegen, die herausgefunden werden sollten. Da ist es glaube ich nicht damit getan, dass man sich "nur" wieder in den Alltag integriert und mit den Kollegen mal wieder was trinken geht, was natürlich auch wichtig und förderlich sein kann.

Fühlst Du Dich bei Deinem Neurologen in guten Händen?
Ansonsten könntest Du doch auch nochmal eine andere Meinung einholen.

Was Du aber trotz allem tun kannst, ist, Dir probatorische Termine bei Analytikern zu holen und mal vorfühlen und dann schauen, ob diese Therapieform für Dich geeignet wäre, ob Du mit der Art und Weise, wie dort therapeirt wird, auch zurecht kämst.

Viele Grüße

Sonnenblume

28.02.2013 01:25 • #2


monty

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Hallo Sunbeam,
ich kann mich Sonnenblume nur anschließen.

Meine Erfahrungen sind folgendermaßen:
Noch 3 Stunden, und ich habe die höchstmögliche Stundenzahl einer Analyse hinter mir (250 Stunden).
Vor etwa 15 Jahren habe ich schon einmal mit einer Analyse begonnen, diese dann aber abbrechen müssen, weil der Therapeut (männlich) schwer erkrankte. Der jetzige Versuch ist bei einer Frau, was mein ausdrücklicher Wunsch war, weil ich mich dort besser "aufgehoben" fühlte.

Auch meine Therapeutin ließ in dieser Zeit mehrere Therapieformen einfließen, hielt sich nicht starr an die Vorgaben einer klassischen Psychoanalyse. So verfuhr sie beispielsweise in der Art, dass, als sie den Eindruck hatte, dass ich "zu tief" einstieg, ich nicht mehr liegen "durfte".

Das Wichtigste ist, dass du dich dort gut aufgehoben fühlst, völliges Vertrauen entwickelst und bereit bist an dir zu arbeiten.
Dabei besteht die Gefahr, dass es dir vorübergehend auch schlechter gehen kann. Ich bin aus diesem Grunde vor 3 Jahren auch zwischenzeitlich für 12 Wochen in eine Psychosomatische Klinik gegangen. Hier hatte ich die Möglichkeit mich noch tiefer fallen zu lassen und gleichzeitig nicht "alleine" zu sein. Außerdem begann ich dort mit der Einnahme von Antidepressiva's, wozu ich vorher nicht bereit war.

Es ging mir also unter der Therapie zeitweise ziemlich schlecht. Aber ich wollte lieber eine "kontrollierte schlechte" Zeit mit einem guten Ende haben, als eine immerwährende Quälerei, ohne Aussicht auf eine dauerhafte Besserung.
Wegen meiner "Verschlechterung" habe ich ein wenig Verständnis für die Äußerung deines Neurologen.
Meine latenten Suizidgedanken machten mir auch etwas Angst, aber nun fühle ich mich viel besser.

Ach ja, auch bei mir liegen keine traumatischen Ereignisse in der Kindheit vor. Gerade deshalb wird (meines Wissens nach) bei diesen Fällen eine Analyse gewählt. Hier ist ja kein direkt ersichtlicher Grund, den man punktuell behandeln kann.

Vielleicht werde ich demnächst mal eine Verhaltenstherapie versuchen, weil ich mir über immer wiederkehrende Verhaltensmuster klar geworden bin, die ich angehen möchte.

Ich hoffe, dass ich dir etwas helfen konnte. Du kannst auch ganz konkrete Fragen stellen, wenn dir noch Dinge unklar sind.
Alles Gute für dich!

28.02.2013 13:23 • #3


Pyxidis

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Hallo Sunbeam,

Zitat:
Die Therapeuten in der Tagesklinik waren der Meinung, dass ich eine Psychoanlayse machen sollte


das müssen sie doch irgendwie begründet haben und auf diese Gründe wäre ich sehr gespannt.

Dein Neurologe macht es sich meiner Meinung nach ein bisschen zu einfach. Es gibt ja Gründe/Verhaltensweisen/Gedanken dafür, daß Du krank geworden bist und nicht arbeiten gehen konntest. Werden diese Gründe nicht bearbeitet, kann es Dir ja wieder passieren krankheitbedingt auszufallen.

Ablenkung und Stabilität im Alltag sind gut und wichtig (z.B: Sekttrinken mit Kollegen) kann und MUSS auch sein, wenn Du eine Therapie machst. D.h. Therapie und Ablenkung sind nichts, was sich gegenseitig ausschließt, sondern für eine erfolgreiche Therapie sogar wichtig. Wer kann und möchte und hält es durch sich 7 Tage die Woche 24 Stunden mit Therapieinhalten zu beschäftigen. Ich auf jeden Fall nicht.

