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Konzentrationsschwierigkeiten, Zukunftsängste und Panik

Hallo zusammen,

ich bin neu hier in diesem Forum und hoffe, dass ich hier auf Verständnis für meine Situation treffe.
Zu meiner Person: ich bin weiblich, 24 und leide seit ca. 10 Jahren an Depressionen. Erst vor einigen Monaten überwand ich mich und fand den Weg zum Therapeuten. Seitdem hatte ich erst vier Termine, doch schon jetzt merke ich, wie es mir immer schlechter geht. Natürlich ist die Therapie ein sehr schwerer Weg, aber ich habe das Gefühl es nicht schaffen zu können. Das letzte Jahr hat mich emotional so sehr zugesetzt, dass ich keinen Tag ohne Panikattacken, Ängste oder Zwänge mehr verleben kann. Es ist alles grau in grau und selbst ein schöner Tag wird abends so schlecht geredet, unbewusst, dass ich bereue an diesem Tag überhaupt etwas gemacht zu haben.

Momentan ist es auch so, dass ich nachts mit Herzrasen wach werde und Panikattacken habe, aber ich weiß nicht wieso.
In meinem Studium ist es so, dass ich mich gar nicht mehr konzentrieren kann. Eigentlich bin ich immer jemand, der gute Noten schreibt, aber selbst das bleibt auf der Strecke, weil ich mich nur noch auf meine Gedanken konzentrieren kann und alles andere nicht mehr wahrgenommen wird.

Vielleicht empfindet ihr ähnliches und wir können uns darüber austauschen.

Vielen Dank, dass ihr meinen Beitrag gelesen habt.

Liebe Grüße
Phoebe

#1 in Angst, Panikattacken, Phobien & Zwänge


Anthea
Hallo Phoebe,

Erstmal ein herzliches willkommen..

Ich kann dir leider nicht helfen..

Meine Frage an dich ist folgende..
Hast du schon mal drüber nachgedacht dich stationär behandeln zu lassen?

Darf ich fragen was passiert ist?

Liebe Grüße Anthea

x 1 #2


Hallo Anthea,

Danke für deine schnelle Antwort!
Dazu bin ich nicht wirklich bereit, weil ich Angst habe, wie es in meinem Umfeld ankommt. Mein Freund und ich sind schon mehrere Jahre zusammen und wir reden auch offen darüber und er steht trotzallem hinter mir. Dennoch habe ich sehr große Angst davor, dass er sich dann während meines Klinikaufenthalts von mir abwenden könnte.
Zudem weiß ich auch nicht, ob das überhaupt das richtige ist.
Es soll jetzt auch nicht wie Selbstmitleid klingen, aber ich frage mich, ob es überhaupt möglich ist diese Gedanken und Gefühle aus mir raus zu bekommen, gerade weil es schon über so viele Jahre geht und sich verankert hat. Das ist keineswegs pessimistisch gemeint, sondern ganz neutral

Es ist sehr viel familiär passiert und vieles in jüngeren Jahren hatte einen schlechten Einfluss auf mich, was ich nicht vergessen und mir nicht verzeihen kann.

Liebe Grüße
Phoebe

#3


Anthea
Ich kann deine Besorgnis verstehen..
Ich hatte diese Angst auch..

Trotzdem war ich in die Klinik gegangen..
Und es stehen alle hinter mir..

Das kann ich natürlich nicht sagen..
Sprich in wie weit es hilft oder nicht bei dir..

Vielleicht wäre es ein Versuch wert?

x 1 #4


Wie läuft denn so ein Klinikaufenthalt ab? Man hört ja nicht so gute Dinge davon..
Welche Erfahrungen (positiv und negativ) hast du gemacht?
Hat es dir geholfen? Wie ist deine momentane Situation.

#5


CeHaEn
Moin Phoebe

Da hast du dich ja sehr lange mehr oder weniger allein durchgebissen. Gut, dass du dir nun Hilfe gesucht hast.
Nun stehst du noch ganz am Anfang deiner Therapie und da verschlechtert sich die Stimmung oft. Das kann auch im weiteren Verlauf der Therapie immer wieder mal passieren, denn möglicherweise wartet die eine oder andere unangenehme Erkenntnis auf dich. Oder du wirfst mit etwas Abstand einen Blick zurück und schlägst die Hände über dem Kopf zusammen. Jedenfalls wird sich eine ganze Menge Denkfutter ergeben und das ist natürlich nicht einfach.

