Mut zum Durchhalten - habt Geduld und seid zuversichtlich!

byron

Hallo!

Letztes Jahr hab ich noch gedacht, dass ich in diese Rubrik nie reingucken werde - heute kann und will ich versuchen, Mut zu machen. Mut zum Durchhalten - auch wenn es oft die meiste Zeit sinnlos erscheinen mag!!

Wer zeit und Muse hat, soll einfach weiterlesen ...:

Vor ziemlich genau einem Jahr war ich zum Notar gedackelt und hab mein Testament gemacht. (Das ist rein objektiv gesehen immer sinnvoll, klar! ;) Ich hatte zudem eine monsterlange Datei zusammengetragen und auch einen guten Freund eingeweiht, weil alles etwas kompliziert war und ich zumindest regeln wollte, was ich regeln kann. - Ich rede dabei nicht von einer "Tagesstimmung", sondern von meinem Grundbefinden, wie es trotz jahrelanger Therapie auf diese Phase zugelaufen war ...

Tja, die Therapie: rund 200 Stunden, zwei/drei Jahre, die scheinbar NICHTS brachten! Ich zweifelte die halbe Zeit am Therapeuten (wollte aber einen Wechsel auch nicht wagen), ... ich zweifelte an mir ("arbeite ich überhaupt an mir, um eine Besserung zu erreichen?"), ... ich zweifelte an den Gegebenheiten (die Bedingungen im Job sind schließlich nicht einfach mal zu ändern), ... - und insgesamt tat sich NICHTS. Na gut: ich war inzwischen etwas "aggressiver" geworden und hab schon mal eher meine Meinung gesagt oder mich verteidigt, aber das war's dann auch schon. Die vertraute trübe Grundstimmung klebte an mir wie angeboren! Und Aktivität, Aggression, "Meinung sagen", ... all das hilft erst mal keinen Deut, wenn man keine Perspektive sieht für sein Leben, keinen Sinn darin sieht, und wenn alles nur tagein/tagaus belastend ist und eh sinnlos.

Witzigerweise gingen die beantragten Stunden gerade in dieser Zeit zu Ende, also setzte ich den Therapeuten dann doch konkreter ins Bild über meine üble Verfassung, und dass ich jetzt doch endlich mal irgendwann einen Schlußpunkt setzen will, wenn ich's schaffe. Er hat natürlich eine weitere Verlängerung beantragt und meinte auch zu mir sinngemäß "Erfahrungsgemäß löst sich in dieser Phase sehr oft der Knoten!" - Ich dachte nur "Wie soll sich ausgerechnet JETZT etwas lösen, wenn es das die letzten drei Jahre nicht getan hat!"

[SCHNITT]

Ich weiß nicht, warum, aber heute geht es mir regelrecht gut! Und das seit vielen Monaten: eine so lange "positive Phase" hatte ich in den letzten Jahren nie, also werte ich das als Wendepunkt. Natürlich bin ich immer noch argwöhnisch, ob es nicht nur eine trügerische Phase ist, aber: ich spüre seit vielen vielen Jahren endlich wieder dieses "normale" Lebensgefühl, wie ich es von früher kenne!! Natürlich gibt es Depri-Momente, aber sie zerstören mich nicht mehr sofort. Natürlich hüpfe ich noch nicht springlebendig durchs Leben, aber diese ruhige Besonnenheit ist halt ein Wesenszug von mir - und der äußert sich jetzt spürbar positiv anstatt erstickend und vernichtend ...


Was ich versuchen will zu vermitteln: wir haben immer das Bedürfnis, verstehen zu wollen: unser Leben, die Zusammenhänge, die Gründe und Ursachen für Gutes und Schlechtes, ... - aber wir können es einfach nicht immer verstehen und erfassen! Und wenn wir dann zudem auch jeden Glauben an uns und unser Leben verloren haben, wird es unerträglich quälend. - Aber dass wir etwas nicht sehen, heißt nicht, dass es nicht doch existiert oder stattfindet!! So manch Entwicklung erkennen wir erst rückblickend.

Zwei simple Beispiele: mein Therapeut hat oft aus den verschiedensten Themen Parallelen auf meine frühe Kindheit gezogen. Leider hab ich daran nur sehr eingeschränkte Erinnerung, so dass ich immer dachte "Grundgütiger, das sind doch völlig theoretische Spekulationen ... das kann doch nicht relevant sein für mein Leben *heute*, 40 Jahre später ..." - Inzwischen aber sehe ich, was er in den drei Jahren vorsichtig herausgearbeitet hat! Und ich spüre, was er da zutage gefördert hat! Natürlich bin ich deswegen jetzt kein anderer Mensch, aber es hilft mir offenbar unterschwellig und fast unbemerkt, anders im Leben zu stehen!

