Familie zerstritten - Angst vor erneuter Depression

rumpelstilzchen

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Hallo liebes Forum!

Kaum hat sich der eine Sturm gelegt, beginnt ein neuer:
Ich bin wieder mal ratlos: Meinem Mann geht´s wieder mal schlechter. In der Herkunftsfamilie meines Mannes tobt der Bär: die ganze Familie ist zerstritten und sein Bruder liegt entweder die meiste Zeit depressiv im Bett oder fährt völlig manisch und umtriebig mit dem Auto durch die Gegend. Seinem Bruder geht es also genauso wie ihm vor längerer Zeit.

Unser "akutes" Problem:
Der Streit in der Herkunftsfamilie meines Mannes sollte ja eigentlich kein Thema mehr für uns sein, aber es läßt meinen Mann nicht los. Dies geht über ständiges Telefonieren mit seinem Bruder (ja, WIR BEIDE sind die Opfer!!) bis hin zu Selbstvorwürfen, dass er vll doch SChuld ist am Zugrundegehen der elterlichen Firma. (Dort arbeitet er seit einigen Jahren nicht mehr, weil dauernder Streit herrschte.
Die Ex-Kunden der elterl. Firma will jetzt mein Mann über die Firma wo er jetzt arbeitet "an Land ziehen". Einerseits ein nachvollziehbarer Gedanke, andererseits absolut schlecht für seinen Gesundheitszustand: Loyalität zum jetzigen Arbeitgeber, schlechtes Gewissen gegenüber der Familie...

Seit längerem ist mein Mann wieder extrem aufgekratzt, umtriebig, ungeduldiger und auch aggressiver.Auffallend ist auch wieder mal, dass er über alles und jeden "herzieht".
Einerseits sieht er meine Einwände ein, wenn ich z.B. sage: "Lass es die Baustelle deiner Familie sein, wir haben unsere" oder "Ruf deinen Bruder doch nicht andauernd an, du belastest dich nur damit und kannst nichts ändern". Andererseits habe ich den Eindruck, dass er sich dann unverstanden von mir fühlt, so nach dem Motto: " Du kannst meinen Bruder eh nicht leiden".

Ich habe ihm meine Bedenken und Ängste geschildert, dass mir seine Veränderung wieder so auffällt, er doch bitte kürzer treten soll usw.
Er zeigt sich einerseits einsichtig, doch dann stelle ich fest, dass er sich doch nicht an Absprachen hält.Dadurch liegen wir uns am Ende immer wieder in den Haaren und er mir Unverständnis, Bevormundung und Kontrollzwang vorwirft. Und das Schlimme ist: Er hat damit gar nicht mal so unrecht.Desto mehr ich merke, dass er Dinge heimlich tut, desto mehr erwische ich mich beim Aufpassen, Schnüffeln oder wie auch immer man es nennen will.
Ich weiß, dass ist schlecht, hier entwickelt sich eine völlig schlechte Dynamik, aber die ständige Angst, dass er einen Rückfall haben könnte, treibt mich dazu.

Am Sonntag ging es meinem Mann richtig schlecht: Extreme SChuldgefühle, Brechreiz, Bauchschmerzen usw. usw. mit der Einsicht, dass er solange nicht gesund werden kann, bis er mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat. Auf der anderen Seite völlige Blockade auf die Vorschläge meinerseits, z.B. nochmal mehr zur Therapeutin zu gehen oder sonstiges.

Ich weiß: ich kann und will ihm den Kontakt zu seinem Bruder nicht verbieten, obwohl ich fest der Überzeugung bin, es wäre besser für beide. Ich kann ihm nur raten. Aber das kommt im MOment nicht an.Das leidige Thema hatten wir ja schon: Gehts ihm gut und bin ich "lieb" ist alles gut, geht´s ihm schlecht bin ich wieder dran schuld. Und dieses ständige Auf und Ab belastet mich am meisten: Heute liebt er mich abgöttisch (so dass er mir schon auf die Nerven fällt), sage ich aber meine Meinung (die nicht seine ist) und bin unbequem, dann legt er wieder ein Benehmen an den Tag, was völlig daneben ist.(und geht dann wieder zur Tagesordnung über)

Jaja, ich weiß schon: ich sollte vor allem etwas für mich tun und nach mir schauen.
Aber das fällt mir im Moment sehr schwer. Die Angst vor einem Rückfall macht mich völlig fertig.

Liebe Grüße
rumpelstilzchen

28.08.2012 12:03 • #1


Martina

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Liebes rumpelstilzchen,
Zitat von rumpelstilzchen:
Die Angst vor einem Rückfall macht mich völlig fertig.

Kann ich voll und ganz verstehen aber es muß IHN fertig machen! Familienbande sind meistens sehr eng und er muß selber feststellen, dass ihn diese Enge immer wieder in Schwierigkeiten bringt. DU kannst ihm das leider nicht abnehmen. ER muß auch selber merken, wann es wieder Zeit ist, therapeutische Hilfe anzunehmen. Solange er das selber nicht einsieht, bist du natürlich immer wieder die Böse, wenn du das ansprichst.

Wie die Beziehung und das Familienleben darunter leiden, kann ich mir sehr gut vorstellen und ich beneide dich nicht darum.

In so einem Fall kann man nur immer wieder raten: Grenze dich ab, suche dir selber Freiräume. Laß ihn mit seiner Familie rumkämpfen oder streiten. Bei einer Stellungnahme sagst du sowieso das falsche! Baue dir einen eigenen Bekanntenkreis auf und pflege eigene Interessen. Solange du zu sehr auf ihn (und seine Krankheit) fixiert bist, wird er das immer wieder als Einmischung, Bevormundung oder Kontrolle empfinden.