Du musst eigentlich keine Angst haben, es nicht zu schaffen. Es gibt keine Deadline und du wirst deine Schritte so gehen, wie du es eben kannst. Es ist allerdings wichtig, dies auch soweit zu verinnerlichen, dass du dir deswegen selbst keinen Druck machst.

Dein Therapeut kann dir sicherlich auch einige Methoden zeigen, die du bei deinen Panikattacken ausprobieren kannst. Vielleicht funktionieren sie für dich - vielleicht aber auch nicht. Das wird sich zeigen. Wenn es nicht anders geht, dann kann man den richtig schlimmen Attacken auch mit Medikamenten begegnen.

Das gilt auch für stationäre Therapien. Meiner Erfahrung nach bieten sich hier auch die Vorteile, dass du deine Probleme von mehreren Seiten unter intensiver Betreuung bearbeiten kannst und dass du Menschen um dich hast, die deine Situation sehr gut nachvollziehen können. Dazu muss man natürlich selbst auch bereit sein und wie gut die Erfahrung letztlich ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab.

Aber eines nach dem anderen. :)

#6


Hallo CeHaEn,

das mit dem keinen Druck machen ist halt so eine Sache. Genau das sagt mir meine Therapeutin auch immer, aber ich weiß nicht, wie ich den Druck lindern soll.
Ich habe es auch schon mit mehreren Antidepressiva probiert, aber leider bin ich was das angeht sehr empfindlich und ich habe keine davon vertragen. Mein Hausarzt wollte mich daraufhin zum Neurologen schicken, allerdings finde ich das nicht wirklich gut. Hast du dich auch durchprobieren müssen oder wie war es bei dir?

Die Sache mit der Klinik möchte ich auch erstmal hinten an stellen, weil ich die Therapie ja jetzt erst richtig beginne und ich hoffe, dass sie mir irgendwie helfen kann...

#7


Liebe Phoebe

Ich kann dich und deinen Zustand sehr gut verstehen und würde dir von einem Klinikaufenthalt abraten. Ein Klinikaufenthalt ist nicht für jedermann etwas. Du scheinst ein gewohntes Umfeld zu besitzen, dass dich in ambulanter Pflege gut unterstützen kann - das reicht meiner Meinung nach. Du schreibst auch, dass du schon verschiedene Antidepressiva probiert hast und keines richtig Wirkung zeigt. Es wäre zu einfach, einfach eine Pille schlucken zu können und alles wäre anders. Dein Gehirn ist neuroplastisch und auch veränderungsfähig, egal wie lange du einen Zustand schon hast. Dies ist wissenschaftlich bewiesen und lässt sich auch mit einfachen Beispielen beweisen.

Kannst du deine Zwänge, sowie diesen Satz "Eigentlich bin ich immer jemand, der gute Noten schreibt, aber selbst das bleibt auf der Strecke, weil ich mich nur noch auf meine Gedanken konzentrieren kann und alles andere nicht mehr wahrgenommen wird." mal näher beschreiben und Beispiele dazu machen?

Gruss Pro

#8


Hallo Pro,

die Klinik wäre auch wirklich nur eine Lösung für mich, wenn alles andere nicht klappt oder es sich nochmals drastisch verschlechtert.

Ich befinde mich dann in einem Gedankenkreis wie zum Beispiel: ich lerne und verstehe etwas nicht und denke dann folgendes "wieso verstehe ich das nicht? Das ist doch gar nicht so schwer, jetzt streng dich doch endlich mal an. Es kann doch nicht sein, dass du das jetzt auch nicht hinbekommst. Wenigstens das musst du noch irgendwie schaffen" dann mache ich mir aber so einen Druck, dass es dann ja auch aus rein biologischer Sicht für mein Gehirn nicht möglich ist noch Dinge aufzunehmen unter so einem Druck. Dadurch verstärkt sich dann aber nur die Selbstverachtung und ich komme aus dem Teufelskreis nicht mehr raus :(

#9


Du bist meiner Meinung nach einfach in einer akuten Phase einer Depression. Viele beschreiben ja genau dieses Gedankenkarussell als mühsamstes Symptom überhaupt. Ich würde mich eher darauf fokussieren, dir keinen Druck zu machen, herausfinden was dir gut tut und die Zeit heilt dich von selber.

