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Depression zerstört Familie; Erfahrungen mit Jugendamt?

Hat jemand Erfahrung mit Hilfe durch das Jugendamt?

Seit 1,5 Jahren leidet meine Frau (wir sind beide knapp über 50) aus dem Nichts an einer Depression und vermutlich auch an einer Psychose. Mittlerweile haben wir auch schon "alle" Phasen einmal durch. Sie hat keinerlei Einsicht in ihre Erkrankung oder eine Behandlung. Ich laufe von Pontius zu Pilatus, erhalte aber nirgendwo wirklich Hilfe, weil meine Frau sich immer weigert. Andererseits kann sich sich aber bei Fremden, zB beim Besuch des Arztes vom sozial-psychologischen Dienst komplett verstellen, so dass auch ihm die Händen gebunden sind (ausserdem ist eine Zwangseinweisung ja nur eine Ruhigstellung, mit der Möglichkeit, sich selber wieder entlassen zu können. Der Wunsch nach einer wirklichen Heilbehandlung muss durch die Erkrankte geäußert werden)
Bei uns bin ich angeblich der Übeltäter und muss jeden Tag massive verbale Agressivität aushalten. Daher akzeptiert sie von mir keine Hilfestellung. Das alles bekommt natürlich unser 10jähriger mit. Ich spreche viel mit ihm und er ist ausserordentlich verständig.
Wir waren auch gemeinsam mal bei einem Kinderpsychologen, der für ihn noch entwarnung gab. Aber dennoch wird es an ihm nicht spurlos vorbei gehen, denn immerhin "verliert" er seine Mutter. Gott sei dank ist sie zu ihm noch nett, wenn ich nicht dabei bin. Aber wirklich kümmern kann sie sich nicht mehr. Unsere Familie wird zerstört, Urlaube sind unmöglich, Ausflüge immer anstrengend. Andere Familienangehörige stehen auch in der Kritik und kmommen nicht an sie heran.

Leider kann ich aber nicht auszuziehen (mit meinem Sohn abgesprochen), da es unsere Rahmenbedingungen nicht zulassen. Und daher versuche ich wenigstens noch etwas Gemeinsamkeit in der Familie für unseren Sohn zu erzeugen. Aber das kann wohl nur eine vorübergehende Notlösung sein. Ein Auszug scheint mir unumgänglich. Aber wer kümmert sich dann um meine Frau?

Neben vergeblichen Versuchen mit vielen Einrichtungen (sozialpädagogische Tagesklinik, gesundheitsamt und sozial-psychatrischer Dienst, Psychologin, KiM Kinder im Mittelpunkt etc) bleibt vielleicht nur noch das Jugendamt?
Hat jemand Erfahrungen mit dem Jugendamt?
Sie kümmern sich um das Kindeswohl, was aber kann das bedeuten? Machen die mehr kaputt als sie helfen?
Ich habe Angst, dass man "die" nicht mehr los wird.

Gruss Mike

06.07.2019 12:08 • x 1 #1


Alexandra2
Lieber Vater,
Ich bin alleinerziehend und wir haben anfangs meiner Krankheit aufsuchende Familientherapie bekommen. Das lief über das Jugendamt. Jedes hat offene Sprechstunden. Informiere Dich, wann das bei Euch der Fall ist. Außer dieser Hilfe gibt es noch andere Möglichkeiten. Die Beratung tat mir gut und ist bestimmt auch für Dich hilfreich. Ich drücke Dir die Daumen. Liebe Grüße Alexandra

06.07.2019 12:35 • x 3 #2


Ylvi13
Hallo Vater,
zu Alexandras Beitrag möchte ich noch hinzufügen, dass ich eine Therapie für deinen Sohn nicht falsch finde, vorbeugend oder begleitend. Ich denke, das stärkt ihn, gibt ihm Sicherheit, zeigt Wege auf im Umgang mit seiner Mutter.
Meine Tochter hat eine Zeitlang geglaubt, dass sie Schuld ist, wenn ich geweint habe, oder nicht ansprechbar war. Wir haben das so hingekriegt. Aber Aggressivität ist noch eine andere Hausnummer.
Ich wünsche dir viel Kraft.
Viele Grüsse

06.07.2019 13:04 • x 4 #3


maya60
Hallo Mike, ich finde Alexandras Rat auch sehr gut, denn 10 Jahre sind noch sehr jung und wenn deine Frau krankheitsuneinsichtig ist, aber trotzdem nicht mehr alleine daheim klarkommt, dann muss geschaut werden von fachlicher Seite, ob euer Sohn dort noch sicher ist.
Dass du ausziehen willst, wenn du dort nur als die Zielscheibe der Angriffe deiner Frau dich fühlst, kann ich verstehen. Mit deinem Sohn oder ohne deinen Sohn? Beide Optionen sollten auch wieder von fachlichen Einschätzungen abgesichert werden, finde ich. Das übersteigt unsere Elternsicht.

Ich verstehe dein Unbehagen wegen des Jugendamts und teile es auch, denn dort sind auch nur Menschen und wenn Ehepartner zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen auf eine Familien- und Krankheitssituation haben, dann stützt die Fachkraft vom Jugendamt im Sinne des Kindes am Ende oft eine und die andere Seite ist entsetzt.

Aber du bist eben kein vielfach erfahrener Fachmann für solche Krankheitssituationen in Familien und für die Notwendigkeit, zu schauen, was für deinen Sohn das Beste ist in einer solchen Situation, da sitzt du dicht selber mit drin und dazu tritt deine Frau zu unterschiedlich auf. Eine psychische Erkankung bedeutet nicht automatisch Schaden für ein Kind, aber wenn keine Krankheitseinsicht vorhanden ist oder womöglich noch eine Psychose sogar die Realitätssicht beeinträchtigt, dann vielleicht doch. Die Aggressionen deiner Frau gegenüber dir sind sicherlich für euren Sohn beängstigend und dürfen nicht so weitergehen.
Diese Verantwortung kannst du aber nicht selber tragen, sie wäre auch viel zu schwer auf Dauer. Dazu brauchst du Fachleute.

Es gibt Depressive ohne Krankheitseinsicht, obwohl die Persönlichkeitsveränderung schon die ganze Familie belastet. Meine Mutter ist so, beim letzten Mal noch kurz bevor sie für ein halbes Jahr in die Psychiatrie kam.
Aber jede Krankheit ist anders und viele Menschen mit Depressionen bekommen aus Liebe zu ihrem Kind die Erziehung doch noch recht gut hin.
Ebenso, wenn du ausziehst, wird sich sehr schenll zeigen, was deine Frau noch alleine schafft. Das befördert auch eine Krankheitseinsicht womöglich.
Aber das sind alles Spekulationen. Das Jugendamt sieht solche Familiensituationen täglich und ist erfahren damit. Und eine besuchende Familientherapie klärt hoffentlich schon einiges.

Ich bin sehr froh, dass dein Sohn dich jetzt hat und dass du so verantwortlich vorgehst in seinem Sinne. Ich weiß auch, wie schwer es für dich ist und dass das nicht so weitergehen kann, wenn keine Krankheitseinsicht deiner Frau da ist oder wenn ihre Situation so unklar ist und du von ihr angegriffen wirst. Und ich kenne aber auch die Situation, als depressive Mutter mit Krankheitseinsicht und beratenden Fachleuten meinen Sohn gut erzogen zu haben. Da müssen so viele Aspekte mit bedacht werden, die hätten mein Mann und ich nie alleine getragen.

Viel Kraft! Liebe Grüße! maya

06.07.2019 13:18 • x 3 #4




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