Fairerweise mußt du zugeben, dass diese Kontrollen ja vorkommen. Durchaus verständlich aus deiner Sicht - aber er ist ein mündiger Bürger, ist für sich selbst verantwortlich.

Es ist leider das Los der Angehörigen von Depressiven, immer wieder eine Gratwanderung hinzubekommen. Es muß jeder für sich selber entscheiden, wie weit und wie lange er das tragen kann.

28.08.2012 12:54 • #2


rumpelstilzchen

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Danke dir, Martina!

Als er vorhin nachhause kam, erzählte er von Todesängsten die er unterwegs gehabt hat, wie schlecht es ihm geht, dass er wenn ich sauer bin, dass direkt so sieht als wenn sein Vater früher mit ihm geschimpft hat usw.

Als ich ihn dann direkt darauf angesprochen habe, dass dies m. E. nach an seiner nicht aufgearbeiteten Vergangenheit liegt und er daran dringend arbeiten müsse, fing er direkt an, abzublocken. Er könne nicht mit seinem Vater zum Familiengespräch zur Therapeutin. Selbst wenn er dort mit seinem Vater reden würde, dieser Einsicht zeigen würde, so würde er kurz darauf wieder von ihm (wenn die beiden alleine sind, oder auch bei anderen) mit Vorwürfen überhäuft.
Seine Therapeutin hat letztes Jahr zu ihm gesagt: "solange sie nicht mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen haben, werden sie ewig diesen Rucksack mit sich herum schleppen". Dies ist auch absolut meine Meinung.

Er will gar nicht mehr zu der Therapie. Vll weil es unangenehm wird? Weil´s tiefer geht?
ICh weiß auch nicht: Einerseits Einsicht darüber, woher es kommt, andererseits totale Blockade hier etwas aufzuarbeiten....

Ihm würde es mehr bringen, mit mir darüber zu reden.
Na klasse! Er projeziert das Verhalten seines dominanten Vaters auf mein (auch oft forsches) Verhalten, und ist dann froh, wenn er mich zum Reden hat...vieles was sich bei ihm im Kopf abspielt kann ich ja auch nachvollziehen, versuche es zumindest, aber einiges was er auf die Tapete bringt, ist mir echt zuviel.

Nun, wieder weiß ich mal nicht, was ich machen soll. Wenn seine Therapeutin ja bei ihm am Ende ist und er nicht "aufmacht", dann wird´s wohl ewig so weiter gehn....

28.08.2012 18:11 • #3


rumpelstilzchen

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nochwas:
Das es sehr bitter wäre, die Vergangenheit aufzuarbeiten ist mir völlig klar. Bis jetzt hat er eine Verhaltenstherapie gemacht und ist der Meinung, er hätte sich mit dieser Therapeutin nicht mehr viel zu sagen.

Hatte von Euch einer schon mal was ähnliches? Was habt ihr gemacht?

Liebe Grüße
rumpelstilzchen

28.08.2012 18:16 • #4


Martina

1982
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Liebes rumpelstilzchen,

es kommt immer wieder mal vor, dass ein Patient nach einer gewissen Zeit mit seinem Therapeuten nicht mehr gut klarkommt. Da hilft nur ein Wechsel. Man kann bis zu 5 Probetermine machen, um festzustellen, ob einem der Therapeut zusagt. Umgekehrt gilt das aber auch. Man sollte deshalb sicherheitshalber gleich bei mehreren Therapeuten Termine ausmachen oder sich auf eine Warteliste setzen lassen, wenn möglich.

Vielleicht hilft auch ein Wechsel der Therapieform oder beides.. Aber unternehmen muß er was, es geht ihm ja noch nicht gut.

Zitat von rumpelstilzchen:
Er könne nicht mit seinem Vater zum Familiengespräch zur Therapeutin.
Wenn er nicht mag, muß er auch nicht. Und es nützt dann ja auch nichts. Aber mit dem richtigen Therapeuten kann ein Weg gefunden werden, wie ER am besten mit der Situation umgeht. Er kann den Vater wohl nicht mehr ändern, aber er kann bei sich oder an seiner Einstellung bzw. seinem Verhalten etwas verändern. Das ist dann aber schon ein längerer Weg. Nur, wenn die nicht aufgearbeitete Kindheit einen Teil seiner Probleme darstellt, lohnt sich der Weg.
Zitat von rumpelstilzchen:
solange sie nicht mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen haben, werden sie ewig diesen Rucksack mit sich herum schleppen
Man kann auf unterschiedlichste Weisen mit der Vergangenheit abschließen. Das muß nicht unbedingt ein "Friede-Freude-Eierkuchen-Verhältnis" zum Vater sein. Aber was genau das Richtige ist, kann man mit dem richtigen Therapeuten erarbeiten.

Dass er die Gespräche mit dir sucht, ist sicherlich gut. Das zeigt großes Vertrauen und jeder Mensch braucht jemanden, mit dem er über seine Gefühle reden kann. Aber das kann man ja auch nicht überstrapazieren. Als Privattherapeutin bist du mit Sicherheit überfordert.
Zitat von rumpelstilzchen:
dass er wenn ich sauer bin, dass direkt so sieht als wenn sein Vater früher mit ihm geschimpft hat
Das kann ich sogar nachempfinden. Wenn meine Mutter mich als Kind und auch als Jugendliche ausgeschimpft hat, stand sie immer mit erhobenem Zeigefinger vor mir. Auf diese Geste reagiere ich heute immer noch allergisch. Ich bitte jeden, der im Gespräch mit mir (wenn auch in anderem Zusammenhang) diese Geste benutzt, dieses zu unterlassen. Es macht mich aggressiv. Das könnte bei deinem Mann so ähnlich sein.
Vielleicht könnt ihr ein Codewort vereinbaren. Wenn er wieder dieses Gefühl bekommt sagt er STOPP oder Ähnliches. Dann bemerkst du es sofort (auch wenn du ihm ja nichts Böses willst) und kannst anders reagieren.