#10


Was für Zwänge hast du?

#11


Es war bisher halt schwierig Zeit für mich zu nehmen, da mein Gesundheitszustand ziemlich schlecht war (aufgrund langwieriger körperlicher Beschwerden). Diese klingen zum Glück langsam ab und ich darf sogar wieder mit dem Sport beginnen.

Ich würde es als eine Art Kontrollzwang betiteln. Es muss alles richtig laufen und wenn etwas schief läuft, dann ist der Tag gelaufen. Gleichzeitig weiß ich, dass es eigentlich Quatsch ist, dass ich das so empfinde was mich dann wieder in die oben genannte Gedankenschleife bringt

Hast du vielleicht Tipps für mich?

#12


Schau doch mal die Doku: "Neustart im Kopf" bei Youtube.

#13


CeHaEn
Was den Druck angeht: Ich habe für mich Akzeptanz als einen wichtigen Faktor ausgemacht. Damit meine Akzeptanz dir selbst und deiner Depression gegenüber.
Du hast jetzt zur Zeit nun einmal deine Probleme. Du tust etwas dagegen - aber das braucht Zeit und Arbeit und niemand kann dir genau sagen, wann es besser wird. Das kannst du für den Moment nur so hinnehmen. Es wird auch Punkte geben, die du nicht direkt verändern kannst; mit denen du anders wirst umgehen müssen.

Jetzt ganz akut hast du ja deine Schwierigkeiten beim Lernen genannt. Darüber ärgerst du dich und ziehst dich damit nur noch weiter runter. Diese Schwierigkeiten bestehen im Moment aber nun einmal. Das macht dich nicht zu einem schlechteren Menschen. Deine Schwierigkeiten haben Ursachen und diese musst du erstmal bearbeiten.
Angenommen, eine Freundin von dir wäre jetzt in deiner Lage: Was würdest du ihr sagen? Würdest du ihr sagen, dass sie eben strohdoof ist und sowieso nie wieder etwas auf die Reihe bekommen wird? Würdest du ihr die Freundschaft kündigen, falls sie ihre Depression nicht bis spätestens in einem Jahr überwunden hat?
Das würdest du bestimmt nicht tun. ;) Mit dir selbst gehst du dagegen viel zu hart ins Gericht. Dabei solltest du dir selbst genau das sagen, was du dieser Freundin mitgeben würdest.
Du hast deine Qualitäten. Du hast deine Erfolge im Leben gehabt - selbst wenn sie dir manchmal als selbstverständlich erscheinen mögen. Jetzt gerade erkennst du das vielleicht alles nicht, weil deine Probleme viel zu sehr präsent sind.
Mach dir mal bewusst, was du bis heute geschafft hast und warum du es geschafft hast. Deine Freunde und Familie können dir da sicherlich auch Input geben.

Mit den Antidepressiva ist sehr oft viel Ausprobieren verbunden. Das braucht auch seine Zeit, weil diese Medikamente ihre volle Wirkung erst nach mehreren Wochen entfalten. Ich habe mit Escitalopram angefangen. Das brachte zwar eine gewisse Verbesserung, hat aber nicht ausgereicht. Dann habe ich auf Venlafaxin umgestellt und das hat etwa ein Jahr lang ganz gut funktioniert, war dann aber auch nicht mehr ausreichend und eine höhere Dosierung habe ich nicht vertragen. Seit Februar nehme ich keine Medis mehr, aber das Thema ist noch nicht vom Tisch. Antidepressiva sind eben nur ein Hilfsmittel; wie ein Gipsverband am gebrochenen Arm.

#14




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