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Meine Familie ist zerstört

Jeder wünscht sich doch eine glückliche Familie oder nicht? Eine mit der man über alles reden kann. In der man sich geborgen fühlt. In der man keine Angst haben muss etwas falsch zu machen und direkt Gewalt zu spüren bekommen muss. Bei mir ist das leider der Fall. Ich fühle mich nicht geborgen. Durch die Religion meines Vaters wird dieses Gefühl verstärkt. Er ist Muslim. Ich darf so viele Sachen nicht. Aber das ist nicht das Schlimme. Es geht darum wie er mir beibringt dies und das nicht zu dürfen. Mit Schlägen und Geschrei. Ich habe so oft Angst etwas falsch zu machen. Aber nicht nur die Religion ist der Grund für meine Angst vor ihm. Er wendet auch oftmals wegen anderen Kleinigkeiten Gewalt an. Bei mir als auch bei meiner Mutter. Zum Beispiel hat er meine Mutter auch während ihrer Schwangerschaft mit mir geschlagen. Und das tut mir verdammt nicht mal im Herzen weh wie man so sein kann. Es sind nur Diskussionen woraus er einen heftigen Streit macht. Er ist auch oft abends nicht da. Was heißt oft, er ist abends nie da. Und das fehl mir seitdem ich klein bin, dass er einfach mal bei seiner Familie ist. Ein Tag der für mich wie der schlimmste war beschäftigt mich bis heute noch. Ich wollte mich damals nur mit einer Freundin treffen. An diesem Tag war er schon schlecht gelaunt und ich weiß nicht weshalb. Als er erfuhr, dass ich rausgehen wollte hat er mir es grundlos verboten. Ich wollte ihn fragen wieso ich zu Hause bleiben muss. Daraufhin wurde ich nur angeschrien. Aber das hielt mich nicht davon ab weiterhin den Grund für seine Antwort zu erhalten. Dann kam die Gewalt ins Spiel. Er schlug mehrmals auf mich ein. Jeder Schlag fühlte sich an wie 5 Schläge. Ich hatte am Ende ein geschwollenes Gesicht mit blauen Flecken. Ich habe es so gut wie es geht versucht zu überschminken. Leider ohne Erfolg. Nach außen hin habe ich erzählt, dass die Flecken vom Spielen mit meinen kleineren Brüdern entstanden sind. Was Besseres ist mir leider nicht eingefallen und ob die Leute mir geglaubt haben ist auch fraglich. Ich weiß es gibt in jeder Familie Konflikte, aber die Häufigkeit davon bei uns macht mich einfach kaputt. Seit diesem Tag an sehe ich meinen Vater nicht mehr als Bezugsperson, ich sehe ihn nicht mehr als meinen Vater. Ich sehe wie meine Mutter leidet. Ich sehe wie oft er sie im Stich lässt. Ich bekomme so viele Streitereien zwischen ihnen mit. Und immer wieder ist sie diejenige die weinend sich im Schlafzimmer einsperrt während er einfach geht. Irgendwo hin. Und keiner weiß wohin. Er hat einfach zu viel angerichtet. Das kann ich ihm leider nicht mehr verzeihen. Ein weiterer Punkt ist die Kleiderordnung er sagt mir so oft er schämt sich für mich und für das was ich anhabe. Dabei habe ich normale Sachen an, die seinen Regeln entsprechen. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich werde bald 18 und er hat mich bis heute nicht einmal gefragt ob ich diese Religion überhaupt als meinen Glauben anerkennen möchte. Er unterdrückt mich damit. Ich soll den Koran lesen, Kopftuch tragen, an Ramadan fasten. Alles gegen meinen Willen. Und wenn ich nicht das mache was er möchte werde ich nur mit einem enttäuschten Blick angesehen oder sogar als dreckig bezeichnet. Ich teile diesen Glauben einfach nicht und das möchte ich ihm auch am liebsten einfach sagen. Aber was dann passiert kann man sich wahrscheinlich nun denken. Sollte man als Elternteil diese Entscheidung seines Kindes nicht tolerieren? Ich schreibe ihm doch auch nicht vor welchen Glauben er haben soll. Ich toleriere jede Religion und lasse jeden leben wie er es sich vorstellt. Warum kann er das nicht? Und warum bringt er dann wenigstens mir seine Religion nicht friedlich bei. Der Islam ist doch eigentlich die friedlichste Religion. Ich habe mir vorgenommen von nun an bei jeglicher Art von Gewalt, die er anwendet zur Polizei zu gehen. Das wird mir als auch dem Rest der Familie wehtun so einen Schritt zu wagen. Aber ich weiß mir einfach nicht anders zu helfen. Ich werde nicht mehr zulassen, dass er mir und meiner Mutter so etwas antut. Seine Art ist einfach nur beängstigend.

07.06.2019 21:15 • x 2 #1


Blume71
Liebe 2104,

herzlich Willkommen im Forum.
Hast Du in Deinem Umfeld Vertrauenspersonen, mit welchen Du über Deine Situation sprechen kannst?
Vielleicht ein Lehrer? Bist Du noch Schülerin oder vielleicht in einer Ausbildung?