Boh, jetzt habe ich einen Roman geschrieben, ich hoffe, es hilft dir ein bischen weiter.

28.08.2012 20:29 • #5


rumpelstilzchen

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Guten Morgen und danke für deine Antwort, Martina!

ja, deine Antwort hilft mir weiter! Irgendwie hab ich im Moment so etwas wie ein Brett vorm Kopf, kann gar nicht mehr richtig klar und strukturiert denken...deshalb hilft´s mir, hier zu lesen.

Gestern abend meinte er noch, dass ihm die (nicht aufgearbeiteten) Gründe klar seien, und das er da irgendwann durch müsse, er aber sich im Moment auch nicht in der Lage dazu sieht.
Er konnte sich auch heute morgen aufraffen, um zur Arbeit zu gehen. Ich hatte da eher Probleme, wie es mir schien. Auch jetzt sollte ich hier im Büro meinem Job nachgehen, hänge aber jetzt hier rum, weil ich mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren kann. Ich hab mich aus dem Bett quälen müssen, hab auch darüber nachgedacht krank "zu machen", mein Magen spielte verrückt und ich konnte am Frühstückstisch nichts runter bringen...ja, ich sollte auf mich aufpassen. Gestern abend war ich auch noch kurz weg, aber gedanklich war ich zuhause. Hat also nichts gebracht. Irgendwie hat das Ganze mich wieder total vereinnamt im Moment und ich überlege oft schon, ob ich demnächst ne Depression kriege oder ob sie schon da ist...

Tja, dann muss ich wohl doch mal meinem Job nachgehen, bevor es Ärger gibt...

Liebe Grüße
rumpelstilzchen

29.08.2012 08:33 • #6


Martina

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Zitat von rumpelstilzchen:
Gestern abend war ich auch noch kurz weg, aber gedanklich war ich zuhause.


Das ist anfangs auch nicht leicht. Aber auf längere Sicht bringt das schon etwas. Man braucht da zeitweise etwas Abstand, du merkst ja jetzt, dass es dir gesundheitliche Probleme macht. Das sollte nicht noch schlimmer werden.

29.08.2012 12:44 • #7


rumpelstilzchen

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ich bin wirklich mit meinem Latein am Ende:

Mein Mann halst sich immer mehr Arbeit auf, ist gestresst ohne Ende, das personifizierte schlechte Gewissen!

Als ich ihn darauf ansprach, reagierte er sofort unwirsch, er habe schon sein Handy ausgemacht, immer nur würde ich meckern, anstatt zu erkennen, dass er ja schon was dran machen würde (Handy also aus). Später sagte er, er hätte heute morgen auch schon wieder solche Angstzustände gehabt, Todesgedanken usw. Unter anderem hätte er auch oft Angst vor mir weil ich so oft anderer Meinung als er sei. Aber er könne ja keine Meinung erzwingen...
Wieder mal hab ich ihm erklärt (ich weiß nicht wie oft schon) dass ich, wenn er mir egal wäre, längst nicht mehr da sei und dass er sich ja dann auch über meine Meinung nicht mehr "ärgern" muss...

Kaum sind 10 Minuten vorbei, geht er zur Tagesordnung über, tut fast, als sei alles normal....
Ehrlich?! Ich weiß selber nicht mehr, ob ich das noch lange will. Aber die Entscheidung kann keiner mir abnehmen. WEnn er gute Zeiten hat, dann ist alles ok, wir planen, machen, tun, aber wehe die Krankheit grüßt....ich habe auch oft noch im Nachhinein an seinen Aussagen, die er während schlechter Phasen hatte, zu knabbern, und manchmal denke ich auch nur: Wir stehen uns gegenseitig im Weg.

Zu seiner Psychotherapeutin will er nicht, weil er sich mit der nichts mehr zu sagen hat, zum Psychiater momentan auch noch nicht, weil er ja da eh nur so "dicke Dinger" bekommen würde...
Mein Mann will es jetzt mit Reiki/Energieheilung (oder so was ähnliches, keine Ahnung) probieren. Selbst seine Psychotherapeutin war davon nicht abgeneigt. Naja, soll er mal. Kann ja sein, dass das ihm hilft, die vielen unbewältigten Dinge hervorzuholen und zu lösen.

Wie gesagt: Ich bin mit meinem Latein am Ende!
Am besten sag ich gar nix mehr plaudere beim Essen mit ihm über´s Wetter oder so!

Drück´ Euch!
rumpelstilzchen

30.08.2012 12:05 • #8


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Steffi

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Hallo rumpel,
ich kann mir sehr gut vorstellen, was bei euch abgeht und wie du dich dabei fühlst.
Zitat:
Am besten sag ich gar nix mehr plaudere beim Essen mit ihm über´s Wetter oder so!

kannst du das ? versuch es mal. genau das hätte ich dir jetzt auch vorgeschlagen. aber erwarte nichts dabei. ich glaube, je mehr aufmerksamkeit du ihm (und seiner krankheit) widmest, um so mehr verschärft sich die situation. es ist sicher schwer für dich, aber ein bisschen mehr ignoranz des ganzen kann dir helfen und vielleicht auch ihm.

