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Mutter-Tochter-Beziehung / Konflikte, Tipps & Erfahrungen

Alexandra2
Liebe mutmacher,
Du bist das Wichtigste in Deinem Leben. Und in diesem jetzigen angeschlagenen Zustand kannst Du doch mal ein Wochenende sausen lassen. Um Dich zu erholen und neu zu überlegen, wie kann es für Euch BEIDE gehen? Eine andere Haltung kann man nicht herschnipsen, das braucht Zeit.
Wenn Du das nächste Mal fährst, könnte das ja eine neue Aushandlung bedeuten, wo Du auch zu Deinem Recht kommst. Mit der präparierten Haltung wärst Du sicherer und fester und kämst nicht auf die Idee, keine Rechte zu haben.
Und Du brauchst weniger Stress, mehr Abstand und Ruhe und, am wichtigsten, auch generell gesehen zu werden. Nichts kränkt mehr, als immer wieder die bedürfnislose Tochter zu sein. Und den Ärger, die Traurigkeit, irgendwo hin zu stopfen.
Liebe Grüße

12.03.2019 14:11 • x 3 #31


mutmacher
Nichts lieber als das, Alexandra. Aber als ich das letzte Mal Mitte Februar bei ihr war, hab ich festgestellt, dass sie beginnt dement zu werden und konnte den Arzt anschupsen, ihr doch bitte Fentanyl-Pflaster zu verschreiben und hab das dann auch so mit dem Personal besprochen. Also keine lange Diskussion möchten Sie denn diese Pflaster, Frau X? Nein, Pflaster auf den Rücken und gut is. Das war schon wichtig, dass ich dort war. Ich hab mir das so selbst als Gesetz gemacht, 1x/Monat dort zu erscheinen, nachdem ich meine Mutter 3 Jahre gepflegt habe. Aber es gibt ja auch eine kleine Belohnung. Gerade haben mein Schwie.-Sohn u. wir einen Bauplatz gekauft, Architektentermin, Baugesuch usw hinter uns und können vermutl. schon im Mai ein Fertighaus da drauf stellen vom Erlös des verkauften Elternhauses. Meine Tochter und ich können`s kaum mehr erwarten, bald unter einem Dach zu wohnen. Wir haben uns über 40 Jahre gut verstanden u. ich freu mich auf die 3 Enkelkinder. Wenn mich nicht gerade ein Schlaganfall od. sonstwas hinwegrafft, wird das so ein kleiner Triumpf u. Lebenskrönung für mich sein.
Meine Mutter hat natürlich noch gut mitbekommen (und auch erlaubt), dass ich das Haus verkaufe, aber nicht ein einziges Mal gefragt, wie die Sache eigtl. ausgegangen ist. Sie hat da gedanklich wohl einfach einen Strich drunter gemacht und Tschüss. Von daher fühle ich mich dann doch verpflichtet nach ihr zu schauen, da ich den Heimplatz ja auch finanzieren muss.

12.03.2019 17:51 • x 3 #32


A


Hallo Liselotte,

Mutter-Tochter-Beziehung / Konflikte, Tipps & Erfahrungen

x 3#3


MelodieSyren
Ich möchte hier mal meine Situation erleutern:

Ich bin 25 und leide an Depressionen. Meiner Mutter fällt es sehr schwer mich zu verstehen. Ich versteht überhaupt nicht was in mir vor geht und wie schlimm es mir geht.

Vor ca. 2 Monaten ist es so sehr eskaliert, dass wir 2 Wochen nicht miteinander geredet haben.
Ich muss dazu sagen, ich wohne alleine und meine Mutter wohnt ca. 2 Autostunden von mir weg. Wir sehen uns daher nicht und schreiben uns nur per Whatsapp oder telefonieren.