Also Du darfst Spaß haben im Leben und Du darfst eine Therapie machen und das auch noch parallel.

Und ach ja, Du darfst sogar auch Spaß in der Therapie haben

Viele Grüße
Pyxidis

28.02.2013 15:05 • #4


Caspara

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Hallo sunbeam69,

also meine persönliche Ansicht von einer "echten", also sehr lange dauernden und strikt nach den üblichen Regeln funktionierenden Analyse ist schlecht.
Es gibt keine Untersuchungen, dass diese "Therapie" den anderen Psychotherapien (also psychodynamischen oder verhaltenstherapeutischen) überlegen ist. Bei keinem Krankheitsbild! Das kommt sicher auch daher, dass sich die älteren Analytiker nicht gerne über die SChulter schauen lassen wollten und solche Outcome-Studien strikt ablehnten. Aber warum lehnten sie es denn ab, wenn die Methode doch soooo gut sein soll? Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt...
Vorgesehen ist in einer echten, großen Analyse eine Therpie 3-5 mal pro Woche, wobei sich viele Therapeuten auch auf 2x pro Woche einlassen, und dauert unbegrenzt. Viele machen nach 300 Sitzungen dann doch langsam Schluss.

Davon trennen muss man andere tiefenpsychologische Therapien, die evtl. schon eher bei dir eine Berechtigung haben könnten.

Ob du wirklich deine Depressionen dadurch "wegbekommst", weiß ich auch nicht. Aber eine akzeptierende Haltung kann ja auch hilfreich sein.

Viel Mut zur Entscheidung,

28.02.2013 15:51 • #5


sunbeam69

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Hallo ,

vielen Dank für eure Antworten

Jetzt habe ich einfach mal verschiedene Meinungen zu diesem Thema. Was mein Neurologe betrifft, fühle ich mich, wegen der medikamentöse Behandlung, ganz gut bei Ihm aufgehoben. Zu dem Thema Psychotherapie hat er eine andere Meinung....aber er kennt mich auch nicht wirklich richtig, in den 10 Minuten Sprechstunde kann man ja echt nur das Wichtigste besprechen. Ich habe nächste Woche einen Vorstellungstermin bei einer Psychologin die mir von der Klinik empfohlen wurde. Jetzt bin ich mal gespannt, wie die so ist und ob Sie sich an der klassischen Psychoanalyse orientiert oder eben auch mal abweicht.
Denn wie Sonnenblume geschrieben hat, wäre das auch nichts für mich, wenn der Therapeut pro Sitzung gerade mal 2 Wörter von sich gibt. Bin auch jemanden, der Feedback braucht und in der Klinik hatte ich echt eine suuuper Therapeutin bei der ich das alles hatte, leider sind bei Ihr die Wartezeiten bis zu 8 Monate.

Wenn die Chemie zwischen der Therapeutin und mir passt, dann denke ich, werde ich es versuchen. Aber wenn ich merke, dass es mir nicht gut tut, habe ich kein Problem das wieder zu beenden. Ich lass das jetzt mal auf mich zukommen.

Bin jetzt in der 3. Arbeitswoche mit 6 Stunden und es gibt immer wieder Tage, so wie gestern und heute, wo ich mich einerseits schlapp fühle und andereseits eine innere Unruhe und Nervosität verspüre. Meine Kollegin textet mich den ganzen Tag zu....puh, echt anstrengend. Die ständige Geräuschkulisse um mich herum ist nicht einfach für mich....denke, dass ich anders empfinde/wahrnehme, wie meine Kollegen. Wobei ich echt schon Grenzen gesetzt habe, dann ist ne Weile gut und dann geht's aber wieder von vorne los. Man kann die Menschen nicht ändern, deshalb bin ich gerade dabei, für mich selbst Strategien zu entwickeln wie ich die Situationen/Umgang mit "nervigen" Menschen für mich so ändern kann, dass es mir dabei gut geht und da helfen mir eben auch oft Gesprächstherapien.

Wünsche euch allen ein schönes Wochenende und ich werde mich jetzt mal um meinen Haushalt kümmern, obwohl ich überhaupt keine Lust dazu habe

Lg
sunbeam

09.03.2013 14:56 • #6


star

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Hallo Zusammen,

Leider hab ich nicht wirklich die Kraft mir alles ausführlich durchzulesen. Entschuldigt mich bitte, falls ich etwas frage, was bereits beantwortet worden ist.
Würde euch auch gerne meine Erfahrungen schildern.
Ich habe mehrere Therapien sowie Klinikaufenthalte hinter mir. Momentan mache ich auch eine Pyschoanalyse und finde, dass es bisher die härteste Therapie ist. Mir war nie zuvor so viel bewusst. Es ist so als würde man die komplette, versteckte Wahrheit aufdecken. Und leider ist es alles andere als schoen
Für mich ist die Analyse so eine Art Endstation, da ich alle anderen Therapieformen bereits hatte. Bei mir ist es auch nicht so, dass ich während der Behandlung liegen muss. Ich sitze meinem Analysten ganz normal gegenüber. Und wir unterhalten uns auch ganz normal. Ich merke da keinen grossen Unterschied zu den anderen Therapieformen, bis auf die Wirkung! Denn es ist extrem intensiv...