30.08.2012 12:38 • #9


rumpelstilzchen

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...ich werde versuchen "ignorant" zu sein, auch wenn´s schwerfällt. Manchmal wünschte ich mir, ich wäre von Natur aus so, dann hätte ich´s mit vielem leichter. Bin ich aber leider nicht.

liebe Grüße!

30.08.2012 12:46 • #10


rumpelstilzchen

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Guten MOrgen!

Wollte euch mal kurz vom Wochenende berichten: Man kann sagen, es war eine Achterbahnfahrt.EInmal ging es meinem Mann schlecht, mal gut. Die guten Phasen unterstrichen von extremer Redseligkeit und guter Laune, die schlechten mit ebenso schlechter Laune und Forderungen an mich. Wenn ich die Beiträge in den anderen Foren mal durchforste, komme ich mittlerweile immer mehr zu der Erkenntnis, dass ich mich selber mittlerweile in einer Depression befinde.

Gestern abend haben wir versucht, den Tag Revue passieren zu lassen: Für ihn war der Tag (ausser der Morgen) Tip-Top, er war zufrieden. Mir kam der Tag so vor, als sei ich mit angezogener Handbremse gefahren. Blos Rücksicht nehmen, blos nichts falsches sagen usw. usw.. Mir ging es z. B. auf den Geist, dass er die ganze Zeit über die belanglosesten Sachen redete; als er mir bei etwas helfen sollte, plötzlich wieder verschwunden war, sich bei der kleinsten Kleinigkeit aufregte.
Ausserdem haben wir gestern noch versucht, eine Art Plan aufzustellen für die Woche: Früher aufstehen, damit wir uns nicht so stressen, gemeinsam Frühstück machen etc. (Dinge eigentlich, die selbstverständlich sind). SChön und gut, der Ansatz war ok, aber leider habe ich im Bauch immer so ein eigenartiges Gefühl nach dem Motto: ER will hier die Regeln machen!
"Wir sollten zusammen duschen gehen morgens, du solltest weniger Fernsehen und am PC sein, du solltest abends mit mir kuscheln..." (vor ein paar Tagen meinte er sogar, dass es auch einfacher wäre, wenn ich nicht arbeiten gehen würde!!! Dies hat er aber dann "zurück genommen").
Ich möchte nicht JETZT schon entscheiden, ob ich alleine oder zu zweit duschen will, ob ich heut abend kuscheln will oder nicht! Beim Fernsehen habe ich mittlerweile schon ein schlechtes Gewissen! Er interessiert sich nie für einen Film oder einen Beitrag, den ich gerne mit ihm zusammen schauen möchte und deshalb soll ich´s lassen? Soll ich komplett sein Leben leben?

Momentan geh ich wirklich auf dem Zahnfleisch, mit dem andauernden Gefühl, das er die Meinung hat: Du musst nur machen, was ich will, dann gehts mir gut.

Immer öfters geht mir durch den Kopf, das eine Trennung( zumindest auf Zeit) das beste für uns wäre.
Doch dann bin ich wahrscheinlich auch wieder mal die Böse, wenn ich mit diesem Vorschlag käme...

Traurige Grüße
rumpelstilzchen

03.09.2012 08:10 • #11


Martina

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Hallo rumpelstilzchen,

Zitat von rumpelstilzchen:
Doch dann bin ich wahrscheinlich auch wieder mal die Böse, wenn ich mit diesem Vorschlag käme...


Das sollte dir vollkommen schnurzpiepe sein, ob du dann die BÖSE bist! Du mußt beizeiten herausfinden, welcher Weg auch für DICH gut ist. Wenn du nämlich einfach immer weitermachst, klappst du irgendwann weg - und dann biste auch die BÖSE!

03.09.2012 15:46 • #12


rumpelstilzchen

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Guten Morgen liebes Forum!

Gestern hatte mein Mann seinen Termin beim Psychiater. Eigentlich wollte er ja alleine hin, aber nachdem ich ihm erklärt habe, es sei für mich ein wichtiger Vertrauensbeweis dass ich mitgehe und meine Ansicht der Dinge erkläre, "durfte" ich mit.
Es war wie ich mir gedacht habe: Er erzählte dem Psych nur ungern über seine Zwangsgedanken und Todesängste, gab zwar zu, dass er aggressiv sei, betonte aber gleich dass es seit letzter Woche wieder bergauf ginge. Nachdem ich meine Sichtweise erklärt habe, wurde er unruhig und erzählte dem Psych dass ich ja auch nicht mehr mit ihm schlafe usw.. Nach einigem Hin und Her meinte der Arzt dass mein Mann zuätzlich zum Lithium (was ja wohl keine vorbeugende WIrkung auf Psychosen hat!!??, die Meinung hatte ich bis heute!!!) noch Risperidon 0,5mg morgens und abends nehmen soll, damit er weniger aggressiv ist. Ausserdem sei dies ein Medikament zur Psychosen-Vorbeugung. Oh Gott, was hat sich mein Mann zuerst gewehrt! Irgendwann hat der Arzt dann gemeint, dass auch 80-jährige Omas das Medikament in dieser Dosierung vertragen, er es einfach mitnehmen soll und selber überlegen ob er es nimmt. Boh!

Aber: Er hat´s genommen: Gestern abend und auch heut morgen. Vll hat er ja doch eine Einsicht, dass er sich ohne Medis nur selber quält....
Mensch, ich hab gedacht, Lithium ist auch zur Vorbeugung gedacht. Komisch, dass der Arzt meinen Mann nach mehreren aufflammenden Psychosen dann so laufen lässt...