Und vor 2 Monaten kam es eben dazu, dass ich ihr schrieb dass ich am Ende bin und eben depressiv usw. und ich mein Leben nicht mehr auf die Reihe kriege. Und sie hat es einfach nicht verstanden. Sie meinte dann so Sachen wie, ja sie hat es ja auch nicht leicht im Leben und ich soll mich doch nicht so anstellen und die Sachen müssen eben gemacht werden. Und wenn ich meine Ausbildung nicht gebacken kriege, kriege ich gar nichts mehr hin und all sowas.
Und das tat mir unglaublich weh. Sie hat mich damit so sehr verletzt. Wir stehen uns eigentlich sehr nahe und ich dachte sie versteht mich, gibt mir Rückhalt. Aber das tut sie kaum.

Als wir uns dann ausgesprochen haben, sagte ich ihr, dass ich schon als Teenie Depressionen und Probleme hatte. Sie tat es damit ab, dass sie sagte, sie dachte das wäre normales Teenie Verhalten gewesen. Und damit war die Sache für sie quasi beendet. Sie scheint sich keine Gedanken darüber zu machen wie schlimm Depressionen sind/sein können.
Und dann sagt sie mir manchmal aber am Telefon: Ja ich habe schon Angst dass du was dummes machst (sprich, dass ich mir was antue oder mich umbringe).

Aber trotzdem hält sie es nicht für nötig mir zu helfen. Wenn ich zu ihr sage: Kannst du nicht mal - nur ein paar Tage - zu mir kommen?
Dann wird das von ihr jedes Mal nur abgeblockt. Dann kommt immer nur eine Ausrede. Zuerst konnte sie nicht wegen einem Zahnarzt Termin, jetzt geht es nicht weil sie wieder anfängt zu arbeiten usw.

Ich fühle mich da einfach im Stich gelassen. Mir geht es total dreckig, ich frage schon nach Hilfe und sage ganz klar dass es mir nicht gut geht, aber sie scheint das einfach zu ignorieren und sich zu denken: Ja da muss sie eben durch, ich habe keine Lust mich damit zu belasten.

Sehe ich das falsch?
Gibt es Mütter die mir von sich berichten können? Wie erlebt ihr das? Vielleicht schätze ich die Sache ja auch falsch ein. Ich bin froh über eure Gedanken. Danke sehr.

16.03.2019 22:01 • x 4 #33


Liselotte
Hallo , Du Liebe,
das tut mir so leid fuer Dich, dass Deine Mutter Dich nicht stuetzen kann. Da bist Du leider nicht die einzige hier mit diesen traurigen Erfahrungen. Ich bin Tochter und auch Mutter von einer Tochter und kann in beide Richtungen leider auch nichts, aber absolut nichts erwarten. Habe ich mir nach langem Kampf nun auch endgueltig abgeschminkt. Ist traurig, aber man kann da nichts erzwingen. Du siehst, schlimmer geht immer, ne, Spass beiseite.
Ich nehm Dich einfach mal ganz lieb in den Arm und bin mir sicher, Du rockst das auch alleine, mit Unterstuetzung von Menschen, die Dich unterstuetzen wolllen und es auch koennen.
G.l.G.
Liselotte

16.03.2019 22:29 • x 2 #34


Alexandra2
Liebe MelodieSyren,
Es macht mich traurig, daß Deine Mutter Deine Gefühle nicht akzeptieren bzw. damit nicht umgehen kann. Nach meiner Erfahrung solltest Du die Hoffnung aufgeben, Du bist nicht in der Verfassung, sie weiter zu bitten- und es ist für Dich erniedrigend und zu schmerzhaft.
Ich kenne die Situation, in sehr schwerer Zeit zurückgewiesen worden zu sein. Meine Mutter antwortete auf meine Bitte, mich in der Klinik zu besuchen, ich solle für immer da bleiben, wenn es mir so schlecht ginge. Das hat mich umgeschmissen und ich habe den Kontakt komplett eingestellt.
Der Klinikaufenthalt betrug 5 Monate, nach der Reaktion meiner Mutter war ich suizidal. Ich kann nur jedem raten, sich ausschließlich auf sich selbst zu besinnen und von allen, die einem nicht gut tun, Abstand zu nehmen. Auch von Angehörigen.
Jede Mutter, die ihr Kind liebt, wird versuchen, daß ihrem Kind geholfen wird. Egal wie klug jemand ist, man wird erkennen, welche Mühe sich jemand gibt um dem Anderen zu helfen.
Ich umarme Dich
Liebe Grüße
Alexandra

16.03.2019 22:48 • x 2 #35


MelodieSyren
Danke für eure Anteilnahme 3 Das bedeutet viel.