Es wäre gut, wenn Du Deine Situation mit jemandem Aussenstehenden, welcher nicht zur Familie gehört, besprechen könntest.

Vielleicht gibt es auch in Deiner Stadt Anlaufstellen. Es gibt zB, Vereine für Frauen in Not, Frauennotruf usw. Dort kann man anrufen, einen Termin vereinbaren und sich kostenlos beraten lassen. Diese Menschen können einem mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Ich spreche aus Erfahrung.
Sicher gibt es so etwas auch in Deiner Stadt und Du findest online eine Beratungsstelle.

Alles Gute, Blume!

08.06.2019 14:20 • x 3 #2


Ich war zwar nie Moslem, aber habe mich nach meinem Kirchenaustritt viel mit Religionen beschäftigt. Ich bin dabei auch auf den sog. Zentralrat der Ex-Muslime gestoßen. Das wäre vielleicht eine Anlaufstelle für dich: https://exmuslime.com

In meinem Umfeld gibt es auch ein paar Leute aus muslimischen Familien. Dort hörte ich auch schon oft, dass der Islam im Kern eine friedliche Religion sei. Das stimmt so leider nicht ganz und ist meiner Meinung nach eine Schutzbehauptung. Nach der Theologie des Islam, wofür Koran und Sunnah maßgeblich sind, gibt es ein Haus des Friedens und ein Haus des Krieges. Streng genommen lebt deine Familie in diesem Land im Haus des Krieges. Das an sich ist nach dieser Theologie streng genommen schon Haram. Insofern ist es naheliegend, dass sehr religiöse Väter insbesondere bei Frauen und Töchtern alles ablehnen, was dem westlichen Lebensstil entspricht. Es ist ein grundsätzlicher Konflikt. Wenn du als Kind unter deutschen Kindern aufwächst, werden die sich nicht so verhalten, wie es deinem Vater recht wäre. Das weiß er natürlich. Und weil er weiß, wie stark der Einfluss der sog. Peers bei Kindern und Jugendlichen ist, denkt er auch, es bedarf einer strengen Hand, um dich von diesem Lebensstil abzubringen.

Damit hier niemand auf die Idee kommt, ich sei ein Fremdenfeind sei gesagt: Es gibt auch in Bayern unter den Katholiken strenge Väter die sich in dieser Hinsicht nicht sehr unterscheiden. Wo Religion sehr ernst genommen wird, gibt es in Sachen Lebensstil keine großen Kompromisse. In unserer Gesellschaft spielt Religion aber größtenteils nur eine sehr oberflächliche Rolle.

13.07.2019 19:19 • x 1 #3


maya60
Hallo 2104,
ich verstehe dich sehr gut, möchte dich aber bitten, vorsichtig zu sein. Wenn dein Vater ein strenger Muslim ist, kann es sehr gut sein, dass er staatliche Regeln und Gesetze gar nicht anerkennt innerlich, die westliche Welt nicht versteht und sogar ablehnt, dass er dich und deine Mutter für seinen Besitz hält, deine religiöse Erziehung für Frauensache hält, seiner eigenen Wege unter Männern geht und euer Verhalten trotzdem für extrem entscheidend für seine Familienehre hält.

Mir hat das ein Familienfreund, der liberaler Muslim ist und Pazifist, erklärt.

Wenn du also bei der nächsten Gewalt zur Polizei gehst und anschließend wieder heim, dann kann das gefährlich für dich und deine Mutter werden, denn dann hast du die Ehre deines Vaters aus seiner Sicht verletzt und vor seinen ganzen muslimischen Verwandten, Bekannten muss er das wieder gerade rücken. Von Entführung bis Schlimmerem ist da alles denkbar.

Wenn du also etwas ändern möchtest, dann wende dich dringend an eine Anlaufstelle für bedrohte muslimische Frauen oder eben Ex-Muslime wie oben gut beraten, denn die wissen dann sichere Vorgehensweisen.

Ist deine Mutter auch Muslima? Was sagt sie denn zu dem Thema? Wie geht es deinem Bruder? Kommen auch andere muslimische Verwandte in euer Haus und sind sie alle so streng?

Ich finde es gut, dass du für dich sorgst und für die Gewaltlosigkeit in eurer Familie, aber sei vorsichtig.

Es gibt auch unter Christen viel häusliche Gewalt, besonders unter Rechtslastigen, wo Frauen auch untertänig sein sollen, was strafbar ist hier in Deutschland. Trotzdem passieren schlimme häusliche Gewalttaten, weil viele ihr Heim für ihr absolutes Refugium halten, also informiere dich gut und handle nicht einfach aus deinem Gerechtigkeitssinn. Wenn dein Vater so schnell schlägt, musst du verhindern, dich ohne Schutz noch mehr in Gefahr zu bringen.

Liebe Grüße! maya

13.07.2019 19:41 • x 3 #4




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