Liebe Grüße
rumpelstilzchen

21.09.2012 08:26 • #13


rumpelstilzchen

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ach so:
einen Termin bei der Eheberatung haben wir auch gemacht, im Oktober.

wir haben´s bitter nötig

21.09.2012 08:28 • #14


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Steffi

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Hallo rumpelstilzchen

Lithium ist ein Medikament, welches heute noch immer als Mittel der ersten Wahl gegen Manien und zur vorbeugenden Therapie bei bipolar-affektiven Störungen eingesetzt wird.

Der Wirkstoff Risperidon hingegen dient der Behandlung schwerer Psychosen mit Realitätsverlust, Wahnvorstellungen und Halluzinationen, wie beispielsweise bei chronischer Schizophrenie oder einer krankhaften Übersteigerung (Manie).
Zitat:
Komisch, dass der Arzt meinen Mann nach mehreren aufflammenden Psychosen dann so laufen lässt...

Das sollte Dich nicht wundern. Ich kenne inzwischen selbst einen Facharzt für Psychiatrie, der meinen Mann selbst bei akuter paranoider Schizophrenie laufen ließ, statt ihn sofort in die Klinik einzuweisen. Allein auf die Meinung der Ärzte verlassen, ist fatal. Es ist wichtig, dass Du auch weiterhin Deinen eigenen Verstand nutzt, um schlimmeres abzuwenden.

21.09.2012 10:22 • #15


rumpelstilzchen

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Hallo Ihr Lieben!

Erst einmal wünsche ich Euch allen ein gutes neues Jahr, schließlich haben wir länger nicht mehr voneinander gelesen

Eigentlich gibt´s auch nicht´s besonderes: Mein Mann nimmt sein Risperidon und damit geht´s! Natürlich gibt es noch immer Hoch´s und Tief´s, aber insgesamt ist er stabiler (und damit das ganze Familienleben entspannter) geworden.
Die Probleme seiner Herkunftsfamilie belasten ihn mal mehr (Schlaflosigkeit) und mal weniger, aber insgesamt sind wir recht zufrieden.
Auch die Paartherapie scheint Früchte zu tragen....

Soweit von uns!
Bleibt uns zu wünschen, dass es für uns alle ein möglichst ruhiges und "langweiliges" Jahr wird.

Liebe Grüße, schön das es Euch gibt!
rumpelstilzchen

30.01.2013 09:56 • #16


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Steffi

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Hallo rumpelstilzchen,

das freut mich zu lesen. Und es freut mich, dass Du dich hier mal gemeldet hast. Ich habe doch immer Interesse daran, wie es bei anderen weitergeht, was sie machen, was sich vielleicht geändert hat.

Ich wünsche weiterhin anhaltende Stabilität. Das ist bei dieser Erkrankung das allerwichtigste. Ich hoffe für Dich, dass er inzwischen eingesehen hat, was ein Absetzen der Tabletten bewirkt.

30.01.2013 13:54 • #17


rumpelstilzchen

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Hallo Steffi!

Ja, ich hoffe mittlerweile wirklich, dass er es einsieht:
Wg. Gelenkschmerzen und Müdigkeit hatte er mit seinem Psych besprochen, dass er morgens nur 0,25 Risperidon nimmt. Also nur die Hälfte als sonst...
Die letzten 2 Wochen wurde mein Mann wieder angespannter, hektischer, suchte wieder öfter Streit und fluchte los, wenn etwas nicht klappte. Nicht extrem, aber ich bildete mir ein, er sei "unentspannter". Das kann ja viele Ursachen haben, hab ich mir gedacht, reagier jetzt mal nicht über, lass ihn diesmal mal selber machen.Schließlich wollte ich ihn nicht bevormunden, so wie er es mir schon so oft vorgeworfen hat.

Heute morgen hat er unsere Tochter wg. einer Kleinigkeit "zusammengefaltet". Ich hatte es nicht mitbekommen, sie erzählte es mir heut mittag. Als ich mit meinem Mann vorhin telefonierte, erklärte ich ihm, dass ich das absolut nicht ok gefunden hätte, und wie er dazu kommt.
Und was bekomme ich zu hören?:
Ja, er würde denken, es wäre doch nicht so eine gute Idee gewesen, die Tabletten zu reduzieren. Ihm selber würde auffallen, dass er wieder viel schneller auf der Palme sei! Oder ob ich das nicht so empfinden würde?
Kurze Antwort von mir: "Doch."
Er: "Und warum hast du nichts gesagt?"
Ich: "Du wolltest dich um deine Medikamente selber kümmern. Hätte ich etwas gesagt, hättest du es als Bevormundung angesehen."
Er: "Aha! Aber gut, dass wir darüber gesprochen haben und dass du meine Veränderung auch gemerkt hast. Ich bleib wohl besser bei der alten Dosis, da geht´s mir besser".

Ich hätte ja alles gedacht, aber dass er mal so vernünftig mit seiner Krankheit umgeht....das ist allerhand!
HOffentlich war das kein Strohfeuer, aber ich setze die Hoffnung auf unsere Ehetherapie, die doch einiges bewegt hat.

Liebe Grüße!

14.02.2013 16:25 • #18


rumpelstilzchen

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"zusammengefaltet" soll natürlich bedeuten AUSGESCHIMPFT
Nicht dass das hier noch einer falsch versteht.....Ich bin aber auch ein Sofreinachschnauzeschreiber

14.02.2013 16:29 • #19


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Steffi

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Hallo rumpelstilzchen,

das ist ja wirklich allerhand.
Diese Aussage
Zitat:
Ja, er würde denken, es wäre doch nicht so eine gute Idee gewesen, die Tabletten zu reduzieren. Ihm selber würde auffallen, dass er wieder viel schneller auf der Palme sei! Oder ob ich das nicht so empfinden würde?

lässt mich hoffen, dass Dein Mann tatsächlich verstanden hat, worum es geht.