Ich möchte den Kontakt zu meiner Mutter nicht abbrechen. Aber ich wünsche mir einfach, dass sie mehr Verständnis zeigt und mir mehr hilft.Sie hatte bei unserem Knaller Gespräch mir auch an den Kopf geworfen ich würde ja nie etwas sagen wenn ich hilfe brauchte.
Das hat es mir echt gegeben.ich habe sie so oft um hilfe gebeten, so oft am Telefon geweint und gesagt ich kann das nicht und ich hab keine Ahnung wie das und jenes geht. Und immer kam nur so: Ja da muss du halt durch

Ich frage mich einfach, ob sie nur Ausreden sucht, weil sie nicht real sehen will wie dreckig es mir geht. Weil sie sich sicherer fühlt wenn sie weit weg von mir ist. Versteht ihr was ich meine?
Es war nur einfach hart zu lernen, dass Freunde mir momentan mehr beistehen und um Weites mehr Verständnis zeigen als meine eigene Mutter.

16.03.2019 23:48 • #36


maya60
Mütter und Töchter - oh je, auch bei mir ein Horrorthema!

Bei meinem unmöglichen Verhältnis zu meiner Mutter machen trotz aller echten Liebe, trotz allem, was wir gemeinsam haben und uns gegenseitig verdanken ihre maßlosen brutalen Aggressionsausbrüche und emotionalen Misshandlungen einen Kontakt unmöglich.
Sie leidet unter einem Kriegskindheitstrauma und ist Opfer wie Täterin, aber eben immer weiter gewalttätig abwechseln mit großer Liebe.

Sie ist nicht bereit oder fähig, das zu reflektieren und ich musste einen Schlussstrich ziehen zum Selbstschutz, denn ich erkenne mich in der Schattenkindgeschichte wieder.

Bei der Schattenkindgeschichte interessiert mich dabei die unbewusste Fernsteuerung durch unrealistische Glaubenssätze und Familienaufträge, die uns aus Kindheit und Jugend prägen.

Die führen nämlich zu zerstörerischem, selbstzerstörerischem Verhalten und zu Krankheiten als Erwachsener.

Jeder hat wohl irgendwo unter allen positiven und negativen Prägungen u.a. auch die, alleine nicht alles schaffen zu können. Ebenso die Familienaufträge, die Familie zu schützen und ihren guten Status auch. Soweit - so normal.

Wenn diese Prägung aber heißt: Du bist nicht gut und wichtig genug. und gleichzeitig Du musst die Genialität unserer Familie beweisen, fortführen oder wiederherstellen. und Du bist für das Glück deiner Mutter zuständig., dann ist der Ausbruch von Maßlosigkeit als Erwachsener in Form von Perfektionismus, Workaholic, Süchten, Überforderungskrankheiten zum ständigen unbewussten Selbstbeweisen vorprogrammiert, denn diese Prägungen sind nie zufrieden.

Genauso Wut, Angst, Aggression, Verzweiflung, Resignation in eruptiven Ausbrüchen schon bei Kleinigkeiten, die diese Prägungen schon bedrohen.

Wenn dazu noch kommt, dass durch psychische Erkrankungen der Angehörigen Erwartungen und Vernachlässigungen und Misshandlungen in Kindheit und Jugend maßlos waren, dann ist eine verzerrte instabile Weltsicht in Denken, Fühlen und Handeln der Erwachsenen immer da und führt schneller zu Eskalationen und Krankheiten.

Und dazu sind außerdem diese Familienaufträge zusammen mit dem schlechten Selbstwert schlicht unerfüllbar.

17.03.2019 16:47 • x 3 #37


maya60
P.S.: Meine Mutter und ich teilen da ein ähnliches Familienerbe seit Generationen, aber sie kann oder will dies nicht erkennen und sich davon im Verhalten distanzieren und ein friedlicheres, nicht mehr zerstörerisches und selbstzerstörerisches Verhalten einüben.

