Negative Erfahrungen bewältigen - Unsicherheit

CuldeSac

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So, ich habe mich entschieden, unter dieser Kategorie meine Probleme zu schildern, da die sonstigen Subforenthemen mir für meine Unklarheiten bezüglich meiner Probleme einfach zu speziell erscheinen. Gesagt, getan - nun möchte ich nicht nur meine Problematik schildern, sondern weiterhin darüber im Diskurs verbleiben, damit ich auch mein Verständnis für mich vervollständigen kann :-)..

Um nun konkret mein Problem zu schildern, möchte ich erstmal ein wenig in die Vergangenheit gehen, da meistens in der Vergangenheit die Ursache zu vermuten ist. Schon in sehr frühen Jahren bahnte sich eine Reihe an Erlebnissen an, die soziale Isolation meinerseits zur Folge hatte. Ungefähr im Alter von 6-7 Jahren fing das allmählich an, weil ich von einem älteren Jungen aus der Nachbarschaft tyrannisiert wurde; dies geschah, sowohl mit psychischer, wie auch physischer Gewalt. Der Grund für diese Tyrannei war nicht ein kindlicher Streit, sondern meine Mutter war in einen, sog. "Nachbarschaftskrieg" verwickelt, der darin ausartete, dass ich zum Opfer der Differenzen wurde.
Da die damalige Situation in der Familie zudem sehr angespannt war (zerstritten, allein erziehende Mutter mit kaum vorhandender Beachtung väterlicherseits) und die psychische Verfassung meiner Mutter nicht gerade optimal war, erhielt ich auch keine stärkende Rückendeckung, sondern jegliche Ermutigung fehlte, sodass meine einzige Option die Resignation war, die sich darin äußerte, dass ich mich abgesehen von der Schule stets zu Hause aufhielt - auch Freunde besuchten mich zu Hause, aber jegliche Aktivität im Freien fand nicht statt. Um auf den Punkt zu kommen: Es führte dazu, dass ich zur Passivität konditioniert wurde, da diese Verhaltensweise alle negativen Empfindungen auf ein Minimum reduzierte. Draußen lauerte aus damaliger Sicht eben die "Gefahr".

Natürlich hatte, als Zäsur, diese Phase in der frühen Kindheit irgendwann ein Ende, indem ein Umzug in's Ruhrgebiet sozusagen ein Neubeginn darstellte... Naja, leider waren die neue Stadt und die neuen Menschen eher eine zerronnene Utopie, als sich herausstelle, dass die erstere Situation nur in einer viel schlimmeren Variante abstrahiert werden sollte: Wieder entflammte ein "Nachbarschaftskrieg", allerdings war dieser viel schlimmer, denn erstens habe ich ihn schon sehr viel bewusster miterlebt, da ich mich in der Pubertät befand, zweitens gab es ganze Bündnisse gegen meine Mutter. die darin ausarteten, dass die sozial diffamiert, terrorisiert und sogar über Intrigen am Arbeitsplatz S. durch den Vorgesetzten belästigt wurde. All dies führte zu einer gänzlichen nervlichen Instabilität meiner Mutter, sie lag nur noch im Bett, völlig fertig mit den Nerven und ich? Ich verbrachte die Zeit in meinem Zimmer, da sich auch die Umstände für mich wiederholten (Terror usw.).. Nunja, ich kompensierte die nicht vorhandenen Hobbys mit anderen Gleichaltrigen mit Eifrigkeit in der Schule - dazu muss ich sagen, dass ich in die 5. Klasse mit katastrophalen Noten abschloss, aber im Laufe einer Progression, um irgendwie zu kompensieren, entwickelte ich mich zu einem Schüler mit Topnoten. In der Schule hatte ich nur rudimentär Kontakt zu Gleichaltrigen, da ich wegen schiefen Zähnen, Übergewicht ausgeschlossen wurde, aber zu den Lehrern - allgemein zu den damals idealisierten Erwachsenen - hatte ich immer prächtige Verhältnisse.

Mehr oder weniger fasst diese kurze Beschreibung die meiste Zeit meiner Jugend bis zum 18. Lebensjahr zusammen und zum Glück kann ich sagen, dass all diese widrigen Umstände der Vergangenheit angehören. Ein erneuter Umzug zurück in die Heimat, in der mit der Zeit kein Funke mehr des damaligen Terrors übrig geblieben war, war wieder eine Zäsur, aber diesmal zum besseren: Ich verlor an Gewicht, hatte dennoch in der Abiturzeit weiterhin gute Noten und endlich eine ruhige Umgebung gewonnen, um endlich ohne Angst zu leben.


Mein größtes, aktuelles Problem ist zur Zeit mein Gemüt - ich weiß nicht, ob es sehr konkret ist, aber es ist extrem durch Schwankungen geprägt.. Mein Gemüt ist extrem anfällig für positive und negative Erlebnisse, wovon ich vorallem negative Erlebnisse schlecht verdaue. Zudem habe ich völlig spontane Gemütsschwankungen von wirklich extremen Zuständen..Ich bin grundsätzlich eher introvertiert, aber zeitweilen auch extrovertiert, wenn ich Zugang zu Menschen gefunden habe.. Zu fremden Menschen finde ich schlecht tiefergehenden Zugang.... Allgemein erlebe ich viele Widersprüche in meiner Gefühlswelt, die mich verwirren
Mein momentan auch sehr anspruchsvolles Studium trägt leider auch nicht positiv dabei, obwohl ich ich großes Interesse habe, aber meine depressiven Zustände erschweren es mir, kontinuierliche Motivation aufzubringen..