Betrachte es auch als einen Vertrauensbeweis seinerseits. Ich bin selbst manisch-depressiv und weiß, dass ich mich auf die Aussagen meines Mannes verlassen kann. Er ist mein bestes Frühwarnsystem, abgesehen davon, dass ich inzwischen auch selbst die Zeichen der Zeit erkenne, wenn ich Höhenflüge anstrebe.

Dein Mann brauchte vermutlich erst all diese Rückschläge der Vergangenheit, um zu begreifen, dass Du nicht sein Feind bist, sondern ein verlässlicher Partner.
Jeder Mensch mit bipolarer Störung braucht eine Bezugsperson, auf dessen Aussage er sich verlassen kann. Ich freue mich für Dich.

14.02.2013 18:53 • #20


rumpelstilzchen

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Hallo Ihr Lieben und frohes neues Jahr!

Jetzt ging es ja so gut im letzten Jahr, und meinetwegen hätte es auch so bleiben können. Aber leider ist seit den Tagen um Sylvester wieder eine kleine Verschlechterung "im Werden":
Hochsensibel wie ich nun mal bin, fiel mir auf dass mein Mann wieder wesentlich umtriebiger und angespannter wurde. Auch sein Alk. stieg an (er trank sonst 3-4 Gläser ín der Woche) und er ging mehrmals die Woche in der Kneipe (sonst höchstens 1x im Monat). Festgestellt habe ich das, als ich mit dem Hund spazieren ging und ich sein Auto an der Kneipe stehen sah. Mir schickte er eine SMS, dass er noch in der Arbeit sei .

Als er heimkam, habe ich ihn darauf angesprochen und war natürlich sauer. Will er jetzt wieder alles was wir uns letztes Jahr mit Eheberatung etc. an Vertrauen wieder erarbeitet haben, aufs Spiel setzen?
Er kam mir wieder mal vor, als habe ich ihn bei etwas erwischt. Schließlich erzählte er mir auch, dass er wieder Todesängste hat usw.
Er war jetzt beim Hausarzt und hat das Risperidon nun von 0,5mg auf 0,75mg abends erhöht. Soweit ok.
Was mich aber nachdenklich macht: Immer wenn eine Krise kommt, beginnt er zu lügen, den Leuten Bären aufzubinden, andere Menschen schlecht zu machen damit er selber in einem besseren Licht steht usw. WARUM verdammt nochmal?! Gehört das zur Krankheit?? Sonst tut er das doch auch nicht.

Es setzt mir im Moment ziemlich zu, mir geht's nicht wirklich gut: Wir probieren unser Familienleben normal weiter zu leben (die Kinder wissen nichts von der Krise), er geht normal arbeiten, ich auch, er geht seinem Hobby nach, ich meinem, wir unternehmen was mit den Kindern etc. Wir haben jetzt auch keinen heftigen Streit gehabt, wie sonst. Aber es ist halt sche.ße!
Tja, ich habe ihm gesagt, dass ich sehr enttäuscht bin, dass er mich angelogen hat und das ich mir Sorgen um ihn und uns mache. Ich kann ihm auch nicht nahe sein, wenn ich so enttäuscht bin, und das setzt ihn wiederum unter Druck: Er denkt, ich will ihn damit strafen! Ich kanns leider nicht ändern: Momentan möchte ich am liebsten von ihm gar nicht angefasst werden.
Psychotherapie macht er seit ca. 1 Jahr keine mehr. Ich nehme an, dass er seine Tabletten nimmt: Kontrollieren würde ich manchmal gerne, lasse es aber! ER ist verantwortlich! Das habe ich ihm auch gesagt.

Mannoman! Das geht jetzt wohl nicht schon wieder los......

Drück Euch!!!

12.01.2014 23:15 • #21


rumpelstilzchen

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Hallo zusammen!

Mein Mann war bei seinem Psych und dieser meinte wir hätten zusammen mit dem Hausarzt schon mal gut reagiert, was die zusätzliche Einnahme von Risperidon betrifft. Seinen Lithiumspiegel muss er noch kontrollieren lassen: Leider vergisst er es aber die letzte Zeit....
Die Einsamkeit setzt mir in letzter Zeit so zu. Zu zweit einsam sozusagen. Wir sind aber auch so verschieden: Er ist abends so müde, liegt um 20.00 Uhr auf der Couch und schläft, und ich hocke vorm PC oder vorm Fernseher um irgendwas gegen meine Langeweile zu machen. Gegen 23 Uhr ist er dann ausgeschlafen und ich müde, naja...auch nicht so günstig fürs gemeinsame Eheleben...
Gestern abend hab ich ihm gesagt, dass mir die Gemeinsamkeiten fehlen, dass ich mich auch mal mit ihm über was anderes wie über sein Hobby oder seine Arbeit unterhalten will....er fand keine Antwort darauf.
Heute ist er am späten Nachmittag zu einem Lehrgang (von seiner Arbeit) gefahren. Heute schon, damit er morgen ausgeruhter sein kann.
2 Nächte hab ich also für mich allein und find es gar nicht so schlimm. Bei einem kurzen Telefonat heute abend sagte er mir noch, dass es ihm heute vormittag nicht gut gegangen sei. Tja, da konnte ich nichts drauf erwidern.
Wie gesagt: momentan bedauere ich mich wohl selber: habe an nichts spaß, bin depressiv, esse und trinke zu ungesund, kann mich selbst nicht leiden.

