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Hallo Schnubbel,
danke für Deine Antwort und Deine Offenheit.
Ja, es stimmt...der Körper versagt seinen Dienst. Aber: muss unser Körper uns dienen? Sind nicht vielmehr wir in gewisser Art und Weise verpflichtet, mit unserem Körper pfleglich umzugehen? Aber gut....
Veränderung? Was SOLL ich verändern? Was KANN ich verändern?
Auf die erste Frage fallen mir spontan mehrere Antworten ein. Auf die zweite Frage ....da wird es schwieriger. Familie, Haus, Grundstück, Hund, Job....was soll ich davon aufgeben?
Nein, ich WILL davon nichts aufgeben, weil all das MEIN LEBEN ist. Es ist das, was ich liebe. Das, was mich trägt. Das, was ich brauche.
Veränderung? Ich glaube, ich habe mich geändert. Wahrscheinlich unwesentlich für andere Menschen. Aber wesentlich für mich.
Und ja! Du hast Recht! Ich möchte mich so gern engagieren für....dies...und.....das....und....jenes. Weil auch ich ein "Kämpfertyp" bin. Meine Überzeugung ist, dass man nicht alles so hinnehmen darf. Dass man sich einmischen soll, einmischen muss. Und ich wollte noch mehr....mehr einmischen, mehr streiten, mehr arbeiten, mehr überzeugen, mehr kämpfen....
Allein....mir fehlt die Kraft dazu. Ich schaffe es nicht! Wenn ich es (wieder) machen würde, dann wäre ich wieder da, wo ich vor einem Jahr war. Dann funktioniere ich nicht mehr. Nicht fürs Kämpfen und nicht mal für meine Familie.
Ist es also nicht sinnvoller in meinem eigenen kleinen Kreis Veränderungen anzustreben? Zum Beispiel, dass ich meinen Kindern Werte vermittle. Und meine Kinder diese Werte dann weitervermitteln. Und diese dann wieder weiter....
Zum Beispiel, indem ich versuche, aus meinen Schülern gute Pflegekräfte zu machen (ich arbeite an einer Berufsfachschule). Streitbare, kritische Pflegekräfte. Kompetente Pflegekräfte, die mehr als "nur" Herz haben. Wenn ich am Ende der Ausbildung sagen kann: zwei oder drei Schüler haben dies geschafft, dann bin ich zufrieden. Dann ist dies auch mein Verdienst.
Ich versuche, für meine eigene kleine Welt zu kämpfen. Nicht für die große ganze!
"Dann retten wir die Welt eben nicht." schrieb mir mal eine Bekannte.
Und wenn meine Kinder aus dem Haus sind, und wenn ich dann vielleicht eine gewisse Leere spüre, dann, ja dann werde ich wieder anfangen zu streiten; für andere kämpfen.
Solange werden mir ausschließlich meine Familie und meine Freunde wichtig sein. Nur um sie will ich mich sorgen, mich kümmern, mich einsetzen. Für mehr Menschen reicht meine Kraft (zur Zeit) nicht.
Wenn ich wieder stark bin....so hast Du es geschrieben.
Und genau so sehe ich es auch. Okay, ich fühle mich jetzt stark, aber meine Stärke reicht nur für meine Welt, für mehr leider nicht.
Und nein, ich will deswegen kein schlechtes Gewissen haben (das gelingt mir nicht immer).
Oh ja, mir ergeht es ähnlich wie Dir. Aber was bin ich der Gesellschaft wert, wenn ich mit Burnout zu Hause sein muss?
Und ich denke, dass ich unserer Gesellschaft einen guten Dienst erweise, indem ich meine Kinder zu guten Menschen erziehe. Dass ich auf diese Art und Weise einen Beitrag - einen mir (!) möglichen Beitrag - leiste. Ist dies nicht genug?
Mich hinterfragen? Ach, wie oft tat ich das! Nur gut tat es mir oft nicht. Ich zweifelte an mir; an meiner Arbeit anstatt mal mit der Faust sinnbildlich auf den Tisch zu hauen.
Nein, ich bin nicht für alles verantwortlich! Und das ist / war mein Knackpunkt. Mein "für-alles-und-jeden-verantwortlich-fühlendes" Handeln trieb mich dahin, wo ich war.
Heute versuche ich, Verantwortung aus meiner Hand geben zu können. Dies gelingt mir nicht immer. Aber der Satz "Das ist mir egal." geht immer leichter von meinen Lippen. Deswegen hinterfrage ich trotzdem mein Tun und zwar immer an erster Stelle!
Dazu kommt noch ein "Jetzt!"-Gefühl. Jetzt! ist mir wichtig. Dieser Moment! ist mir wichtig. Heute! ist mir wichtig.
Weniger an morgen denken, was sein könnte. Weniger an gestern denken, an das was war und nicht mehr zu ändern ist.
Sondern Jetzt! leben. Den Augenblick sehen und genießen.
Per Zufall geriet mir heute ein Zitat aus dem Buch "Die geschützten Männer" von Robert Merle in die Hände. Er schrieb:
"Der Mensch macht den Fehler, die Hälfte seines Lebens damit zu vertun, dass er in Hoffnung oder in Furcht vor dem kommenden Tag lebt. Ohne jeden Aufschub wird er von Termin zu Termin gestossen, und durch das unaufhörliche Warten verliert er seine Fähigkeit, die Gegenwart zu genießen."
In diesem Sinne alles Gute für Dich. Lass Dich treiben und genieße es, einfach nur mitzuschwimmen. Deine Frau und Deine Kinder sind Deine Wellen, die Dich tragen. Und sie sind Dein Rückenwind, die Dich vorantreiben, wenn Du (!) es kannst.
Viele Grüße
FreieHeide