21.01.2011 00:36 • #1


CuldeSac

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Wegen Platzmangel noch der Rest:

Ich habe die Vermutung, dass die Tatsache, das ich noch zuhause bei meiner Mutter lebe, eine Ursache für meine Depressionen sein kann (Verbindung zur Vergangenheit), ich bemühe mich auch um einen Nebenjob, um in eine eigene 1-Zimmer Wohnung zu ziehen (Ich weiß nicht, ob ich mich für eine WG eigne), damit ich diesen Abschnitt des Lebens endlich beenden kann..

So, ich hoffe, dieser Block war nicht zu sehr erschlagend und nicht eine weitere, nicht lesenswerte Leidensgeschichte ... Jedenfalls habe ich nun Fragen:

Würdet ihr meine Schilderungen grob als posttraumatische Depression oder sogar als manisch-depressive Krankheit einordnen? Trotz der Ausführlichkeit, habe ich zu Gunsten der Vermeidung eines Romans einige Aspekte gekürzt, aber ich hoffe, dass ein Eindruck entstehen konnte.

Gibt es Anlaufstellen für junge Menschen bzw. Studenten, die nicht gerade viel Geld haben, für Therapiemöglichkeiten? Ich wünsche mir schon seit einiger Zeit, mit Menschen, die Erfahrungen mit Depressionen haben, nicht nur zu schreiben, sondern auch zu sprechen, da ich das bisher noch nie getan habe... sozusagen alles in mir verborgen..

Mit diesen Fragen möchte ich auch diesen Post beenden und eine gute Nacht wünschen!

21.01.2011 00:36 • #2


Serafina

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Hallo CuldeSac,

Diagnosen oder Vermutungen können und dürfen wir hier nicht äußern. Aber zu deiner Frage nach Kontakt mit Gleichbetroffenen fällt mir z. Bsp. eine Selbsthilfegruppe ein. Ich glaube auch gehört und gelesen zu haben, dass einige Uni`s psychologische Beratung o.ä. anbieten.

Jedoch sollte erst einmal eine fachliche Diagnose gestellt werden. Ich gehe mal davon aus, dass du versichert bist. Also würde dann die Krankenkasse für die Kosten aufkommen.

SIcherlich hast du einen Hausarzt. Mit dem könntest du doch deine Überlegungen besprechen.

Serafina

21.01.2011 09:59 • #3


CuldeSac

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Den Arzt habe ich vor einiger Zeit mal aufgesucht, um von ihm einen Rat zu erhalten. Nunja, das Gespräch hat nicht lange gedauert, da er mir nach einiger Zeit einfach Mal Citalopram verschrieben hat. Da ich allerdings selbst berechtigt bin, rezeptpflichtige Medikamente zu kaufen, benötige ich sowas nicht vom Arzt... daher war der Arzt nicht sehr hilfreich, weil er garnicht mit der Alternative kam, mich einem Psychologen zu überweisen!

Eine Selbsthilfegruppe, hm, eine Notlösung eventuell, da mir eine Einzelberatung mit einem Psychlogen sehr viel lieber wäre.

Vielen Dank für die Antwort!

21.01.2011 19:15 • #4


Sonnenblume20

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Zitat von CuldeSac:
Da ich allerdings selbst berechtigt bin, rezeptpflichtige Medikamente zu kaufen, benötige ich sowas nicht vom Arzt...

Interessehalber hier mal eine Frage: Warum bist Du berechtigt, rezeptpflichtige Medikamente zu kaufen?

Zitat von CuldeSac:
Eine Selbsthilfegruppe, hm, eine Notlösung eventuell, da mir eine Einzelberatung mit einem Psychlogen sehr viel lieber wäre.

Zum einen hast Du die Möglichkeit, den Arzt zu wechseln, wenn Du Dich nicht ernst genommen fühlst.
Oder Du gehst nochmal hin (War es Dein Hausarzt ?) und bittest noch einmal ausdrücklich um eine Überweisung zu einem Psychologen.
Falls Du unter einer Depression leidest, ist es auch sinnvoll, die von einem Facharzt (Psychiater) abklären zu lassen.
Da er sich mit der Krankheit auskennt, kann er auch Therapiemöglichkeiten mit Dir besprechen, z.b. welche Therapie für Dich geeignet wäre.

Man hat allerdings auch die Möglichkeit, ohne Überweisung zu einem Psychologen zu gehen. Da müsstest Du allerdings nochmal gesondert EUR 10,-- Praxisgebühr zahlen.

Und wie schon erwähnt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Psychotherapie, sofern Du krankenversichert bist.

21.01.2011 19:35 • #5

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