Ich will nicht, dass es wieder anfängt!
Immer wieder und immer wieder: Er arbeitet zu viel, er wird wieder krank...................

Liebe Grüße
rumpelstilzchen

03.02.2014 23:08 • #22


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Schwabenengel

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Hallo Rumpelstilzchen,

ich habe eben Deinen Thread, und den davor von Anfang bis Ende mit Gänsehaut gelesen..

Hut ab! Du bist ein starke Frau!!!
Wie geht es Euch inzwischen?

Liebe Grüße

Schwabenengel

18.07.2014 22:37 • #23


rumpelstilzchen

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Hallo Schwabenengel,

danke für deine Antwort.
Tja, wie geht es uns?
Ich würde mal sagen bis Mitte/Ende Juli war alles gut. In Absprache mit seinem Arzt hat er das Risperidon wieder abgesetzt und nimmt weiterhin sein Lithium.
Ab Ende Juli allerdings wird er wieder ungehaltener, umtriebiger, hat massive Rückenprobleme usw.
Im Urlaub MItte August hat es wieder ziemlich zwischen uns gekracht: Seine Rückenprobleme wurden am Urlaubsort ganz massiv (haben sich mittlerweile als Bandscheibenvorfall geoutet). Ich musste die Kinder alleine bespaßen, die Laune von uns beiden gelangte in den Keller. Das Desinteresse seinerseits habe ich noch auf die Rückenschmerzen geschoben, aber wo ihm was Spaß machte, blieb er gerne länger. Vor allem belasten mich bei seinen Ausrastern, dass er dann absolut unsachlich und gemein mir gegenüber wird, auch bei den Kindern. Und dass ich immer das Gefühl habe, nicht genug für ihn zu machen, ja sogar eine schlechte kontrollierende Ehefrau zu sein: Immer und immer kommen in diesen Phasen von ihm die unterschwelligen Vorwürfe, dass ich ihm körperlich nicht genug Zuwendung gebe. Ich hätte mir ja inzwischen fast vorgenommen, grundsätzlich im Urlaub nicht mehr mit ihm zu schlafen. Das macht mich mittlerweile sowas von fertig. Ich habe auch mittlerweile wirklich keine Lust mehr und habe das Gefühl mich von ihm "entliebt" zu haben. Habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich abends noch eine Sendung im Fernsehen anschauen möchte. Alleine, weil es ihn eh nicht interessiert.

Auch gestern morgen rastete er wg. einer Kleinigkeit mir gegenüber aus: Ich würde immerzu nur nörgeln und ihn kritisieren usw.. Wieder einmal vor einem unserer Kinder....Später -bevor er sich auf den Weg zur Arbeit machte- meinte er noch: Sogar nachts im Schlaf würde ich schon wegzucken, wenn er mich anfassen würde, so negativ sei ich ihm gegenüber im Unterbewusstsein schon eingestellt. Also alles wieder nur Vorwürfe. Gestern nachmittag kam dann unsere Große weinend ins Haus. Sie sollte Papa helfen und der wäre wieder mal total blöd gewesen, hätte sie angeschnauzt und als sie nachfragte, gar nichts mehr gesagt. Und überhaupt sei der Papa die letzte Zeit wieder "immer so blöd drauf".
Wir sind dann gemeinsam zu ihm um mit ihm zu sprechen. Er steht dann immer da wie ein armer geprügelter Hund. Im Anschluss meinte er dann, es sei gut, dass sie ihm das gesagt hätte. Auch ich habe ihm gestern abend gesagt, dass er etwas unternehmen müsste, schien es als habe er ein Einsehen: Er würde noch bis Donnerstag warten. Wenn es dann nicht besser sei, würde er sich Hilfe suchen.
Ich habe dann auch mal Klartext gesprochen:
Warum erst am Donnerstag? Hübsch aussitzen und warten bis die Wogen sich geglättet haben, und dann weiter bis zum nächsten Mal?
Ich kümmere mich um so vieles für ihn: Bin ich seine Mutter oder was? Und nein, ich verspüre keine körperliche Lust mehr auf ihn. Soviel wie ich mich tagsüber mit ihm beschäftige (im Kopf) muss ich das nicht auch noch am Abend (körperlich). Aber das ist ja wahrscheinlich mein eigenes Problem, dass ich mich da nicht genug abgrenzen kann und seine Probleme zu meinen mache. Das habe ich leider in all den Jahren noch nicht gelernt: Ihn einfach mal irgendwo auflaufen lassen. Bevor es dann Ärger gibt, kümmere ich mich darum.

Nun, Fazit des Ganzen:
Ich erwarte von ihm nicht, das er unbedingt Tabletten zusätzlich einschmeißt, wenn er und sein Psych es nicht für sinnvoll erachten. Aber dann soll er zumindest nochmal eine Verhaltenstherapie beginnen oder sonst was. Nur dieses Aussitzen das mache ich nicht mehr mit, auch oder besonders wg. unserer Kinder.
Manchmal bewundere ich auch seinen Ehrgeiz und sein Durchhaltevermögen: Trotz Depressionen, Manien, Bandscheibenvorfällen und starken Magen-Darm-Problemen: Er geht zur Arbeit. Aber vielleicht ist genau das ja ein Wegdrücken der Probleme. Zuhause auf der Couch wäre man ja nicht abgelenkt davon...

Ach, alles ganz große Sch...e!

