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Partner glaubt nicht an Beziehung wegen Depression?

Kugelrund
Hallo zusammen, Nach langer Suche, bin ich auf dieses Forum gestoßen und sehr glücklich, hier darf ich hoffentlich meine Gedanken, Gefühle und Bedenken erzählen. Mein Partner und ich sind erst seit vier Monaten zusammengezogen, davor waren wir 2,5 Jahre zusammen (Fernbeziehung). Schon ca. drei Monate vor dem Umzug, hatte er sehr viel Stress auf der Arbeit und er ist immer mehr in ein Loch gefallen. Durch die Arbeiten und Planungen für den Umzug, hat er sich nicht komplett fallen gelassen. Nun wohnen wir zusammen und seit ca. einem Monat kann ich mir jeden Tag anhören dass sein Leben seit drei Monaten nur noch schlecht ist und er nichts mehr will. keine Hobbys ausüben, eine Beziehung mit mir und und und. Seit zwei Wochen droht er mir fast täglich, dass er mich verlässt, doch auf der anderen Seite berührt er mich zwischendurch.

Er ist schon lange in psychologischer Behandlung. das finde ich gut und motiviere ihn dazu. Leider verdreht er durch seine Krankheit oft die Realität und erzählt seinem Psychologen nur schlechte Dinge (er würde nur weinen, könnte nichts mehr schaffen, wir würden uns jeden Tag streiten), dass wir aber auch gute Momente haben, nimmt er nicht wahr und erzählt er nicht.

Letzte Woche ist er nach einer Therapiestunde wieder nach hause gekommen und erzählte mir, dass sein Psychologe ihm gesagt hätte, dass das mit uns bestimmt nichts mehr wird und er sich von mir trennen soll. ich war in dem Moment stinkesauer auf den Psychologen, wie kann der nur soetwas sagen.

Naja, lange Rede kurzer Sinn: Ich frage nun euch, ist es normal dass depressiv kranke Menschen die Realität so verdrehen? Ist es normal, dass sie seinen Parter so verletzen (jeden Tag drohen schluss zu machen)? Sagt euch euer Partner auch dass ihr aus seinem Leben verschwinden sollt?
Ich kann nämlich so langsam nicht mehr. Ich schlucke seit einer Woche Tabletten, da ich kaum noch was esse, jeden Tag weinen muss und mit meinen Kräften am Ende bin.

Über eine Antwort und Tipps und Tricks würde ich mich sehr freuen=)
Viele Grüße Sarah

13.01.2019 16:13 • #1


Ylvi13
Hallo Sarah, hier im Forum sind viele, die dir mit ihren Erfahrungen weiter helfen können, schön dass du hier bist.
Vorab, für mein Verständnis kann man bezüglich Depression nichts allgemein gültiges sagen, es gibt zu viele Facetten.
Von mir kann ich erzählen, ich verdrehe die Realität, sehe vieles verquer, manchmal durch einen grauen Schleier, bin ein Sensibelchen, ziehe mir jede Jacke an, auch wenn es nicht meine ist, meine Gefühlswelt ist durcheinander und und und. Man kann auch sagen ich bin nicht ich . Insgesamt ist das schwankend je nach Tagesform. Ich hoffe, ich bin nicht verletzend, Drohungen nein.
Als Betroffene kann ich dir nur raten, dir Hilfe zu suchen. Psychologe, Selbsthilfegruppe für Angehörige oder ähnliches.
Es ist ganz wichtig, dass du etwas für dich tust, dich abgrenzt.

13.01.2019 16:32 • x 1 #2


Kugelrund
Hallo Ylvi,
lieben Dank für deine schnelle und ehrliche Antwort =).

Danke für deine Meinung und deine Tipps. Psychologische Hile möchte ich mir gerne holen, leider sind die Wartelisten sehr lang und man muss lange auf einen Termin warten... vielleicht zu lang und dann ist eh schon alles vorbei =(.
Eine Selbsthilfegruppe habe ich auch schon gefunden und warte nun auf eine Antwort bezüglich Termine etc.

Eine Frage habe ich. Wenn ich jetzt mehr für mich mache und ihn "machen lasse", fühlt er sich dann nicht im Stich gelassen? Fühlt er sich dann nicht noch mehr darin bestätigt, unsere Beziehung zu benden, da ich für ihn gefühlt ja nicht mehr kämpfe?

Vielen Dank nochmal, eine andere Meinung und Blickwinkel zu bekommen hilft mir sehr =)
Liebe Grüße Sarah

13.01.2019 17:07 • #3


Ylvi13
Als im Stich gelassen würde ich das nicht sehen, aber dein Partner mag das völlig anders empfinden. Depression ist ein Sch....krankheit, aber kein Freibrief. Nur wenn es dir gut geht, kannst du mit ganzer Kraft deinem Partner zur Seite stehen. Mehr kämpfen geht für mich nicht. Ich denke, Kommunikation ist ganz wichtig. In der Therapie gibt es einen Begriff " Selbstfürsorge " und das gilt für den Kranken, aber auch für den Gesunden gleichermassen.
Ich mache grad meine zweite Therapie, kenne drei Psychologen, von denen hat niemals jemand etwas so konkretes gesagt, wie dein Partner erzählt( ich meine die Trennung). Eher hätten sie zur Paartherapie geraten. Vielleicht ist das auch die verdrehte Realität.