Oder auch: mein Therapeut hat mir all die Zeit zu verstehen gegeben, dass *ich* Möglichkeiten habe, mein Leben zu gestalten und zu bestimmen. "Joo," dachte ich immer nur, "wie soll man Verhältnisse ändern, wo man nix zu melden hat...!" - Dann fiel mir vor paar Tagen auf, dass für die wesentlichen Veränderungen im Betrieb im letzten Sommer eigentlich ICH ursächlich war... :-0


Puh, das klingt jetzt alles ziemlich konzeptlos, oder? - Unser Leben ist halt von vielen winzigen Ereignissen, Entwicklungen und "Zufällen" geprägt, und vieles davon erkennen wir "live" nicht mal. Bitte hütet eure Geduld und eure Hoffnung wie euren teuersten Schatz!

Liebe Grüße,
byron

25.12.2011 03:21 • #1


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Eisbärchen

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Das klingt super, Byron! Vielen Dank fürs Mutmachen!

Weihnachtliche Grüße
Eisbärchen

25.12.2011 23:52 • #2



Hallo byron,

Mut zum Durchhalten - habt Geduld und seid zuversichtlich!

x 3#3


huxx

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6
Hallo byron,

Dein Eintrag macht Mut. Er gibt mir ein wenig mehr Geduld wieder.

Dannke
huxx

02.01.2012 13:34 • #3


Träne

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wow.

das lest sich sehr gut. das hätt ich nicht gedacht das jemand auch so fühlt. da kann ich ja hoffen das es ja noch gut werden kann

vielen dank für deinen rückblick!!!

Träne

03.01.2012 11:41 • #4


shetty158

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Hi,
Der Beitrag macht wirklich Mut, ich hatte rückblickend auch einiges erreichen können, bin mittlerweile soweit, dass ich mit den Medikamenten etwas runterfahren kann! :) Und das lag nur daran, dass ich mich entgültig von meinem Ex getrennt hab!

07.01.2012 10:41 • #5


byron

Hallo!

Ein herzliches Danke für eure Antworten!!!

Ehrlich: ich hatte den Beitrag spontan geschrieben und am nächsten Tag gedacht "wen interessiert das eigentlich?!?" (Hmm, das passiert wohl mit 50% aller Internet-Postings so... ) Mein Posting war naturgemäß hilflos: man kann keine Tipps geben oder Lösungen anbieten - und selbst wenn man es könnte, kämen sie kaum an. Depression ist wie eine undurchdringbare Hülle mit winzigen Luftlöchern: nur wenn man es schafft, die nach und nach zu erweitern, sieht man wieder die Welt außerhalb dieser Hülle ... Ich grübel seit Tagen, ob es denn nicht doch irgend etwas gibt, das ich aus der Erfahrung der letzten Jahre raten kann?

Eines kommt mir rückblickend tatsächlich in den Sinn, und es erscheint mir sehr sehr wesentlich: jeden Mut zusammennehmen und seine Bedürfnisse und Ansprüche aussprechen!! Wir alle sind nicht geboren, um ängstlich zurückzustehen, unser Licht unter den Scheffel zu stellen, oder uns gängeln zu lassen!! Spätestens sobald uns etwas an unserer Seele verletzt, müssen wir unsere Worte wiederfinden und das ach-so-gefürchtete-Risiko eingehen und dann verzweifelt aber laut sagen "Hier bin ich! Und jetzt hört mir mal zu!!"

Ich hatte eine solche Situation z.B. vor einem Jahr mit meinem Chef: es war aus einer völligen Verzweiflung heraus, dass ich ihn um ein Gespräch gebeten hatte, und der Chef hatte mir dann auch völlig zugestimmt - also könnte man sagen "Glück gehabt!". - Aaaaber man könnte auch sagen: "es kommt darauf an, dass man sich als wertvollen Menschen noch nicht aufgegeben hat und seinen berechtigten(!) Platz im Leben einfordert!"

Ich weiß, dass es oft an der Kraft mangelt zu sagen "Hier bin ich! Respektiert mich!", wenn man sich selbst nicht mal wirklich sieht, spürt und wahrnimmt ... Aber wenn dem so ist: was gibt es dann eigentlich noch zu verlieren?? - Nicht viel ... Aber mit einem Quentchen Mut, den man zusammenrafft, läßt sich sehr viel gewinnen ...

Liebe Grüße und so,
byron

08.01.2012 03:25 • #6

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