Zeitweise ist es kaum noch auszuhalten, doch ich denke mir, dass es so sein muss um eine Genesung und Verarbeitung zu erzielen. Liege ich da falsch? wenn ich mir durchlese, dass es viele abbrechen, werde ich unsicher. schließlich möchte man doch eine Besserung und nicht das Gegenteil.

Ich habe diese Therapie begonnen ohne wirklich viel darüber zu wissen. Das Einzige was ich wusste war, dass ich weitermachen muss...

Lg,
Star

20.03.2013 23:39 • #7


sunbeam69

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Hallo,

also mittlerweile bin ich mir auch nicht mehr so sicher, ob ich das machen werde. Seit 3 Wochen geht's mir wieder schlechter und ich weiß nicht, ob ich jetzt für so eine Analyse stabil genug bin. Hatte vor 2 Wochen einen Vostellungsgespräch bei einer Therapeutin und die meinte, man könnte bis zu 7 Gespräche vorab führen, bevor es zu einer Entscheidung kommt welche Therapieform für mich nun geeignet ist. Puh, das dauert mir alles schon wieder viel zu lange.....

Nächsten Freitag habe ich das zweite Gespräch bei ihr.....mal seh'n wie es dann weitergeht!?

Lg
sunbeam

30.03.2013 16:30 • #8


star

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Ich mach das schon länger und auch wenn es manchmal sehr hart ist,möchte ich an die Wurzel und an die Wahrheit.
Die anderen Therapieformen haben mir in anderer Hinsicht auch geholfen aber diese Methode ist für mich bisher die beste gewesen um für mich das 'warum' zu klären...und ich bin noch lange nicht fertig....
ich denke die Therapeuten können es gut abschätzen, wie weit sie gehen dürfen.Denn manche Themen schneiden wir auch erst jetzt an...

03.04.2013 22:20 • #9


sunbeam69

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Hallo star,

mich würde noch interessieren, seit wann du die Analyse machst und wie oft diese in der Woche stattfindet? Ich stelle mir gerade vor, wenn ich wieder Vollzeit arbeite und anschließend noch 3-4 mal die Woche die Therapie hätte, dann wäre mir das echt zuviel, dass würde ich glaub gar nicht schaffen....

lg
sunbeam

04.04.2013 01:05 • #10


monty

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Ich bin zwar nicht der Angesprochene, kann dir aber von meiner Analyse berichten, die ich etwa vor 3 oder 4 Jahren begann.
Da ich zu faul bin alte Kalender zu wälzen, kann ich die Frage nach der genauen Länge der Behandlung erst übernächsten Montag beantworten, wenn ich die Therapeutin gefragt habe.

In den ersten Monaten hatte ich zwei Wochenstunden. Nachher wechselten wir in den Wochenrhythmus.

Nun stehen meine letzten beiden Stunden bevor, dann habe ich insgesamt 250 Stunden Therapie gehabt.
Wollte ich sie weitermachen, müsste ich zwei Jahre warten. Einer "anderen" Art von Therapie stände aber keine Wartefrist im Wege.


Vor etwa 15 Jahren versuchte ich mich schon einmal in einer Therapie. Wegen des langen Anfahrtweges hatte ich damals jeweils eine Doppelstunde in der Woche.
Dies muss aber der Therapeut entscheiden.

04.04.2013 01:32 • #11


star

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Liebe Sunbeam,

bei mir war es genau umgekehrt,wie bei Monty. Ich hatte anfangs nur eine Std die Woche und es erhöhte sich dann auf zwei. Ich kann deine Bedenken verstehen, doch trotz dass ich außerhalb arbeite und somit noch eine lange Strecke zu fahren habe, klappt es. Und das nicht, weil ich extrem fit bin, sondern nur froh bin beim Analysten sein zu dürfen.Denn ich will endlich gesund und glücklich leben.Ich sehe es als einen festen Bestandteil in meinem Leben dahinzugehen.
Ich beschäftige mich mit Therapien schon seit zwölf Jahren und sehe diese Therapieform als letzte Stufe. Die restlichen Formen habe ich bereits hinter mir und wüsste auch gar nicht, was danach noch kommen sollte...

Ein Versuch ist es Wert...

Lg,
Star

05.04.2013 18:57 • #12

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