13.01.2019 17:35 • x 1 #4


Kugelrund
Alles klar, Danke dir =)
Ich werde deinen Rat befolgen und mich mal wieder mehr auf mich konzentrieren.
Was den Psychologen angeht sehe ich das genauso... es gibt immer noch andere Wege als sich sofort zu trennen.
So wie er es mir erzählt hat, sagt er dem Psychologen immer, dass er es mir nie recht machen könnte... und daraufhin hat er dann gesagt dass das eh nie was mit uns wird =(

Kennst du dich bezüglich einer Paartherapie aus? Ich habe mal bei google geschaut und so wie ich es verstehe, wird das nie von der Krankenkasse bezahlt, oder?

Liebe Grüße Sarah

13.01.2019 17:49 • #5


Ylvi13
Da kann ich nicht helfen, Paartherapie habe ich keine Erfahrung. Was vielleicht noch eine Option ist, in meiner Therapie gab es ein Paargespräch, erst beide zusammen und danach jeder allein. Ich fand das ganz gut.
Die verdrehte Realität betrifft ja jeden Bereich, also auch das was beim Psychologen ankommt. Von daher ist es vielleicht ganz hilfreich, wenn der auch mal was aus deiner Sicht hört.

13.01.2019 18:00 • x 1 #6


Kugelrund
Ah stimmt, das ist auch eine gute Idee.
Danke, ich werde es ihm vorschlagen, vielleicht findet er es ja gut =)

Liebe Grüße Sarah

13.01.2019 18:03 • #7


Ylvi13
Ich wünsche euch viel Kraft , liebe Grüsse

13.01.2019 18:11 • #8


Kugelrund
Hallo,
ich muss mich mal kurz auskotzen....
gerade konnte ich mir wieder anhören, ob unsere Beziehung überhaupt noch einen Sinn ergibt, er weiß nicht, ob er mich einfach nur aus reiner Gewohnheit berührt (Küsse und S. gibt es nicht mehr) oder ob es Liebe ist. Er weiß nicht ob er mich liebt oder nur mag. Wenn er mich berührt, sagt er, macht er es weil er es gerne möchte und es ihm dann gut tut... kann ich daraus deuten, dass da noch liebe ist oder sehe ich das zu optimistisch? Kann die Depression die Liebe zu mir mit einem Schleier verdecken... und kommt die Liebe wieder wenn die Depression weg ist?

Wie sind denn eure Erfahrungen in der Parnterschaft? Müsst/musstet ihr euch das auch immer anhören?
Ich bin echt am überlegen, ob ich mich trennen soll... da er mir ständig sagt, dass da im Moment keine Liebe ist.

Liebe Grüße Sarah

16.01.2019 16:12 • #9


Ylvi13
Hallo Kugelrund, ich erzähle dir wieder von mir, das ist das einzige, was ich wirklich einschätzen kann.
In meiner Phase schwerste Depression war ich völlig leer, da war nichts mehr, keine Gefühle, keine Emotionen, kein Hunger, kein Interesse usw. . Ich konnte weder Berührungen ertragen noch Nähe. Ich war eine leere Hülle , die Luft gezogen hat und der alles gleichgültig war. Das hat die Krankheit aus mir gemacht. Mit jedem Schritt den ich aus dem schwarzen Loch rausgekrabbelt bin, hat sich das verändert. Jetzt ist es Tagesform abhängig, geht es mir schlechter, kommt das eine oder andere in abgeschwächter Form wieder. Andere Symptome sind geblieben, z.B. Konzentrationsschwierigkeiten.
Vorwürfe , wie du sie beschrieben hast, habe ich nicht gemacht. Ich habe kaum gesprochen.
Ich hoffe, es hilft dir ein wenig weiter.

16.01.2019 16:45 • x 1 #10


Kugelrund
Hallo Ylvi,
lieben Dank für deine Antwort.
Es tut mir so leid, ich nerve bestimmt schon *lach*, doch es tut mal echt gut sich das von der Seele schreiben zu können.
Ich bin mir einfach so unsicher wie ich damit umgehen soll...
momentan nimmt er am Abend immer eine Tablette, darin stand auch, dass es in der ersten Woche noch schlimmer werden kann. Am Freitag ist die erste Woche vorbei, vielleicht kann er ab da wieder etwas klarer sehen und fühlen?!

Ich bin so durcheinander... meint er das alles was er sagt wirklich so, oder ist das die blöde Krankheit... wird sie jemals komplett verschwinden...

Nochmal, sorry für mein geschreibe, es muss einfach raus
Liebe Grüße Sarah

16.01.2019 16:56 • #11


Ylvi13
Du musst dich nicht entschuldigen, es ist alles gut. Du kannst rauslassen, was immer du möchtest.
Ich steh ja auf der anderen Seite, bin betroffen, von daher kann ich nur was zu meiner Krankheit sagen.
Ich wünsche dir sehr bald Kontakte zu Angehörigen, das hilft bestimmt weiter.
Vielleicht schaust du nochmal, ob du eine Krisenberatungsstelle o.ä. aufsuchst, bevor das mit der Selbsthilfegruppe und dem Psychologen losgeht. Je nach Bundesland gibt es auch telefonische Beratung.
Dir einen ruhigen Abend, liebe Grüsse

16.01.2019 17:50 • #12




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