Liebe Grüße
rumpelstilzchen

10.09.2014 11:03 • #24


rumpelstilzchen

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Hallo ihr lieben,

Anfang des Monats hatte ich zu unserer derzeitigen Situation noch mal was unter "mal wieder was von uns" geschrieben.
Mein Mann ist mittlerweile bei einer energetischen Heilerin in Behandlung. Die würde ihm helfen, sagt er. Ich stehe der ganzen Sache kritisch gegenüber aber lasse ihn machen, da er weder zum Psychiater noch zur Psychotherapeutin geht. Das einzigste was mich nicht ganz durchdrehen lässt, ist das er mir sagte, dass seine Heilerin ihn auch zum Arzt schicken würde, wenn es nicht mehr ginge. Er will von mir zu keinem Thema gefragt werden, erzählt mir dann aber wiederum Dinge, die ich gar nicht hören will, bzw. die ich als Vorwurf mir gegenüber ansehe: Er könnte mir gar nicht sagen was da auf die "Tapete" käme, ganz schlimme Dinge seien das und wenn es so weiter ginge (mit mir? so verstehe ich es) könne es durchaus sein, dass er sich irgendwann das Leben nehmen würde. Wir hatten am Montag (nachdem er mit mir intim werden wollte, ich aber nicht wollte und er dann sauer wurde) darüber gesprochen, das dies auch deshalb daran liegen würde, dass ich kein Vertrauen mehr zu ihm hätte. Immer diese Ausbrüche und Vorwürfe mir gegenüber...wie soll ich da noch Vertrauen und Liebe empfinden. Er verstand aber nicht, das ich dann innerlich auf Distanz gehe, er sieht den "Liebesentzug" als Strafe an. Sämtliche Erklärungen, dass ich ihn damit nicht strafen will, dass er mir nach wie vor wichtig ist, liefen m. E. ins Nichts.
Auch Eheberatung etc. lehnt er im Moment ab, weiß nicht ob er im Oktober mit mir und den Kindern weg fährt usw.
Ich soll ihn in Ruhe lassen. Er hätte mich auch schon längst verlassen, wären da die Kinder (und das Vermögen?) nicht. Ausserdem wollte er wissen, ob ich Existenzängste hätte und warum? (Hatte die Heilerin herausgefunden).
All das höre ich mir im Moment an, merke aber, dass es in ihm arbeitet.
Heut morgen ein Anruf von ihm: "Weißt du noch, wann ich den Anruf von meinem Freund bekommen habe?"
Es ging um organisatorische Dinge, in dem ich mir von meinem Mann schon größeres Verantwortungsbewusstsein erwartet hätte, und was mich in dem Moment auch enttäuschte.
Ich: "nein, wieso?"
Er: " ich hatte überlegt, ob dein mangelndes Vertrauen seit dem ist."
Ich sagte ihm dann´, dass dies doch schon länger der Fall sei und ich ihm das doch auch erklärt hätte.
Aber irgendwie schien das nicht bei ihm anzukommen. Er schimpfte nur wieder über seinen Freund. Ich habe ihm dann mir auf den Weg gegeben, dass er nicht seinen Freund oder andere Menschen immer verantwortlich machen soll, sondern selber für Entscheidungen stehen soll. Mir erzählte er dann belanglose Sachen, z.B. was er unterwegs gesehen hatte.....????

Ganz ehrlich? Ich fühle mich von ihm so unter Druck gesetzt und mir wäre es am liebsten er würde seiner Wege gehen. Aber ich habe Angst: Angst das er sich etwas antut, Angst vor den Trennungsstreitigkeiten, Angst den Kindern den Vater zu nehmen. Aber so kann es nicht weitergehen.
Wie schon am Anfang angesprochen: Wenn es ihm nochmal besser geht (und das schlimmste ist schon vorüber wie ihm die Heilerin sagte) will er evtl. noch mal zu einem Therapeuten. Aber eigentlich lieber zu einem anderen. (um dort wieder bedauert zu werden, und wenn es ans Eingemachte, Unangenehme geht wechseln wir wieder?)
Eins nach dem anderen, sagte er mir. Ein Auto würde man auch nicht in eien andere Werkstatt bringen, solange in der einen noch daran gearbeitet würde. Solche Gleichnisse bringt er verstärkt, wenn er wieder "Kirmes im Kopf" hat.

ich würde mir wünschen, es gäbe für uns einen gemeinsamen Weg, doch momentan fehlt mir da wirklich die Zuversicht. So oft habe ich (haben wir) alles versucht, aber es ist vieles auf der Strecke geblieben.
Mir bleibt wahrscheinlich nichts anderes übrig als ihn tatsächlich in Ruhe zu lassen, oder was meint ihr?
Wenn es dann wieder in einer Psychose landet, ist es eben so. ich kann nicht immer für ihn die Kartoffeln aus dem Feuer holen, alles für ihn tun und machen und anschließend -wenns grad passt- bin ich wieder schuld, oder seine Familie, oder sein Chef oder.....Geht's ihm gut ist er ja so verliebt in mich, findet mich toll und gesteht mir täglich aus Neue seine Liebe. Geht's ihm schlecht, bin ich schlecht. Er wird unsachlich, ungerecht und verletzend.

ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Wir versuchen unser Leben so normal wie möglich zu leben. Ich lasse ihn in Frieden. Und manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, dass ich lieber ohne ihn wäre und dass, wenn er jetzt in die Psychiatrie müsste, das der ideale Zeitpunkt für eine Trennung wäre.
Aber dann bin ich wieder die Böse: Mir gehört das Haus. Er hängt sehr daran und an der Werkstatt, die er mit viel Arbeitsaufwand und Liebe (und Geld) umgebaut hat....womit wir wieder bei den Existenzängsten wären.......

Hoffentlich habe ich nicht zu wirr geschrieben ,

liebe Grüße
rumpelstilzchen

24.09.2014 09:34 • #25

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