Mögen die alten Prägungen noch so schnell immer noch angetriggert werden, mag das Selbstwertgefühl immer noch schwanken, ich weiß mittlerweile, was da los ist und kann mich, diese innere Not und Bedrohung erkennen und beruhigen und bewusst anders handeln.

Ich bleibe da immer empfindlich und überreizbar und erwarte keine Wunder der Heilung dieser Prägungen, aber was ich damit mache, kann ich steuern.

Und so wäre dieses ständige Kampfverhalten meiner Mutter doch gar nicht nötig. Es geht nicht um Schuld, fehlende Vergebung oder Versöhnungsbereitschaft. Wir könnten so gut die letzten Jahre meiner hochbetagten Eltern gemeinsam im Familienboot gestalten als Gleichbetroffene, aber nein, nicht möglich.

Und wenn sie stirbt, stirbt auch die Hoffnung auf diese Einsicht von ihr und in anderer Hinsicht auch der Einsicht meines Vaters.

17.03.2019 17:14 • x 3 #38


djamila
Hallo @maya60 danke das du deine Mutter/Tochter Geschichte hier erzählt hast . Denn ich erkenne für mich Parallelen zu meiner Mutter/Tochter Geschichte . Ich bin froh heute selbst zu wissen das meine Mutter selbst ein Kriegskindtrauma hatte . Denn als Kind steht man dem hilflos gegenüber . Ich spürte das etwas nicht stimmt , aber was ? Wenn ich jetzt hier so sitze vor dem Bilschirm fällt es mir immer noch schwer über meine Mutter /Tochter Beziehung zu schreiben . Obwohl sie schon verstorben ist .
Als erstes fällt mir Angst ein eine Lähmende Angst , die Jahrelangen Alpträume , das Gefühl eine Marionette zu sein , seit ich denken Konnte weglaufen zu wollen . Aber wohin soll man laufen , wenn es niemanden gibt ! Wo man hinlaufen Könnte .
Hier muss ich Pause machen hilft nix . In diesem Moment zu belastend .
LG Djami

13.07.2019 23:52 • x 4 #39


A


Hallo Liselotte,

x 4#10


maya60
Hallo djamila, das beschreibst du genauso wie viele von uns es kennen. Und es hilft nichts, es zu belastend werden zu lassen, denn es war ja so und die belastende Erinnerung wird sich daher auch nicht ändern. Es war gut, dann nicht weiterzuschreiben.

Meine Erfahrung ist: Das, so schwer es war, zu wissen und zu akzeptieren, ist ein wichtiger Schritt, sich nicht mehr wie das ohnmächtige Kind früher zu verstecken und dem Kind seine Würde und seinen Platz zuzugestehen, es nämlich auch nicht zu verleugnen oder zu verstecken. Ihm nicht zu sagen, das können wir (ich,die Erwachsene zerre dich wieder dahin) lösen, ihm nicht zu sagen, das war ja gar nicht so schlimm, ihm nicht zu sagen, nun gib doch mal Ruhe. Sondern ihm seinen Ort und seine Berechtigung zu lassen und ihm und dir aber nicht zumuten, diese Angst wieder ertragen zu müssen, indem du darin rumwühlst und meinst, die Angst besiegen zu müssen.

Schreib nicht weiter, wenn du Angst hast, mute dir und dem Kind nicht zu, durch den Trigger durchzugehen. Das empfindet das Kind als Rücksichtslosigkeit und als nicht Ernstgenommenwerden und deine Emotionen auch. Das damals ist vorbei, aber es gehört prägend zu deinem Leben. den Platz lass ihm.

Dann, so meine Erfahrung, lässt es dir/euch auch mehr und mehr Platz für anderes und nimmt irgendwann das angstfreie Gespräch mit dir auf, als wichtiger Anteil deiner Psyche.

Aber jeder macht natürlich eigenen Erfahrungen, weil jede Biografie anders ist.


Liebe Grüße! maya

14.07.2019 13:44 • x 2 #40

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